Verschlungene Pfade

Dass ein Personenzug den größten deutschen Ballungsraum ohne Halt durchfährt, ist wohl schon recht ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher (allerdings auch eine Erklärung dafür) ist es, wenn er das auf Strecken tut, die sonst dem Güterverkehr vorbehalten sind. Auf jeden Fall musste ich diesen Zug mal ausprobieren, was nach einem vergeblichen Versuch Anfang Juli (bei dem ich den Zug schlicht und einfach aufgrund von Trödelei verpasst hatte) gestern endlich klappte.

Kombiniert hatte ich die Tour mit einem Abstecher zur Bentheimer Eisenbahn, die seit Anfang Juli wieder Personenverkehr zwischen Bad Bentheim und Neuenhaus betreibt. Der Weg dorthin führte mich zunächst mit meinem Fahrrad nach NAH, wo es trotz des Feiertags nicht einfach war, einen Abstellplatz zu finden – es pendeln doch ziemlich viele Leute nach Hessen. Da fuhr ich auch hin, nämlich mit einem wegen eines ausgefallenen Zugteils völlig überfüllten ICE nach FF. Dort stieg ich vorzeitig aus, setzte mich noch kurz in die Lounge und fuhr dann mit dem wesentlich leereren Brüssel-ICE nach KK. Von hier ging es mit dem IC weiter, der zwischen KD und EDG wegen Bauarbeiten über die Ortsgleise umgeleitet wurde. Da direkt vor uns ein verspäteter weiterer IC fuhr, fuhren wir hinter dem Plan her und mussten dann in EG auch noch den RE vorlassen. Den überholten wir erst in Haltern und erreichten meinen Ausstiegsbahnhof Rheine noch mit etwa +10. Weiter nach HBTH ging es fast pünktlich mit dem IC, der wegen Bauarbeiten nur bis Amersfoort weiter fuhr. Kurz nachdem der die Lok gewechselt hatte und weiter gefahren war, trudelte auch schon der LINT der BE ein.

Fahrkarten dafür gab es nur im Reisebüro im Bahnhof, wo ich erst mal eine Fahrkarte nach Bad Bentheim orderte. Die Frau hinter dem Schalter ließ sich nichts anmerken, war aber erleichtert, als ich das auf Nordhorn korrigierte. Obwohl das Reisebüro von einer Tochter der Bentheimer Eisenbahn betrieben wird und die Fahrt auch über deren Streckennetz ging, zeigte die Fahrkarte das Logo der Eurobahn:

Dorthin ging es dann nach Anschlussaufnahme von der RB aus Osnabrück auf der anscheinend frisch renovierten Strecke mit relativ großen Haltabständen los. In Nordhorn angekommen, machte ich mich gleich wieder auf den Rückweg mit dem Gegenzug, wofür ich zum Glück genug Zeit hatte und der Mittelbahnsteig die Prozedur vereinfachte. Der Zub tat interessanterweise das Gleiche und grinste nur, als ich ihm noch mal meine Fahrkarte zeigte.

Als Kuriosum wird an der Übergangsstelle zwischen BE und DB noch auf Rangiersignal gefahren, das soll sich aber bald ändern. Zu einer zeitlichen Verzögerung, die es gelegentlich geben soll, führte das aber nicht. So erreichte ich wie geplant die RB zurück nach Rheine. Dort hatte mir die Auskunft interessanterweise einen Anschlusszug eine halbe Stunde später nach EMST empfohlen, obwohl es vorher und nachher noch andere Züge gab. So machte ich mich früher als geplant mit dem RE 15 auf dem Weg in die Westfalenmetropole und verspeiste dort noch eine Poutine bei Otmar.

Diesmal ging ich rechtzeitig zum Bahnsteig, um IC 2223 noch zu erreichen, der hatte wegen Personen im Gleis aber ohnehin +15. Und dann ging die „Sonderfahrt“ durchs Ruhrgebiet los: auf der normalen Strecke bis kurz vor Recklinghausen, dann links ab über die Gütergleise durch den Hbf, weiter über die Hertener Bahn, durch Gladbeck West und Bottrop-Boy, dann wieder links ab zum Abzw. Prosper Levin, fast in Sichtweite von Essen-Dellwig vorbei, dann zwischen CentrO und Gasometer durch, durch den Gbf Oberhausen West und weiter über die Haus-Knipp-Brücke, die nördlichste deutsche Eisenbahnbrücke über den Rhein. Der nächste durchfahrene Bahnhof war Moers, von wo wir wiederum über eine reine Güterstrecke nach Krefeld abbogen, das wir sage und schreibe mit –5 erreichten.

So hatte ich noch genug Zeit für ein paar Bilder vom örtlichen ÖPNV,

bevor ich mich dann mit dem RE 10 auf den Weg in die Landeshauptstadt machte. Von da ging es ohne besondere Vorkommnisse weiter mit dem ICE aus Amsterdam nach FF, mit der S-Bahn nach FFS und mit der RB (gemeinsam mit etlichen Eintracht-Fans) nach NAH, wo um meinen Drahtesel herum mittlerweile deutlich weniger Räder standen.

JKBF-Rekorde 2018

Fünf Jahre ist der letzte Rekordbeitrag her und fast zehn der erste – Zeit für einen neuen. Geändert haben sich vor allem die „Extrempunkte“:

  • Der östlichste Punkt, den ich durch eine durchgehende Bahnfahrt erreicht habe, war Constanţa am Schwarzen Meer im Rahmen der Balkan-Tour 2014. Von da bin ich mit diversen Umstiegen zurück nach Aschaffenburg gefahren.
  • Die östlichste Bahnfahrt überhaupt war im Mai dieses Jahres die von St. Petersburg nach Moskau. Die beiden Endpunkte habe ich allerdings aus Zeitgründen mit dem Flugzeug erreicht.
  • Die südlichste und westlichste Bahnfahrt war im Mai 2016 die von Salt Lake City nach Emeryville an der San Francisco Bay. Natürlich bin ich auch dahin geflogen, und weiter westlich als Cascais kann man mit einer durchgehenden Bahnfahrt von Deutschland aus auch nicht kommen.
  • Die längste Fahrt im selben Zug ist inzwischen die von Helsinki nach Rovaniemi vom 5. auf den 6. April 2016 mit knapp 13 Stunden.

Der nördlichste Punkt meiner Eskapaden ist und bleibt Narvik. Weiter könnte man auch allenfalls auf einigen sehr abgelegenen Strecken in Russland kommen, die ich in nächster Zeit nicht vorhabe zu bereisen.
Auch die größte Verspätung bleibt wohl die nach Stockholm 2010, wobei ich es mittlerweile auch auf der deutlich kürzeren Strecke von Bielefeld nach Aschaffenburg geschafft habe, drei Stunden Verspätung einzufahren. Hoffen wir, dass das ein Einzelfall bleibt.

Ma(r)l auf verschlungenen Pfaden

20 Jahre ist es her, dass mir die allgemeine Reife attestiert wurde – allerdings nur die für Hochschulen, die andere lässt bis heute auf sich warten. Aus Anlass dieses Jubiläums traf ich mich am Samstag mit einigen Mitschülern in Marl, das meine Eltern gerade gen Norden verlassen haben. Aus diesem Grund reiste ich erst am Samstag an und übernachtete bei Freunden. Für die Anreise ließ ich mir etwas Zeit und plante einige Schlenker ein, um einigen ÖPNV-Kuriosa mal wieder oder überhaupt einen Besuch abzustatten. Da ich einen Sparpreis Aktion für den ICE um 7:33 Uhr gebucht hatte, war es auch kein Problem, zweimal umzudisponieren, da sich die Termine in Marl änderten.
Da ich einen Koffer dabei hatte, fuhr ich mit dem Bus zum Bahnhof. Der Zug war pünktlich und ein Sitzplatz problemlos zu finden. Einziges besonderes Ereignis war, dass eine Frau relativ unfreundlich eine schlafende Passagierin von ihrem Platz vertrieb, weil sie dort reserviert habe. Die war etwas verblüfft, weil die Anzeige nichts dergleichen anzeigte (die anderen Anzeigen aber sehr wohl funktionierten). Und tatsächlich: Als die eine Frau schon woanders weiterschlummerte, stellte sich heraus, dass die andere einen Wagen weiter reserviert hatte.
KKDT erreichten wir ebenfalls pünktlich. Der Zug fuhr ohne mich und ohne Halt weiter nach Duisburg, vermutlich über die Rheinische Bahn, was auch sehr interessant gewesen wäre. Ich stieg dagegen in die S 6 um. Da ich nicht viel Zeit hatte und vor dem Fahrkartenautomaten eine kleine Schlange stand, kaufte ich den Fahrschein nach Langenfeld in der App, sogar mit Rabatt. Die Bahn kam pünktlich, musste aber u.a. einen Gegenzug durchlassen und kam so leicht verspätet in Langenfeld an. Mir war es egal, hatte ich doch genug Zeit, um auf die 791 umzusteigen. Dort kaufte ich ein Einzelticket der Preisstufe D, das stolze fünf Stunden gültig war und damit meine gesamte Tour abdeckte. Erste Station war Solingen Hbf, wo mir die neueren Citaros der BSM vor die Linse kamen:
Citaro II der Bahnen der Stadt Monheim

Citaro Facelift der Bahnen der Stadt Monheim

Aber auch zwei Solinger Obusse lichtete ich ab:
Van-Hool-Obus der Stadtwerke Solingen

Hess-Obus der Stadtwerke Solingen

Weiter sollte es eigentlich mit der S 7 (früher mal RB 47) über die Müngstener Brücke gehen. Die Strecke war aber wegen eines Hangrutsches unterbrochen, was meinen Zeitplan durcheinandergebracht hätte. Also zum dritten Mal umdisponiert, wenigstens noch ein Bild vom Abellio-Lint auf der S 7 geschossen
Abellio-Lint für die S 7

und eins vom 422er im VRR-Design auf der S 1, die hier früher mal S 7 hieß.
VRR-422

Weiter dann mit der RB 48 nach Wuppertal-Vohwinkel, wo ich einen der neuen GTW-15-Schwebebahnzüge erlegen konnte:
GTW 15 der Wuppertaler Schwebebahn

Mit eben jenem wollte ich dann auch bis zum Hbf fahren, stieg aber dann schon am Westende aus, um den Zeitplan nicht erneut ins Wanken zu bringen. Der nächste Programmpunkt war nämlich die Fahrt mit dem SB 66 nach Velbert, der von da ohne Umsteigen nach Essen weiter fährt. Auf dem ersten Teil der Fahrt war der Gelenkzug eher spärlich besetzt, füllte sich dann aber umso mehr, je näher wir der Ruhrmetropole kamen. Als die dritte Familie mit Kinderwagen einstieg, musste der Busfahrer diesen dann auf den Nachläufer (also den Teil hinter dem Gelenk) verweisen.
Gelenk-Citaro II des BVR

Von EE aus ging es ganz unspektakulär mit der S 9 weiter. Vorher aber gelang mir u.a. noch ein Bild der „Blauen Grotte“:
U-Bahnhof Essen Hbf

Bei den Gastgebern angekommen, lud ich meine Sachen ab und fuhr zwei Haltestellen mit meinem gerade noch gültigen Ticket zu meiner nächsten Station, dem Mensa-Stammtisch. Den Rest des Abends bewegte ich mich nur zu Fuß.

Auf der Rückfahrt am Sonntag hatte ich als Schmankerl noch die Kongobahn eingebaut, wie die Strecke Neuss–Horrem aus unerfindlichen Gründen genannt wird. Seit Dezember 2017 muss in Bedburg, also an der Grenze zwischen den Aufgabenträgern VRR und NVR, umgestiegen werden. Das hängt damit zusammen, dass der Abschnitt Bedburg–Horrem langfristig zur S-Bahn ausgebaut werden soll.
Los ging es aber erst mal mit der S 9 bis Essen. Ab Bottrop saß eine alte Dame neben mir, die mich fragte, ob denn irgendwo „was los“ sei. In Bottrop hätten nämlich alle Cafés zu, und nun sei sie auf der Suche nach „Action“. Leider konnte ich ihr da auch nicht weiterhelfen. In EE angekommen, stellte sich heraus, dass der RE 6 +20 hatte. Also noch in die Lounge und eben 20 min später über die Strecke EDGKD, auf der wegen Bauarbeiten die Ferngleise immer noch gesperrt waren. Ab KD aufgrund Kürzung des planmäßigen Aufenthalts nur noch etwa +15. Immer noch genug Zeit, um Neusser Busse für die Sammlung abzulichten:
Bus der Stadtwerke Neuss

Mit der Regiobahn nach Kaarst zu fahren, hatte fahrplantechnisch nicht mehr gepasst, wäre an diesem Tag wegen SEV sowieso nicht gegangen:
Zug der Regiobahn

Also den VIAS-Lint geentert. Die Farben sind andere als in Hessen, was vermutlich am anderen Aufgabenträger liegt:
Lint der VIAS

Die Fahrt verlief unspektakulär, abgesehen davon, dass die Fahrgastinformation notorisch falsch ging. Interessant fand ich die verkrautete Landschaft um Frimmersdorf, wo man erahnen kann, dass hier mal ein Braunkohletagebau war. In Bedburg stiegen außer mir noch zwei andere Fahrgäste in den DB-644 um. Zunächst ging es nicht sehr S-Bahn-mäßig über Land, nachher füllte sich der Zug aber recht gut. KK erreichten wir pünktlich, hier sah ich dann beim Aussteigen auch noch einen „Kollegen“ aus dem ICE-Treff.
Die Weiterfahrt verlief ebenfalls problemlos: Der ICE fuhr (wohl wiederum wegen der Bauarbeiten) ab KK statt über KKDT und über FFS statt FF, erreichte aber alle Zwischenstationen sowie meinen Ausstiegsbahnhof NAH (über)pünktlich, so dass ich wie geplant den Bus um 19.50 Uhr entern konnte.

Bahn-Lichteffekte selbst gebaut

Mein Kumpel Konny, treuer Leser und gelegentlicher Kommentator meines Blogs, hat selber ein Blog zum Thema Lichteffekte. Darin hat er sich auch schon mal mit bahnspezifischen Effekten beschäftigt: → Bahn-Lichtsignal selbst bauen und → Bahn-Weichensignal selbst bauen. Wer seine Wohnung oder seinen Partykeller entsprechend dekorieren will, findet dort vielleicht eine Anregung. Als Orientierung, welche Arten von Lichtsignalen es gibt, sei die Seite → stellwerke.de empfohlen. Fröhliches Bauen!

Tierische Züge

Viele Züge haben ja einen Spitznamen, und eine ganze Reihe davon einen tierischen. In diesem Beitrag will ich mal alle „Schienentiere“ vorstellen, die mir einfallen. Als die Dampflok die Postkutsche mit ihren Pferden ablöste, lag es nahe, sie unabhängig von der Baureihe auch „Dampfross“ zu nennen, hier mal als Beispiel eine 01 im Technikmuseum Speyer:
01 im Technikmuseum Speyer

Schon bald kamen die ersten Elektroloks auf. Einige frühe Baureihen, als erstes die ab 1919 gebaute Ce 6/8 der SBB, erhielten wegen ihres Aussehens den Beinamen „Krokodil“, wobei dieser wohl erst nach 1945 in Gebrauch kam. Als „Schweineschnäuzchen“ wurde dagegen der etwas später gebaute Wismarer Schienenbus bezeichnet.

Ein anderer Schienenbus erinnerte zwar den Volksmund nicht direkt an ein Tier, dieser hielt es aber für ideal, um welche damit zu transportieren: Das „Ferkeltaxi“ alias DR-Baureihe VT 2.09 dieselte von 1955 bis in die Zeiten der Deutschen Bahn AG (dort als BR 772) noch über ostdeutsche Nebenstrecken:
DR-Ferkeltaxi im Bahnhof Sitzendorf-Unterweißbach

Gleich zwei tierische Spitznamen hatten die Intercity-Triebwagen der Deutschen Bundesbahn der alten Baureihe 403 (nicht zu verwechseln mit dem ICE 3, der heute diese Bezeichnung trägt): „Donald Duck“ oder „Weißer Hai“.

Wiederum nicht das Aussehen, sondern diesmal die Schaltgeräusche verpassten der Baureihe 141 der Bundesbahn den Spitznamen „Knallfrosch“.
Lok der BR 141 beim Bahnfest in Korbach

Ganz andere Assoziationen weckt die Baureihe 1016 der ÖBB, die ganz offiziell (und ihre Schwesterloks bei anderen Bahnen inoffiziell) „Taurus“ (Stier) heißt:
ÖBB-Taurus in Wien Westbahnhof

Wenn es um starke Tiere geht, darf die Diesellok „Blue Tiger“ (→ ADtranz DE-AC33C, DB-BR 250) natürlich nicht fehlen.

Mehr um den ersten Wortteil ging es wohl bei der tschechischen „Brillenschlange“ (BR 754).
ČD-Baureihe 754 in Železná Ruda-Alžbětín

Im Zuge der vermehrten Entwicklung von Triebwagen ab Ende des 20. Jahrhunderts gibt es natürlich auch vermehrt solche, die tierische Spitznamen tragen. Beispiele sind:

  • das „Mopsgesicht“ (eigentlich Coradia Continental, bei der DB Baureihe 440)
    DB-BR 440 in München Hbf
  • dessen Nachfolgemodell, die „Grinsekatze“ (DB-BR 1440)
    DB-BR 1440 in Dortmund Hbf
  • Ebenfalls ein Nachfolgemodell ist der Talent 2 „Hamster(backe)“ (BR 442), dessen Vorgänger keinen mir bekannten Tiernamen trug:
    DB-BR 442 in Berlin Hbf
  • Zwar nicht nach einem echten Tier benannt, aber ehrenhalber trotzdem hier aufgeführt ist die BR 474 „Tamagotchi“ der Hamburger S-Bahn:
    DB-BR 474 in Hamburg Hbf
  • Aufgrund der „Barten“ drängt sich der Spitzname „Wal(fisch)“ für den Alstom Coradia A TER (DB-BR 641) geradezu auf:
    DB-BR 641 in Waldshut
  • Bei den französischen Schwesterzügen (SNCF-BR X73500) wird die Ähnlichkeit noch konkreter, und man nennt sie „Blauwale“.
    SNCF-X73500 in Mulhouse
  • Ebenfalls sehr passend ist der Beiname „Büffel“ für die jüngst ausgemusterte DM 90 der NS:
    NS-DM90 in Enschede

Die russische Eisenbahn benennt einige Baureihen ganz offiziell nach Vögeln, wie die „Lastotschka“ (Schwalbe, Variante der Desiro Mainline), der „Sapsan“ (Wanderfalke, russische Version des ICE 3) und der neue Talgo-Nachtzug „Strizh“ (Mauersegler), der auch zwischen Moskau und Berlin fährt.

Außer Zügen sind natürlich auch manche Strecken nach Tieren benannt, wie zum Beispiel der „Lößnitzdackel“ von Radebeul Ost nach Radeburg.
Zug des Lößnitzdackels in Moritzburg

Auch der „Molli“ an der Ostseeküste soll einer der vielen Entstehungslegenden zufolge nach einem Hund benannt sein, nämlich dem Mops einer frühen Passagierin.
Zug des Molli in Heiligendamm

Soweit die tierischen Schienenfahrzeuge, die mir eingefallen sind. Wenn ihr noch mehr habt, schreibt gerne einen Kommentar oder eine Nachricht!

Streckenkunde 2017

Nach 2009 und 2013 habe ich mal wieder die Karte der Strecken aktualisiert, auf denen ich schon unterwegs war (schwarz markiert, Klick öffnet die große Version):

Von mir bis 2017 befahrene Strecken in Deutschland

Wieder sind die farbigen Gebiete weniger geworden, vor allem in Bayerisch-Schwaben und Thüringen, eben den Regionen, die man von NAH aus als Tagesausflug erreichen kann. Der Osten hingegen ist nach wie vor größtenteils rot, was ausnahmsweise mal nicht politisch gemeint ist. Grün (nicht elektrifiziert und nicht befahren) zeigen sich dagegen Oberfranken und (Württembergisch-)Schwaben, wo ich allerdings noch einige Ausflugsideen in petto habe. Als weitere große Lücken erweisen sich der Mühldorfer Linienstern und Nebenstrecken in Rheinland-Pfalz und im Norden. Zwei Strecken waren auf der ursprünglichen Karte noch gar nicht eingezeichnet, da zu dem Zeitpunkt stillgelegt: (Frankenberg –) Herzhausen – Korbach und Hintschingen – Zollhaus-Blumberg, die beide wieder befahren werden. Von grau (im Bau) auf schwarz (befahren) ist die NBS Erfurt – Leipzig gewechselt. In der „alten“ wie in der „neuen“ Heimat fehlen nur noch wenige Strecken: in letzterer sind die hauptsächliche Ausnahme die beiden Strecken nach Bad Soden, die ich neulich im Rahmen einer Tour befahren hätte, wenn die S-Bahn nicht ausgefallen wäre. In ersterer würde ich – außer über die noch verbliebenen Güterbahnen – vor allem gerne mal über die Müngstener Brücke fahren, wobei Viadukte ja immer noch schöner sind, wenn man unten steht und den Zug darüber fahren sieht.

Natürlich ist die Idealvorstellung, irgendwann mal eine Karte mit komplett schwarzen Strecken zu haben. Ich arbeite aber nicht zielgerichtet darauf hin, so dass das wahrscheinlich so bald nicht passieren wird. Trotzdem bleibt es spannend, wie die Karte nach dem nächsten Update aussieht.

Der etwas andere ICE

Am Freitag stand ich in FH und wartete auf ICE 1070, der mich die kurze Strecke nach Fulda bringen sollte. Diese Verbindung hatte ich gebucht, weil sie die einzig brauchbare war, die mich nach dem verfrühten Feierabend direkt zur Pfingstakademie bringen würde. Ein Blick auf den Wagenstandsanzeiger erfüllte mich mit Spannung: Der ICE wurde mit Steuerwagen und Lok angezeigt, sollte es etwa …? Es war – der Ex-Metropolitan nämlich, der bis 2004 als Premium-Fernverkehrszug zwischen Hamburg und Köln unterwegs war und jetzt auf wechselnden Strecken als Verstärker-ICE unterwegs ist:

Steuerwagen des MET-ICE

Innen sieht er noch ziemlich genau so aus wie auf meiner Fahrt kurz vor der Einstellung des MET:

Im MET-ICE

Der abgebildete Wagen ist deswegen so leer, weil er als 1. Klasse läuft. Da der MET ursprünglich einklassig war, sehen die meisten 2.-Klasse-Wagen aber genauso aus, sie waren nur entsprechend voller.

Kurios ist, dass einige der Wagentüren nur als Notausstieg dienen, so dass man unter Umständen zum nächsten regulären Ausgang recht weit laufen muss. Aufgrund der Verstärker-Fahrplantrasse kam der Zug nicht nur in FH, sondern auch in Fulda reichlich vor Plan an. Mehr Fotos gibt es leider nicht, da ich nur das Handy dabei hatte und die anderen Aufnahmen nichts geworden sind. Die restliche Reise verlief ebenfalls ohne Schwierigkeiten.

Auf der Rückfahrt am Pfingstmontag begegnete uns der Ex-MET dann noch einmal in Fulda. Für mich verlief die Reise komplett mit Regionalzügen – bis FH mit einer Hessenticket-Gruppe und danach zum RMV-Übergangstarif. Hätte ich rechtzeitig geschaltet, hätte ich allerdings für wenig mehr Geld eine Fahrkarte für den ICE nach Wien gekauft, der um diese Uhrzeit auch in NAH hält und an diesem Tag wegen Bauarbeiten in abweichender Fahrplanlage fuhr. Aber so war ich letztendlich auch nur etwa eine Viertelstunde später zu Hause, wobei ich zum ersten Mal den 12er Bus bis zur Sandkirche nutzte, da die Verbindungen zur Haltestelle vor meinem Haus sonn- und feiertags doch etwas eingeschränkt sind.

Ein neues Pferd im Stall

Seit Oktober ist der neue ICE 4 zwischen München und Hamburg im Probeeinsatz. Am Samstag gelang es mir, ihn bei bester Wintersonne im Würzburger Hbf abzulichten:

Spitze des ICE 4
Hier der Zug von vorne. Etwas kantiger als die beiden Varianten des 3er ist er ja schon

Seitenansicht des ICE 4

Seitenansicht des ICE 4

Seitenansicht des ICE 4
Die verschiedenen Bereiche sind außen deutlicher gekennzeichnet als bisher

Zum Abschluss noch ein Video von der Abfahrt:

Bald wieder Baureihe 5xx?

Das Bundesverkehrsministerium will die Entwicklung der Brennstoffzellen-Elektromobilität auf der Schiene vorantreiben, so melden es die NahverkehrsNachrichten vom 23. September. Unter anderem soll die Erprobung eines mit Traktionsbatterien ausgestatteten Talent 3 mit 4 Mio. Euro unterstützt werden. Als ich das las, musste ich doch etwas grinsen, gab es doch sowas schon mal, nämlich mit den Akkutriebwagen, die noch bis in die Neunzigerjahre fuhren, zuletzt (leider kurz vor meiner „aktiven Bahnzeit“) auf der Strecke Gelsenkirchen – Bochum. Für diese Traktionsart gab es im Nummernschema der DB sogar die eigene Reihe 5xx, die zurzeit leider ohne aktive Baureihen ihr Dasein fristet. Wird sich das demnächst wieder ändern?

Ein Eisenbahnmuseum fast ohne Dampf

Am Wochenende fand das Sommerfest im DB-Museum Koblenz statt, einem Museum, das sich vorwiegend Diesel- und E-Loks widmet. Nachdem ich schon 2013 überlegt hatte, hinzufahren, setzte ich das diesmal in die Tat um. Passenderweise gab es einen Sonderzug von FF aus, der standesgemäß natürlich ebenfalls mit E-Loks bespannt war, und zwar mit zwei 140ern. Dazwischen befanden sich historische Abteilwagen:

Eine Zuglok des Sonderzuges zum DB-Museum Koblenz

Ein Wagen des Sonderzuges zum DB-Museum Koblenz

Ein Wagen des Sonderzuges zum DB-Museum Koblenz

Abteil des Sonderzuges zum DB-Museum Koblenz

Die Plätze im Sonderzug mussten vorher reserviert werden, so dass es sogar Reservierungszettel mit Namen gab:

Namentlicher Reservierungszettel

Fast pünktlich ging es um kurz nach zehn los. In Mainz-Bischofsheim nahmen wir noch Fahrgäste auf, danach bogen wir ab und umfuhren den Mainzer Hbf rechtsrheinisch, wahrscheinlich weil wir wegen fehlender NBÜ nicht durch den Mainzer Tunnel durften. In Mombach erreichten wir wieder die linksrheinische Strecke, wo wir in Ingelheim einen Betriebshalt zur Überholung durch einen ICE einlegten. Nächster Verkehrshalt war Bingen, und dann ging es durchs Mittelrheintal an der Loreley vorbei:

Die Loreley

Einen weiteren Verkehrshalt gab es in Boppard. Die Abfahrt, die sich eigentlich um 10 Minuten verzögern sollte, fand dann doch pünktlich statt, wohl weil der Fernzug, der uns eigentlich überholen sollte, doch mehr Verspätung hatte als gedacht. Wenig später erreichten wir Koblenz, wo wir den Hbf ohne Halt durchfuhren und im Güterbf Lützel stehen blieben. Wenig später holte uns dort eine Diesellok ab und zog uns in umgekehrte Richtung an den Museumsbahnsteig. Bis zur Rückfahrt verblieben drei Stunden, in denen ich mir ausgiebig die Ausstellungsstücke anguckte:

BR 232

BR 232 „Ludmilla“

BR 219

BR 219 „U-Boot“

BR E 10

BR 110 bzw. E 10

BR 103 Touristikzug

BR 103 in der Touristikzug-Lackierung

BR 181

BR 181, eine der ersten Mehrsystem-Baureihen der DB, die lange den Verkehr Richtung Frankreich und Luxemburg bestritten

BR 120

DR-BR 120 „Taigatrommel“

BR 107

DR-BR 107, mir bis dahin völlig unbekannt

BR 118-DR

DR-BR 118

BR 218

BR 218 in City-Bahn-Lackierung

BR 216

BR 216 in Altrot

Höhepunkt des Festes war die Lokparade, die an diesem Tag unter dem Motto „50 Jahre Baureihe 103“ stand. Die erste Lok, die gezeigt wurde, war allerdings eine 110, und zwar die erste, die Tempo 200 erreichte:

BR 110

Weiter ging es mit der ersten 103, die für das Museum wieder in den Originalzustand versetzt wurde:

E 03 001

mit 103 238, die für eine Werbeaktion eines Modellbahnherstellers die verkehrsrote Lackierung bekam:

103 238

und mit 103 235, einem weiteren bordeauxrot-beigen Exemplar:

103 235

Auf den parallel verlaufenden Durchfahrgleisen lief indessen der normale Betrieb weiter:

101 mit IC

Auch die orientrote Farbvariante der 103 durfte nicht fehlen:

103 101

Derweil fuhr ein niedliches Nahverkehrszüglein vorbei:

E 03 001

Zum Abschluss der Parade wurde noch eine (leider nicht fahrfähige) Vorserien-120 gezeigt:

120 004

Die Rangierlok, die das möglich machte, soll auch nicht unerwähnt bleiben:

333 068

Nach der Parade schaute ich mich noch etwas im Museum um, u.a. im Führerstand einer 115, einer Baureihe, die aus umbezeichneten 110ern besteht:

Führerstand einer 110/115

Hier eine 182, die nach ihrem Einsatz auf den Strecken nach Frankreich als Versuchsträger der AEG diente:

E 03 001

Und noch eine 118, diesmal eine E-Lok der Bundesbahn, ehemals E 18:

BR 118-DB

Über die alten grün-gelben IC-Sitze habe ich mich besonders gefreut, stellen sie doch eine Erinnerung an meine ersten Bahnfahrten dar:

IC-Sitze

Auch von den ersten ICE-Sitzen ist noch ein Paar vorhanden:

ICE-Sitze

Wesentlich älter ist dieser Speisewagensitz:

E 03 001

Weiter ging es mit der ersten 103, die für das Museum wieder in den Originalzustand versetzt wurde:

E 03 001

Zum Abschluss besichtigte ich noch zwei Salonwagen der Vorkriegs-Reichsbahn, die aber auch nach dem Krieg noch Politikern und der auf Staatsbesuch weilenden Queen dienten. Allerdings war ich zu faul, die Bilder auch noch zu schneiden, und ein bisschen soll sich ja euer Besuch im Museum auch noch lohnen :).

Mit leichter Verspätung verließ mein Zug dann um kurz nach 16 Uhr den Museumsbahnsteig wieder. Unterwegs gelang mir noch ein Bild von der Burg Pfalzgrafenstein:

Burg Pfalzgrafenstein

Die Fahrt über die Rheinstrecke verlief ohne besondere Vorkommnisse. Nett war, dass die roten Signale, auf die der Zug zufuhr, meist gerade rechtzeitig noch umsprangen, so dass wir fast nie tatsächlich anhalten mussten. So erreichten wir FF erstaunlicherweise sogar ein paar Minuten vor Plan. Anstatt dem RE, auf den der Übergang mit zehn Minuten recht knapp geworden wäre, erwischte ich noch den verspäteten IC und kam daher eine Viertelstunde früher als geplant an. Vor dem für 19.30 Uhr angesetzten Stammtisch, der an diesem Abend auch noch stattfand, konnte ich also sogar noch kurz nach Hause fahren.