2–4–3–3–1–2

Nein, das ist keine neue Fußballtaktik, sondern die Reihenfolge der ICE-Baureihen, die ich am verlängerten Wochenende benutzt habe: Am Samstagmittag einen ICE 2 von HB nach HH, dann weiter mit einem 4er nach FF. Den Bahnhof erreichten wir zwei Minuten vor Plan, so dass ich gerade noch am selben Bahnsteig Anschluss an den ICE nach NAH hatte, der eigentlich schon weg sein sollte, gefahren wie alle Züge auf dieser Linie von einem ICE 3. Die einzige größere Verspätung an diesem Wochenende hatte dann der Bus, mit dem es weiter nach Goldbach ging.

Von dort machte ich mich heute Mittag auch auf den Rückweg, mit einem Abstecher an meinen ehemaligen Arbeitsort. Dann hieß es wieder ICE fahren, natürlich zunächst wieder mit einem 3er. Der Umstieg in NWH erfolgte dann in einen 1er statt des geplanten 4er, womit ich alle nummerierten ICE-Baureihen auf einer Reise durch hatte. Weitere Gelegenheit hätte es dazu auch nicht gegeben, denn die letzte 2 bezieht sich nicht auf einen ICE, sondern einen IC, mit dem ich die Hansestadt pünktlich erreichte.

Trainspotter mit Genehmigung

Gestern war ich mal wieder auf Strecken- und Fototour, zuerst mit dem ICE nach Hagen. Die Besonderheit dabei war, dass der Zug nicht in HO hielt, weil dort mal wieder eine Bombenentschärfung angesagt war. Dabei fahren die Züge zunächst noch durch den Bahnhof ohne Halt durch, während sie später ganz umgeleitet werden. Aber nun war ich erst mal auf Gleis 9/10 in EHG, wo zufällig zwischen meinem ICE und dem RE 16 noch der aus n-Wagen gebildete RE 13-Ersatzzug durchkam. Dabei wurde er nicht nur von mir beäugt, sondern auch von einem Jungen mit Handy auf dem Stativ, der mich fragte, ob ich auch Trainspotter sei. Leider sind meine Fotos nicht vorzeigbar, ich hoffe, ihm erging es besser.

Der „Strecken“teil meiner Reise führte mich dann nach Iserlohn. Der „Bahnhof“ dort ist betrieblich nur noch ein Haltepunkt. Das ist nicht so ungewöhnlich, aber genau genommen handelt es sich um zwei Haltepunkte an zwei verschiedenen Strecken, die hier nebeneinander enden und keine Verbindung mehr untereinander haben, nämlich der von (Hagen–)Letmathe und der von (Dortmund–)Schwerte.

Der Stadtbahnhof in Iserlohn: Links der VIAS-RE 16 aus Essen, rechts die DB-RB 53 aus Dortmund

Da ich beide Strecken noch nicht kannte, war es klar, dass ich über die eine hin und über die andere zurück fahren würde. Dazwischen lag ein einstündiger Besuch in der nicht allzu interessanten Stadt, in der es aber immerhin direkt am Bahnhof einen guten Schnellimbiss gibt.

Die beiden Strecken waren schon etwas interessanter, die aus Letmathe vor allem um die Dechenhöhle herum und die nach Schwerte, weil sie auf einem teilweise recht hohen Damm verläuft und keinen einzigen hat, was auch in der → Wikipedia Erwähnung findet. Am Endbahnhof EDO angekommen, fuhr ich direkt weiter nach EBO. Hier war der Plan eigentlich, den 426 abzulichten, der zumindest manchmal auf der RB 46 fährt, aber die entsprechende Fahrt (womöglich der ganze Umlauf) fiel aus. Also zurück nach EDO, wo ich jetzt mehr Zeit hatte für das nächste Projekt: Ein Foto eines neuen Vamos-Stadtbahnwagens. Ende August hatte ich es schon einmal versucht, das war aber daran gescheitert, dass ich keine Fotogenehmigung hatte, die man bei den DSW aber benötigt. Mir widerstrebt das zwar, aber letztendlich ist mir das Hobby doch wichtiger und man bekommt sie auch unkompliziert jeweils für einen ganzen Tag. Diesmal wollte sie auch niemand sehen, und so ging mir nicht nur ein neuer, sondern auch ein alter Wagen ins Netz.

B80C-Wagen der DSW21
B80D-Wagen (Vamos) der DSW21

Da die neuen Wagen noch nicht sehr zahlreich eingesetzt werden, zahlte es sich aus, mehr Zeit zu haben als geplant. Dann konnte ich mich aber an die Rückfahrt machen, für die ich die direkte Strecke ja nicht (bzw. nur sehr umständlich mit zwei SEV) nehmen konnte. Zunächst peilte ich also den RE 6 an, der aber so viel Verspätung hatte, dass ich den Anschluss in Minden verpasst hätte. Also fuhr ich stattdessen mit dem Berlin-ICE dorthin, nutzte für die Weiterfahrt mal die S-Bahn Hannover und dann den RE gen Bremen, wo ich zur gleichen Zeit ankam wie sonst an meinen Bürotagen.

Der RE 4 wartet

Da ich heute Urlaub und noch nichts anderes vorhatte, setzte ich mich mal wieder um kurz vor neun in den ICE, diesmal bis Duisburg. Eigentlich hätte ich da zwanzig Minuten Zeit bis zur RB 33 gehabt, aber direkt hinter meinem Zug trudelte der verspätete RE 42 ein, so dass ich gerade noch ein Foto vom im Umbau befindlichen Bahnhof machen konnte.

Kurz vor der Endstation Mönchengladbach sagte der Tf durch, dass der RE 4 nach KA noch erreicht würde. Prompt blieb der Zug danach erst mal stehen, aber auch unsere noch mal verzögerte Ankunft wartete der RE noch ab. Ich stieg aber nicht um, sondern vertrieb mir die Zeit mit Kaffee und Busfotos, bis es dann um halb eins weiterging nach Dalheim. Dort, an der niederländischen Grenze, ist heute die Strecke zu Ende, die früher bis Antwerpen führte. Eine Wiedereröffnung wird immer wieder diskutiert, scheitert aber an einem Naturschutzgebiet und mangelndem Interesse in den Niederlanden, die nur im Transit durchfahren werden. Folglich hat die Station einen etwas morbiden Charme, auch wenn man die brachliegenden Gleise inzwischen entfernt und den Bahnsteig erneuert hat:

Hier ging es mal weiter Richtung Niederlande und Belgien

Auf den letzten paar Metern vor dem Prellbock wechselt noch der Infrastrukturbetreiber:

Der Grund, dass ich die Tour unter der Woche machen wollte, ist der, dass man nur dann anders als mit dem Zug von Dalheim wegkommt. So nahm ich den Bus in die Kreisstadt Heinsberg, wohin die Bahnstrecke erst 2013 reaktiviert wurde. Vorher war die Kreisstadt die einzige in NRW ohne Bahnanschluss. Da die Strecke Lindern–Heinsberg an die Rurtalbahn übertragen wurde, bietet sie das Kuriosum von DB-Zügen auf einer Nicht-DB-Strecke.

Die Strecke wird von der RB 33 aus Aachen befahren, die in Lindern in einen Zugteil nach Duisburg und einen nach Heinsberg geflügelt wird. Die Wendezeiten an beiden Enden sind sehr kurz, daher gab es auch auf meiner Fahrt eine leichte Verspätung. Die reichte aus, dass der RE 4 in Lindern eigentlich schon über alle Berge sein sollte, aber erstaunlicherweise wartete er. Die dadurch verursachte Verspätung war nicht nennenswert, wurde es aber ab Erkelenz wegen einer -Störung. Bei der Weiterfahrt wurden es wegen entgegenkommender und vorausfahrender Züge dann noch ein paar Minuten mehr, so dass wir die Endstation EDO mit gut +15 erreichten. Das reichte dem RE, um fast pünktlich zurückzufahren, und mir, um mit dem ohnehin verspäteten ICE zurück nach HB zu fahren. Der war in KK von einem dreizehn- auf einen siebenteiligen ICE 4 getauscht worden und daher als „ausgebucht“ markiert, bot aber erfreulicherweise noch mehr als genug Sitzplätze. So erreichte ich meinen Heimatbahnhof dann mit etwa +30 gegenüber dem ursprünglichen Plan.

D’r Zoch kütt jet später

Letztes Wochenende war ich mal wieder mit einem Freund in Schladern an der Sieg, um dort weitere Freunde zu treffen. Die Hinfahrt verlief völlig problemlos: Der ICE stand schon zehn Minuten vor der Abfahrt am Bahnsteig. Es stellte sich heraus, dass er allerdings auch eine halbe Stunde früher als sonst in AH abgefahren war. Die Weiterfahrt bis KK verlief dann im normalen Plan, von dort ging es weiter mit der S-Bahn.

Zurück am Sonntag nahmen wir dann erst den RE bis KK, wo wir feststellten, dass wir noch den ICE eine Stunde früher als geplant erreichen würden, weil der Verspätung hatte. Als Grund stellten sich Fans des VfB Stuttgart heraus, die zum Spiel nach Köln wollten. Das führte zwar zu einigen Umwegen im Bahnhof, hatte aber den Vorteil, dass im Zug nun Platz war. Die Verspätung von etwa +45 blieb bis HB bestehen, dafür konnten wir aber sogar in der 2. Klasse die Annehmlichkeiten eines Am-Platz-Services genießen, wahrscheinlich weil wir nahe am Speisewagen saßen.

Spaßtour, die dritte

Zum dritten Mal in Folge war ich heute zum Spaß mit der Bahn unterwegs. Diesmal wieder nach NRW, wo ich den Niersexpress bereisen wollte. In meiner Zeit bei der NordWestBahn hatte ich das nicht geschafft, obwohl ich die Strecke auch geplant habe. Dafür setzte ich mich im ICE nach KD in ein Abteil, das sonst nur von einer älteren Frau belegt war, die mit dem Zug unterwegs nach Spanien war. Das und auch anderes aus ihrer Lebensgeschichte versprach eine spannende Unterhaltung, die wir über weite Teile der Fahrt führten. Am Umsteigebahnhof angekommen, reichte die Zeit trotz leichter Verspätung (Signalstörung bei ERE) noch für einen kurzen Loungebesuch, bevor es dann pünktlich mit dem RE 10 weiterging, der heute von der NWB-Abspaltung RheinRuhrBahn betrieben wird. Am Zielbahnhof Kleve angekommen, genoss ich erst mal eine Currywurst (ich war immerhin in NRW), lief dann ein wenig durch die Innenstadt, gönnte mir noch einen Eiskaffee und fuhr dann mit dem Bus nach Emmerich weiter. Dort ist leider die Innenstadt so weit vom Bahnhof entfernt, dass sich ein Besuch nicht lohnte. Stattdessen machte ich ein paar Zugbilder.

Ein Güterzug mit zwei 189ern durchfährt den Bahnhof Emmerich
Der RE 19 aus Düsseldorf trifft am Stumpfgleis 1 ein. Zurzeit muss man zur Weiterfahrt nach Arnheim umsteigen.

Leider kein Foto ergab sich von einem 408er, weil der in Emmerich zu knapp vor meiner Abfahrt durchkam (obwohl sich diese um ein paar Minuten verzögerte und der ICE anhalten musste). Auch in Duisburg verzichtete ich darauf, weil es durch den kurzfristigen Wechsel auf Gleis 13 nicht gut geworden wäre. Also machte ich mich mit dem verspäteten und rappelvollen RE 2 auf den Weg nach HO. Hätte ich dort den RE 9 noch bekommen, wäre die Rückfahrt kostenlos gewesen. Das wurde aber auf dem allerletzten Stück wegen Gegenständen im Gleis vereitelt. Also eine Fahrkarte für den ebenfalls verspäteten EC gekauft und eine halbe Stunde hinter dem ursprünglichen Plan (allerdings auch etwa 20 Euro preiswerter) in HB angekommen.

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 8–9/9)

Im letzten Teil war ich endlich im namensgebenden Städtchen (6.600 Einwohner) angekommen und stehe nun früh auf, um den ersten der drei täglichen Züge auf der neuen Haparandabahn zu erreichen. Noch im Hostel bekomme ich eine SMS (ich hatte die gesamte Verbindung bis Stockholm über sj.se gebucht), dass der Zug durch ein Taxi ersetzt wird. Aus der Befahrung der Bahn wird also nichts, trotzdem mache ich mich natürlich auf den Weg zum Bahnhof. Dort warten schon etwas mehr als zehn Leute auf die Taxis. Das erste taucht auf und fährt gefüllt Richtung Boden (der Endstation des Zuges), danach passiert erst mal nichts. Irgendwann kommt noch ein zweites Taxi, und das Spiel wiederholt sich. In diesem Fall soll ein Platz freibleiben, weil in Kalix noch jemand einsteigen soll. Dann passiert ganz lange gar nichts, bis ich mitbekomme, dass eine Finnin, die mit mir wartet (und genausowenig Schwedisch spricht wie ich) auf Englisch mit dem Zugbetreiber Norrtåg telefoniert. Man gibt ihr dort die Auskunft, dass Taxis nur für die Fahrgäste bestellt waren, die den (nicht reservierungspflichtigen) Zug gebucht hatten. Dazu gehörte ich zwar, aber da das niemand wusste, galt „Wer zuerst kommt, …“. Ich starte selber einen Versuch, bei Norrtåg anzurufen, werde aber in eine endlose Warteschleife verwiesen.

Also schmiede ich Plan B: In Stockholm werde ich heute nicht mehr ankommen, aber wenn ich den Mittagszug nehme, habe ich in Boden Anschluss zum Nachtzug in die Hauptstadt. Der kommt dort gerade rechtzeitig an, dass ich den gebuchten X2000 nach Malmö noch erreiche. Und wenn nicht, war es zumindest einen Versuch wert. Ein Einzelabteil wie auf der Hinfahrt ist leider jetzt unbezahlbar, aber dank Interrail bekomme ich ein Bett im Dreierabteil für knapp 40 Euro. Mein Hotelzimmer in Stockholm kann ich zum Glück auch stornieren, so dass ich finanziell bei dieser Sache sogar mit einem Plus herausgehe. Kurioserweise bekomme ich dann auch noch eine kommentarlose Mail von den SJ, die mir aufgrund meiner ursprünglichen Buchung jetzt auch noch einen Sitzplatz im Nachtzug reserviert haben.

Nun kann ich wieder etwas entspannen und laufe samt Koffer zurück zum zentralen Platz. Dort sowie direkt nebenan in einem Kiosk und in der Lobby des Svefi verbringe ich die Zeit bis zum nächsten Zug. Inzwischen habe ich die Nachricht bekommen, dass der auch durch einen Bus ersetzt wird, aber darauf kommt es nun auch nicht mehr an.

Montag,  7. Juli 2025

Haparanda ab 14.27 Bus
Boden C an 15.53 +ca. 30
Boden C ab 17.54 +ca. 20 D 91

Der Bus kommt rechtzeitig und hat auch genug Platz für alle. Die Fahrt über die Landstraße ist ereignislos. Wie der Zug nehmen wir den einzigen Zwischenhalt Kalix mit. Dort steige ich kurz aus, um die Toilette am Bahnhof zu nutzen, aber leider ist sie defekt. Also gehe ich dem Bedürfnis erst in Boden nach, das wir natürlich später als der Zug erreichen, aber immer noch rechtzeitig für meinen Anschluss. Der kommt aus dem nahegelegenen Luleå, wo ich auf meiner Reise 2010 Station gemacht habe. Auf der Strecke dorthin scheint es einen technischen Defekt zu geben, weswegen auch mein Zug Verspätung hat. Ob der Defekt auch der Grund für den Ausfall der Züge aus Haparanda war, weiß ich nicht. Als der Nachtzug schließlich kommt, muss er noch die Fahrtrichtung und damit die Stellung der Loks wechseln. Das nutze ich für einige Fotos.

Schlafwagen im Nachtzug Luleå–Stockholm
Liegewagen im Nachtzug Luleå–Stockholm
Und da kommen endlich die Loks

In meinem Abteil habe ich das Bett ganz oben. Noch bin ich alleine, so dass ich erst mal am Fenster sitze und die (allerdings nicht sehr abwechslungsreiche) Landschaft genieße. Die Schaffnerin teilt mir bei der Kontrolle aber mit, dass am übernächsten Halt in Jörn noch jemand einsteigt. Das tut er dann auch tatsächlich, so dass ich mich auf meine Liege verziehe. Später, als wir schon mehr oder weniger schlafen, wird auch das dritte Bett noch belegt.

Dienstag,  8. Juli 2025

Etwa eine Stunde vor der Ankunft in Stockholm stehe ich auf. Das dritte Bett ist schon wieder frei, und mein Abteilgenosse aus Jörn schläft noch. Ich mache mich auf den Weg in den Bistrowagen. Leider ist diesmal kein Frühstück im Preis inbegriffen, so kaufe ich einen Joghurt und natürlich einen Kaffee. Da der Zug wie die meisten Nachtzüge einen ordentlichen Fahrplanpuffer hat, haben wir die Verspätung wieder herausgefahren und mein Anschluss ist nicht gefährdet.

Stockholm C an  7.01
Stockholm C ab 7.19 X2 523
Malmö C an 11.52

In Stockholm angekommen, muss ich praktischerweise in dem etwas unübersichtlichen Bahnhof nur auf den Nachbarbahnsteig wechseln. Von dort gelingt mir noch ein Bild vom Nachtzug mit der schwarzen Lok, die seit Boden vorne ist.

Nachtzug aus Luleå nach der Ankunft in Stockholm

Mein X2000 kommt pünktlich und ist gut gebucht. Auf der Fahrt schlafe ich etwas, gemessen an den Strapazen der bisherigen Fahrt aber erstaunlich wenig. Sonst passiert nichts Besonderes. In Malmö mache ich ein Bild von meinem Zug:

X2000 nach der Ankunft in Malmö

Spannenderweise war übrigens die DB-Auskunft auch an meinem Reisetag noch der Meinung, es gäbe noch einen X2000 eine Stunde später, mit dem ich in Kopenhagen denselben EC erreichen könnte. Die SJ-Auskunft kannte ihn gar nicht, auf der Anzeigetafel in Stockholm war er als Ausfall gekennzeichnet – ein Rätsel.

So habe ich nun noch ein wenig Zeit in Malmö, die ich – ihr habt es erraten – für Fotos nutze. Besonders angetan haben es mir die Doppelgelenkbusse, die mangels einer Straßenbahn hier unterwegs sind.

Doppelgelenkbus vor dem Hbf in Malmö

Um aber nicht auf den letzten Drücker in Kopenhagen zu sein, mache ich mich mit dem nächsten Öresundzug vom Tunnelbahnhof auf den Weg dorthin. Der Sinn von Zeitpuffern zeigt sich auch sofort: Nachdem der Zug abfahrbereit ist, geht ein Mitarbeiter durch und erklärt auf Schwedisch, dass die Fahrt aufgrund eines technischen Problems nun hier enden und der Zug daher geräumt werden müsse. Denen, die der Sprache nicht mächtig sind, dolmetschen es andere Fahrgäste, und so geht die Räumung entsprechend flott. Der nächste Zug fährt zwar nur eine Viertelstunde später, ist aber jetzt entsprechend voll.

Malmö C     ab 12.20 RE 1067
København H an 12.57

In Kopenhagen habe ich noch genug Zeit, bei der dänischen Burgerkette in der Bahnhofshalle Mittag zu essen. Ein Hoch auf die Kreditkarte, mit der ich mal eben in dänischen Kronen bezahlen kann! Dann mache ich mich auf den Weg zum Bahnsteig, auf dem mein EC nach Hamburg abfahren soll.

København H ab 14.22 EC 397
Hamburg Hbf an 19.00

Mein automatisch zugewiesener Sitzplatz befindet sich in einem Abteil des alten IC-1-Wagens. Ich teile es mir mit einer dänischen Familie und lausche immer mal wieder, ob ich von dem Gespräch etwas verstehe, tue es aber praktisch nicht. Schon spannend, weil ich geschriebenes Dänisch relativ gut verstehe. Ansonsten vertreibe ich mir die Zeit mit Zeitunglesen und Aus-dem-Fenster-Gucken. Einiges kenne ich noch vom Flensburg-Urlaub im Mai, bei dem wir auch einen Ausflug nach Kolding gemacht haben. Höhepunkte im wahrsten Sinne des Wortes sind die Brücke über den Großen Belt und die Rendsburger Hochbrücke.

Hamburg erreichen wir, wenn ich mich recht erinnere, sogar einige Minuten vor Plan. Praktischerweise muss ich auch noch nicht einmal den Bahnsteig wechseln, um meinen Metronom nach Bremen zu erreichen. Sitzplätze gibt es dort auch noch massig, so dass ich die letzte Etappe der Reise entspannt angehen kann.

Hamburg Hbf ab 19.15 RE 82035
Bremen Hbf an 20.24

Auch Bremen erreichen wir pünktlich. Ich gehe noch schnell im Rewe gegenüber vom Bahnhof einkaufen, und meine Freundin geht mir entgegen, so dass wir ein Stück meines Heimwegs zusammen gehen können. Zu Hause angekommen, überkommt mich wenig überraschend bald die Müdigkeit.

Fazit

Die wichtigste Frage: Führt der schönste Weg nach Finnland jetzt wirklich über Haparanda? Ich finde, dass beide Wege ihren Reiz haben. Auf dem Hinweg fand ich vor allem die Schären bezaubernd, auf dem Rückweg die Grenzlage von Haparanda und die Bahnanlagen, die ein wenig wie ein „Lost Place“ wirkten (aber hoffentlich nicht mehr lange). Und von der nordischen Landschaft gibt es auf beiden Wegen genug zu sehen, um auch mal nicht aus dem Fenster zu gucken.

Da ich übrigens diesmal Interrail in der App genutzt habe (es gab eine Online-Rabattaktion, aber der Papierpass hätte extra gekostet), habe ich als Nebeneffekt eine schöne Karte als Erinnerung an meine Reise. Man sieht, dass ich den ganzen Bottnischen Meerbusen umrundet habe (und dass Interrail der irrigen Meinung ist, ich sei von Turku Hafen nach Turku über Karjaa gefahren).

Meine Finnland-Reise 2025 auf einen Blick

Meine Verspätung reiche ich im Nachgang bei Interrail ein. Allein den Wert von 624 Minuten in das Formular einzutragen, war es das Ganze schon wert, aber ich bekomme auch noch 24 Euro erstattet. So bleiben die (überwiegend guten) Erlebnisse nicht der einzige Gewinn der Reise.

Ende

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 7/9)

Nach drei erlebnisreichen Tagen in Rovaniemi trete ich am Sonntagmittag den Rückweg an. Die erste Etappe führt mich nicht allzu weit nach Haparanda, das diesem Reisebericht den Namen gegeben hat. Daher muss ich auch erst mittags los und kann vorher noch einen kleinen Spaziergang durch Rovaniemi machen. Dabei komme ich natürlich auch am Busbahnhof vorbei, wo ich einen Fernbus der Firma OnniBus (onni=„Glück“) sehe.

OnniBus am Busbahnhof von Rovaniemi

Die zentrale Haltestelle für die Stadtbusse ist dagegen wieder etwas stadteinwärts. Trotz des eher spärlichen Verkehrs am Sonntagvormittag gelingen mir auch hier zwei Aufnahmen. Eine Zielangabe „Santa Claus Village – Napapiiri (=Polarkreis)“ hat auch nicht jede Stadt zu bieten :-).

Stadtbus in Rovaniemi mit Zielangabe „Polarkreis“
Stadtbus in Rovaniemi

Dann hole ich meinen Koffer aus dem Hotel. Da ein Stadtbus zum Bahnhof passend fährt, nehme ich den. Beim Aussteigen merke ich, dass meine Sonnenbrille noch am Platz liegt, kann sie aber noch holen. Dafür fällt mir wenig später im Zug ein, dass ich mein Saunatuch im Hotelzimmer vergessen habe – zum Zurücklaufen zu spät und zum Nachsenden zu teuer.

Sonntag,  6. Juli 2025
Rovaniemi ab 13.02 IC 34 Kemi an 14.20
Bahnhofsszene in Rovaniemi: rechts mein IC Richtung Helsinki

Den Zug nehme ich bis Kemi. Von dort bis Tornio an der schwedischen Grenze gibt es zwar eine Bahnstrecke, sie wird jedoch nur noch viermal pro Woche (im Winter täglich) vom Nachtzug nach Kolari befahren. Also steige ich in den Bus um, der direkt gegenüber vom Bahnhof am sehr verschlafenen Busbahnhof abfährt. Es handelt sich um einen Kleinbus, von dem ich leider kein Foto mache. Fünfzehn Jahre vorher bin ich noch mit dem legendären Volvo der inzwischen insolventen Gebrüder Salmela gefahren:

Volvo-Bus der Gebrüder Salmela im Jahr 2010 in Tornio
Kemi                        ab 15.00
TornioHaparanda Matkakeskus an 15.40

Der Bus fährt nicht über die Autobahn, sondern bedient die kleinen Dörfer unterwegs. Tornio und Haparanda sind Zwillingsstädte mit einer Staats- und Zeitzonengrenze dazwischen. 2010 hatten sie noch getrennte Busbahnhöfe, zwischen denen man unter Umständen laufen musste. Inzwischen gibt es einen gemeinsamen, direkt auf der schwedischen Seite der Grenze und neben dem nördlichsten Ikea der Welt. Tornio sehe ich daher nur aus dem Bus und mache mich direkt auf den Weg zu meiner Unterkunft in Haparanda. Deren Name „Svefi“ bezieht sich nicht, wie ich erst denke, auf die Lage an der Grenze zwischen den beiden Ländern, sondern auf die Gemeinschaft der Schwedenfinnen, an deren Kulturzentrum das Hostel angeschlossen ist. Auf dem Weg kommt mir eine ältere Frau entgegen, die mich fragt: „Kommer du från busstationen?“ Mein Schwedisch reicht gerade noch, um das zu bejahen, bei der nächsten Frage muss ich aber passen. Zum Glück können wir aber problemlos ins Englische wechseln.

Nach dem komplett kontaktlosen Einchecken (da die Rezeption bereits geschlossen hat) esse ich erst in einem asiatischen Buffetrestaurant im alten Busbahnhof und mache dann einen Rundgang durch Haparanda.

Wegweiser am zentralen Platz in Haparanda. Die Aufschriften sind gemischt schwedisch und finnisch, auf der anderen Seite genau umgekehrt: „Du bist hier“ – „Kirche“ – „Finnland“ – „Lebensqualität“ – „Stadthotel“ – „Mitternachtssonne“ – „Seskarö“ – „Strand“ – „Svefi“ – „Abenteuergolf“ – „Ausflugsboote“

Die Grenze zu Finnland liegt im Fluß Torneälv/Tornionjoki bzw. einem Seitenarm davon. Für Fußgänger gibt es diese hübsche Grenzbrücke:

Fußgänger-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio

Auch der Straßenverkehr hat eine schicke Markierung auf seiner Brücke:

Straßen-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio

Am Torneälv entlang laufe ich Richtung Süden und höre dabei in der Ferne Kommandos über Lautsprecher. Ich denke erst an eine Sportveranstaltung. Als ich näher komme, sehe ich aber etwas viel Interessanteres: Am Ufer stehen eine Menge Autos. In denen sitzen Leute mit Bingokarten, und die Zahlen werden auf Schwedisch und Finnisch über den Lautsprecher bekanntgegeben. Auch eine Art, sich die Zeit zu vertreiben.

Solche von Monty Python inspirierten Schilder stehen entlang des Uferwegs

Mir dagegen hat es besonders die Grenzbrücke der Eisenbahn angetan, die die letzte Brücke über den Torneälv vor dessen Mündung in die Ostsee ist. Sie ist die einzige Verbindung zwischen dem schwedischen Normalspur- und dem finnischen Breitspurnetz, wird aber seit 1992 nur noch im Güterverkehr befahren.

Eisenbahn-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio

Auf der Südseite der Brücke führt eine Treppe zu einem alten Bunker und an die Bahnstrecke heran. Die Strecke wird momentan ertüchtigt und elektrifiziert und ist daher ab hier gesperrt. Gut erkennbar ist auch das Vierschienengleis, das Fahrten für Züge beider Spurweiten möglich macht.

Sperrtafel und Vierschienengleis an der Grenzbrücke

Dann schaue ich mich noch ein wenig am Bahnhof um. Zumindest für die heutige Bedeutung ist das Bahnhofsgebäude arg überdimensioniert:

Bahnhofsgebäude von Haparanda

Vor dem Zugang zum Bahnhof stehen zwei Anzeigetafeln. Die eine zeigt die Züge Richtung Schweden, die andere ist anscheinend schon in der freudigen Erwartung aufgestellt, dass bald wieder Personenzüge nach Finnland fahren:

Anzeigetafeln am Bahnhof in Haparanda

Anschließend mache ich mich auf den Weg ins Zimmer, wo ich noch ein Telefonat erledige und mich bald auf den Weg ins Bett mache, denn am nächsten Morgen fährt mein Zug schon um 7:12 Uhr.

Fortsetzung folgt!

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 4–6/9)

Donnerstag,  3. Juli 2025
Rovaniemi an 11.03

Im zweiten Teil hatte ich mich im Nachtzug von Turku nach Rovaniemi schlafen gelegt. Mehr oder weniger ausgeschlafen wache ich am nächsten Morgen irgendwo bei Kemi auf, also bereits in Lappland. Draußen sieht es ungefähr so aus:

Blick aus dem Zugfenster hinter Kemi

Das Frühstück ist hier nicht inbegriffen, aber trotzdem gehe ich in den Restaurantwagen und kaufe mir dort einen Cappuccino und eine pulla, die finnische Bezeichnung für Gebäckteilchen. Bald ist Muurola erreicht, der letzte Halt vor der Endstation des Zuges …

Bahnhof Muurola

… und schließlich erreichen wir pünktlich die Endstation Rovaniemi. Weiter ginge es nur einmal täglich mit dem frühen Nachtzug nach Kemijärvi.

Ankunft in Rovaniemi im Juli 2025

Zum Vergleich ein Bild von meiner Ankunft im April 2016:

Ankunft in Rovaniemi im April 2016

Ich mache mich zu Fuß auf den Weg ins Hotel und checke ein. Mein Zimmer ist zum Glück schon fertig, also ruhe ich mich kurz aus und gehe dann in die Stadt, um unter anderem ein neues Netzteil für mein Handy zu kaufen.

Die Tage in Rovaniemi verbringe ich nicht allein, sondern bin mit ein paar Bekannten verabredet, die teilweise dort wohnen, teilweise auch zu Besuch sind. Mit ihnen gehe ich am ersten Abend etwas trinken. Eine Sauna gibt es dort auch, aber für Finnland ganz untypisch braucht man Badebekleidung, die ich nicht mithabe.

Bei den Temperaturen hätte sich die Sauna durchaus gelohnt … Nach meiner Abreise erfasste eine Hitzewelle den hohen Norden.

Am nächsten Tag wollen wir draußen etwas unternehmen, aber wegen Dauerregens verlegen wir uns auf Bowling. Abends gibt es dann wieder Essen im Restaurant. Die anderen gehen noch zum Santa-Rock-Musikfestival, das mich aber nicht so reizt.

Am Samstag ist dann volles Programm: Zuerst treffen wir uns im Kulturzentrum Korundi in einem alten Busdepot. Dort läuft gerade die Sápmi-Triennale, benannt nach dem Siedlungsgebiet der indigenen Sami.

Sami-Kunst im Korundi I
Sami-Kunst im Korundi II
Sami-Kunst im Korundi III (schwedischer Text: „Die Wirklichkeit in der nördlichen Kolonie – Wie ihr denkt, dass es ist“)

In der Dauerausstellung kann man seinen größten Wunsch auf einen Klebezettel schreiben und auf eine Wand kleben. Bei den meisten reicht mein spärliches Finnisch zum Verständnis aus – Kinder wünschen sich meistens ein Haustier (vom Häschen bis zum Rentier) und Erwachsene Frieden und Gesundheit.

Wünschewand im Korundi

Ein Bahnhofsrätsel gibt es auch (wobei beim Originalbild der Zugzielanzeiger ganz rechts in der Ecke besser erkennbar ist und einen Hinweis gibt).

Bahnhofsrätsel im Korundi
Das Korundi von außen: Der ursprüngliche Zweck des Gebäudes ist noch erkennbar

Nach einer kurzen Mittagspause geht es weiter ins nächste Museum, das Arktikum. Wie der Name schon sagt, gibt es hier diverse Ausstellungen über die Arktis: zum einen über die bedrohte Natur, zum anderen aber auch über die Geschichte Finnisch-Lapplands. Dazu gehört auch die Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht im Laufe des 2. Weltkriegs. Nicht zuletzt hat das Gebäude aber auch eine beeindruckende Architektur, die bei Sonnenschein wie heute besonders gut zur Geltung kommt:

Im Arktikum I
Im Arktikum II

Außerdem lerne ich, dass Finnisch viele Wörter für Schnee hat …

100 finnische Wörter für Schnee im Arktikum

… und kann Ausdrücke in verschiedenen Sprachen der Arktis vergleichen und dabei die Verwandtschaft von Finnisch und Samisch gut erkennen.

Sprachen der Arktis: hier beispielhaft ein Vergleich zwischen Finnisch, Nordsamisch, Inuktut und Nenzisch, rechts die Bedeutung der Ausdrücke auf Englisch.
Wenn es schon aus dem Zug nicht geklappt hat, wenigstens aus dem Arktikum ein Foto von einem Elch

Höhepunkt des Tages ist die große Mitternachtssonnen-Party bei einem Mitglied unserer Gruppe, das etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt an einem See wohnt. Dort fahren wir mit einem Großraumtaxi hin, das natürlich vorher noch an einem Supermarkt hält, damit wir uns mit (niedrigprozentigen) alkoholischen Getränken eindecken können (die anderen gibt es nur in Spezialgeschäften). Der Ort für die Feier ist mehr als idyllisch:

Die Location für die Mitternachtssonnen-Party I
Die Location für die Mitternachtssonnen-Party II

Und es kann passieren, dass mal eben so ein Rentier im Garten vorbei schaut.

Rentier im (zugegebenermaßen eher waldartigen) Garten unseres Gastgebers

Vor der finnischen Grillwurst (die eher nicht so mein Fall ist) gibt es selbstverständlich einen Saunabesuch. Diesmal nach finnischer Sitte ohne Badeklamotten und mit Birkenzweigen, dafür aber geschlechtergetrennt. Zwischen den Saunagängen wird selbstverständlich im See gebadet (von mir allerdings nur sehr kurz …) und vor der Saunahütte der Durst gelöscht. Nachdem wir dabei nach ein paar Minuten völlig zerstochen sind, wechseln wir lieber nach drinnen.

Damit unser (nicht mehr ganz junger) Gastgeber noch aufräumen kann, ist das Taxi für die Rückfahrt schon für 23 Uhr bestellt. Zurück in Rovaniemi geht jeder seiner Wege, so dass ich noch mal alleine losziehe und nun aber wirklich die Mitternachtssonne bewundere, die ich in den letzten Tagen im Hotel einfach ausgesperrt habe.

Die Mitternachtssonne am Ounasjoki in Rovaniemi

Aufgrund von Sommer- und Zonenzeit ist der Tiefststand der Sonne sogar erst nach 1 Uhr nachts. Zwei aus meiner Gruppe wandern noch extra auf einen Berg, um ihn zu bewundern. Das fand ich dann doch zu anstrengend, so dass ich mich mit einem Beweisfoto auf dem zentralen Platz der Stadt begnüge und anschließend die Vorhänge im Hotelzimmer zuziehe.

0:26 Uhr und immer noch hell

Fortsetzung folgt!

Über Ägypten und Israel nach Riesa

Nach acht Jahren habe ich gestern endlich mal wieder meine Schulfreundin Melanie besucht, die mittlerweile in der Nähe von Riesa wohnt. Die Anreise dorthin ist im Prinzip recht einfach: Mit ICE oder IC gen Südosten und Umstieg in Leipzig oder Hannover. Letzteres hatte ich für die Hin- und Rückfahrt vorgesehen. Nach dem Umstieg in den IC nach Dresden querte dieser zu meiner Überraschung das ganze Gleisvorfeld und verließ HH Richtung Süden. Es stellte sich heraus, dass es bei Peine eine Signalstörung gab und wir daher über HHI umgeleitet wurden. Das gab uns gut +20 mit, die sich bis Riesa auf +15 reduzierten. Interessant waren in HBS die Züge, die dort für das Siemens-Werk abgestellt waren, in seltener Einigkeit standen welche für Ägypten, Israel und der bisher nur teilweise zugelassene ICE L quasi nebeneinander.

Zug für Ägypten in Braunschweig Hbf
Zug für Israel bei Braunschweig Hbf
ICE L (links) und Zug für Ägypten bei Braunschweig Hbf

Auf der Rückfahrt fuhr kurz vor meinem IC der der Gegenrichtung ein, der stolze 100 Minuten Verspätung hatte. Mein Zug war dagegen pünktlich, die Madgeburg-Fans im Unterdeck waren gesittet und ab Leipzig konnte ich auch mit freiem Nebenplatz sitzen. Nichts deutete darauf hin, dass es die Umleitung zwischen HBS und HH noch geben würde, da bremste der Zug in Groß Gleidingen doch ab, und der Tf rief das Zugpersonal. Das teilte uns dann mit, dass wir HH mit +30 erreichen würden, was ich aufgrund der Erfahrungen von der Hinfahrt für etwas überzogen hielt. Genauso war es dann auch: Es waren etwa +20, und die meisten Anschlusszüge waren ohnehin verspätet, unter anderem wegen Personen im Gleis in der Nähe des Bahnhofs. So auch meiner, der bereitgestellt wurde, als er schon längst von der Anzeigetafel verschwunden war. Die Abfahrt verzögerte sich dann aber noch, bis auch das Personal aus dem Hauptzug aus München kam, von dem mein Zug eigentlich der Flügelzug war. So erreichte ich HB mit etwa +50.

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 3/9)

Hier hattet ihr mich auf den Spuren des Films „Zugvögel“ von Bremen bis auf das Schiff nach Turku begleitet.

Mittwoch,  2. Juli 2025
Turku an 07.30

Die Zeitverschiebung zwischen Schweden und Finnland ist ja auch ein Thema im Film, wo ein Treffen zwischen Sirpa und Hannes daran scheitert. Bei mir führt sie dazu, dass sich mein Handy nachts umstellt und mich der Wecker daher eine Stunde zu früh weckt. Das war nicht völlig überraschend, aber wenn ich mich darauf verlassen hätte, hätte es wahrscheinlich nicht funktioniert. Und ich kann auch problemlos wieder einschlafen.

Draußen beginnt der neue Tag, wie der alte aufgehört hat, nämlich mit Schären. Überhaupt gibt es auf der Route von Stockholm nach Turku, bei der auch noch die Åland-Inseln dazwischen liegen (und für die zollfreie Einkaufsmöglichkeit sorgen), nur wenig offenes Meer.

Schären kurz vor Turku

In Turku angekommen, will ich mich nicht mit den anderen Passagieren in den Stadtbus quetschen und laufe daher zum Hafenbahnhof, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist und zu den Schiffszeiten passende Abfahrten hat. Am Bahnsteig stehen zwei Züge bereit: ein langer nach Tampere und ein kurzer. Der fährt normalerweise nach Helsinki, wegen Bauarbeiten heute aber nur bis Karjaa. Da er etwas eher fährt, aktiviere ich mein Interrail und steige ein. Die Interrail-App ist im Gegensatz zur VR-Website der Meinung, dass der Zug in Turku nur zum Einstieg hält, und schickt mich daher über Karjaa, was aber tariflich keinen Unterschied macht.

Der Zug nebenan nach Tampere hat vorne nur einen „nackten“ Wagenübergang, und ich frage mich, wie er so fahren will, da es am Hafenbahnhof auch keine Umsetzmöglichkeit gibt.

Intercity nach Tampere am Hafenbahnhof von Turku

Nachdem ich die kurze Strecke zum Stadtbahnhof gefahren bin, kommt der Zug nach Tampere kurz danach angefahren – immer noch mit dem Wagenübergang vorne.

Ich stelle mit Schrecken fest, dass es am Bahnhof keine Gepäckschließfächer gibt. Eine kurze Netzrecherche ergibt aber, dass es im Einkaufszentrum Hansakortteli am Marktplatz welche gibt und mache mich zu Fuß auf den Weg dorthin. Eigentlich ist es nicht weit, aber auf dem direkten Weg ist ein ordentlicher Hügel zu überwinden, den ich bestmöglich umgehe. Dann schließe ich meinen Koffer ein, setze mich erst mal in ein Café auf dem Marktplatz und frühstücke.

Dann mache ich mich auf den Weg, die älteste Stadt und ehemalige Hauptstadt Finnlands zu erkunden. Helsinki hat diesen Titel 1812 nur bekommen, weil Finnland damals zu Russland gehörte und Turku dem Zaren zu weit weg war. Der Plan, Helsinki dann auch gleich nach dem Herrscher in Alexandria umzubenennen, wurde allerdings nicht umgesetzt. Der Dom von Turku ist heute noch das geistliche Zentrum der finnischen evangelischen Landeskirche.

Der Dom von Turku

Von außen sieht er eher bescheiden aus, von innen nicht ganz so.

Innenansicht des Doms von Turku

Sonst gibt es nicht viel alte Bausubstanz, seit ein Feuer 1827 in der Stadt wütete (und die Vormachtstellung von Helsinki weiter zementierte). Die einzige erhaltene Straße ist heute ein Freilichtmuseum etwas außerhalb des Zentrums, zu dem ich mich aber nicht aufmache. Stattdessen statte ich der Markthalle einen Besuch ab.

In der Markthalle von Turku

Auch ohne Sprachkenntnisse ist recht deutlich, was dort verboten ist:

Verbotsschild in der Markthalle von Turku

In der Markthalle gibt es einen „blauen Zug“, einen langen Raum mit Sitzen, auf denen man sein Essen essen kann:

Sininen juna (Blauer Zug) in der Markthalle von Turku

Und so sieht die Markthalle von außen aus:

Die Turkuer Markthalle von außen

Einen Marktplatz gibt es wie gesagt auch. Wahrscheinlich ist der finnische Name der Stadt sogar mit dem Wort tori für (Markt-)Platz verwandt. Mich erinnert er sehr an den Marktplatz von Kuopio, wo ich 2013 war. Am Marktplatz esse ich auch in einem der für Finnland recht typischen günstigen Buffetrestaurants zu Mittag, und zwar einem sehr guten koreanischen.

Der Marktplatz von Turku

Als letzter Rest der 1972 stillgelegten Straßenbahn dient ein Wagen heute als Eiskiosk. Es gibt aber Pläne, wieder einen Betrieb einzurichten.

Alter Straßenbahnwagen als Eiskiosk auf dem Turkuer Marktplatz

Der öffentliche Nahverkehr wird momentan vollständig von Bussen übernommen, die unter dem Namen „Föli“ laufen. Das Wort kommt aus dem Turkuer Dialekt, in dem fölissä so viel wie „an Bord“ bedeutet. Im Standardfinnischen gibt es interessanterweise überhaupt kein f.

Föli-Bus am Turkuer Marktplatz

Mit einem Föli-Bus fahre ich noch mal zum Hafen, wo sich auch die Burg befindet, der ich einen kurzen Besuch abstatte.

Die Burg von Turku
Im Burghof von Turku

Sehr nett ist es in Turku auch am Fluss, der den schönen Namen Aurajoki trägt (joki heißt einfach „Fluss“).

Am Aurajoki in Turku
Am Aurajoki in Turku (Åbo ist der schwedische Name der Stadt)

Den Rest der Zeit verbringe ich zeitunglesend auf einer Parkbank in der Nähe des Flusses. Es ist trocken, meistens sonnig und noch ein paar Grad kühler als gestern in Stockholm – also bestes Wetter, um draußen Zeit totzuschlagen.

Zum Bahnhof mache ich mich dann aber doch sehr früh auf. Ich hole meinen Koffer aus dem Schließfach und fahre diesmal mit dem Bus. Den Bahnhof liegt noch in den letzten Zügen eines Umbaus, bei dem man leider auch das Bahnhofsgebäude eingespart hat. Als Warteraum dient jetzt eine Ecke in einem ehemaligen Betriebswerk, das sonst zum Kulturzentrum umfunktioniert wurde. Immerhin hat es dadurch auch Gastronomie, bei der man sich vor der Reise noch eindecken kann.

Warteraum am Bahnhof Turku
Der Bahnhof von Turku

Die Schlafwagen für meinen Nachtzug stehen noch in der Abstellung:

Schlafwagen für den Nachtzug nach Rovaniemi am Bahnhof in Turku

Die Sitzwagen kommen etwa eine halbe Stunde vor der Abfahrt als Intercity von Hafen an, dann werden die Schlafwagen angekuppelt. Autotransportwagen gibt es auch, sie laufen ganz an der Spitze mit.

Die Schlafwagen für den Nachtzug nach Rovaniemi werden angekuppelt
Autotransportwagen mit etwas hypnotisch guckendem Rentier
Den Schlafwagen ziert dagegen natürlich eine Eule …
… und ein Weihnachtsmann (finnischer Text etwa: „Offizielles Bahnunternehmen des Weihnachtsmanns“)

Das Innere meines Abteils sieht noch genauso aus wie 2016, als ich schon mal gen Norden gefahren bin. Daher zeige ich noch mal die Fotos von damals:

VR-Schlafabteil von innen
Badezimmer eines VR-Schlafabteils
Dusche eines VR-Schlafabteils

Turku        ab 21.08 PYO 933

Dann fährt der Zug los. Bald hinter Turku sehe ich zwei Elche vor dem Zug fliehen, natürlich zu schnell und plötzlich für ein Foto. Ebenfalls plötzlich klopft es an der Tür: Fahrkartenkontrolle. Ich habe schlauerweise mein Handy zum Laden an die Steckdose neben der Tür (und nicht an die am Bett) angeschlossen. Als ich jetzt die Tür aufmache, denke ich daran nicht mehr und schrotte prompt das Netzteil. Jetzt muss ich ein wenig mit dem Akku haushalten. Aber da es ja draußen hell ist, kann ich prima auf dem Klappsitz am Fenster sitzen und die Landschaft beobachten. Das mache ich bis Tampere, wo der Zug interessanterweise vier Stunden Aufenthalt hat. Wenn man will (so schlägt es auch die Interrail-App vor), kann man hier umsteigen und schon morgens um sieben in Rovaniemi sein. Als Langschläfer, der zudem keinen Termin hat, lehne ich das entschieden ab, bleibe im Zug und lege mich schlafen.

Fortsetzung folgt!