Mit Talent durch die Pampa

Am Sonntag nach Himmelfahrt machte ich mal wieder eine Spaßtour: Ziel war Göttingen, das ich über Nebenbahnen erreichen wollte, zufälligerweise vor allem durch meinen Arbeitgeber betriebene. Da ich am Samstag ausgeschlafen hatte, fiel mir das frühe Aufstehen nicht ganz so schwer, und so machte ich mich auf den Weg nach Herford, wo ich zwischen zwei Zügen der Eurobahn umstieg, und weiter nach Paderborn, wo immer noch der Hbf umgebaut wird. Von da ging es dann in den vorderen Teil (wichtig) einer Doppeltraktion NWB-Talente. Die erreichte hinter dem Rehbergtunnel Neuland für mich, und zwar mit einiger Verspätung, wohl wegen hoher Streckenauslastung zwischen Paderborn und Altenbeken. Im Eisenbahnerdorf Ottbergen (Selbstbezeichnung) wurde der Zug geteilt, der hintere Zugteil fuhr weiter nach Kreiensen – die Strecke ist eine der wenigen in der Gegend, die mir jetzt noch fehlen.

Für uns ging es weiter durch ziemlich idyllische, aber auch ziemlich abgelegene Gegend im Grenzgebiet zwischen NRW und Niedersachsen und zweimal sogar kurz durch Hessen. In Bodenfelde zweigt die Strecke nach Northeim ab, die ich auf der Rückfahrt fahren würde. Den Endbahnhof in der Südniedersachsenmetropole erreichten wir mit nicht mehr nennenswerter Verspätung. Ich machte mich auf den Weg in die Innenstadt, wo ich bei einem Asiaten sehr nett zu Mittag aß.

Auf dem Rückweg gelangen mir am Bahnhof noch ein paar ÖPNV-Fotos – diesmal problemlos, nachdem eine Woche vorher in Oldenburg noch ein Busfahrer extra seinen fahrenden Bus angehalten hatte, um mir zu erklären, dass ich das nicht dürfe. Die erste Etappe der Rückfahrt verlief problemlos, auch wenn man kräftig das Signalhorn der Lok und eine anschließende Funkdurchsage über eine Betriebsgefahr hörte. Auch bei der Fahrt über die Sollingbahn von Northeim nach Bodenfelde gab es keinerlei Besonderheiten. Der Anschlusszug wurde so stark unter anderem von Fahrradreisenden genutzt, dass ich nur noch einen Sitzplatz auf einem Notsitz fand. Vor HOTT blieben wir erst einmal eine Weile stehen mit dem Hinweis, dass der andere Zugteil Verspätung habe. Mein Umstieg verlegte sich dadurch von EPD nach HA, war aber nicht gefährdet. Umso weniger, als der Anschlusszug auch Verspätung hatte, irgendwie war auf der Strecke der Wurm drin. Das führte dann leider auch dazu, dass ich meinen Anschlusszug in Herford nicht mehr erreichte. So kam ich aber immerhin noch zu einer IC-Fahrt, nämlich von Bad Oeynhausen nach HO, die ich mit einem 9-Euro-Ticket sogar bezahlt bekommen hätte. So musste ich die 8,70 Euro aus eigener Tasche bestreiten und erreichte meinen Heimatbahnhof etwa eine halbe Stunde später als vorgesehen.

Happy Birthday, EuroCity!

Nach 30 Jahren ICE und 50 Jahren IC im letzten Jahr gibt es heute ein nicht ganz so rundes Jubiläum zu feiern: Am 31. Mai 1987 fuhren die ersten EuroCity (EC)-Züge. Damit wurde neben den erstklassigen TEE-Zügen, die sich damals bereits auf dem absteigenden Ast befanden, ein zweiklassiges, hochwertiges europäisches Zugangebot geschaffen. Dabei gehörten anfangs auch Nachtzüge (nach Spanien und Skandinavien) zum Angebot, und erstaunlicherweise verkehrten EuroCitys sogar auf britischem Boden, nämlich als Anschlusszug vom Fährbahnhof Harwich nach London.

Letztere Verbindung ist heute natürlich dem viel schnelleren Eurostar durch den Kanaltunnel gewichen, den ich – im Gegensatz zu seinem Vorgänger – schon mehrmals genutzt habe. Und auch sonst befindet sich der EC inzwischen seinerseits auf dem absteigenden Ast: Vor allem in Westeuropa wurde er häufig durch Hochgeschwindigkeitszüge abgelöst. Diese sind einerseits zwar schneller, andererseits haben sie häufig den Nachteil, dass es zu anderen Zügen keine durchgehenden Fahrkarten mehr gibt – ohne dass das eine zwingend mit dem anderen verbunden wäre, man denke an den deutschen ICE. Auch die Reisekultur insgesamt hat sich in den letzten 35 Jahren geändert – ob zum Guten oder Schlechten, ist ein immerwährendes Diskussionsthema.

1987 war ich noch Schüler und habe mich fast gar nicht mit dem Zug fortbewegt. Als ich anfing, immer weitere Reisen zu machen, war die oben beschriebene Entwicklung bereits im Gang, so dass ich insgesamt nicht oft mit dem EuroCity gefahren bin. Die erste Fahrt überhaupt dürfte innerhalb Deutschlands gewesen sein, 1993 von Stuttgart nach München. Aber auch meine erste grenzüberschreitende Zugfahrt fand mit einem EC statt: am 2. April 1999 von Oberhausen nach Amsterdam mit EC 142 Jan Pieterszoon Sweelinck. Auch dort fährt heute der ICE, wenn auch nicht mit hoher Geschwindigkeit.

Das Interessante an den EC war und ist natürlich das jeweilige ausländische Wagenmaterial, meist wegen der unterschiedlichen Strom- und Sicherungssysteme kombiniert mit einer einheimischen Lok. Das kostet zwar Zeit für den Lokwechsel an der Grenze, bietet aber andererseits interessante Fotomotive wie diesen ungarischen EC mit deutscher 101 in Dresden:

EC-Garnitur der ungarischen MÁV mit deutscher Lok der Baureihe 101 in Dresden Hbf

Die EC fahren weiterhin dort und auf anderen Strecken, zum Beispiel zwischen der Schweiz und Hamburg, wo ich sie öfter auf kurzen Teilstrecken zwischen Osnabrück und Köln oder Bremen nutze. Zuletzt machte nicht zuletzt die Pandemie Auslandsreisen schwierig, aber ich hoffe natürlich, in Zukunft hier wieder von internationalen EuroCity-Reisen berichten zu können.

Mit Schwarz-Rot-Gold in die Stadt von Schwarz-Gelb

Nach dreijähriger coronabedingter Pause war endlich mal wieder eine → Dortmunder Nachtschicht angesagt. Da am Bahnhof der Westfalenmetropole immer noch gebaut wird (inzwischen sind aber deutliche Fortschritte erkennbar), fahren aus Richtung Norden zurzeit nur alle zwei Stunden direkte Fernzüge dorthin. So machte ich mich mit einem Teamkollegen aus Bremen schon relativ früh auf den Weg, hatte dabei aber das Glück, den (pünktlichen) Triebzug 9457 „Bundesrepublik Deutschland“ zu erwischen:

ICE 4 „Bundesrepublik Deutschland“ im Dortmunder Hauptbahnhof

Bei der Nachtschicht nutzten wir natürlich wieder exzessiv den örtlichen Nahverkehr, der an Wochenenden die ganze Nacht durchfährt. Dabei gab es auch bei den genutzten Eisenbahnen (S1/S2/RB32) keine Komplikationen außer defekten Toiletten. Zum Glück sind aber die Toiletten am Hbf am Wochenende rund um die Uhr geöffnet, zwar kostenpflichtig, aber dafür sauber.

Umso mehr Komplikationen gab es dafür auf der Rückfahrt: Aufgrund eines Unterflurbrandes in einem ICE auf der KRM sollte unser Zug für die Rückfahrt mehr als +60 haben, Tendenz steigend. Also stiegen wir in den IC 2 aus Siegen nach EMST, in dem zum Glück gähnende Leere herrschte. Von da erreichten wir mit der RB 66 relativ pünktlich HO, wo mein Bremer Kumpel nun allerdings etwas länger auf die Weiterfahrt warten musste. Nicht ganz so lange hätte ich das auf einen Bus nach Hause tun müssen, legte die Strecke aber – auch aufgrund des schönen Wetters – lieber zu Fuß zurück.

Mit „Minden“ nach Paderborn

Anfang April machte ich mal wieder eine kleine Spaßtour: Von einem Termin in Hannover (Anreise ereignislos mit dem direkten IC) machte ich auf der Rückfahrt einen „kleinen“ Schlenker: Nachdem ich bis zur letzten Minute noch Busse auf dem Bahnhofsvorplatz fotografiert hatte, erreichte ich gerade noch rechtzeitig (ich hatte nicht gesehen, dass sie schon am Bahnsteig stand) die S-Bahn nach Paderborn. Was erst während der Fahrt klar wurde: Zum einen fuhr der Zug an diesem Tag wegen Bauarbeiten eine Umleitung über die Güterumgehungsbahn, zum anderen war ich im Zugteil, der in Hameln endete. Ersteres führte wegen eines eingleisigen Abschnitts und eines verspäteten Gegenzuges zu etwa +20, letzteres dazu, dass ich in der Rattenfängerstadt den Zugteil wechseln musste. Während ich mich noch freute, dass im angrenzenden Zugteil so viele Sitzplätze frei wurden (ab HH hatte ich erst mal eine Weile stehen müssen), wurde mir zum Glück mitgeteilt, dass ich noch einen Zugteil weiter musste (von drei Teilen fuhr nur der erste nach EPD). Die Weiterfahrt verlief weiterhin mit Verspätung, aber ohne weitere Komplikationen, und an der Endstation gelang mir noch ein Bild vom 424er für meine Sammlung, bevor Transdev die S-Bahn komplett übernimmt und die Züge nach München entschwinden:

Zug 424 019 „Minden“ in Paderborn Hbf

Weiter ging es ohne Verspätung und weiterhin über Nahverkehrsbahnen: Bis zum Betriebsbahnhof Himmighausen fuhr ich dieselbe Strecke wieder zurück, dort zweigte mein Zug Richtung Herford ab. Kurz vorher gab es noch am Bbf Langeland die massiven Quertragwerke an der Oberleitung zu sehen, die sonst in Deutschland nicht verwendet werden:

Quertragwerke Schweizer Bauart am Bbf Langeland

Von EHFD aus nahm ich dann die RB 61, wie schon mein Zubringerzug ein Wagen der Eurobahn. Dort wurde ich vom Zub mit der Mitteilung überrascht, dass ich in der 1. Klasse saß. Da er aber selber einsah, dass man das kaum erkennen konnte (die Türen mit den Hinweisaufklebern klemmten halboffen fest), verzichtete er auf eine Nacherhebung oder die Pflicht zum Umsetzen. So erreichte ich nach über vier Stunden langer, aber trotzdem recht günstiger Fahrt wieder die Hasestadt.

Im größten Dorf

Zwar wird München als Millionendorf bezeichnet, dem Namen nach dürfte jedoch Düsseldorf das größte Dorf Deutschlands sein. So mussten wir uns für den zweiten Teil unseres Urlaubs nicht allzu sehr umgewöhnen. Los ging es am Montag mit dem ICE ab Bremen bzw. Osnabrück, leider mit etwas zwanzigminütiger Verspätung, bei der es auch bis zu unserer umsteigefreien Ankunft blieb. Angesichts des Gepäcks und des Regens fuhren wir mit der U-Bahn zu unserem Hotel, dem sehr empfehlenswerten Carls am gleichnamigen Platz.

Statt einer Insel- gibt es in der Landeshauptstadt eine U-Bahn zu sehen. Auf der alten Strecke hat sie den durchaus vorhandenen Charme der 80er,

U-Bahnhof Steinstraße/Königsallee

auf der 2016 eröffneten Wehrhahnlinie hat man sich etwas mehr ausgetobt und jede Station von einem anderen Künstler gestalten lassen, wobei das Grunddesign dasselbe ist.

Videoinstallation im Bahnhof Benrather Straße
Bahnhof Graf-Adolf-Platz
Bahnhof Schadowstraße

Außer U-Bahnhöfen gab es natürlich noch den Rhein mit Landtag, Rheinturm und Medienhafen sowie jede Menge Japanisches zu sehen.

Auf der Rückfahrt am Donnerstag machte ich noch einen Umweg über Köln, um dort meine Freunde Anna und Hans zu treffen. Die Rückfahrt von dort wiederum war etwas beschwerlich, weil aufgrund des stürmischen Wetters bei Bonn Gegenstände die Oberleitung blockiert hatten. Immerhin konnte ich beim Warten einige interessante Fahrzeuge ablichten:

n-Wagen-Garnitur von TRI als Zusatz-RE nach Hamm
Europa-ICE
ICE mit Sonderlackierung zum 30. Jubiläum
111 „Loreley“
110 der Gesellschaft für Fahrzeugtechnik mit einem Zusatz-RE nach Hamm

Schließlich kam endlich ein ICE nach Osnabrück, in dem ich sogar noch bequem einen Sitzplatz fand. Noch während wir am Bahnsteig standen, fuhr gegenüber der EC ein, den ich eigentlich nehmen wollte. Wir verließen KK und erreichten HO aber noch vor ihm – knapp zwei Stunden später als ursprünglich geplant. Aus purer Faulheit und weil ich ein City-Ticket hatte, nahm ich den Bus nach Hause, auch wenn ich dabei noch mal umsteigen musste.

Reif für die Insel

Den ersten Teil unseres Jahresurlaubs verbrachten wir Ende März/Anfang April auf Wangerooge. Zu diesem Ziel hatte uns unter anderem inspiriert, dass die Insel autofrei ist und es dafür eine Inselbahn gibt. Vor die Fahrt damit hatten die Götter aber einige Mühen gesetzt: Wohlweislich brachen wir mit zwei Stunden Puffer in Bremen auf. Das war auch gut so, denn aufgrund krankheitsbedingten Personalmangels (Corona?) hatten die RE aus Norddeich außerplanmäßig „Negativwende“ in Bremen, was bedeutete, dass sie sich kräftige Verspätung zuzogen. Vor Hude sagten sowohl Computer als auch Zub-in an, dass wir jetzt Oldenburg erreichen würden. Erst der Tf korrigierte, allerdings so spät, dass möglicherweise schon einige Leute falsch ausgestiegen waren. Unser Anschluss-RE hielt aufgrund von Bauarbeiten nicht in Sande, so dass wir ab Varel für eine Station in einen SEV-Bus umsteigen mussten. Vor dem Bahnhof in Sande schlugen wir dann die zweite Pufferstunde tot, wofür es definitiv geeignetere Orte gibt. Immerhin klappte ab jetzt alles: Tidebus nach Harlesiel und Schiff nach Wangerooge Westanleger, wo die Inselbahn schon bereitstand.

In der Woche auf der Insel hätte das Wetter zwar besser sein können, immerhin war es aber gut genug, um als „Groupies“ der Inselbahn aufzulauern und ein paar schöne Bilder zu machen. Die Bahn fährt zwar nur als Zu- und Abbringer zur Fähre, es gibt aber auch Fahrkarten nur für die Bahn, die wir einmal nutzten und zurück liefen. Dabei ergab sich ein schöner Schnappschuss der Bahn, wie sie durch die sonst nicht zugänglichen Salzwiesen fuhr:

Die Inselbahn in den Salzwiesen von Wangerooge

Erwähnenswert ist noch, dass die Lok immer am westlichen Zugende steht. Wenn die Lok schiebt, steht auf dem ersten Wagen ein Rangierer und gibt dem Lokführer Anweisungen über Funk. Im Inselbahnhof herrscht ein reger Rangierbetrieb:

Rangierbetrieb im Inselbahnhof Wangerooge

Aufgrund der Autofreiheit findet auch einiges an Güterverkehr statt. Zum einen haben die Personenzüge Flachwagen, auf denen Gepäckcontainer transportiert werden, zum anderen gibt es auch reine Güterzüge mit Müllcontainern oder auch Lebensmitteln.

Ein Güterzug passiert das Flutschutztor am Inseldorf
Personenzug zum Westanleger, vorne die Wagen mit den Gepäckcontainern

Am Westanleger kuppelt bei Personenzügen die Lok mit den Containerwagen ab und fährt direkt bis ans Schiff vor, damit die Container verladen werden können.

Das passierte natürlich auch bei unserer Rückfahrt, die aufgrund zweier Ereignisse unter keinem guten Stern stand: Zum einen versandet der Hafen von Wangerooge, zum anderen war zwei Tage vorher eins der Fahrgastschiffe auf Grund gelaufen und stand nicht zur Verfügung. Unsere Fahrt fand zwar wie geplant statt, wurde wegen der Versandung aber um eine Viertelstunde verschoben. Da wir in Sande nicht viel Zeit hatten, sahen wir unseren Anschluss dort schon davon fahren. Aber im Gegensatz zur Hinfahrt klappte alles wie am Schnürchen: Wir erreichten den Anschluss (wieder ein SEV-Bus, da diesmal Wilhelmshaven–Varel sogar komplett gesperrt war) noch locker. Da ich direkt nach Hause fuhr, musste ich praktischerweise ab Varel nicht mehr umsteigen. Meine Freundin verließ den Zug in Oldenburg, erreichte Bremen aber auch wie geplant. Ich stieg schon in Osnabrück Altstadt aus, da ich von da den besseren Busanschluss nach Hause habe und nicht mit dem Koffer vom Hauptbahnhof laufen musste.

Noch mehr Bilder von der Inselbahn gibt es in meiner Fotosammlung unter „DB-Töchter Fernverkehr“ (da die Schifffahrt und Inselbahn Wangerooge trotz der eher kurzen Strecke zum Fernverkehr zählt).

Die bunten Siebziger

Das Wochenende war sehr bunt: Ich besuchte mal wieder Freund Konny in Berlin. Hin fuhr ich mit dem direkten Intercity, der pünktlich in HO ankam, aber wegen eines Polizeieinsatzes mit etwa +5 weiter fuhr, die er bis Spandau beibehielt. Da das City-Ticket jetzt in ganz Berlin gilt und die Busse noch im 10-Minuten-Takt fuhren, nahm ich den M45 zu meinem Ziel.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der 70er- und 80er-Jahre, in denen der Großteil der U-Bahn-Linie 7 nach Spandau eröffnet wurde. Als deutliches Relikt aus dieser Zeit sind die Bahnhöfe teilweise quietschbunt gestaltet, was ich jetzt fotografisch festhielt. Wir starteten unsere Tour am Bahnhof Jungfernheide und machten Station am Siemensdamm (beide von 1980):

Kurios: Erst sollte sieben Minuten lang gar nichts kommen (für Berliner Verhältnisse schon recht lang) und dann gleich zwei Züge auf einmal:

Weiter ging es über Rohrdamm und Paulsternstraße. Letzterer Bahnhof (eröffnet 1984) war mir schon auf Fotos und beim Durchfahren als besonders bunt aufgefallen. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht:

Wir fuhren noch den Rest der Strecke bis zur Endstation Rathaus Spandau, die wieder ein ganz anderes Ambiente hat:

U-Bahnhof Rathaus Spandau

Auf dem Rückweg fuhren wir über Jungfernheide hinaus und bewunderten noch unter anderem die Station am Fehrbelliner Platz. Der untere Bahnsteig der U7 ist ganz im Stil der 70er gehalten (Eröffnung 1971, allerdings inzwischen umgestaltet), der obere Bahnsteig der U3 verrät sein viel früheres Eröffnungsdatum (1913), und das Empfangsgebäude an der Oberfläche atmet wieder den Geist der 70er:

Als Absch(l)uss bannte ich noch ein Bild des Bahnhofs Konstanzer Straße auf den Chip, dessen Farben an das Konstanzer Stadtwappen erinnern sollen. Architekt war hier wie bei den anderen U7-Stationen übrigens Rainer G. Rümmler.

Bahnhof Konstanzer Straße

Die Heimfahrt am Sonntag war auch noch eine Erkundungstour: Vom Bahnhof Spandau trat ich sie mit einem ICE 4 nach Hamburg an. Der fuhr kurioserweise gleichzeitig mit einem ICE-T nach Frankfurt (Main) ein. Nachher sah ich im Eisenbahnatlas, dass tatsächlich von Berlin Hbf (tief) Richtung Hamburg und von Berlin Hbf (Stadtbahn) Richtung Wolfsburg durchgehend konfliktfreies Fahren möglich ist.

Im Zug fand sich leider nur noch ein Platz auf dem Notsitz im Fahrradabteil, das ich dafür für mich alleine hatte und von wo ich ebenso gut die Fahrt durch die branden- und mecklenburgische Einöde verfolgen konnte. Trotz nicht voll ausgefahrener Geschwindigkeit und zeitweiligem Wechsel aufs Gegengleis erreichten wir AH nur mit +5, so dass noch genug Zeit für ein Essen beim Bahnhofsinder war. Der Anschlusszug, wieder ein 4er, war ebenso voll. Diesmal fand sich ein Platz im Abteil am Zugende, der sich beim Einchecken auch trotz ausgefallener Anzeige als nicht reserviert entpuppte. Auch hier fuhren wir kurzzeitig übers Gegengleis, erreichten HO aber trotzdem pünktlich.

Retro-Zug

Über die Bremen-Fahrt am Wochenende gibt es nur zu bloggen, dass ich beim Warten auf den Zug zurück nach Hause zufällig den ICE-Triebkopf sah, den die DB zur Erinnerung an 30 Jahre ICE mit dem damaligen Design versehen hat:

ICE-1-Triebkopf im Design von 1991

Leider nur ein nicht ganz so tolles Handyfoto, aber vielleicht gelingt mir ja noch ein besseres. Von der Fahrt selber gibt es zu sagen, dass der Zug hin +20 hatte (was mir aber einen deutlich entspannteren Feierabend bescherte), er zurück trotz zeitweisem Wechsel aufs Gegengleis und Schnellbremsung aber pünktlich war.

Neues vom Ticketverkauf im Zug

Bisher konnte man in den Fernverkehrszügen der DB Fahrkarten beim Zugpersonal kaufen. Seit dem 1. Januar 2022 ist das nicht mehr möglich (Ausnahmen gibt es für Schwerbehinderte). Dafür kann man schon seit einiger Zeit Fahrkarten in der DB-Navigator-App bis zu zehn Minuten nach Abfahrt des Zuges kaufen (sofern dann nicht schon der nächste Halt erreicht ist). Das Gute dabei ist, dass dabei die tatsächliche und nicht die planmäßige Abfahrtszeit des Zuges zählt. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber 2017, als ich für einen verspäteten IC (den letzten des Tages) weder am Automaten noch in der App eine Fahrkarte bekam und beim Zub den Bordpreis zahlen musste. Durch Melden bereits beim Einsteigen hätte sich das wohl verhindern lassen, aber jetzt hat man derartige Probleme nicht mehr. Fahrgäste ohne App haben natürlich das Nachsehen, allerdings vermute ich, dass darunter der Anteil derjenigen, die spontan ohne Fahrkarte einsteigen, eher gering ist.

Die Perlen des Jahres

… sind auch in den Pandemiezeiten die Feiertage am Jahresende. Und trotz Pandemie machte ich mich mal wieder auf den Weg, zunächst allerdings aus Infektionsschutzgründen mit dem Mietwagen nach Bad Schwartau. Dort verbrachte ich die Weihnachtsfeiertage und die Zeit zwischen den Jahren und machte mich dann wieder mit dem Zug auf den Weg.

Praktischerweise lagen meine Ziele auch noch (fast) wie eine Perlenkette hintereinander: Mein Ziel für Silvester war Hamburg-Harburg, wohin ich mit dem direkten ICE von AL fuhr, hauptsächlich um eins der bald ablaufenden Mytrain-Tickets loszuwerden, die ich im Frühjahr etwas zu großzügig gekauft hatte. Angenehmer Nebeneffekt war, dass der Zug angenehm leer war. Pünktlich war er leider nicht, da wir wegen einer Streckensperrung eine Weile in Ahrensburg standen, aber dafür war die Verspätung am Ziel mit etwa +15 noch annehmbar.

Am Neujahrstag ging es dann in Begleitung meiner Freudin ein Stück zurück zum Hamburger Hbf. In der Hoffnung, dass der weniger voll war als die S-Bahn, nahmen wir den IC, wo wir auch tatsächlich genügend Abstand hatten (die S-Bahnen sahen allerdings auch nicht voll aus). Von dort spazierten wir zum Dammtorbahnhof, um dort einige meiner Freunde zu treffen, die gemeinsam ins neue Jahr gefeiert hatten. Weiter ging es mit dem ICE nach Bremen, der schon deutlich besser gefüllt war, in dem wir aber zum Glück reserviert hatten und der auch völlig pünktlich war.

Am Morgen des 3. Januar setzte ich mich dann wieder alleine in den Zug. Meine neue Heimat erreichte ich, wieder mit Mytrain-Ticket, diesmal aber nicht auf dem direkten Weg, sondern über HH, wo ich noch Fotos von der neuen (Coradia der Transdev Hannover) und der alten (424 der DB) machen wollte, die derzeit beide im Einsatz sind. Leider schien zwar die Sonne, stand aber so tief, dass die Bilder nicht wirklich brauchbar wurden. Obendrein entpuppte sich das Einschließen des Gepäcks als aufwendiger und teurer als gedacht, da just ab diesem Tag die Schließfächer für über ein Jahr geschlossen wurden und vorerst nur noch die Gepäckaufbewahrung zur Verfügung steht. Als weiterer Stolperstein stellte sich heraus, dass in meinem Anschluss-IC kein pandemiekompatibler Sitzplatz (sprich, mit freiem Nebenplatz) mehr zu haben war, was sich zum Glück aber in Minden änderte. So genoss ich es insgesamt doch, auf dem Rückweg etwas von den ausgetretenen Pfaden abgewichen zu sein und hoffe auf viele weitere gute Fahrten im neuen Jahr, die ich euch auch wünsche!