Dreimal ist Bremer Recht

Erst bei der Recherche zu diesem Beitrag fand ich heraus, dass es zu all den Redewendungen mit der magischen Drei auch eine mit Bremen-Bezug gibt: Demnach werden einem in der Hansestadt immer zwei Fehlversuche zugestanden, bis man es beim dritten Mal dann hoffentlich schafft. Leider ist auch daran die Deutsche Bahn gescheitert: Über das verlängerte Wochenende sollte es mal wieder zur Freundin in den Norden gehen. Die Idee war, Donnerstag frühmorgens loszufahren und ein paar Stunden aus dem Zug zu arbeiten. Ab NWH sollte ich dabei einen der letzten durchgehenden Züge in die Hansestadt nehmen, bevor diese ab Samstag wegen der Baustelle zwischen Kassel und Göttingen für drei Monate eingestellt wurden.

In den Genuss nur eines Umstiegs kam ich allerdings nicht, denn statt der Doppeltraktion ICE 2, die für ein Flügeln nach Hamburg und Bremen in Hannover nötig gewesen wäre, hatte man einen ICE 1 bereitgestellt. Immerhin fuhr der pünktlich ab und hatte durch seine Länge auch ausreichend Sitzplätze. Das zweite Problem ergab sich bei der Abfahrt in Göttingen: Der Zugschluss dürfte den Bahnhof noch nicht verlassen gehabt haben, da bremste der Zug schon wieder scharf und hielt an. Nach einiger Zeit wurde uns mitgeteilt, dass es eine Störung am Zug gebe und der Tf versuche, ihn wieder zum Laufen zu bekommen. Langer Rede kurzer Sinn, das dauerte über eine Stunde, so dass in HH auch der folgende Anschluss nach Bremen über alle nicht vorhandenen Berge war. Also arbeitete ich noch eine halbe Stunde aus der Lounge (was den Vorteil hatte, dass ich von dort an einer Telefonkonferenz teilnehmen konnte) und setzte mich in den nächsten ICE. Mit dem hätte ich durchgehend aus Würzburg kommen können … Letztendlich erreichte ich mein Ziel sogar zum vierten Mal in Folge deutlich verspätet.

Ebenso scheint es allerdings Bremer Recht zu sein (oder eher das der DB), dass die Rückfahrt deutlich besser klappt als die Hinfahrt. Wegen der Baustelle musste ich nun allerdings in Hannover umsteigen und eine Stunde mehr Fahrzeit einkalkulieren. Als Bonus bekam ich noch die mir bisher unbekannte Strecke Göttingen–Eichenberg und die Fortsetzung nach Kassel zu sehen, die ich vor Jahren mal mit dem „Kyffhäuser“ gefahren war. Trotz etlicher Langsamfahrabschnitte und sogar einiger Standzeit erreichten wir FKW mit „nur“ +5, so dass mein Anschluss in Würzburg nicht gefährdet war und ich auch NAH pünktlich erreichte. Mal gucken, ob die zweifelhafte „Tradition“ sich bei der nächsten Fahrt fortsetzt.

Mit Abstand gefahren (leider auch zeitlichem)

Und schon wieder war Bremen angesagt, diesmal für eine ganze Woche. Hin ging es am Samstagmorgen. Bis NWH ging noch alles glatt, dann überraschte mich der Navigator mit der Hiobsbotschaft, dass der Anschluss-ICE verspätet sein würde. Genauer gesagt hatte er +30 wegen eines notwendig gewordenen Batterie-Resets, wie nach dem Einstieg per Ansage mitgeteilt wurde. Mehr Verspätung wurde es zwar nicht, trotzdem war der Anschluss in HH weg – besonders ärgerlich, weil es der Pendel-ICE HH–HB war, der zu Nicht-Corona-Zeiten der zweite Zugteil meines Zuges gewesen wäre. Also kurz in die Lounge, die mit ausnahmsloser Maskenpflicht, somit ohne Getränke- und fast ohne Zeitungsangebot aber auch nicht so wohnlich wie sonst war. Das motivierte mich, mal beim folgenden RE nach dem Füllungsgrad zu schauen, und siehe da: Dort war einigermaßen Abstand möglich, und so erreichte ich zur Abwechslung mal mit weniger als +60 HB, übrigens fast auf den Tag genau ein Jahr nach meiner letzten Fahrt „vor Corona“.

Zurück am Montagmittag klappte es netterweise deutlich besser: Wieder mit dem IC2 nach HH, dann in den ICE. Für Montagmittag im (mehr oder weniger) Lockdown war er gut gefüllt, aber im letzten Wagen gab es auch für ein größeres Abstandsbedürfnis noch genug Platz. Beim Einsteigen wunderte ich mich noch, dass das typische Buckelrestaurant nicht zu erkennen war. Ich dachte an eine Kombination aus Wagen von ICE 1 und 2. Des Rätsels Lösung war viel einfacher, zeigte sich aber erst bei der Abfahrt: Es gab schlicht kein Bordrestaurant, weil es wegen eines Defekts ausgereiht worden war. Hätte ich das gewusst, hätte ich noch genug Zeit gehabt, mir am Bahnhof einen Cappuccino zu kaufen … Den gab es dann beim Umstieg in NWH. Von dort ging es dann pünktlich weiter, so dass ich in NAH noch schnell in den Biomarkt hinterm Bahnhof springen und dann mit der Miltenberger RB nach Hause fahren konnte.

Früher los, wie geplant da

Wieder mal war ich vorletztes Wochenende nach Bremen unterwegs, damals noch bei winterlichen Temperaturen und eine Woche nach dem großen Schnee, der in ganz Norddeutschland fiel. Schon vorher hatte die DB angekündigt, dass meine eigentliche Verbindung um 17:23 ab NAH nicht funktionieren würde, da ICE 90 über die Altstrecke umgeleitet werden sollte. Also peilte ich wieder die Verbindung mit ICE 776 über FF an. In den Tagen vor der Fahrt stieg die Spannung, ob die Fahrt so durchführbar sein würde, waren doch etliche Strecken im Norden noch Tage nach dem Schneefall gesperrt. Am Reisetag betraf das „nur“ noch die SFS Hannover – Göttingen, dem Vernehmen nach wegen zugeschneiter Rettungswege. Diesmal schaffte ich es, den 776er bereits in FF zu erreichen. Bis Fulda hatten wir uns wegen „Zugstau“ schon ca. +15 eingefahren. Auf der Umleitung über die Altstrecke standen wir dann noch ein paarmal, wohl aus demselben Grund. Letztendlich kam ich also mit etwa +60 in HB an. Normalerweise ärgerlich, aber nachdem mir meine Odyssee vom letzten Mal noch in den Knochen steckte, diesmal geradezu erfreulich, vor allem da es der ursprünglich gebuchten Ankunftszeit entsprach.

Zurück wählte ich ebenfalls dieselbe Verbindung wie beim letzten Mal. Die +5, die er in HB hatte, fuhr der IC bis HH nahezu wieder heraus. Der Anschluss an den ICE klappte also problemlos, zumal der auch einige Minuten zu spät war. Da der SFS-Abschnitt immer noch gesperrt war, bangte ich aber um den Anschluss in NWH. Erfreulicherweise kamen wir aber gut durch (am Vortag hatte es wohl zwischen Hannover und Göttingen noch einiges Chaos gegeben) und fuhren auf den nachfolgenden SFS-Abschnitten einiges an Verspätung wieder heraus. In NWH dann dasselbe Spiel wie in Hannover: Der Anschluss hatte wiederum ein paar Minuten Verspätung, aber auch wenn er pünktlich gewesen wäre, hätte ich ihn noch erreicht. Bis NAH hatten wir auch die wenigen Minuten wieder herausgefahren, so dass ich meinen Heimatbahnhof nicht nur rechtzeitig zur Ausgangssperre, sondern sogar pünktlich erreichte.

Neues Anzeige-Layout

Als die alten Fallblattanzeiger nach und nach durch digitale Anzeigen ersetzt wurden, war ich etwas enttäuscht, da alles, was von den regulären Daten abwich (wie etwa die nicht selten vorkommenden Verspätungen) nur in einem (jedenfalls für mich) gähnend langsamen Lauftext bekannt gegeben wurde. So konnte es durchaus sein, dass man die Verspätung gar nicht mitbekam, wenn man nicht wartete, bis die Schrift „kein behindertengerechtes WC in Wagen 11“ durchgelaufen war. Auch die Umstellung auf ein neues Layout mit Anzeige der Folgezüge vor einiger Zeit brachte keine Abhilfe. Inzwischen ist sie aber da:

Zugzielanzeiger (Übersicht) mit neuem Layout in Aschaffenburg Hbf
Zugzielanzeiger (am Bahnsteig) mit neuem Layout in Aschaffenburg Hbf

Bei der Übersichtsanzeige in der Bahnhofshalle sieht man gut, dass die Verspätung jetzt direkt neben der planmäßigen Abfahrt angezeigt wird, und zwar direkt als voraussichtliche neue Abfahrtszeit (und damit genauer als die bisherigen Angaben in 5-Minuten-Schritten). Auf der Übersicht auf dem Foto nicht gut zu erkennen, dafür aber umso besser am Bahnsteig, sind die Symbole für „umgekehrte Wagenreihung“ und „fehlende Wagen“ (in diesem Fall ein coronabedingt fehlender Zugteil). Auf erstere wird auch noch mal per Laufschrift hingewiesen. Die korrekte Wagenreihung ist außerdem groß auf der Anzeige am Bahnsteig zu sehen. Die bisherigen Poster in den Schaukästen gibt es auch nicht mehr, so dass es eigentlich gar keine „richtige“ Wagenreihung mehr gibt. Trotzdem wird (wahrscheinlich für Fahrgäste, die die übliche Wagenreihung gewohnt sind) auf die abweichende Reihung hingewiesen.

Insgesamt eine Änderung, die die Benutzerfreundlichkeit der Anzeigen deutlich erhöht. Auch wenn es lange gedauert hat, freut es mich, dass die DB die Wünsche der Kunden (da war ich definitiv nicht der Einzige) erhört hat!

Ver(r)eist

Nach langer Zeit war ich letztes Wochenende mal wieder mit dem Zug unterwegs, Bremen war mein Ziel. Ein Vorteil des Homeoffices ist es, dass es näher am Bahnhof liegt, so konnte ich problemlos um 16:33 Uhr an Gleis 8 stehen. Da kam kurioserweise aber nicht mein ICE 3 Richtung Dortmund, sondern völlig unangekündigt ein 4er, der laut Anzeige am Zug von Berlin nach Interlaken unterwegs war. Sicherheitshalber stieg ich nicht ein, weil ich nicht wusste, ob der Zug auch in FF halten würde. Wie sich herausstellte, war der Zug wegen einer Streckensperrung bei Schlüchtern umgeleitet worden, meiner kam direkt dahinter und war deswegen zwangsläufig verspätet. Wegen des durch die Sperrung ausgelösten Zugstaus verbesserte sich das nicht gerade, so dass mir mein Anschluss-ICE in FF vor der Nase wegfuhr. Zum Glück schaute ich im Navigator nach einer neuen Verbindung, bevor ich irgendwas anderes machte, denn zu meiner Überraschung stellte sich heraus, dass ich ihn in Fulda noch erreichen konnte, wenn ich sofort den ICE Richtung Dresden nahm. Der war so gut gefüllt, dass ich mal wieder auf der Eingangsstufe Platz nahm (neben jemand anderem sitzen mag ich im Moment noch weniger als sonst). Das musste ich aber nicht lange und der Anschluss an den 776 klappte auch problemlos. Der muss nach der Abfahrt in FF, da von Gleis 1, erst mal über Niederrad fahren und kommt daher erst nach dem Dresdner ICE in Fulda an.

Jetzt konnte ich mich gemütlich zurücklehnen (zumal der Zug, da ICE 1 statt 2, auch sehr schwach besetzt war) und auf eine pünktliche Ankunft in Bremen hoffen. Das tat ich bis nach der Abfahrt aus Hannover, genauer gesagt bis der Zug in Nienburg plötzlich außerplanmäßig anhielt. Laut Ansage war die weitere Strecke wegen vereister Oberleitung gesperrt, so dass wir frühestens in einer Stunde weiter fahren könnten. Nachdem diese Zeit herum war, lautete die neue Ansage, dass wir zurück nach Hannover fahren würden und uns da an die Information wenden sollten. Das passierte aber auch nicht, stattdessen hieß es irgendwann, dass wir den Zug verlassen und mit dem Regionalverkehr nach Hannover zurück fahren sollten.

Zwischenzeitlich hatte ich aber erfahren, dass DB Regio einen Busnotverkehr nach Verden organisiert hatte, von wo die Strecke wieder offen war. Also stellte ich mich vor den Bahnhof (die Kälte machte mir gerade nichts), und tatsächlich tauchte irgendwann ein Bus auf, der extra aus Hannover gekommen war. Der machte sich nun, soweit das auf den spiegelglatten Straßen möglich war, auf den Weg nach Verden, nicht ohne unterwegs noch die Bahnhöfe Eystrup und Dörverden abzuklappern, wo der Regionalzug gehalten hätte. Ich saß in der zweiten Reihe, vor mir, wie sich herausstellte, ein Bahner, der eigentlich schon Feierabend hatte, sich aber rührend um unser Weiterkommen kümmerte. Der stellte auch (gemeinsam mit den Fahrgästen) fest, dass wohl doch ein Zug über die vermeintlich gesperrte Strecke fahren sollte, den wir aber nicht mehr erreichen würden. Der nächste sollte prompt ausfallen, so dass der Bahner alle Hebel in Bewegung setzte, damit der Bus nach Bremen weiter fuhr. Das erreichte er dann auch tatsächlich, und wir erreichten Verden ironischerweise in dem Moment, als ein Zug (vermutlich der, der aus Nienburg gekommen war) Richtung Bremen abfuhr. Das brauchte uns aber nun nicht weiter zu kümmern, denn wir fuhren ohne weitere Zwischenhalte mit angepasster Geschwindigkeit direkt über die Autobahn zum Bremer Hauptbahnhof, wo wir gegen ein Uhr ankamen. Der Bahner und einige Fahrgäste mussten jetzt noch irgendwie nach Bremerhaven kommen, mir dagegen stand nur noch ein Fußmarsch über die Bürgerweide bevor, der bei dem herrschenden Wetter aber auch etwas von einer Antarktisexpedition hatte.

Erfreulicherweise deutlich angenehmer verlief die Rückfahrt, was aber auch damit zusammenhing, dass der Himmel blau war und daher nichts Eisiges von selbigem fiel. Diesmal ging es mit einem IC2 nach Hannover, wo wir aus ungeklärter Ursache mit Verspätung ankamen. Auch wenn die App anderer Ansicht war, reichte die Zeit aber trotzdem noch, um einen Kaffee zu holen (Cappuccino gab es beim Bahnhofsbäcker schon nicht mehr). Die weitere Fahrt mit Umstieg in Würzburg verlief dann sogar komplett pünktlich und mit genug Abstand, so dass ich wie geplant um 20:32 und damit eine knappe halbe Stunde vor dem Corona-Zapfenstreich meinen Drahtesel satteln konnte.

Die Verspätungen schlafen nicht

Erst mal ein frohes neues Jahr an alle Leser jeglichen Geschlechts!

Der HLB-Flirt hat sich seinen Feierabend in Aschaffenburg redlich verdient (und vielleicht repariert dann auch jemand das WC)

Nein, nicht alle Züge schlafen. Im Gegenteil, der Bahnbetrieb läuft sogar fast normal weiter, obwohl durch den Lockdown viele Reiseanlässe weggefallen sind. Auch ich war das erste Mal seit ungefähr zwanzig Jahren um den Jahreswechsel nicht mit dem Zug unterwegs. So ist mir zuerst gar nicht aufgefallen, dass schon wieder zwei Jahre um sind und daher meine turnusgemäße Verspätungsstatistik ansteht.

Wie immer habe ich daher die Blogbeiträge des entsprechenden Zeitraums ausgewertet und daraus eine Statistik erstellt, mit wie viel Verspätung ich am jeweiligen Zielort angekommen bin. Eventuell verpasste Anschlüsse sind also mit eingerechnet. Hier das Ergebnis:

Verspätung (min)FahrtenAnteil
<0 43,4%
0–5 7563,6%
5–302420,3%
30–60 86,8%
>60 75,9%
Ausfall00,0%
Meine persönliche Verspätungsstatistik 2019/20

Natürlich war ich coronabedingt insgesamt deutlich weniger unterwegs als 2017/18 – leider auch 2020 aber nicht pünktlicher. Im Gegenteil ist der Anteil der pünktlichen Ankünfte sogar wieder leicht gesunken. Positiv zu vermelden ist allenfalls, dass ich keine Fahrt komplett abgebrochen habe. Allerdings gab es eine Spaßtour, bei der ich spontan das Ziel ändern musste und das dann auch deutlich verspätet erreicht habe, ebenso wie mein Zuhause auf der Rückfahrt.

Wie immer geht es nur um Fernverkehrsfahrten, die (vor der Pandemie) vielen Fahrten zu Mensa-Stammtischen oder dem Besuch beim Cousin in Frankfurt sind nicht mit eingerechnet, dürften aber insgesamt eine deutlich bessere Bilanz haben. Dafür sind auch Fahrten im Ausland eingerechnet, die sieben Verspätungen über 60 Minuten gehen also teilweise auf das Konto von Frankreich und Norwegen. Letzteres hält mit vier Stunden und einer dadurch nötigen zusätzlichen Übernachtung auch den diesmaligen Rekord.

Die alten Statistiken zum Vergleich gibt es hier: 2017/18, 2015/16, 2013/14, 2007–12. Schauen wir mal, was die nächsten zwei Jahre so bringen, nicht nur im Hinblick auf „Corona“ und die dadurch verminderte Lust am Bahnfahren.

Deo, wir fahren nicht

Gerade komme ich mal wieder von einem Spielewochenende in Dortmund zurück. Hin hatte ich es diesmal geschafft, direkt die Linie 41 zu buchen, und zwar den Zug um 18:33, der zu meiner „Marler Zeit“ fast nie günstig zu haben war. Am Freitag hatte er durchgängig +10. Von der Sperrung wegen des Brückenbrandes in Mülheim war der Zug ja nicht betroffen, da diese nur die Gegenrichtung betrifft. Aber als wir Essen verließen, schaute ich aus dem Fenster und wartete darauf, dass der Bahnhof Kray Süd vorbeizog, bis die Ansage kam, dass der Zug heute über Gelsenkirchen umgeleitet würde … Das dauerte erfreulicherweise aber nicht länger als der Regelweg, so dass ich den Anschluss an die S 5 nach Barop noch schaffte.

Da selbige am Wochenende SEV hatte, ging es zurück aber vom Baroper Parkhaus mit der U-Bahn. Mein IC2 fuhr pünktlich ein, aber mit +7 ab, weil durch starken Deogebrauch in der Toilette der Rauchmelder ausgelöst wurde … KK erreichten wir trotzdem fast pünktlich, der Anschluss an den ICE klappte also noch. Allerdings stellte sich in dem Moment heraus, dass die KRM gesperrt war und der Zug über die Rheinstrecke umgeleitet werden sollte. Daher zog ich lieber wieder die L 41 vor, auch in der Hoffnung, dass bis dahin die Strecke wieder offen sein würde. Bei der Einfahrt in KKDT sah es noch nicht danach aus, aber die verzögerte Abfahrt hatte ihr Gutes: Die Strecke war nämlich tatsächlich wieder offen. Durch verschiedene „Verzögerungen im Betriebsablauf“ erreichten wir NAH letztendlich mit knapp +30 gegenüber dem Fahrplan und ziemlich genau +60 gegenüber meiner ursprünglichen Ankunft. Zu normalen Zeiten hätte ich dann noch zum Bahnhofsbäcker gehen können. Aber „seit Corona“ werden die Bürgersteige leider viel früher hochgeklappt, so dass mir nur das goldene M blieb.

Harz IV: Rü-beland und Rü-ckfahrt

Was bisher geschah

So langsam neigte sich mein Urlaub dem Ende zu, aber vorher gab es noch ein Bahn-Highlight: die Fahrt auf der Rübelandbahn. Diese ursprünglich Harzbahn genannte Strecke hat die Besonderheit, dass sie mit 25 kV 50 Hz elektrifiziert ist, im Gegensatz zum sonstigen deutschen Netz, das 15 kV und 16,7 Hz hat. Leider findet dort kein regelmäßiger Personenverkehr mehr statt, und der Museumsbetrieb auch „nur“ mit Dampfloks. Als nicht übermäßiger Dampflokfan hätte ich Betrieb mit den speziell gebauten Elloks der Baureihe 171 spannender gefunden, aber so konnte ich wenigstens die Strecke fahren, und so ganz zu verachten ist eine Dampflok ja auch nicht.

Den Hinweg zum Startbahnhof Blankenburg trat ich wieder mit dem für mich kostenlosen Bus der Harzer Verkehrsgesellschaft an. Dort angekommen, herrschte schon großer Andrang am Bahnsteig, bis der Zug bereitgestellt wurde. Der reguläre Personenzug nach Magdeburg, ein zweiteiliger LINT, machte indessen seine Pause ganz am Ende desselben Gleises. Blankenburg ist Kopfbahnhof, von hier geht es in zwei Richtungen: rechts ohne Strom nach Halberstadt und weiter nach Magdeburg, links auf die Rübelandbahn (für den Güterverkehr gibt es auch eine direkte Verbindung zwischen den Strecken). Eine weitere Besonderheit der Strecke ist die Spitzkehre in Michaelstein. Dort muss der Zug die Richtung wechseln, wozu die Dampflok um den ganzen Zug herumfahren muss. Viele stiegen aus, um dieses Spektakel zu bewundern und auf Chips zu bannen, ich betrachtete es entspannt aus dem Fenster.

Nach etwa 45 Minuten Fahrzeit erreichten wir den namensgebenden Bahnhof Rübeland. Dort war zwar für uns Endstation, allerdings nicht für die gesamte Strecke. Im Personenverkehr ging es früher weiter bis Königshütte und noch früher bis Tanne, der heutige Güterverkehr fährt immerhin noch bis zu den Fels-Werken kurz vor Königshütte. Auf einem Prospekt im Zug hatte ich gesehen, dass die Lok jetzt zum Lokschuppen der Eisenbahnfreunde fährt, um Wasser nachzufassen. Also machte ich mich zu Fuß auf den etwa viertelstündigen Weg.

95 1027 fasst Wasser am Lokschuppen in Rübeland

Am Lokschuppen stand nicht nur „unsere“ Lok, sondern auch die (oder das) „Mammut“, ein Exemplar der so genannten → Tierklasse, die die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn, die ursprüngliche Betreiberin der Strecke, hatte entwickeln lassen. Im Schuppen selber sind einige Eisenbahndevotionalien ausgestellt, unter anderem eine alte Abfahrtstafel.

„Mammut“ am Lokschuppen in Rübeland
Historische Abfahrtstafel im Lokschuppen Rübeland

Dann war die 95er fertig für die Rückfahrt und dampfte an meiner Kamera vorbei:

Anschließend machte ich mich auf den Rückweg zum Bahnhof, wo die Dampflok schon wieder am Zug stand und außerdem trotz des Samstags auch eine Ellok unterwegs war. Nachdem der Güterverkehr zwischenzeitlich schon auf Dieseltraktion umgestellt war, wird jetzt nach Protesten der Anwohner mit Mehrsystemloks der Havelländischen Eisenbahn gefahren.

Zug der Arbeitsgemeinschaft Rübelandbahn mit BR 95
Dampflok der BR 95 und Traxx-Mehrsystem-Ellok der HVLE in Rübeland

Mit einem Kaffee und einem Stück Kuchen aus dem „Bordbistro“ ging es wieder zurück nach Blankenburg. Für weniger bahnaffine Fahrgäste war auch eine Glasbläserin an Bord, ich genoss lieber die Aussicht zur anderen Seite als bei der Hinfahrt. Kurz vor Einfahrt in Blankenburg konnte ich auch einen Blick auf eine der letzten 171er erhaschen, leider steht sie nicht öffentlich zugänglich auf Betriebsgelände.

Zurück von Blankenburg fuhr ich mit dem Zug mit Umstieg in Halberstadt. Dabei erwischte ich dort vor dem Bahnhof nicht nur eine der regulären Straßenbahnen, sondern auch einen Partywagen, dessen -gesellschaft gerade noch rechtzeitig wieder einstieg, bevor mein Anschlusszug abfuhr:

Historischer Partywagen der Halberstädter Verkehrsgesellschaft

Auf der Weiterfahrt wollte ich aus dem Zugfenster noch ein Foto der „Prärie“ machen, fand sie aber so präriehaft gar nicht mehr. Jedenfalls werden hier im Gegensatz zu Kanada die Felder regelmäßig durch Baumreihen unterbrochen. So ging dann der letzte Urlaubstag ohne weiteres Foto zu Ende.

Am Sonntagmorgen hieß es dann abreisen. Gebucht hatte ich dieselbe Verbindung wie auf der Hinfahrt, wo sie ja nicht geklappt hatte. Diesmal war das anders: wieder vorbei an Vienenburg, dem laut Anschrift „ältestem noch erhaltenen Bahnhof Deutschlands“, Umstieg in Goslar in einen der vielen LINTe, aber den einzigen der DB, der dort fährt. Meiner war ziemlich voll, und von meinem Platz konnte ich wegen einer Reklamefolie nicht gut sehen. Übermäßig spannend schien die Strecke aber auch nicht zu sein. Ab Kreiensen, einem typischen Ort, den man nur als Bahnreisender kennt, nutzten wir die alte Hauptstrecke, die ich noch von der Umleitung letztes Jahr kannte. Der Aufenthalt in Göttingen war kurz, der Anschluss-ICE wieder mit Zwischenhalt nur in Kassel pünktlich. So hatte ich in FF wieder eine halbe Stunde Aufenthalt, die ich diesmal zum Essen nutzte. NAH erreichte ich ebenfalls pünktlich mit dem RE und zu einer Zeit, zu der der Stadtbus noch fährt und ich nicht mit meinem Koffer nach Hause laufen musste.

Danke fürs Lesen!

(Pas) Tout est chaos

Am Freitag hatte ich schon wieder Urlaub, um zu einem Seminar nach Münster zu fahren. Für die Hin- wie für die Rückfahrt hatte ich den ICE bis KKDT und dann den RE 7 gebucht, wobei die Umstiegszeit beide Male nur 10 Minuten beträgt. Auf der Hinfahrt drohte das Ganze angesichts knapp 10 min Verspätung auch zu scheitern. Trotzdem wurde durchgesagt, dass der Zug warten würde – für mich sehr überraschend, da es eine hochbelastete Strecke und der nächste Zug zu den meisten Zielen in deutlich weniger als einer Stunde fuhr. Zu meinem auch, denn ich verließ mich nicht auf den knappen Anschluss bzw. hatte keine Lust, von Gleis 12 (unten) nach Gleis 1 (oben) über die diversen Treppen zu hetzen. Stattdessen fuhr ich bis KD weiter. Dort verbrachte ich die Zeit bis zum verspäteten IC Richtung Norddeich erst mal in der Lounge. Die Weiterfahrt wäre fast daran gescheitert, dass der Zug doch nicht ganz so viel Verspätung hatte wie angekündigt, aber mit etwas Glück klappte es dann doch noch. EMST erreichte ich dann mit etwa +15 und damit etwa 20 min nach der ursprünglich geplanten Ankunftszeit.

Die Rückfahrt trat ich, auch angesichts der Erfahrungen der Hinfahrt, vorsichtshalber eine Stunde früher an als gebucht. Am Bahnhof angekommen, zeigte sich, dass das gar nicht so verkehrt war: Der RE 7 war mit +30 angekündigt, woraus später +45 wurden, der eine Stunde später (den ich eigentlich nehmen sollte) mit etwa +10. Also nutzte ich die Gelegenheit und nahm den IC, der wegen Bauarbeiten ohne Halt in Gelsenkirchen, Essen und Duisburg verkehren sollte und erfreulicherweise pünktlich war. Meine Hoffnung auf eine interessante Umleitung wurde erfüllt: Kurz vor Wanne-Eickel bogen wir auf die Güterstrecke ab, der wir in ziemlich gemächlichem Tempo bis Oberhausen West folgten. Von da ging es aber nicht, wie ich ebenfalls gehofft hatte, über die Ratinger Weststrecke, sondern zurück auf die Personenzugstrecke und ohne Halt durch EDG. Dabei wurde durchgesagt, dass wir +11 hätten, was mich bei einem Blick auf die Uhr etwas wunderte. Zu Recht, denn mit nur etwa +5 erreichten wir KD, wo ich sogar noch den vorigen ICE nach NAH erreicht hätte, wenn ich keine Zugbindung gehabt hätte. So war wiederum Zeit für die Lounge, und die Fahrt mit dem gebuchten Zug verlief völlig ohne besondere Vorkommnisse. Möglicherweise hätte ich ihn auch mit dem vorgesehenen RE noch erreicht (von der App bekam ich abwechselnd Nachrichten „wird erreicht“ und „wird nicht erreicht“), aber so hat es ja nun auf jeden Fall geklappt.

Harz I: Panne und Prärie

Da Ferien in Deutschland ja momentan sehr en vogue sind und ich außerdem Urlaub abzubauen hatte, setzte ich letzte Woche eine Idee um, die ich schon länger mal hatte: Ich fuhr in den Harz, genauer nach Wernigerode, wo ich eine moderne Ferienwohnung in einem alten Fachwerkhaus in Gehweite vom Bahnhof gemietet hatte. Dieser beherbergt bekanntlich nicht nur Normalspurgleise, sondern auch ein Ende des größten Schmalspurnetzes und gleichzeitig größten Dampfbetriebs Deutschlands.

Los ging es am Sonntagvormittag mit dem RE nach FF. Dort hatte ich eine halbe Stunde Zeit, die ich natürlich bei einem Cappuccino in der Lounge verbrachte. Weiter ging es mit dem ICE nach Hamburg, der angenehmerweise erst in Kassel wieder hält. Das tat er aufgrund einer technischen Störung am Zug leider etwas länger, mit dem Resultat, dass mein Anschlusszug in Göttingen gerade abgefahren war. Ein Blick in den Navigator zeigte, dass der nächste auf derselben Strecke erst wieder in zwei Stunden fahren würde, es aber dazwischen eine Verbindung über Hildesheim gab. Bis dahin hatte ich gerade noch Zeit, mir mein Handyticket für den Fahrgastrechte-Antrag ausdrucken zu lassen – es wird Zeit, dass der auch elektronisch eingereicht werden kann.

Wenigstens lief auf der Ersatzverbindung alles wie geplant: ICE bis Hildesheim, dort Pause beim Bäcker, weiter mit dem RE Hannover – Bad Harzburg. Früher hätte ich die Strecke bis Wernigerode durchfahren können, aber seit 2014 muss man in Goslar umsteigen. Im Januar 2003 hatte ich auf dieser Strecke meine erste Fahrt mit einem Neigezug gemacht. Der Bahnhof Salzgitter-Ringelheim wirkt nicht mehr so improvisiert, wie ich es damals fand, weil man ihm inzwischen neue Bahnsteige spendiert hat.

In Goslar hatte ich direkten Anschluss an den Abellio-RE nach Magdeburg, der in diesem Fall als Berlin-Harz-Express nach Berlin weiterfuhr (einmal täglich am Wochenende). So weit musste ich aber nicht, denn bald war Wernigerode erreicht, und ich lief die paar Meter zur Wohnung. Erfreulicherweise bekam ich für die gezahlte Kurtaxe ein Gutscheinheft, mit dem ich praktisch im gesamten Harz kostenlos Bus (leider nicht Bahn) fahren durfte und außerdem noch Rabatt in einigen Restaurants bekam. Das nutzte ich am ersten Abend natürlich gleich aus und aß indisch, nicht ohne vorher noch meinen sehr sehenswerten Ferienort erkundet zu haben.

Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg nach Quedlinburg. Meine erste Idee war, mit dem Bus zu fahren (kost ja nix), der unter der Woche stündlich fährt, aber es warteten schon etliche Leute, und man soll ja Abstand halten. Also enterte ich den kurz danach fahrenden RE Richtung Magdeburg. Teuer war die Fahrt damit auch nicht, dank des in Sachsen-Anhalt gültigen Hopper-Tickets für 5,60 Euro bis 50 km. Es ist eine von wenigen Fahrkarten, die auch einen Rabatt für Hin- und Rückfahrt hat und dann nur 9,10 kostet.

LINT von Abellio als RE Goslar – Magdeburg

Unterwegs fuhren wir durch Heudeber-Danstedt, wo der alte Streckenverlauf nach Vienenburg (– Goslar) abzweigte. Die dünn besiedelte Bördelandschaft erinnerte mich ein wenig an die kanadische Prärie. Vielleicht auch ein Werbemotiv für die aktuelle Kampagne der DB? „Sehnsucht nach Saskatchewan? Aber das ist Sachsen-Anhalt!“. In Halberstadt traf sich mein Zug, wie sich das im Integralen Taktfahrplan gehört, zur vollen Stunde mit Zügen aus allen Richtungen. Ich musste in einen anderen Abellio-LINT umsteigen, der mit mehreren anderen Zugteilen aus der Landeshauptstadt gekommen war und nach Kopfmachen nach Thale weiterfuhr. So weit wollte ich aber gar nicht, sondern stieg schon in der Stadt mit Q aus, die ich in den nächsten Stunden zu Fuß erkundete.

Ach, da sind also meine Textdokumente abgelegt

Nachdem ich draußen alles angesehen hatte, wagte ich mich noch in das Modelleisenbahnmuseum. Die Bahnen sind dabei schon sehr alt und teilweise selbstgebaut. Sehr interessant, auch wenn es nicht gerade mein Spezialgebiet ist:

Im Modelleisenbahnmuseum in Quedlinburg

Als ich zurückfahren wollte, erwischte ich mit Hilfe von Navigator und Google Maps gerade noch den Bus, der angenehm leer war. Er klapperte die Dörfer am nördlichen Harzrand ab, brauchte aber wegen des direkten Weges trotzdem nicht länger als der Zug. Zurück in Wernigerode nutzte ich wieder meinen Rabattgutschein, diesmal beim Griechen.

Fortsetzung folgt!