Trainspotter mit Genehmigung

Gestern war ich mal wieder auf Strecken- und Fototour, zuerst mit dem ICE nach Hagen. Die Besonderheit dabei war, dass der Zug nicht in HO hielt, weil dort mal wieder eine Bombenentschärfung angesagt war. Dabei fahren die Züge zunächst noch durch den Bahnhof ohne Halt durch, während sie später ganz umgeleitet werden. Aber nun war ich erst mal auf Gleis 9/10 in EHG, wo zufällig zwischen meinem ICE und dem RE 16 noch der aus n-Wagen gebildete RE 13-Ersatzzug durchkam. Dabei wurde er nicht nur von mir beäugt, sondern auch von einem Jungen mit Handy auf dem Stativ, der mich fragte, ob ich auch Trainspotter sei. Leider sind meine Fotos nicht vorzeigbar, ich hoffe, ihm erging es besser.

Der „Strecken“teil meiner Reise führte mich dann nach Iserlohn. Der „Bahnhof“ dort ist betrieblich nur noch ein Haltepunkt. Das ist nicht so ungewöhnlich, aber genau genommen handelt es sich um zwei Haltepunkte an zwei verschiedenen Strecken, die hier nebeneinander enden und keine Verbindung mehr untereinander haben, nämlich der von (Hagen–)Letmathe und der von (Dortmund–)Schwerte.

Der Stadtbahnhof in Iserlohn: Links der VIAS-RE 16 aus Essen, rechts die DB-RB 53 aus Dortmund

Da ich beide Strecken noch nicht kannte, war es klar, dass ich über die eine hin und über die andere zurück fahren würde. Dazwischen lag ein einstündiger Besuch in der nicht allzu interessanten Stadt, in der es aber immerhin direkt am Bahnhof einen guten Schnellimbiss gibt.

Die beiden Strecken waren schon etwas interessanter, die aus Letmathe vor allem um die Dechenhöhle herum und die nach Schwerte, weil sie auf einem teilweise recht hohen Damm verläuft und keinen einzigen hat, was auch in der → Wikipedia Erwähnung findet. Am Endbahnhof EDO angekommen, fuhr ich direkt weiter nach EBO. Hier war der Plan eigentlich, den 426 abzulichten, der zumindest manchmal auf der RB 46 fährt, aber die entsprechende Fahrt (womöglich der ganze Umlauf) fiel aus. Also zurück nach EDO, wo ich jetzt mehr Zeit hatte für das nächste Projekt: Ein Foto eines neuen Vamos-Stadtbahnwagens. Ende August hatte ich es schon einmal versucht, das war aber daran gescheitert, dass ich keine Fotogenehmigung hatte, die man bei den DSW aber benötigt. Mir widerstrebt das zwar, aber letztendlich ist mir das Hobby doch wichtiger und man bekommt sie auch unkompliziert jeweils für einen ganzen Tag. Diesmal wollte sie auch niemand sehen, und so ging mir nicht nur ein neuer, sondern auch ein alter Wagen ins Netz.

B80C-Wagen der DSW21
B80D-Wagen (Vamos) der DSW21

Da die neuen Wagen noch nicht sehr zahlreich eingesetzt werden, zahlte es sich aus, mehr Zeit zu haben als geplant. Dann konnte ich mich aber an die Rückfahrt machen, für die ich die direkte Strecke ja nicht (bzw. nur sehr umständlich mit zwei SEV) nehmen konnte. Zunächst peilte ich also den RE 6 an, der aber so viel Verspätung hatte, dass ich den Anschluss in Minden verpasst hätte. Also fuhr ich stattdessen mit dem Berlin-ICE dorthin, nutzte für die Weiterfahrt mal die S-Bahn Hannover und dann den RE gen Bremen, wo ich zur gleichen Zeit ankam wie sonst an meinen Bürotagen.

Karten und Statistiken von viaduct

Ein Freund hat mir die Seite →viaduct.world empfohlen, auf der man alle seine Bahnreisen loggen kann. Soweit ich das sehe, handelt es sich um ein Projekt aus Österreich, das sich durch Spenden und den Verkauf von Merchandising-Artikeln finanziert. Ich habe mich mal daran gemacht und meine wichtigsten Fahrten dort eingegeben. Das Resultat ist zuerst einmal eine → Karte mit allen von mir befahrenen Bahn- und Fährstrecken.

Außerdem kann man die Karten zu den einzelnen Reisen teilen, was ich unter den jeweiligen Blogbeiträgen und den Reiseberichten gemacht habe.

Nicht direkt teilen kann man den Anteil der Strecken, die man in den jeweiligen Ländern befahren hat. In Deutschland sind das immerhin 64 % (20937 km). Noch einen größeren Anteil erreiche ich in Luxemburg mit 80 % – nicht unbedingt überraschend, da das nur 176 Kilometern entspricht und ich das Land unter anderem im Rahmen meiner Diplomarbeit mehrmals besucht habe. Deutlich überraschender ist auf Platz 3 mit immerhin 56 % Norwegen. Aber dort ist das Netz relativ dünn, und bei meinen nur zwei Besuchen dort habe ich unter anderem mit der Bergen- und der Nordlandbahn schon zwei sehr lange Strecken befahren, insgesamt 2166 km. Weit abgeschlagen folgen dann mit 33 % – trotz meiner ausgiebigen Rundfahrt 2006 – die Schweiz (1670 km) und Dänemark mit 32 % (799 km).

Auch nicht direkt teilen kann man andere Statistiken, wie etwa die geografischen Extreme, die ich bisher selber in unregelmäßigen Abständen in den Rekorde-Beiträgen ermittelt habe. Seit dem letzten Beitrag unverändert sind das im Norden Narvik, im Süden und Westen Emeryville bei San Francisco und im Osten der Bahnhof am Moskauer Flughafen Domodedovo. Davon habe ich allerdings nur Narvik auf einer durchgehenden Bahnreise erreicht, in den anderen Himmelsrichtungen wären dann die Extreme im Westen und Süden Cascais bei Lissabon und im Osten Constanța am Schwarzen Meer.

Die längste ununterbrochene Fahrt war, anders als ich 2018 behauptet habe, mit (planmäßig) 17:40 Stunden und 1293 Kilometern die von Salt Lake City nach Emeryville im Jahr 2016. In der Realität waren wir sogar etwa eine Stunde früher da als geplant, was die Fahrt trotzdem zur längsten macht. Die schnellste Fahrt, zumindest soweit sie von mir erfasst wurde, ging am 19. September 2015 von Frankfurt Flughafen nach Siegburg/Bonn, also genau von Anfang bis Ende der KRM, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 226 km/h. Dicht dahinter, neben zwei Fahrten auf derselben Relation, die Fahrten von Barcelona nach Madrid mit 220 km/h und von Paris nach Karlsruhe mit 209 km/h.

Nicht in viaduct erfasst habe ich Verspätungen, weil ich darüber keine genauen Aufzeichnungen habe. Für die größte De-facto-Verspätung dürfte es aber einen neuen Rekord geben, wieder aus dem Ausland: Im Juli diesen Jahres fiel der erste von nur drei täglichen Zügen von Haparanda nach Boden aus, so dass ich mein Tagesziel Stockholm mit über zehn Stunden Verspätung erreichte. Über die „alltäglichen“ Verspätungen der deutschen Bahnen führe ich ja (zumindest soweit es sich um etwas größere Entfernungen handelt) weiterhin hier Buch und werde euch natürlich auf dem Laufenden halten.

Das letzte Kleinod

Am Abend, bevor ich mit Ole unterwegs war, ging ich einem Tipp von ihm nach und besuchte eine ganz besondere Theatervorstellung: Die Theatergruppe „Das letzte Kleinod“ besitzt nämlich einen eigenen Zug, mit dem sie von ihrem Heimatbahnhof Geestenseth (an der Strecke Bremerhaven–Buxtehude) aus durch Deutschland fährt. Passend zu meinem Bürotag war der Zug an diesem Mittwoch am Güterbahnhof Linden in Hannover zu Gast. Das Stück hatte auch mit Logistik zu tun, es wurden nämlich Erlebnisse von Binnenschiffern, die diese in Interviews erzählt hatten, szenisch dargestellt. Dazu wurde das Publikum in sechs Gruppen eingeteilt, die im Wechsel durch die Waggons geführt wurden, wo jeweils eine Person spielte. Auf diese Weise kam ich auch mal in den Genuss, in einem Schiebewandwagen zu sitzen. Dieser hier war mit Papier und Zellulose dekoriert:

„Bühnenbild“ aus Papierrolle und Zelluloseplatten in einem Schiebewandwagen

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich das Ganze auch einmal anzusehen: Auf der → Website des Theaters gibt es Infos zum aktuellen und weiteren Stücken.

Der Theaterzug im Bahnhof Hannover-Linden

Dampfzugfarn

Nein, das ist kein Tippfehler: Am Himmelfahrtstag war ich mit der kleinsten denkbaren Männergruppe, sprich meinem Freund Ole, schon wieder mit einem Dampfzug unterwegs. Diesmal ging es von Delmenhorst nach Harpstedt, ein Museumsbetrieb, der schon in meinem ersten Kursbuch von 1991 zu finden ist. Da mit der Einstellung des regulären Personenverkehrs auf der Harpstedter Strecke auch die Verbindungskurve in den Delmenhorster Personenbahnhof stillgelegt wurde, fahren die Museumszüge etwa 15 Gehminuten entfernt am Südbahnhof ab. Dort waren wir rechtzeitig da, um die Ankunft des Zuges aus Harpstedt zu erleben. Dieser fährt erst einmal am Bahnsteig vorbei, weil sich dahinter das Umsetzgleis befindet. Beim Umsetzen gelang Ole ein schönes Bild von der Lok:

Lok 2 der Museumsbahn „Jan Harpstedt“, Foto: Ole Schwen

Die Fahrt ging dann durch relativ abwechslungsreiche Landschaft, unter anderem durch Waldstücke, in denen eben auch Farn wuchs.

„Dampfzugfarn“ zwischen Delmenhorst und Harpstedt, Foto: Ole Schwen

An der Endstation angekommen, hatten wir zwei Stunden Zeit, Harpstedt zu erkunden. Obwohl der Ort durchaus ein paar sehenswerte Ecken hat, reichte das dicke. Zum Glück gab es auch ein Lokal, das am Feiertagmittag offen hatte, so dass wir dort ein Mittagessen genießen konnten. Für die Rückfahrt wurden wir stilecht von einem Schaffner am Bahnsteig begrüßt:

Bahnhof Harpstedt mit Schaffner in historischer Uniform, Foto diesmal von mir

Den Kaffee aus dem Buffetwagen hatte ich schon auf der Hinfahrt genossen. Die Postkarte, die wir dort ebenfalls erstanden hatten, hatten wir beim Essen geschrieben und warfen sie nun in den Briefkasten im Packwagen, damit sie den Sonderstempel bekam. In Delmenhorst angekommen, erwischten wir gerade noch die RB 58 nach Bremen, wo die gelungene Tour dann zu Ende ging.

Ordentlich Dampf gemacht

Eine Woche nach dem Urlaub machten wir uns wieder gemeinsam mit dem Zug auf den Weg: Die Firma WFL, die Ersatzzüge für meinen Arbeitgeber fährt, hatte zu einer Sonderfahrt geladen. Für solche Zwecke besitzt WFL unter anderem die 03 2155 und einige alte Reichsbahnwagen, die an diesem Tag von Celle über Hannover (wo wir zustiegen) nach Altenbeken unterwegs waren. Die 20 Minuten, die wir zum Umsteigen hatten, reichten zum Glück dicke aus. Weniger Glück hatte ein Kollege, der mit dem verspäteten RE 2 aus Richtung HG kam, der es aber – ganz im Sinne des Titels – dann doch noch schaffte. So dampften wir dann gemächlich über Elze und Hameln zum Ort in Ostwestfalen, der zwar einige Anlagen zur Behandlung von Dampfloks zu bieten hat, aber nicht viel Beschäftigung an einem Samstagnachmittag. Daher fuhren wir beiden gleich weiter nach Paderborn und erkundeten dort ein wenig die Altstadt. Lustigerweise war an diesem Tag Pader Pride, was einen netten Kontrast zu dem doch sehr katholischen Umfeld bot. Zurück nach HA ging es natürlich stilecht mit der S 5, bevor wir dann noch dem Dampfzug beim Rangieren zugucken konnten. Auf dem Rückweg fuhren wir den direkten Weg bis Empelde, von wo wir aber die Ahlemer Kurve nahmen, um HH in derselben Richtung zu durchfahren wie auf der Hinfahrt – Celle ist ja auch auf zwei Wegen zu erreichen. Weiter nach HB ging es dann wieder mit dem unspektakulären RE, der aber auch nur Platzhalter für die verzögert fertiggestellten neuen Fahrzeuge und somit auch schon fast historisch ist.

03 2155 vor der Rückfahrt in Altenbeken
Der Buffetwagen
Der Reisezugwagen von außen …
… und von innen

Nicht mal Bonuspunkte in Flensburg

Unseren Urlaub Anfang Mai konnten wir mit einer reinen Nahverkehrsfahrt antreten: mit dem RE 4 nach AH, wo wir eine Stunde Aufenthalt hatten und dabei praktischerweise am selben, breiten und nicht stark frequentierten Bahnsteig bleiben konnten. Dann ging es weiter mit dem drei Nummern höheren RE, der in Neumünster geteilt wird: der hintere Teil nach Kiel, der vordere an unseren Zielbahnhof Flensburg. Von dort empfiehlt sich zumindest mit eingeschränkter Mobilität der Bus in die Innenstadt, wo sich nicht allzu weit von ZOB und Förde unsere Ferienwohnung befand.

Wie es sich gehört, machten wir die meisten Ausflüge während des Urlaubs auch mit dem ÖPNV, unter anderem in den Nachbarort Harrislee, wo sich nicht nur dänische Supermärkte befinden, sondern auch der vorletzte Bahnübergang vor dem Nachbarland:

Bahnübergang Industriestraße in Harrislee

Einen Ausflug über die Grenze machten wir selbstverständlich auch: Mit dem dänischen IC ging es nach Kolding, das ich bisher nur als HUB-Standort meines früheren Arbeitgebers kannte. Die Stadt selber ist aber auch sehenswert, zumindest für einen Tagesausflug. Interessant ist, dass die dänischen IC (bis auf einen EC von/nach Prag) die einzigen „Fern“züge sind, die Flensburg anfahren. Die EC Hamburg–Kopenhagen, die seit dem Umbau der Vogelfluglinie über Jütland fahren, biegen ohne Halt in Flensburg-Weiche ab und fahren so knapp am Bahnhof vorbei. Um die sehenswerte Eingangshalle des 1927 eröffneten Gebäudes zu betrachten, muss man also umsteigen:

Eingangshalle des Bahnhofs Flensburg

Am letzten Tag war ich alleine in die andere Richtung unterwegs, um ein paar Bilder von einem der imposantesten Bauwerke Norddeutschlands zu schießen: der Rendsburger Hochbrücke. Aufgrund der Tageszeit ergaben sich gute Bilder nur mit Baustofflager im Vordergrund, aber das hat ja auch seinen Reiz:

Rendsburger Hochbrücke vom Kanalufer aus
Rendsburger Hochbrücke mit Kopenhagen-EC
Rendsburger Hochbrücke über Wohnbebauung

Auch dieser Urlaub ging einmal zu Ende, und dafür hatten wir einen Weg gefunden, den meist recht vollen Hamburger Hauptbahnhof zu umgehen, der mir dann doch noch Bonuspunkte brachte: Wir fuhren mit dem RE 7 nur bis Neumünster und stiegen dort in den aus Kiel kommenden ICE um, wie üblich in einen der letzten Wagen. Was wir nicht bedacht hatten: AK ist Kopfbahnhof, und so war es dort natürlich deutlich voller als weiter vorne. Mit einem Wagenwechsel wurde es dann etwas entspannter, und Verspätung zogen wir uns bis zu unserem Heimatbahnhof auch keine mehr zu, so dass der Urlaub genauso angenehm zu Ende ging, wie er gewesen war.

Frohe Weihnachten!

Dieses Jahr kann ich euch sogar mit einem bahnbezogenen Bild frohe Feiertage wünschen: Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) hat einen Wagen der ältesten noch gelegentlich im Einsatz befindlichen Baureihe GT8N als Weihnachtsbahn eingerichtet und setzt ihn auf der Linie 8 ein, die derzeit wegen der Sperrung der Bürgermeister-Smidt-Brücke nur zwischen Kulenkampffallee und Domsheide pendelt. Kurz davor lichtete ich den Wagen gestern am Brill ab:

BSAG-Weihnachtsbahn am Brill

Mitgefahren bin ich auch schon, wenn auch rein zufällig auf dem Weg zum Bahnhof:

Innenansicht der BSAG-Weihnachtsbahn

In diesem Sinne: Kommt gut über die Feiertage und ins neue Jahr! Bei mir stehen auch wieder einige Zugfahrten an, über die ich dann natürlich berichten werde.

Phantom-Haltausfall

Heute wollte ich endlich mal den RE 41 „Vest-Ruhr-Express“ Haltern – Bochum testen, der nach längerer Planung seit diesem Jahr endlich fährt (wenn auch immer wieder durch Bauarbeiten unterbrochen). Dazu wollte ich den RE Richtung Osnabrück nehmen. Da ich etwas spät dran war, stieg ich für die eine Haltestelle nach HB in die Straßenbahn, die prompt ein paar Meter weiter durch ein parkendes Auto behindert wurde und erst ankam, als der Zug vermutlich gerade abfuhr. Wenigstens hatte ich jetzt Zeit, um mir in Ruhe Proviant und Kaffee beim Bäcker zu holen und mit dem mitgeführten Trinkwasser einen kleinen Brand im Altpapiermülleimer zu löschen. Dafür musste ich etwas Geld in eine Fahrkarte für den ICE nach HO investieren, der wenigstens fast pünktlich war und noch ausreichend Sitzplätze bot. An meinem Ex-Wohnort angekommen, war der Anschluss-RE 2 noch nicht da, weil er durch Personen im Gleis aufgehalten worden war. Letztendlich ging es mit ca. +15 wieder gen Süden, was auch durch eine Überholung in Lengerich nicht deutlich mehr wurde. Den RE 41 konnte ich damit in EHLT noch locker erwischen, sowohl als Fahrgast als auch als Fotograf:

DB-Flirt 3 als RE 41 in Haltern am See

Bis ERE war der Zug mäßig besetzt, füllte sich dort aber ordentlich, zumal der VfL Heimspiel hatte. Trotz verspätetem Gegenzug, den wir vor ERES abwarten mussten, waren wir einigermaßen pünktlich unterwegs. In 20 Minuten von Recklinghausen Innenstadt nach Bochum Innenstadt – das ist schon ziemlich konkurrenzlos! An der Endstation angekommen, fuhr ich gleich weiter mit dem SB 37 Richtung Ennepetal. Auch der war recht gut gefüllt, wobei ich in Hattingen zumindest von einem Notsitz auf einen normalen wechseln konnte. Von hier an fuhr der Bus teilweise parallel zur ehemaligen Bahnstrecke Hattingen – Wuppertal, die heute leider nur noch ein Radweg ist. Heute wird das Gebiet aber immerhin von drei Schnell- und noch mehr normalen Buslinien durchzogen. Am Bahnhof in Schwelm stieg ich aus und fuhr mit der S 8 nach Hagen weiter, deren Strecke ich bisher noch nie befahren hatte. Als Besonderheit hält sie in Gevelsberg Hbf, neben Mülheim (Ruhr) einem von zwei Hauptbahnhöfen, die betrieblich nur noch Haltepunkte sind. In Hagen stieg ich direkt in die RB 52 nach Dortmund um, die ich seit meinem Studium nicht mehr gefahren war.

Jetzt hatte ich genug von Regionalverkehr und wollte auf dem schnellsten Weg nach Hause. Ein Blick in den Navigator für den nächsten ICE verhieß allerdings nichts Gutes:

Screenshot aus dem DB-Navigator mit Meldung von Haltausfällen ab Bremen

Dem Fahrtverlauf waren Haltausfälle ab Bremen angehängt, mit dem Hinweis, man solle seine Reiseverbindung kurz vor der Reise überprüfen. Der Fahrtverlauf selber ging aber wie üblich bis Hamburg-Altona. Das war auch das Ziel, das ohne weiteren Kommentar auf der Anzeige am Bahnsteig stand. Also stieg ich einfach in den Zug ein und harrte der Dinge, die da kommen, und siehe da: Ebenfalls ohne weiteren Kommentar fuhr der Zug mit „nur“ +10 nach HB, von wo ich sicherheitshalber zu Fuß nach Hause ging. Fazit: Eine schöne Tour, bei der die einzige nennenswerte Komplikation vor allem einem Autofahrer (und einer gewissen Risikobereitschaft meinerseits) zu verdanken war.

Een Dag in Dagebüll

Gestern war mal wieder ein Bahnausflug angesagt: Es sollte nach Dagebüll gehen, wo ich vor allem die Triebwagen der neg auf den Chip bannen wollte – bei meiner Amrum-Fahrt 2011 hatte ich dummerweise keine Kamera mit. Also setzte ich mich in den ICE Richtung Kiel. Der benutzte zwar von kurz hinter Altona bis Elmshorn dieselbe Strecke wie der RE 6, in den ich wollte, hat aber keinen gemeinsamen Halt mit ihm. Also musste ich zwischendurch noch in den RE 70 umsteigen – die Auskunft meinte, in AH, während ich Dammtor bevorzugte, wo es bahnsteiggleich und mit deutlich weniger Menschen und damit viel bequemer geht. Da alle Züge pünktlich waren, klappten die Umstiege trotz der kurzen Übergangszeiten, und auch im eher gut gefüllten RE 70 fand sich noch ein Sitzplatz. Den hatte wohl niemand gewollt, weil die Fußballfans, die vorher im Wagen gewesen waren, den Boden etwas klebrig hinterlassen hatten, aber da gibt es Schlimmeres.

In Niebüll angekommen, beschloss ich, auf den nächsten neg-Zug zu warten, der Kurswagen für den IC brachte und wurde nicht enttäuscht:

neg-Triebwagen mit IC-Kurswagen, dazwischen ein Heizwagen

Dann ging es – eine Stunde später als ursprünglich geplant – nach Dagebüll. Der Triebwagen war der auf dem Foto abgebildete 628, bzw. genauer 629, da beide Hälften motorisiert sind. Die Zwischenhalte werden nur bei Bedarf bedient, der wie so oft auch auf dieser Fahrt nicht bestand. Allerdings mussten wir am Kreuzungsbahnhof mit dem schönen Namen Blocksberg den Gegenzug abwarten.

neg-Triebwagen in Dagebüll Mole

In Dagebüll ist alles auf den Umstieg aufs Schiff ausgerichtet: Der Zug hält nur wenige Meter vom Anleger entfernt, in den Ort muss man dagegen zurück laufen. Das tat ich auch, unter anderem um Halligsalami für die Freundin mitzubringen. Zurück an der Mole aß ich im Bistro über den Anlegern, wobei ich feststellte, dass ich nicht nur eine halbe Stunde länger als gedacht bis zur Rückfahrt hatte, sondern sich in Dagebüll ja auch der Anfang der Lorenbahn zu den Halligen Oland und Langeneß befindet. Das ließ sich prima mit einem Spaziergang am doch recht windigen Meeresufer verbinden.

Strecke der Lorenbahn zu den Halligen Oland und Langeneß
Geparkte Loren am Bauhof in Dagebüll

So konnte ich mich beruhigt auf den Heimweg machen, nicht ohne vorher noch dem Rangieren des Triebwagens beizuwohnen, der wiederum Kurswagen mitgebracht hatte. Da an diesem Tag kein IC mehr zurück fuhr, wurden sie anscheinend leer wieder mit nach Niebüll genommen und vermutlich dort über Nacht abgestellt. In der kurzen Übergangszeit dort gelang mir noch ein Bild eines ganz anderen 628ers, nämlich einem SyltShuttlePlus:

DB-SyltShuttlePlus in Niebüll

Diesen Zugtyp gibt es wohl nur, um sich den Vorrang von DB Fernverkehr für den SyltShuttle gegenüber dem Konkurrenten RDC (der Muttergesellschaft der neg) zu sichern, die (nach einigem rechtlichem Hickhack) allerdings auch recht erfolgreich mit ihren Autozügen unterwegs zu sein scheint.

Meine Rückfahrt verlief genau wie die Hinfahrt: RE 6 bis Elmshorn, RE 70 bis Dammtor, dort in einen ICE aus Kiel, von wo auch diverse Fans von Union Berlin gekommen waren, die den Zug zum Glück in AH verließen. Recht voll und laut war es auch weiter nach HB noch, aber aushaltbar und mit Sitzplatz, so dass ich auf eine rundum gelungene Tour zurückblicken konnte.

Mit dem Flixtrain zum Ferkeltaxi

Und schon wieder ist dieses Wochenende Tag der Schiene angesagt. Diesmal nutzte ich ihn heute für eine Schienenbusfahrt durch den Hamburger Hafen. Um in die benachbarte Hansestadt zu kommen, probierte ich mal was Neues aus und nahm den Flixtrain, der den Vorteil hatte, günstiger als der ICE, aber schneller als die RB zu sein. Bei der Abfahrt stellte sich auch noch heraus, dass er im Gegensatz zum ICE, der eigentlich direkt dahinter fahren sollte, auch noch pünktlich war, dafür aber nicht klimatisiert. Pünktlich erreichten wir dann auch AH, wo ich erst mal beim Bahnhofsinder zu Mittag aß und mich dann auf den Weg zu den Landungsbrücken machte, wo ich noch Zeit für ein Foto von einem DT5 auf dem Viadukt hatte:

DT5 unterwegs auf der U3 an den Landungsbrücken

Zum Abfahrtsort der Rundfahrt ging es dann mit der Hafenfähre zum Bubendey-Ufer und weiter zu Fuß, begleitet von einer befreundeten Familie. Die Fahrt fand mit einem „Ferkeltaxi“, also einem alten Schienenbus aus DDR-Produktion, statt. Eines der Highlights war der Blick auf das vollautomatisierte Container-Terminal Altenwerder:

Blick auf das Container-Terminal Altenwerder

Aber auch an anderer Stelle ergaben sich interessante (Foto-)Motive:

Zwei große Containerschiffe liegen am Kai

Nicht nur Schiffe, auch Loks gab es natürlich zu sehen:

Verschiedene Loks auf der Schiebebühne

Zum Abschluss gab es natürlich noch ein Bild vom Schienenbus:

Museums-Schienenbus der Preßnitztalbahn

Zurück an den Landungsbrücken gelang mir dann noch ein Schnappschuss von der Elbphilharmonie mit der Cap San Diego:

Zurück ging es dann ganz unspektakulär mit dem pünktlichen und nicht allzu vollen RE4.