Über die Wupper

Am letzten Wochenende des 9-Euro-Tickets nutzte ich es noch einmal voll aus. Dass es gerade dieser Termin wurde, war eher Zufall, denn der Anlass war das Fest zum 125-jährigen (Be-)Stehen der Müngstener Brücke, der mit 107 Metern höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands. Dafür fuhr ich am Freitagabend nach Remscheid, nicht ohne noch kräftig das Bahn-Chaos dieses Sommers mitzunehmen: War der RE 2 nach EMST noch pünktlich, so hatte der Anschluss-RE 7 etwa +20 und war gut gefüllt. Ab Bönen wurde die Verspätung aufgrund eines längeren Aufenthaltes dann noch etwas mehr, so dass ich statt wie geplant in Solingen bereits in Wuppertal-Oberbarmen in die S 7 umstieg und mir daher die Fahrt über die Brücke für diesen Abend verwehrt blieb. Den anderen Reisenden auch, denn der Zug endete wegen Personalmangels außerplanmäßig in Remscheid Hbf. Ich wollte sowieso in den Bus umsteigen, den ich zum Glück gerade noch so erreichte und fast direkt vor dem Hotel aussteigen konnte.

Am Samstag machte ich mich nach einem kurzen Besuch der Remscheider Innenstadt zuerst auf den Weg zum Brückenpark, der direkt unter dem Bauwerk liegt und beste Blicke darauf bietet:

Blick aus dem Brückenpark auf die Müngstener Brücke
Blick aus dem Brückenpark auf die Müngstener Brücke

Anlässlich des Festes fuhr ein historischer Zug über die „Bergische Runde“ Solingen – Remscheid – Wuppertal – Solingen, in deren Verlauf auch die Brücke liegt. Den passte ich natürlich ab:

Museumszug auf der Müngstener Brücke

Im Park war auch schon die Bühne für das abendliche Konzert der Bergischen Symphoniker aufgebaut. In der Zeitung hatte ich zufällig morgens gelesen, dass der Park dann nur für Konzertbesucher geöffnet sein sollte, aber eine Mitarbeiterin sagte, dass das kurzfristig geändert worden sei und alle Zutritt hätten. Das war für mich wichtig, da die Brücke zeitgleich illuminiert werden würde und ich das natürlich sehen wollte.

Also verließ ich erst mal beruhigt den Brückenpark, um den restlichen Nahverkehr im Bergischen Städtedreieck auf den Chip zu bannen. Die Remscheider Citaros hatte ich schon morgens „erledigt“, also erweiterte ich noch die Sammlung von Bildern des Solinger Obus und der Wuppertaler Schwebebahn, hier zwei Beispiele. Auch den Dampfzug bekam ich bei der Anfahrt im Solinger Hbf noch mal etwas näher vor die Linse.

Solaris Trollino am zentralen Umsteigepunkt Graf-Wilhelm-Platz in Solingen
Ein Wagen der aktuellen Generation 15 der Wuppertaler Schwebebahn erreicht die Endstation Oberbarmen
Historischer Zug mit 78 468 des Fördervereins Eisenbahn-Tradition bei der Abfahrt in Solingen Hbf

Nachdem so langsam die Dämmerung einsetzte, machte ich mich wieder auf den Weg zum Brückenpark. Dazu stieg ich am Hp Solingen-Schaberg aus, von wo es nur ein kurzer Weg (logischer- und praktischerweise bergab) ist. Unterwegs kam ich an einer Stelle vorbei, an der sich schon diverse Menschen mit Kameras und teilweise Campingmöbeln postiert hatten und beschloss spontan, dort zu bleiben.

Und ich wurde nicht enttäuscht: Die Illumination war beeindruckend, zumal mit den auch hier oben gut zu hörenden Symphonikern. Der Heißluftballon, der auf der anderen Seite der Brücke aufstieg, rundete das Ganze ab. Mangels Stativ konnte ich das Ganze nicht gerade perfekt aufs Silizium bringen, will es euch aber trotzdem nicht vorenthalten.

Die Abreise der Besucher vom Brückenpark war gut organisiert: Die Haltestelle direkt am Parkeingang war, wohl auch wegen des zu erwartenden Andrangs, auf einen Parkplatz am Wupperufer verlegt worden. Dort erleuchtete ein generatorbetriebenes Licht die Szenerie. Da die Brücke genau im Dreieck von Wuppertal, Remscheid und Solingen liegt, gab es auch in alle drei Städte Sonderbusse. Die waren natürlich entsprechend voll, das Personal sorgte aber für die Disposition weiterer Fahrzeuge. In meinem Bus nach Remscheid konnte auch niemand mehr umfallen, der Stimmung tat das aber keinen Abbruch und mein Hotel lag praktischerweise so, dass ich schon an einer der ersten Haltestellen nach Erreichen des Stadtgebiets aussteigen konnte.

Auf der Heimfahrt am Sonntagmittag musste ich noch mal umdisponieren, weil der Bus vom Hotel zum Hbf nicht auftauchte. Stattdessen fuhr ich nach Güldenwerth, wo gerade in dem Moment, als mein Zug ankam, der Dampfzug entgegenkam. Die weitere Fahrt lief – wider Erwarten – genau wie geplant, sieht man mal von etwa 10 Minuten Verspätung bei allen Zügen ab: S 7 bis KSO, RE 7 bis EMST und von da der IC nach HO. Dafür musste ich natürlich dann doch noch einen Fahrschein kaufen, aber weniger als 8 Euro für mindestens 20 Minuten Zeitersparnis schienen mir ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Neun Euro oder neu Neuro?

Kaum jemand dürfte es nicht mitbekommen haben: Seit gut einem Monat gibt es nun das Neun-Euro-Ticket, mit dem man einen Monat lang bundesweit mit allen Nahverkehrsmitteln fahren kann. Aber wie sind meine persönlichen Erfahrungen damit? Kann ich mich über das günstige Fahren freuen oder nervt es eher? Das Wortspiel in der Überschrift brachte in dem Zusammenhang ein User im ICE-Treff auf.

Meine erste Fahrt mit dem Ticket fand am Freitag vor Pfingsten statt, wobei ich die meiste Zeit eigentlich mit einer ICE-Fahrkarte unterwegs war, nämlich von Osnabrück nach Köln. Der war trotz des höheren Fahrpreises ziemlich voll, unter anderem mit diversen Schulklassen, die auf dem Weg von oder zu Klassenfahrten waren (und sich freuten, dass anscheinend ein YouTuber an Bord war). Einer solchen Klasse musste ich auch in Hagen meinen Platz räumen und fortan auf der Einstiegsstufe sitzen, bis mit etwa einer halben Stunde Verspätung die Domstadt erreicht war und ich das Billigticket für die Straßenbahnfahrt zum Barbarossaplatz nutzte.

Zurück ging es dann am Pfingstmontag mit zwei Freunden und der S-Bahn ab Schladern. Dort, kurz hinter dem Startbahnhof, fanden wir noch bequem Platz für uns und unser Gepäck. Bis Köln wurde es dann deutlich voller, was aber nicht nur dem 9-Euro-Ticket geschuldet war, sondern auch der Tatsache, dass eben Pfingstmontag war, vor allem aber der zweite Zugteil fehlte. Zum Glück mussten die meisten Stehenden das nicht lange tun, da sie in KK ausstiegen. Das tat ich auch und fuhr in die etwas kleinere Domstadt wieder mit dem ICE zurück. Dort fand sich trotz „Ausgebucht“-Warnung noch bequem ein Sitzplatz, und die Verspätung hielt sich mit +20 einigermaßen in Grenzen.

Die nächste Fahrt machte ich dann mit Freundin am 18. Juni von Osnabrück nach Wilhelmshaven und zurück. Natürlich wollten an dem Tag viele an die Küste, und in Oldenburg war auch noch CSD. Daher gab es zeitweise nur noch Stehplätze, es musste aber niemand zurückbleiben und an den nächsten Stationen leerte es sich recht zügig wieder. Pünktlich waren die Züge auch, so dass es insgesamt eine entspannte Tour war.

Wieder das erste Stück mit dem ICE fuhr ich am Wochenende darauf, nämlich erst nach Hamburg. Bis Bremen musste ich wieder auf der Eingangsstufe sitzen, danach nutzte ich aber einen nicht beanspruchten reservierten Platz. Mit dem 9-Euro-Ticket ging es dann weiter im RE nach Lübeck, wo sich noch genug Sitzplätze fanden. Ebenso war es auf der Rückfahrt. In der Hansestadt traf ich noch Kumpel Daniel in der Premium-Lounge, bevor es dann wieder mit dem ICE zurück ging, auch hier wieder mit richtigem Sitzplatz und pünktlich.

Eine Woche später war ich dann nach Marl unterwegs, wohin die schnellste Verbindung ab HO ohnehin mit dem RE 2 führt. Der kam wegen einer Störung an der Strecke verspätet an und füllte sich ebenso schnell mit neuen Fahrgästen, wie die ankommenden ausstiegen. Daher gab es für mich leider nur einen Stehplatz und dazu noch +20, so dass ich bereits in Haltern ausstieg und mit der S 9 weiter fuhr, immerhin sitzenderweise. So verbrachte ich auch die Rückfahrt, leider allerdings wieder mit +30

Fazit: Für leerere Züge hat das Ticket erwartungsgemäß nicht gesorgt, das totale Chaos zeigte sich aber zumindest auf meinen Fahrten auch nicht. Das zweite Ticket ist gekauft und harrt seines ersten Einsatzes am Wochenende, wieder in Kombination mit dem Fernverkehr.

Mit Talent durch die Pampa

Am Sonntag nach Himmelfahrt machte ich mal wieder eine Spaßtour: Ziel war Göttingen, das ich über Nebenbahnen erreichen wollte, zufälligerweise vor allem durch meinen Arbeitgeber betriebene. Da ich am Samstag ausgeschlafen hatte, fiel mir das frühe Aufstehen nicht ganz so schwer, und so machte ich mich auf den Weg nach Herford, wo ich zwischen zwei Zügen der Eurobahn umstieg, und weiter nach Paderborn, wo immer noch der Hbf umgebaut wird. Von da ging es dann in den vorderen Teil (wichtig) einer Doppeltraktion NWB-Talente. Die erreichte hinter dem Rehbergtunnel Neuland für mich, und zwar mit einiger Verspätung, wohl wegen hoher Streckenauslastung zwischen Paderborn und Altenbeken. Im Eisenbahnerdorf Ottbergen (Selbstbezeichnung) wurde der Zug geteilt, der hintere Zugteil fuhr weiter nach Kreiensen – die Strecke ist eine der wenigen in der Gegend, die mir jetzt noch fehl.n.

Für uns ging es weiter durch ziemlich idyllische, aber auch ziemlich abgelegene Gegend im Grenzgebiet zwischen NRW und Niedersachsen und zweimal sogar kurz durch Hessen. In Bodenfelde zweigt die Strecke nach Northeim ab, die ich auf der Rückfahrt fahren würde. Den Endbahnhof in der Südniedersachsenmetropole erreichten wir mit nicht mehr nennenswerter Verspätung. Ich machte mich auf den Weg in die Innenstadt, wo ich bei einem Asiaten sehr nett zu Mittag aß.

Auf dem Rückweg gelangen mir am Bahnhof noch ein paar ÖPNV-Fotos – diesmal problemlos, nachdem eine Woche vorher in Oldenburg noch ein Busfahrer extra seinen fahrenden Bus angehalten hatte, um mir zu erklären, dass ich das nicht dürfe. Die erste Etappe der Rückfahrt verlief problemlos, auch wenn man kräftig das Signalhorn der Lok und eine anschließende Funkdurchsage über eine Betriebsgefahr hörte. Auch bei der Fahrt über die Sollingbahn von Northeim nach Bodenfelde gab es keinerlei Besonderheiten. Der Anschlusszug wurde so stark unter anderem von Fahrradreisenden genutzt, dass ich nur noch einen Sitzplatz auf einem Notsitz fand. Vor HOTT blieben wir erst einmal eine Weile stehen mit dem Hinweis, dass der andere Zugteil Verspätung habe. Mein Umstieg verlegte sich dadurch von EPD nach HA, war aber nicht gefährdet. Umso weniger, als der Anschlusszug auch Verspätung hatte, irgendwie war auf der Strecke der Wurm drin. Das führte dann leider auch dazu, dass ich meinen Anschlusszug in Herford nicht mehr erreichte. So kam ich aber immerhin noch zu einer IC-Fahrt, nämlich von Bad Oeynhausen nach HO, die ich mit einem 9-Euro-Ticket sogar bezahlt bekommen hätte. So musste ich die 8,70 Euro aus eigener Tasche bestreiten und erreichte meinen Heimatbahnhof etwa eine halbe Stunde später als vorgesehen.

Mit Schwarz-Rot-Gold in die Stadt von Schwarz-Gelb

Nach dreijähriger coronabedingter Pause war endlich mal wieder eine → Dortmunder Nachtschicht angesagt. Da am Bahnhof der Westfalenmetropole immer noch gebaut wird (inzwischen sind aber deutliche Fortschritte erkennbar), fahren aus Richtung Norden zurzeit nur alle zwei Stunden direkte Fernzüge dorthin. So machte ich mich mit einem Teamkollegen aus Bremen schon relativ früh auf den Weg, hatte dabei aber das Glück, den (pünktlichen) Triebzug 9457 „Bundesrepublik Deutschl.n.“ zu erwischen:

ICE 4 „Bundesrepublik Deutschl.n.“ im Dortmunder Hauptbahnhof

Bei der Nachtschicht nutzten wir natürlich wieder exzessiv den örtlichen Nahverkehr, der an Wochenenden die ganze Nacht durchfährt. Dabei gab es auch bei den genutzten Eisenbahnen (S1/S2/RB32) keine Komplikationen außer defekten Toiletten. Zum Glück sind aber die Toiletten am Hbf am Wochenende rund um die Uhr geöffnet, zwar kostenpflichtig, aber dafür sauber.

Umso mehr Komplikationen gab es dafür auf der Rückfahrt: Aufgrund eines Unterflurbrandes in einem ICE auf der KRM sollte unser Zug für die Rückfahrt mehr als +60 haben, Tendenz steigend. Also stiegen wir in den IC 2 aus Siegen nach EMST, in dem zum Glück gähnende Leere herrschte. Von da erreichten wir mit der RB 66 relativ pünktlich HO, wo mein Bremer Kumpel nun allerdings etwas länger auf die Weiterfahrt warten musste. Nicht ganz so lange hätte ich das auf einen Bus nach Hause tun müssen, legte die Strecke aber – auch aufgrund des schönen Wetters – lieber zu Fuß zurück.

Mit „Minden“ nach Paderborn

Anfang April machte ich mal wieder eine kleine Spaßtour: Von einem Termin in Hannover (Anreise ereignislos mit dem direkten IC) machte ich auf der Rückfahrt einen „kleinen“ Schl.n.er: Nachdem ich bis zur letzten Minute noch Busse auf dem Bahnhofsvorplatz fotografiert hatte, erreichte ich gerade noch rechtzeitig (ich hatte nicht gesehen, dass sie schon am Bahnsteig stand) die S-Bahn nach Paderborn. Was erst während der Fahrt klar wurde: Zum einen fuhr der Zug an diesem Tag wegen Bauarbeiten eine Umleitung über die Güterumgehungsbahn, zum anderen war ich im Zugteil, der in Hameln endete. Ersteres führte wegen eines eingleisigen Abschnitts und eines verspäteten Gegenzuges zu etwa +20, letzteres dazu, dass ich in der Rattenfängerstadt den Zugteil wechseln musste. Während ich mich noch freute, dass im angrenzenden Zugteil so viele Sitzplätze frei wurden (ab HH hatte ich erst mal eine Weile stehen müssen), wurde mir zum Glück mitgeteilt, dass ich noch einen Zugteil weiter musste (von drei Teilen fuhr nur der erste nach EPD). Die Weiterfahrt verlief weiterhin mit Verspätung, aber ohne weitere Komplikationen, und an der Endstation gelang mir noch ein Bild vom 424er für meine Sammlung, bevor Transdev die S-Bahn komplett übernimmt und die Züge nach München entschwinden:

Zug 424 019 „Minden“ in Paderborn Hbf

Weiter ging es ohne Verspätung und weiterhin über Nahverkehrsbahnen: Bis zum Betriebsbahnhof Himmighausen fuhr ich dieselbe Strecke wieder zurück, dort zweigte mein Zug Richtung Herford ab. Kurz vorher gab es noch am Bbf Langeland die massiven Quertragwerke an der Oberleitung zu sehen, die sonst in Deutschl.n. nicht verwendet werden:

Quertragwerke Schweizer Bauart am Bbf Langeland

Von EHFD aus nahm ich dann die RB 61, wie schon mein Zubringerzug ein Wagen der Eurobahn. Dort wurde ich vom Zub mit der Mitteilung überrascht, dass ich in der 1. Klasse saß. Da er aber selber einsah, dass man das kaum erkennen konnte (die Türen mit den Hinweisaufklebern klemmten halboffen fest), verzichtete er auf eine Nacherhebung oder die Pflicht zum Umsetzen. So erreichte ich nach über vier Stunden langer, aber trotzdem recht günstiger Fahrt wieder die Hasestadt.

Im größten Dorf

Zwar wird München als Millionendorf bezeichnet, dem Namen nach dürfte jedoch Düsseldorf das größte Dorf Deutschl.n.s sein. So mussten wir uns für den zweiten Teil unseres Urlaubs nicht allzu sehr umgewöhnen. Los ging es am Montag mit dem ICE ab Bremen bzw. Osnabrück, leider mit etwas zwanzigminütiger Verspätung, bei der es auch bis zu unserer umsteigefreien Ankunft blieb. Angesichts des Gepäcks und des Regens fuhren wir mit der U-Bahn zu unserem Hotel, dem sehr empfehl.n.werten Carls am gleichnamigen Platz.

Statt einer Insel- gibt es in der Landeshauptstadt eine U-Bahn zu sehen. Auf der alten Strecke hat sie den durchaus vorhandenen Charme der 80er,

U-Bahnhof Steinstraße/Königsallee

auf der 2016 eröffneten Wehrhahnlinie hat man sich etwas mehr ausgetobt und jede Station von einem anderen Künstler gestalten lassen, wobei das Grunddesign dasselbe ist.

Videoinstallation im Bahnhof Benrather Straße
Bahnhof Graf-Adolf-Platz
Bahnhof Schadowstraße

Außer U-Bahnhöfen gab es natürlich noch den Rhein mit Landtag, Rheinturm und Medienhafen sowie jede Menge Japanisches zu sehen.

Auf der Rückfahrt am Donnerstag machte ich noch einen Umweg über Köln, um dort meine Freunde Anna und Hans zu treffen. Die Rückfahrt von dort wiederum war etwas beschwerlich, weil aufgrund des stürmischen Wetters bei Bonn Gegenstände die Oberleitung blockiert hatten. Immerhin konnte ich beim Warten einige interessante Fahrzeuge ablichten:

n-Wagen-Garnitur von TRI als Zusatz-RE nach Hamm
Europa-ICE
ICE mit Sonderlackierung zum 30. Jubiläum
111 „Loreley“
110 der Gesellschaft für Fahrzeugtechnik mit einem Zusatz-RE nach Hamm

Schließlich kam endlich ein ICE nach Osnabrück, in dem ich sogar noch bequem einen Sitzplatz fand. Noch während wir am Bahnsteig standen, fuhr gegenüber der EC ein, den ich eigentlich nehmen wollte. Wir verließen KK und erreichten HO aber noch vor ihm – knapp zwei Stunden später als ursprünglich geplant. Aus purer Faulheit und weil ich ein City-Ticket hatte, nahm ich den Bus nach Hause, auch wenn ich dabei noch mal umsteigen musste.

Öfter Marl was Neuss Essen

Trotz der vierten Welle setzte ich mich heute mal wieder in den Zug, um einige Freunde zu treffen, mit denen ich vor Jahren den obigen Spruch mit den Namen unserer Heimatstädte ausgedacht hatte. Sehr früh ging es zum Bahnhof. Das Gehen nahm ich wörtlich, da zum einen gestern ein Bus, den meine Freundin und ich nehmen wollten, einfach mal nicht gehalten hatte, zum anderen, weil ich früh dran und das Wetter passabel war.

Die Hinfahrt verlief weiterhin problemlos: mit dem ICE (inklusive 3G-Kontrolle) bis EDG, wo ich zufällig in den umgeleiteten RE 10 umstieg, an dem ich in der vorherigen Arbeitswoche noch geplant hatte. Weiter mit dem NX-RE 7 bis Neuss, wo ich den Rest des Weges zur Gastgeberin mit dem Bus zurücklegte. Wegen des City-Tickets hatte ich extra einen Spar- statt einen Super-Sparpreis gekauft. Letztendlich hat sich das nicht gelohnt, aber so hatte ich das Rundum-sorglos-Paket mit Stornierungsmöglichkeit.

Zurück ging es nicht ganz so reibungslos: Nachdem eine Freundin mich mit dem Auto nach EDG genommen hatte, stellte ich fest, dass der IC wegen einer Weichenstörung in KKDT +20 haben sollte. Die Prämienfahrkarte, die ich außerdem für die Fahrt nehmen wollte, war auch nicht mehr verfügbar, also kaufte ich ein Flexticket. Nachdem aus den +20 +40 geworden waren, entschied ich mich spontan, nach EE vorzufahren und dort in die Lounge zu gehen. Dort stellte sich heraus, dass der IC inzwischen über 60 Minuten hinter dem Plan herfuhr und ich somit mit dem RE schneller war. Also den Cappuccino etwas schneller getrunken und in den RE gesetzt, der meine ebenfalls im Titel vorkommende Heimatstadt ohne Halt und wegen vorausfahrender Fernzüge verspätet durchfuhr. Die ICE-Überholung, die planmäßig für Hasbergen vorgesehen war, fand dementsprechend schon in Ostbevern statt. HO erreichten wir mit etwa +10, was immerhin den Vorteil hatte, dass der Anschluss an den Bus nach Hause wie angegossen passte und ich ihn wegen des wieder vorhandenen City-Tickets nicht extra bezahl.n.musste.

Wieder Lustiges Bahnfahren

Mittlerweile schränke ich meine Bahnfahrten coronabedingt wieder ein, aber letztes Wochenende ging ich noch mal auf Tour: Ziel waren die Weser- und Lammetalbahn (WLB) Bünde–Hildesheim–Bodenburg, die bis zum Fahrplanwechsel noch durch meinen neuen Arbeitgeber NordWestBahn gefahren und dann durch die DB-Tochter Start übernommen werden. Da nicht alle Züge in Bünde beginnen, war ein zusätzlicher Umstieg in Herford nötig. Dort enterte ich den RE der Eurobahn nach Nienburg, eine Strecke, die auch noch auf meiner Liste steht. Diesmal stieg ich aber in Löhne wie geplant in den NWB-Lint um, wie übrigens eine ganze Reihe weiterer Fahrgäste. Die Weserbahn hat wie so viele schon bessere Zeiten (mit einem heute weitgehend stillgelegten zweiten Gleis) gesehen und heute trotz Hauptbahnstatus eher den Charme einer Nebenstrecke. Die Gegend drumherum ist allerdings unter anderem durch den namensgebenden Fluss sehr sehenswert. In Hameln, wo die Strecke die Linie Hannover–Paderborn kreuzt, ziert natürlich ein Rattenfänger das Stellwerksgebäude. Hier füllte sich der Zug auch wieder ordentlich, wie auch in Elze, wo wir mit der Strecke nach Göttingen eine weitere Hauptbahn kreuzten.

In Hildesheim angekommen, musste ich für die Weiterfahrt ins Lammetal nicht mal aussteigen. Bis Groß Düngen folgten wir der Strecke nach Goslar, die ich letztes Jahr auf dem Weg in meinen Harz-Urlaub gefahren bin. Der Bahnhof hat die Besonderheit, dass nur die auf die Lammetalbahn abbiegenden Züge hier halten. Wer von Groß Düngen in Richtung Goslar will, muss zurück nach Hildesheim Ost fahren und dort umsteigen. Im Gegensatz zur Weserbahn ist die Lammetalbahn eine klassische Nebenbahn, die aber immerhin bis Bad Salzdetfurth („Schmidteinander“-Fans vielleicht noch als Heimat der Zuschauerin Gabi ein Begriff) noch Güterverkehr aufweist. Der Endpunkt Bodenburg, ehemals ein Knotenbahnhof, ist dagegen nur noch ein reiner Stichstrecken-Haltepunkt. Da es hier keine nennenswerte Möglichkeit zur Weiterreise gab, fuhr ich nach wenigen Minuten mit demselben Zug wieder zurück, diesmal aber nur bis Hildesheim. Dort konnte ich mir zwar noch die Altstadt im letzten Abendlicht angucken, die Weiterreise verlief aber nicht ganz so wie geplant: Die S 4 nach Hannover fiel aus, so dass ich letztendlich erst eine gute halbe Stunde später mit dem RE aus Bad Harzburg in die Landeshauptstadt fuhr. Weil ich keine Lust mehr auf Regionalverkehr und Warten hatte, wollte ich mit dem IC zurück in die neue Heimat. Der Navigator meinte zwar, dass in diesem die 2. Klasse ausgebucht sei. Trotzdem setzte ich mich – Fritten von den „Pommes-Freunden“ essenderweise – ans Gleis und siehe da, es waren noch jede Menge Plätze frei. Leider erlaubt einem die DB in solchen Fällen nur, einen Flexpreis „für den nächsten Zug“ zu kaufen (finde den Fehler), aber das funktionierte anstandslos, so dass ich letztendlich sogar früher als ursprünglich geplant wieder in HO eintrudelte.

Jan kann Bahn plan‘

Wie schon angedeutet, habe ich einen neuen Arbeitgeber: Seit dem 1. Oktober bin ich Betriebsplaner bei der NordWestBahn, die im Jahr 1999 eine der ersten privaten Eisenbahngesellschaften im Personenverkehr war und noch heute diverse Strecken in Niedersachsen, Bremen und NRW befährt. Zu meiner neuen Arbeit gehören alle Planungen, die „hinter dem Fahrplan“ stecken, also die Umsetzung des Fahrplans in Umlauf- und Schichtpläne für Fahrzeuge und Personal. Ein mindestens ebenso wichtiger Punkt ist die Planung von Schienenersatzverkehren, da es (fast) ständig irgendwo Bauarbeiten gibt, die den Bahnverkehr behindern. Dazu kommen dann noch kurzfristige Ereignisse, wie just in meiner ersten Arbeitswoche die Sperrung der Bahnstrecke Rheinhausen–Trompet (zwischen Duisburg und Moers) wegen der einsturzgefährdeten Cölve-Brücke.

Um Schienenersatzverkehre ging es auch bei einem Workshop, zu dem meine erste Dienstreise führte. Gemeinsam mit meinem neuen Chef sollte es mit dem RE 2 nach Essen gehen, wo der Workshop in Bahnhofsnähe stattfand. Das scheiterte daran, dass der RE ersatzlos ausfiel. Also buchten wir unsere Fahrkarten auf den nachfolgenden IC um, mit dem wir es noch halbwegs pünktlich nach Essen schafften.

Auf dem Rückweg schauten wir noch in der Betriebszentrale in Dorsten vorbei, fast in Sichtweite meines alten Elternhauses, und fuhren von dort mit der RB 45 (die ab dem Fahrplanwechsel in der RE 14 aufgeht) nach Coesfeld. Ab dort vertraute ich mich wieder der „roten“ Bahn an, was nicht nur aufgrund des sonnigen Wetters und der idyllischen Baumbergebahn ebenfalls eine sehr nette Fahrt war: Star im Zug war eine Katze, die ein weiblicher Fahrgast dabei hatte. Das letzte Stück nach Osnabrück (Reim nicht beabsichtigt) legte ich, wie schon die Hinfahrt, in einer Schweizer EC-Garnitur zurück und erreichte meine neue Heimat pünktlich um 19.21 Uhr.

Somewhere inside the rainbow

Mitte September fuhr ich aus Anlass meines letzten Arbeitstages noch mal in meinen frischgebackenen ehemaligen Wohnort. Hin ging es am Donnerstagmittag mit dem RE 2, diesmal bis Essen, wo sich der Besuch in der Lounge nicht wirklich lohnte, ich aber immerhin auf die Toilette gehen konnte. Beim Einstieg in den ICE stellte ich erfreut fest, dass es der Regenbogen-ICE war, von dem Stefanies Sohn mir schon beim Besuch in Bielefeld erzählt hatte. Zum zehnjährigen Bestehen der LGBT-Gruppe bei der DB ist nämlich der rot-grüne Streifen bei einem ICE 3 durch einen in Regenbogenfarben ersetzt worden. In diesem Fahrzeug saß ich nun in der Lounge, wiederum der der 1. Klasse, weil meine Schnupper-BahnCard immer noch galt. Die anfängliche Verspätung gab sich bis zum Zielbahnhof wieder, und beim Richtungswechsel in FF gelang mir auch ein Bild des Zuges:

ICE-3-Triebzug 304 „München“ mit Regenbogenband in Frankfurt (Main) Hbf

Am Freitag besuchte ich meinen Cousin in Frankfurt, was auf der Rückfahrt durch eine etwa 10-minütige Verspätung der RB gekennzeichnet war, die dazu führte, dass ich doch zu meinen Gastgebern laufen musste, anstatt die RB bis zur Hochschule zu nehmen.

Auf der Rückfahrt am Samstag hatte ich noch einen kleinen Schl.n.er eingebaut, um zum einen mit einem der Integral-Triebwagen zu fahren, die jetzt auf der Regiobahn zwischen Kaarst und Wuppertal eingesetzt werden, zum anderen damit den neuen Streckenabschnitt ab Mettmann zu befahren. Das klappte auch hervorragend, und an der neuen Endstation gelang mir noch ein Bild des Triebwagens, der wie seine Brüder von der Bayerischen Oberlandbahn (wie die Regiobahn Teil des Transdev-Konzerns) übernommen worden war. Die früheren Talente wurden dagegen zu Transferoviar nach Rumänien abgegeben, wo schon andere Oldtimer wie die 624 oder die niederländischen Wadloper ihr Gnadenbrot verdienen.

Integral der Regiobahn (ex-BOB) in Wuppertal Hbf

Von Wuppertal aus ging es mit dem RE 7 nach EMST. Dort war mein Anschlusszug der EC 8 aus Zürich, der an diesem Tag wegen Bauarbeiten zwischen Koblenz und Mainz planmäßig 40 min später fuhr, allerdings auch diesem Plan etwa 10 min hinterherhinkte. Da das der letzte Umstieg war, störte es mich wenig, zumal ich die Fahrt im SBB-Panoramawagen genoss, aus dem selbst die norddeutsche Tiefebene gleich viel beeindruckender aussieht.