Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 8–9/9)

Im letzten Teil war ich endlich im namensgebenden Städtchen (6.600 Einwohner) angekommen und stehe nun früh auf, um den ersten der drei täglichen Züge auf der neuen Haparandabahn zu erreichen. Noch im Hostel bekomme ich eine SMS (ich hatte die gesamte Verbindung bis Stockholm über sj.se gebucht), dass der Zug durch ein Taxi ersetzt wird. Aus der Befahrung der Bahn wird also nichts, trotzdem mache ich mich natürlich auf den Weg zum Bahnhof. Dort warten schon etwas mehr als zehn Leute auf die Taxis. Das erste taucht auf und fährt gefüllt Richtung Boden (der Endstation des Zuges), danach passiert erst mal nichts. Irgendwann kommt noch ein zweites Taxi, und das Spiel wiederholt sich. In diesem Fall soll ein Platz freibleiben, weil in Kalix noch jemand einsteigen soll. Dann passiert ganz lange gar nichts, bis ich mitbekomme, dass eine Finnin, die mit mir wartet (und genausowenig Schwedisch spricht wie ich) auf Englisch mit dem Zugbetreiber Norrtåg telefoniert. Man gibt ihr dort die Auskunft, dass Taxis nur für die Fahrgäste bestellt waren, die den (nicht reservierungspflichtigen) Zug gebucht hatten. Dazu gehörte ich zwar, aber da das niemand wusste, galt „Wer zuerst kommt, …“. Ich starte selber einen Versuch, bei Norrtåg anzurufen, werde aber in eine endlose Warteschleife verwiesen.

Also schmiede ich Plan B: In Stockholm werde ich heute nicht mehr ankommen, aber wenn ich den Mittagszug nehme, habe ich in Boden Anschluss zum Nachtzug in die Hauptstadt. Der kommt dort gerade rechtzeitig an, dass ich den gebuchten X2000 nach Malmö noch erreiche. Und wenn nicht, war es zumindest einen Versuch wert. Ein Einzelabteil wie auf der Hinfahrt ist leider jetzt unbezahlbar, aber dank Interrail bekomme ich ein Bett im Dreierabteil für knapp 40 Euro. Mein Hotelzimmer in Stockholm kann ich zum Glück auch stornieren, so dass ich finanziell bei dieser Sache sogar mit einem Plus herausgehe. Kurioserweise bekomme ich dann auch noch eine kommentarlose Mail von den SJ, die mir aufgrund meiner ursprünglichen Buchung jetzt auch noch einen Sitzplatz im Nachtzug reserviert haben.

Nun kann ich wieder etwas entspannen und laufe samt Koffer zurück zum zentralen Platz. Dort sowie direkt nebenan in einem Kiosk und in der Lobby des Svefi verbringe ich die Zeit bis zum nächsten Zug. Inzwischen habe ich die Nachricht bekommen, dass der auch durch einen Bus ersetzt wird, aber darauf kommt es nun auch nicht mehr an.

Montag,  7. Juli 2025

Haparanda ab 14.27 Bus
Boden C an 15.53 +ca. 30
Boden C ab 17.54 +ca. 20 D 91

Der Bus kommt rechtzeitig und hat auch genug Platz für alle. Die Fahrt über die Landstraße ist ereignislos. Wie der Zug nehmen wir den einzigen Zwischenhalt Kalix mit. Dort steige ich kurz aus, um die Toilette am Bahnhof zu nutzen, aber leider ist sie defekt. Also gehe ich dem Bedürfnis erst in Boden nach, das wir natürlich später als der Zug erreichen, aber immer noch rechtzeitig für meinen Anschluss. Der kommt aus dem nahegelegenen Luleå, wo ich auf meiner Reise 2010 Station gemacht habe. Auf der Strecke dorthin scheint es einen technischen Defekt zu geben, weswegen auch mein Zug Verspätung hat. Ob der Defekt auch der Grund für den Ausfall der Züge aus Haparanda war, weiß ich nicht. Als der Nachtzug schließlich kommt, muss er noch die Fahrtrichtung und damit die Stellung der Loks wechseln. Das nutze ich für einige Fotos.

Schlafwagen im Nachtzug Luleå–Stockholm
Liegewagen im Nachtzug Luleå–Stockholm
Und da kommen endlich die Loks

In meinem Abteil habe ich das Bett ganz oben. Noch bin ich alleine, so dass ich erst mal am Fenster sitze und die (allerdings nicht sehr abwechslungsreiche) Landschaft genieße. Die Schaffnerin teilt mir bei der Kontrolle aber mit, dass am übernächsten Halt in Jörn noch jemand einsteigt. Das tut er dann auch tatsächlich, so dass ich mich auf meine Liege verziehe. Später, als wir schon mehr oder weniger schlafen, wird auch das dritte Bett noch belegt.

Dienstag,  8. Juli 2025

Etwa eine Stunde vor der Ankunft in Stockholm stehe ich auf. Das dritte Bett ist schon wieder frei, und mein Abteilgenosse aus Jörn schläft noch. Ich mache mich auf den Weg in den Bistrowagen. Leider ist diesmal kein Frühstück im Preis inbegriffen, so kaufe ich einen Joghurt und natürlich einen Kaffee. Da der Zug wie die meisten Nachtzüge einen ordentlichen Fahrplanpuffer hat, haben wir die Verspätung wieder herausgefahren und mein Anschluss ist nicht gefährdet.

Stockholm C an  7.01
Stockholm C ab 7.19 X2 523
Malmö C an 11.52

In Stockholm angekommen, muss ich praktischerweise in dem etwas unübersichtlichen Bahnhof nur auf den Nachbarbahnsteig wechseln. Von dort gelingt mir noch ein Bild vom Nachtzug mit der schwarzen Lok, die seit Boden vorne ist.

Nachtzug aus Luleå nach der Ankunft in Stockholm

Mein X2000 kommt pünktlich und ist gut gebucht. Auf der Fahrt schlafe ich etwas, gemessen an den Strapazen der bisherigen Fahrt aber erstaunlich wenig. Sonst passiert nichts Besonderes. In Malmö mache ich ein Bild von meinem Zug:

X2000 nach der Ankunft in Malmö

Spannenderweise war übrigens die DB-Auskunft auch an meinem Reisetag noch der Meinung, es gäbe noch einen X2000 eine Stunde später, mit dem ich in Kopenhagen denselben EC erreichen könnte. Die SJ-Auskunft kannte ihn gar nicht, auf der Anzeigetafel in Stockholm war er als Ausfall gekennzeichnet – ein Rätsel.

So habe ich nun noch ein wenig Zeit in Malmö, die ich – ihr habt es erraten – für Fotos nutze. Besonders angetan haben es mir die Doppelgelenkbusse, die mangels einer Straßenbahn hier unterwegs sind.

Doppelgelenkbus vor dem Hbf in Malmö

Um aber nicht auf den letzten Drücker in Kopenhagen zu sein, mache ich mich mit dem nächsten Öresundzug vom Tunnelbahnhof auf den Weg dorthin. Der Sinn von Zeitpuffern zeigt sich auch sofort: Nachdem der Zug abfahrbereit ist, geht ein Mitarbeiter durch und erklärt auf Schwedisch, dass die Fahrt aufgrund eines technischen Problems nun hier enden und der Zug daher geräumt werden müsse. Denen, die der Sprache nicht mächtig sind, dolmetschen es andere Fahrgäste, und so geht die Räumung entsprechend flott. Der nächste Zug fährt zwar nur eine Viertelstunde später, ist aber jetzt entsprechend voll.

Malmö C     ab 12.20 RE 1067
København H an 12.57

In Kopenhagen habe ich noch genug Zeit, bei der dänischen Burgerkette in der Bahnhofshalle Mittag zu essen. Ein Hoch auf die Kreditkarte, mit der ich mal eben in dänischen Kronen bezahlen kann! Dann mache ich mich auf den Weg zum Bahnsteig, auf dem mein EC nach Hamburg abfahren soll.

København H ab 14.22 EC 397
Hamburg Hbf an 19.00

Mein automatisch zugewiesener Sitzplatz befindet sich in einem Abteil des alten IC-1-Wagens. Ich teile es mir mit einer dänischen Familie und lausche immer mal wieder, ob ich von dem Gespräch etwas verstehe, tue es aber praktisch nicht. Schon spannend, weil ich geschriebenes Dänisch relativ gut verstehe. Ansonsten vertreibe ich mir die Zeit mit Zeitunglesen und Aus-dem-Fenster-Gucken. Einiges kenne ich noch vom Flensburg-Urlaub im Mai, bei dem wir auch einen Ausflug nach Kolding gemacht haben. Höhepunkte im wahrsten Sinne des Wortes sind die Brücke über den Großen Belt und die Rendsburger Hochbrücke.

Hamburg erreichen wir, wenn ich mich recht erinnere, sogar einige Minuten vor Plan. Praktischerweise muss ich auch noch nicht einmal den Bahnsteig wechseln, um meinen Metronom nach Bremen zu erreichen. Sitzplätze gibt es dort auch noch massig, so dass ich die letzte Etappe der Reise entspannt angehen kann.

Hamburg Hbf ab 19.15 RE 82035
Bremen Hbf an 20.24

Auch Bremen erreichen wir pünktlich. Ich gehe noch schnell im Rewe gegenüber vom Bahnhof einkaufen, und meine Freundin geht mir entgegen, so dass wir ein Stück meines Heimwegs zusammen gehen können. Zu Hause angekommen, überkommt mich wenig überraschend bald die Müdigkeit.

Fazit

Die wichtigste Frage: Führt der schönste Weg nach Finnland jetzt wirklich über Haparanda? Ich finde, dass beide Wege ihren Reiz haben. Auf dem Hinweg fand ich vor allem die Schären bezaubernd, auf dem Rückweg die Grenzlage von Haparanda und die Bahnanlagen, die ein wenig wie ein „Lost Place“ wirkten (aber hoffentlich nicht mehr lange). Und von der nordischen Landschaft gibt es auf beiden Wegen genug zu sehen, um auch mal nicht aus dem Fenster zu gucken.

Da ich übrigens diesmal Interrail in der App genutzt habe (es gab eine Online-Rabattaktion, aber der Papierpass hätte extra gekostet), habe ich als Nebeneffekt eine schöne Karte als Erinnerung an meine Reise. Man sieht, dass ich den ganzen Bottnischen Meerbusen umrundet habe (und dass Interrail der irrigen Meinung ist, ich sei von Turku Hafen nach Turku über Karjaa gefahren).

Meine Finnland-Reise 2025 auf einen Blick

Meine Verspätung reiche ich im Nachgang bei Interrail ein. Allein den Wert von 624 Minuten in das Formular einzutragen, war es das Ganze schon wert, aber ich bekomme auch noch 24 Euro erstattet. So bleiben die (überwiegend guten) Erlebnisse nicht der einzige Gewinn der Reise.

Ende

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 4–6/9)

Donnerstag,  3. Juli 2025
Rovaniemi an 11.03

Im zweiten Teil hatte ich mich im Nachtzug von Turku nach Rovaniemi schlafen gelegt. Mehr oder weniger ausgeschlafen wache ich am nächsten Morgen irgendwo bei Kemi auf, also bereits in Lappland. Draußen sieht es ungefähr so aus:

Blick aus dem Zugfenster hinter Kemi

Das Frühstück ist hier nicht inbegriffen, aber trotzdem gehe ich in den Restaurantwagen und kaufe mir dort einen Cappuccino und eine pulla, die finnische Bezeichnung für Gebäckteilchen. Bald ist Muurola erreicht, der letzte Halt vor der Endstation des Zuges …

Bahnhof Muurola

… und schließlich erreichen wir pünktlich die Endstation Rovaniemi. Weiter ginge es nur einmal täglich mit dem frühen Nachtzug nach Kemijärvi.

Ankunft in Rovaniemi im Juli 2025

Zum Vergleich ein Bild von meiner Ankunft im April 2016:

Ankunft in Rovaniemi im April 2016

Ich mache mich zu Fuß auf den Weg ins Hotel und checke ein. Mein Zimmer ist zum Glück schon fertig, also ruhe ich mich kurz aus und gehe dann in die Stadt, um unter anderem ein neues Netzteil für mein Handy zu kaufen.

Die Tage in Rovaniemi verbringe ich nicht allein, sondern bin mit ein paar Bekannten verabredet, die teilweise dort wohnen, teilweise auch zu Besuch sind. Mit ihnen gehe ich am ersten Abend etwas trinken. Eine Sauna gibt es dort auch, aber für Finnland ganz untypisch braucht man Badebekleidung, die ich nicht mithabe.

Bei den Temperaturen hätte sich die Sauna durchaus gelohnt … Nach meiner Abreise erfasste eine Hitzewelle den hohen Norden.

Am nächsten Tag wollen wir draußen etwas unternehmen, aber wegen Dauerregens verlegen wir uns auf Bowling. Abends gibt es dann wieder Essen im Restaurant. Die anderen gehen noch zum Santa-Rock-Musikfestival, das mich aber nicht so reizt.

Am Samstag ist dann volles Programm: Zuerst treffen wir uns im Kulturzentrum Korundi in einem alten Busdepot. Dort läuft gerade die Sápmi-Triennale, benannt nach dem Siedlungsgebiet der indigenen Sami.

Sami-Kunst im Korundi I
Sami-Kunst im Korundi II
Sami-Kunst im Korundi III (schwedischer Text: „Die Wirklichkeit in der nördlichen Kolonie – Wie ihr denkt, dass es ist“)

In der Dauerausstellung kann man seinen größten Wunsch auf einen Klebezettel schreiben und auf eine Wand kleben. Bei den meisten reicht mein spärliches Finnisch zum Verständnis aus – Kinder wünschen sich meistens ein Haustier (vom Häschen bis zum Rentier) und Erwachsene Frieden und Gesundheit.

Wünschewand im Korundi

Ein Bahnhofsrätsel gibt es auch (wobei beim Originalbild der Zugzielanzeiger ganz rechts in der Ecke besser erkennbar ist und einen Hinweis gibt).

Bahnhofsrätsel im Korundi
Das Korundi von außen: Der ursprüngliche Zweck des Gebäudes ist noch erkennbar

Nach einer kurzen Mittagspause geht es weiter ins nächste Museum, das Arktikum. Wie der Name schon sagt, gibt es hier diverse Ausstellungen über die Arktis: zum einen über die bedrohte Natur, zum anderen aber auch über die Geschichte Finnisch-Lapplands. Dazu gehört auch die Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht im Laufe des 2. Weltkriegs. Nicht zuletzt hat das Gebäude aber auch eine beeindruckende Architektur, die bei Sonnenschein wie heute besonders gut zur Geltung kommt:

Im Arktikum I
Im Arktikum II

Außerdem lerne ich, dass Finnisch viele Wörter für Schnee hat …

100 finnische Wörter für Schnee im Arktikum

… und kann Ausdrücke in verschiedenen Sprachen der Arktis vergleichen und dabei die Verwandtschaft von Finnisch und Samisch gut erkennen.

Sprachen der Arktis: hier beispielhaft ein Vergleich zwischen Finnisch, Nordsamisch, Inuktut und Nenzisch, rechts die Bedeutung der Ausdrücke auf Englisch.
Wenn es schon aus dem Zug nicht geklappt hat, wenigstens aus dem Arktikum ein Foto von einem Elch

Höhepunkt des Tages ist die große Mitternachtssonnen-Party bei einem Mitglied unserer Gruppe, das etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt an einem See wohnt. Dort fahren wir mit einem Großraumtaxi hin, das natürlich vorher noch an einem Supermarkt hält, damit wir uns mit (niedrigprozentigen) alkoholischen Getränken eindecken können (die anderen gibt es nur in Spezialgeschäften). Der Ort für die Feier ist mehr als idyllisch:

Die Location für die Mitternachtssonnen-Party I
Die Location für die Mitternachtssonnen-Party II

Und es kann passieren, dass mal eben so ein Rentier im Garten vorbei schaut.

Rentier im (zugegebenermaßen eher waldartigen) Garten unseres Gastgebers

Vor der finnischen Grillwurst (die eher nicht so mein Fall ist) gibt es selbstverständlich einen Saunabesuch. Diesmal nach finnischer Sitte ohne Badeklamotten und mit Birkenzweigen, dafür aber geschlechtergetrennt. Zwischen den Saunagängen wird selbstverständlich im See gebadet (von mir allerdings nur sehr kurz …) und vor der Saunahütte der Durst gelöscht. Nachdem wir dabei nach ein paar Minuten völlig zerstochen sind, wechseln wir lieber nach drinnen.

Damit unser (nicht mehr ganz junger) Gastgeber noch aufräumen kann, ist das Taxi für die Rückfahrt schon für 23 Uhr bestellt. Zurück in Rovaniemi geht jeder seiner Wege, so dass ich noch mal alleine losziehe und nun aber wirklich die Mitternachtssonne bewundere, die ich in den letzten Tagen im Hotel einfach ausgesperrt habe.

Die Mitternachtssonne am Ounasjoki in Rovaniemi

Aufgrund von Sommer- und Zonenzeit ist der Tiefststand der Sonne sogar erst nach 1 Uhr nachts. Zwei aus meiner Gruppe wandern noch extra auf einen Berg, um ihn zu bewundern. Das fand ich dann doch zu anstrengend, so dass ich mich mit einem Beweisfoto auf dem zentralen Platz der Stadt begnüge und anschließend die Vorhänge im Hotelzimmer zuziehe.

0:26 Uhr und immer noch hell

Fortsetzung folgt!

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 3/9)

Hier hattet ihr mich auf den Spuren des Films „Zugvögel“ von Bremen bis auf das Schiff nach Turku begleitet.

Mittwoch,  2. Juli 2025
Turku an 07.30

Die Zeitverschiebung zwischen Schweden und Finnland ist ja auch ein Thema im Film, wo ein Treffen zwischen Sirpa und Hannes daran scheitert. Bei mir führt sie dazu, dass sich mein Handy nachts umstellt und mich der Wecker daher eine Stunde zu früh weckt. Das war nicht völlig überraschend, aber wenn ich mich darauf verlassen hätte, hätte es wahrscheinlich nicht funktioniert. Und ich kann auch problemlos wieder einschlafen.

Draußen beginnt der neue Tag, wie der alte aufgehört hat, nämlich mit Schären. Überhaupt gibt es auf der Route von Stockholm nach Turku, bei der auch noch die Åland-Inseln dazwischen liegen (und für die zollfreie Einkaufsmöglichkeit sorgen), nur wenig offenes Meer.

Schären kurz vor Turku

In Turku angekommen, will ich mich nicht mit den anderen Passagieren in den Stadtbus quetschen und laufe daher zum Hafenbahnhof, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist und zu den Schiffszeiten passende Abfahrten hat. Am Bahnsteig stehen zwei Züge bereit: ein langer nach Tampere und ein kurzer. Der fährt normalerweise nach Helsinki, wegen Bauarbeiten heute aber nur bis Karjaa. Da er etwas eher fährt, aktiviere ich mein Interrail und steige ein. Die Interrail-App ist im Gegensatz zur VR-Website der Meinung, dass der Zug in Turku nur zum Einstieg hält, und schickt mich daher über Karjaa, was aber tariflich keinen Unterschied macht.

Der Zug nebenan nach Tampere hat vorne nur einen „nackten“ Wagenübergang, und ich frage mich, wie er so fahren will, da es am Hafenbahnhof auch keine Umsetzmöglichkeit gibt.

Intercity nach Tampere am Hafenbahnhof von Turku

Nachdem ich die kurze Strecke zum Stadtbahnhof gefahren bin, kommt der Zug nach Tampere kurz danach angefahren – immer noch mit dem Wagenübergang vorne.

Ich stelle mit Schrecken fest, dass es am Bahnhof keine Gepäckschließfächer gibt. Eine kurze Netzrecherche ergibt aber, dass es im Einkaufszentrum Hansakortteli am Marktplatz welche gibt und mache mich zu Fuß auf den Weg dorthin. Eigentlich ist es nicht weit, aber auf dem direkten Weg ist ein ordentlicher Hügel zu überwinden, den ich bestmöglich umgehe. Dann schließe ich meinen Koffer ein, setze mich erst mal in ein Café auf dem Marktplatz und frühstücke.

Dann mache ich mich auf den Weg, die älteste Stadt und ehemalige Hauptstadt Finnlands zu erkunden. Helsinki hat diesen Titel 1812 nur bekommen, weil Finnland damals zu Russland gehörte und Turku dem Zaren zu weit weg war. Der Plan, Helsinki dann auch gleich nach dem Herrscher in Alexandria umzubenennen, wurde allerdings nicht umgesetzt. Der Dom von Turku ist heute noch das geistliche Zentrum der finnischen evangelischen Landeskirche.

Der Dom von Turku

Von außen sieht er eher bescheiden aus, von innen nicht ganz so.

Innenansicht des Doms von Turku

Sonst gibt es nicht viel alte Bausubstanz, seit ein Feuer 1827 in der Stadt wütete (und die Vormachtstellung von Helsinki weiter zementierte). Die einzige erhaltene Straße ist heute ein Freilichtmuseum etwas außerhalb des Zentrums, zu dem ich mich aber nicht aufmache. Stattdessen statte ich der Markthalle einen Besuch ab.

In der Markthalle von Turku

Auch ohne Sprachkenntnisse ist recht deutlich, was dort verboten ist:

Verbotsschild in der Markthalle von Turku

In der Markthalle gibt es einen „blauen Zug“, einen langen Raum mit Sitzen, auf denen man sein Essen essen kann:

Sininen juna (Blauer Zug) in der Markthalle von Turku

Und so sieht die Markthalle von außen aus:

Die Turkuer Markthalle von außen

Einen Marktplatz gibt es wie gesagt auch. Wahrscheinlich ist der finnische Name der Stadt sogar mit dem Wort tori für (Markt-)Platz verwandt. Mich erinnert er sehr an den Marktplatz von Kuopio, wo ich 2013 war. Am Marktplatz esse ich auch in einem der für Finnland recht typischen günstigen Buffetrestaurants zu Mittag, und zwar einem sehr guten koreanischen.

Der Marktplatz von Turku

Als letzter Rest der 1972 stillgelegten Straßenbahn dient ein Wagen heute als Eiskiosk. Es gibt aber Pläne, wieder einen Betrieb einzurichten.

Alter Straßenbahnwagen als Eiskiosk auf dem Turkuer Marktplatz

Der öffentliche Nahverkehr wird momentan vollständig von Bussen übernommen, die unter dem Namen „Föli“ laufen. Das Wort kommt aus dem Turkuer Dialekt, in dem fölissä so viel wie „an Bord“ bedeutet. Im Standardfinnischen gibt es interessanterweise überhaupt kein f.

Föli-Bus am Turkuer Marktplatz

Mit einem Föli-Bus fahre ich noch mal zum Hafen, wo sich auch die Burg befindet, der ich einen kurzen Besuch abstatte.

Die Burg von Turku
Im Burghof von Turku

Sehr nett ist es in Turku auch am Fluss, der den schönen Namen Aurajoki trägt (joki heißt einfach „Fluss“).

Am Aurajoki in Turku
Am Aurajoki in Turku (Åbo ist der schwedische Name der Stadt)

Den Rest der Zeit verbringe ich zeitunglesend auf einer Parkbank in der Nähe des Flusses. Es ist trocken, meistens sonnig und noch ein paar Grad kühler als gestern in Stockholm – also bestes Wetter, um draußen Zeit totzuschlagen.

Zum Bahnhof mache ich mich dann aber doch sehr früh auf. Ich hole meinen Koffer aus dem Schließfach und fahre diesmal mit dem Bus. Den Bahnhof liegt noch in den letzten Zügen eines Umbaus, bei dem man leider auch das Bahnhofsgebäude eingespart hat. Als Warteraum dient jetzt eine Ecke in einem ehemaligen Betriebswerk, das sonst zum Kulturzentrum umfunktioniert wurde. Immerhin hat es dadurch auch Gastronomie, bei der man sich vor der Reise noch eindecken kann.

Warteraum am Bahnhof Turku
Der Bahnhof von Turku

Die Schlafwagen für meinen Nachtzug stehen noch in der Abstellung:

Schlafwagen für den Nachtzug nach Rovaniemi am Bahnhof in Turku

Die Sitzwagen kommen etwa eine halbe Stunde vor der Abfahrt als Intercity von Hafen an, dann werden die Schlafwagen angekuppelt. Autotransportwagen gibt es auch, sie laufen ganz an der Spitze mit.

Die Schlafwagen für den Nachtzug nach Rovaniemi werden angekuppelt
Autotransportwagen mit etwas hypnotisch guckendem Rentier
Den Schlafwagen ziert dagegen natürlich eine Eule …
… und ein Weihnachtsmann (finnischer Text etwa: „Offizielles Bahnunternehmen des Weihnachtsmanns“)

Das Innere meines Abteils sieht noch genauso aus wie 2016, als ich schon mal gen Norden gefahren bin. Daher zeige ich noch mal die Fotos von damals:

VR-Schlafabteil von innen
Badezimmer eines VR-Schlafabteils
Dusche eines VR-Schlafabteils

Turku        ab 21.08 PYO 933

Dann fährt der Zug los. Bald hinter Turku sehe ich zwei Elche vor dem Zug fliehen, natürlich zu schnell und plötzlich für ein Foto. Ebenfalls plötzlich klopft es an der Tür: Fahrkartenkontrolle. Ich habe schlauerweise mein Handy zum Laden an die Steckdose neben der Tür (und nicht an die am Bett) angeschlossen. Als ich jetzt die Tür aufmache, denke ich daran nicht mehr und schrotte prompt das Netzteil. Jetzt muss ich ein wenig mit dem Akku haushalten. Aber da es ja draußen hell ist, kann ich prima auf dem Klappsitz am Fenster sitzen und die Landschaft beobachten. Das mache ich bis Tampere, wo der Zug interessanterweise vier Stunden Aufenthalt hat. Wenn man will (so schlägt es auch die Interrail-App vor), kann man hier umsteigen und schon morgens um sieben in Rovaniemi sein. Als Langschläfer, der zudem keinen Termin hat, lehne ich das entschieden ab, bleibe im Zug und lege mich schlafen.

Fortsetzung folgt!

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 1–2/9)

Anfang Juli war ich wieder auf den Spuren von Hannes Weber aus dem Film → „Zugvögel – einmal nach Inari“ (Link zum Wikipedia-Artikel) unterwegs. Ganz bis zu seinem damaligen Ziel sollte es nicht gehen, aber immerhin bis zur nächstgelegenen Bahnstation Rovaniemi. Und wie Hannes im Film wollte ich diesmal komplett ohne Flug unterwegs sein. Für den Hinweg entschied ich mich, die einzelnen Etappen über Nacht zu reisen: mit dem SJ-Nachtzug von Hamburg nach Stockholm, dann weiter mit dem Schiff nach Turku, wo ich im Gegensatz zu Helsinki noch nicht war, und dann mit dem Zug nach Rovaniemi. Den Rückweg wollte ich tagsüber in Angriff nehmen und dabei auch die wieder in Betrieb genommene Haparandabahn testen, denn wie heißt es im Film so schön: „Der schönste Weg nach Inari geht über Nordschweden, über Haparanda“.

Als Fahrkarte hatte ich einen Interrail-Vier-Tages-Pass gekauft. Preislich tat sich das gegenüber Einzeltickets nicht viel, aber so konnte ich so flexibel wie möglich bleiben und außerdem den Zug Stockholm–Malmö für die Rückfahrt schon buchen, was bei der DB eigenartigerweise noch nicht ging. Für die Hinfahrt wollte ich im SJ-Nachtzug eine Einzelkabine haben. Dafür wird Interrail nicht akzeptiert, so dass ich eine normale Fahrkarte buchte und sozusagen einen Tag Interrail „übrig“ hatte.

Am 30. Juni nach der Arbeit ging es dann endlich los. Für die Fahrt von Bremen nach Hamburg hatte ich noch einen Sparpreis Aktion geschossen, um nicht auf den Nahverkehr angewiesen zu sein und vor allem auf jeden Fall in die Lounge zu kommen. Die Rollbahn-ICE zeigen sich an diesem Abend mal wieder von der „besten“ Seite und sind alle so verspätet, dass ich mit meinem Sparpreis den Vorvorgänger meines Zuges nehmen kann.

Montag, 30. Juni 2025
Bremen Hbf ab 17.17 +103 ICE 610
Hamburg Hbf an 18.14 +100

In Hamburg angekommen, esse ich erst mal indisch beim Manju, meinem Lieblingsimbiss im Bahnhof, und verbringe dann die restliche Wartezeit in der Lounge. Am Gleis wartet dann neben mir der Tf, der den EN übernehmen soll, eilt dann aber zielstrebig zum Aufgang. Und tatsächlich, ein kurzfristiger Gleiswechsel ist angekündigt. Der Zug wird auf deutscher Seite von RDC bzw. deren Tochter BTE gefahren, die dafür ex-DB-101er nutzen:

BTE-101 vor dem SJ-EN in Hamburg Hbf

Hamburg Hbf  ab 22.03 EN 346

Ich beziehe meine Schlafkabine, die zum Glück klimatisiert ist. Wir fahren pünktlich los, müssen aber schon vor Pinneberg an einer eingleisigen Baustelle auf den Gegenzug warten, wo wir uns Verspätung zuziehen. Schon planmäßig sollen wir eine halbe Stunde später in Stockholm eintreffen als ursprünglich geplant, dafür hatten mir die SJ kurz vor der Reise noch eine Infomail und eine aktualisierte Fahrkarte geschickt.

Mein Abteil im SJ-EN in Nachtstellung

Dienstag, 1. Juli 2025
Stockholm C an 10.29

Für eine Nachtzugfahrt schlafe ich relativ gut. Den längeren Halt in Malmö bekomme ich kurz mit, wache aber endgültig erst auf, als wir schon deutlich weiter im Norden sind. In Malmö haben wir noch zusätzliche Wagen bekommen, die wahrscheinlich wegen des Lichtraumprofils gar nicht in Mitteleuropa laufen dürften. Einer davon ist der Bistrowagen, in dem es für mich ein kostenloses Frühstück gibt.

Frühstück im SJ-EN
Mein Schlafabteil in Tagstellung
In Malmö angekuppelter Sitzwagen
Blick aus dem Fenster irgendwo zwischen Norrköping und Stockholm

Vermutlich beim Halt in Malmö haben wir auch die Verspätung wieder abgebaut, so dass wir pünktlich in der schwedischen Hauptstadt einlaufen. Ich beziehe Position auf dem Nachbarbahnsteig, um Bilder von meinem Zug zu machen, den auf schwedischer Seite eine Lok der SJ-Güterschwester Green Cargo zieht.

Green-Cargo-Lok vor dem SJ-EN
Liegewagen des SJ-EN. Das unterschiedliche Lichtraumprofil der mitteleuropäischen (links) und skandinavischen Wagen ist recht gut zu erkennen.
Schlafwagen des SJ-EN. Wie am Symbol an der Tür zu erkennen, hat er auch einen kleinen Kiosk.
Bistrowagen des SJ-EN

Dann schließe ich meinen Koffer ein und mache mich auf den Weg, Stockholm zu erkunden. Ich war zwar schon mehrmals hier, die Stadt ist aber immer wieder eine Reise wert, zumal bei dem herrschenden Wetter mit gut 25 Grad und Sonnenschein.

Werbung für ein 'Museum der schwedischen Trinkkultur'
So ziemlich das erste, was ich in Stockholm gesehen habe

Also marschiere ich durch die Altstadt zum Verkehrsknotenpunkt Slussen, der gerade umgebaut und dadurch auch als Aufenthaltsort attraktiver wird. Schon vorher konnte man aber direkt oberhalb des Tunnelmunds super Fotos von U-Bahn-Zügen vor der Kulisse der Altstadt machen.

Altstadt-Impressionen
Ein U-Bahn-Zug der neuesten Generation nähert sich Slussen

Zu Mittag esse ich in einem Burgerladen im Kaufhaus Åhlens City, wieder in der Nähe des Hauptbahnhofs. Dann mache ich mich mit der Straßenbahn auf den Weg ins Naherholungsgebiet Djurgården und wieder zurück zum Nybroplan. Dort mache ich ein paar Bilder von den Fähren, die hier auch zum ÖPNV gehören, und von den historischen Straßenbahnen, die die Linie nach Djurgården verstärken.

Fähre „Vera“ am Nybroplan
Fähre „Katarina“ am Nybroplan
Historische Straßenbahnen auf der Djurgårdslinie
Foto eines Schildes mit der Schreibweise 'Kö'
Pragmatische schwedische Rechtschreibung

Dann wird es so langsam Zeit, sich auf den Weg zum Schiff zu machen. Ich hole mein Gepäck am Bahnhof und habe herausgefunden, dass von dort ein direkter Bus zum Anleger fährt. Da sich vor dem Bahnhof der Verkehr staut, erwische ich ihn gerade noch. Bezahlen kann ich, wie überall im ÖPNV auf meiner Reise, kontaktlos per Kreditkarte. Leider bekomme ich nur noch einen Stehplatz, und der Bus ist nicht klimatisiert, aber wo ich schon mal drin bin, fahre ich nun auch bis zum Anleger durch. Dort checke ich am Automaten ein und verbringe die Wartezeit bis zum Boarding im Aufenthaltsraum. Als wir aufs Schiff können, biege ich falsch ab und laufe an der Armada von Reinigungskräften vorbei. Schon beeindruckend, wie viele Menschen es alleine dafür braucht.

Die Viking Glory, mein Schiff nach Turku

Stockholm    ab 20.00

Auf dem Schiff beziehe ich erst mal meine Kabine. Die ist sehr minimalistisch, aber anders als auf meiner ersten Reise 2010 habe ich sie für mich alleine – geteilte Kabinen werden gar nicht mehr verkauft. Dafür bietet das Schiff umso mehr Möglichkeiten: natürlich den obligatorischen Duty-free-Shop, aber auch diverse Restaurants, die natürlich nicht billig sind. Ich beschränke mich daher auf ein Sandwich, ein Getränk aus der Flasche und eine Tüte Erdnüsse. Höhepunkt der Fahrt sind die Schären, die wir kurz hinter Stockholm passieren.

Blick auf Djurgården bei der Ausfahrt aus Stockholm
Schären in der Abendsonne
Meine Kabine auf der Viking Glory

Ein weiterer Höhepunkt findet auf dem Schiff statt: Auf dem Programm habe ich gesehen, dass Karaoke angeboten wird. Also mache ich mich auf den Weg in die Bar, in der es stattfindet, und komme dort (auf Englisch) mit einem Finnen ins Gespräch. Er fragt mich, ob es einen musikalischen Interpreten gäbe, der mich mein ganzes Leben begleitet habe, aber da muss ich passen. Ich erzähle ihm, dass ich im Chor gesungen habe und (unabhängig davon) auch ein paar finnische Lieder kenne. Er meint, er wolle in einer Viertelstunde ins Bett gehen, ich müsse mich also beeilen, wenn ich ihm noch etwas vorsingen wolle. Also trete ich mit → „Ei mittään“ (YouTube-Link) an, dem Lied, mit dem wir in meinem ersten Finnischkurs unter anderem die Namen der Wochentage und Monate gelernt haben. Er ist sichtlich beeindruckt, verabschiedet sich dann aber wie angekündigt. Angesichts der frühen Ankunft am nächsten Morgen gehe ich auch bald in meine Kabine.

Fortsetzung folgt!

Gen u.a. Genua

Meistens hält mich, wenn ein Feiertag auf einen Freitag oder Montag fällt, nichts in Aschaffenburg. So auch Anfang Januar, obwohl ich ja gerade erst aus dem Weihnachtsurlaub zurück gekommen war. Nach genau einem Arbeitstag, der wegen des Freitags auch noch verkürzt war, machte ich mich auf den Weg nach NAH, um dort in den ICE nach MH zu steigen. Da kam ich erfreulicherweise pünktlich an und hatte somit wie geplant eine Stunde Zeit, die ich mit der Besorgung von Essen und einem Besuch in der Lounge verbrachte.

Weiter ging es mal wieder mit dem Nightjet, diesmal dem nach Mailand, der gemeinsam mit dem Zugteil nach Rom bereits um 20.10 Uhr abfuhr. Wieder hatte ich mir ein Einzelabteil gebucht, wieder den Zuschlag für die eigene Dusche allerdings nicht gegönnt. Das Abteil war noch in Sitzstellung, was ich prompt vergaß zu fotografieren. Der freundliche Zub zeigte mir aber, wie ich nachher das Bett ausklappen konnte, was ich kurz nach der Abfahrt in Rosenheim auch tat und mich dann etwa in Salzburg ins Bett legte.

Schlafen tat ich wie immer nicht so gut wie zu Hause, aber trotzdem einigermaßen ausreichend. Die ÖBB hatte mich nach der Buchung informiert, dass der Zielbahnhof des Zuges von Centrale auf Porta Garibaldi geändert worden war. Der angenehme Nebeneffekt war, dass wir dort früher ankommen und ich damit noch einen früheren Anschlusszug an mein Fahrtziel Genua erreichen sollte. Das mit dem Früherankommen klappte auch, der Anschluss scheiterte daran, dass der Zug bereits voll war (schönen Gruß von der Reservierungspflicht). Also hieß es zwei Stunden in Mailand totschlagen, was ich dazu nutzte, die Metro fotografisch zu dokumentieren, was mir bei meinem Besuch 2014 entgangen war. Als ideal dafür stellte sich die oberirdisch gelegene Station Cascina Gobba heraus.

„Leonardo“-Metrozug

Als ich damit fertig war, graste ich noch die Züge am Hauptbahnhof ab. Mein Zug war der Thello nach Marseille, eine Kooperation der italienischen Staatsbahn mit der privaten französischen Transdev.

2.-Klasse-Wagen des Thello

Der war tatsächlich ebenso voll wie der Bahnhof und der Zug davor, vermutlich wollten viele Mailänder, die wie ich ein langes Wochenende hatten, an die Küste fahren. Immerhin kam ich während der anderthalbstündigen Fahrt aber dazu, ein wenig Schlaf nachzuholen.

Am Ziel angekommen, marschierte ich zum Hostel, das nur wenige Gehminuten vom „Hauptbahnhof“ Piazza Principe entfernt war, und ruhte mich erst mal kurz aus, bevor ich im strahlenden Sonnenschein die Stadt erkundete.

Der Genueser Dom, mehr Bilder in meinem Album

Hervorstechendes Merkmal in der steil von der Küste ansteigenden Stadt sind die vielen Aufzüge, die interessanterweise Teil des öffentlichen Nahverkehrs und damit kostenpflichtig sind (kontrolliert hat mich aber niemand). Ein besonders interessantes Exemplar ist der Ascensore Castello d’Albertis-Montegalletto, der erst horizontal in den Berg hinein und dann senkrecht fährt.

Mitfahrt mit dem Ascensore Castello d’Albertis-Montegalletto

Gegessen habe ich an beiden Tagen im → Mercato Orientale, in dessen Mitte es einen „Food Court“ mit allen möglichen Spezialitäten gibt. Im Gegensatz zum eigentlichen Markt hat der auch sonntags geöffnet.

Blick in den Mercato Orientale

Auch eine Metro gibt es in Genua, die allerdings nur aus einer eher kurzen Linie besteht, die unter anderem die beiden wichtigsten Bahnhöfe Piazza Principe und Brignole verbindet.

Neuer Metrozug in der östlichen Endstation Brignole

Ebenfalls sehenswert ist der Stadtteil Nervi am östlichen Stadtrand, in dem es Parks und eine schöne Küstenpromenade gibt.

Park in Nervi

Und schon war der Montag gekommen, an dem ich vor der offiziellen Frühstückszeit aufbrechen musste. Die sehr nette Inhaberin des Hostels hatte mir aber schon am Vorabend Frühstück vorbereitet, so dass ich nicht ohne Espresso und Croissant das Haus verlassen musste. Die erste Etappe führte mich in der Premium-Klasse des Hochgeschwindigkeitszugs Frecciarossa, wo es noch mal gratis Kaffee gab, nach Verona. Die Stunde Aufenthalt dort nutzte ich natürlich wiederum für Fotos, bevor ich den Brenner-EC bestieg. Da Trenitalia dafür keine Fahrkarten verkauft, haben DB und ÖBB sogar ein eigenes Reisezentrum in Verona eingerichtet. Der Zug kam von der Streckenlok geschoben aus der Abstellung und war zuerst angenehm leer. Das änderte sich, je näher wir dem Brenner kamen, bis schließlich gleichzeitig eine vierköpfige Familie und zwei Brasilianer, alle mit viel Gepäck, mein Sechserabteil enterten. Das wurde mir dann doch etwas zu viel, so dass ich mich in den Nachbarabteilen auf die Suche (und der Familie unnötigerweise ein schlechtes Gewissen) machte und auch fündig wurde.

So konnte ich die Weiterfahrt genießen, was allerdings durch unklare Standzeiten am Brenner und in Innsbruck getrübt wurde, die uns +17 einbrachten. Meine Übergangszeit in München betrug 23 Minuten. Zum Glück wurde die Verspätung aber etwas weniger, so dass sogar noch ein kleiner Umweg zum Essensstand drin war. Auch diese ICE-Fahrt verlief völlig ereignislos, so dass ich pünktlich um 19.32 Uhr meinen Heimatbahnhof erreichte, wo mich schon der Asia-Imbiss und mein Drahtesel erwarteten.

Vom Ostbahnhof statt zum Ostbahnhof

Schon öfter war ich ja beruflich mit dem Nachtzug in Budapest, und gefühlt hatte der Zug nie zweimal denselben Fahrplan. Diesmal gab es gleich zwei Abweichungen: Zum einen fuhr der Zug in München statt vom Haupt- erst vom Ostbahnhof, zum anderen endete er in Budapest bereits in Kelenföld, anstatt bis zum Keleti PU. (übersetzt ebenfalls Ostbahnhof) weiterzufahren. Selbiger war nämlich wegen Bauarbeiten komplett gesperrt. Unser Firmenreisebüro war mit der Buchung leider etwas überfordert, so dass ich mit der Buchung die gewohnt kompetenten → Lennestädter beauftragte.

Wegen der Abfahrt vom Ostbahnhof mussten mein Kollege Sebastian und ich eine Stunde früher ab NAH fahren als gewohnt. Zwischen den beiden Bahnhöfen nahmen wir die S-Bahn in Gestalt eines innen komplett renovierten 423ers. In MOP angekommen, war noch genug Zeit zum Essenfassen und zeitigen Beziehen unserer Abteile. Die Fahrt verlief problemlos, und nicht zuletzt wegen der Dortmunder Nachtschicht am Samstag davor konnte ich auch gut schlafen. Neben unserem Schlafwagen war ein neuer Liegewagen eingereiht:

Neuer MÁV-Liegewagen im Nachtzug München–Budapest

Seit Eröffnung der fahrerlosen Metrolinie 4 ist Kelenföld sehr gut an die Innenstadt angebunden. Die andere Endstation ist der Keleti pu., von wo wir noch eine Station zum Stadion fuhren, in dessen Nähe die DPD-IT ihre Büros hat.

Während unseres Aufenthaltes bewegten wir uns ausschließlich per pedes und Taxi, so dass die nächste ÖPNV-Fahrt die Metrofahrt zum Bahnhof wurde. Diesmal war es der Déli pu. (Südbahnhof), von wo wir ausnahmsweise mal tagsüber zurück reisten. Ein wenig sputen mussten wir uns schon, aber letztlich nahmen wir rechtzeitig unsere reservierten Plätze im doch gut gefüllten Railjet ein. Der hatte als Ziel zwar München, doch unsere Fahrt in diesem Zug war schon nach zweieinhalb Stunden im neuen Wiener Hbf beendet. Hier hatten wir nun fast eine Stunde Aufenthalt, für die es sehr praktisch war, dass Sebastian öfter in Wien ist: Er wusste nämlich, dass nicht weit vom Hbf das Schloss Belvedere mit Park und botanischem Garten ist, so dass wir uns dort die Zeit vertrieben. Fast zu viel Zeit, denn zum Essenskauf reichte es dann nicht mehr so wirklich. Dafür bannte ich noch einen österreichisch-slowakischen Zug auf den Chip meines Handys.

Der Anschluss-ICE fing sich auf der Westbahn wegen Bauarbeiten +10 ein, die er im weiteren Fahrtverlauf allerdings wieder loswurde. Los wurde ich auch einige Euros im Bordbistro für eine Currywurst mit deutlich verbesserter Rezeptur. Die ebenfalls zurzeit erhältlichen Mikrowellenpommes waren leider aus, sollen aber auch keine kulinarische Erfüllung sein. Als Bonus traf ich unterwegs durch den Zug noch einen Chorkollegen, der beruflich regelmäßig nach Wien unterwegs ist.

Die Weiterfahrt verlief ohne Besonderheiten. Das Bistro schloss bereits kurz vor Nürnberg, ohne dass ich es noch mal aufgesucht hätte (und dem Angestellten dort von meinem Geschmackserlebnis berichtet hätte). NAH erreichten wir pünktlich, was laut meinem Chorkollegen eher die Ausnahme ist. Nach Hause brachte mich mein treuer Drahtesel, der bisher auch mehrere Nächte am Bahnhof immer gut überstanden hat (toi, toi, toi …).

Der ganz normale Bausinn

Am Sonntag ging es mal wieder dienstlich nach Budapest. Nachdem ich in letzter Zeit so viel geflogen war, sollte es diesmal wieder der Nachtzug sein. Dabei ließ ich mich auch nicht davon abschrecken, dass dieser – wohl jeweils wegen Bauarbeiten – drei Stunden früher in München abfuhr und eine Stunde später in Budapest ankam. Da das Firmenreisebüro Probleme mit der Buchung hatte, kaufte ich den Fahrschein noch am Freitag vorher im Reisezentrum und bekam glücklicherweise noch Plätze im Single.
So konnte es am Sonntagnachmittag losgehen: Die Reservierung im ICE nach München erwies sich als nützlich, wenn auch schon ab NWH wieder Plätze frei gewesen wären. Den Baustellenzuschlag zwischen NWH und NN brauchten wir an diesem Tag nicht, so dass wir die ca. 15 Minuten im Gleisvorfeld und am Bahnsteig abbummelten. MH erreichten wir ohne Komplikationen. Die fast ganze Stunde bis zur Abfahrt des EN wollte ich in der Lounge verbringen, die aber schon um 20 Uhr schloss. Also noch kurz in die Bahnhofsbuchhandlung und dann das Abteil bezogen. Mittlerweile kenne ich ja alles schon recht gut und brauchte daher die Ausführungen des Zub nur in Kurzform. Die Fahrt selber verlief dann ohne Probleme, außer dass wir uns beim außerplanmäßigen Halt in Rosenheim leichte Verspätung zuzogen. Ab da schlief ich mehr oder weniger, bis ich dann beim Halt in Tatabánya aufwachte und feststellte, dass wir wieder (oder immer noch) leichte Verspätung hatten. So erreichte ich das Büro in Budapest zwar, als meine mit dem ersten Flug angereisten Kollegen schon da waren, aber trotzdem noch vor dem Beginn der Besprechung. Dass ich stolze 18 Stunden für die Fahrt gebraucht hatte, wurde mir erst jetzt so richtig bewusst.

Die Rückfahrt am Dienstagabend begann mit einem heftigen Gewitterschauer, in dessen Folge die Obusse, die mich direkt vom Büro zur Metro und dann weiter zum Bahnhof hätten bringen können, anscheinend ihren Betrieb eingestellt hatten. Also lief ich zur nächsten Haltestelle der Dieselbusse, die mich dann zum Keleti PU. brachten. Angesichts des nicht aufhörenden Regens verließ ich den so gut wie gar nicht mehr und nutzte die Zeit, um ein paar Fotos zu machen. Unsere östlichen Nachbarn sind ja noch durch ein relativ dichtes Nachtzugnetz verbunden, und so konnte ich Fotos von rumänischen,

2.-Klasse-Wagen der CFR

1.-Klasse-Wagen der CFR

Schlafwagen der CFR

tschechischen

Schlafwagen der ČD

Schlafwagen der ČD

und polnischen Wagen machen.

Liegewagen der PKP

Schlafwagen der PKP

Aber natürlich gab es auch ein paar MÁV-Baureihen, die ich zum ersten Mal oder in besserer Qualität auf den Chip bannte:

Ellok der MÁV

Steuerwagen der MÁV

Flirt der MÁV

Flirt der MÁV

Die Anzeigetafel unterstrich die Vielzahl der Zugziele:

Anzeigetafel in Budapest-Keleti

Das Abendessen nahm ich gegenüber dem Bahnhof beim KFC ein (die Konkurrenz, zu der ich eigentlich wollte, hatte wegen Umbau geschlossen). Danach bezog ich wiederum mein Abteil, wo ich natürlich erst mal nicht schlafen konnte. In einigen Exemplaren der ungarischen Schlafwagen kann man übrigens nicht den „Aufwärter“, sondern sogar den „Intendanten“ rufen:

Rufknopf in MÁV-Schlafabteil

In Győr lichtete ich noch einen „guten alten“ Fallblattanzeiger ab, der gleichzeitig festhielt, dass wir schon +10 hatten.

Anzeigetafel in Győr

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, waren daraus trotz des langen Rangieraufenthaltes in Salzburg etwa +30 geworden, so dass ich um meinen Anschluss in MH bangte. Letztendlich kamen wir aber noch rechtzeitig dort an. Wenn nicht, wäre es auch nicht schlimm gewesen, wie sich bald herausstellte: Der hintere Zugteil meines ICE hatte eine Türstörung und musste zurückbleiben, wobei wir uns wiederum +30 einfuhren. Gut, dass ich, als hätte ich es geahnt, meinen reservierten Platz im vorderen Zugteil eingenommen hatte … Schlafen konnte ich diesmal nicht mehr, aber dank des WLANs schon die ersten E-Mails bearbeiten. NAH erreichten wir mit +20, obwohl der Bauzuschlag größtenteils benötigt wurde, und ein Ersatz für den zweiten Zugteil sollte in FF angehängt werden, was angesichts des bevorstehenden langen Wochenendes wohl auch sinnvoll war. Mein Sitznachbar wollte nach FD und stieg ebenfalls in NAH um, auch wenn er nun fast eine Stunde dort warten musste. Aber gegenüber der vom Zub empfohlenen Route über FF kostete ihn das nur zwei Minuten. Ich dagegen erreichte mit auch etwa +20 mein Büro.

Eis, Kaffee, Venezia

Mit dem 6. Januar 2017 fiel mal wieder ein Feiertag so, dass sich ohne Urlaubstag ein langes Wochenende ergab (das war es dann aber auch erst mal für die nächsten Jahre). Ich beschloss, selbiges für einen Kurztrip nach Venedig zu nutzen: hin mit dem Nachtzug, der just einen Monat vorher durch die ÖBB von der DB übernommen wurde, zurück mit einem Umweg über die Berninabahn. Weiterlesen

Im Prinzip ja

Das hätte wohl nicht nur Radio Eriwan auf die Frage geantwortet, ob seit letztem Dienstag alle Züge für Fahrten nach dem Fahrplanwechsel buchbar sind. Der Nachtzug, den ich Anfang Januar nehmen will, war nämlich nicht dabei. Stattdessen brach die Buchung auf dem DB-Portal im letzten Schritt mit dem Kommentar „Bei der Buchung des Nachtzuges ist ein Fehler aufgetreten“ ab. Die ÖBB, die den Zug vor wie nach dem Fahrplanwechsel betreibt, meldete dagegen sofort „Ticket nicht verfügbar“. Für andere Züge am selben Tag sowie den gleiche Zug an anderen Tagen wurde mir dort dagegen problemlos ein Preis angezeigt. Auf die Frage nach dem Warum lieferten mir weder eine der Bahnen noch die Agentur meines Vertrauens eine Antwort. Heute schaute ich routinemäßig mal wieder nach, und siehe da, auf einmal ging es. Mein gewünschtes SparNight im Single Deluxe war natürlich nicht mehr verfügbar, aber immerhin gab es noch zu einem akzeptablen Preis einen Sparpreis Europa im Economy Single. Auf Duschen kann ich auch einen Tag verzichten ;-). Das Ticket ist nun gebucht, witzigerweise war der Endpreis sogar vier Euro niedriger als zuerst angezeigt. Aber über den Support kann ich nur mal wieder den Kopf schütteln …

Good morning America, how are you?

Nach Finnland im April stand im Mai die zweite große Nachtzugreise in diesem Jahr an, diesmal in den USA. Anlass war eine größere Rundreise an der Westküste, von der wir einen Abstecher in den Yellowstone-NP machten. Hin flogen wir von San Francisco nach Salt Lake City und fuhren von da mit dem Mietwagen weiter, zurück legten wir die Strecke mit dem „California Zephyr“ der Amtrak zurück. Aus Kostengründen entschieden wir uns für eine Fahrt im Sitzwagen für 99 Dollar pro Person im Frühbuchertarif.

Die Fahrt von Yellowstone durch den Grand-Teton-NP und einsame Landstraßen an der Grenze von Wyoming und Idaho war ohne Probleme verlaufen. Den Mietwagen hatten wir vom gröbsten Dreck befreit und gaben ihn am Flughafen SLC zurück, wo wir ihn auch abgeholt hatten. Von da ging die Reise mit der Straßenbahn weiter, die hier „TRAX“ heißt:

TRAX-Straßenbahn der UTA

Laut Netzplan sollte der Bahnhof am schnellsten erreichbar sein, wenn man bis zur Station „Guadalupe“ fährt und dort in den „FrontRunner“ umsteigt. Was wir nicht wussten: Das ist eine Art S-Bahn, die zu dieser späten Abendstunde nur noch sehr selten fährt. Also mitsamt Gepäck die Treppen wieder rauf und zwei Blocks zur Station der anderen Straßenbahnlinie gelaufen, die auch zum Bahnhof fährt. Zum Glück kam sie auch bald und brachte uns zum Ziel:

TRAX-Straßenbahn der UTA

Obwohl es bis zur Abfahrt des Zuges noch etwa eine Stunde war, stand der schon da und auch eine kleine Schlange von Menschen, die einsteigen wollten.

Der California Zephyr wartet im Bahnhof Salt Lake City auf die Abfahrt

Zwischenzeitlich kam doch noch ein FrontRunner an. Der hatte wohl in Guadalupe nicht auf der Anzeigetafel gestanden, weil er in Salt Lake Central endete:

FrontRunner-S-Bahn der UTA

Etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt begann dann das Boarding, das recht hemdsärmelig unter freiem Himmel vor dem niveaugleichen Bahnsteigzugang stattfand: Ein Amtrak-Angestellter scannte die Tickets, unsere vorsichtshalber bereitgehaltenen Pässe als Identitätsnachweis für das Online-Ticket wollte er nicht sehen. Er nannte uns eine Wagen-, aber keine Platznummer und gab uns dreien zwei Pappkärtchen, mit denen wir uns dann beim Schaffner meldeten, der am Wageneingang stand. Der wies uns nun Plätze zu, und zwar in einem Teil des Oberdecks, der für Zweiergruppen reserviert war:

Hinweisschild auf Plätze, die für Zweiergruppen reserviert sind

Da wir zu dritt unterwegs waren, bedeutete das, dass einer von uns einen leeren Nebenplatz hatte. Diese Ehre überließen mir netterweise meine Mitreisenden. Die Sitze hatten einen bemerkenswert großen Sitzabstand:

Sitze im California Zephyr

Pünktlich um 23.30 Uhr ging es los. Aufgrund der Dunkelheit konnte ich draußen nicht viel erkennen und legte mich bald schlafen. Beides führte dazu, dass ich die Fahrt durch die Bonneville Salt Flats verpasste, eine Salzwüste, die u.a. für Geschwindigkeitsrekorde von Autos genutzt wird.
Als ich aufwachte, waren wir schon in Nevada. Ich schloss mich meinen Mitreisenden für ein Frühstück im Speisewagen an. Vom Frühstück selber (Kellogg’s Raisin Bran mit Milch, frisches Obst, Kaffee und ein Croissant) habe ich leider kein Foto, es war aber sehr lecker ;-). Anschließend machte ich noch ein paar Bilder vom Inneren der Wagen:

Sitzwagen im California Zephyr

Panoramawagen im California Zephyr

Speisewagen im California Zephyr

Schlafwagenabteil (Roomette) im California Zephyr

Die Fahrt führte inzwischen recht gemächlich über Reno durch die Berge und weiter über die Grenze nach Kalifornien. Ich hoffte auf einen längeren Stopp, um den Zug bei Tageslicht von außen ablichten zu können, aber da wir Verspätung hatten, waren die Halte sehr kurz. In Sacramento konnte ich allerdings einen Zug von Amtrak California „erlegen“:

Zug von Amtrak California in Sacramento

Weiter ging die Fahrt über eine beeindruckende Brücke nach Martinez. Da wir von der Endstation Emeryville keinen Busshuttle nach San Francisco gebucht hatten, versuchten wir zu klären, wie wir denn weiter kämen. Am vorletzten Halt Richmond sahen wir, dass wir hier Anschluss an die U-Bahn BART gehabt hätten, leider zu spät, um auszusteigen. Also fuhren wir bis Emeryville weiter, wo wir erstaunlicherweise mehr als eine Stunde vor Plan ankamen und vom Zugpersonal gebeten wurden, möglichst schnell auszusteigen, um Platz für die nachfolgenden Pendlerzüge zu machen. Es war aber noch Zeit genug, um endlich meine Außenfotos zu machen:

Außenansicht des California Zephyr

Außenansicht des California Zephyr

Lok des California Zephyr

Gepäckwagen des California Zephyr

Wir hatten inzwischen herausgefunden, dass vom Bahnhof ein kostenloser Stadtbus zur nächsten BART-Station fuhr. Nachdem wir die Haltestelle (die natürlich gerade wegen einer Baustelle verlegt war) gefunden hatten, machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zur BART und weiter zum Flughafen, wo unser anderer Mietwagen stand. Eigentlich hatten wir überlegt, uns an dem Tag noch etwas San Francisco anzugucken, aber da wir nach der Nacht im Zug doch alle etwas kaputt waren, fuhren wir gleich zu unserer Unterkunft.

Noch für die Statistik: Da Abflug und Ankunft über Nürnberg erfolgten, reiste ich dort mit dem ICE hin. Auf der Hinfahrt war der Zug zeitweise mit +35 angekündigt, woraus bei der Abfahrt +25 und bei der Ankunft sogar nur noch +15 wurden. Auf der Rückfahrt war der Zug zwar pünktlich, jedoch wegen des zu Ende gehenden langen Wochenendes voll ausgelastet. Da ich bei der Buchung nicht daran gedacht hatte, bekamen wir nur Sitzplätze, weil eine größere Reisegruppe gerade im Bistro war. Deren Rückkehr befürchteten wir – vom Jetlag gebeutelt – quasi minütlich, konnten dann aber doch die ganze Strecke sitzen bleiben.