30 Jahre ICE – und ich

Heute vor 30 Jahren fuhr der erste planmäßige Hochgeschwindigkeitszug in Deutschland: der ICE, dessen Abkürzung damit nicht mehr „InterCityExperimental“, sondern „InterCityExpress“ bedeutete. Da damals mein Eisenbahninteresse gerade erwacht war, fand ich dieses Ereignis sehr spannend. Da ich aber selten selber Bahn fuhr und wenn, dann meistens vom Ruhrgebiet nach Hamburg, berührte es mich eher weniger persönlich. Immerhin hatte ich aber 1994 auf dem Bahnfest in Wanne-Eickel meine erste Begegnung mit einem stehenden ICE, dem späteren ICE 1:

Jan vor einem ICE 1

Auch das erste Innendesign hielt ich fotografisch fest, besonders faszinierten mich das damals hochmoderne Btx-Terminal und die Videobildschirme in der 1. Klasse:

1. Klasse eines ICE 1 im ursprünglichen Design
Bordrestaurant eines ICE 1 im ursprünglichen Design
Btx-Terminal in einem ICE 1
Videobildschirm im Sitz eines ICE 1

Es sollte noch drei weitere Jahre dauern, bis ich tatsächlich meine erste Fahrt in einem ICE machte, wenn auch noch nicht mit Hochgeschwindigkeit: Im Juni 1997 fuhr ich auf dem Rückweg von einem Seminar mit einem ICE 2 von Köln nach Essen. Auch dessen originales Design wirkte gleichzeitig poppig und kühl:

Einstiegsbereich eines ICE 2 im ursprünglichen Design

Erst 2002 fanden dann meine ersten Hochgeschwindigkeitsfahrten statt: Im August von Berlin ins Ruhrgebiet und im November von dort nach Bamberg über die gerade neu eröffnete Neubaustrecke Köln–Rhein-Main (KRM). Besonders letztere hat mich nachhaltig beeindruckt, konnte ich doch erstmals in Deutschland mit der Geschwindigkeit von 300 km/h reisen, die ich sonst nur vom TGV und seinen Brüdern Thalys und Eurostar kannte. Von meiner Premierenfahrt auf der KRM drehte ich sogar ein Video, das allerdings noch seiner Digitalisierung harrt und daher seit Jahren unangesehen ist. Sehr gediegen fand ich die Inneneinrichtung der für die KRM neu angeschafften ICE 3:

2. Klasse eines ICE 3 im ursprünglichen Design

Und heute? Bei der Eröffnung der KRM konnte ich noch nicht ahnen, dass sie wenige Jahre später zu meiner wohl meistbefahrenen Fernstrecke werden würde und ich dadurch so manche Stunde sparen würde (eine große rote 1 stand zur Eröffnung der KRM am Frankfurter Hbf, um die eingesparte Stunde zu symbolisieren). Durchs Rheintal fuhr ich nur noch, um Geld zu sparen und/oder die Aussicht zu genießen. Natürlich ist ICE-Fahren dadurch etwas viel Normaleres geworden, aber ich genieße immer mal wieder die Aussicht aus dem Fenster bei über 200 km/h, auch wenn sie natürlich nicht so spannend ist wie an der Loreley.

Die Zahl der ICE-Baureihen hat sich inzwischen noch weiter vergrößert, und mit dem ICE-TD ist eine leider schon wieder von deutschen (und dänischen) Schienen verschwunden (wenigstens nicht ohne dass ich mitgefahren wäre und ein nicht allzu gutes Foto gemacht hätte). Die älteren noch eingesetzten Baureihen haben auch schon ihr inneres und äußeres Redesign hinter sich, auch der Jubilar ICE 1, der durch eine Lebensdauerverlängerung noch ein paar Jährchen vor sich hat.

In Foren wie dem → ICE-Treff haben viele anlässlich des Jubiläums beklagt, dass das Reisen immer mehr der Beförderung gewichen sei, was sich unter anderem an Abstand und Design der Sitze bemerkbar macht. Das stimmt zwar einerseits, andererseits hat aber auch das Mobilitätsbedürfnis der Menschen (wie ja auch meins) zugenommen. Gerade unter dem Aspekt, dass die Bahn ein (halbwegs) klimafreundliches Verkehrsmittel ist, ist es gut, wenn sie daran teilhat, auch wenn Zuhausebleiben nicht nur gegen Corona, sondern auch für das Klima die wirksamste Methode ist. In diesem Sinne: Auf die nächsten 30 Jahre mit vielen (natürlich möglichst klima- und pandemieverträglichen) ICE-Fahrten!

It’s coming home, it’s coming, …

Auch Züge kommen mal „nach Hause“: Seit einiger Zeit haben ja die meisten ICE-Zuggarnituren einen Taufnamen, der auf eine Stadt verweist. Manchmal ist das eine, die nie einen ICE sehen wird (und teilweise mangels Elektrifizierung auch gar nicht kann). Mein Wohnort Aschaffenburg dagegen ist nicht nur prinzipiell Halt von ICE-Zügen, sondern zumindest am Tagesrand auch des ICE 1, von dem eine Garnitur nach der Stadt benannt ist. So kam es am Dienstag zu der Begegnung von Zug und Stadt Aschaffenburg, deren Zeuge ich eher zufällig beim Abholen meiner Freundin wurde:

ICE „Aschaffenburg“ in Aschaffenburg Hbf

Etwas anderes Ziel – viel pünktlichere Ankunft

Vorletzten Sonntag war mal nicht Bremen, sondern Osnabrück mein Ziel. Dahin sollte ich öfter fahren, denn sowohl die Hin- als auch die Rückfahrt klappten tadellos: hin mit dem ICE der L31, der nur frühmorgens und spät abends in NAH hält. Der würde zwar auch nach HO fahren, allerdings war es schneller und billiger, in FFLF in den ICE über die KRM und in KK in den IC nach Westerland umzusteigen. Beides klappte hervorragend, so dass ich das Zentrum des Osnabrücker Landes (sinnreiche Eigenwerbung) pünktlich um 11.21 Uhr erreichte. Zurück fuhr ich aus Kostengründen ohne Umstieg über die Rheinstrecke – richtig ungewohnt, so lange im selben Zug zu sitzen, wobei die Maskenpflicht erstaunlich wenig störte. Auch dieser Zug war einer, der in NAH hielt, das ich ebenfalls pünktlich erreichte.

Die Rhön ist schön

Am letzten Samstag ging es mal wieder auf Bahntour, diesmal wieder mit Kumpel Daniel, der mich schon ein paarmal begleitet hatte. Wir begegneten uns im ICE nach FFLF und testeten dort erst mal die neue Lounge. Vor allem der Eingangsbereich macht deutlich mehr her als bei der (direkt nebenan gelegenen) alten, und das Personal war auch sehr freundlich.

Eigentliches Ziel der Tour war aber eine Fahrt mit dem ehemaligen → Metropolitan (MET), dessen Fahrzeuge ja seit seiner Einstellung als lokbespannte ICE-Splittergattung unterwegs sind, zurzeit unter anderem zwischen FFLF und Berlin. Der Zug traf auch pünktlich ein, im Gegensatz zum ICE aus Brüssel. Da dieser das eigentlich für den Ex-MET vorgesehene Gleis 4 brauchte, fuhr dieser auf dem fotogeneren Gleis 6 ein:

Während der Bahnsteigwende war auch genug Zeit für ein paar Innenaufnahmen:

Trotzdem fuhren wir natürlich auch eine Weile mit, nämlich bis Fulda, dem nächsten Halt hinter Frankfurt. Da wir nun schon mal da waren, hatte ich noch eine Fahrt mit der Rhönbahn nach Gersfeld eingeplant. Zu der hatten wir nach der pünktlichen Ankunft am Nachbarbahnsteig direkt Anschluss. Die Strecke ist recht idyllisch, lohnt aber wahrscheinlich keine eigene Anreise. An der Endstation angekommen, hätten wir noch mit dem Bus mit dem amüsanten Namen RhönRadBus auf die Wasserkuppe fahren können, was wir aber auf ein anderes Mal verschoben.

Der RhönRadBus

Stattdessen tuckerten wir mit der HLB wieder zurück und hatten in Fulda wiederum direkt Anschluss, diesmal an den RE zurück Richtung FF. Der fuhr aufgrund von Bauarbeiten sogar am selben Bahnsteig ab und war angenehm leer und pünktlich. In FH verabschiedete ich mich von Daniel und fuhr wiederum mit der HLB nach NAH (Überraschung: inzwischen hält in dieser Richtung nur noch jede zweite RB in Rückersbacher Schlucht, weil dahinter der IC[E] hängt). Nicht nur konnte ich vor der relativ kurzen Tour ausschlafen, danach war auch noch genug Zeit, um mir Essen zu kochen und nicht auf das angewiesen zu sein, was es unterwegs so gab. Viel Zeit hatten wir ja ohnehin nur am Flughafen gehabt, und da hatte das meiste tatsächlich noch zu.

Gen u.a. Genua

Meistens hält mich, wenn ein Feiertag auf einen Freitag oder Montag fällt, nichts in Aschaffenburg. So auch Anfang Januar, obwohl ich ja gerade erst aus dem Weihnachtsurlaub zurück gekommen war. Nach genau einem Arbeitstag, der wegen des Freitags auch noch verkürzt war, machte ich mich auf den Weg nach NAH, um dort in den ICE nach MH zu steigen. Da kam ich erfreulicherweise pünktlich an und hatte somit wie geplant eine Stunde Zeit, die ich mit der Besorgung von Essen und einem Besuch in der Lounge verbrachte.

Weiter ging es mal wieder mit dem Nightjet, diesmal dem nach Mailand, der gemeinsam mit dem Zugteil nach Rom bereits um 20.10 Uhr abfuhr. Wieder hatte ich mir ein Einzelabteil gebucht, wieder den Zuschlag für die eigene Dusche allerdings nicht gegönnt. Das Abteil war noch in Sitzstellung, was ich prompt vergaß zu fotografieren. Der freundliche Zub zeigte mir aber, wie ich nachher das Bett ausklappen konnte, was ich kurz nach der Abfahrt in Rosenheim auch tat und mich dann etwa in Salzburg ins Bett legte.

Schlafen tat ich wie immer nicht so gut wie zu Hause, aber trotzdem einigermaßen ausreichend. Die ÖBB hatte mich nach der Buchung informiert, dass der Zielbahnhof des Zuges von Centrale auf Porta Garibaldi geändert worden war. Der angenehme Nebeneffekt war, dass wir dort früher ankommen und ich damit noch einen früheren Anschlusszug an mein Fahrtziel Genua erreichen sollte. Das mit dem Früherankommen klappte auch, der Anschluss scheiterte daran, dass der Zug bereits voll war (schönen Gruß von der Reservierungspflicht). Also hieß es zwei Stunden in Mailand totschlagen, was ich dazu nutzte, die Metro fotografisch zu dokumentieren, was mir bei meinem Besuch 2014 entgangen war. Als ideal dafür stellte sich die oberirdisch gelegene Station Cascina Gobba heraus.

„Leonardo“-Metrozug

Als ich damit fertig war, graste ich noch die Züge am Hauptbahnhof ab. Mein Zug war der Thello nach Marseille, eine Kooperation der italienischen Staatsbahn mit der privaten französischen Transdev.

2.-Klasse-Wagen des Thello

Der war tatsächlich ebenso voll wie der Bahnhof und der Zug davor, vermutlich wollten viele Mailänder, die wie ich ein langes Wochenende hatten, an die Küste fahren. Immerhin kam ich während der anderthalbstündigen Fahrt aber dazu, ein wenig Schlaf nachzuholen.

Am Ziel angekommen, marschierte ich zum Hostel, das nur wenige Gehminuten vom „Hauptbahnhof“ Piazza Principe entfernt war, und ruhte mich erst mal kurz aus, bevor ich im strahlenden Sonnenschein die Stadt erkundete.

Der Genueser Dom, mehr Bilder in meinem Album

Hervorstechendes Merkmal in der steil von der Küste ansteigenden Stadt sind die vielen Aufzüge, die interessanterweise Teil des öffentlichen Nahverkehrs und damit kostenpflichtig sind (kontrolliert hat mich aber niemand). Ein besonders interessantes Exemplar ist der Ascensore Castello d’Albertis-Montegalletto, der erst horizontal in den Berg hinein und dann senkrecht fährt.

Mitfahrt mit dem Ascensore Castello d’Albertis-Montegalletto

Gegessen habe ich an beiden Tagen im → Mercato Orientale, in dessen Mitte es einen „Food Court“ mit allen möglichen Spezialitäten gibt. Im Gegensatz zum eigentlichen Markt hat der auch sonntags geöffnet.

Blick in den Mercato Orientale

Auch eine Metro gibt es in Genua, die allerdings nur aus einer eher kurzen Linie besteht, die unter anderem die beiden wichtigsten Bahnhöfe Piazza Principe und Brignole verbindet.

Neuer Metrozug in der östlichen Endstation Brignole

Ebenfalls sehenswert ist der Stadtteil Nervi am östlichen Stadtrand, in dem es Parks und eine schöne Küstenpromenade gibt.

Park in Nervi

Und schon war der Montag gekommen, an dem ich vor der offiziellen Frühstückszeit aufbrechen musste. Die sehr nette Inhaberin des Hostels hatte mir aber schon am Vorabend Frühstück vorbereitet, so dass ich nicht ohne Espresso und Croissant das Haus verlassen musste. Die erste Etappe führte mich in der Premium-Klasse des Hochgeschwindigkeitszugs Frecciarossa, wo es noch mal gratis Kaffee gab, nach Verona. Die Stunde Aufenthalt dort nutzte ich natürlich wiederum für Fotos, bevor ich den Brenner-EC bestieg. Da Trenitalia dafür keine Fahrkarten verkauft, haben DB und ÖBB sogar ein eigenes Reisezentrum in Verona eingerichtet. Der Zug kam von der Streckenlok geschoben aus der Abstellung und war zuerst angenehm leer. Das änderte sich, je näher wir dem Brenner kamen, bis schließlich gleichzeitig eine vierköpfige Familie und zwei Brasilianer, alle mit viel Gepäck, mein Sechserabteil enterten. Das wurde mir dann doch etwas zu viel, so dass ich mich in den Nachbarabteilen auf die Suche (und der Familie unnötigerweise ein schlechtes Gewissen) machte und auch fündig wurde.

So konnte ich die Weiterfahrt genießen, was allerdings durch unklare Standzeiten am Brenner und in Innsbruck getrübt wurde, die uns +17 einbrachten. Meine Übergangszeit in München betrug 23 Minuten. Zum Glück wurde die Verspätung aber etwas weniger, so dass sogar noch ein kleiner Umweg zum Essensstand drin war. Auch diese ICE-Fahrt verlief völlig ereignislos, so dass ich pünktlich um 19.32 Uhr meinen Heimatbahnhof erreichte, wo mich schon der Asia-Imbiss und mein Drahtesel erwarteten.

Halb so wild

Zum zweiten Mal fuhr ich über Weihnachten nach Lübeck, diesmal in Begleitung meiner Eltern, die sich noch mein Chorkonzert angehört hatten. Für die Hinfahrt hatte uns die DB gewarnt, dass der Zug von NAH nach NWH ausgebucht sei, weil er nur mit einem Zugteil fuhr. Das erwies sich aber letztlich als halb so wild: unsere reservierten Plätze waren noch frei, und auch noch einige andere in unserem Wagen. Auch im Anschlusszug mussten wir niemanden von den Plätzen verscheuchen, und so konnten wir entspannt und wieder durchgehend über die SFS gen Norden fahren. Die geringe Verspätung hatten wir zwar zwischenzeitlich wieder herausgefahren, zogen sie uns in der Anfahrt auf AH aber wieder zu, so dass wir den Anschlusszug nach AL knapp verpassten. Auch dazu passt aber der Titel, waren wir doch zu dritt und fuhr der nächste Zug schon nach einer halben Stunde, was dann unsere Gesamtverspätung ausmachte.

Bleibt nur noch, allen Lesern frohe Weihnachten zu wünschen!

Zweimal umdisponiert

Am Wochenende war mal wieder Dortmund mein Ziel. Und wieder hatte ich zwei „langsame“ Verbindungen gebucht, weil die direkte sehr teuer war. Hin sollte es mit dem RE nach FF gehen, weiter mit der umgeleiteten S-Bahn nach FFLF und weiter mit dem ICE aus Basel. Nur leider hatte der wegen einer Oberleitungsstörung mindestens +30, so dass ich versuchte, den direkten ICE um 16.33 Uhr ab NAH noch zu erreichen. Das scheiterte knapp, was mir aber nicht ungelegen kam, denn so konnte ich noch einkaufen und essen und den nächsten direkten ICE nehmen. Der war trotz der Aufschrift genauso groß wie alle anderen:

Die Fahrt verlief auch ohne Komplikationen, so dass ich etwa 20 Minuten später als ursprünglich vorgesehen EDO erreichte. Mein eigentlich vorgesehener ICE hatte inzwischen +90.

Für die Rückfahrt am Sonntag hatte ich auch einen direkten Zug gebucht, allerdings den IC um 16.38. Natürlich checkte ich am Vormittag regelmäßig die App, und siehe da: Kurz nach der planmäßigen Abfahrt in Kiel wurde der Zug als ausgefallen gemeldet. Also disponierte ich zum zweiten Mal um und fuhr früher als geplant zum Bahnhof. Dort erlebte ich als Besonderheit einen umgeleiteten IC aus Norddeich, der EDO ohne Halt durchfuhr. Mein ICE fuhr praktisch zeitgleich mit dem Thalys, der interessanterweise planmäßig über die Köln-Mindener Strecke nach Essen fährt. Ebenso interessant: Während mein ICE, der Düsseldorfer Teil der Linie 10, EDO auf Gleis 11 verließ, durchfuhr der Kölner Teil den Bahnhof ohne Halt auf Gleis 10 und fuhr noch eine Weile parallel. Warum das so war, weiß ich nicht, normalerweise fährt der Kölner Teil über Schwerte.

Aber zurück zu meiner Fahrt: In EE Umstieg in den dort beginnenden ICE, der ohne Kommentar mit +5 losfuhr. Gut, dass ich mir einen der wenigen nicht reservierten Plätze gesichert hatte, denn bereits in KD wurde es richtig voll. Die nächste Überraschung gab es nach der Abfahrt in KKDT: Wegen einer technischen Störung könnten wir die KRM nur mit 160 befahren. So kam es dann auch, wobei es intuitiv gar nicht so langsam wirkte und die Geschwindigkeit (im Gegensatz zu den häufigeren Wechseln bei voller Geschwindigkeit) recht konstant war, was durchaus angenehm war. Trotzdem mussten wir natürlich zwei ICE überholen lassen (einmal fliegend auf dem Gegengleis und einmal in FLIS) und erreichten FFLF mit +40. Daraus wurden bei der Wende in FF +50, so dass in NAH schon der nächste ICE hinter uns war. Wie das dann ausging, weiß ich nicht, da ich nach Hause radelte und mich mal wieder über die Existenz der L41 freute.

Fünf Länder in fünf Tagen

Ein Geschäftstermin unmittelbar nach Pfingsten sorgte für eine ungewöhnliche Dreiecksfahrt, bei der ich durch fünf Länder kommen sollte, wenn auch eins davon nur auf der Durchfahrt. Die erste Etappe begann am Freitag direkt nach der Arbeit: Mit dem ICE machte ich mich auf den Weg nach FF. Dort war gerade eben Zeit für einen Cappuccino in der Lounge, bevor ich mich dann auf den Weg nach Gleis 19 machte. Aufgrund des bevorstehenden langen Wochenendes hatte ich kurz vor der Fahrt noch reserviert, die Fahrkarte selbst hatte ich schon Anfang des Jahres gekauft. Da mein Platz ganz vorne in der Lounge (diesmal der des ICE 3) war, war erstmal Lauferei angesagt. Ebenfalls angesagt waren für den Nachmittag Unwetter, die aber meine Fahrt zum Glück nicht beeinträchtigten. Nur beim Halt in KK ging gerade ein Wolkenbruch herunter. Also konnte ich die Fahrt genießen, bis wir pünktlich Brüssel Süd erreichten (ja, der heißt auf Französisch Midi=Mittag=Süden).

Nun hielt ich es für eine gute Idee, erst mal belgische Pommes zu genießen. Die erstand ich auch, nur fiel mir dann auf, dass es so langsam Zeit für den Checkin beim Eurostar war. Die Angestellten an der Sicherheitskontrolle guckten etwas komisch, als ich dort mit meiner Pommestüte aufkreuzte, meinten aber nur, dass ich bis zur Passkontrolle aufgegessen haben sollte, was mir auch gelang. Nur Minuten nach meinem Checkin wurde selbiger übrigens geschlossen, Pommes während der Brutto-Umsteigezeit von 45 Minuten sind also nicht unbedingt eine gute Idee.

Nun konnte ich aber gestärkt den Eurostar entern, ein e320, über den ich ja schon letztes Jahr berichtet hatte. Im Gegensatz zu damals war der Zug diesmal voll besetzt, Pfingsten ist halt überall eine gute Gelegenheit zum Reisen. Vor mir freundete sich über den Gang ein britisches Paar mit einer belgischen Familie an, die ein Harry-Potter-Wochenende in London machen wollte. Den dortigen Endbahnhof St. Pancras erreichten wir ebenfalls pünktlich, so dass ich genug Zeit zum Anschlusszug nach Loughborough hatte. Die Fahrt unternahm ich gemeinsam mit einem in London lebenden Freund, denn der Anlass für die Reise war die Einladung von gemeinsamen Freunden nach Leicestershire. Auch dieser Abschnitt verlief ohne Zwischenfälle, sieht man mal von den auf der Insel noch penetranteren Ansagen an jeder Station ab (sämtliche folgenden Haltebahnhöfe inkl. Uhrzeiten, Hinweis auf zu kurze Bahnsteige an bestimmten Stationen, die auch noch nass vom Regen sein können – willkommen im Land von Health & Safety).

In Leicestershire gab es dann am Sonntag noch mehr Bahn: Mit unserer neunköpfigen Gruppe besuchten wir die Great Central Railway, laut Wikipedia die einzige zweigleisige Museumsbahn der Welt und Relikt der Zeit, als sich Bahngesellschaften beim Streckenbau Konkurrenz machten: Die erhaltene Strecke führt von Leicester nach Loughborough nur wenige Kilometer entfernt von der regulär betriebenen mit jeweils eigenen Bahnhöfen, die natürlich ebenfalls museal sind. Hier der in Loughborough:

Auf dem letzten Bild zu sehen ist der Zug, der direkt bei unserer Ankunft mit einer Diesellok ankam und der danach auf Dampf umgespannt wurde:

Beim Anblick dieser Zuggarnitur meinte einer meiner Freunde ketzerisch, dass man bei einigen Zügen nicht so genau wisse, ob sie schon im Museum oder noch regulär im Einsatz seien:

Im nunmehrigen Dampfzug enterten wir ein 1.-Klasse-Abteil (zum Glück gab es bei den Fahrkarten keine Klassenunterscheidung) und fuhren mit bis zur anderen Endstation Leicester North, die sich so nennen darf, weil sie gerade so innerhalb der Stadtgrenzen liegt. Dort wurde die Lok umgesetzt, und das Personal ließ uns sogar einen Blick in den Führerstand werfen:

Jetzt fuhren wir nicht ganz zurück, sondern nur bis zum Bahnhof Rothley, der im Stil von 1912 restauriert ist.

Von hier fuhren wir mit der anderen Zuggarnitur wieder bis Leicester North und dann zurück bis Loughborough. Das Besondere an diesem Zug sind die Restaurantwagen, in denen man allerdings nur während der Dinner-Sonderfahrten sitzen darf.

Aber auch die regulären Wagen machen was her:

Zum Glück hatte während der Bahnfahrt das Wetter gehalten, beim abendlichen Grillen regnete es sich nämlich ein … Viel besser war das Wetter auch am nächsten Tag nicht, als es für mich weiter ging nach Den Bosch (schon wieder …). Der East Midlands Train nach London war nicht sehr voll, der Eurostar dagegen ausgebucht. Immerhin war ich diesmal früh genug da, so dass ich noch ein wenig Kaffee und Knabbereien in der Lounge genießen konnte. Die Fahrt verlief ohne Besonderheiten, und ab Lille (damit Frankreich auch mal erwähnt ist) hatte ich sogar einen freien Nebenplatz. Brüssel erreichten wir pünktlich, und jetzt hatte ich genug Zeit, um einen Thalys PBKA zu erlegen.

Mein nächster Zug war dagegen ein Intercity direct, der Nachfolger des so krachend gescheiterten FYRA auf der Strecke Amsterdam–Brüssel.

Zunächst war der Zug pünktlich und relativ leer; in Antwerpen, wo wir wegen Bauarbeiten statt in Centraal in Berchem hielten, wurde er jedoch richtig voll, und wir zogen uns auch Verspätung zu. Mir gegenüber saß eine Argentinierin, die in Schiphol das Flugzeug in die Heimat erreichen wollte und sich von mir bestätigen ließ, dass der Zug dort auch halten würde. Unterdessen fuhren wir über die eher langweilige HSL Zuid, die bis Rotterdam auch auf niederländischer Seite im Linksverkehr befahren wird. Meinen Umsteigebahnhof Breda erreichten wir mit etwa +5, so dass mein Anschluss-Sprinter eigentlich schon weggewesen wäre. Er hatte aber ebenfalls +5 und eine kuriose Zielangabe:

Ganz so weit wollte ich denn doch nicht fahren, sondern nur bis ’s Hertogenbosch, wie die offizielle Namensform meines Zielortes lautet. Dort kam ich dann mit wiederum +5 an und freute mich, dass mein Hotel direkt am Bahnhof lag, zumal es wieder in Strömen regnete.

Die Rückfahrt am Mittwochnachmittag trat ich dann gemeinsam mit einem Arbeitskollegen an, der am Dienstagmorgen angereist und dabei prompt den Anschluss in Venlo verpasst hatte. Da das Meeting früher beendet war als gedacht, konnten wir anderthalb Stunden früher losfahren und so eine halbe Stunde Übergangszeit in Venlo haben. Praktischerweise ermöglichte mir das auch noch ein Bild vom Arriva-GTW auf der Maaslinie:

Hatte bis jetzt alles mehr oder weniger super geklappt, ereilte uns beim Umstieg in KD das deutsche Verspätungschaos: Überall um uns herum wurden verspätete Züge mit verschiedensten Begründungen aufgerufen – Personen im Gleis, Stellwerksstörung, technische Störung am Zug, … Unser Zug sollte +20 wegen „Störungen im Betriebsablauf“ haben. Immerhin hielt er das ziemlich genau ein, wobei sich der Aufenthalt in FF wegen einer dortigen Stellwerksstörung leider deutlich verlängerte. Die Umleitung über Darmstadt Nord wegen Bauarbeiten in Hanau war dagegen bereits eingeplant, so dass wir NAH mit etwa +35, aber immer noch eine halbe Stunde und damit einen Bus früher als ursprünglich geplant erreichten.

Nachtschicht nicht nur für Busfahrer

Zum ersten Mal habe ich letzte Nacht ganz spontan an der → Dortmunder Nachtschicht, einer Schnitzeljagd in der Ruhrstadt teilgenommen. Die Anfahrt von NAH verlief erfreulich unspektakulär: RE bis FF, ICE bis FFLF und von da zum ersten Mal mit einem ICE 4 über die KRM. Der kann die Fahrzeiten trotz seiner geringeren Höchstgeschwindigkeit einhalten, wenn er den Halt in KSIB auslässt. Vorteil ist die gefühlt gegenüber dem ICE 3 deutlich größere Laufruhe. Zwei Frauen neben mir fragten sich, warum der Zug denn so langsam gefahren sei, er drehe doch sonst immer so auf … Pünktlich in EDO angekommen, stürzte ich mich ins Getümmel, das die exzessive Nutzung des durchgehenden Wochenend-Nachtverkehrs einschloss. Unter anderem der NE 40, eine Tangentialverbindung im Dortmunder Süden, war gut voll mit all den Rätselteams. Das Personal schien es aber entspannt zu sehen, die Sicherheitsleute in der S 1 wünschten uns weiterhin viel Erfolg.

Bei der Rückreise hatte ich den nicht ganz: zwar fuhr mein Zug, ein redesignter 3er, pünktlich ab, jedoch ging es diesmal über die KRM wirklich langsam, da wegen eines technischen Defekts am Zug nur 200 gefahren werden konnte. FFLF erreichten wir daher mit +15. Zu meinem Anschluss-ICE hatte ich noch mehr als genug Zeit – heute allerdings erst recht, da er +30 hatte. Also Plan B: Weiter mit dem Berliner ICE nach FFS. Der war zwar als „wartend“ angekündigt, fuhr nach meinem Einsteigen aber so bald ab, dass er unmöglich alle Umsteiger mitgenommen haben kann. Für mich ging es dann mit dem RE weiter nach NAH, so dass ich letztendlich sogar früher als geplant ankam, allerdings mit einem Umstieg mehr. Und das wollte ich wegen des absehbaren Schlafmangels vermeiden, dem aber auch so abgeholfen werden konnte :).

La République en retard

Wie schon 2012 verbriet ich dieses Jahr den Resturlaub in Südfrankreich, diesmal vom 16. bis 24. März. Wieder nutzte ich den (damals neuen) TGV Frankfurt – Marseille, diesmal zuerst in dieser Richtung. Da das Buchungssystem der DB nicht so wollte wie viele Kunden, bemühte ich für den Fahrkartenkauf mal wieder meine → Lieblingsagentur.

Mein Zubringer-RE zum TGV zog sich wegen einer Stellwerksstörung vor FH etwa +10 zu. Mein Anschluss war dadurch nicht gefährdet, wohl aber die Lounge-Zeit deutlich verkürzt. Im TGV enterte ich statt meines reservierten Platzes einen freien Tisch, der das auch bis zum Ende der Reise blieb. Was wir dagegen nicht blieben, war pünktlich, da wir in Rastatt einen verspäteten ICE vorbeilassen mussten. Nach dem Kopfmachen in Straßburg waren wir zwar wieder annähernd im Plan, jedoch kam als weitere Verspätungsquelle das Ankuppeln an einen weiteren Zugteil in Mülhausen dazu. Da selbiger der vordere war und in Lyon endete, konnten wir erst danach weiterfahren und erreichten Marseille somit wiederum mit +10. Zum Glück fuhr die Metro noch, wobei ich notfalls zum Hotel auch hätte laufen können.

Die nächsten Tage gehörten nur am Rande Bus und Bahn, sondern vor allem dem Schiff zu den Calanques,

Eine der Calanques (Kalksteinbuchten) bei Marseille

Schusters Rappen zum → MuCEM

Neubau des MuCEM, Villa Méditeranée und Cathédrale de la Major

und dem Auto in die Camargue.

Saline in Salins-de-Giraud
In der Camargue

Mit dem Zug ging es erst am dritten Tag weiter, und zwar mit dem Intercités nach Montpellier. Zwar war für diesen Tag ein Generalstreik angekündigt; die SNCF, die sonst recht ausführlich über Ausfälle informiert, hielt sich aber bedeckt, und der Zug fuhr auch ganz normal.

Lok und Intercités-Wagen in aktuellem Farbkleid

Auch von innen hat man die Wagen völlig neu gestaltet, in der 2. Klasse wechselt die Sitzanordnung zwischen 1+3 und 2+2:

Intercités-Wagen der 2. Klasse

In der 1. Klasse sind es stattdessen übrigens 2+1 und 1+2. Praktisch macht das natürlich keinen Unterschied, optisch löst es aber die Monotonie des Großraums etwas auf.

In Montpellier angekommen, deponierte ich erst mal mein Gepäck (das dafür geröntgt werden musste) und erkundete dann die Stadt.

Blick vom Château d’Eau auf Triumphbogen und die ehemalige Kirche St. Anne

Außer einer netten Altstadt gibt es auch vier Straßenbahnlinien, von denen (die Franzosen haben es da ja generell mit dem Design) jede in einem eigenen Farbkleid verkehrt:

Linie 1 der Straßenbahn Montpellier
Linie 2 der Straßenbahn Montpellier
Linie 3 der Straßenbahn Montpellier
Linie 4 der Straßenbahn Montpellier

Nächste Etappe war Béziers, wohin laut DB-Navigator (der normalerweise auch die französischen Züge kennt) in Kürze ein Zug fahren sollte. Da die TER-Automaten nach wie vor sowohl Geldscheine als auch meine Kreditkarte verschmähen, kaufte ich die Karte am Schalter und wartete anschließend eine Weile vergeblich auf den Zug, der schon auf der Anzeigetafel angekündigt war. Des Rätsels Lösung: Wegen des Streiks war der Fahrplan geändert worden, und der Zug, den mir der Navigator genannt hatte, fiel aus. Die Tafel zeigte völlig korrekt den Zug eine Stunde später an … Der war, da mitten im Berufsverkehr, rappelvoll, so dass ich lieber den nächsten nahm, der zum Glück schon eine gute Viertelstunde später fuhr. In Béziers angekommen, gelang mir noch ein Bild eines verspäteten AVE, der aus unerfindlichen Gründen nicht weiter kam:

AVE S100 der Renfe, Derivat des TGV Atlantique

Angesichts des steilen Wegs war ich dankbar für den Bus, der mich bis fast vor die Hoteltür brachte.

Am nächsten Tag war ein Besuch in Carcassonne angesagt, das durch seine mittelalterliche Altstadt (und das gleichnamige Spiel) bekannt ist. Hin ging es mit dem TGV, der leider +40 hatte, diesmal wegen eines entgleisten Baufahrzeugs. Vom Bahnhof ist es zur „Cité“ eine Weile zu laufen, aber der Fußweg lohnt sich:

Stadtmauer der Cité von Carcassonne

Auf dem Rückweg sollte mein Zug erst auch wieder +40, dann stolze +90 haben. Etwa eine Stunde nach der planmäßigen Abfahrt hatte ich genug vom Warten und ging noch mal kurz in die Stadt – natürlich mit dem Resultat, dass der Zug anschließend weg war. Erfreulicherweise dauerte es nicht nur nicht lange bis zum nächsten, meine Fahrkarte ließ sich auch problemlos (von TER auf TGV) umbuchen. Also erreichte ich nur wenig später als geplant wieder Béziers, von dessen ebenfalls sehenswerter Altstadt ich bei der Einfahrt noch einen Blick erhaschen konnte.

Blick aus dem TGV auf die Altstadt von Béziers

Da es in dieser Richtung ja bergab ging, ging ich am nächsten Morgen zu Fuß zum Bahnhof. Für die nächste Etappe stand eine besonders schöne Strecke auf dem Programm, die Ligne des Causses nach Neussargues. Ich nahm den einzigen durchgehenden Zug, der zwar als Intercités läuft, aber mit einem graffitiverseuchten Regionaltriebwagen der Reihe Z2 gefahren wird.

Z2 der SNCF als Intercités nach Neussargues (– Clermont-Ferrand) in Bézier

Die Fahrt durch das Zentralmassiv war tatsächlich sehr beeindruckend. Höhepunkt der Strecke sind zwei Brücken, zum einen das Viaduc de Millau der parallel verlaufenden (und leider wesentlich besser als die Bahn ausgebauten) Autobahn, der höchsten Brücke der Welt,

Viaduc de Millau, die höchste Brücke der Welt

und das Viaduc de Garabit, von Gustave Eiffel entworfen und damit wesentlich älter. Leider kann man beim Darüberfahren die Schönheit natürlich nicht sehen, trotzdem ein Bild:

Fahrt über das Viaduc de Garabit

Der Zug endete zwangsläufig in Neussargues, da hier auch der Fahrdraht endet. Der Zuglauf führt allerdings weiter nach Clermont-Ferrand, so dass Umsteigen in einen Blauwal angesagt war. Wegen Wartens auf Personal hatten wir seit Béziers +10, so dass ein wenig Eile angesagt war. Blöderweise hatte ich mein Handy im Z2 liegenlassen, bekam es aber noch rechtzeitig zurück. Der Wal fuhr wegen technischer Probleme ohnehin ebenfalls mit fast +10 ab … Hier ist er nach der Ankunft in Clermont-Ferrand:

„Blauwal“ (X 73500) der SNCF in der Lackierung der ehemaligen Region Auvergne im Bf Clermont-Ferrand

Nun hatte ich zwei Stunden Zeit für die Hauptstadt der Auvergne, die für mich bisher immer der Inbegriff der abgelegenen französischen Provinz gewesen war. In Wirklichkeit merkte man davon aber wenig, nur der graue Charme vieler Gebäude wie der Kathedrale ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Kathedrale von Clermont-Ferrand

Interessante Gefährte gibt es hier auch, nämlich futuristische Busse

Irisbus Crealis Neo 18

sowie Translohr, eine Kreuzung aus Straßenbahn und Obus.

Translohr-Fahrzeug

Nächste und letzte Etappe war die Fahrt nach Lyon. Da ich inzwischen herausgefunden hatte, dass die Fernverkehrs-Automaten (Grandes Lignes) auch TER-Fahrscheine verkaufen und dafür meine Maestro-Karte akzeptieren, brauchte ich mich diesmal nicht am Schalter anzustellen. Das in Frankreich eigentlich obligatorische Entwerten (composter) vergaß ich, was den Zub allerdings nicht störte. Allerdings waren die Angaben auf der Fahrkarte dazu, ob sie überhaupt entwertet werden musste, auch widersprüchlich. Wie dem auch sei, die Fahrt verlief störungs- und diesmal auch fast verspätungsfrei durch die unerwartet flache Landschaft und die einbrechende Dämmerung. In Lyon-Perrache angekommen, spazierte ich zum Bellecour-Platz, wo ich kurze Zeit später meine Tante traf, die mir für die nächsten drei Nächte Quartier gewähren würde.

Mit ihr begann ich am nächsten Tag auch die Stadterkundung, und zwar mit der Straßenbahnlinie T1, die quer durch ganz unterschiedliche Stadtviertel führt. Dann machte ich mich alleine auf den Weg, u.a. in das neue Viertel Confluences am namensgebenden Zusammenfluss von Rhône und Saône.

In Confluences

Abends fuhren wir dann wieder gemeinsam ins Théâtre National Populaire, das im Vorort Villeurbanne in einem sehenswerten Art-déco-Viertel liegt:

Das Théâtre National Populaire in Villeurbanne

Am nächsten Tag machte ich mich wieder alleine auf den Weg zu den Confluences, diesmal in das gleichnamige Museum, das neben einer eleganten Straßenbahn-, Rad- und Fußgängerbrücke liegt.

Musée des Confluences mit Straßenbahnbrücke über die Rhône

Am Ufer der Saône wird übrigens zurzeit ein autonom fahrendes Shuttle getestet. Meine erste Fahrt in so einem Gefährt ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Zwar kann das Fahrzeug selbständig ausweichen, aber ich hatte oft das Gefühl, dass es im Zweifel lieber stehenblieb. Und der „Fahrer“, der natürlich trotzdem an Bord war, musste recht oft eingreifen, nur eben nicht mit einem Lenkrad, sondern am PC.

Autonomes Navya-Shuttle am Saôneufer in Lyon

Abends betätigte sich meine Tante wiederum kulturell, diesmal in der Oper, während ich lieber einen Streifzug durch das nächtliche Lyon unternahm. Meine Kompaktkamera stößt da schon an ihre Grenzen, aber ich habe versucht, das Beste herauszuholen:

Basilika von Fourvière und Kathedrale Saint-Jean, im Vordergrund die Saône

Am nächsten Morgen um zehn Uhr trat ich dann den Heimweg an, wieder mit dem direkten TGV. Leider funktionierten die (in Frankreich nur bei internationalen Zügen vorhandenen) Reservierungsanzeigen nicht, und meine Hoffnung auf ähnlich viel Platz wie auf der Hinfahrt zerstörten sich, nachdem ich mehrmals von meinem Platz vertrieben wurde und dann doch auf meinen reservierten bzw. den daneben umzog. Als ich noch am Fenster saß, gelang mir ein Schnappschuss dieser Gedenktafel an den Erfinder der Fotografie:

Gedenktafel für Nicéphore Niépce in Saint-Loup-de-Varennes

Auch diesmal zogen wir uns Verspätung zu, allerdings erst in Karlsruhe, wo wir wiederum einen verspäteten ICE vorbeilassen mussten. Für einen sehr kurzen Loungebesuch war trotzdem Zeit, und mit dem ICE nach Wien erreichte ich NAH nach acht Tagen Reise erfreulicherweise pünktlich und zu einer Zeit, zu der noch Busse fuhren.