Nein, das ist keine neue Fußballtaktik, sondern die Reihenfolge der ICE-Baureihen, die ich am verlängerten Wochenende benutzt habe: Am Samstagmittag einen ICE 2 von HB nach HH, dann weiter mit einem 4er nach FF. Den Bahnhof erreichten wir zwei Minuten vor Plan, so dass ich gerade noch am selben Bahnsteig Anschluss an den ICE nach NAH hatte, der eigentlich schon weg sein sollte, gefahren wie alle Züge auf dieser Linie von einem ICE 3. Die einzige größere Verspätung an diesem Wochenende hatte dann der Bus, mit dem es weiter nach Goldbach ging.
Von dort machte ich mich heute Mittag auch auf den Rückweg, mit einem Abstecher an meinen ehemaligen Arbeitsort. Dann hieß es wieder ICE fahren, natürlich zunächst wieder mit einem 3er. Der Umstieg in NWH erfolgte dann in einen 1er statt des geplanten 4er, womit ich alle nummerierten ICE-Baureihen auf einer Reise durch hatte. Weitere Gelegenheit hätte es dazu auch nicht gegeben, denn die letzte 2 bezieht sich nicht auf einen ICE, sondern einen IC, mit dem ich die Hansestadt pünktlich erreichte.
Gestern war ich mal wieder auf Strecken- und Fototour, zuerst mit dem ICE nach Hagen. Die Besonderheit dabei war, dass der Zug nicht in HO hielt, weil dort mal wieder eine Bombenentschärfung angesagt war. Dabei fahren die Züge zunächst noch durch den Bahnhof ohne Halt durch, während sie später ganz umgeleitet werden. Aber nun war ich erst mal auf Gleis 9/10 in EHG, wo zufällig zwischen meinem ICE und dem RE 16 noch der aus n-Wagen gebildete RE 13-Ersatzzug durchkam. Dabei wurde er nicht nur von mir beäugt, sondern auch von einem Jungen mit Handy auf dem Stativ, der mich fragte, ob ich auch Trainspotter sei. Leider sind meine Fotos nicht vorzeigbar, ich hoffe, ihm erging es besser.
Der „Strecken“teil meiner Reise führte mich dann nach Iserlohn. Der „Bahnhof“ dort ist betrieblich nur noch ein Haltepunkt. Das ist nicht so ungewöhnlich, aber genau genommen handelt es sich um zwei Haltepunkte an zwei verschiedenen Strecken, die hier nebeneinander enden und keine Verbindung mehr untereinander haben, nämlich der von (Hagen–)Letmathe und der von (Dortmund–)Schwerte.
Der Stadtbahnhof in Iserlohn: Links der VIAS-RE 16 aus Essen, rechts die DB-RB 53 aus Dortmund
Da ich beide Strecken noch nicht kannte, war es klar, dass ich über die eine hin und über die andere zurück fahren würde. Dazwischen lag ein einstündiger Besuch in der nicht allzu interessanten Stadt, in der es aber immerhin direkt am Bahnhof einen guten Schnellimbiss gibt.
Die beiden Strecken waren schon etwas interessanter, die aus Letmathe vor allem um die Dechenhöhle herum und die nach Schwerte, weil sie auf einem teilweise recht hohen Damm verläuft und keinen einzigen BÜ hat, was auch in der → Wikipedia Erwähnung findet. Am Endbahnhof EDO angekommen, fuhr ich direkt weiter nach EBO. Hier war der Plan eigentlich, den 426 abzulichten, der zumindest manchmal auf der RB 46 fährt, aber die entsprechende Fahrt (womöglich der ganze Umlauf) fiel aus. Also zurück nach EDO, wo ich jetzt mehr Zeit hatte für das nächste Projekt: Ein Foto eines neuen Vamos-Stadtbahnwagens. Ende August hatte ich es schon einmal versucht, das war aber daran gescheitert, dass ich keine Fotogenehmigung hatte, die man bei den DSW aber benötigt. Mir widerstrebt das zwar, aber letztendlich ist mir das Hobby doch wichtiger und man bekommt sie auch unkompliziert jeweils für einen ganzen Tag. Diesmal wollte sie auch niemand sehen, und so ging mir nicht nur ein neuer, sondern auch ein alter Wagen ins Netz.
B80C-Wagen der DSW21B80D-Wagen (Vamos) der DSW21
Da die neuen Wagen noch nicht sehr zahlreich eingesetzt werden, zahlte es sich aus, mehr Zeit zu haben als geplant. Dann konnte ich mich aber an die Rückfahrt machen, für die ich die direkte Strecke ja nicht (bzw. nur sehr umständlich mit zwei SEV) nehmen konnte. Zunächst peilte ich also den RE 6 an, der aber so viel Verspätung hatte, dass ich den Anschluss in Minden verpasst hätte. Also fuhr ich stattdessen mit dem Berlin-ICE dorthin, nutzte für die Weiterfahrt mal die S-Bahn Hannover und dann den RE gen Bremen, wo ich zur gleichen Zeit ankam wie sonst an meinen Bürotagen.
Ein Freund hat mir die Seite →viaduct.world empfohlen, auf der man alle seine Bahnreisen loggen kann. Soweit ich das sehe, handelt es sich um ein Projekt aus Österreich, das sich durch Spenden und den Verkauf von Merchandising-Artikeln finanziert. Ich habe mich mal daran gemacht und meine wichtigsten Fahrten dort eingegeben. Das Resultat ist zuerst einmal eine → Karte mit allen von mir befahrenen Bahn- und Fährstrecken.
Außerdem kann man die Karten zu den einzelnen Reisen teilen, was ich unter den jeweiligen Blogbeiträgen und den Reiseberichten gemacht habe.
Nicht direkt teilen kann man den Anteil der Strecken, die man in den jeweiligen Ländern befahren hat. In Deutschland sind das immerhin 64 % (20937 km). Noch einen größeren Anteil erreiche ich in Luxemburg mit 80 % – nicht unbedingt überraschend, da das nur 176 Kilometern entspricht und ich das Land unter anderem im Rahmen meiner Diplomarbeit mehrmals besucht habe. Deutlich überraschender ist auf Platz 3 mit immerhin 56 % Norwegen. Aber dort ist das Netz relativ dünn, und bei meinen nur zwei Besuchen dort habe ich unter anderem mit der Bergen- und der Nordlandbahn schon zwei sehr lange Strecken befahren, insgesamt 2166 km. Weit abgeschlagen folgen dann mit 33 % – trotz meiner ausgiebigen Rundfahrt 2006 – die Schweiz (1670 km) und Dänemark mit 32 % (799 km).
Auch nicht direkt teilen kann man andere Statistiken, wie etwa die geografischen Extreme, die ich bisher selber in unregelmäßigen Abständen in den Rekorde-Beiträgen ermittelt habe. Seit dem letzten Beitrag unverändert sind das im Norden Narvik, im Süden und Westen Emeryville bei San Francisco und im Osten der Bahnhof am Moskauer Flughafen Domodedovo. Davon habe ich allerdings nur Narvik auf einer durchgehenden Bahnreise erreicht, in den anderen Himmelsrichtungen wären dann die Extreme im Westen und Süden Cascais bei Lissabon und im Osten Constanța am Schwarzen Meer.
Die längste ununterbrochene Fahrt war, anders als ich 2018 behauptet habe, mit (planmäßig) 17:40 Stunden und 1293 Kilometern die von Salt Lake City nach Emeryville im Jahr 2016. In der Realität waren wir sogar etwa eine Stunde früher da als geplant, was die Fahrt trotzdem zur längsten macht. Die schnellste Fahrt, zumindest soweit sie von mir erfasst wurde, ging am 19. September 2015 von Frankfurt Flughafen nach Siegburg/Bonn, also genau von Anfang bis Ende der KRM, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 226 km/h. Dicht dahinter, neben zwei Fahrten auf derselben Relation, die Fahrten von Barcelona nach Madrid mit 220 km/h und von Paris nach Karlsruhe mit 209 km/h.
Nicht in viaduct erfasst habe ich Verspätungen, weil ich darüber keine genauen Aufzeichnungen habe. Für die größte De-facto-Verspätung dürfte es aber einen neuen Rekord geben, wieder aus dem Ausland: Im Juli diesen Jahres fiel der erste von nur drei täglichen Zügen von Haparanda nach Boden aus, so dass ich mein Tagesziel Stockholm mit über zehn Stunden Verspätung erreichte. Über die „alltäglichen“ Verspätungen der deutschen Bahnen führe ich ja (zumindest soweit es sich um etwas größere Entfernungen handelt) weiterhin hier Buch und werde euch natürlich auf dem Laufenden halten.
Da ich heute Urlaub und noch nichts anderes vorhatte, setzte ich mich mal wieder um kurz vor neun in den ICE, diesmal bis Duisburg. Eigentlich hätte ich da zwanzig Minuten Zeit bis zur RB 33 gehabt, aber direkt hinter meinem Zug trudelte der verspätete RE 42 ein, so dass ich gerade noch ein Foto vom im Umbau befindlichen Bahnhof machen konnte.
Kurz vor der Endstation Mönchengladbach sagte der Tf durch, dass der RE 4 nach KA noch erreicht würde. Prompt blieb der Zug danach erst mal stehen, aber auch unsere noch mal verzögerte Ankunft wartete der RE noch ab. Ich stieg aber nicht um, sondern vertrieb mir die Zeit mit Kaffee und Busfotos, bis es dann um halb eins weiterging nach Dalheim. Dort, an der niederländischen Grenze, ist heute die Strecke zu Ende, die früher bis Antwerpen führte. Eine Wiedereröffnung wird immer wieder diskutiert, scheitert aber an einem Naturschutzgebiet und mangelndem Interesse in den Niederlanden, die nur im Transit durchfahren werden. Folglich hat die Station einen etwas morbiden Charme, auch wenn man die brachliegenden Gleise inzwischen entfernt und den Bahnsteig erneuert hat:
Hier ging es mal weiter Richtung Niederlande und Belgien
Auf den letzten paar Metern vor dem Prellbock wechselt noch der Infrastrukturbetreiber:
Der Grund, dass ich die Tour unter der Woche machen wollte, ist der, dass man nur dann anders als mit dem Zug von Dalheim wegkommt. So nahm ich den Bus in die Kreisstadt Heinsberg, wohin die Bahnstrecke erst 2013 reaktiviert wurde. Vorher war die Kreisstadt die einzige in NRW ohne Bahnanschluss. Da die Strecke Lindern–Heinsberg an die Rurtalbahn übertragen wurde, bietet sie das Kuriosum von DB-Zügen auf einer Nicht-DB-Strecke.
Die Strecke wird von der RB 33 aus Aachen befahren, die in Lindern in einen Zugteil nach Duisburg und einen nach Heinsberg geflügelt wird. Die Wendezeiten an beiden Enden sind sehr kurz, daher gab es auch auf meiner Fahrt eine leichte Verspätung. Die reichte aus, dass der RE 4 in Lindern eigentlich schon über alle Berge sein sollte, aber erstaunlicherweise wartete er. Die dadurch verursachte Verspätung war nicht nennenswert, wurde es aber ab Erkelenz wegen einer BÜ-Störung. Bei der Weiterfahrt wurden es wegen entgegenkommender und vorausfahrender Züge dann noch ein paar Minuten mehr, so dass wir die Endstation EDO mit gut +15 erreichten. Das reichte dem RE, um fast pünktlich zurückzufahren, und mir, um mit dem ohnehin verspäteten ICE zurück nach HB zu fahren. Der war in KK von einem dreizehn- auf einen siebenteiligen ICE 4 getauscht worden und daher als „ausgebucht“ markiert, bot aber erfreulicherweise noch mehr als genug Sitzplätze. So erreichte ich meinen Heimatbahnhof dann mit etwa +30 gegenüber dem ursprünglichen Plan.
Letztes Wochenende war ich mal wieder mit einem Freund in Schladern an der Sieg, um dort weitere Freunde zu treffen. Die Hinfahrt verlief völlig problemlos: Der ICE stand schon zehn Minuten vor der Abfahrt am Bahnsteig. Es stellte sich heraus, dass er allerdings auch eine halbe Stunde früher als sonst in AH abgefahren war. Die Weiterfahrt bis KK verlief dann im normalen Plan, von dort ging es weiter mit der S-Bahn.
Zurück am Sonntag nahmen wir dann erst den RE bis KK, wo wir feststellten, dass wir noch den ICE eine Stunde früher als geplant erreichen würden, weil der Verspätung hatte. Als Grund stellten sich Fans des VfB Stuttgart heraus, die zum Spiel nach Köln wollten. Das führte zwar zu einigen Umwegen im Bahnhof, hatte aber den Vorteil, dass im Zug nun Platz war. Die Verspätung von etwa +45 blieb bis HB bestehen, dafür konnten wir aber sogar in der 2. Klasse die Annehmlichkeiten eines Am-Platz-Services genießen, wahrscheinlich weil wir nahe am Speisewagen saßen.
Vor ein paar Jahren hatte ich ja in einer Hauruck-Aktion alle alten Reiseberichte auf „privat“ gesetzt, um nicht aus Versehen mögliches Fehlverhalten von Mitarbeitern zu veröffentlichen. Nun bin ich damit durch, sie durchzusehen, und habe sie mit wenigen Ausnahmen wieder veröffentlicht. Sicher gibt es das eine oder andere, mit dem die jeweiligen Arbeitgeber vielleicht nicht einverstanden gewesen wären, aber das dürfte nach so langer Zeit ohnehin keine Rolle mehr spielen. Ich bin ja nicht mal sicher, ob von euch die alten Beiträge noch jemanden interessieren – aber falls ja, jetzt sind sie wieder da.
Zum dritten Mal in Folge war ich heute zum Spaß mit der Bahn unterwegs. Diesmal wieder nach NRW, wo ich den Niersexpress bereisen wollte. In meiner Zeit bei der NordWestBahn hatte ich das nicht geschafft, obwohl ich die Strecke auch geplant habe. Dafür setzte ich mich im ICE nach KD in ein Abteil, das sonst nur von einer älteren Frau belegt war, die mit dem Zug unterwegs nach Spanien war. Das und auch anderes aus ihrer Lebensgeschichte versprach eine spannende Unterhaltung, die wir über weite Teile der Fahrt führten. Am Umsteigebahnhof angekommen, reichte die Zeit trotz leichter Verspätung (Signalstörung bei ERE) noch für einen kurzen Loungebesuch, bevor es dann pünktlich mit dem RE 10 weiterging, der heute von der NWB-Abspaltung RheinRuhrBahn betrieben wird. Am Zielbahnhof Kleve angekommen, genoss ich erst mal eine Currywurst (ich war immerhin in NRW), lief dann ein wenig durch die Innenstadt, gönnte mir noch einen Eiskaffee und fuhr dann mit dem Bus nach Emmerich weiter. Dort ist leider die Innenstadt so weit vom Bahnhof entfernt, dass sich ein Besuch nicht lohnte. Stattdessen machte ich ein paar Zugbilder.
Ein Güterzug mit zwei 189ern durchfährt den Bahnhof EmmerichDer RE 19 aus Düsseldorf trifft am Stumpfgleis 1 ein. Zurzeit muss man zur Weiterfahrt nach Arnheim umsteigen.
Leider kein Foto ergab sich von einem 408er, weil der in Emmerich zu knapp vor meiner Abfahrt durchkam (obwohl sich diese um ein paar Minuten verzögerte und der ICE anhalten musste). Auch in Duisburg verzichtete ich darauf, weil es durch den kurzfristigen Wechsel auf Gleis 13 nicht gut geworden wäre. Also machte ich mich mit dem verspäteten und rappelvollen RE 2 auf den Weg nach HO. Hätte ich dort den RE 9 noch bekommen, wäre die Rückfahrt kostenlos gewesen. Das wurde aber auf dem allerletzten Stück wegen Gegenständen im Gleis vereitelt. Also eine Fahrkarte für den ebenfalls verspäteten EC gekauft und eine halbe Stunde hinter dem ursprünglichen Plan (allerdings auch etwa 20 Euro preiswerter) in HB angekommen.
Meine heutige Bahntour führte mich nach NRW, und zwar in den Landesteil, der im Namen nicht vorkommt: den Kreis Lippe, der im Wesentlichen dem Gebiet des früher selbständigen, nicht zu Westfalen gehörenden Landes entspricht. Statt der Verbindung mit dem knappen Anschluss in Minden fuhr ich lieber eine Stunde später. So hatte ich nicht nur einen etwas sichereren Anschluss in Nienburg, sondern konnte auch auf der Nato-Bahn schon Nebenbahnromantik genießen. In Löhne und vor Herford blieben wir wegen einer Betriebsgefahr eine Weile stehen, mein Anschluss in EBIL war aber nicht in Gefahr. Dagegen fuhr der RE 6, in den ich bei der anderen Verbindung in Minden eingestiegen wäre, erst in dem Moment ein, als mein Zug nach Lemgo schon abfuhr – alles richtig gemacht!
In Lemgo angekommen, fuhr ich bis zur Endstation Lüttfeld, wo mir ein gutes Foto des Eurobahn-Talents gelang.
Eurobahn-Talent am Bahnhof Lemgo-Lüttfeld
Von dort fuhr ich das kurze Stück zurück zum Stadtbahnhof, um mir erst einmal die sehenswerte Altstadt kurz anzugucken.
Der Marktplatz von Lemgo
Ebenfalls sehenswert ist der Bustreffpunkt, der Fahrpläne und Netzplan auf sehr übersichtlichen Säulen untergebracht hat:
Die Busse dazu gab es leider nicht zu sehen, weil sie sonntags nicht fahren. Mein Bus für die Weiterfahrt fuhr auch nicht vom Bustreff ab, sondern ein paar hundert Meter weiter in der Papenstraße. Unterwegs kamen uns doch noch zwei Stadtbusse entgegen, die für den Verkehr zum Handballspiel eingesetzt wurden. Über die Dörfer ging es bis nach Bad Pyrmont, wo ich noch genug Zeit hatte, um vom Bahnhof weiter bis zur Endstelle am Markt zu fahren und dort ein Bild vom Bus der Firma Köhne, einer Tochter der kommunalen Verkehrsbetriebe Extertal, zu machen.
Köhne-Bus am Markt in Bad Pyrmont
Hier hatte ich allerdings nicht viel Zeit, bevor es, diesmal mit einer Linie der örtlichen Öffis, zurück zum Bahnhof und weiter mit einem Zug meines Arbeitgebers nach HH ging. Dort erfuhr ich, dass wegen einer Streckensperrung mein Anschluss-RE ausfiel. Als kurze Zeit später der IC einfuhr, wurde den Fahrgästen mitgeteilt, dass dieser nicht für den Nahverkehr freigegeben sei, dieser in Kürze aber auch wieder fahren würde. Ich kaufte mir lieber eine IC-Fahrkarte und konnte so mit nur etwa +30 gegenüber dem ursprünglichen Fahrplan in HB eintreffen.
Noch für die Statistik: Letztes Wochenende war ich mal wieder zum Rätseln, diesmal der E-NIGMA in Essen. Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückreise bewegte sich die Verspätung im Bereich einer knappen halben Stunde.
Am Sonntag ergatterte ich gerade noch einen Sitzplatz im chronisch überfüllten RE nach Osnabrück, den ich schon drei Halte später in Bassum wieder verließ. Bis 1994 hätte ich von hier aus mit dem Zug weiterfahren können, aber jetzt bleibt nur der (immerhin recht schlanke) Umstieg auf den Bus. Der fährt streckenweise parallel zur alten Bahnstrecke oder dem, was davon noch übrig ist. Die dünne Besiedlung zeigt aber auch, warum es die Bahn hier schwer hatte. Der Bus ist bis zur nahen Endstation Sulingen auch nur mäßig besetzt. Dort habe ich – direkt am Bahnhof, der noch im Güterverkehr genutzt wird – wieder einen schlanken Anschluss, diesmal an den Bus nach Rahden. Noch vor ein paar Monaten fand der Navigator auf dieser Strecke sonntags keine Verbindung, jetzt fahren die Busse immerhin alle zwei Stunden. Entsprechend leer sind sie auch, auf meiner Fahrt sind außer mir nie mehr als drei Fahrgäste im Bus, streckenweise bin ich alleine.
Mitropa-Wagen der Museumsbahn Rahden–Uchte
In Rahden angekommen, ist gerade Zeit, um den von den örtlichen Museumsbahnern aufgestellten Mitropa-Wagen zu bewundern und in der Stadt einen Kaffee zu trinken, dann geht es auf dem noch betriebenen Stück der Bahnstrecke weiter. Der Tf lässt netterweise die Tür zum Führerstand offen, so dass sich ein Ausblick auf die Strecke ergibt. Der Vierminutenanschluss in Bünde klappt auch, nicht zuletzt weil der im Blockabstand der RB vorausfahrende IC etwas Verspätung hat. In HO schwanke ich zwischen Weiterfahrt mit dem ICE (kostet Geld) und RE (dauert länger und ist möglicherweise voller). Letzteres bewahrheitet sich zum Glück nicht, da es sich um einen der wenigen Doppelstock-Umläufe handelt. Also setze ich mich dort hinein und lasse mich natürlich auch nicht davon stören, dass der verspätete ICE in Lemförde überholt. Da auch der RE schon in HO mit Verspätung ankam und eine Negativwende vollführt hat, kommen wir in HB erst an, als es wiederum schon fast zurück gehen soll. Mir ist es egal, ich esse noch auf dem Heimweg beim neueröffneten KFC und freue mich mal wieder über eine gelungene Tour.
Im letzten Teil war ich endlich im namensgebenden Städtchen (6.600 Einwohner) angekommen und stehe nun früh auf, um den ersten der drei täglichen Züge auf der neuen Haparandabahn zu erreichen. Noch im Hostel bekomme ich eine SMS (ich hatte die gesamte Verbindung bis Stockholm über sj.se gebucht), dass der Zug durch ein Taxi ersetzt wird. Aus der Befahrung der Bahn wird also nichts, trotzdem mache ich mich natürlich auf den Weg zum Bahnhof. Dort warten schon etwas mehr als zehn Leute auf die Taxis. Das erste taucht auf und fährt gefüllt Richtung Boden (der Endstation des Zuges), danach passiert erst mal nichts. Irgendwann kommt noch ein zweites Taxi, und das Spiel wiederholt sich. In diesem Fall soll ein Platz freibleiben, weil in Kalix noch jemand einsteigen soll. Dann passiert ganz lange gar nichts, bis ich mitbekomme, dass eine Finnin, die mit mir wartet (und genausowenig Schwedisch spricht wie ich) auf Englisch mit dem Zugbetreiber Norrtåg telefoniert. Man gibt ihr dort die Auskunft, dass Taxis nur für die Fahrgäste bestellt waren, die den (nicht reservierungspflichtigen) Zug gebucht hatten. Dazu gehörte ich zwar, aber da das niemand wusste, galt „Wer zuerst kommt, …“. Ich starte selber einen Versuch, bei Norrtåg anzurufen, werde aber in eine endlose Warteschleife verwiesen.
Also schmiede ich Plan B: In Stockholm werde ich heute nicht mehr ankommen, aber wenn ich den Mittagszug nehme, habe ich in Boden Anschluss zum Nachtzug in die Hauptstadt. Der kommt dort gerade rechtzeitig an, dass ich den gebuchten X2000 nach Malmö noch erreiche. Und wenn nicht, war es zumindest einen Versuch wert. Ein Einzelabteil wie auf der Hinfahrt ist leider jetzt unbezahlbar, aber dank Interrail bekomme ich ein Bett im Dreierabteil für knapp 40 Euro. Mein Hotelzimmer in Stockholm kann ich zum Glück auch stornieren, so dass ich finanziell bei dieser Sache sogar mit einem Plus herausgehe. Kurioserweise bekomme ich dann auch noch eine kommentarlose Mail von den SJ, die mir aufgrund meiner ursprünglichen Buchung jetzt auch noch einen Sitzplatz im Nachtzug reserviert haben.
Nun kann ich wieder etwas entspannen und laufe samt Koffer zurück zum zentralen Platz. Dort sowie direkt nebenan in einem Kiosk und in der Lobby des Svefi verbringe ich die Zeit bis zum nächsten Zug. Inzwischen habe ich die Nachricht bekommen, dass der auch durch einen Bus ersetzt wird, aber darauf kommt es nun auch nicht mehr an.
Montag, 7. Juli 2025
Haparanda ab 14.27 Bus Boden C an 15.53 +ca. 30 Boden C ab 17.54 +ca. 20 D 91
Der Bus kommt rechtzeitig und hat auch genug Platz für alle. Die Fahrt über die Landstraße ist ereignislos. Wie der Zug nehmen wir den einzigen Zwischenhalt Kalix mit. Dort steige ich kurz aus, um die Toilette am Bahnhof zu nutzen, aber leider ist sie defekt. Also gehe ich dem Bedürfnis erst in Boden nach, das wir natürlich später als der Zug erreichen, aber immer noch rechtzeitig für meinen Anschluss. Der kommt aus dem nahegelegenen Luleå, wo ich auf meiner Reise 2010 Station gemacht habe. Auf der Strecke dorthin scheint es einen technischen Defekt zu geben, weswegen auch mein Zug Verspätung hat. Ob der Defekt auch der Grund für den Ausfall der Züge aus Haparanda war, weiß ich nicht. Als der Nachtzug schließlich kommt, muss er noch die Fahrtrichtung und damit die Stellung der Loks wechseln. Das nutze ich für einige Fotos.
Schlafwagen im Nachtzug Luleå–StockholmLiegewagen im Nachtzug Luleå–StockholmUnd da kommen endlich die Loks
In meinem Abteil habe ich das Bett ganz oben. Noch bin ich alleine, so dass ich erst mal am Fenster sitze und die (allerdings nicht sehr abwechslungsreiche) Landschaft genieße. Die Schaffnerin teilt mir bei der Kontrolle aber mit, dass am übernächsten Halt in Jörn noch jemand einsteigt. Das tut er dann auch tatsächlich, so dass ich mich auf meine Liege verziehe. Später, als wir schon mehr oder weniger schlafen, wird auch das dritte Bett noch belegt.
Dienstag, 8. Juli 2025
Etwa eine Stunde vor der Ankunft in Stockholm stehe ich auf. Das dritte Bett ist schon wieder frei, und mein Abteilgenosse aus Jörn schläft noch. Ich mache mich auf den Weg in den Bistrowagen. Leider ist diesmal kein Frühstück im Preis inbegriffen, so kaufe ich einen Joghurt und natürlich einen Kaffee. Da der Zug wie die meisten Nachtzüge einen ordentlichen Fahrplanpuffer hat, haben wir die Verspätung wieder herausgefahren und mein Anschluss ist nicht gefährdet.
Stockholm C an 7.01 Stockholm C ab 7.19 X2 523 Malmö C an 11.52
In Stockholm angekommen, muss ich praktischerweise in dem etwas unübersichtlichen Bahnhof nur auf den Nachbarbahnsteig wechseln. Von dort gelingt mir noch ein Bild vom Nachtzug mit der schwarzen Lok, die seit Boden vorne ist.
Nachtzug aus Luleå nach der Ankunft in Stockholm
Mein X2000 kommt pünktlich und ist gut gebucht. Auf der Fahrt schlafe ich etwas, gemessen an den Strapazen der bisherigen Fahrt aber erstaunlich wenig. Sonst passiert nichts Besonderes. In Malmö mache ich ein Bild von meinem Zug:
X2000 nach der Ankunft in Malmö
Spannenderweise war übrigens die DB-Auskunft auch an meinem Reisetag noch der Meinung, es gäbe noch einen X2000 eine Stunde später, mit dem ich in Kopenhagen denselben EC erreichen könnte. Die SJ-Auskunft kannte ihn gar nicht, auf der Anzeigetafel in Stockholm war er als Ausfall gekennzeichnet – ein Rätsel.
So habe ich nun noch ein wenig Zeit in Malmö, die ich – ihr habt es erraten – für Fotos nutze. Besonders angetan haben es mir die Doppelgelenkbusse, die mangels einer Straßenbahn hier unterwegs sind.
Doppelgelenkbus vor dem Hbf in Malmö
Um aber nicht auf den letzten Drücker in Kopenhagen zu sein, mache ich mich mit dem nächsten Öresundzug vom Tunnelbahnhof auf den Weg dorthin. Der Sinn von Zeitpuffern zeigt sich auch sofort: Nachdem der Zug abfahrbereit ist, geht ein Mitarbeiter durch und erklärt auf Schwedisch, dass die Fahrt aufgrund eines technischen Problems nun hier enden und der Zug daher geräumt werden müsse. Denen, die der Sprache nicht mächtig sind, dolmetschen es andere Fahrgäste, und so geht die Räumung entsprechend flott. Der nächste Zug fährt zwar nur eine Viertelstunde später, ist aber jetzt entsprechend voll.
Malmö C ab 12.20 RE 1067 København H an 12.57
In Kopenhagen habe ich noch genug Zeit, bei der dänischen Burgerkette in der Bahnhofshalle Mittag zu essen. Ein Hoch auf die Kreditkarte, mit der ich mal eben in dänischen Kronen bezahlen kann! Dann mache ich mich auf den Weg zum Bahnsteig, auf dem mein EC nach Hamburg abfahren soll.
København H ab 14.22 EC 397 Hamburg Hbf an 19.00
Mein automatisch zugewiesener Sitzplatz befindet sich in einem Abteil des alten IC-1-Wagens. Ich teile es mir mit einer dänischen Familie und lausche immer mal wieder, ob ich von dem Gespräch etwas verstehe, tue es aber praktisch nicht. Schon spannend, weil ich geschriebenes Dänisch relativ gut verstehe. Ansonsten vertreibe ich mir die Zeit mit Zeitunglesen und Aus-dem-Fenster-Gucken. Einiges kenne ich noch vom Flensburg-Urlaub im Mai, bei dem wir auch einen Ausflug nach Kolding gemacht haben. Höhepunkte im wahrsten Sinne des Wortes sind die Brücke über den Großen Belt und die Rendsburger Hochbrücke.
Hamburg erreichen wir, wenn ich mich recht erinnere, sogar einige Minuten vor Plan. Praktischerweise muss ich auch noch nicht einmal den Bahnsteig wechseln, um meinen Metronom nach Bremen zu erreichen. Sitzplätze gibt es dort auch noch massig, so dass ich die letzte Etappe der Reise entspannt angehen kann.
Hamburg Hbf ab 19.15 RE 82035 Bremen Hbf an 20.24
Auch Bremen erreichen wir pünktlich. Ich gehe noch schnell im Rewe gegenüber vom Bahnhof einkaufen, und meine Freundin geht mir entgegen, so dass wir ein Stück meines Heimwegs zusammen gehen können. Zu Hause angekommen, überkommt mich wenig überraschend bald die Müdigkeit.
Fazit
Die wichtigste Frage: Führt der schönste Weg nach Finnland jetzt wirklich über Haparanda? Ich finde, dass beide Wege ihren Reiz haben. Auf dem Hinweg fand ich vor allem die Schären bezaubernd, auf dem Rückweg die Grenzlage von Haparanda und die Bahnanlagen, die ein wenig wie ein „Lost Place“ wirkten (aber hoffentlich nicht mehr lange). Und von der nordischen Landschaft gibt es auf beiden Wegen genug zu sehen, um auch mal nicht aus dem Fenster zu gucken.
Da ich übrigens diesmal Interrail in der App genutzt habe (es gab eine Online-Rabattaktion, aber der Papierpass hätte extra gekostet), habe ich als Nebeneffekt eine schöne Karte als Erinnerung an meine Reise. Man sieht, dass ich den ganzen Bottnischen Meerbusen umrundet habe (und dass Interrail der irrigen Meinung ist, ich sei von Turku Hafen nach Turku über Karjaa gefahren).
Meine Finnland-Reise 2025 auf einen Blick
Meine Verspätung reiche ich im Nachgang bei Interrail ein. Allein den Wert von 624 Minuten in das Formular einzutragen, war es das Ganze schon wert, aber ich bekomme auch noch 24 Euro erstattet. So bleiben die (überwiegend guten) Erlebnisse nicht der einzige Gewinn der Reise.