Nebenbahnmoderne

Um meinem Ziel, alle Bahnstrecken in Schleswig-Holstein zu befahren, wieder ein Stück näherzukommen, machte ich mich am Sonntag auf den Weg nach Büsum. Eigentlich wollte ich ausschließlich mit dem Nahverkehr fahren, aber der machte keine Anstalten, auf dem Abfahrtsgleis bereitgestellt zu werden, wohl weil der verspätete Fernverkehr noch im Weg war. Also investierte ich ein wenig Geld und nahm eben diesen. So konnte ich eine halbe Stunde früher als geplant in AH sein, schon mal nach Elmshorn vorfahren und ein Bild vom ICE L mit der neuen Hybridlok machen.

ICE L bei der Durchfahrt durch Elmshorn

Dann ging es wie ursprünglich geplant auf der Marschbahn weiter und ab Heide über die für mich neue Strecke zu meinem Zielbahnhof. Die ist auch sonst gut in der Moderne angekommen: neue, barrierefreie Bahnsteige, ebensolche Akkutriebwagen und ein Stundentakt, der allerdings mit sich brachte, dass einige sehr kleine Unterwegshalte gar nicht mehr bedient werden können und die anderen bis auf Wesselburen nur bei Bedarf.

In Büsum angekommen, reichte die Zeit bis zum nächsten Zug gerade für einen Spaziergang zum Meer, eine Currywurst (wobei sich bestätigt hat, dass mir die norddeutsche Variante nicht so liegt) und einige Fotos von Autos mit kuriosen Kennzeichen (eine ehemalige Chorkollegin sammelt die). Ein Bild vom Akku-Flirt war auch noch drin:

Akku-Flirt der Nordbahn in Büsum

Zurück wollte ich ursprünglich genau denselben Weg nehmen wie hin, diesmal aber nur mit dem Nahverkehr. In Elmshorn angekommen, entschied ich mich jedoch spontan dazu, wieder einzusteigen, im Zug bis Altona sitzen zu bleiben und von da zur Abwechslung mal mit dem Bus zum Hbf zu fahren. Das klappte auch, die Fahrraddemo, die wir unterwegs passierten, behinderte zum Glück nur den Gegenverkehr, und ich lernte noch ein paar neue Ecken von Hamburg kennen. In AH angekommen, gab es noch einen spontanen Gleiswechsel für den Metronom. So, wie es aussah, erreichten ihn aber trotzdem die meisten Fahrgäste und hatten sogar einen Sitzplatz. Meinen Heimatbahnhof erreichte ich mit etwa +10 kurz vor 20 Uhr.

Im Retro-Zug zur Retro Classic

Heute war der letzte Tag der Oldtimermesse „Retro Classic“ in Essen. Das ist nun eigentlich kein Thema, das mich sonderlich interessiert, allerdings hatte ich im Netz gesehen, dass dort auch einige historische Busse ausgestellt waren. Da ich sonst noch nichts vorhatte, machte ich mich auf den Weg. Hin fuhr ich mit dem Deutschlandticket, was bedeutete, dass ich in den RE 9 einstieg, der zurzeit selber mit einer Art Oldtimerfahrzeugen gefahren wird. Ab HO ging es nahtlos mit dem RE 2 und etwas neueren Fahrzeugen weiter. Beide Züge waren sehr gut gefüllt, ich hatte aber jeweils einen Sitzplatz. Essen Hbf erreichte ich pünktlich und die Messe tatsächlich genau in dem Moment, ab dem das deutlich vergünstigte Happy-Hour-Ticket galt. Also lief ich zielstrebig zur Nutzfahrzeughalle und wurde nicht enttäuscht, denn dort stand unter anderem ein Anderthalbdecker, den ich noch nie live gesehen hatte.

Dieser Henschel-Bus (eine mir bis dahin unbekannte Marke) der Stadtwerke Trier begann sein Leben als Obus, wurde aber dann in einen Dieselbus umgebaut:

Interessant war auch der Doppelstock-Gelenkbus Neoplan Jumbocruiser, der größte jemals gebaute Bus:

Für mich besonders interessant: Ein City-Express-Neoplan 4014 ex Vestische, inzwischen im Privatbesitz und in den originalgetreuen Zustand versetzt:

Auch einige Lkw gab es zu sehen, zum Beispiel diesen Langhauber.

Auf dem Rückweg machte ich noch einen Abstecher zur U-Bahn-Strecke auf die Margarethenhöhe, um ein aktuelles Bild von den (allerdings auch schon fast historischen) Fahrzeugen der Ruhrbahn zu machen. Von den beiden eingesetzten U-Bahn-Baureihen gelang allerdings nur ein Bild von den B-Wagen an der Station Gemarkenplatz.

Um die Zeit optimal (auch zum Essen beim Frittenwerk) ausnutzen zu können, fuhr ich zurück mit dem ICE. Der war wie die Züge auf der Hinfahrt voll, aber pünktlich, so dass ich um Viertel nach acht wieder HB erreichte.

Train-Freitag mit Ryanair auf Schienen

Den gestrigen Tag haben wieder viele genutzt, um mit möglichst lauten Autos herumzufahren. Ich habe mich stattdessen meinem Lieblingsverkehrsmittel gewidmet und relativ spontan beschlossen, mit dem GoVolta zu fahren, einem neuen privaten Fernzug, der Amsterdam und Hamburg bzw. Berlin verbindet. Derzeit fährt er beide Strecken nur je dreimal pro Woche, so dass man mit einer Zuggarnitur auskommt. In beiden deutschen Städten fährt man nicht bis zum jeweiligen Hauptbahnhof, sondern Endstation ist in Harburg bzw. Gesundbrunnen.

Nach einigem Überlegen buche ich die Route Hamburg-Harburg – Hengelo: Harburg, obwohl der Zug auch in Bremen hält, um dort ein gutes Foto machen zu können, und Hengelo, um die Kluskurve mitzunehmen, auf der er den Osnabrücker Hauptbahnhof umfährt. GoVolta scheint das Konzept von Billigfliegern übernommen zu haben, nachdem im günstigen Preis nur das Nötigste enthalten ist und alle weiteren Leistungen extra kosten. So ist in den 45 Euro für meine Fahrkarte zwar die verpflichtende Sitzplatzreservierung enthalten, ich zahle aber noch mal 12,50 Euro extra, um mir einen Platz (in dem Fall am Fenster) aussuchen zu können. Bei der Buchung erhalte ich nicht direkt die Fahrkarte, sondern eine Reservierungsbestätigung mit einem Link zum Check-in, den ich spätestens vier Stunden vor der Abfahrt durchführen muss. Erst danach erhalte ich einen QR-Code, den ich bei der Kontrolle im Zug vorzeigen muss.

Als ich am Karfreitag am Bahnhof ankomme, erwische ich noch die RB, die eigentlich eine Stunde vorher fahren sollte – das Stellwerk in Tostedt war gestört. Jetzt läuft der Betrieb aber wieder an, und so überholt uns der GoVolta unterwegs. In Harburg angekommen, gelingen mir tatsächlich recht gute Bilder vom Zug:

Die Wagen sind ehemalige belgische mit Vis-à-vis-Sitzanordnung, die man innen anscheinend nahezu unverändert gelassen hat. Die 1.-Klasse-Wagen heißen jetzt Comfort und die der 2. Klasse Economy. Die Economy ist auch tatsächlich recht gut besetzt. In meiner Vierergruppe sitzt aber praktischerweise sonst niemand.

Der eine Sitz mir gegenüber hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen, aber das scheint nicht repräsentativ zu sein.

So geht die Fahrt relativ gemächlich los. In Sottrum gehen diesmal wir in die Überholung, um sage und schreibe den RE, den ICE und den Flixtrain vorbeizulassen, und erreichen HB trotzdem pünktlich. Vor HO wird es dann spannend, denn hier biegen wir in den Vorbahnhof und dann auf die Kluskurve ab, die die beiden Ebenen des Turmbahnhofs direkt verbindet. Ein Halt im Bahnhof ist dadurch nicht möglich. Auch in Rheine halten wir nicht, und der nächste Halt in Bad Bentheim scheint nur dem Lokwechsel zu dienen, denn eine Fahrkarte dorthin buchen konnte man nicht. Hier kommen wir stolze 20 Minuten vor Plan an, so dass wir den ICE vorbeilassen müssen. Dadurch kann auch die Bentheimer Eisenbahn nur verspätet einfahren, die RB nach Bielefeld wartet aber den Anschluss ab.

Bad Bentheimer Bahnsteigbild: ICE und GoVolta

Mein Zug bekommt jetzt die Nase gebrochen, also eine niederländische Lok im „Nez-cassé“-Design vorgespannt.

Die kurze Weiterfahrt nach Hengelo nutze ich noch für ein Bild der Toilette, die unten offen ist und daher ein Hinweisschild hat, das ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Sonst ist sie aber einigermaßen sauber und funktionstüchtig.

Dann ist mein Zielbahnhof erreicht. Ich steige aus dem Zug, der hier nur zum Ausstieg hält, und nutze die Stunde Aufenthalt für einen Bummel durch die Stadt, bei der natürlich auch ein Besuch bei Albert Heijn nicht fehlen darf. Zuerst wirkt die Stadt recht ausgestorben, was aber nicht am Karfreitag liegt (der hier auch gar kein Feiertag ist), sondern an der Uhrzeit. Der Supermarkt hat auch noch offen, und am Rathaus ist die Gastronomie gut gefüllt. Ich nutze sie ebenfalls für eine Pokébowl.

Pannenhilfe alleine scheint nicht zu reichen
Der Rathausturm von Hengelo

Den Rückweg trete ich komplett mit dem Deutschlandticket an, da das nur unwesentlich länger dauert als mit dem Fernverkehr. In Diepholz überholt meinen RE 9 der verspätete ICE, der um diese Uhrzeit auch hier hält. Da ich aber maximal eine Viertelstunde sparen würde, verzichte ich auf den Umstieg und erreiche so gegen Viertel vor elf wieder meinen Heimatbahnhof.

Durchs wilde Münsterland

Am Donnerstag war ich mal wieder zum internationalen Mensa-Event „Grensa“ unterwegs, das diesmal in Südlohn-Oeding an der niederländischen Grenze stattfand. Mein ursprünglicher Plan, dafür die X80 diesmal nicht nur zum Spaß zu benutzen, wurde durch deren Zweistundentakt vereitelt. Also fuhr ich mit dem ICE nach Münster, wo der recht knappe Anschluss zur RB 63 klappte, und weiter nach Coesfeld, wo sogar noch Zeit war, einen sich sonnenden Setra auf den Chip zu bringen. Meines Wissens ist es das erste Exemplar dieses recht schicken Modells in meiner Sammlung.

Setra von Boonk Reisen am Coesfelder Bahnhof

Es ist schon witzig, wie die genutzten Verkehrsmittel immer kleiner wurden: Erst ICE, dann zweimal RB, von Ahaus dann ein Regionalbus bis Südlohn, wo ich dann in den Bürgerbus umstieg. Der heißt so, weil er von Ehrenamtlichen gefahren wird und so die Verbindung zwischen den beiden Gemeindeteilen untereinander und mit dem niederländischen Winterswijk darstellt. Der Bürgerbus fährt werktags außer samstags im Stundentakt und ist in der Fahrplanauskunft zu finden. Das Deutschlandticket gilt nicht, die Fahrt kostete aber ganze 1 Euro.

So kam ich dann tatsächlich eine Stunde früher als mit dem X80 in Oeding an. Am nächsten Tag gelang mir dann auch ein Foto vom Bürgerbus, wenn auch ohne Sonne:

Der Südlohner Bürgerbus am Rathaus in Oeding

Der Rest des Wochenendes war mehr oder weniger ÖPNV-frei, sieht man einmal davon ab, dass wir am Sonntag ein Kuriosum besichtigten: Das niederländische Dinxperlo und das deutsche Suderwick sind im Grunde ein Ort in zwei Staaten. Da die Grenze entlang der Straße verläuft, auf der der Bocholter Stadtbus fährt, hat er logischerweise auch auf beiden Seiten unterschiedliche Haltestellenmasten:

Deutscher (links im Hintergrund) und niederländischer Haltestellenmast auf dem Hellweg in Suderwick bzw. dem Heelweg in Dinxperlo

Zurück ging es dann nicht mit dem Zug, sondern es ergab sich eine Mitfahrgelegenheit bis an den Stadtrand von Bremen, wo ich direkt den Schnellbus nach Hause erwischte und so noch bei meiner Freundin vorbei schauen konnte.

Freifahrt auf der Güterbahn

Da sich die DB entschieden hatte, die Freifahrten am Tag nach einer Goldmedaille für Deutschland auf die Paralympics auszuweiten, war ich heute mal wieder in der 1. Klasse des Fernverkehrs unterwegs. Zuerst nach Hamburg, wo ich eine Stunde Zeit hatte, die ich nutzte, um an den Elbbrücken ein „anständiges“ Foto eines DT4 der Hochbahn zu machen:

Auf dem Weg dahin ergab sich auch ein Bild des nur mit einem Gitter abgesperrten „Geisterbahnsteigs“ in Hauptbahnhof Nord.

Dann machte ich mich aber auf den Weg zum eigentlichen Zweck der Reise: die Befahrung der Güterumgehungsbahn, die nämlich wegen der baubedingten Sperrung der Verbindungsbahn derzeit als Umleitung für einige Fernzüge dient. Kaum war ich mit dem EC Richtung Kopenhagen abgefahren, erfuhr ich, dass ich keinen neuen Abschnitt kennenlernen würde, denn wegen einer Streckensperrung bogen wir auf die Lübecker Strecke ab und fuhren über Bad Oldesloe nach Neumünster. Das ging auch nur, weil unser Zug außerplanmäßig noch ein dieselbetriebener IC3 ist. Auf dem eingleisigen Streckenabschnitt verpassten wir den entgegenkommenden Regionalbahnen zwar ordentliche Verspätung, kamen selbst aber einige Minuten vor Plan in Neumünster an.

Dort entdeckte ich auf dem Nachbargleis einen ICE, der wegen der Sperrung zurückgehalten worden war und als Fahrtziel Hamburg-Harburg hatte (nachdem er ursprünglich nach Stuttgart hätte fahren sollen). Dieses Ziel konnte er ja nur über die GUB erreichen, und so wartete ich geduldig, bis es nach einer halben Stunde tatsächlich weiter ging. Noch während der Fahrt wurde bekannt gegeben, dass wir statt Harburg den Hbf anfahren und der Zug dort auf einen anderen ICE nach TS wenden würde. Die Fahrgäste dorthin freuten sich – ich mich auch, denn nicht nur hatte es jetzt tatsächlich mit der Bereisung geklappt, sondern so konnte ich noch in AH beim Mexikaner essen und mich direkt eine halbe Stunde später wieder auf den Weg nach Bremen machen.

Kein Zug nach Nirgendwo

Am Wochenende ging es mal wieder mit Ole nach Schladern. Hin fuhren wir zwar im selben Zug, aber nicht zusammen, weil ich dank ProbeBahnCard und Aktionsgutschein recht günstig in der (ebenfalls ziemlich vollen) 1. Klasse reiste. Den Umsteigebahnhof Köln erreichten wir mit immerhin so viel Verspätung, dass wir die eigentlich geplante S-Bahn nicht mehr erreichten, dafür aber den RE von fast einer Stunde vorher. Der stand dann in Deutz wegen einer Signalstörung noch eine Weile herum, was uns auf dem Nachbargleis noch folgenden Anblick bescherte:

Zug der Mittelrheinbahn nach „Nirgendwo“

Zum Glück nicht nach Nirgendwo, sondern letztendlich doch noch nach Schladern führte unsere Reise, so dass wir den Zielbahnhof gegenüber dem ursprünglichen Plan mit ganz passablen etwa +15 erreichten.

Auf dem Rückweg nahmen wir ebenfalls den RE, was uns möglicherweise den Umstieg in Köln rettete. Der erfolgte in den „Female ICE“, der für eine Aktion beklebt wurde, bei der er nur mit weiblichem Personal besetzt war.

Der „Female ICE“ in Köln Hbf

Ob er das danach auch noch ist, weiß ich nicht. Ich sah zwar nur Frauen als Zugbegleiterinnen, das mag aber Zufall gewesen sein. Wie dem auch sei, jedenfalls erreichten wir, diesmal beide in der 2. Klasse, angenehmerweise Bremen pünktlich. Ole musste sich jetzt angesichts des ÖPNV-Streiks allerdings aufs Fahrrad schwingen, während ich wie immer nur einen kurzen Fußweg zurückzulegen hatte.

Der Neigung nachgegangen

Am letzten Wochenende der Olympischen Winterspiele gab es zwei Goldmedaillen für das deutsche Team. Was das mit der Eisenbahn zu tun hat? Der Medaillengewinn war auch ein Gewinn für so einige Bahnkunden, die eine Probe BahnCard Gold erworben hatten und dadurch jeweils einen Tag kostenlos im DB-Fernverkehr fahren konnten. Da ich einer davon war, machte ich mich am Samstag auf den Weg. Der ursprüngliche Plan war, die Umleitungsstrecke Hamburg–Berlin über Uelzen–Stendal zu fahren. Da ich aber kurzfristig erfahren hatte, dass an dem Tag auch noch die Neigetechnik-ICE der BR 415 verabschiedet wurde, disponierte ich in Harburg um und fuhr nach Hannover. Von da ging es weiter mit dem IC Richtung Leipzig, wo die Abschiedsfahrt Station machen sollte. So entging mir zwar die Erstbefahrung der Strecke Uelzen–Stendal, dafür wurde der IC aber über die Strecke Stendal–Magdeburg umgeleitet, die ich auch noch nicht kannte. LL erreichten wir dadurch mit etwa +20, aber immer noch rechtzeitig für die Abschiedsfahrt, für die sich schon zahlreiche Eisenbahnfans auf den Bahnsteigen postiert hatten. Dadurch und wegen des ungünstigen Sonnenstands wurden meine Fotos nicht die allerbesten, aber immerhin die Gedenkanschrift am Zug habe ich ganz gut verewigen können.

Abschiedsfahrt der Baureihe 415 in Leipzig Hbf

Jetzt machte ich mich aber auf den Weg zu meinem ursprünglich geplanten Ziel, passenderweise mit einem „langen“ Neigetechnik-ICE der BR 411, die weiterhin in Betrieb bleiben. Der brachte mich pünktlich nach Dresden, wo ich erst mal Bilder vom örtlichen Nahverkehr machte, darunter dem neuesten Pferd im Straßenbahnstall.

Wagen des Typs NGT DXDD am Dresdner Hbf

Nach nur einer Stunde trat ich auch schon wieder den Rückweg an. Um die Freifahrt für etwas Ungewöhnliches zu nutzen, tat ich das mit dem ComfortJet, einer tschechischen Variante des Railjet, die zwischen Wien, Budapest, Prag, Dresden und Berlin unterwegs ist, nach der Generalsanierung auch bis Hamburg und Kopenhagen. Der hatte leider eine halbe Stunde Verspätung, dafür hatte ich in der 1. Klasse, die ich mit meiner BahnCard Gold benutzen durfte, den ganzen Wagen für mich alleine:

1. Klasse des ČD-ComfortJet

Auch aus dem Restaurant konnte ich mich am Platz bedienen lassen, hatte aber gerade keine Lust auf tschechisches Essen und ließ es daher bei einer Limo bewenden.

2. Klasse des ČD-ComfortJet
Steuerwagen des ČD-ComfortJet

Durch die Verspätung verpasste ich leider den Anschluss in Berlin, hatte dafür dann aber dort Zeit zum Essen und zum Bewundern der Rolltreppen, die fast alle gerade wegen eines technischen Defekts abgeschaltet waren. Weiter ging es mit einem ICE Richtung HH, der sich leider durch längeres Herumstehen vor Wolfsburg auch wieder Verspätung einfuhr und den Umsteigebahnhof erreichte, als mein Anschlusszug am Gleis gegenüber gerade abgefahren war. Das war dann schon etwas ärgerlich, immerhin fuhr kurz danach schon der RE, den ich nun mit meinem Deutschlandticket in der 2. Klasse nutzte und so HB zwei Stunden später erreichte als geplant.

Da es am Samstag noch eine Goldmedaille gegeben hatte, machte ich mich am Sonntag noch mal auf den Weg, allerdings erst nach ausgiebigem Ausschlafen. Diesmal stand die Erstfahrt mit dem ICE L auf dem Programm, der ja zurzeit zwischen Köln und Berlin eingesetzt wird und in dieser Richtung praktischerweise über Osnabrück fährt. Also machte ich mich auf den Weg gen Süden, kurioserweise in einer Zeitlage, in der statt des stündlichen ICE nur der halbstündlich versetzte IC aus Westerland fuhr, so dass ich den Vorgänger des ICE L auch noch einmal genießen konnte – übrigens in einer ziemlich vollen ersten Klasse und mit einer farblich passenden 101.

IC 1 aus Westerland in Recklinghausen Hbf

Nach einem kurzen Gang durch die sonntäglich tote Altstadt erwartete ich gespannt die Ankunft des Zuges, nur um zu erfahren, dass dieser kurzfristig umgeleitet wurde. Stattdessen kam kurz danach der IC nach Emden in Gestalt eines ICE 2, in dem wir erfuhren, dass wir den ICE L in EMST noch würden erreichen können. Das passierte dann auch tatsächlich:

Steuerwagen des ICE L in Münster Hbf
1.-Klasse-Wagen des ICE L in Münster Hbf

Ein bisschen wirkt er ja mit seinen kurzen Wagen wie ein Spielzeugzug. Nach einer nun etwas verkürzten Fahrt stieg ich in HO aus und in den etwa 30 Minuten verspäteten ICE nach HB ein. Dort kam er allerdings nicht an, weil er wegen eines Wildunfalls kurzfristig über die Güterumgehungsbahn umgeleitet wurde. Zum Glück hielt er vorher noch in Kirchweyhe, was sogar im Fahrgastinformationssystem angezeigt wurde:

Natürlich passte der Zug nicht ganz an den Bahnsteig, weshalb aus der 1. Klasse erst mal eine Völkerwanderung nach vorne einsetzen musste.

Insgesamt ging aber alles ziemlich schnell vonstatten: Die Fahrgäste für Bremen stiegen aus, der ICE fuhr weiter und dürfte auf der kürzeren Strecke einiges von seiner Verspätung abgebaut haben. Zum Glück kam auch direkt dahinter der RE, so dass die Fahrt nach Bremen – nun allerdings in einer recht vollen 2. Klasse – nur unwesentlich länger dauerte.

USA-Tagesausflug

Nicht in das Land der nicht mehr ganz so unbegrenzten Möglichkeiten, sondern nur in die benachbarte Hansestadt Hamburg führte mich meine heutige Tour. In HB erwischte ich gerade noch die RB – hatte ich gedacht, die Abfahrt verzögerte sich dann wegen der Überholung zweier ICE und der Kreuzung mit dem Gegenzug doch noch so lange, dass ich mir auch noch einen Kaffee hätte holen können. Bis AH wurde die Verspätung immerhin nicht mehr, so dass ich immerhin noch kurz zum Bäcker gehen konnte und dann die ebenfalls verspätete S5 zur Elbgaustraße erreichte.

Die verließ ich eine Haltestelle vorher in Eidelstedt, um nach mehr als 20 Jahren mal wieder A-Bahn zu fahren. Dahinter verbirgt sich ein kommunaler landeseigener Eisenbahnbetrieb, dessen Hauptstrecke von Eidelstedt nach Kaltenkirchen gerade für den S-Bahn-Betrieb ausgebaut wird. Daher endet die Linie A1 auf dieser Strecke auch schon in Ulzburg Süd, den Betrieb von dort nach Kaltenkirchen und Neumünster übernimmt die Linie A2. Die nahm ich nun – in Gestalt eines LINT – in Gegenrichtung bis zur Endstation Norderstedt Mitte.

LINT der AKN in Norderstedt Mitte

Um Bilder zu machen, ließ ich die – wegen Bauarbeiten nur alle 20 Minuten fahrende – U-Bahn sausen und hatte so unter anderem endlich Zeit für einen Kaffee, aber auch für ein Foto von diesem kuriosen Straßenschild:

Straße „Beamtenlaufbahn“ in Norderstedt

Dann machte ich aber endlich die Buchstaben aus der Überschrift komplett und fuhr mit der U1 zwei Stationen weiter bis Garstedt. Von dort gibt es nämlich einen Bus nach Poppenbüttel, von wo mir noch die S-Bahn in meiner Sammlung fehlte. Die hakte ich auch ab, nur um in Barmbek wiederum in die U-Bahn zum Hauptbahnhof umzusteigen und dort zu essen, diesmal beim Syrer.

Für die Rückfahrt liebäugelte ich mit einem ICE-Ticket, entschied mich aber doch für die verspätete RB. Für den Platz hätte sich der Aufpreis nicht gelohnt, denn davon gab es in der RB genug. Nur wäre ich mit dem ICE früher in HB gewesen. Wie sich herausstellte, sogar mit dem RE, der uns in Sottrum überholte. Aber man kann nicht ein volles Fass und eine betrunkene Ehefrau haben, wie ein italienisches Sprichwort sagt. Und ich hatte ja heute Abend nichts weiter vor, außer diesen Blogbeitrag zu schreiben.

Schnee von vorgestern

Schneesturm „Elli“ hat vorgestern den öffentlichen Verkehr hier in Norddeutschland weitgehend lahmgelegt. Hier in Bremen fuhren heute noch viele Straßenbahnen nicht, Bus- und Eisenbahnverkehr liefen dagegen weitgehend normal. Das nutzte ich für einen kleinen Ausflug, unter anderem zum Bahnhof Oslebshausen, wo mir Bilder vom WFL-Ersatzzug auf dem RE 9 und einem redesignten Coradia auf der RS 1 bei der Fahrt durch die weiße Pracht gelangen.

Fast 100 % gegeben (3/3)

Am Sonntag ging es leider schon wieder auf den Heimweg aus Luxemburg. Als krönenden Abschluss hatte ich mir aber noch vorgenommen, die Nordstrecke bis Lüttich zu befahren. Am Bahnhof Luxemburg habe ich noch ausreichend Zeit, eine Doppelstockgarnitur von der Seite des Steuerwagens auf den Chip zu bringen.

Bis Kautenbach (bzw. theoretisch von meiner Reise 2006 bis Clervaux) kenne ich die Nordstrecke ja schon. Beim Halt in Kautenbach mache ich noch aus dem Zug ein Bild vom Bahnhof. Auf den neueren Bahnhofsschildern steht der französische Ortsname (den man in der Fahrplanauskunft und auf Landkarten findet) oben, darunter der luxemburgische. Auf den älteren Schildern steht nur der französische. Übrigens sind im luxemburgischen Menü der CFL-Fahrkartenautomaten auch die Ortsnamen in Frankreich in dieser Sprache angegeben. So musste ich am Vortag erst mal darauf kommen, dass ich eine Fahrkarte nach Diddenuewen brauche.

Die Fahrt geht weiter zum Grenzbahnhof Troisvierges, bei dem man auch nicht unbedingt darauf kommt, dass die Namen Ulflingen und Ëlwen denselben Ort bezeichnen. Hier haben wir einige Minuten Aufenthalt, und das Personal wechselt. Dann geht es weiter durch recht einsame, verschneite Landschaft über die Grenze. Bald wird es bergig, und wir folgen dem Lauf verschiedener Flüsse: OpenStreetMap meint, es sei erst der Glain, dann die Salm und dann die Amblève. In Rivage, wo wir auch auf die Strecke aus Marloie treffen, fließt die Amblève wiederum in die Ourthe.

Wildromantische Landschaft

Nach insgesamt knapp drei Stunden Fahrzeit erreichen wir Lüttich. Hier fließt wiederum die Ourthe in die Maas, die neben der Bahnstrecke von einer imposanten Straßenbrücke überquert wird.

Dann ist der Bahnhof Liège-Guillemins erreicht. Durchgefahren bin ich hier schon oft, aber jetzt habe ich endlich mal Zeit, die Architektur zu bewundern und für meine Sammlung zu verewigen.

Bahnhofshalle von Liège-Guillemins. In der Mitte der Desiro ML, mit dem ich aus Luxemburg gekommen bin.

Von hier wäre der schnellste Weg mit dem Eurostar (ex Thalys) nach Köln gewesen. Da alleine diese Strecke aber schon 60 Euro nicht stornierbar gekostet hätte, fahre ich lieber mit dem Nahverkehr weiter. Das ist zufällig der LIMAX, mit dem ich sowieso schon immer mal fahren wollte.

Der Zug ist recht voll, aber am Ende findet sich noch ein Platz für mich. Diesmal sitze ich auf der anderen Seite, wo es auch eine schöne Maasbrücke gibt:

Parallel zur Maas fahren wir dann auch über die niederländische Grenze, damit der Dreiländerzug seinem Namen auch gerecht wird. In Maastricht biegen wir auf die Strecke nach Heerlen ab, die durch die Gegend führt, in der die Niederlande ihrem Namen am wenigsten Ehre machen. Inzwischen ist der Zug so leer geworden, dass ich einen Vierer für mich habe. Kurz vor Herzogenrath passieren wir unbemerkt für mich die Systemwechselstelle zum deutschen Stromnetz und die Staatsgrenze. Gleich darauf muss ich auch schon umsteigen.

Mein nächster Zug ist der RE 4 nach Düsseldorf. Der ist erfreulicherweise pünktlich und auch recht leer. Und sogar die Sauberkeit, von der ich in Luxemburg so angetan war, ist auch hier zu bewundern. In Düsseldorf steige ich aus und esse erst mal beim Frittenwerk. Eigentlich ist der Plan, mit dem RE 2 nach Osnabrück zu fahren und je nach Verkehrslage auf dem letzten Stück vielleicht noch mit dem ICE abzukürzen. Nun ist die Verkehrslage aber so, dass der RE ausfällt. Also kaufe ich mir ein Ticket für den ICE, verbringe die restliche Zeit in der Lounge und fahre dann mit dem ICE nach Hause. Der ist erfreulicherweise bis kurz vor dem Ziel pünktlich und fährt (bzw. steht) sich erst in Bremen-Hemelingen etwa +10 ein. So geht die Tour auch auf dem deutschen Streckenabschnitt recht erfolgreich zu Ende.

Auch für die „Route Coverage“ bei Viaduct war die Tour erfolgreich: Ich habe jetzt 95 % des Streckennetzes befahren. Außer der Strecke nach Longwy fehlt jetzt nur noch die Museumseisenbahn → „Train 1900“, die von Pétange in Richtung der französischen Grenze führt.