Freifahrt auf der Güterbahn

Da sich die DB entschieden hatte, die Freifahrten am Tag nach einer Goldmedaille für Deutschland auf die Paralympics auszuweiten, war ich heute mal wieder in der 1. Klasse des Fernverkehrs unterwegs. Zuerst nach Hamburg, wo ich eine Stunde Zeit hatte, die ich nutzte, um an den Elbbrücken ein „anständiges“ Foto eines DT4 der Hochbahn zu machen:

Auf dem Weg dahin ergab sich auch ein Bild des nur mit einem Gitter abgesperrten „Geisterbahnsteigs“ in Hauptbahnhof Nord.

Dann machte ich mich aber auf den Weg zum eigentlichen Zweck der Reise: die Befahrung der Güterumgehungsbahn, die nämlich wegen der baubedingten Sperrung der Verbindungsbahn derzeit als Umleitung für einige Fernzüge dient. Kaum war ich mit dem EC Richtung Kopenhagen abgefahren, erfuhr ich, dass ich keinen neuen Abschnitt kennenlernen würde, denn wegen einer Streckensperrung bogen wir auf die Lübecker Strecke ab und fuhren über Bad Oldesloe nach Neumünster. Das ging auch nur, weil unser Zug außerplanmäßig noch ein dieselbetriebener IC3 ist. Auf dem eingleisigen Streckenabschnitt verpassten wir den entgegenkommenden Regionalbahnen zwar ordentliche Verspätung, kamen selbst aber einige Minuten vor Plan in Neumünster an.

Dort entdeckte ich auf dem Nachbargleis einen ICE, der wegen der Sperrung zurückgehalten worden war und als Fahrtziel Hamburg-Harburg hatte (nachdem er ursprünglich nach Stuttgart hätte fahren sollen). Dieses Ziel konnte er ja nur über die GUB erreichen, und so wartete ich geduldig, bis es nach einer halben Stunde tatsächlich weiter ging. Noch während der Fahrt wurde bekannt gegeben, dass wir statt Harburg den Hbf anfahren und der Zug dort auf einen anderen ICE nach TS wenden würde. Die Fahrgäste dorthin freuten sich – ich mich auch, denn nicht nur hatte es jetzt tatsächlich mit der Bereisung geklappt, sondern so konnte ich noch in AH beim Mexikaner essen und mich direkt eine halbe Stunde später wieder auf den Weg nach Bremen machen.

Kein Zug nach Nirgendwo

Am Wochenende ging es mal wieder mit Ole nach Schladern. Hin fuhren wir zwar im selben Zug, aber nicht zusammen, weil ich dank ProbeBahnCard und Aktionsgutschein recht günstig in der (ebenfalls ziemlich vollen) 1. Klasse reiste. Den Umsteigebahnhof Köln erreichten wir mit immerhin so viel Verspätung, dass wir die eigentlich geplante S-Bahn nicht mehr erreichten, dafür aber den RE von fast einer Stunde vorher. Der stand dann in Deutz wegen einer Signalstörung noch eine Weile herum, was uns auf dem Nachbargleis noch folgenden Anblick bescherte:

Zug der Mittelrheinbahn nach „Nirgendwo“

Zum Glück nicht nach Nirgendwo, sondern letztendlich doch noch nach Schladern führte unsere Reise, so dass wir den Zielbahnhof gegenüber dem ursprünglichen Plan mit ganz passablen etwa +15 erreichten.

Auf dem Rückweg nahmen wir ebenfalls den RE, was uns möglicherweise den Umstieg in Köln rettete. Der erfolgte in den „Female ICE“, der für eine Aktion beklebt wurde, bei der er nur mit weiblichem Personal besetzt war.

Der „Female ICE“ in Köln Hbf

Ob er das danach auch noch ist, weiß ich nicht. Ich sah zwar nur Frauen als Zugbegleiterinnen, das mag aber Zufall gewesen sein. Wie dem auch sei, jedenfalls erreichten wir, diesmal beide in der 2. Klasse, angenehmerweise Bremen pünktlich. Ole musste sich jetzt angesichts des ÖPNV-Streiks allerdings aufs Fahrrad schwingen, während ich wie immer nur einen kurzen Fußweg zurückzulegen hatte.

Der Neigung nachgegangen

Am letzten Wochenende der Olympischen Winterspiele gab es zwei Goldmedaillen für das deutsche Team. Was das mit der Eisenbahn zu tun hat? Der Medaillengewinn war auch ein Gewinn für so einige Bahnkunden, die eine Probe BahnCard Gold erworben hatten und dadurch jeweils einen Tag kostenlos im DB-Fernverkehr fahren konnten. Da ich einer davon war, machte ich mich am Samstag auf den Weg. Der ursprüngliche Plan war, die Umleitungsstrecke Hamburg–Berlin über Uelzen–Stendal zu fahren. Da ich aber kurzfristig erfahren hatte, dass an dem Tag auch noch die Neigetechnik-ICE der BR 415 verabschiedet wurde, disponierte ich in Harburg um und fuhr nach Hannover. Von da ging es weiter mit dem IC Richtung Leipzig, wo die Abschiedsfahrt Station machen sollte. So entging mir zwar die Erstbefahrung der Strecke Uelzen–Stendal, dafür wurde der IC aber über die Strecke Stendal–Magdeburg umgeleitet, die ich auch noch nicht kannte. LL erreichten wir dadurch mit etwa +20, aber immer noch rechtzeitig für die Abschiedsfahrt, für die sich schon zahlreiche Eisenbahnfans auf den Bahnsteigen postiert hatten. Dadurch und wegen des ungünstigen Sonnenstands wurden meine Fotos nicht die allerbesten, aber immerhin die Gedenkanschrift am Zug habe ich ganz gut verewigen können.

Abschiedsfahrt der Baureihe 415 in Leipzig Hbf

Jetzt machte ich mich aber auf den Weg zu meinem ursprünglich geplanten Ziel, passenderweise mit einem „langen“ Neigetechnik-ICE der BR 411, die weiterhin in Betrieb bleiben. Der brachte mich pünktlich nach Dresden, wo ich erst mal Bilder vom örtlichen Nahverkehr machte, darunter dem neuesten Pferd im Straßenbahnstall.

Wagen des Typs NGT DXDD am Dresdner Hbf

Nach nur einer Stunde trat ich auch schon wieder den Rückweg an. Um die Freifahrt für etwas Ungewöhnliches zu nutzen, tat ich das mit dem ComfortJet, einer tschechischen Variante des Railjet, die zwischen Wien, Budapest, Prag, Dresden und Berlin unterwegs ist, nach der Generalsanierung auch bis Hamburg und Kopenhagen. Der hatte leider eine halbe Stunde Verspätung, dafür hatte ich in der 1. Klasse, die ich mit meiner BahnCard Gold benutzen durfte, den ganzen Wagen für mich alleine:

1. Klasse des ČD-ComfortJet

Auch aus dem Restaurant konnte ich mich am Platz bedienen lassen, hatte aber gerade keine Lust auf tschechisches Essen und ließ es daher bei einer Limo bewenden.

2. Klasse des ČD-ComfortJet
Steuerwagen des ČD-ComfortJet

Durch die Verspätung verpasste ich leider den Anschluss in Berlin, hatte dafür dann aber dort Zeit zum Essen und zum Bewundern der Rolltreppen, die fast alle gerade wegen eines technischen Defekts abgeschaltet waren. Weiter ging es mit einem ICE Richtung HH, der sich leider durch längeres Herumstehen vor Wolfsburg auch wieder Verspätung einfuhr und den Umsteigebahnhof erreichte, als mein Anschlusszug am Gleis gegenüber gerade abgefahren war. Das war dann schon etwas ärgerlich, immerhin fuhr kurz danach schon der RE, den ich nun mit meinem Deutschlandticket in der 2. Klasse nutzte und so HB zwei Stunden später erreichte als geplant.

Da es am Samstag noch eine Goldmedaille gegeben hatte, machte ich mich am Sonntag noch mal auf den Weg, allerdings erst nach ausgiebigem Ausschlafen. Diesmal stand die Erstfahrt mit dem ICE L auf dem Programm, der ja zurzeit zwischen Köln und Berlin eingesetzt wird und in dieser Richtung praktischerweise über Osnabrück fährt. Also machte ich mich auf den Weg gen Süden, kurioserweise in einer Zeitlage, in der statt des stündlichen ICE nur der halbstündlich versetzte IC aus Westerland fuhr, so dass ich den Vorgänger des ICE L auch noch einmal genießen konnte – übrigens in einer ziemlich vollen ersten Klasse und mit einer farblich passenden 101.

IC 1 aus Westerland in Recklinghausen Hbf

Nach einem kurzen Gang durch die sonntäglich tote Altstadt erwartete ich gespannt die Ankunft des Zuges, nur um zu erfahren, dass dieser kurzfristig umgeleitet wurde. Stattdessen kam kurz danach der IC nach Emden in Gestalt eines ICE 2, in dem wir erfuhren, dass wir den ICE L in EMST noch würden erreichen können. Das passierte dann auch tatsächlich:

Steuerwagen des ICE L in Münster Hbf
1.-Klasse-Wagen des ICE L in Münster Hbf

Ein bisschen wirkt er ja mit seinen kurzen Wagen wie ein Spielzeugzug. Nach einer nun etwas verkürzten Fahrt stieg ich in HO aus und in den etwa 30 Minuten verspäteten ICE nach HB ein. Dort kam er allerdings nicht an, weil er wegen eines Wildunfalls kurzfristig über die Güterumgehungsbahn umgeleitet wurde. Zum Glück hielt er vorher noch in Kirchweyhe, was sogar im Fahrgastinformationssystem angezeigt wurde:

Natürlich passte der Zug nicht ganz an den Bahnsteig, weshalb aus der 1. Klasse erst mal eine Völkerwanderung nach vorne einsetzen musste.

Insgesamt ging aber alles ziemlich schnell vonstatten: Die Fahrgäste für Bremen stiegen aus, der ICE fuhr weiter und dürfte auf der kürzeren Strecke einiges von seiner Verspätung abgebaut haben. Zum Glück kam auch direkt dahinter der RE, so dass die Fahrt nach Bremen – nun allerdings in einer recht vollen 2. Klasse – nur unwesentlich länger dauerte.

Fast 100 % gegeben (3/3)

Am Sonntag ging es leider schon wieder auf den Heimweg aus Luxemburg. Als krönenden Abschluss hatte ich mir aber noch vorgenommen, die Nordstrecke bis Lüttich zu befahren. Am Bahnhof Luxemburg habe ich noch ausreichend Zeit, eine Doppelstockgarnitur von der Seite des Steuerwagens auf den Chip zu bringen.

Bis Kautenbach (bzw. theoretisch von meiner Reise 2006 bis Clervaux) kenne ich die Nordstrecke ja schon. Beim Halt in Kautenbach mache ich noch aus dem Zug ein Bild vom Bahnhof. Auf den neueren Bahnhofsschildern steht der französische Ortsname (den man in der Fahrplanauskunft und auf Landkarten findet) oben, darunter der luxemburgische. Auf den älteren Schildern steht nur der französische. Übrigens sind im luxemburgischen Menü der CFL-Fahrkartenautomaten auch die Ortsnamen in Frankreich in dieser Sprache angegeben. So musste ich am Vortag erst mal darauf kommen, dass ich eine Fahrkarte nach Diddenuewen brauche.

Die Fahrt geht weiter zum Grenzbahnhof Troisvierges, bei dem man auch nicht unbedingt darauf kommt, dass die Namen Ulflingen und Ëlwen denselben Ort bezeichnen. Hier haben wir einige Minuten Aufenthalt, und das Personal wechselt. Dann geht es weiter durch recht einsame, verschneite Landschaft über die Grenze. Bald wird es bergig, und wir folgen dem Lauf verschiedener Flüsse: OpenStreetMap meint, es sei erst der Glain, dann die Salm und dann die Amblève. In Rivage, wo wir auch auf die Strecke aus Marloie treffen, fließt die Amblève wiederum in die Ourthe.

Wildromantische Landschaft

Nach insgesamt knapp drei Stunden Fahrzeit erreichen wir Lüttich. Hier fließt wiederum die Ourthe in die Maas, die neben der Bahnstrecke von einer imposanten Straßenbrücke überquert wird.

Dann ist der Bahnhof Liège-Guillemins erreicht. Durchgefahren bin ich hier schon oft, aber jetzt habe ich endlich mal Zeit, die Architektur zu bewundern und für meine Sammlung zu verewigen.

Bahnhofshalle von Liège-Guillemins. In der Mitte der Desiro ML, mit dem ich aus Luxemburg gekommen bin.

Von hier wäre der schnellste Weg mit dem Eurostar (ex Thalys) nach Köln gewesen. Da alleine diese Strecke aber schon 60 Euro nicht stornierbar gekostet hätte, fahre ich lieber mit dem Nahverkehr weiter. Das ist zufällig der LIMAX, mit dem ich sowieso schon immer mal fahren wollte.

Der Zug ist recht voll, aber am Ende findet sich noch ein Platz für mich. Diesmal sitze ich auf der anderen Seite, wo es auch eine schöne Maasbrücke gibt:

Parallel zur Maas fahren wir dann auch über die niederländische Grenze, damit der Dreiländerzug seinem Namen auch gerecht wird. In Maastricht biegen wir auf die Strecke nach Heerlen ab, die durch die Gegend führt, in der die Niederlande ihrem Namen am wenigsten Ehre machen. Inzwischen ist der Zug so leer geworden, dass ich einen Vierer für mich habe. Kurz vor Herzogenrath passieren wir unbemerkt für mich die Systemwechselstelle zum deutschen Stromnetz und die Staatsgrenze. Gleich darauf muss ich auch schon umsteigen.

Mein nächster Zug ist der RE 4 nach Düsseldorf. Der ist erfreulicherweise pünktlich und auch recht leer. Und sogar die Sauberkeit, von der ich in Luxemburg so angetan war, ist auch hier zu bewundern. In Düsseldorf steige ich aus und esse erst mal beim Frittenwerk. Eigentlich ist der Plan, mit dem RE 2 nach Osnabrück zu fahren und je nach Verkehrslage auf dem letzten Stück vielleicht noch mit dem ICE abzukürzen. Nun ist die Verkehrslage aber so, dass der RE ausfällt. Also kaufe ich mir ein Ticket für den ICE, verbringe die restliche Zeit in der Lounge und fahre dann mit dem ICE nach Hause. Der ist erfreulicherweise bis kurz vor dem Ziel pünktlich und fährt (bzw. steht) sich erst in Bremen-Hemelingen etwa +10 ein. So geht die Tour auch auf dem deutschen Streckenabschnitt recht erfolgreich zu Ende.

Auch für die „Route Coverage“ bei Viaduct war die Tour erfolgreich: Ich habe jetzt 95 % des Streckennetzes befahren. Außer der Strecke nach Longwy fehlt jetzt nur noch die Museumseisenbahn → „Train 1900“, die von Pétange in Richtung der französischen Grenze führt.

Mit dem Talgo zu Lego

Zwischen Weihnachten und Neujahr ergab sich die Gelegenheit, schnell noch nach Hamburg zu fahren und einen Blick auf den neuen EC der dänischen Staatsbahn zu erhaschen, der nach und nach auf der Strecke nach Kopenhagen eingeführt wird. Es handelt sich um einen Zug der spanischen Marke Talgo und damit um das Pendant des neuen ICE L. Im letzten Sonnenlicht gelangen mir zwei Bilder auf der Alsterbrücke, leider ohne die Lok:

Danach erwies es sich als Vorteil, dass die Strecke Hamburg–Berlin gerade generalsaniert wird. Dadurch können die EC (bzw. in Deutschland ECE) nämlich ihre gesamte Wendezeit von fast zwei Stunden auf Gleis 5 verbringen, so dass ich den neuen Zug ausgiebig begutachten konnte.

Auf dem Bild ist das Talgo-Prinzip sehr gut zu erkennen, nach dem sich immer zwei Wagen, die etwa die halbe Länge von konventionellen haben, ein Drehgestell teilen.

Die Steuerwagen wurden später bestellt, daher muss derzeit die Lok an den Endbahnhöfen noch umsetzen. So sehen die Drehgestelle von nahem aus:

Die Zielanzeige ist in die Tür integriert:

Nachdem die Reinigung abgeschlossen war, habe ich noch einen Blick ins Innere riskiert. Das wirkte auch recht angenehm. Leider gibt es, wie in Dänemark üblich, statt eines Speisewagens nur Snackautomaten.

Leider verpasste ich danach die Gelegenheit, auch die Toilette des neuen Zuges zu nutzen, denn der Metronom, mit dem ich zurückfuhr, hatte keine funktionierende. Zum Glück hielt ich es aber bis zu Hause aus und bin gespannt auf meine erste Mitfahrt mit dem neuen Zug.

Fast 100 % gegeben (1/3)

Frohes neues Jahr euch allen!

Hineingerutscht bin ich wieder mit Freunden, diesmal in Augsburg. Da sich quasi direkt ein Wochenende anschloss, bot es sich an, nicht auf dem direkten Weg zurückzufahren. Nach einigem Überlegen beschloss ich, mir Eric aus dem ICE-Treff als Vorbild zu nehmen, der vor einer Weile die Luxemburger Nordstrecke inklusive der Zweigstrecke nach Wiltz befahren hatte. Da ich seit einiger Zeit meine wichtigsten Bahnfahrten bei → viaduct.world mitlogge, würde ich so vielleicht auf 100 % „Netzabdeckung“ kommen.

Die Hinfahrt nach Augsburg hatte vor allem drei Besonderheiten: Zum ersten sind beide ICE, die ich an diesem Tag benutze, als ICE-T geplant, werden aber kurzfristig durch ICE 2 ersetzt. Zum zweiten komme ich problemlos durch die Baustelle zwischen Neustadt am Rübenberge und Wunstorf. Da die S-Bahn auf diesem Abschnitt gar nicht verkehren konnte, war ich davon ausgegangen, dass die Strecke komplett gesperrt ist. Sie ist aber eingleisig weiterhin befahrbar. Zum dritten fährt der ICE ab Hannover ohne Halt die gesamte SFS bis Würzburg durch. Für diesen Zuglauf ist das wohl planmäßig, aber selber erlebt habe ich das noch nie. MA erreiche ich nach einer recht entspannten Reise mit etwa +10.

Unfreiwillig entspannt ist es am 2. Januar, als ich mich auf den Weg nach Luxemburg machen will: Der ursprünglich geplante ICE fällt zwischen München und Stuttgart aus. So kann ich aber immerhin noch etwas länger mit meinen Freunden frühstücken und fahre dann eine knappe Stunde später zum Hauptbahnhof. Keine ganze Stunde deswegen, weil der Folgetakt zu meinem Zug ab Ulm nicht über die SFS fährt, sondern über die Geislinger Steige. Die ist zwar immer wieder nett zu fahren, aber so muss die Erstbefahrung der neuen Strecke noch warten. Noch bevor wir Mannheim erreichen, fängt mein Magen an zu knurren, und mir fällt ein, dass ich gar keinen Proviant eingepackt habe. Die Schlange im Bordbistro ist zu lang, aber die Umstiegszeit reicht gerade, um sich noch am Automaten einzudecken.

Weiter geht es mit dem RE 1, der von Mannheim über Trier nach Koblenz und damit sozusagen einen Dreiviertelkreis durch Rheinland-Pfalz und das Saarland fährt. Wie Eric habe ich vor, in Merzig auszusteigen und von da mit dem 407er Bus zum Luxemburger Kirchberg zu fahren. Der ist ein wenig ein Geheimtipp, da ihn nur die Luxemburger Auskunft → mobiliteit.lu kennt, nicht aber die deutsche. Dafür gilt dort bis zur Grenze das Deutschlandticket, im Großherzogtum ist der öffentliche Nahverkehr sowieso seit 2020 kostenlos benutzbar.

Der Zug kommt pünktlich an, ich habe direkt Anschluss an den Bus, den auch die örtliche Anzeige verschweigt. Außer mir nutzen ihn nur drei andere Passagiere, aber ich bin ja auch an einem Brückentag gegen die Lastrichtung unterwegs. Der Bus nutzt ein Stück die Autobahn Richtung Luxemburg, fährt aber vor der Grenze wieder ab und überquert selbige auf der Landstraße bei Remich. Endstation ist am Busbahnhof auf dem Kirchberg, dem Geschäftszentrum der Landeshauptstadt und Ziel vieler Pendler. Davon sind um diese Zeit auch einige unterwegs. Auch der Bus, den ich ab hier nehme, ist recht gut gefüllt. Er fährt ins französische Thionville, ich verlasse ihn aber schon nach einer Station am Bahnhof Howald wieder und starte noch in Begleitung meines Koffers die erste Streckenbereisung: Es geht nach Noertzange, von wo ich die Strecke nach Rumelange befahren will. Hier fahren die Züge nur montags bis freitags, und erst seit dem Fahrplanwechsel den ganzen Tag über. Bei meiner Fahrt wird das neue Angebot noch nicht gut angenommen, auf dem Rückweg bin ich anscheinend sogar der einzige Fahrgast. Trotz der Fahrscheinfreiheit sind alle Züge begleitet. Ob sich der Zub wundert, dass ich gleich wieder zurück fahre, sehe ich ihm aber nicht an. Von Noertzange fahre ich wieder nach Howald und nehme von da die Straßenbahn zu meinem Hotel, das genau auf halbem Weg zum Hauptbahnhof von Luxemburg-Stadt liegt.

Fortsetzung folgt!

Mit der Bahn ins westfälische Rothenburg

Eins der Ziele der gestrigen Tour sollte es sein, den neuen ICE L vor die Linse zu bekommen. Dazu setzte ich mich um 8:44 Uhr in den ICE nach EDO, das ich mit etwa +10 erreichte, um dort oder an den nachfolgenden Stationen den neuen Zug abzupassen. Leider machte mir eine Oberleitungsstörung zwischen Dortmund-Scharnhorst und Dortmund-Kurl einen Strich durch die Rechnung, da dadurch der Zug von Hamm über Wuppertal umgeleitet wurde. Auch der 426er, den ich im Sommer mal auf der RB 46 gesehen hatte, war dort nicht unterwegs. Also machte ich mich auf den Weg zur dritten Station: dem eine Woche vorher eröffneten Haltepunkt Herten-Westerholt. Eine Station vorher in Buer Nord waren ebenfalls neue Bahnsteige eröffnet worden, so dass jetzt nicht nur die Züge von und nach Haltern dort halten können. Da neue Bahnsteigschilder neuerdings mit einer anderen Schriftart bedruckt werden, konnte man hier prima den Unterschied sehen:

Altes (rechts) und neues Bahnhofsschild (links) in Gelsenkirchen-Buer Nord

In Westerholt selbst wird konsequenterweise nur die neue Schriftart verwendet. Diese ist Teil eines ganzen Konzepts, das unter anderem Buchstaben zur eindeutigen Identifikation von Ausgängen enthält.

Bahnsteigunterführung am Bahnhof Herten-Westerholt

Nicht weit vom Bahnhof ist das Alte Dorf, das zwar sehr klein, aber dafür umso malerischer und daher auch zu meiner Marler Zeit immer wieder Ausflugsziel für uns war. Manchmal findet man auch die im Titel erwähnte Bezeichnung, die aber wohl eher auf andere Städte wie Warburg passt.

Im Alten Dorf Westerholt

Leider fuhren wegen einer Störung zwischen Essen und Bottrop die Züge am neuen Bahnhof nur zweistündlich. Das hatte allerdings den Vorteil, dass ich so noch die Öffnung der örtlichen Pommesbude (die genau genommen schon im Nachbarort Bertlich liegt) abwarten und dort eine sehr gute Currywurst essen konnte. Dann marschierte ich zurück zum Bahnhof (wäre der Hintereingang schon fertig gewesen, wäre es etwas schneller gegangen) und machte mich auf den Rückweg, diesmal ausschließlich mit dem Deutschlandticket. Das hatte den Vorteil, dass ich zwischen HO und HB noch die neuen Ersatzzüge testen konnte: WFL-Doppelstockwagen, die deutlich mehr Platz bieten als die vorher eingesetzten Talent 2 und trotz (oder gerade wegen) ihres Alters recht komfortabel sind. Nach einer ICE-Überholung erreichte ich meinen Heimatbahnhof wiederum mit etwa +10.

2–4–3–3–1–2

Nein, das ist keine neue Fußballtaktik, sondern die Reihenfolge der ICE-Baureihen, die ich am verlängerten Wochenende benutzt habe: Am Samstagmittag einen ICE 2 von HB nach HH, dann weiter mit einem 4er nach FF. Den Bahnhof erreichten wir zwei Minuten vor Plan, so dass ich gerade noch am selben Bahnsteig Anschluss an den ICE nach NAH hatte, der eigentlich schon weg sein sollte, gefahren wie alle Züge auf dieser Linie von einem ICE 3. Die einzige größere Verspätung an diesem Wochenende hatte dann der Bus, mit dem es weiter nach Goldbach ging.

Von dort machte ich mich heute Mittag auch auf den Rückweg, mit einem Abstecher an meinen ehemaligen Arbeitsort. Dann hieß es wieder ICE fahren, natürlich zunächst wieder mit einem 3er. Der Umstieg in NWH erfolgte dann in einen 1er statt des geplanten 4er, womit ich alle nummerierten ICE-Baureihen auf einer Reise durch hatte. Weitere Gelegenheit hätte es dazu auch nicht gegeben, denn die letzte 2 bezieht sich nicht auf einen ICE, sondern einen IC, mit dem ich die Hansestadt pünktlich erreichte.

Trainspotter mit Genehmigung

Gestern war ich mal wieder auf Strecken- und Fototour, zuerst mit dem ICE nach Hagen. Die Besonderheit dabei war, dass der Zug nicht in HO hielt, weil dort mal wieder eine Bombenentschärfung angesagt war. Dabei fahren die Züge zunächst noch durch den Bahnhof ohne Halt durch, während sie später ganz umgeleitet werden. Aber nun war ich erst mal auf Gleis 9/10 in EHG, wo zufällig zwischen meinem ICE und dem RE 16 noch der aus n-Wagen gebildete RE 13-Ersatzzug durchkam. Dabei wurde er nicht nur von mir beäugt, sondern auch von einem Jungen mit Handy auf dem Stativ, der mich fragte, ob ich auch Trainspotter sei. Leider sind meine Fotos nicht vorzeigbar, ich hoffe, ihm erging es besser.

Der „Strecken“teil meiner Reise führte mich dann nach Iserlohn. Der „Bahnhof“ dort ist betrieblich nur noch ein Haltepunkt. Das ist nicht so ungewöhnlich, aber genau genommen handelt es sich um zwei Haltepunkte an zwei verschiedenen Strecken, die hier nebeneinander enden und keine Verbindung mehr untereinander haben, nämlich der von (Hagen–)Letmathe und der von (Dortmund–)Schwerte.

Der Stadtbahnhof in Iserlohn: Links der VIAS-RE 16 aus Essen, rechts die DB-RB 53 aus Dortmund

Da ich beide Strecken noch nicht kannte, war es klar, dass ich über die eine hin und über die andere zurück fahren würde. Dazwischen lag ein einstündiger Besuch in der nicht allzu interessanten Stadt, in der es aber immerhin direkt am Bahnhof einen guten Schnellimbiss gibt.

Die beiden Strecken waren schon etwas interessanter, die aus Letmathe vor allem um die Dechenhöhle herum und die nach Schwerte, weil sie auf einem teilweise recht hohen Damm verläuft und keinen einzigen hat, was auch in der → Wikipedia Erwähnung findet. Am Endbahnhof EDO angekommen, fuhr ich direkt weiter nach EBO. Hier war der Plan eigentlich, den 426 abzulichten, der zumindest manchmal auf der RB 46 fährt, aber die entsprechende Fahrt (womöglich der ganze Umlauf) fiel aus. Also zurück nach EDO, wo ich jetzt mehr Zeit hatte für das nächste Projekt: Ein Foto eines neuen Vamos-Stadtbahnwagens. Ende August hatte ich es schon einmal versucht, das war aber daran gescheitert, dass ich keine Fotogenehmigung hatte, die man bei den DSW aber benötigt. Mir widerstrebt das zwar, aber letztendlich ist mir das Hobby doch wichtiger und man bekommt sie auch unkompliziert jeweils für einen ganzen Tag. Diesmal wollte sie auch niemand sehen, und so ging mir nicht nur ein neuer, sondern auch ein alter Wagen ins Netz.

B80C-Wagen der DSW21
B80D-Wagen (Vamos) der DSW21

Da die neuen Wagen noch nicht sehr zahlreich eingesetzt werden, zahlte es sich aus, mehr Zeit zu haben als geplant. Dann konnte ich mich aber an die Rückfahrt machen, für die ich die direkte Strecke ja nicht (bzw. nur sehr umständlich mit zwei SEV) nehmen konnte. Zunächst peilte ich also den RE 6 an, der aber so viel Verspätung hatte, dass ich den Anschluss in Minden verpasst hätte. Also fuhr ich stattdessen mit dem Berlin-ICE dorthin, nutzte für die Weiterfahrt mal die S-Bahn Hannover und dann den RE gen Bremen, wo ich zur gleichen Zeit ankam wie sonst an meinen Bürotagen.

Der RE 4 wartet

Da ich heute Urlaub und noch nichts anderes vorhatte, setzte ich mich mal wieder um kurz vor neun in den ICE, diesmal bis Duisburg. Eigentlich hätte ich da zwanzig Minuten Zeit bis zur RB 33 gehabt, aber direkt hinter meinem Zug trudelte der verspätete RE 42 ein, so dass ich gerade noch ein Foto vom im Umbau befindlichen Bahnhof machen konnte.

Kurz vor der Endstation Mönchengladbach sagte der Tf durch, dass der RE 4 nach KA noch erreicht würde. Prompt blieb der Zug danach erst mal stehen, aber auch unsere noch mal verzögerte Ankunft wartete der RE noch ab. Ich stieg aber nicht um, sondern vertrieb mir die Zeit mit Kaffee und Busfotos, bis es dann um halb eins weiterging nach Dalheim. Dort, an der niederländischen Grenze, ist heute die Strecke zu Ende, die früher bis Antwerpen führte. Eine Wiedereröffnung wird immer wieder diskutiert, scheitert aber an einem Naturschutzgebiet und mangelndem Interesse in den Niederlanden, die nur im Transit durchfahren werden. Folglich hat die Station einen etwas morbiden Charme, auch wenn man die brachliegenden Gleise inzwischen entfernt und den Bahnsteig erneuert hat:

Hier ging es mal weiter Richtung Niederlande und Belgien

Auf den letzten paar Metern vor dem Prellbock wechselt noch der Infrastrukturbetreiber:

Der Grund, dass ich die Tour unter der Woche machen wollte, ist der, dass man nur dann anders als mit dem Zug von Dalheim wegkommt. So nahm ich den Bus in die Kreisstadt Heinsberg, wohin die Bahnstrecke erst 2013 reaktiviert wurde. Vorher war die Kreisstadt die einzige in NRW ohne Bahnanschluss. Da die Strecke Lindern–Heinsberg an die Rurtalbahn übertragen wurde, bietet sie das Kuriosum von DB-Zügen auf einer Nicht-DB-Strecke.

Die Strecke wird von der RB 33 aus Aachen befahren, die in Lindern in einen Zugteil nach Duisburg und einen nach Heinsberg geflügelt wird. Die Wendezeiten an beiden Enden sind sehr kurz, daher gab es auch auf meiner Fahrt eine leichte Verspätung. Die reichte aus, dass der RE 4 in Lindern eigentlich schon über alle Berge sein sollte, aber erstaunlicherweise wartete er. Die dadurch verursachte Verspätung war nicht nennenswert, wurde es aber ab Erkelenz wegen einer -Störung. Bei der Weiterfahrt wurden es wegen entgegenkommender und vorausfahrender Züge dann noch ein paar Minuten mehr, so dass wir die Endstation EDO mit gut +15 erreichten. Das reichte dem RE, um fast pünktlich zurückzufahren, und mir, um mit dem ohnehin verspäteten ICE zurück nach HB zu fahren. Der war in KK von einem dreizehn- auf einen siebenteiligen ICE 4 getauscht worden und daher als „ausgebucht“ markiert, bot aber erfreulicherweise noch mehr als genug Sitzplätze. So erreichte ich meinen Heimatbahnhof dann mit etwa +30 gegenüber dem ursprünglichen Plan.