Ursprünglich hatte ich die Serie nur auf drei Teile angelegt, jetzt gibt es schon den fünften und ein Spezial … Da ich am Sonntag mal wieder in der Heimat war, hatte ich die Idee, meine allerersten Bahnfotos zu reproduzieren und ein wenig über die Veränderungen seitdem zu schreiben.
Zunächst noch etwas weiter in die Vergangenheit: Mitte der 70er-Jahre bekam die Stadt Marl, die aus einer Ansammlung von Dörfern entstanden ist, ein neues Zentrum auf der „grünen Wiese“. Dazu gehörte unter anderem das Rathaus, das Einkaufszentrum „Marler Stern“, aber auch ein Haltepunkt an der kurz zuvor eröffneten Strecke Abzweig Lippe – Gelsenkirchen-Buer Nord. Wie der daneben liegende Busbahnhof erhielt er den Namen „Marl Mitte“. Ab den Achtzigerjahren wurde die Strecke im Taktverkehr befahren, wegen des langen eingleisigen Abschnitts aber nur stündlich. Da die Züge über die damals noch nicht elektrifizierte Strecke nach Langenberg bzw. später nach Wuppertal weiterfuhren, fuhren die Züge trotz Fahrdraht mit Dieselvorspann. Eingesetzt wurden 216er mit n-Wagen, die am Anfang noch ihrem Spitznamen „Silberlinge“ alle Ehre machten.
Einen solchen Zug bannte ich an einem unbekannten Tag im April 1993 auf den analogen Film:

Genau bekannt ist dagegen das Datum des zweiten Bildes vom Hp Marl Mitte, das ich am 14. August 1993 auf dem Weg zu einem Feriencamp in Bochum-Dahlhausen machte:

Wozu der mit „Bahnhof“ beschriftete Bau diente, ist mir nie so ganz klar geworden. Es handelte sich um eine Art nach einer Seite offenen Halle, auf der anderen Seite befand sich eine vergitterte fensterartige Öffnung zur Bahnstrecke. So etwas wie Bänke oder gar einen Fahrkartenschalter gab es dort nicht, für eine Wartehalle wäre es dort auch viel zu zugig und zu weit weg vom Bahnsteig gewesen. Dafür gab es ja auch die Wartehäuschen auf dem Bahnsteig.
Fast auf den Tag genau 33 Jahre später, am 9. August 2026, sah es auf dem Bahnsteig in Marl Mitte so aus:


Was sich anscheinend am wenigsten verändert hat, ist der Bahnsteig selber: Da man ihn vorausschauenderweise schon in der S-Bahn-kompatiblen Höhe von 76 Zentimetern errichtet hatte, brauchte er nicht mehr erhöht zu werden, als 1998 endlich die „echte“ S 9 kam, die die vorherige Linie 9 (ohne S) ablöste und zunächst nur bis Essen fuhr. Als dann auch die Strecke weiter nach Wuppertal elektrifiziert war, fuhren die S-Bahnen ab 2003 auch bis dorthin. Eingesetzt wurden – wie auf der gesamten S-Bahn Rhein-Ruhr – zunächst 143er mit x-Wagen, zeitweise auch 420er, später dann 423er und jetzt Flirts, die in vom VRR vorgegebenen Farben unterwegs sind.
Wie man sieht, sind die Aufbauten oben auf der Brücke verschwunden. Die Treppe zum Bahnsteig befindet sich jetzt auf der dem Fotografen zugewandten Seite. Auf der anderen befindet sich ein Aufzug, der auch den Busbahnhof und den Marler Stern barrierefrei erreichbar macht. Vom Bahnsteig gibt es noch einen ebenerdigen Zugang in die angrenzende Siedlung. Dieser führt über die Fläche, die für das zweite Gleis freigehalten wurde, das vermutlich nie gebaut wird.
Noch ein kurzer Blick auf den Busbahnhof: Der war in den Siebzigern mit den damals üblichen parallelen schmalen Bussteigen gebaut worden und sah 1993 schon nicht mehr ganz taufrisch aus:


Hier hat man – im Rahmen der Umgestaltung des gesamten Stadtzentrums – Nägel mit Köpfen gemacht und im März 2005 den Busbahnhof verlegt, und zwar an die Stelle, an der sich früher die Zufahrtsrampe für den alten befand (in den Bildern oben rechts vom Bildrand). Die Neigung, die er daher hat, sorgte anfangs für Diskussionen, mir sind aber keine praktischen Probleme damit bekannt. Wie inzwischen üblich, besteht er aus einer großen Mittelinsel, um die herum die sägezahnartigen Bussteige angeordnet sind:

Der alte Busbahnhof befindet sich nun wiederum links vom Bildrand und ist beim Umbau durch eine relativ einfallslose Betonfläche ersetzt worden. Links im Bild ist die Brücke zum Haltepunkt erkennbar, rechts der neue Busbahnhof. Dazwischen im Hintergrund befindet sich das Kundenzentrum mit Sozialräumen für das Fahrpersonal. Ersteres bestand 1993 nur aus einem zugigen Schalter am Rand des Busbahnhofs, ziemlich genau links neben dem Fotografen.

Fazit: Marl ist nicht die schönste Stadt der Welt und Marl Mitte sicher auch nicht der schönste Bahnhof. Insgesamt haben Haltepunkt und Busbahnhof seit 1993 aber schon ein wenig gewonnen – auch wegen der Verkehrsverbindungen von dort, über die ich in den früheren Folgen schon geschrieben habe.






































