Harz I: Panne und Prärie

Da Ferien in Deutschland ja momentan sehr en vogue sind und ich außerdem Urlaub abzubauen hatte, setzte ich letzte Woche eine Idee um, die ich schon länger mal hatte: Ich fuhr in den Harz, genauer nach Wernigerode, wo ich eine moderne Ferienwohnung in einem alten Fachwerkhaus in Gehweite vom Bahnhof gemietet hatte. Dieser beherbergt bekanntlich nicht nur Normalspurgleise, sondern auch ein Ende des größten Schmalspurnetzes und gleichzeitig größten Dampfbetriebs Deutschlands.

Los ging es am Sonntagvormittag mit dem RE nach FF. Dort hatte ich eine halbe Stunde Zeit, die ich natürlich bei einem Cappuccino in der Lounge verbrachte. Weiter ging es mit dem ICE nach Hamburg, der angenehmerweise erst in Kassel wieder hält. Das tat er aufgrund einer technischen Störung am Zug leider etwas länger, mit dem Resultat, dass mein Anschlusszug in Göttingen gerade abgefahren war. Ein Blick in den Navigator zeigte, dass der nächste auf derselben Strecke erst wieder in zwei Stunden fahren würde, es aber dazwischen eine Verbindung über Hildesheim gab. Bis dahin hatte ich gerade noch Zeit, mir mein Handyticket für den Fahrgastrechte-Antrag ausdrucken zu lassen – es wird Zeit, dass der auch elektronisch eingereicht werden kann.

Wenigstens lief auf der Ersatzverbindung alles wie geplant: ICE bis Hildesheim, dort Pause beim Bäcker, weiter mit dem RE Hannover – Bad Harzburg. Früher hätte ich die Strecke bis Wernigerode durchfahren können, aber seit 2014 muss man in Goslar umsteigen. Im Januar 2003 hatte ich auf dieser Strecke meine erste Fahrt mit einem Neigezug gemacht. Der Bahnhof Salzgitter-Ringelheim wirkt nicht mehr so improvisiert, wie ich es damals fand, weil man ihm inzwischen neue Bahnsteige spendiert hat.

In Goslar hatte ich direkten Anschluss an den Abellio-RE nach Magdeburg, der in diesem Fall als Berlin-Harz-Express nach Berlin weiterfuhr (einmal täglich am Wochenende). So weit musste ich aber nicht, denn bald war Wernigerode erreicht, und ich lief die paar Meter zur Wohnung. Erfreulicherweise bekam ich für die gezahlte Kurtaxe ein Gutscheinheft, mit dem ich praktisch im gesamten Harz kostenlos Bus (leider nicht Bahn) fahren durfte und außerdem noch Rabatt in einigen Restaurants bekam. Das nutzte ich am ersten Abend natürlich gleich aus und aß indisch, nicht ohne vorher noch meinen sehr sehenswerten Ferienort erkundet zu haben.

Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg nach Quedlinburg. Meine erste Idee war, mit dem Bus zu fahren (kost ja nix), der unter der Woche stündlich fährt, aber es warteten schon etliche Leute, und man soll ja Abstand halten. Also enterte ich den kurz danach fahrenden RE Richtung Magdeburg. Teuer war die Fahrt damit auch nicht, dank des in Sachsen-Anhalt gültigen Hopper-Tickets für 5,60 Euro bis 50 km. Es ist eine von wenigen Fahrkarten, die auch einen Rabatt für Hin- und Rückfahrt hat und dann nur 9,10 kostet.

LINT von Abellio als RE Goslar – Magdeburg

Unterwegs fuhren wir durch Heudeber-Danstedt, wo der alte Streckenverlauf nach Vienenburg (– Goslar) abzweigte. Die dünn besiedelte Bördelandschaft erinnerte mich ein wenig an die kanadische Prärie. Vielleicht auch ein Werbemotiv für die aktuelle Kampagne der DB? „Sehnsucht nach Saskatchewan? Aber das ist Sachsen-Anhalt!“. In Halberstadt traf sich mein Zug, wie sich das im Integralen Taktfahrplan gehört, zur vollen Stunde mit Zügen aus allen Richtungen. Ich musste in einen anderen Abellio-LINT umsteigen, der mit mehreren anderen Zugteilen aus der Landeshauptstadt gekommen war und nach Kopfmachen nach Thale weiterfuhr. So weit wollte ich aber gar nicht, sondern stieg schon in der Stadt mit Q aus, die ich in den nächsten Stunden zu Fuß erkundete.

Ach, da sind also meine Textdokumente abgelegt

Nachdem ich draußen alles angesehen hatte, wagte ich mich noch in das Modelleisenbahnmuseum. Die Bahnen sind dabei schon sehr alt und teilweise selbstgebaut. Sehr interessant, auch wenn es nicht gerade mein Spezialgebiet ist:

Im Modelleisenbahnmuseum in Quedlinburg

Als ich zurückfahren wollte, erwischte ich mit Hilfe von Navigator und Google Maps gerade noch den Bus, der angenehm leer war. Er klapperte die Dörfer am nördlichen Harzrand ab, brauchte aber wegen des direkten Weges trotzdem nicht länger als der Zug. Zurück in Wernigerode nutzte ich wieder meinen Rabattgutschein, diesmal beim Griechen.

Fortsetzung folgt!

Auf den letzten Metern

Damit die Decke in meiner Wohnung blieb, wo sie ist, setzte ich mir am Samstag mal wieder meine Mund-Nasen-Bedeckung auf und mich in den Zug. Schon wieder handelte es sich um den ICE 728 nach Duisburg, den ich diesmal auch bis dorthin benutzte, und zwar ohne Umleitung über Opladen. Anlass für die Fahrt war diesmal der Ersatzzug von Train Rental International (TRI), der auf der S 3 zwischen Oberhausen und Hattingen eingesetzt wurde. Nach einem kleinen Fotointermezzo in Mülheim befuhr ich von dort die Strecke mit dem planmäßigen Abellio-Zug, wobei mir in Essen-Frohnhausen der Ersatzzug schon entgegen kam und mich etwas enttäuschte: Statt der in TRI-Farben umlackierten n-Wagen, die ich auf Fotos gesehen hatte, waren es welche in sehr verblichenem DB-Verkehrsrot. Diese Tatsache und die, dass das Wetter nicht so toll war, bewogen mich dazu, kein Foto vom Ersatzzug an der Schwimmbrücke in Bochum-Dahlhausen zu machen, sondern eine Stunde in Hattingen zu verweilen und da Bilder vom örtlichen ÖPNV zu machen. Das lohnte sich, weil dort mit BVR, WSW, VER und Bogestra immerhin Fahrzeuge vier verschiedener Betriebe unterwegs sind, von denen mir noch Bilder fehlten. Und der Endhaltepunkt der S-Bahn hat eine herrliche Achtziger-Farbkombination:

Haltepunkt Hattingen Mitte

Von dort ging es dann mit dem TRI-Zug weiter. Dessen Zugpersonal war jung und engagiert und machte unterwegs mehrmals Begrüßungsansagen wie in einem Fernzug, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass dies heute der letzte Einsatztag des Zuges sei. Dieser hatte zwar nicht mehr die Originalsitze, aber insgesamt trotzdem noch das Silberling-Flair.

n-Wagen (ehemaliger „Silberling“) von Train Rental International
Der letzte Betriebstag wurde gebührend gewürdigt

In EO angekommen, machte nicht nur ich noch ein paar Außenaufnahmen, sondern auch noch einige andere Fotografen, die allerdings ausnahmslos in einem Alter waren, in dem sie Silberlinge bei der DB wohl nicht mehr mitbekommen haben.

n-Wagen-Zug von Train Rental International in Oberhausen Hbf

Meine Idee, über die Ruhrortbahn weiter zu fahren, musste ich fallen lassen, da dort mal wieder SEV angesagt war. Also fuhr ich mit dem verspäteten RE 19 nach EDG, wo ich noch einen kleinen Fotoausflug mit der örtlichen Straßenbahn machte. Essen gab es diesmal nicht bei der Currywurstbude vor dem, sondern beim Asiaten im Bahnhof, der allerdings auch nicht besser war.

Die nächste Idee war, in KD noch kurz die Lounge zu frequentieren, was sich aber durch die Verspätung des RE 3 nicht mehr lohnte. Also enterte ich direkt den ICE, von dem aus wenigstens der Anschluss an seinen Rheinstrecken-Kollegen in KK klappte. Und nicht nur das, dieser kam auch pünktlich in FF an, so dass ich wenigstens hier den Lounge-Besuch nachholen konnte, mich allerdings mit dem Schlürfen des Cappuccinos ziemlich beeilen musste. Im Nachhinein betrachtet wäre das allerdings nicht nötig gewesen, denn wegen eines liegengebliebenen Zuges verzögerte sich die Abfahrt des RE so sehr, dass ich genauso gut den nachfolgenden ICE nehmen konnte. Dieser wurde wegen der Störung über Niederrad umgeleitet, zu allem Überfluss gab es noch eine weitere durch eine betrunkene Person auf einem (Kommentar eines Mitreisenden: „Kann man die nicht einfach entfernen?“). So erreichte der Zug NAH mit etwa +20, für mich gegenüber der Ankunft des RE mit etwa +30. Letzterer hatte uns anscheinend dann doch südmainisch überflügelt, so dass wir in Hanau auf Gleis 104 an ihm vorbei schleichen mussten. Mein größtes Glück war aber, dass ich mit dem Heimradeln nicht wartete, bis es komplett aufhörte zu regnen, denn kurze Zeit später brach das Gewitter erst richtig los.

Monschau alaaf!

Wie so oft an Samstagen machte ich mich gestern früh auf den Weg. Diesmal war es allerdings kein reiner Spaßausflug, sondern ein Organisationstreffen für Mensa. Meine Route war: ICE nach FFLF (in dem ich zufällig noch einen Bekannten traf), weiter mit dem ICE nach KK und mit dem RE 1 nach Aachen Rothe Erde. Dort hatte ich nur 5 Minuten für den Übergang, der aber funktionierte, weil der Zug wie die anderen auch pünktlich war. Also erreichte ich schon um kurz nach 11 Uhr Monschau, wo wir uns verschiedene Locations für ein Treffen im Herbst anguckten.

Da ich wegen der Zugbindung den kurzen Übergang auf der Rückfahrt nicht riskieren wollte, fuhr ich eine Stunde früher als in der Auskunft vorgesehen mit dem Bus um 16.20 Uhr zurück, diesmal nicht direkt nach Aachen, sondern mit Umstieg in Roetgen. Von dort gibt es einen Schnellbus, der wie auch schon der Bus auf der Hinfahrt als Besonderheit hat, dass er eine Straße nutzt, die kurzzeitig über belgisches Gebiet führt.

Dank der früheren Fahrt erreichte ich auch einen früheren RE nach KK, wo ich die überschüssige Zeit in der weitgehend vom Karneval verschonten Lounge verbrachte. Von den Bahnhöfen und Zügen im Rheinland konnte man das natürlich nicht ganz sagen, so war ich froh, als ich in KKDT den ICE heraus aus dem Epizentrum entern konnte. In dem war es tatsächlich wieder sehr ruhig, und er war auch pünktlich. Da mir einfiel, dass zu meiner Ankunftszeit in NAH dort alle Bäcker zu haben würden, besorgte ich mir mein Abendbrot noch schnell während des Aufenthalts in FF, so dass ich am Heimatbahnhof angekommen, direkt mein Rad aus dem neuen Doppelstockparker nehmen und nach Hause fahren konnte.

Back to the roots

Nicht nur in mein Heimatland NRW führte mich meine heutige Tour, sondern sogar auf die Strecke, auf der ich die erste Bahnfahrt gemacht habe, an die ich mich (wenn auch nur bruchstückhaft) erinnern kann. Die Tour hatte ich schon mal geplant, damals ging aber so ziemlich alles schief und ich musste (und konnte dank QdL) umdisponieren.

Heute klappte es zunächst besser, was auch gut war, da ich mit einem Super-Sparpreis unterwegs war: ICE nach FF, weiter mit dem RE nach FG und Umstieg nach Siegen. Dort habe ich ja schon mehrmals um Zuganschlüsse gebangt und hätte sie diesmal alle bekommen, wenn nicht mein Anschluss ohnehin ein Bus komfortable 25 min später gewesen wäre. Für meine geplante Weiterfahrt mit Umweg konnte mir der Automat sogar ein Ticket verkaufen, obwohl online weder der DB noch dem Westfalentarif eine Tarifauskunft zu entlocken war.

Also stieg ich in den Bus und fuhr bis zur Endstation Olpe mit, wo ich erst mal eine gute halbe Stunde Aufenthalt hatte, die ich (wie könnte es auch anders sein) für einen Cappuccino nutzte. Weiter ging es, obwohl die Strecke komplett in NRW liegt, mit der Hessischen Landesbahn. Zwischen Eichhagen und Attendorn lag (in umgekehrter Richtung) auch die Strecke meiner ersten bewussten Bahnfahrt 1988 auf einer Klassenfahrt, von der ich aber praktisch nichts wiedererkannte. Wenig später war die Endstation Finnentrop erreicht, wo ich direkten Anschluss an den RE 16 hatte. Diesen nutzte ich nur kurz bis Werdohl. Dort musste ich wieder etwas länger warten, aber immerhin brachte mir das die ersten Bilder von der MVG ein (also der Märkischen Verkehrsgesellschaft, von der Münchner und Mülheimer habe ich ja schon Bilder):

Solaris Urbino der MVG am Bahnhof in Werdohl

Mit diesem polnischen Prachtexemplar ging es dann weiter nach Neuenrade. Da es über steile Bergstraßen ging, nutzte auch ein Mountainbiker den Bus bis zum höchsten Punkt. In Neuenrade hielt der Bus direkt am Bahnhof, der recht weit abseits vom Zentrum liegt und, wie für Stichstrecken mittlerweile üblich, nur noch ein Gleis hat. Auch hier musste ich nicht lange warten und fuhr durch das sehr idyllische Hönnetal nach Menden. Auch das war eine Reise in die Vergangenheit, da hier meine Großtante wohnte, die wir allerdings immer mit dem Auto besucht haben. Auch in der Innenstadt, wo ich fahrplanbedingt 20 min Aufenthalt hatte, erkannte ich nichts wieder.

Also ging es weiter mit dem anderen Kurs der RB 54. Nachdem es zwischendurch auch mal durchgehende Züge gab, ist man mittlerweile wieder zum Modell mit je einer Verbindung Neuenrade–Fröndenberg und Menden–Unna zurückgekehrt, die nur zwischen Menden und Fröndenberg parallel fahren. Dort befindet sich auch eine der wenigen zweigleisigen Nebenstrecken überhaupt (die andere, die mir spontan einfällt, ist Limburg–Diez). Übrigens hat der Kurs Menden–Unna sportliche Wendezeiten von 4 bzw. 6 Minuten, war bei meiner Fahrt aber absolut pünktlich.

Kurz vor Unna stellte ich durch einen zufälligen Blick in den Navigator fest, dass mein Anschluss-IC ab Soest +50 haben sollte. Zum Glück hatte ich nicht die schnellste, sondern die günstigste Verbindung zurück nach NAH gebucht. So konnte ich leicht umdisponieren und mit dem RE 13 weiter fahren, der es irgendwie geschafft hatte, vom zwei Stationen entfernten Hamm mit +15 zu kommen. Die konnte er bis KD allerdings auf etwa +10 reduzieren, wobei wegen der Bauarbeiten in Bilk schon ab Gerresheim auf den S-Bahn-Gleisen gefahren wurde. Daher fuhren wir im Hbf auf Gleis 14 ein, das für eine Doppeltraktion Flirt zu kurz ist, so dass die letzte Tür geschlossen bleiben musste. Jetzt gibt es nicht mehr viel zu erzählen: Ein Loungeespresso war noch drin, dann ging es pünktlich mit dem ICE (der IC war inzwischen ganz ausgefallen) nach NAH, das ich nun sogar fast eine Stunde früher als geplant erreichte und so noch gemütlich essen konnte.

Hallo Wien

Da ich am 31. Oktober weder Lust auf gruselige Verkleidungen noch auf einen Reformationsgottesdienst hatte, eiste ich mich etwas früher von der Arbeit los und bestieg in NAH einen ICE. Dort hatte ich einen Platz reserviert, was gut war, denn es war doch recht voll – zumindest bis Passau, wo ich meine Sitznachbarin, die mit mir eingestiegen war, bat, Platz zu machen und mich auf einen freien Doppelsitz setzte. Passend zum Datum fuhr ich nämlich in die österreichische Hauptstadt, wo ich (nicht ohne im Zug verkleidete Menschen zu sehen) pünktlich um 23.09 Uhr ankam und mein Hotelzimmer direkt neben dem Hauptbahnhof bezog.

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Willkommen im Neandertal

Das Ziel meiner Tour gestern war es, die Strecke von Duisburg Hbf zum Entenfang noch mal zu fahren, bevor der Verkehr im Dezember eingestellt wird. Weil das alleine ein bisschen wenig war, plante ich auch noch eine Befahrung der S 28 vom Kaarster See nach Mettmann, die Ende der 90er-Jahre aus zwei vernachlässigten Nebenstrecken entstanden war. Für die Anreise buchte ich als Hauptlauf einen IC durchs Rheintal, für die Rückreise einen ICE über die KRM.

Erstere klappte mit kleineren Zwischenfällen: -Störung zwischen Messel und Kranichstein und zehn Minuten „Arbeitsschutzpause Zugpersonal“ in Koblenz. Da der Zug ab KK „über die Wupper“ fuhr, musste ich mit der S-Bahn nach KKDT und von da mit dem ICE weiter, den ich – zu deutlich höherem Preis – auch schon ab NAH hätte nehmen können. Inzwischen hatte ich auch festgestellt, dass zum Entenfang mal wieder gar keine Züge fuhren, vermutlich wegen Personalmangel. Ob ich es wohl dorthin noch schaffen werde?

Also kaufte ich mir in EDG wie geplant ein 24-Stunden-Ticket der Preisstufe B, disponierte dann aber um und fuhr direkt mit der U 79 nach Düsseldorf zurück. Ich fand, dass man das Wohlstandsgefälle zwischen den beiden Nachbarstädten deutlich merkte, nicht nur am Publikum, das jeweils unterwegs war. In de Landeshauptstadt angekommen, fuhr ich ab Heinrich-Heine-Allee weiter mit der U 75 nach Neuss und stellte da fest, dass ich mit der verspäteten S 8 eventuell noch den Bus von Büttgen zum Kaarster Bahnhof erreichen würde. Das tat ich auch tatsächlich, da der wartete. Da es keine Haltestellenanzeige gab, verpasste ich aber den Halt am Bahnhof und musste durch strömenden Regen (mit zwei jungen Leuten, denen dasselbe passiert war) zurück laufen. Dank einer „genialen“ Ampelschaltung verpasste ich dann die S-Bahn zum Kaarster See, so dass mir dieses letzte Stück jetzt noch in meiner Sammlung fehlt. Aber wenigstens konnte ich so den eindeutig Nicht-DB-Haltepunkt in seiner ganzen Schönheit ablichten:

Als die Talent-Doppeltraktion zurück kam, enterte ich einen Vierersitz, den ich die ganze Zeit für mich hatte. Aufgrund des Regens musste ich mich ganz schön anstrengen, um beim Blick aus dem Fenster etwas zu erkennen, aber es war noch interessant genug. In Düsseldorf-Gerresheim bogen wir auf die andere Nebenstrecke ab, und bald hätte man das titelgebende Lied von der EAV einspielen können. Am (fast) gleichnamigen Hp (er schreibt sich mit h) gibt es nicht viel außer einem P+R-Parkplatz und einer Umsteigemöglichkeit in den Bus. Ganz ähnlich sieht es in Mettmann Stadtwald, dem ehemaligen Bahnhof Mettmann aus. Hier befindet sich nebenan die Werkstatt der Regiobahn, und ab hier soll die Strecke bis Wuppertal wiedereröffnet werden. Von der ebenfalls geplanten Elektrifizierung war übrigens noch nichts zu sehen.

Da ich wierderum nicht dieselbe Strecke zurück fahren wollte, nahm ich jetzt als fast einziger Fahrgast den Bus nach Gruiten und stieg dort in die S-Bahn. In KD angekommen, hatte ich noch fast eine Stunde Zeit, die ich zum Einkaufen des Essens für morgen und zum Essen des Essens von heute nutzte. Die Weiterfahrt erfolgte mit +5, weil der vorausfahrende ICE 2 anscheinend mal wieder Probleme bei der Flügelung hatte. Bis FFLF haten wir die trotz Halt überall auf der KRM fast aufgeholt, allerdings verlängerte sich da der Aufenthalt etwas länger, weil die Strecke nach Mannheim gesperrt war. Mir konnte es egal sein, war doch der IC nahezu pünktlich, was ja selten genug ist. Da es inzwischen auch nicht mehr regnete, konnte ich nicht nur trockenen Fußes nach Hause radeln.

Vom Ostbahnhof statt zum Ostbahnhof

Schon öfter war ich ja beruflich mit dem Nachtzug in Budapest, und gefühlt hatte der Zug nie zweimal denselben Fahrplan. Diesmal gab es gleich zwei Abweichungen: Zum einen fuhr der Zug in München statt vom Haupt- erst vom Ostbahnhof, zum anderen endete er in Budapest bereits in Kelenföld, anstatt bis zum Keleti pu. (übersetzt ebenfalls Ostbahnhof) weiterzufahren. Selbiger war nämlich wegen Bauarbeiten komplett gesperrt. Unser Firmenreisebüro war mit der Buchung leider etwas überfordert, so dass ich mit der Buchung die gewohnt kompetenten → Lennestädter beauftragte.

Wegen der Abfahrt vom Ostbahnhof mussten mein Kollege Sebastian und ich eine Stunde früher ab NAH fahren als gewohnt. Zwischen den beiden Bahnhöfen nahmen wir die S-Bahn in Gestalt eines innen komplett renovierten 423ers. In MOP angekommen, war noch genug Zeit zum Essenfassen und zeitigen Beziehen unserer Abteile. Die Fahrt verlief problemlos, und nicht zuletzt wegen der Dortmunder Nachtschicht am Samstag davor konnte ich auch gut schlafen. Neben unserem Schlafwagen war ein neuer Liegewagen eingereiht:

Neuer MÁV-Liegewagen im Nachtzug München–Budapest

Seit Eröffnung der fahrerlosen Metrolinie 4 ist Kelenföld sehr gut an die Innenstadt angebunden. Die andere Endstation ist der Keleti pu., von wo wir noch eine Station zum Stadion fuhren, in dessen Nähe die DPD-IT ihre Büros hat.

Während unseres Aufenthaltes bewegten wir uns ausschließlich per pedes und Taxi, so dass die nächste ÖPNV-Fahrt die Metrofahrt zum Bahnhof wurde. Diesmal war es der Déli pu. (Südbahnhof), von wo wir ausnahmsweise mal tagsüber zurück reisten. Ein wenig sputen mussten wir uns schon, aber letztlich nahmen wir rechtzeitig unsere reservierten Plätze im doch gut gefüllten Railjet ein. Der hatte als Ziel zwar München, doch unsere Fahrt in diesem Zug war schon nach zweieinhalb Stunden im neuen Wiener Hbf beendet. Hier hatten wir nun fast eine Stunde Aufenthalt, für die es sehr praktisch war, dass Sebastian öfter in Wien ist: Er wusste nämlich, dass nicht weit vom Hbf das Schloss Belvedere mit Park und botanischem Garten ist, so dass wir uns dort die Zeit vertrieben. Fast zu viel Zeit, denn zum Essenskauf reichte es dann nicht mehr so wirklich. Dafür bannte ich noch einen österreichisch-slowakischen Zug auf den Chip meines Handys:

Zuggarnitur Wien–Bratislava mit ÖBB-Diesellok und ZSSK- und ÖBB-Wagen

Der Anschluss-ICE fing sich auf der Westbahn wegen Bauarbeiten +10 ein, die er im weiteren Fahrtverlauf allerdings wieder loswurde. Los wurde ich auch einige Euros im Bordbistro für eine Currywurst mit deutlich verbesserter Rezeptur. Die ebenfalls zurzeit erhältlichen Mikrowellenpommes waren leider aus, sollen aber auch keine kulinarische Erfüllung sein. Als Bonus traf ich unterwegs durch den Zug noch einen Chorkollegen, der beruflich regelmäßig nach Wien unterwegs ist.

Die Weiterfahrt verlief ohne Besonderheiten. Das Bistro schloss bereits kurz vor Nürnberg, ohne dass ich es noch mal aufgesucht hätte (und dem Angestellten dort von meinem Geschmackserlebnis berichtet hätte). NAH erreichten wir pünktlich, was laut meinem Chorkollegen eher die Ausnahme ist. Nach Hause brachte mich mein treuer Drahtesel, der bisher auch mehrere Nächte am Bahnhof immer gut überstanden hat (toi, toi, toi …).

Prognosen sind besonders schwierig, …

Mensa hatte mal wieder zum Jahrestreffen nach Hamburg gerufen, also machte ich mich am Mittwochmittag auf den Weg mit dem RE nach FF. Mein Anschluss-ICE, ein 4er, war nur leicht verspätet und in der Auskunft mit „hoher Auslastung“ angekündigt. Es schien tatsächlich voll zu sein, aber überraschenderweise fand ich schon im ersten 2.-Klasse-Wagen einen Sitzplatz. Zwar am Gang, aber so unterhielt ich mich noch etwas mit meiner Sitznachbarin und döste dann ein wenig. In FKW konnte ich dann jenseits des Ganges ans Fenster wechseln, wobei der Gangplatz zeitweise auch noch belegt war. Wegen eines vorausfahrenden Zuges und einer Störung an unserem Zug hatten wir zeitweise +15, kamen aber in AA mit nur etwa +5 an. Von dort konnte ich praktischerweise zu Fuß zu meinen Gastgebern auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs gehen.

Während meines Aufenthaltes nutzte ich nicht nur den Nahverkehr, sondern es stand auch eine Besichtigung bei der Leitstelle der Hochbahn mit anschließender Fahrt mit einem Sonderzug über die Ringbahn auf dem Programm. Unser Gästeführer war die ganze Zeit dabei, beantwortete geduldig unsere Fragen und erzählte und demonstrierte auch selber einiges, zum Beispiel, dass die Notbremse bei der Fahrt mit über 15 km/h ständig überbrückt ist und es im Ermessen des Zugfahrers liegt, wo er anhält. Interessant ist auch, dass die Hochbahn – im Gegensatz leider zur Deutschen Bahn – keine Züge mit Graffiti in den Fahrgasteinsatz schickt.

Später am selben Tag nahm ich mir Zeit, am Dammtorbahnhof alle drei aktuellen Baureihen der S-Bahn auf den Chip zu bannen:

BR 472, die derzeit älteste im Bunde
BR 474, die derzeit den Löwenanteil der Fahrzeuge ausmacht
Der Newcomer BR 490

Am Samstag stand wie immer die Mitgliederversammlung an, diesmal im Bürgerhaus Wilhelmsburg. Kurz vorher hatte das Orgateam die Hiobsbotschaft erreicht, dass die S-Bahn am Wochenende just von dort bis Hammerbrook, wo das Tagungshotel lag, wegen Bauarbeiten unterbrochen war. Also rotierte das Team mehr als ohnehin schon und gab uns letztendlich die Empfehlung, entweder frühzeitig zur Nutzung des SEV vor Ort zu sein oder mit dem Regionalverkehr über Harburg zu fahren. Letzteres tat ich dann auch und kam pünktlich zur MV, wobei anstelle des Metronoms nach Bremen der vorherige nach Uelzen mit +15 fuhr.

Da die MV wie immer recht lang dauerte (diesmal bis 17.30 Uhr), waren längst nicht so viele Mitglieder zu transportieren wie vor dem Beginn. Es fand sich also noch ein Platz im SEV, der angenehmerweise ohne Halt bis Hammerbrook fuhr, wo ich die Gelegenheit für Fotos des 80er-Jahre-Ambientes nutzte:

Die Heimfahrt trat ich dann am Sonntagnachmittag nach einem Besuch bei meiner Tante in Rahlstedt an. Für den Wochenendverstärker-IC hatte die Auskunft sogar vor einer „außergewöhnlich hohen Auslastung“ und einer ausgebuchten 2. Klasse gewarnt, die dann letztendlich so aussah:

Pünktlich waren wir auch und es gab eine Minibar, so dass als einziger Kritikpunkt die unangekündigte umgekehrte Wagenreihung blieb. So erreichte ich NAH wie geplant um 20.00 Uhr und gönnte mir zur Feier des Tages ein Taxi, da ich einen Koffer dabei hatte und weder laufen noch eine halbe Stunde auf den letzten Bus warten wollte.

Sneeuw van gisteren

Letzte Woche musste ich zweimal beruflich zum Amsterdamer Flughafen. Selbstverständlich hielt mich der Zielort nicht davon ab, mit dem Zug zu fahren, zumal der erste Termin am Montag war und ich mir so am Sonntag noch etwas die Stadt und den örtlichen ÖPNV angucken konnte. Sowohl für die Hin- als auch für die Rückfahrt entschied ich mich für eine Umsteigeverbindung über Venlo; am Sonntag wurden die ICE FFNAH XNAC ohnehin über diese Strecke umgeleitet.

Los ging es am Sonntag mit dem ICE nach Düsseldorf, das ich auch ohne Probleme erreichte. Ebenso problemlos gelang die Weiterfahrt nach Venlo. Die Strecke kannte ich zwar im Prinzip, aber die letzte Fahrt war schon eine Weile her. Da wir in Breyell einen Güterzug kreuzen mussten (ein zweites Streckengleis wäre hier schon praktisch), erreichten wir Venlo mit ein paar Minuten Verspätung. Leider halten die Züge aus Deutschland ganz am Ende des Bahnsteigs, so dass der Umstieg mit einiger Lauferei verbunden ist. Dank wenig Gepäck schaffte ich es aber problemlos in den niederländischen IC.

Der fuhr wegen Bauarbeiten an diesem Tag nicht direkt nach Schiphol, wo ich aber ohnehin noch nicht gleich hinwollte, sondern nach Lelystad. Beim Unterwegshalt in Amsterdam Bijlmer ArenA verließ ich den Zug und machte erst mal ein paar Bilder von Metro und Doppelstock-IC bei strahlender Wintersonne:

DD-IRM der NS am Bahnhof Amsterdam Bijlmer ArenA
Baureihe M6 der Amsterdamer Metro
Baureihe M4 der Amsterdamer Metro

Mit der Metro machte ich mich dann auf in die Stadt, wo ich natürlich noch weitere ÖPNV-Bilder machte, aber auch das Sightseeing nicht zu kurz kam:

Kanal in Amsterdam in der Winterdämmerung

Dann machte ich mich auf den Weg nach Schiphol, was an diesem Tag wegen der Bauarbeiten leider nicht duchgehend mit dem Zug ging. Stattdessen musste ich in Sloterdijk in den SEV umsteigen, der aber hervorragend organisiert war. Bei meiner Ankunft hatte sich eine lange Schlange gebildet, die sich jedoch durch die Abfahrt der Busse etwa im Minutentakt und die professionelle Reisendenlenkung sehr schnell abbaute. So erreichte ich problemlos den Flughafen, von wo ich einen Shuttle zum Hotel nahm, in dem das Meeting stattfand.

Nach dessen Ende ging es praktisch ebenso zurück wie hin, nur dass ich ab Schiphol diesmal direkt nach Venlo fahren konnte. Dank des symmetrischen Fahrplans war die Umsteigezeit dort wieder recht knapp, reichte aber aus. Auch in Düsseldorf war nicht viel, aber genug Zeit, um den ICE zu erreichen. Mit dem ging es diesmal nur bis FFLF, da der letzte ICE nach NAH schon weg war. Stattdessen hieß es auf den IC warten, der wie so oft Verspätung hatte. Angekündigt waren erst +25, zwischendurch +15, letztendlich war es fast eine halbe Stunde später, die ich mein Rad in Empfang nehmen konnte, das ich in weiser Voraussicht am Bahnhof geparkt hatte.

Zwei Tage später ging es wieder los, diesmal zur nachtschlafenden Zeit von 6:33 Uhr. Immerhin beförderte mich Triebzug „Recklinghausen“ bis nach FF, wo die Zub-in stolz verkündete, dass wir zwei Minuten vor Plan seien. Nach dem Aussteigen stellte ich gerade noch rechtzeitig fest, dass der ICE International ausfallen sollte. Also wieder in den „heimatlichen“ ICE und doch wieder auf die Route über Venlo umgeschwenkt. Der RE dorthin hatte ein paar Minuten Verspätung, die er beim Wendehalt in Mönchengladbach wieder abbauen konnte. Aber (scheinbar) zu früh gefreut: Vor Viersen standen wir wegen einer Weichenstörung wieder ein paar Minuten in der Landschaft herum. Im Unterschied zur ersten Fahrt in einer schneebedeckten, was laut Tf auch der Grund für die Störung war. In XNVL angekommen, rechnete ich schon damit, erst den nächsten IC eine halbe Stunde später erreichen zu können. Doch auf dem Weg zum Bahnhofsgebäude kamen mir plötzlich Menschenmassen entgegen, nämlich genau aus meinem eigentlichen Anschlusszug, der ebenfalls Verspätung hatte. Also schnell in den Zug, der auch bald losfuhr, und ins WLAN („Wifi in de trein“) eingeloggt, das allerdings mehr schlecht als recht funktionierte (auf den anderen Fahrten auch mal besser, manchmal fiel aber auch der Internetzugang komplett aus). Zu allem Überfluss verkündete auch noch der Zugchef, dass der Zug heute „wegen der großen Verspätung“ (weniger als +10!) in Eindhoven enden würde. Aber in den Niederlanden muss man selten lange auf den nächsten Zug warten, und so ging es kurze Zeit später weiter, so dass ich mit einem weiteren Umstieg in Utrecht mein Ziel mit weniger als eine Stunde Verspätung erreichte. Unterwegs hielt ich noch die weiße Landschaft fotografisch fest:

Seltenes Ereignis: Schnee in den Niederlanden

Wegen dieses „Schnees von gestern“ hatten die NS am Vortag auch einen „angepassten“ Fahrplan mit kürzeren Zugläufen und demzufolge mehr Umstiegen gefahren, den ich hier schon mal erwähnt hatte. Meine niederländische Kollegin musste allerdings sehr lachen, als ich diesen als „Notfahrplan“ bezeichnete. Heute schien aber, abgesehen von der Verspätung in Venlo, wieder alles normal zu laufen.

Auch die Rückfahrt am nächsten Tag verlief völlig problemlos. Von Schiphol ging es über die mir jetzt wohlbekannte Strecke nach Utrecht. Dort wollte ich die Zeit für Busfotos nutzen, die Sperre ließ mich aber nicht raus. Also Proviant gekauft und in den ICE nach FF gestiegen. Dort wies die Zub-in mehrmals darauf hin, dass der Zug voll sei und Inlandsfahrgäste bitte die Züge der NS benutzen mögen. Zumindest war der Zug aber nicht so voll, dass er nicht pünktlich hätte abfahren können, das WLAN funktionierte mit einer Unterbrechung an der Grenze auch sehr gut. Auf deutscher Seite zogen wir uns wegen vorausfahrender Güterzüge (auch davon habe ich an selber Stelle schon früher berichtet) zwischenzeitlich +5 zu, erreichten FF aber so rechtzeitig, dass der 8-min-Anschluss zum RE noch klappte und ich somit pünktlich um 21:15 den Heimatbahnhof wieder erreichte.

Bienvenue !/¡Bienvenido!/Ongi etorri!/Bienveníu!/Benvido! (5/5)

So, nachdem schon wieder der nächste Bahnurlaub ansteht, schließe ich endlich mal meinen Reisebericht vom letzten ab. Hier habt ihr verfolgt, was ich auf dem Weg von Santander über Oviedo nach La Coruña alles erlebt habe.

Sonntag, 25.03.2018

Trotz Zeitumstellung fühle ich mich halbwegs ausgeschlafen und gehe tatsächlich zum Frühstück in ein Café direkt an der Hafenpromenade eine Straße weiter. Dann erkunde ich ein wenig die Stadt, zuerst zu Fuß und dann mit dem Bus. So etwas wie ein Tagesticket gibt es leider nicht. Aber mit 1,30 Euro sind die Einzelfahrten auch nicht gerade teuer. Wer häufiger fährt, kann eine Transponderkarte kaufen, mit der es dann Rabatt gibt. Dieses Konzept haben übrigens die meisten Städte auf meiner Reise.

Mit dem Bus fahre ich in die Nähe des aus römischer Zeit stammenden Herkulesturms.
Herkulesturm

Die historische Straßenbahn, die dort am Ufer entlang fährt, ist leider schon eine Weile außer Betrieb.
Gleise und Masten der historischen Straßenbahn La Coruña

Detail an einem Mast der historischen Straßenbahn La Coruña

Detail in der Altstadt von La Coruña

Detail in der Altstadt von La Coruña

Detail in der Altstadt von La Coruña

Dann begebe ich mich langsam zurück zum Hotel. Am Rechner in der Lobby checke ich E-Mails. Die Rezeptionistin bittet mich, kurz nach dem Rechten zu sehen, während sie im Haus unterwegs ist. Als sie wiederkommt, lasse ich mir meinen Koffer aus dem Gepäckraum geben, und sie verabschiedet sich mit Wangenküsschen von mir.

Zum Bahnhof fahre ich wieder mit dem Bus. Mein Zug ist diesmal keine Gumminase (BR 594), sondern eine 599.
Renfe-BR 599 im Bahnhof A Coruña

A Coruña                 ab 15.45 Regional 12431
Santiago de Compostela   an 16.25

Ich mache es mir bequem und bin einigermaßen überrascht, dass der Regionalzug bis auf 160 km/h beschleunigt. Aber anscheinend gibt es zwischen La Coruña und Santiago nur die für bis 200 km/h trassierte Ausbaustrecke, an der auch einige Regionalbahnsteige an Nebengleisen liegen. Interessant ist auch, dass der Zug dieselbetrieben ist, obwohl meines Wissens inzwischen die gesamte Strecke bis Vigo (die „Atlantik-Achse“) elektrifiziert ist.
Bahnhof Cerceda-Meirama

Schließlich ist das Ziel meiner „Schienenwallfahrt“ erreicht:
Bahnhof Santiago de Compostela

Meine Unterkunft, wiederum ein Hostal, kann ich zu Fuß vom Bahnhof aus erreichen. Zur Abwechslung gerate ich diesmal an einen deutschen Rezeptionisten. Nachdem ich mich kurz in meinem Zimmer ausgeruht habe, mache ich mich auf den Weg in die ebenfalls nicht weit entfernte Altstadt. Auf einen Tipp von Janice hin habe ich im Netz nachgeschlagen und herausgefunden, dass heute – am Palmsonntag – um 18 Uhr eine Prozession stattfindet, die ich mir nun angucke.
Palmsonntagsprozession in Santiago de Compostela

Palmsonntagsprozession in Santiago de Compostela
Die Masken wirken ja etwas gruselig, aber wenigstens bekommt man keine Datenschutzprobleme …

Schließlich besuche ich auch das Ziel der echten Pilger. Einen umbauten Platz finde ich übrigens hier nicht.
In der Kathedrale von Santiago de Compostela

Kathedrale von Santiago de Compostela

Anschließend kaufe ich ein paar Andenken für die Familie zu Hause und gucke mich dann nach etwas zu essen um. In einem kleinen Restaurant lacht mich das „Pilgermenü“ an. Drinnen sitzt bereits eine junge Frau alleine, die ich an ihrem Akzent sofort als Deutsche erkenne. Sie stellt sich als Lisa vor, Studentin aus Passau, die tatsächlich gepilgert ist. Wir unterhalten uns nett, auch wenn ich ihre Begeisterung fürs Pilgern nicht so ganz teilen kann, und stellen fest, dass wir am nächsten Tag denselben Rückflug gebucht haben. Sie schläft in der Pilgerherberge direkt nebenan, ich gehe zurück in mein Hostal.

Montag, 26.03.2018

Beim Aufstehen kann ich mir Zeit lassen – Frühstück gibt es im Hostal nicht, und mein Flug geht erst nachmittags. Also frühstücke ich nebenan im Café und mache dann noch hauptsächlich Fotos von den örtlichen Bussen. Dann hole ich meinen Koffer aus dem Hostal und gehe zum Bahnhof, von wo ich den Bus zum Flughafen nehme. Den nutzen nicht nur Fluggäste, sondern auch die Anwohner der am Weg liegenden Dörfer.
Am Flughafen angekommen, gehe ich durch die Sicherheitskontrolle und gönne mir wenigstens einmal eine regionale Spezialität, die Suppe „Caldo Gallego“ mit Steckrübenblättern:
Caldo Gallego, Spezialität Galiziens

Am Gate treffe ich dann auch Lisa wieder und wir unterhalten uns noch kurz, bevor es in den Flieger geht.

Santiago de Compostela   ab 16.10 FR 4478
Frankfurt-Hahn           an 18.30

Der Flug verläuft ereignislos, abgesehen davon, dass ich mir beim Bordverkauf einen Instantkaffee gönne. HHN erreichen wir pünktlich:
Ryanair-Flug 4478 ist gerade aus Santiago de Compostela in Hahn gelandet

Zwischenzeitlich hatte ich eine SMS bekommen, dass sich die Abfahrtzeit meines Busses verschoben habe, aber jetzt steht er doch schon da, und ich steige ein. Lisa hat einen nächtlichen Flixbus gebucht und bleibt daher noch etwas am Flughafen.

Frankfurt-Hahn           ab 19.10 LUX-FRA A3
Frankfurt Hbf            an 21.00

Der Bus kommt gut durch, und so erreichen wir den Frankfurter Hbf bereits kurz nach 20.30 Uhr. Ich richte mich darauf ein, den ICE um 20.54 Uhr zu nehmen. Allerdings fährt der vorangehende IC nicht nur wegen Bauarbeiten heute später, sondern hat darüber hinaus auch noch Verspätung. Da die planmäßige Abfahrtszeit vorbei ist, buche ich im Navigator einen Flexpreis für den nächsten IC. Wegen eines Fehlers in der App kaufe ich den Fahrschein versehentlich zweimal, bekomme den zweiten Kauf aber später problemlos zurückerstattet.

Frankfurt Hbf            ab 20.37 IC 2229
Aschaffenburg Hbf        an 21.06

Mit etwa +15 gegenüber dem Baustellenfahrplan in NAH angekommen, bleibt noch Zeit, etwas zu essen, bevor ich mich dann mit der kurz vorher neu eingeführten RB um 21.39 Uhr auf den Weg zum Hp an der Hochschule mache. Am Bahnsteig bekomme ich noch eine unschöne Streiterei mehrerer Männer mit, die fast in einer Schlägerei endet.

Aschaffenburg Hbf        ab 21.39 RB 23351
Aschaffenburg Hochschule an 21.41

Zu Hause angekommen, stelle ich fest, dass die beste Freundin gerade versucht hat, mich zu erreichen. Also rufe ich zurück und lasse den Abend mit einem Gespräch ausklingen, bei dem ich gleich von meinen Reiseerlebnissen berichten kann. Das habe ich nun hier auch getan. Vielen Dank fürs Lesen, ich hoffe, es hat euch gefallen!