Einst und jetzt 5: Marl Mitte

Ursprünglich hatte ich die Serie nur auf drei Teile angelegt, jetzt gibt es schon den fünften und ein Spezial … Da ich am Sonntag mal wieder in der Heimat war, hatte ich die Idee, meine allerersten Bahnfotos zu reproduzieren und ein wenig über die Veränderungen seitdem zu schreiben.

Zunächst noch etwas weiter in die Vergangenheit: Mitte der 70er-Jahre bekam die Stadt Marl, die aus einer Ansammlung von Dörfern entstanden ist, ein neues Zentrum auf der „grünen Wiese“. Dazu gehörte unter anderem das Rathaus, das Einkaufszentrum „Marler Stern“, aber auch ein Haltepunkt an der kurz zuvor eröffneten Strecke Abzweig Lippe – Gelsenkirchen-Buer Nord. Wie der daneben liegende Busbahnhof erhielt er den Namen „Marl Mitte“. Ab den Achtzigerjahren wurde die Strecke im Taktverkehr befahren, wegen des langen eingleisigen Abschnitts aber nur stündlich. Da die Züge über die damals noch nicht elektrifizierte Strecke nach Langenberg bzw. später nach Wuppertal weiterfuhren, fuhren die Züge trotz Fahrdraht mit Dieselvorspann. Eingesetzt wurden 216er mit n-Wagen, die am Anfang noch ihrem Spitznamen „Silberlinge“ alle Ehre machten.

Einen solchen Zug bannte ich an einem unbekannten Tag im April 1993 auf den analogen Film:

Genau bekannt ist dagegen das Datum des zweiten Bildes vom Hp Marl Mitte, das ich am 14. August 1993 auf dem Weg zu einem Feriencamp in Bochum-Dahlhausen machte:

Wozu der mit „Bahnhof“ beschriftete Bau diente, ist mir nie so ganz klar geworden. Es handelte sich um eine Art nach einer Seite offenen Halle, auf der anderen Seite befand sich eine vergitterte fensterartige Öffnung zur Bahnstrecke. So etwas wie Bänke oder gar einen Fahrkartenschalter gab es dort nicht, für eine Wartehalle wäre es dort auch viel zu zugig und zu weit weg vom Bahnsteig gewesen. Dafür gab es ja auch die Wartehäuschen auf dem Bahnsteig.

Fast auf den Tag genau 33 Jahre später, am 9. August 2026, sah es auf dem Bahnsteig in Marl Mitte so aus:

Was sich anscheinend am wenigsten verändert hat, ist der Bahnsteig selber: Da man ihn vorausschauenderweise schon in der S-Bahn-kompatiblen Höhe von 76 Zentimetern errichtet hatte, brauchte er nicht mehr erhöht zu werden, als 1998 endlich die „echte“ S 9 kam, die die vorherige Linie 9 (ohne S) ablöste und zunächst nur bis Essen fuhr. Als dann auch die Strecke weiter nach Wuppertal elektrifiziert war, fuhren die S-Bahnen ab 2003 auch bis dorthin. Eingesetzt wurden – wie auf der gesamten S-Bahn Rhein-Ruhr – zunächst 143er mit x-Wagen, zeitweise auch 420er, später dann 423er und jetzt Flirts, die in vom VRR vorgegebenen Farben unterwegs sind.

Wie man sieht, sind die Aufbauten oben auf der Brücke verschwunden. Die Treppe zum Bahnsteig befindet sich jetzt auf der dem Fotografen zugewandten Seite. Auf der anderen befindet sich ein Aufzug, der auch den Busbahnhof und den Marler Stern barrierefrei erreichbar macht. Vom Bahnsteig gibt es noch einen ebenerdigen Zugang in die angrenzende Siedlung. Dieser führt über die Fläche, die für das zweite Gleis freigehalten wurde, das vermutlich nie gebaut wird.

Noch ein kurzer Blick auf den Busbahnhof: Der war in den Siebzigern mit den damals üblichen parallelen schmalen Bussteigen gebaut worden und sah 1993 schon nicht mehr ganz taufrisch aus:

Hier hat man – im Rahmen der Umgestaltung des gesamten Stadtzentrums – Nägel mit Köpfen gemacht und im März 2005 den Busbahnhof verlegt, und zwar an die Stelle, an der sich früher die Zufahrtsrampe für den alten befand (in den Bildern oben rechts vom Bildrand). Die Neigung, die er daher hat, sorgte anfangs für Diskussionen, mir sind aber keine praktischen Probleme damit bekannt. Wie inzwischen üblich, besteht er aus einer großen Mittelinsel, um die herum die sägezahnartigen Bussteige angeordnet sind:

Der alte Busbahnhof befindet sich nun wiederum links vom Bildrand und ist beim Umbau durch eine relativ einfallslose Betonfläche ersetzt worden. Links im Bild ist die Brücke zum Haltepunkt erkennbar, rechts der neue Busbahnhof. Dazwischen im Hintergrund befindet sich das Kundenzentrum mit Sozialräumen für das Fahrpersonal. Ersteres bestand 1993 nur aus einem zugigen Schalter am Rand des Busbahnhofs, ziemlich genau links neben dem Fotografen.

Fazit: Marl ist nicht die schönste Stadt der Welt und Marl Mitte sicher auch nicht der schönste Bahnhof. Insgesamt haben Haltepunkt und Busbahnhof seit 1993 aber schon ein wenig gewonnen – auch wegen der Verkehrsverbindungen von dort, über die ich in den früheren Folgen schon geschrieben habe.

Einst und jetzt 1: Fahrzeuge

Einst und jetzt 2: Liniennetz

Einst und jetzt 3: Sonstiges

Einst und jetzt 3 – Nachtrag

Einst und jetzt: Spezial zum Mauerfall

Einst und jetzt 4: Zielnetz 2015 und Ist-Netz 2020

Zurück in die Zukunft 2

Wie sich das für eine ordentliche Reihe gehört, gibt es natürlich einen zweiten Teil: Ende der 70er-Jahre musste die damalige Deutsche Bundesbahn die Innbrücke Jettenbach in Bayern für den Schienenverkehr sperren. Es wurden Behelfsbahnsteige an beiden Enden eingerichtet, und die Reisenden mussten die Brücke zu Fuß überqueren, bis auch das nicht mehr möglich war und die Brücke schließlich neu gebaut werden musste. Als ich viel später von diesem Kuriosum erfuhr, dachte ich, dass so etwas heutzutage nicht mehr möglich wäre.

Pustekuchen: Im Jahr 2021 passierte genau dasselbe mit der Lindaunisbrücke über die Schlei in Schleswig-Holstein an der Strecke Kiel–Flensburg. An den beiden Enden der Brücke wurden die Haltepunkte Boren-Lindaunis Schleibrücke Nord und Rieseby Schleibrücke Süd eingerichtet. Dazwischen liegt ein Fußweg über die Brücke von vielleicht 5–10 Minuten. Die Fahrpläne sind natürlich so gestaltet, dass die Zeit bequem ausreicht, man aber auch nicht lange warten muss. Das tun die Züge dann im Bahnhof Süderbrarup, um an beiden Enden in den Takt zu passen.

Heute wollte ich mir das Ganze mal angucken. Für die Anreise stieg ich aufgrund des recht vollen RE spontan in den ICE nach AH. Ursprünglich war der Plan, mit dem ECE nach Schleswig und von dort mit dem Bus nach Süderbrarup zu fahren, aber da ersterer ausfiel, der ICE aber recht zeitig eintraf, wurde es der RE nach Flensburg, so dass ich die komplette Strecke befahren konnte. Hier nun die Bilder von der Brücke:

Hier geht es gerade auf der Schiene nicht weiter, im Hintergrund der Zug nach Flensburg am Haltepunkt Nord
Die Brücke wird in der Sommersaison zeitweise für den Schiffsverkehr geöffnet, die Zeiten sind natürlich auf die Zugfahrzeiten abgestimmt.
Blick zurück Richtung Norden beim Fußmarsch über die Brücke
Blick vom Haltepunkt Süd auf die alte Brücke und die Baustelle für die neue

Dann ging es wieder auf der Schiene weiter, interessanterweise mit einem 628er der neg. Innen informierte allerdings ein Aushang darüber, dass das nur während der Kieler Woche so sei. So konnte man nämlich zwischen Eckernförde und Kiel in Doppeltraktion und im Halbstundentakt fahren, was in erstgenanntem Bahnhof natürlich noch einen Umstieg erforderte. Das kam mir aber nicht ungelegen, hatte ich doch 1997 hier mit meiner Familie Urlaub gemacht und konnte so noch ein bisschen durch den Ort schlendern, erkannte aber nicht viel wieder. Dafür ergab sich aber spontan noch ein Bild eines Busses des Stadtverkehrs, was mir damals nicht so richtig gelungen war.

neg-628 im Bahnhof Eckernförde
Scania-Bus des Stadtverkehrs Eckernförde

Dann trat ich die Rückfahrt an: mit der RB73 bis Kiel, dem RE7 bis Hamburg und weiter mit der RB41. Bis kurz vor Tostedt lief alles nach Plan, dann schlug das Pech in Form von spielenden Kindern auf der Strecke zu. Den Kindern ist zum Glück nichts passiert, wir standen aber geschlagene anderthalb Stunden auf freier Strecke, zum Glück im nicht allzu vollen klimatisierten Zug. Als es weiterging, war dann außerplanmäßiges Wenden in Rotenburg angesagt. Der nächste Zug nach Bremen war randvoll mit Rückreisenden vom Hurricane-Festival, der übernächste, der direkt danach kam, zum Glück nicht, so dass es insgesamt schlimmer hätte kommen können und ich etwas mit weniger als zwei Stunden Verspätung meine Hansestadt wieder erreichte.

Zurück in die Zukunft

Am Sonntag war ich mal wieder unterwegs in die alte Heimat. Neben dem Besuch bei Freunden war ein Anlass das 125-jährige Jubiläum der Vestischen, zu dem sie einige Busse im Design der 80er-Jahre beklebt hatte. Wer ein Bild von einem der Fahrzeuge einschickt, nimmt noch bis zum 21. Juni an einem Fotowettbewerb teil, wobei ich das Foto natürlich auch so machen würde ;-). Leider ist es mir aber nicht gelungen, einem der Busse zu begegnen. Dafür kam mir aber einer der Wasserstoffbusse vor die Linse, die neuerdings bei der Vestischen fahren:

Wright-Wasserstoffbus der Vestischen in Marl Mitte

Interessanterweise handelt es sich dabei um Fahrzeuge der nordirischen Marke Wrightbus, die ich bisher nur als Rechtslenker kenne. Ein Blick in meine Datenbank bringt ans Licht, dass ich die einzige Ausnahme 2016 in Las Vegas abgelichtet habe.

Bleibt noch zu erwähnen, dass An- und Abreise problemlos funktioniert haben: hin mit dem ICE bis EMST und weiter mit dem RE42, zurück mit dem RE2 bis HO und wiederum weiter mit dem ICE.

Durchs wilde Münsterland

Am Donnerstag war ich mal wieder zum internationalen Mensa-Event „Grensa“ unterwegs, das diesmal in Südlohn-Oeding an der niederländischen Grenze stattfand. Mein ursprünglicher Plan, dafür die X80 diesmal nicht nur zum Spaß zu benutzen, wurde durch deren Zweistundentakt vereitelt. Also fuhr ich mit dem ICE nach Münster, wo der recht knappe Anschluss zur RB 63 klappte, und weiter nach Coesfeld, wo sogar noch Zeit war, einen sich sonnenden Setra auf den Chip zu bringen. Meines Wissens ist es das erste Exemplar dieses recht schicken Modells in meiner Sammlung.

Setra von Boonk Reisen am Coesfelder Bahnhof

Es ist schon witzig, wie die genutzten Verkehrsmittel immer kleiner wurden: Erst ICE, dann zweimal RB, von Ahaus dann ein Regionalbus bis Südlohn, wo ich dann in den Bürgerbus umstieg. Der heißt so, weil er von Ehrenamtlichen gefahren wird und so die Verbindung zwischen den beiden Gemeindeteilen untereinander und mit dem niederländischen Winterswijk darstellt. Der Bürgerbus fährt werktags außer samstags im Stundentakt und ist in der Fahrplanauskunft zu finden. Das Deutschlandticket gilt nicht, die Fahrt kostete aber ganze 1 Euro.

So kam ich dann tatsächlich eine Stunde früher als mit dem X80 in Oeding an. Am nächsten Tag gelang mir dann auch ein Foto vom Bürgerbus, wenn auch ohne Sonne:

Der Südlohner Bürgerbus am Rathaus in Oeding

Der Rest des Wochenendes war mehr oder weniger ÖPNV-frei, sieht man einmal davon ab, dass wir am Sonntag ein Kuriosum besichtigten: Das niederländische Dinxperlo und das deutsche Suderwick sind im Grunde ein Ort in zwei Staaten. Da die Grenze entlang der Straße verläuft, auf der der Bocholter Stadtbus fährt, hat er logischerweise auch auf beiden Seiten unterschiedliche Haltestellenmasten:

Deutscher (links im Hintergrund) und niederländischer Haltestellenmast auf dem Hellweg in Suderwick bzw. dem Heelweg in Dinxperlo

Zurück ging es dann nicht mit dem Zug, sondern es ergab sich eine Mitfahrgelegenheit bis an den Stadtrand von Bremen, wo ich direkt den Schnellbus nach Hause erwischte und so noch bei meiner Freundin vorbei schauen konnte.

Freifahrt auf der Güterbahn

Da sich die DB entschieden hatte, die Freifahrten am Tag nach einer Goldmedaille für Deutschland auf die Paralympics auszuweiten, war ich heute mal wieder in der 1. Klasse des Fernverkehrs unterwegs. Zuerst nach Hamburg, wo ich eine Stunde Zeit hatte, die ich nutzte, um an den Elbbrücken ein „anständiges“ Foto eines DT4 der Hochbahn zu machen:

Auf dem Weg dahin ergab sich auch ein Bild des nur mit einem Gitter abgesperrten „Geisterbahnsteigs“ in Hauptbahnhof Nord.

Dann machte ich mich aber auf den Weg zum eigentlichen Zweck der Reise: die Befahrung der Güterumgehungsbahn, die nämlich wegen der baubedingten Sperrung der Verbindungsbahn derzeit als Umleitung für einige Fernzüge dient. Kaum war ich mit dem EC Richtung Kopenhagen abgefahren, erfuhr ich, dass ich keinen neuen Abschnitt kennenlernen würde, denn wegen einer Streckensperrung bogen wir auf die Lübecker Strecke ab und fuhren über Bad Oldesloe nach Neumünster. Das ging auch nur, weil unser Zug außerplanmäßig noch ein dieselbetriebener IC3 ist. Auf dem eingleisigen Streckenabschnitt verpassten wir den entgegenkommenden Regionalbahnen zwar ordentliche Verspätung, kamen selbst aber einige Minuten vor Plan in Neumünster an.

Dort entdeckte ich auf dem Nachbargleis einen ICE, der wegen der Sperrung zurückgehalten worden war und als Fahrtziel Hamburg-Harburg hatte (nachdem er ursprünglich nach Stuttgart hätte fahren sollen). Dieses Ziel konnte er ja nur über die GUB erreichen, und so wartete ich geduldig, bis es nach einer halben Stunde tatsächlich weiter ging. Noch während der Fahrt wurde bekannt gegeben, dass wir statt Harburg den Hbf anfahren und der Zug dort auf einen anderen ICE nach TS wenden würde. Die Fahrgäste dorthin freuten sich – ich mich auch, denn nicht nur hatte es jetzt tatsächlich mit der Bereisung geklappt, sondern so konnte ich noch in AH beim Mexikaner essen und mich direkt eine halbe Stunde später wieder auf den Weg nach Bremen machen.

Kein Zug nach Nirgendwo

Am Wochenende ging es mal wieder mit Ole nach Schladern. Hin fuhren wir zwar im selben Zug, aber nicht zusammen, weil ich dank ProbeBahnCard und Aktionsgutschein recht günstig in der (ebenfalls ziemlich vollen) 1. Klasse reiste. Den Umsteigebahnhof Köln erreichten wir mit immerhin so viel Verspätung, dass wir die eigentlich geplante S-Bahn nicht mehr erreichten, dafür aber den RE von fast einer Stunde vorher. Der stand dann in Deutz wegen einer Signalstörung noch eine Weile herum, was uns auf dem Nachbargleis noch folgenden Anblick bescherte:

Zug der Mittelrheinbahn nach „Nirgendwo“

Zum Glück nicht nach Nirgendwo, sondern letztendlich doch noch nach Schladern führte unsere Reise, so dass wir den Zielbahnhof gegenüber dem ursprünglichen Plan mit ganz passablen etwa +15 erreichten.

Auf dem Rückweg nahmen wir ebenfalls den RE, was uns möglicherweise den Umstieg in Köln rettete. Der erfolgte in den „Female ICE“, der für eine Aktion beklebt wurde, bei der er nur mit weiblichem Personal besetzt war.

Der „Female ICE“ in Köln Hbf

Ob er das danach auch noch ist, weiß ich nicht. Ich sah zwar nur Frauen als Zugbegleiterinnen, das mag aber Zufall gewesen sein. Wie dem auch sei, jedenfalls erreichten wir, diesmal beide in der 2. Klasse, angenehmerweise Bremen pünktlich. Ole musste sich jetzt angesichts des ÖPNV-Streiks allerdings aufs Fahrrad schwingen, während ich wie immer nur einen kurzen Fußweg zurückzulegen hatte.

USA-Tagesausflug

Nicht in das Land der nicht mehr ganz so unbegrenzten Möglichkeiten, sondern nur in die benachbarte Hansestadt Hamburg führte mich meine heutige Tour. In HB erwischte ich gerade noch die RB – hatte ich gedacht, die Abfahrt verzögerte sich dann wegen der Überholung zweier ICE und der Kreuzung mit dem Gegenzug doch noch so lange, dass ich mir auch noch einen Kaffee hätte holen können. Bis AH wurde die Verspätung immerhin nicht mehr, so dass ich immerhin noch kurz zum Bäcker gehen konnte und dann die ebenfalls verspätete S5 zur Elbgaustraße erreichte.

Die verließ ich eine Haltestelle vorher in Eidelstedt, um nach mehr als 20 Jahren mal wieder A-Bahn zu fahren. Dahinter verbirgt sich ein kommunaler landeseigener Eisenbahnbetrieb, dessen Hauptstrecke von Eidelstedt nach Kaltenkirchen gerade für den S-Bahn-Betrieb ausgebaut wird. Daher endet die Linie A1 auf dieser Strecke auch schon in Ulzburg Süd, den Betrieb von dort nach Kaltenkirchen und Neumünster übernimmt die Linie A2. Die nahm ich nun – in Gestalt eines LINT – in Gegenrichtung bis zur Endstation Norderstedt Mitte.

LINT der AKN in Norderstedt Mitte

Um Bilder zu machen, ließ ich die – wegen Bauarbeiten nur alle 20 Minuten fahrende – U-Bahn sausen und hatte so unter anderem endlich Zeit für einen Kaffee, aber auch für ein Foto von diesem kuriosen Straßenschild:

Straße „Beamtenlaufbahn“ in Norderstedt

Dann machte ich aber endlich die Buchstaben aus der Überschrift komplett und fuhr mit der U1 zwei Stationen weiter bis Garstedt. Von dort gibt es nämlich einen Bus nach Poppenbüttel, von wo mir noch die S-Bahn in meiner Sammlung fehlte. Die hakte ich auch ab, nur um in Barmbek wiederum in die U-Bahn zum Hauptbahnhof umzusteigen und dort zu essen, diesmal beim Syrer.

Für die Rückfahrt liebäugelte ich mit einem ICE-Ticket, entschied mich aber doch für die verspätete RB. Für den Platz hätte sich der Aufpreis nicht gelohnt, denn davon gab es in der RB genug. Nur wäre ich mit dem ICE früher in HB gewesen. Wie sich herausstellte, sogar mit dem RE, der uns in Sottrum überholte. Aber man kann nicht ein volles Fass und eine betrunkene Ehefrau haben, wie ein italienisches Sprichwort sagt. Und ich hatte ja heute Abend nichts weiter vor, außer diesen Blogbeitrag zu schreiben.

2–4–3–3–1–2

Nein, das ist keine neue Fußballtaktik, sondern die Reihenfolge der ICE-Baureihen, die ich am verlängerten Wochenende benutzt habe: Am Samstagmittag einen ICE 2 von HB nach HH, dann weiter mit einem 4er nach FF. Den Bahnhof erreichten wir zwei Minuten vor Plan, so dass ich gerade noch am selben Bahnsteig Anschluss an den ICE nach NAH hatte, der eigentlich schon weg sein sollte, gefahren wie alle Züge auf dieser Linie von einem ICE 3. Die einzige größere Verspätung an diesem Wochenende hatte dann der Bus, mit dem es weiter nach Goldbach ging.

Von dort machte ich mich heute Mittag auch auf den Rückweg, mit einem Abstecher an meinen ehemaligen Arbeitsort. Dann hieß es wieder ICE fahren, natürlich zunächst wieder mit einem 3er. Der Umstieg in NWH erfolgte dann in einen 1er statt des geplanten 4er, womit ich alle nummerierten ICE-Baureihen auf einer Reise durch hatte. Weitere Gelegenheit hätte es dazu auch nicht gegeben, denn die letzte 2 bezieht sich nicht auf einen ICE, sondern einen IC, mit dem ich die Hansestadt pünktlich erreichte.

Karten und Statistiken von viaduct

Ein Freund hat mir die Seite →viaduct.world empfohlen, auf der man alle seine Bahnreisen loggen kann. Soweit ich das sehe, handelt es sich um ein Projekt aus Österreich, das sich durch Spenden und den Verkauf von Merchandising-Artikeln finanziert. Ich habe mich mal daran gemacht und meine wichtigsten Fahrten dort eingegeben. Das Resultat ist zuerst einmal eine → Karte mit allen von mir befahrenen Bahn- und Fährstrecken.

Außerdem kann man die Karten zu den einzelnen Reisen teilen, was ich unter den jeweiligen Blogbeiträgen und den Reiseberichten gemacht habe.

Nicht direkt teilen kann man den Anteil der Strecken, die man in den jeweiligen Ländern befahren hat. In Deutschland sind das immerhin 64 % (20937 km). Noch einen größeren Anteil erreiche ich in Luxemburg mit 80 % – nicht unbedingt überraschend, da das nur 176 Kilometern entspricht und ich das Land unter anderem im Rahmen meiner Diplomarbeit mehrmals besucht habe. Deutlich überraschender ist auf Platz 3 mit immerhin 56 % Norwegen. Aber dort ist das Netz relativ dünn, und bei meinen nur zwei Besuchen dort habe ich unter anderem mit der Bergen- und der Nordlandbahn schon zwei sehr lange Strecken befahren, insgesamt 2166 km. Weit abgeschlagen folgen dann mit 33 % – trotz meiner ausgiebigen Rundfahrt 2006 – die Schweiz (1670 km) und Dänemark mit 32 % (799 km).

Auch nicht direkt teilen kann man andere Statistiken, wie etwa die geografischen Extreme, die ich bisher selber in unregelmäßigen Abständen in den Rekorde-Beiträgen ermittelt habe. Seit dem letzten Beitrag unverändert sind das im Norden Narvik, im Süden und Westen Emeryville bei San Francisco und im Osten der Bahnhof am Moskauer Flughafen Domodedovo. Davon habe ich allerdings nur Narvik auf einer durchgehenden Bahnreise erreicht, in den anderen Himmelsrichtungen wären dann die Extreme im Westen und Süden Cascais bei Lissabon und im Osten Constanța am Schwarzen Meer.

Die längste ununterbrochene Fahrt war, anders als ich 2018 behauptet habe, mit (planmäßig) 17:40 Stunden und 1293 Kilometern die von Salt Lake City nach Emeryville im Jahr 2016. In der Realität waren wir sogar etwa eine Stunde früher da als geplant, was die Fahrt trotzdem zur längsten macht. Die schnellste Fahrt, zumindest soweit sie von mir erfasst wurde, ging am 19. September 2015 von Frankfurt Flughafen nach Siegburg/Bonn, also genau von Anfang bis Ende der KRM, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 226 km/h. Dicht dahinter, neben zwei Fahrten auf derselben Relation, die Fahrten von Barcelona nach Madrid mit 220 km/h und von Paris nach Karlsruhe mit 209 km/h.

Nicht in viaduct erfasst habe ich Verspätungen, weil ich darüber keine genauen Aufzeichnungen habe. Für die größte De-facto-Verspätung dürfte es aber einen neuen Rekord geben, wieder aus dem Ausland: Im Juli diesen Jahres fiel der erste von nur drei täglichen Zügen von Haparanda nach Boden aus, so dass ich mein Tagesziel Stockholm mit über zehn Stunden Verspätung erreichte. Über die „alltäglichen“ Verspätungen der deutschen Bahnen führe ich ja (zumindest soweit es sich um etwas größere Entfernungen handelt) weiterhin hier Buch und werde euch natürlich auf dem Laufenden halten.

Über Ägypten und Israel nach Riesa

Nach acht Jahren habe ich gestern endlich mal wieder meine Schulfreundin Melanie besucht, die mittlerweile in der Nähe von Riesa wohnt. Die Anreise dorthin ist im Prinzip recht einfach: Mit ICE oder IC gen Südosten und Umstieg in Leipzig oder Hannover. Letzteres hatte ich für die Hin- und Rückfahrt vorgesehen. Nach dem Umstieg in den IC nach Dresden querte dieser zu meiner Überraschung das ganze Gleisvorfeld und verließ HH Richtung Süden. Es stellte sich heraus, dass es bei Peine eine Signalstörung gab und wir daher über HHI umgeleitet wurden. Das gab uns gut +20 mit, die sich bis Riesa auf +15 reduzierten. Interessant waren in HBS die Züge, die dort für das Siemens-Werk abgestellt waren, in seltener Einigkeit standen welche für Ägypten, Israel und der bisher nur teilweise zugelassene ICE L quasi nebeneinander.

Zug für Ägypten in Braunschweig Hbf
Zug für Israel bei Braunschweig Hbf
ICE L (links) und Zug für Ägypten bei Braunschweig Hbf

Auf der Rückfahrt fuhr kurz vor meinem IC der der Gegenrichtung ein, der stolze 100 Minuten Verspätung hatte. Mein Zug war dagegen pünktlich, die Madgeburg-Fans im Unterdeck waren gesittet und ab Leipzig konnte ich auch mit freiem Nebenplatz sitzen. Nichts deutete darauf hin, dass es die Umleitung zwischen HBS und HH noch geben würde, da bremste der Zug in Groß Gleidingen doch ab, und der Tf rief das Zugpersonal. Das teilte uns dann mit, dass wir HH mit +30 erreichen würden, was ich aufgrund der Erfahrungen von der Hinfahrt für etwas überzogen hielt. Genauso war es dann auch: Es waren etwa +20, und die meisten Anschlusszüge waren ohnehin verspätet, unter anderem wegen Personen im Gleis in der Nähe des Bahnhofs. So auch meiner, der bereitgestellt wurde, als er schon längst von der Anzeigetafel verschwunden war. Die Abfahrt verzögerte sich dann aber noch, bis auch das Personal aus dem Hauptzug aus München kam, von dem mein Zug eigentlich der Flügelzug war. So erreichte ich HB mit etwa +50.