Über Oberhausen und Unterhausen

Nein, ausnahmsweise mal nicht im Ruhrgebiet war ich am letzten Augustwochenende. Vielmehr besuchte ich Freunde in Augsburg und mit ihnen den dortigen Bahnpark, ein Eisenbahnmuseum, das bei meinem Silvesterbesuch leider Winterpause hatte. Für die Anreise am Samstag nahm ich dieselbe Verbindung wie damals: mit dem ICE nach HH und von da weiter nach MA, wobei es bis NWH nonstop über die SFS ging. Im Gegensatz zum Dezember waren diesmal beide Züge ICE-T, wobei es die Neigung nur zwischen Würzburg und Treuchtlingen zu erleben gab. Pünktlich waren beide Züge auch noch.

Am Sonntag besuchten wir dann den Bahnpark. Dieser ist nicht nur ein Museum, sondern wird auch von EVU für die Wartung und Unterstellung von Fahrzeugen genutzt. Daher gab es vor der Drehscheibe unter anderem Vectrons in verschiedenen Farben zu sehen, die auf ihre Auslieferung zu den Abnehmern warteten.

Vectron-Loks aus dem Siemens-Werk in München-Allach warten auf die Fahrt zu ihren Abnehmern.

Die Drehscheibe wurde kurz nach unserer Ankunft vorgeführt. Da sich das mit einem Fahrzeug besser macht, man aber keinen Tf zur Hand hatte, schob kurzerhand ein Mitarbeiter eine Motordraisine auf die Drehscheibe, die daraufhin ihre Runden – nun ja, drehte.

Vor und nach der Vorführung sahen wir uns ein wenig im Lokschuppen um. Für mich der Star dort war der „Gläserne Zug“ – oder, wie es einer meiner Freunde mal sagte, „was davon noch übrig ist“, nach dem Unfall von 1995 nämlich, der nicht nur ein Todesopfer, sondern auch den Totalschaden des Triebwagens verursachte. Die nicht beschädigte Seite sieht allerdings noch ganz passabel aus.

Auf der anderen Seite, die zum Tor hin steht, wird allerdings klar, warum ein Wiederaufbau des Zuges sich wohl nicht lohnen würde.

Am Montag trat ich dann schon wieder den Rückweg an. Da ich den ganzen Tag Zeit hatte, fuhr ich den Heimweg nicht direkt, sondern machte Schlenker für Fotos und Streckenbereisungen. Eigentlich war geplant, die Strecke Augsburg–Ingolstadt zu befahren, aber da dort zwischen der Planung der Reise und der Durchführung derselben SEV eingelegt wurde, machte ich den Umweg über Donauwörth. Praktischerweise kannte ich die Strecke ab dort auch noch nicht. Los ging es am Bahnhof Augsburg-Oberhausen, der zwar sieben Bahnsteiggleise hat, aber keinen Aufzug, um barrierefrei dorthin zu gelangen. In MDT hatte ich mehr Zeit zum Umsteigen, weil mein Anschlusszug noch den Gegenzug auf der eingleisigen Strecke abwarten musste. Auf der liegt auch der andere titelgebende Bahnhof. Anders als vom Tf durchgesagt, kreuzten wir aber unseren Gegenzug aber nicht dort, sondern wie geplant in Neuburg (Donau), was diesem wiederum Verspätung mitgab. Grund für die Verspätungen soll eine Signalstörung gewesen sein.

In Ingolstadt stieg ich dann in den München-Nürnberg-Express. Ursprünglich sollte dieser nur noch von den neuen Škoda-Doppelstockgarnituren gefahren werden, aber wegen deren Unzuverlässigkeit sind auch immer noch die ex-IC-Wagengarnituren auf der Strecke unterwegs. Eine solche erwischte ich auf der Fahrt zu meiner nächsten Station Allersberg. Dort wollte ich ein Foto von einem der Škoda-Züge machen. Ich ging davon aus, dass der nächste Zug Richtung München wieder „meine“ IC-Garnitur sei, aber erfreulicherweise kam tatsächlich der Doppelstöcker, auch wenn im entscheidenden Moment die Sonne hinter einer Wolke verschwand.

Lok der BR 102 vor einem Doppelstockzug auf dem Müńchen-Nürnberg-Express
Doppelstockzug auf dem Müńchen-Nürnberg-Express
Doppelstockzug auf dem Müńchen-Nürnberg-Express

Da der Bahnhof nicht gerade sehr einladend ist, war ich froh, hier nicht noch länger bleiben zu müssen, und machte mich sogleich mit dem Bus auf den Weg nach Hilpoltstein. Nach einer Kaffeepause in der Nähe des dortigen Bahnhofs ging es weiter nach Roth, womit ich diese Strecke auch erstbereist habe. Als nächstes waren dann vor dem Nürnberger Hbf noch ein paar ÖPNV-Fotos drin, unter anderem vom Avenio, der Schwester des Bremer Nordlichts.

Avenio-Straßenbahnzug vor dem Nürnberger Hauptbahnhof

Ab hier war ich mit dem Fernverkehr unterwegs, wobei ich auch hier noch eine Etappe eingebaut hatte: In Fulda wollte ich ein Bild vom Leo Express machen, der seit Ende Juni Frankfurt am Main mit dem tschechischen Bohumín verbindet. In Fulda pünktlich angekommen, ärgerte ich mich erst einmal mit der Toilette herum, die den Euro für den Eintritt zwar schluckte, selbigen aber dafür nicht freigab. Als Ausgleich bekam ich völlig überraschend einen Doppelstock-Railjet der ÖBB geboten, der anscheinend während einer Testfahrt hier Aufenthalt hatte.

ÖBB-Doppelstock-Railjet in Fulda

Trotz eines plötzlichen Gleiswechsels und einsetzenden Regens gelangen mir aber auch die Fotos vom Leo Express, der aus einer gemieteten Vectron, einem recht abgerockt wirkenden Liegewagen und zwei ex-DB-IC-Wagen bestand.

Jetzt hatte ich noch eine Stunde Zeit bis zu meiner Weiterfahrt, in der ich ein wenig am Bahnhof herumschlenderte. Jetzt kam wieder die Sonne heraus, so dass ich die wartende 188 von Akiem noch in allerbestem Licht verewigen konnte.

Die Strecke nach Frankfurt war anscheinend wegen Bauarbeiten nur eingleisig befahrbar, was allen Zügen von dort (der Leo war da anscheinend eine Ausnahme) eine ordentliche Verspätung verpasste. Mein nächster Zug kam zum Glück aus Richtung Würzburg, so dass er pünktlich war, genau wie mein Anschluss in HH. So erreichte ich tatsächlich, wie schon auf der Hinfahrt, meinen Zielbahnhof pünktlich und konnte mich jetzt auch noch über jede Menge Fotos und andere Eindrücke freuen.

Weniger glatt lief es übrigens am Wochenende danach, als ich zum PaderPuzzle, einer Rätselrallye in Paderborn unterwegs war. Die Verspätung des ICE ließ mich und meinen begleitenden Teamkollegen gleich zwei Anschlüsse in EMST verpassen, so dass wir EPD mit +60 erreichten. Auf der Rückfahrt hatte dann wiederum der ICE ab EMST die fast schon übliche Verspätung, diesmal waren es etwa +45.

Wette und Tasche verloren

Am Wochenende ging es mal wieder mit Freund Ole nach Schladern: hin mit dem ICE bis KK, von dort weiter mit dem RE 9(die etwas schnellere Verbindung mit der S 19 gibt es gerade wegen Bauarbeiten nicht). Trotz großer Hitze draußen funktionierte es fast tadellos: Mit „nur“ +6 erreichten wir unseren Zielbahnhof. Damit lagen wir weit unter den Erwartungen unserer Gastgeber, die schon untereinander gewettet hatten, wie viel Verspätung wir haben würden.

Noch sensationeller verlief die Rückfahrt: RE 9 leicht verspätet, der ICE bei der Abfahrt auch. Allerdings gelang es ihm bzw. den beteiligten Eisenbahnern, bis Bremen auf 5 Minuten vor Plan zu kommen. Das war insofern nützlich, als meine kleine Reisetasche, die ich ziemlich sicher beim Einsteigen ins Gepäckfach über Kopf gelegt hatte, plötzlich nicht mehr auffindbar war und ich so noch Zeit zum Suchen hatte. Wieder aufgetaucht ist sie trotzdem nicht. Da nur nicht mehr ganz neue Bettwäsche drin war, ist der Verlust zu verschmerzen, aber trotzdem ärgerlich. So war der Heimweg, bei deutlich angenehmeren Temperaturen als an den Tagen davor, ein wenig getrübt.

Einst und jetzt 5: Marl Mitte

Ursprünglich hatte ich die Serie nur auf drei Teile angelegt, jetzt gibt es schon den fünften und ein Spezial … Da ich am Sonntag mal wieder in der Heimat war, hatte ich die Idee, meine allerersten Bahnfotos zu reproduzieren und ein wenig über die Veränderungen seitdem zu schreiben.

Zunächst noch etwas weiter in die Vergangenheit: Mitte der 70er-Jahre bekam die Stadt Marl, die aus einer Ansammlung von Dörfern entstanden ist, ein neues Zentrum auf der „grünen Wiese“. Dazu gehörte unter anderem das Rathaus, das Einkaufszentrum „Marler Stern“, aber auch ein Haltepunkt an der kurz zuvor eröffneten Strecke Abzweig Lippe – Gelsenkirchen-Buer Nord. Wie der daneben liegende Busbahnhof erhielt er den Namen „Marl Mitte“. Ab den Achtzigerjahren wurde die Strecke im Taktverkehr befahren, wegen des langen eingleisigen Abschnitts aber nur stündlich. Da die Züge über die damals noch nicht elektrifizierte Strecke nach Langenberg bzw. später nach Wuppertal weiterfuhren, fuhren die Züge trotz Fahrdraht mit Dieselvorspann. Eingesetzt wurden 216er mit n-Wagen, die am Anfang noch ihrem Spitznamen „Silberlinge“ alle Ehre machten.

Einen solchen Zug bannte ich an einem unbekannten Tag im April 1993 auf den analogen Film:

Genau bekannt ist dagegen das Datum des zweiten Bildes vom Hp Marl Mitte, das ich am 14. August 1993 auf dem Weg zu einem Feriencamp in Bochum-Dahlhausen machte:

Wozu der mit „Bahnhof“ beschriftete Bau diente, ist mir nie so ganz klar geworden. Es handelte sich um eine Art nach einer Seite offenen Halle, auf der anderen Seite befand sich eine vergitterte fensterartige Öffnung zur Bahnstrecke. So etwas wie Bänke oder gar einen Fahrkartenschalter gab es dort nicht, für eine Wartehalle wäre es dort auch viel zu zugig und zu weit weg vom Bahnsteig gewesen. Dafür gab es ja auch die Wartehäuschen auf dem Bahnsteig.

Fast auf den Tag genau 33 Jahre später, am 9. August 2026, sah es auf dem Bahnsteig in Marl Mitte so aus:

Was sich anscheinend am wenigsten verändert hat, ist der Bahnsteig selber: Da man ihn vorausschauenderweise schon in der S-Bahn-kompatiblen Höhe von 76 Zentimetern errichtet hatte, brauchte er nicht mehr erhöht zu werden, als 1998 endlich die „echte“ S 9 kam, die die vorherige Linie 9 (ohne S) ablöste und zunächst nur bis Essen fuhr. Als dann auch die Strecke weiter nach Wuppertal elektrifiziert war, fuhren die S-Bahnen ab 2003 auch bis dorthin. Eingesetzt wurden – wie auf der gesamten S-Bahn Rhein-Ruhr – zunächst 143er mit x-Wagen, zeitweise auch 420er, später dann 423er und jetzt Flirts, die in vom VRR vorgegebenen Farben unterwegs sind.

Wie man sieht, sind die Aufbauten oben auf der Brücke verschwunden. Die Treppe zum Bahnsteig befindet sich jetzt auf der dem Fotografen zugewandten Seite. Auf der anderen befindet sich ein Aufzug, der auch den Busbahnhof und den Marler Stern barrierefrei erreichbar macht. Vom Bahnsteig gibt es noch einen ebenerdigen Zugang in die angrenzende Siedlung. Dieser führt über die Fläche, die für das zweite Gleis freigehalten wurde, das vermutlich nie gebaut wird.

Noch ein kurzer Blick auf den Busbahnhof: Der war in den Siebzigern mit den damals üblichen parallelen schmalen Bussteigen gebaut worden und sah 1993 schon nicht mehr ganz taufrisch aus:

Hier hat man – im Rahmen der Umgestaltung des gesamten Stadtzentrums – Nägel mit Köpfen gemacht und im März 2005 den Busbahnhof verlegt, und zwar an die Stelle, an der sich früher die Zufahrtsrampe für den alten befand (in den Bildern oben rechts vom Bildrand). Die Neigung, die er daher hat, sorgte anfangs für Diskussionen, mir sind aber keine praktischen Probleme damit bekannt. Wie inzwischen üblich, besteht er aus einer großen Mittelinsel, um die herum die sägezahnartigen Bussteige angeordnet sind:

Der alte Busbahnhof befindet sich nun wiederum links vom Bildrand und ist beim Umbau durch eine relativ einfallslose Betonfläche ersetzt worden. Links im Bild ist die Brücke zum Haltepunkt erkennbar, rechts der neue Busbahnhof. Dazwischen im Hintergrund befindet sich das Kundenzentrum mit Sozialräumen für das Fahrpersonal. Ersteres bestand 1993 nur aus einem zugigen Schalter am Rand des Busbahnhofs, ziemlich genau links neben dem Fotografen.

Fazit: Marl ist nicht die schönste Stadt der Welt und Marl Mitte sicher auch nicht der schönste Bahnhof. Insgesamt haben Haltepunkt und Busbahnhof seit 1993 aber schon ein wenig gewonnen – auch wegen der Verkehrsverbindungen von dort, über die ich in den früheren Folgen schon geschrieben habe.

Einst und jetzt 1: Fahrzeuge

Einst und jetzt 2: Liniennetz

Einst und jetzt 3: Sonstiges

Einst und jetzt 3 – Nachtrag

Einst und jetzt: Spezial zum Mauerfall

Einst und jetzt 4: Zielnetz 2015 und Ist-Netz 2020

Zurück in die Zukunft 3

Am Sonntag konnte ich die Trilogie endlich mit dem dritten Teil abschließen, der natürlich im Westen spielt, der momentan leider fast so trocken ist wie der echte Wilde Westen. Um Geld zu sparen, machte ich mich mit dem Deutschlandticket auf den Weg nach HO. Von dort fuhr der RE 2 nicht wie sonst bis ERE durch, sondern baubedingt nur bis EHLT. Dort hatte ich die Wahl zwischen Warten auf den RE 42 oder gleich weiter mit dem SEV, bei ungefähr gleicher Ankunft. Neugierig entschied ich mich für Letzteren und wurde mit einem klimatisierten, mäßig vollen Bus belohnt, der in Recklinghausen über einige Straßen fuhr, die ich noch nicht kannte, um den Osteingang des Bahnhofs zu erreichen.

Auf der anderen Seite des Bahnhofs wartete ich dann auf einen der „Retro-Busse“, die die Vestische zum 125-jährigen Jubiläum in den Farben foliert hat, in denen sie in den Achtzigerjahren fuhren. Leider vergeblich, also stieg ich in den 238er. Der fährt nicht mehr wie vor 30 Jahren nach Marl, sondern ist jetzt der ehemalige Schnellbus nach Buer, den ich noch nie gefahren war. Dort angekommen, mussten erst einmal ein Eiskaffee und eine Currywurst sein, bevor ich mich dann – weiterhin ohne Retrobusfoto – auf den Weg nach Marl Mitte machte, wohin wie vor 30 Jahren der 222er fährt.

Dort wurde ich dann endlich fündig, denn einer der Busse machte zwischen zwei Fahrten auf der 223 dort Pause (und wurde zwischendurch umgeparkt):

Zu meinem Glück kam dann auch noch einer der neuen Caetano-Wasserstoffbusse vorbei, die mir auch noch in meiner Sammlung fehlten:

Zwischendurch machte ich noch einige Aufnahmen für den nächsten Beitrag, bevor ich mich dann auf den Weg nach Hause machte. Aufgrund der Bauarbeiten ging das am schnellsten mit der S 9, die gerade die einzige Schienenverbindung zwischen Essen und Münster darstellte und daher ungewöhnlich voll war. Angenehm leer war dafür ab EHLT der RE 42 bis EMST. Dort ließ ich mutig den RE 2 fahren und stieg in den verspäteten ICE, der als „außergewöhnlich ausgelastet“ gekennzeichnet war. Das stimmte im Prinzip auch, für mich fand sich aber doch noch ein Sitzplatz, so dass ich etwas früher als mit der planmäßigen Verbindung wieder HB erreichte.

Vier fahrn nach Kopenhagen

Zur goldenen Hochzeit hatten meine Schwester und ich unseren Eltern einen Kurzurlaub zu viert in der dänischen Hauptstadt geschenkt. Natürlich ging das Ganze nicht ohne Fahrplanänderungen zwischen Buchung und Fahrt ab, so dass wir uns am Samstag eine Stunde früher aufmachten als ursprünglich geplant: ich aus Bremen, die anderen aus Lübeck. Zum Glück hatte ich im früheren Zug noch Plätze reservieren können, so dass wir entgegen der ursprünglichen Planung im DSB-Talgo sogar zusammen sitzen konnten. Das taten wir dann auch etwas länger als vorgesehen, denn auch die dänische Bahn kann Verspätungen: Da es Probleme bei der Umschaltung der Lok auf das dänische Stromsystem gab, standen wir im Grenzbahnhof Padborg stolze anderthalb Stunden. Als es dann weiterging, konnte der Zug immerhin einige Verspätung wieder herausfahren, so dass wir Kopenhagen letztendlich mit etwas mehr als +60 (und damit etwa zur ursprünglich gebuchten Zeit) erreichten.

Der Aufenthalt selber verlief – sieht man mal von einer kurzen Metrofahrt ab – ohne ÖPNV, dafür aber mit dem Hop-on-hop-off-Sightseeingbus. Aber auch hier gab es Komplikationen, weil wir zweimal nicht bedacht hatten, dass die letzte Abfahrt schon um 16 Uhr ist, eine Zeit, zu der man als Tourist ja auch mit über 70 durchaus noch unterwegs ist.

Zurück ging es dann heute mit dem tschechischen ComfortJet, der seit dem Ende der Generalsanierung Hamburg–Berlin von Kopenhagen nach Prag fährt. Auch hier fuhren wir – übrigens wegen Bauarbeiten auf der dänischen Seite – früher los als gebucht, diesmal etwa eine halbe Stunde. Ab Kolding waren wir wieder im ursprünglichen Plan, und der Aufenthalt in Padborg fiel normal lang aus. Dafür blieben wir dann kurz vor Elmshorn stehen: eine -Störung, die uns auch dazu zwang, bis kurz vor Pinneberg mit Tempo 60 zu fahren. Resultat war, dass mein Anschluss-ICE in AA trotz angekündigter +10 bereits weg war. Also zurück in den Zug zur Familie, die ungeduldig darauf wartete, dass der Lokwechsel von der dänischen auf die tschechische Vectron endlich beendet war. Letztendlich haben aber die drei den geplanten Zug nach AL und ich den Metronom nach HB noch erreicht und somit letztendlich etwa eine Stunde hinter Plan angekommen.

ČD-ComfortJet mit DSB-Vectron im DB-Bahnhof Hamburg-Altona

Zurück in die Zukunft 2

Wie sich das für eine ordentliche Reihe gehört, gibt es natürlich einen zweiten Teil: Ende der 70er-Jahre musste die damalige Deutsche Bundesbahn die Innbrücke Jettenbach in Bayern für den Schienenverkehr sperren. Es wurden Behelfsbahnsteige an beiden Enden eingerichtet, und die Reisenden mussten die Brücke zu Fuß überqueren, bis auch das nicht mehr möglich war und die Brücke schließlich neu gebaut werden musste. Als ich viel später von diesem Kuriosum erfuhr, dachte ich, dass so etwas heutzutage nicht mehr möglich wäre.

Pustekuchen: Im Jahr 2021 passierte genau dasselbe mit der Lindaunisbrücke über die Schlei in Schleswig-Holstein an der Strecke Kiel–Flensburg. An den beiden Enden der Brücke wurden die Haltepunkte Boren-Lindaunis Schleibrücke Nord und Rieseby Schleibrücke Süd eingerichtet. Dazwischen liegt ein Fußweg über die Brücke von vielleicht 5–10 Minuten. Die Fahrpläne sind natürlich so gestaltet, dass die Zeit bequem ausreicht, man aber auch nicht lange warten muss. Das tun die Züge dann im Bahnhof Süderbrarup, um an beiden Enden in den Takt zu passen.

Heute wollte ich mir das Ganze mal angucken. Für die Anreise stieg ich aufgrund des recht vollen RE spontan in den ICE nach AH. Ursprünglich war der Plan, mit dem ECE nach Schleswig und von dort mit dem Bus nach Süderbrarup zu fahren, aber da ersterer ausfiel, der ICE aber recht zeitig eintraf, wurde es der RE nach Flensburg, so dass ich die komplette Strecke befahren konnte. Hier nun die Bilder von der Brücke:

Hier geht es gerade auf der Schiene nicht weiter, im Hintergrund der Zug nach Flensburg am Haltepunkt Nord
Die Brücke wird in der Sommersaison zeitweise für den Schiffsverkehr geöffnet, die Zeiten sind natürlich auf die Zugfahrzeiten abgestimmt.
Blick zurück Richtung Norden beim Fußmarsch über die Brücke
Blick vom Haltepunkt Süd auf die alte Brücke und die Baustelle für die neue

Dann ging es wieder auf der Schiene weiter, interessanterweise mit einem 628er der neg. Innen informierte allerdings ein Aushang darüber, dass das nur während der Kieler Woche so sei. So konnte man nämlich zwischen Eckernförde und Kiel in Doppeltraktion und im Halbstundentakt fahren, was in erstgenanntem Bahnhof natürlich noch einen Umstieg erforderte. Das kam mir aber nicht ungelegen, hatte ich doch 1997 hier mit meiner Familie Urlaub gemacht und konnte so noch ein bisschen durch den Ort schlendern, erkannte aber nicht viel wieder. Dafür ergab sich aber spontan noch ein Bild eines Busses des Stadtverkehrs, was mir damals nicht so richtig gelungen war.

neg-628 im Bahnhof Eckernförde
Scania-Bus des Stadtverkehrs Eckernförde

Dann trat ich die Rückfahrt an: mit der RB73 bis Kiel, dem RE7 bis Hamburg und weiter mit der RB41. Bis kurz vor Tostedt lief alles nach Plan, dann schlug das Pech in Form von spielenden Kindern auf der Strecke zu. Den Kindern ist zum Glück nichts passiert, wir standen aber geschlagene anderthalb Stunden auf freier Strecke, zum Glück im nicht allzu vollen klimatisierten Zug. Als es weiterging, war dann außerplanmäßiges Wenden in Rotenburg angesagt. Der nächste Zug nach Bremen war randvoll mit Rückreisenden vom Hurricane-Festival, der übernächste, der direkt danach kam, zum Glück nicht, so dass es insgesamt schlimmer hätte kommen können und ich etwas mit weniger als zwei Stunden Verspätung meine Hansestadt wieder erreichte.

Zurück in die Zukunft

Am Sonntag war ich mal wieder unterwegs in die alte Heimat. Neben dem Besuch bei Freunden war ein Anlass das 125-jährige Jubiläum der Vestischen, zu dem sie einige Busse im Design der 80er-Jahre beklebt hatte. Wer ein Bild von einem der Fahrzeuge einschickt, nimmt noch bis zum 21. Juni an einem Fotowettbewerb teil, wobei ich das Foto natürlich auch so machen würde ;-). Leider ist es mir aber nicht gelungen, einem der Busse zu begegnen. Dafür kam mir aber einer der Wasserstoffbusse vor die Linse, die neuerdings bei der Vestischen fahren:

Wright-Wasserstoffbus der Vestischen in Marl Mitte

Interessanterweise handelt es sich dabei um Fahrzeuge der nordirischen Marke Wrightbus, die ich bisher nur als Rechtslenker kenne. Ein Blick in meine Datenbank bringt ans Licht, dass ich die einzige Ausnahme 2016 in Las Vegas abgelichtet habe.

Bleibt noch zu erwähnen, dass An- und Abreise problemlos funktioniert haben: hin mit dem ICE bis EMST und weiter mit dem RE42, zurück mit dem RE2 bis HO und wiederum weiter mit dem ICE.

Nebenbahnmoderne

Um meinem Ziel, alle Bahnstrecken in Schleswig-Holstein zu befahren, wieder ein Stück näherzukommen, machte ich mich am Sonntag auf den Weg nach Büsum. Eigentlich wollte ich ausschließlich mit dem Nahverkehr fahren, aber der machte keine Anstalten, auf dem Abfahrtsgleis bereitgestellt zu werden, wohl weil der verspätete Fernverkehr noch im Weg war. Also investierte ich ein wenig Geld und nahm eben diesen. So konnte ich eine halbe Stunde früher als geplant in AH sein, schon mal nach Elmshorn vorfahren und ein Bild vom ICE L mit der neuen Hybridlok machen.

ICE L bei der Durchfahrt durch Elmshorn

Dann ging es wie ursprünglich geplant auf der Marschbahn weiter und ab Heide über die für mich neue Strecke zu meinem Zielbahnhof. Die ist auch sonst gut in der Moderne angekommen: neue, barrierefreie Bahnsteige, ebensolche Akkutriebwagen und ein Stundentakt, der allerdings mit sich brachte, dass einige sehr kleine Unterwegshalte gar nicht mehr bedient werden können und die anderen bis auf Wesselburen nur bei Bedarf.

In Büsum angekommen, reichte die Zeit bis zum nächsten Zug gerade für einen Spaziergang zum Meer, eine Currywurst (wobei sich bestätigt hat, dass mir die norddeutsche Variante nicht so liegt) und einige Fotos von Autos mit kuriosen Kennzeichen (eine ehemalige Chorkollegin sammelt die). Ein Bild vom Akku-Flirt war auch noch drin:

Akku-Flirt der Nordbahn in Büsum

Zurück wollte ich ursprünglich genau denselben Weg nehmen wie hin, diesmal aber nur mit dem Nahverkehr. In Elmshorn angekommen, entschied ich mich jedoch spontan dazu, wieder einzusteigen, im Zug bis Altona sitzen zu bleiben und von da zur Abwechslung mal mit dem Bus zum Hbf zu fahren. Das klappte auch, die Fahrraddemo, die wir unterwegs passierten, behinderte zum Glück nur den Gegenverkehr, und ich lernte noch ein paar neue Ecken von Hamburg kennen. In AH angekommen, gab es noch einen spontanen Gleiswechsel für den Metronom. So, wie es aussah, erreichten ihn aber trotzdem die meisten Fahrgäste und hatten sogar einen Sitzplatz. Meinen Heimatbahnhof erreichte ich mit etwa +10 kurz vor 20 Uhr.

Im Retro-Zug zur Retro Classic

Heute war der letzte Tag der Oldtimermesse „Retro Classic“ in Essen. Das ist nun eigentlich kein Thema, das mich sonderlich interessiert, allerdings hatte ich im Netz gesehen, dass dort auch einige historische Busse ausgestellt waren. Da ich sonst noch nichts vorhatte, machte ich mich auf den Weg. Hin fuhr ich mit dem Deutschlandticket, was bedeutete, dass ich in den RE 9 einstieg, der zurzeit selber mit einer Art Oldtimerfahrzeugen gefahren wird. Ab HO ging es nahtlos mit dem RE 2 und etwas neueren Fahrzeugen weiter. Beide Züge waren sehr gut gefüllt, ich hatte aber jeweils einen Sitzplatz. Essen Hbf erreichte ich pünktlich und die Messe tatsächlich genau in dem Moment, ab dem das deutlich vergünstigte Happy-Hour-Ticket galt. Also lief ich zielstrebig zur Nutzfahrzeughalle und wurde nicht enttäuscht, denn dort stand unter anderem ein Anderthalbdecker, den ich noch nie live gesehen hatte.

Dieser Henschel-Bus (eine mir bis dahin unbekannte Marke) der Stadtwerke Trier begann sein Leben als Obus, wurde aber dann in einen Dieselbus umgebaut:

Interessant war auch der Doppelstock-Gelenkbus Neoplan Jumbocruiser, der größte jemals gebaute Bus:

Für mich besonders interessant: Ein City-Express-Neoplan 4014 ex Vestische, inzwischen im Privatbesitz und in den originalgetreuen Zustand versetzt:

Auch einige Lkw gab es zu sehen, zum Beispiel diesen Langhauber.

Auf dem Rückweg machte ich noch einen Abstecher zur U-Bahn-Strecke auf die Margarethenhöhe, um ein aktuelles Bild von den (allerdings auch schon fast historischen) Fahrzeugen der Ruhrbahn zu machen. Von den beiden eingesetzten U-Bahn-Baureihen gelang allerdings nur ein Bild von den B-Wagen an der Station Gemarkenplatz.

Um die Zeit optimal (auch zum Essen beim Frittenwerk) ausnutzen zu können, fuhr ich zurück mit dem ICE. Der war wie die Züge auf der Hinfahrt voll, aber pünktlich, so dass ich um Viertel nach acht wieder HB erreichte.

Train-Freitag mit Ryanair auf Schienen

Den gestrigen Tag haben wieder viele genutzt, um mit möglichst lauten Autos herumzufahren. Ich habe mich stattdessen meinem Lieblingsverkehrsmittel gewidmet und relativ spontan beschlossen, mit dem GoVolta zu fahren, einem neuen privaten Fernzug, der Amsterdam und Hamburg bzw. Berlin verbindet. Derzeit fährt er beide Strecken nur je dreimal pro Woche, so dass man mit einer Zuggarnitur auskommt. In beiden deutschen Städten fährt man nicht bis zum jeweiligen Hauptbahnhof, sondern Endstation ist in Harburg bzw. Gesundbrunnen.

Nach einigem Überlegen buche ich die Route Hamburg-Harburg – Hengelo: Harburg, obwohl der Zug auch in Bremen hält, um dort ein gutes Foto machen zu können, und Hengelo, um die Kluskurve mitzunehmen, auf der er den Osnabrücker Hauptbahnhof umfährt. GoVolta scheint das Konzept von Billigfliegern übernommen zu haben, nachdem im günstigen Preis nur das Nötigste enthalten ist und alle weiteren Leistungen extra kosten. So ist in den 45 Euro für meine Fahrkarte zwar die verpflichtende Sitzplatzreservierung enthalten, ich zahle aber noch mal 12,50 Euro extra, um mir einen Platz (in dem Fall am Fenster) aussuchen zu können. Bei der Buchung erhalte ich nicht direkt die Fahrkarte, sondern eine Reservierungsbestätigung mit einem Link zum Check-in, den ich spätestens vier Stunden vor der Abfahrt durchführen muss. Erst danach erhalte ich einen QR-Code, den ich bei der Kontrolle im Zug vorzeigen muss.

Als ich am Karfreitag am Bahnhof ankomme, erwische ich noch die RB, die eigentlich eine Stunde vorher fahren sollte – das Stellwerk in Tostedt war gestört. Jetzt läuft der Betrieb aber wieder an, und so überholt uns der GoVolta unterwegs. In Harburg angekommen, gelingen mir tatsächlich recht gute Bilder vom Zug:

Die Wagen sind ehemalige belgische mit Vis-à-vis-Sitzanordnung, die man innen anscheinend nahezu unverändert gelassen hat. Die 1.-Klasse-Wagen heißen jetzt Comfort und die der 2. Klasse Economy. Die Economy ist auch tatsächlich recht gut besetzt. In meiner Vierergruppe sitzt aber praktischerweise sonst niemand.

Der eine Sitz mir gegenüber hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen, aber das scheint nicht repräsentativ zu sein.

So geht die Fahrt relativ gemächlich los. In Sottrum gehen diesmal wir in die Überholung, um sage und schreibe den RE, den ICE und den Flixtrain vorbeizulassen, und erreichen HB trotzdem pünktlich. Vor HO wird es dann spannend, denn hier biegen wir in den Vorbahnhof und dann auf die Kluskurve ab, die die beiden Ebenen des Turmbahnhofs direkt verbindet. Ein Halt im Bahnhof ist dadurch nicht möglich. Auch in Rheine halten wir nicht, und der nächste Halt in Bad Bentheim scheint nur dem Lokwechsel zu dienen, denn eine Fahrkarte dorthin buchen konnte man nicht. Hier kommen wir stolze 20 Minuten vor Plan an, so dass wir den ICE vorbeilassen müssen. Dadurch kann auch die Bentheimer Eisenbahn nur verspätet einfahren, die RB nach Bielefeld wartet aber den Anschluss ab.

Bad Bentheimer Bahnsteigbild: ICE und GoVolta

Mein Zug bekommt jetzt die Nase gebrochen, also eine niederländische Lok im „Nez-cassé“-Design vorgespannt.

Die kurze Weiterfahrt nach Hengelo nutze ich noch für ein Bild der Toilette, die unten offen ist und daher ein Hinweisschild hat, das ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Sonst ist sie aber einigermaßen sauber und funktionstüchtig.

Dann ist mein Zielbahnhof erreicht. Ich steige aus dem Zug, der hier nur zum Ausstieg hält, und nutze die Stunde Aufenthalt für einen Bummel durch die Stadt, bei der natürlich auch ein Besuch bei Albert Heijn nicht fehlen darf. Zuerst wirkt die Stadt recht ausgestorben, was aber nicht am Karfreitag liegt (der hier auch gar kein Feiertag ist), sondern an der Uhrzeit. Der Supermarkt hat auch noch offen, und am Rathaus ist die Gastronomie gut gefüllt. Ich nutze sie ebenfalls für eine Pokébowl.

Pannenhilfe alleine scheint nicht zu reichen
Der Rathausturm von Hengelo

Den Rückweg trete ich komplett mit dem Deutschlandticket an, da das nur unwesentlich länger dauert als mit dem Fernverkehr. In Diepholz überholt meinen RE 9 der verspätete ICE, der um diese Uhrzeit auch hier hält. Da ich aber maximal eine Viertelstunde sparen würde, verzichte ich auf den Umstieg und erreiche so gegen Viertel vor elf wieder meinen Heimatbahnhof.