Train-Freitag mit Ryanair auf Schienen

Den gestrigen Tag haben wieder viele genutzt, um mit möglichst lauten Autos herumzufahren. Ich habe mich stattdessen meinem Lieblingsverkehrsmittel gewidmet und relativ spontan beschlossen, mit dem GoVolta zu fahren, einem neuen privaten Fernzug, der Amsterdam und Hamburg bzw. Berlin verbindet. Derzeit fährt er beide Strecken nur je dreimal pro Woche, so dass man mit einer Zuggarnitur auskommt. In beiden deutschen Städten fährt man nicht bis zum jeweiligen Hauptbahnhof, sondern Endstation ist in Harburg bzw. Gesundbrunnen.

Nach einigem Überlegen buche ich die Route Hamburg-Harburg – Hengelo: Harburg, obwohl der Zug auch in Bremen hält, um dort ein gutes Foto machen zu können, und Hengelo, um die Kluskurve mitzunehmen, auf der er den Osnabrücker Hauptbahnhof umfährt. GoVolta scheint das Konzept von Billigfliegern übernommen zu haben, nachdem im günstigen Preis nur das Nötigste enthalten ist und alle weiteren Leistungen extra kosten. So ist in den 45 Euro für meine Fahrkarte zwar die verpflichtende Sitzplatzreservierung enthalten, ich zahle aber noch mal 12,50 Euro extra, um mir einen Platz (in dem Fall am Fenster) aussuchen zu können. Bei der Buchung erhalte ich nicht direkt die Fahrkarte, sondern eine Reservierungsbestätigung mit einem Link zum Check-in, den ich spätestens vier Stunden vor der Abfahrt durchführen muss. Erst danach erhalte ich einen QR-Code, den ich bei der Kontrolle im Zug vorzeigen muss.

Als ich am Karfreitag am Bahnhof ankomme, erwische ich noch die RB, die eigentlich eine Stunde vorher fahren sollte – das Stellwerk in Tostedt war gestört. Jetzt läuft der Betrieb aber wieder an, und so überholt uns der GoVolta unterwegs. In Harburg angekommen, gelingen mir tatsächlich recht gute Bilder vom Zug:

Die Wagen sind ehemalige belgische mit Vis-à-vis-Sitzanordnung, die man innen anscheinend nahezu unverändert gelassen hat. Die 1.-Klasse-Wagen heißen jetzt Comfort und die der 2. Klasse Economy. Die Economy ist auch tatsächlich recht gut besetzt. In meiner Vierergruppe sitzt aber praktischerweise sonst niemand.

Der eine Sitz mir gegenüber hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen, aber das scheint nicht repräsentativ zu sein.

So geht die Fahrt relativ gemächlich los. In Sottrum gehen diesmal wir in die Überholung, um sage und schreibe den RE, den ICE und den Flixtrain vorbeizulassen, und erreichen HB trotzdem pünktlich. Vor HO wird es dann spannend, denn hier biegen wir in den Vorbahnhof und dann auf die Kluskurve ab, die die beiden Ebenen des Turmbahnhofs direkt verbindet. Ein Halt im Bahnhof ist dadurch nicht möglich. Auch in Rheine halten wir nicht, und der nächste Halt in Bad Bentheim scheint nur dem Lokwechsel zu dienen, denn eine Fahrkarte dorthin buchen konnte man nicht. Hier kommen wir stolze 20 Minuten vor Plan an, so dass wir den ICE vorbeilassen müssen. Dadurch kann auch die Bentheimer Eisenbahn nur verspätet einfahren, die RB nach Bielefeld wartet aber den Anschluss ab.

Bad Bentheimer Bahnsteigbild: ICE und GoVolta

Mein Zug bekommt jetzt die Nase gebrochen, also eine niederländische Lok im „Nez-cassé“-Design vorgespannt.

Die kurze Weiterfahrt nach Hengelo nutze ich noch für ein Bild der Toilette, die unten offen ist und daher ein Hinweisschild hat, das ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Sonst ist sie aber einigermaßen sauber und funktionstüchtig.

Dann ist mein Zielbahnhof erreicht. Ich steige aus dem Zug, der hier nur zum Ausstieg hält, und nutze die Stunde Aufenthalt für einen Bummel durch die Stadt, bei der natürlich auch ein Besuch bei Albert Heijn nicht fehlen darf. Zuerst wirkt die Stadt recht ausgestorben, was aber nicht am Karfreitag liegt (der hier auch gar kein Feiertag ist), sondern an der Uhrzeit. Der Supermarkt hat auch noch offen, und am Rathaus ist die Gastronomie gut gefüllt. Ich nutze sie ebenfalls für eine Pokébowl.

Pannenhilfe alleine scheint nicht zu reichen
Der Rathausturm von Hengelo

Den Rückweg trete ich komplett mit dem Deutschlandticket an, da das nur unwesentlich länger dauert als mit dem Fernverkehr. In Diepholz überholt meinen RE 9 der verspätete ICE, der um diese Uhrzeit auch hier hält. Da ich aber maximal eine Viertelstunde sparen würde, verzichte ich auf den Umstieg und erreiche so gegen Viertel vor elf wieder meinen Heimatbahnhof.

Mit dem Talgo zu Lego

Zwischen Weihnachten und Neujahr ergab sich die Gelegenheit, schnell noch nach Hamburg zu fahren und einen Blick auf den neuen EC der dänischen Staatsbahn zu erhaschen, der nach und nach auf der Strecke nach Kopenhagen eingeführt wird. Es handelt sich um einen Zug der spanischen Marke Talgo und damit um das Pendant des neuen ICE L. Im letzten Sonnenlicht gelangen mir zwei Bilder auf der Alsterbrücke, leider ohne die Lok:

Danach erwies es sich als Vorteil, dass die Strecke Hamburg–Berlin gerade generalsaniert wird. Dadurch können die EC (bzw. in Deutschland ECE) nämlich ihre gesamte Wendezeit von fast zwei Stunden auf Gleis 5 verbringen, so dass ich den neuen Zug ausgiebig begutachten konnte.

Auf dem Bild ist das Talgo-Prinzip sehr gut zu erkennen, nach dem sich immer zwei Wagen, die etwa die halbe Länge von konventionellen haben, ein Drehgestell teilen.

Die Steuerwagen wurden später bestellt, daher muss derzeit die Lok an den Endbahnhöfen noch umsetzen. So sehen die Drehgestelle von nahem aus:

Die Zielanzeige ist in die Tür integriert:

Nachdem die Reinigung abgeschlossen war, habe ich noch einen Blick ins Innere riskiert. Das wirkte auch recht angenehm. Leider gibt es, wie in Dänemark üblich, statt eines Speisewagens nur Snackautomaten.

Leider verpasste ich danach die Gelegenheit, auch die Toilette des neuen Zuges zu nutzen, denn der Metronom, mit dem ich zurückfuhr, hatte keine funktionierende. Zum Glück hielt ich es aber bis zu Hause aus und bin gespannt auf meine erste Mitfahrt mit dem neuen Zug.

Nicht wesentlich pünktlicher

Schon wieder sind zwei Jahre um, und es wird Zeit, mal wieder eine Verspätungsstatistik zu erstellen. Da es ab 2023 praktisch keine Einschränkungen mehr durch Corona gab, gibt es auch wieder mehr Fahrten zu verzeichnen (wobei ich über die normalerweise wöchentlichen Fahrten ins Büro nach Hannover nicht Buch führe). Leider hat das nicht zu einer nennenswert größeren Pünktlichkeit geführt:

Verspätung (min)FahrtenAnteil 2023/24Anteil 2021/22
<0 33,06 %1,40 %
0–5 5657,14 %55,40 %
5–302828,57 %24,30 %
30–60 77,14 %8,10 %
>60 44,08 %10,80 %
Ausfall00,00 %0,00 %

Die einzige positive Nachricht ist, dass der Anteil der Verspätungen von mehr als 60 Minuten sich gegenüber den zwei Jahren davor deutlich verringert hat. Auch bin ich öfter früher als geplant angekommen. Das lag zum einen aber immer daran, dass ich den Zug vor dem geplanten noch erreicht habe, weil er Verspätung hatte. Zum anderen ist die Abweichung statistisch nicht signifikant.

Immerhin scheint sich der leicht positive Trend, den ich am Ende des Vorzeitraums zu erkennen glaubte, bestätigt zu haben. Aber von den zwei Dritteln aller Fahrten, die ich jahrelang pünktlich beendet habe, bin ich noch weit entfernt. Hoffen wir, dass sich das in den nächsten beiden Jahren wieder ändert. In diesem Sinne gute Fahrt, auch für 2025!

Hier geht es zu den Statistiken für 2021/22, 2019/20, 2017/18, 2015/16, 2013/14 und 2007–2012. Ich werte immer die in den Blogbeiträgen der jeweiligen Jahre angegebene Pünktlichkeit am Zielort aus (nicht die einzelner Züge in der Verbindung).

Tag der Schiene

Unter diesem Namen gab es am letzten Wochenende in ganz Deutschland Veranstaltungen zum Thema Bahn. Unter anderem bot die S-Bahn Hamburg eine Hafenrundfahrt mit einem S-Bahn-Zug an. Nachdem ich von den begrenzten Plätzen dort leider keinen bekommen hatte, entschied ich mich dafür, zu Europas größtem Rangierbahnhof nach Maschen gleich südlich der Hansestadt zu fahren. Der ist recht gut über den gleichnamigen Personenbahnhof zu erreichen, der einmal pro Stunde vom Metronom angefahren wird. Von dort konnte man laufen oder den Shuttlebus nehmen. Im Rbf konnte man zum einen das Stellwerk Msof besichtigen, den Rest der Aktionen gab es rund um das Hauptgebäude. Unter anderem waren Loks ausgestellt:

Ellok der BR 151, im Hintergrund eine Diesellok der BR 232 „Ludmilla“
BR 193 „Vectron“

Nicht ausgestellt, sondern im normalen Betrieb warteten zwei 145er der DB-Tochter RBH (ehemals Ruhrkohle Bahn und Häfen) auf ihren nächsten Einsatz:

Vor der Lokinstandhaltung war eine 363 abgestellt, die kurioserweise in Fernverkehrsfarben lackiert war:

Drinnen bot eine 296 einen Blick unter die Haube:

Davor stand eine 189, von der leider nur die recht imposante Frontansicht einzufangen war.

Wesentlich kompakter war da der Schwerkleinwagen für die Netzinstandhaltung:

Auch ein Hilfszug der Notfalltechnik konnte besichtigt werden …

… ebenso wie ein historisches Zwei-Wege-Fahrzeug.

Mit verschiedenen Fahrzeugen konnte man Bahnhofsrundfahrten machen: Zum einen mit einem alten Dieseltriebwagen, …

… zum anderen mit einem Dampfzug …

… aber auch auf einer Gravita-Rangierlok.

Eine kurze Feldbahnstrecke gab es auch noch, von der habe ich aber kein Bild gemacht. Bei den ausgestellten Loks konnte man auch einen Blick in den Führerstand werfen, angesichts der langen Schlangen verzichtete ich aber darauf und genoss nach einer Bratwurst vom DB-Casino noch eine kostenlose Waffel vom Bahn-Sozialwerk, in Form eines DB-Logos.

Schon fast auf dem Rückweg erinnerte ich mich daran, dass ja auch das Stellwerk noch offen war, und obwohl sich die Veranstaltung schon dem Ende zuneigte, erklärten die Mitarbeiter dort noch bereitwillig ihre Arbeit.

Gleisplan im Stellwerk Msof
Bedienplatz im Stellwerk Msof

Vom Dach des Stellwerks hatte man einen prima Blick über die gesamte Anlage, ein Mitarbeiter erklärte, was man von dort sehen konnte. Unter anderem den Ablaufberg, über den die Wagen geschoben werden und zu den neu zusammengestellten Zügen rollen, …

… die Gleisbremsen, die dafür sorgen, dass die Wagen nicht allzu unsanft auf ihrem Zielzug auftreffen …

… und schließlich die Gleisharfe, auf der die Züge zusammengestellt werden und auf ihre Abfahrt warten. Alle diese Anlagen gibt es zweimal, einmal für die Nord-Süd-Richtung und einmal für Süd-Nord, hier im Bild.

Von hier oben konnte man auch hervorragend vorbeifahrende Güterzüge sehen, hier mit einer 151 in Aktion …

… und auch der Dampfzug ließ sich hier noch mal sehr gut einfangen.

Auf den allerletzten Drücker schaute ich mir dann noch das Lehrstellwerk ein Stockwerk tiefer an, in dem Auszubildende mit Stellwerkstechnik vertraut gemacht werden.

Dann machte ich mich wieder auf den Weg zum Pbf, wo jetzt leider die Wartezeit etwas länger war. Zu allem Überfluss ließ ich im Zug auch noch meine Sonnenbrille liegen. Das änderte aber nichts daran, dass es ein sehr gelungener Ausflug an einen Ort war, zu dem man normalerweise keinen Zutritt hat.

Ein Bahnnerd-Wochenende

… liegt hinter mir: Für den Samstag hatten wir uns zuerst den Tag der offenen Tür bei der NordWestBahn, meinem Ex-Arbeitgeber, in Bremerhaven vorgenommen. Anlass war der Start der neuen Flirt-Triebwagen:

Flirt3XL der NordWestBahn für die Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen

Die Bestandstriebwagen des Typs Coradia Continental werden sukzessive renoviert. Das erste Fahrzeug im neuen Gewand wurde ebenfalls präsentiert.

Neu gestalteter Coradia Continental der NordWestBahn

Als weitere Attraktionen gab es einen Wettbewerb, bei dem Menschen einen Zug ziehen konnten, sowie Werkstattbesichtigungen und „bahnfremde“ Aktionen wie Kinderschminken und Essensstände.

Nachdem wir Letztere frequentiert hatten, gingen wir zum nächsten Programmpunkt über, der passenderweise direkt nebenan am Bahnhof Wulsdorf begann: die Fahrt mit dem (laut Werbung) weltweit ersten Wasserstoffzug, dem iLINT von Alstom, im Regelbetrieb auf der Strecke nach Buxtehude. Dem fuhren wir zwei Stationen entgegen und stiegen dann ein. Vom Klang her merkt man dem Zug an, dass er letztlich elektrisch angetrieben wird, auch wenn ab einer gewissen Geschwindigkeit die Geräusche der Schienen lauter sind. Am Bremerhavener Hbf endete die Fahrt, und es ergab sich die Gelegenheit für Fotos:

Wasserstoffzug iLINT der EVB in Bremerhaven Hbf
Detail am iLINT

Zurück ging es mit dem ganz normalen Regionalexpress der DB. In der Befürchtung, dass der sich unterwegs mit feuchtfröhlichen Freimarktsbesuchern füllen würde, kauften wir 1.-Klasse-Zuschläge. Im entsprechenden Abteil waren wir dann aber allein, und da der Zug nur noch in Osterholz-Scharmbeck hielt, hielt sich auch die Gefahr der Überfüllung in Grenzen. Dank VBN-Ticket kostete das Ganze aber nur 2,60 pro Nase.

Auch am Sonntag sollte es noch nerdig werden, und zwar hatten wir uns ausgeguckt, dem 628-baugleichen Triebwagen der EVB einen Besuch abzustatten, der noch bis Dezember zwischen Rotenburg und Verden pendelt und dann von der NWB abgelöst wird. Dazu wollten wir mit dem Metronom in die Wümmestadt fahren, der jedoch ausfiel. Also Plan B: in die Lounge und dann mit der Regio-S-Bahn nach Verden, wo wir planmäßig eine Minute vor dem 628er ankommen sollten. Wegen freimarktsbedingter Überfüllung kam die S-Bahn aber mit Verspätung, so dass der Triebwagen schon in der Abstellung war, als wir ankamen. So schauten wir uns noch ein wenig in der Reiterstadt um und stillten den so langsam aufkommenden Hunger, bevor mir dann doch noch das Foto gelang.

628er der EVB in Verden (Aller)

Zurück ging es wiederum mit der RS, die sich ebenfalls bis HB ganz ordentlich füllte – zum Glück hatten wir Sitzplätze. Ein paar Stunden später machte ich mich auf den Weg nach Hause, mit leichter Verspätung und ohne weitere Vorkommnisse.

Neun Euro oder neu Neuro?

Kaum jemand dürfte es nicht mitbekommen haben: Seit gut einem Monat gibt es nun das Neun-Euro-Ticket, mit dem man einen Monat lang bundesweit mit allen Nahverkehrsmitteln fahren kann. Aber wie sind meine persönlichen Erfahrungen damit? Kann ich mich über das günstige Fahren freuen oder nervt es eher? Das Wortspiel in der Überschrift brachte in dem Zusammenhang ein User im ICE-Treff auf.

Meine erste Fahrt mit dem Ticket fand am Freitag vor Pfingsten statt, wobei ich die meiste Zeit eigentlich mit einer ICE-Fahrkarte unterwegs war, nämlich von Osnabrück nach Köln. Der war trotz des höheren Fahrpreises ziemlich voll, unter anderem mit diversen Schulklassen, die auf dem Weg von oder zu Klassenfahrten waren (und sich freuten, dass anscheinend ein YouTuber an Bord war). Einer solchen Klasse musste ich auch in Hagen meinen Platz räumen und fortan auf der Einstiegsstufe sitzen, bis mit etwa einer halben Stunde Verspätung die Domstadt erreicht war und ich das Billigticket für die Straßenbahnfahrt zum Barbarossaplatz nutzte.

Zurück ging es dann am Pfingstmontag mit zwei Freunden und der S-Bahn ab Schladern. Dort, kurz hinter dem Startbahnhof, fanden wir noch bequem Platz für uns und unser Gepäck. Bis Köln wurde es dann deutlich voller, was aber nicht nur dem 9-Euro-Ticket geschuldet war, sondern auch der Tatsache, dass eben Pfingstmontag war, vor allem aber der zweite Zugteil fehlte. Zum Glück mussten die meisten Stehenden das nicht lange tun, da sie in KK ausstiegen. Das tat ich auch und fuhr in die etwas kleinere Domstadt wieder mit dem ICE zurück. Dort fand sich trotz „Ausgebucht“-Warnung noch bequem ein Sitzplatz, und die Verspätung hielt sich mit +20 einigermaßen in Grenzen.

Die nächste Fahrt machte ich dann mit Freundin am 18. Juni von Osnabrück nach Wilhelmshaven und zurück. Natürlich wollten an dem Tag viele an die Küste, und in Oldenburg war auch noch CSD. Daher gab es zeitweise nur noch Stehplätze, es musste aber niemand zurückbleiben und an den nächsten Stationen leerte es sich recht zügig wieder. Pünktlich waren die Züge auch, so dass es insgesamt eine entspannte Tour war.

Wieder das erste Stück mit dem ICE fuhr ich am Wochenende darauf, nämlich erst nach Hamburg. Bis Bremen musste ich wieder auf der Eingangsstufe sitzen, danach nutzte ich aber einen nicht beanspruchten reservierten Platz. Mit dem 9-Euro-Ticket ging es dann weiter im RE nach Lübeck, wo sich noch genug Sitzplätze fanden. Ebenso war es auf der Rückfahrt. In der Hansestadt traf ich noch Kumpel Daniel in der Premium-Lounge, bevor es dann wieder mit dem ICE zurück ging, auch hier wieder mit richtigem Sitzplatz und pünktlich.

Eine Woche später war ich dann nach Marl unterwegs, wohin die schnellste Verbindung ab HO ohnehin mit dem RE 2 führt. Der kam wegen einer Störung an der Strecke verspätet an und füllte sich ebenso schnell mit neuen Fahrgästen, wie die ankommenden ausstiegen. Daher gab es für mich leider nur einen Stehplatz und dazu noch +20, so dass ich bereits in Haltern ausstieg und mit der S 9 weiter fuhr, immerhin sitzenderweise. So verbrachte ich auch die Rückfahrt, leider allerdings wieder mit +30

Fazit: Für leerere Züge hat das Ticket erwartungsgemäß nicht gesorgt, das totale Chaos zeigte sich aber zumindest auf meinen Fahrten auch nicht. Das zweite Ticket ist gekauft und harrt seines ersten Einsatzes am Wochenende, wieder in Kombination mit dem Fernverkehr.

Happy Birthday, EuroCity!

Nach 30 Jahren ICE und 50 Jahren IC im letzten Jahr gibt es heute ein nicht ganz so rundes Jubiläum zu feiern: Am 31. Mai 1987 fuhren die ersten EuroCity (EC)-Züge. Damit wurde neben den erstklassigen TEE-Zügen, die sich damals bereits auf dem absteigenden AST befanden, ein zweiklassiges, hochwertiges europäisches Zugangebot geschaffen. Dabei gehörten anfangs auch Nachtzüge (nach Spanien und Skandinavien) zum Angebot, und erstaunlicherweise verkehrten EuroCitys sogar auf britischem Boden, nämlich als Anschlusszug vom Fährbahnhof Harwich nach London.

Letztere Verbindung ist heute natürlich dem viel schnelleren Eurostar durch den Kanaltunnel gewichen, den ich – im Gegensatz zu seinem Vorgänger – schon mehrmals genutzt habe. Und auch sonst befindet sich der EC inzwischen seinerseits auf dem absteigenden Ast: Vor allem in Westeuropa wurde er häufig durch Hochgeschwindigkeitszüge abgelöst. Diese sind einerseits zwar schneller, andererseits haben sie häufig den Nachteil, dass es zu anderen Zügen keine durchgehenden Fahrkarten mehr gibt – ohne dass das eine zwingend mit dem anderen verbunden wäre, man denke an den deutschen ICE. Auch die Reisekultur insgesamt hat sich in den letzten 35 Jahren geändert – ob zum Guten oder Schlechten, ist ein immerwährendes Diskussionsthema.

1987 war ich noch Schüler und habe mich fast gar nicht mit dem Zug fortbewegt. Als ich anfing, immer weitere Reisen zu machen, war die oben beschriebene Entwicklung bereits im Gang, so dass ich insgesamt nicht oft mit dem EuroCity gefahren bin. Die erste Fahrt überhaupt dürfte innerhalb Deutschlands gewesen sein, 1993 von Stuttgart nach München. Aber auch meine erste grenzüberschreitende Zugfahrt fand mit einem EC statt: am 2. April 1999 von Oberhausen nach Amsterdam mit EC 142 Jan Pieterszoon Sweelinck. Auch dort fährt heute der ICE, wenn auch nicht mit hoher Geschwindigkeit.

Das Interessante an den EC war und ist natürlich das jeweilige ausländische Wagenmaterial, meist wegen der unterschiedlichen Strom- und Sicherungssysteme kombiniert mit einer einheimischen Lok. Das kostet zwar Zeit für den Lokwechsel an der Grenze, bietet aber andererseits interessante Fotomotive wie diesen ungarischen EC mit deutscher 101 in Dresden:

EC-Garnitur der ungarischen MÁV mit deutscher Lok der Baureihe 101 in Dresden Hbf

Die EC fahren weiterhin dort und auf anderen Strecken, zum Beispiel zwischen der Schweiz und Hamburg, wo ich sie öfter auf kurzen Teilstrecken zwischen Osnabrück und Köln oder Bremen nutze. Zuletzt machte nicht zuletzt die Pandemie Auslandsreisen schwierig, aber ich hoffe natürlich, in Zukunft hier wieder von internationalen EuroCity-Reisen berichten zu können.

Neues vom Ticketverkauf im Zug

Bisher konnte man in den Fernverkehrszügen der DB Fahrkarten beim Zugpersonal kaufen. Seit dem 1. Januar 2022 ist das nicht mehr möglich (Ausnahmen gibt es für Schwerbehinderte). Dafür kann man schon seit einiger Zeit Fahrkarten in der DB-Navigator-App bis zu zehn Minuten nach Abfahrt des Zuges kaufen (sofern dann nicht schon der nächste Halt erreicht ist). Das Gute dabei ist, dass dabei die tatsächliche und nicht die planmäßige Abfahrtszeit des Zuges zählt. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber 2017, als ich für einen verspäteten IC (den letzten des Tages) weder am Automaten noch in der App eine Fahrkarte bekam und beim Zub den Bordpreis zahlen musste. Durch Melden bereits beim Einsteigen hätte sich das wohl verhindern lassen, aber jetzt hat man derartige Probleme nicht mehr. Fahrgäste ohne App haben natürlich das Nachsehen, allerdings vermute ich, dass darunter der Anteil derjenigen, die spontan ohne Fahrkarte einsteigen, eher gering ist.

30 Jahre ICE – und ich

Heute vor 30 Jahren fuhr der erste planmäßige Hochgeschwindigkeitszug in Deutschland: der ICE, dessen Abkürzung damit nicht mehr „InterCityExperimental“, sondern „InterCityExpress“ bedeutete. Da damals mein Eisenbahninteresse gerade erwacht war, fand ich dieses Ereignis sehr spannend. Da ich aber selten selber Bahn fuhr und wenn, dann meistens vom Ruhrgebiet nach Hamburg, berührte es mich eher weniger persönlich. Immerhin hatte ich aber 1994 auf dem Bahnfest in Wanne-Eickel meine erste Begegnung mit einem stehenden ICE, dem späteren ICE 1:

Jan vor einem ICE 1

Auch das erste Innendesign hielt ich fotografisch fest, besonders faszinierten mich das damals hochmoderne Btx-Terminal und die Videobildschirme in der 1. Klasse:

1. Klasse eines ICE 1 im ursprünglichen Design
Bordrestaurant eines ICE 1 im ursprünglichen Design
Btx-Terminal in einem ICE 1
Videobildschirm im Sitz eines ICE 1

Es sollte noch drei weitere Jahre dauern, bis ich tatsächlich meine erste Fahrt in einem ICE machte, wenn auch noch nicht mit Hochgeschwindigkeit: Im Juni 1997 fuhr ich auf dem Rückweg von einem Seminar mit einem ICE 2 von Köln nach Essen. Auch dessen originales Design wirkte gleichzeitig poppig und kühl:

Einstiegsbereich eines ICE 2 im ursprünglichen Design

Erst 2002 fanden dann meine ersten Hochgeschwindigkeitsfahrten statt: Im August von Berlin ins Ruhrgebiet und im November von dort nach Bamberg über die gerade neu eröffnete Neubaustrecke Köln–Rhein-Main (KRM). Besonders letztere hat mich nachhaltig beeindruckt, konnte ich doch erstmals in Deutschland mit der Geschwindigkeit von 300 km/h reisen, die ich sonst nur vom TGV und seinen Brüdern Thalys und Eurostar kannte. Von meiner Premierenfahrt auf der KRM drehte ich sogar ein Video, das allerdings noch seiner Digitalisierung harrt und daher seit Jahren unangesehen ist. Sehr gediegen fand ich die Inneneinrichtung der für die KRM neu angeschafften ICE 3:

2. Klasse eines ICE 3 im ursprünglichen Design

Und heute? Bei der Eröffnung der KRM konnte ich noch nicht ahnen, dass sie wenige Jahre später zu meiner wohl meistbefahrenen Fernstrecke werden würde und ich dadurch so manche Stunde sparen würde (eine große rote 1 stand zur Eröffnung der KRM am Frankfurter Hbf, um die eingesparte Stunde zu symbolisieren). Durchs Rheintal fuhr ich nur noch, um Geld zu sparen und/oder die Aussicht zu genießen. Natürlich ist ICE-Fahren dadurch etwas viel Normaleres geworden, aber ich genieße immer mal wieder die Aussicht aus dem Fenster bei über 200 km/h, auch wenn sie natürlich nicht so spannend ist wie an der Loreley.

Die Zahl der ICE-Baureihen hat sich inzwischen noch weiter vergrößert, und mit dem ICE-TD ist eine leider schon wieder von deutschen (und dänischen) Schienen verschwunden (wenigstens nicht ohne dass ich mitgefahren wäre und ein nicht allzu gutes Foto gemacht hätte). Die älteren noch eingesetzten Baureihen haben auch schon ihr inneres und äußeres Redesign hinter sich, auch der Jubilar ICE 1, der durch eine Lebensdauerverlängerung noch ein paar Jährchen vor sich hat.

In Foren wie dem → ICE-Treff haben viele anlässlich des Jubiläums beklagt, dass das Reisen immer mehr der Beförderung gewichen sei, was sich unter anderem an Abstand und Design der Sitze bemerkbar macht. Das stimmt zwar einerseits, andererseits hat aber auch das Mobilitätsbedürfnis der Menschen (wie ja auch meins) zugenommen. Gerade unter dem Aspekt, dass die Bahn ein (halbwegs) klimafreundliches Verkehrsmittel ist, ist es gut, wenn sie daran teilhat, auch wenn Zuhausebleiben nicht nur gegen Corona, sondern auch für das Klima die wirksamste Methode ist. In diesem Sinne: Auf die nächsten 30 Jahre mit vielen (natürlich möglichst klima- und pandemieverträglichen) ICE-Fahrten!

Die Verspätungen schlafen nicht

Erst mal ein frohes neues Jahr an alle Leser jeglichen Geschlechts!

Der HLB-Flirt hat sich seinen Feierabend in Aschaffenburg redlich verdient (und vielleicht repariert dann auch jemand das WC)

Nein, nicht alle Züge schlafen. Im Gegenteil, der Bahnbetrieb läuft sogar fast normal weiter, obwohl durch den Lockdown viele Reiseanlässe weggefallen sind. Auch ich war das erste Mal seit ungefähr zwanzig Jahren um den Jahreswechsel nicht mit dem Zug unterwegs. So ist mir zuerst gar nicht aufgefallen, dass schon wieder zwei Jahre um sind und daher meine turnusgemäße Verspätungsstatistik ansteht.

Wie immer habe ich daher die Blogbeiträge des entsprechenden Zeitraums ausgewertet und daraus eine Statistik erstellt, mit wie viel Verspätung ich am jeweiligen Zielort angekommen bin. Eventuell verpasste Anschlüsse sind also mit eingerechnet. Hier das Ergebnis:

Verspätung (min)FahrtenAnteil
<0 43,4%
0–5 7563,6%
5–302420,3%
30–60 86,8%
>60 75,9%
Ausfall00,0%
Meine persönliche Verspätungsstatistik 2019/20

Natürlich war ich coronabedingt insgesamt deutlich weniger unterwegs als 2017/18 – leider auch 2020 aber nicht pünktlicher. Im Gegenteil ist der Anteil der pünktlichen Ankünfte sogar wieder leicht gesunken. Positiv zu vermelden ist allenfalls, dass ich keine Fahrt komplett abgebrochen habe. Allerdings gab es eine Spaßtour, bei der ich spontan das Ziel ändern musste und das dann auch deutlich verspätet erreicht habe, ebenso wie mein Zuhause auf der Rückfahrt.

Wie immer geht es nur um Fernverkehrsfahrten, die (vor der Pandemie) vielen Fahrten zu Mensa-Stammtischen oder dem Besuch beim Cousin in Frankfurt sind nicht mit eingerechnet, dürften aber insgesamt eine deutlich bessere Bilanz haben. Dafür sind auch Fahrten im Ausland eingerechnet, die sieben Verspätungen über 60 Minuten gehen also teilweise auf das Konto von Frankreich und Norwegen. Letzteres hält mit vier Stunden und einer dadurch nötigen zusätzlichen Übernachtung auch den diesmaligen Rekord.

Die alten Statistiken zum Vergleich gibt es hier: 2017/18, 2015/16, 2013/14, 2007–12. Schauen wir mal, was die nächsten zwei Jahre so bringen, nicht nur im Hinblick auf „Corona“ und die dadurch verminderte Lust am Bahnfahren.