Harz II: Kurz in Sorge

Wir kommen von hier

Am Dienstagmorgen wollte ich dann endlich auf schmaler Spur unterwegs sein. Ich hatte mir den Zug um 11.55 nach Nordhausen ausgeguckt und marschierte gegen elf Uhr zur HSB-Verkaufsstelle. Online hatte ich schon herausgefunden, dass pandemiebedingt Fahrkarten nur vor Ort und für den nächsten Zug verkauft werden. Leider hieß es bei meiner Ankunft, dass der Zug schon ausgebucht sei – im Moment ist die Kapazität natürlich eingeschränkt.

Also disponierte ich um und setzte mich in den nächsten Zug nach Goslar. Obwohl das nicht in Sachsen-Anhalt liegt, gilt dorthin auch das Hopper-Ticket. Die Strecke kannte ich ja schon, aber es gab natürlich trotzdem noch einiges draußen zu entdecken, zumal ich diesmal auf der anderen Seite saß (ich setze mich übrigens gewohnheitsmäßig meist nach links). An der Endstation angekommen, holte ich erst mal beim Bäcker gegenüber das Frühstück nach und begann dann die Stadt zu erkunden. Auch hier gibt es natürlich jede Menge Fachwerk zu bewundern, wenn auch in einem durchaus anderen Stil als in Wernigerode.

Nachdem ich mehr oder weniger alles gesehen hatte, beschloss ich mich noch auf den Weg ins Bergbaumuseum am Rammelsberg zu machen. Zufällig fuhr der Bus, der meist nur im Stundentakt verkehrt, gerade. Der Busfahrer verwickelte mich in ein Gespräch über Fahrgäste, die vor dem Aussteigen nicht die Haltewunschtaste drücken, am Bergbaumuseum ist aber sowieso Endstation.

Nach zwei Stunden machte ich mich auf den Rückweg und erwischte wieder denselben Fahrer, mit dem ich das Thema von der Hinfahrt wieder aufgriff. Sinnigerweise drückte ich vor der Haltestelle am Bahnhof auch nicht die Haltewunschtaste, er ahnte das aber und hielt trotzdem. In der Aufregung traute ich mich nicht zu fragen, ob ich noch ein Foto des Busses machen könnte. Also lichtete ich stattdessen den baugleichen Urbino seines Kollegen ab:

Solaris Urbino der neuesten Generation des Stadtbus Goslar

Am Mittwoch stellte ich mir den Wecker auf acht Uhr, um auf jeden Fall eine Fahrkarte für die Harzquerbahn zu bekommen. Auf dem Weg zum Bahnhof sprach mich ein alter Mann an, wo denn das „Ziegle“ sei, wo es zum Brocken ginge. Ich verstand erst nicht und schickte ihn schon weg, da ging mir ein Licht auf und ich nahm ihm mit zum Bahnhof. Dort hatte sich vor der HSB-Verkaufsstelle schon eine ansehnliche Schlange gebildet. Mein Begleiter meinte, er habe schon eine Fahrkarte, ich stellte mich an und bekam, als ich dran war, auch noch eine. Übrigens gilt die Zugbindung wohl nur für die Züge zum Brocken, nach Nordhausen wäre ich vermutlich am Vortag auch noch mitgekommen. Die verbleibende Zeit nutzte ich zum Frühstücken, E-Mails erledigen in der Wohnung und für Fotos am Schmalspurbahnhof. Die HSB haben extra eine Aussichtsplattform gebaut, von der man den Rangierbetrieb super beobachten kann, zum Beispiel das Drehen von 99 7239:

Mein Zug kam dagegen mit einer Diesellok an, wurde dann aber auf Dampf umgespannt.

199 861 kommt mit einem Zug aus Benneckenstein in Wernigerode an

Er war tatsächlich gut gefüllt, allerdings fand sich noch ein komplett freier Vierersitz. So konnte ich mit ausreichend Abstand verfolgen, wie der Zug langsam aus dem Tal hoch in den Harz schnaufte, begleitet von Ansagen an wichtigen Sehenswürdigkeiten („Hochschule Harz – die einzige deutsche Hochschule mit regelmäßigem Dampfzuganschluss“). In Drei Annen Hohne bestand Anschluss zum Brocken. Dass hier die meisten Fahrgäste umsteigen würden, war mir klar; dass es aber fast alle sein würden, überraschte mich dann doch. Nur mit einer Familie und einer Gruppe (natürlich ausschließlich männlicher) älterer Eisenbahnfreunde teilte ich den Wagen. So ging es über die Höhen des Harzes und durch den leider ziemlich in Mitleidenschaft gezogenen Wald weiter. Die berühmten Orte Sorge und Elend, die wir dabei durchquerten, heißen allerdings schon viel länger so. Dank des niedrigen Tempos zog sich die Fahrt doch etwas, und so war ich froh, als der Umsteigebahnhof Eisfelder Talmühle erreicht war, wo die Harzquer- mit der Selketalbahn zusammentrifft (die Anfangsbuchstaben der beiden Strecken zusammen mit der Brockenbahn ergeben übrigens wieder die Buchstaben HSB).

Dampfzug und Triebwagen an der Eisfelder Talmühle

Hier ging es vom langen Dampfzug in einen kleinen Triebwagen, der aber für die vorhandenen Fahrgäste völlig ausreichte. Im folgenden Abschnitt ab Ilfeld dienen die HSB gemeinsam mit der Nordhäuser Straßenbahn auch dem alltäglichen Nahverkehr. Letztere setzt dort Zweikrafttriebwagen (Combino Duo) ein, die auf diesem Abschnitt mit Diesel fahren („Nordhäuser Modell“). So füllte sich der Triebwagen noch etwas, bis wir dann die Endstation Nordhausen Bahnhofsplatz erreichten, die sich die Triebwagen ebenfalls mit der Straßenbahn teilen (und dafür auch nach der entsprechenden Betriebsordnung zugelassen sind). Der Schmalspur-Endbahnhof Nordhausen Nord daneben wird nur von Wagenzügen benutzt, einen Normalspurbahnhof gibt es auch noch.

Anschließend erkundete ich Nordhausen zu Fuß, wobei die Innenstadt etwa anderthalb Kilometer bergauf vom Bahnhof liegt. Die Durchbindung von der Harzquer- zur Straßenbahn hat also durchaus ihren Sinn.

Für die Rückfahrt wollte ich bereits in der Innenstadt in diese durchgebundene Bahn (Linie 10) einsteigen, verpasste sie aber knapp. Zum Glück hat sie zum Wechsel des Antriebs ein paar Minuten Aufenthalt am Bahnhofsplatz, so dass ich sie mit einer normalen Straßenbahn einholen konnte. So ging es nun also mit einer Straßenbahn, aber mit Dieselantrieb bis Ilfeld, wo ich in den bereits wohlbekannten Triebwagen umstieg.

Combino Duo der Nordhäuser Verkehrsbetriebe (rechts) und HSB-Dieseltriebwagen

Auf der Hinfahrt war ich auf die Idee gekommen, zurück über die Selketalbahn zu fahren. So hätte ich nicht nur ein wenig Abwechslung gehabt, sondern hätte auch alle HSB-Strecken befahren. Leider hatte ich da aber schon die Fahrkarte für Hin- und Rückfahrt gekauft und wusste nicht, ob ich statt nach Wernigerode einfach so nach Quedlinburg fahren konnte. Also stieg ich an der Eisfelder Talmühle (die übrigens nach ihrem Erbauer Herrn Eißfeldt benannt ist) um. Laut Fahrplan in einen Triebwagen, in Wirklichkeit aber in einen laut Zub „Triebwagenersatzverkehr“ aus einem Wagenzug mit Diesellok. Bis auf ein Paar war ich der einzige Fahrgast im Wagen hinter der Lok, so dass ich prima verfolgen konnte, wie diese sich die Steigungen hochkämpfte und im Gefälle dann einfach rollen konnte. In Drei Annen Hohne hatten wir acht Minuten Aufenthalt, obwohl es keinen Anschluss und keine Kreuzung mehr gab. Währenddessen schaltete aber der Zub das Licht im Wagen ein, denn langsam wurde es draußen dunkel und kalt. Letzteres auch ein wenig im Wagen, da der nicht gerade super isoliert ist. So war ich froh, als wir um 20.30 Uhr wieder Wernigerode erreichten, wo ich schnurstracks mein Domizil ansteuerte, von wo ich noch an einer Videokonferenz mit Freunden teilnehmen wollte.

Und hier geht’s weiter

Alles auf eine Karte

Wer es noch nicht gesehen hat: Hier im Blog gibt es ein neues „Spielzeug“, nämlich eine Karte, auf der alle (ungefähren) Orte zu sehen sind, an denen ich Fotos von Bussen und Bahnen gemacht habe. Viel Spaß damit!

Zu Rüben und Reben

Da am Samstag Mensa-Stammtisch in Würzburg war, suchte ich mal wieder nach einer Bahntour, die mich dort vorbei führen würde. Fündig wurde ich bei der Mainschleifenbahn, einer Museumsbahnstrecke von Seligenstadt nach Volkach. Die fährt in der Sommersaison jeden Sonntag und im September und Oktober praktischerweise auch noch samstags. Also machte ich mich mit einem Main-Spessart-Ticket auf den Weg, das den ganzen Tag in allen Zügen von DB Regio zwischen Kahl und Bamberg gilt.

In NWH wollte ich eigentlich in die RB nach Seligenstadt umsteigen, stellte aber gerade noch rechtzeitig fest, dass die ausfiel. Ob das mit der Streckensperrung zwischen Forchheim und Bamberg wegen eines Kabelbrandes zu tun hatte oder mit Personalmangel, war unklar. Ich konnte jedenfalls zum Glück umdisponieren und fuhr mit dem Zug, mit dem ich gekommen war, weiter nach NS. Von dort fuhr die RB zurück Richtung NWH ganz normal, wenn auch mit +5, weil sie einen umgeleiteten ICE vorlassen musste. Das reichte in NSLI gerade noch für den Umstieg zur Mainschleifenbahn, die derzeit keine Verbindung zum restlichen Netz hat und an einem improvisierten Bahnsteig zwischen der Hauptstrecke und einem Kohlfeld abfährt:

Schienenbusgarnitur am Bahnsteig der Mainschleifenbahn in Seligenstadt bei Würzburg

Kurz darauf setzte sich die Triebwagengarnitur in Bewegung. Während der Fahrt gab es Erläuterungen vom Zugbegleiter durchs Mikro, unter anderem wusste er zu berichten, dass die Kurve um Prosselsheim, wo sich heute der Abstellschuppen befindet, von Eisenbahnern auch das „Prosselsheimer Karussell“ genannt wurde. Während das flache Land dort eher vom Rübenanbau dominiert wird, wurde es zum Main hin bergiger, so dass hier ideale Bedingungen für den Frankenwein herrschen. In Volkach endet die Bahn vor der Mainbrücke in Astheim. Deren Vorgängerin war noch eine kombinierte Straßen-Schienen-Brücke, die (angeblich) wegen fehlender Tragfähigkeit nicht mehr von Zügen befahren werden durfte und mittlerweile durch einen reinen Straßenneubau ersetzt wurde. Erkennbar ist aber am Haltepunkt Astheim noch das alte Brückenhaus

Schienenbusgarnitur der Mainschleifenbahn am Hp Volkach-Astheim

Von dort ist der Weg zur sehr sehenswerten Volkacher Altstadt zum Glück nicht weit.

Altstadt von Volkach: Oberes Tor mit dem Kirchturm im Hintergrund

Vor der Rückfahrt deckte ich mich noch am Kiosk der Mainschleifenbahn mit Apfelschorle ein. Während der Fahrt eröffnete sich ein schöner Blick hinab ins Maintal mit dem Ort Fahr:

Blick auf Fahr an der Mainschleife

Zurück in Seligenstadt hatte ich nun eine halbe Stunde plamnäßigen Aufenthalt. Da der Ort aus nicht viel mehr besteht als dem Bahnhof, verbrachte ich die Zeit dort, wobei noch einige umgeleitete ICE (Kopf gemacht wurde an diesem Tag in Rottendorf) durchfuhren. Meine RB war pünktlich und der Weg von NWH zum Stammtisch nicht weit.

Zurück machte ich mich um 22.36 Uhr auf den Weg. Wegen Wartens auf Anschlussreisende in NWH und Überholung durch einen verspäteten ICE in Lohr erreichten wir NAH mit +15, aber wie meistens war ja der einzige Anschluss, den ich zu erreichen hatte, der an mein Fahrrad.

Ski? Geilo!

Nein, ich bin nicht mitten im Hochsommer unter die Wintersportler gegangen. Vielmehr habe ich mal wieder einen Weg gefunden, meine beiden Hobbys Sprachen und Bahn zu kombinieren: Auf der diesjährigen Sommerakademie habe ich eine Woche lang Norwegisch gelernt und nahm das zum Anlass, Ende August eine Woche durch das Land zu touren. Höhepunkt sollte die Bergenbahn mit Abstecher zur Flåmbahn sein, aber auch der Rest der Reise sollte (soweit möglich) mit dem Zug stattfinden. Für die Rückfahrt aus Bergen hatte ich mit dem Schiff direkt nach Hirtshals geliebäugelt, aus verschiedenen Gründen entschied ich mich aber für den Nachtzug zurück nach Oslo und das Schiff ab Kristiansand.

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Fünf Länder in fünf Tagen

Ein Geschäftstermin unmittelbar nach Pfingsten sorgte für eine ungewöhnliche Dreiecksfahrt, bei der ich durch fünf Länder kommen sollte, wenn auch eins davon nur auf der Durchfahrt. Die erste Etappe begann am Freitag direkt nach der Arbeit: Mit dem ICE machte ich mich auf den Weg nach FF. Dort war gerade eben Zeit für einen Cappuccino in der Lounge, bevor ich mich dann auf den Weg nach Gleis 19 machte. Aufgrund des bevorstehenden langen Wochenendes hatte ich kurz vor der Fahrt noch reserviert, die Fahrkarte selbst hatte ich schon Anfang des Jahres gekauft. Da mein Platz ganz vorne in der Lounge (diesmal der des ICE 3) war, war erstmal Lauferei angesagt. Ebenfalls angesagt waren für den Nachmittag Unwetter, die aber meine Fahrt zum Glück nicht beeinträchtigten. Nur beim Halt in KK ging gerade ein Wolkenbruch herunter. Also konnte ich die Fahrt genießen, bis wir pünktlich Brüssel Süd erreichten (ja, der heißt auf Französisch Midi=Mittag=Süden).

Nun hielt ich es für eine gute Idee, erst mal belgische Pommes zu genießen. Die erstand ich auch, nur fiel mir dann auf, dass es so langsam Zeit für den Checkin beim Eurostar war. Die Angestellten an der Sicherheitskontrolle guckten etwas komisch, als ich dort mit meiner Pommestüte aufkreuzte, meinten aber nur, dass ich bis zur Passkontrolle aufgegessen haben sollte, was mir auch gelang. Nur Minuten nach meinem Checkin wurde selbiger übrigens geschlossen, Pommes während der Brutto-Umsteigezeit von 45 Minuten sind also nicht unbedingt eine gute Idee.

Nun konnte ich aber gestärkt den Eurostar entern, ein e320, über den ich ja schon letztes Jahr berichtet hatte. Im Gegensatz zu damals war der Zug diesmal voll besetzt, Pfingsten ist halt überall eine gute Gelegenheit zum Reisen. Vor mir freundete sich über den Gang ein britisches Paar mit einer belgischen Familie an, die ein Harry-Potter-Wochenende in London machen wollte. Den dortigen Endbahnhof St. Pancras erreichten wir ebenfalls pünktlich, so dass ich genug Zeit zum Anschlusszug nach Loughborough hatte. Die Fahrt unternahm ich gemeinsam mit einem in London lebenden Freund, denn der Anlass für die Reise war die Einladung von gemeinsamen Freunden nach Leicestershire. Auch dieser Abschnitt verlief ohne Zwischenfälle, sieht man mal von den auf der Insel noch penetranteren Ansagen an jeder Station ab (sämtliche folgenden Haltebahnhöfe inkl. Uhrzeiten, Hinweis auf zu kurze Bahnsteige an bestimmten Stationen, die auch noch nass vom Regen sein können – willkommen im Land von Health & Safety).

In Leicestershire gab es dann am Sonntag noch mehr Bahn: Mit unserer neunköpfigen Gruppe besuchten wir die Great Central Railway, laut Wikipedia die einzige zweigleisige Museumsbahn der Welt und Relikt der Zeit, als sich Bahngesellschaften beim Streckenbau Konkurrenz machten: Die erhaltene Strecke führt von Leicester nach Loughborough nur wenige Kilometer entfernt von der regulär betriebenen mit jeweils eigenen Bahnhöfen, die natürlich ebenfalls museal sind. Hier der in Loughborough:

Auf dem letzten Bild zu sehen ist der Zug, der direkt bei unserer Ankunft mit einer Diesellok ankam und der danach auf Dampf umgespannt wurde:

Beim Anblick dieser Zuggarnitur meinte einer meiner Freunde ketzerisch, dass man bei einigen Zügen nicht so genau wisse, ob sie schon im Museum oder noch regulär im Einsatz seien:

Im nunmehrigen Dampfzug enterten wir ein 1.-Klasse-Abteil (zum Glück gab es bei den Fahrkarten keine Klassenunterscheidung) und fuhren mit bis zur anderen Endstation Leicester North, die sich so nennen darf, weil sie gerade so innerhalb der Stadtgrenzen liegt. Dort wurde die Lok umgesetzt, und das Personal ließ uns sogar einen Blick in den Führerstand werfen:

Jetzt fuhren wir nicht ganz zurück, sondern nur bis zum Bahnhof Rothley, der im Stil von 1912 restauriert ist.

Von hier fuhren wir mit der anderen Zuggarnitur wieder bis Leicester North und dann zurück bis Loughborough. Das Besondere an diesem Zug sind die Restaurantwagen, in denen man allerdings nur während der Dinner-Sonderfahrten sitzen darf.

Aber auch die regulären Wagen machen was her:

Zum Glück hatte während der Bahnfahrt das Wetter gehalten, beim abendlichen Grillen regnete es sich nämlich ein … Viel besser war das Wetter auch am nächsten Tag nicht, als es für mich weiter ging nach Den Bosch (schon wieder …). Der East Midlands Train nach London war nicht sehr voll, der Eurostar dagegen ausgebucht. Immerhin war ich diesmal früh genug da, so dass ich noch ein wenig Kaffee und Knabbereien in der Lounge genießen konnte. Die Fahrt verlief ohne Besonderheiten, und ab Lille (damit Frankreich auch mal erwähnt ist) hatte ich sogar einen freien Nebenplatz. Brüssel erreichten wir pünktlich, und jetzt hatte ich genug Zeit, um einen Thalys PBKA zu erlegen.

Mein nächster Zug war dagegen ein Intercity direct, der Nachfolger des so krachend gescheiterten FYRA auf der Strecke Amsterdam–Brüssel.

Zunächst war der Zug pünktlich und relativ leer; in Antwerpen, wo wir wegen Bauarbeiten statt in Centraal in Berchem hielten, wurde er jedoch richtig voll, und wir zogen uns auch Verspätung zu. Mir gegenüber saß eine Argentinierin, die in Schiphol das Flugzeug in die Heimat erreichen wollte und sich von mir bestätigen ließ, dass der Zug dort auch halten würde. Unterdessen fuhren wir über die eher langweilige HSL Zuid, die bis Rotterdam auch auf niederländischer Seite im Linksverkehr befahren wird. Meinen Umsteigebahnhof Breda erreichten wir mit etwa +5, so dass mein Anschluss-Sprinter eigentlich schon weggewesen wäre. Er hatte aber ebenfalls +5 und eine kuriose Zielangabe:

Ganz so weit wollte ich denn doch nicht fahren, sondern nur bis ’s Hertogenbosch, wie die offizielle Namensform meines Zielortes lautet. Dort kam ich dann mit wiederum +5 an und freute mich, dass mein Hotel direkt am Bahnhof lag, zumal es wieder in Strömen regnete.

Die Rückfahrt am Mittwochnachmittag trat ich dann gemeinsam mit einem Arbeitskollegen an, der am Dienstagmorgen angereist und dabei prompt den Anschluss in Venlo verpasst hatte. Da das Meeting früher beendet war als gedacht, konnten wir anderthalb Stunden früher losfahren und so eine halbe Stunde Übergangszeit in Venlo haben. Praktischerweise ermöglichte mir das auch noch ein Bild vom Arriva-GTW auf der Maaslinie:

Hatte bis jetzt alles mehr oder weniger super geklappt, ereilte uns beim Umstieg in KD das deutsche Verspätungschaos: Überall um uns herum wurden verspätete Züge mit verschiedensten Begründungen aufgerufen – Personen im Gleis, Stellwerksstörung, technische Störung am Zug, … Unser Zug sollte +20 wegen „Störungen im Betriebsablauf“ haben. Immerhin hielt er das ziemlich genau ein, wobei sich der Aufenthalt in FF wegen einer dortigen Stellwerksstörung leider deutlich verlängerte. Die Umleitung über Darmstadt Nord wegen Bauarbeiten in Hanau war dagegen bereits eingeplant, so dass wir NAH mit etwa +35, aber immer noch eine halbe Stunde und damit einen Bus früher als ursprünglich geplant erreichten.

Prognosen sind besonders schwierig, …

Mensa hatte mal wieder zum Jahrestreffen nach Hamburg gerufen, also machte ich mich am Mittwochmittag auf den Weg mit dem RE nach FF. Mein Anschluss-ICE, ein 4er, war nur leicht verspätet und in der Auskunft mit „hoher Auslastung“ angekündigt. Es schien tatsächlich voll zu sein, aber überraschenderweise fand ich schon im ersten 2.-Klasse-Wagen einen Sitzplatz. Zwar am Gang, aber so unterhielt ich mich noch etwas mit meiner Sitznachbarin und döste dann ein wenig. In FKW konnte ich dann jenseits des Ganges ans Fenster wechseln, wobei der Gangplatz zeitweise auch noch belegt war. Wegen eines vorausfahrenden Zuges und einer Störung an unserem Zug hatten wir zeitweise +15, kamen aber in AA mit nur etwa +5 an. Von dort konnte ich praktischerweise zu Fuß zu meinen Gastgebern auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs gehen.

Während meines Aufenthaltes nutzte ich nicht nur den Nahverkehr, sondern es stand auch eine Besichtigung bei der Leitstelle der Hochbahn mit anschließender Fahrt mit einem Sonderzug über die Ringbahn auf dem Programm. Unser Gästeführer war die ganze Zeit dabei, beantwortete geduldig unsere Fragen und erzählte und demonstrierte auch selber einiges, zum Beispiel, dass die Notbremse bei der Fahrt mit über 15 km/h ständig überbrückt ist und es im Ermessen des Zugfahrers liegt, wo er anhält. Interessant ist auch, dass die Hochbahn – im Gegensatz leider zur Deutschen Bahn – keine Züge mit Graffiti in den Fahrgasteinsatz schickt.

Später am selben Tag nahm ich mir Zeit, am Dammtorbahnhof alle drei aktuellen Baureihen der S-Bahn auf den Chip zu bannen:

BR 472, die derzeit älteste im Bunde
BR 474, die derzeit den Löwenanteil der Fahrzeuge ausmacht
Der Newcomer BR 490

Am Samstag stand wie immer die Mitgliederversammlung an, diesmal im Bürgerhaus Wilhelmsburg. Kurz vorher hatte das Orgateam die Hiobsbotschaft erreicht, dass die S-Bahn am Wochenende just von dort bis Hammerbrook, wo das Tagungshotel lag, wegen Bauarbeiten unterbrochen war. Also rotierte das Team mehr als ohnehin schon und gab uns letztendlich die Empfehlung, entweder frühzeitig zur Nutzung des SEV vor Ort zu sein oder mit dem Regionalverkehr über Harburg zu fahren. Letzteres tat ich dann auch und kam pünktlich zur MV, wobei anstelle des Metronoms nach Bremen der vorherige nach Uelzen mit +15 fuhr.

Da die MV wie immer recht lang dauerte (diesmal bis 17.30 Uhr), waren längst nicht so viele Mitglieder zu transportieren wie vor dem Beginn. Es fand sich also noch ein Platz im SEV, der angenehmerweise ohne Halt bis Hammerbrook fuhr, wo ich die Gelegenheit für Fotos des 80er-Jahre-Ambientes nutzte:

Die Heimfahrt trat ich dann am Sonntagnachmittag nach einem Besuch bei meiner Tante in Rahlstedt an. Für den Wochenendverstärker-IC hatte die Auskunft sogar vor einer „außergewöhnlich hohen Auslastung“ und einer ausgebuchten 2. Klasse gewarnt, die dann letztendlich so aussah:

Pünktlich waren wir auch und es gab eine Minibar, so dass als einziger Kritikpunkt die unangekündigte umgekehrte Wagenreihung blieb. So erreichte ich NAH wie geplant um 20.00 Uhr und gönnte mir zur Feier des Tages ein Taxi, da ich einen Koffer dabei hatte und weder laufen noch eine halbe Stunde auf den letzten Bus warten wollte.

H-eimfahrt mit H-indernissen

Von Lübeck ging es am 29.12. weiter nach Hamburg, zunächst nach Rahlstedt zu meiner Tante. Beim Umstieg in Bad Oldesloe hatte ich Glück: Mein Anschlusszug war der letzte, der vor den Bauarbeiten noch fuhr, eine Stunde später war SEV angesagt. So kam ich problemlos zur Tante und dann mit Bus, U- und S-Bahn nach Altona, wo ich bei Freunden Silvester feierte. Auch dieser Besuch war nicht ganz bahnfrei, denn wir machten einen kleinen Abstecher zur neu eröffneten U-Bahn-Station Elbbrücken, wo mir auch ein Bild von einem der neuen DT5 gelang.

DT5 in der Station Elbbrücken
Die am 7. Dezember 2018 eröffnete U-Bahn-Station Elbbrücken

Wesentlich kleiner und deutlich zahlreicher waren die Fahrzeuge, die wir uns danach im Miniatur-Wunderland anguckten. Auch beim mindestens vierten Besuch war das überhaupt nicht langweilig, zumal immer noch neue Bereiche (in diesem Fall Italien) dazu kommen.

Impression aus „Italien“ im Miniatur-Wunderland

Am Neujahrsmittag machte ich mich dann auf die Heimreise. Wegen Bauarbeiten wurde AH nur sehr eingeschränkt angefahren, so dass ich zuerst mit der S-Bahn nach Harburg fuhr. Dort ging es in den IC aus Westerland, der Hamburg auf der Güterumgehungsbahn umfahren hatte, bis Hannover, wo ich eine gute Stunde Aufenthalt hatte. Die verbrachte ich natürlich in der Lounge, nicht ohne vorher auf der Anzeigetafel meinen Zug für die Weiterfahrt zu suchen: Der 17:02 Uhr nach Stuttgart sollte es wohl sein. Den enterte ich also, die Abfahrt verzögerte sich um zehn Minuten. Auch mein nächster Umsteigebahnhof sollte mit H anfangen: Hanau, und ich checkte im Navigator, ob die Umsteigezeit noch reichen würde.

Dann der Schreck: Ich saß im falschen Zug, nämlich im 1995 statt im 2171, der um 17:07 abgefahren und durch die Verspätung nun unerreichbar war. Auch am nächsten Halt Göttingen, wo ich hoffte, ihn noch zu erreichen, war er bereits abgefahren. Also blieb mir nichts anderes übrig, als im Zug bis Frankfurt sitzen zu bleiben, wo der Zug ebenfalls hinfuhr, nur eben über Marburg statt über Hanau. In FF angekommen, erwischte ich noch den IC nach NAH, der zwar pünktlich am Bahnsteig stand, aber noch den verspäteten ICE vorlassen musste. Verspätung gegenüber dem Fahrplan also etwa +5, gegenüber meinem ursprünglichen Reiseplan wegen eigener Blödheit allerdings +60. Ärgerlicherweise war nun auch der letzte Bus weg und nicht mal ein Taxi zu bekommen, also lief ich nach Hause, was machbar, aber mit dem schweren Rucksack lästig war. Aber insgesamt gibt es deutlich Schlimmeres, wovon ich und ihr im neuen Jahr verschont bleiben mögen.

Lieber e320 als A320 – und dann? (3 und Ende)

Was macht man eigentlich, wenn man mit dem Eurostar in London angekommen ist? Man kann zum Beispiel weiter nach York fahren und sich dann Edinburgh angucken. Von da habt ihr mich in der letzten Folge auf die Isle of Skye begleitet.
Die hat leider keine Bahn und nur ein sehr rudimentäres Busangebot, daher entschied ich mich, ein Auto zu mieten. Am ersten Tag brachte mir das leider auch nicht viel, da es sich einregnete und ich mich lieber in meinem Jugendherbergszimmer einigelte. Am zweiten Tag konnte ich aber ein bisschen die Insel erkunden:
Hafen von Portree

Landschaft auf Trotternish

Landschaft in der Mitte der Insel

Die Idee hatten natürlich noch mehr Leute, und so musste ich an einigen Parkplätzen vorbei fahren, weil sie schon voll waren. Trotzdem hatte ich nicht den Eindruck, dass die Insel überfüllt war, und nahm viele schöne Eindrücke mit. Das Auto stellte ich abends am Fähranleger in Armadale ab und setzte von da nach Mallaig über, dem Endpunkt der West Highland Line. Nach einer Nacht in einem einfachen Hostel mit netter Atmosphäre ging es auf die Strecke, von der ich als Kind schon gelesen hatte und fasziniert war.

Mein Zug war ein Triebwagen der BR 156:
Triebwagen der BR 156 in Mallaig

Zunächst führte die Strecke noch am Meer entlang,
An der West Highland Line bei Mallaig

dann ging es ins Landesinnere, wo wir bald das berühmte Viadukt von Glenfinnan überquerten.
Viadukt von Glenfinnan

In Fort William wechselten wir die Fahrtrichtung, gleichzeitig füllte sich der Zug deutlich. Mir gegenüber saß ein junges Paar, das nach eigener Aussage die Fahrt gegen die Fahrtrichtung nicht vertrug. Statt sich aber auf (durchaus noch vorhandene) Plätze in Fahrtrichtung zu setzen, schluckten sie lieber Tabletten, sahen aber immer noch nicht glücklich aus. Also überließ ich ihnen meinen Platz und den freien Nebenplatz und setzte mich lieber weiter nach hinten, wo es auch weniger voll war. Jetzt ging es über das unbewohnte Hochland, wo die Bahn die einzige Spur der Zivilisation darstellte:
Blick auf den Loch Treig

Meine kindliche Faszination für die Strecke ging nicht zuletzt von Corrour aus, der höchstgelegenen und einsamsten Station im britischen Bahnnetz:
Bahnhof Corrour
Zum Bahnhof führt keine öffentliche Straße, das Auto ist über einen Privatweg dorthin gekommen. Weiter ging es durchs Hochland:
An der West Highland Line

Langsam waren draußen wieder Häuser zu sehen, und vor Crianlarich war schon aus der Ferne der Zug aus Oban zu erkennen, mit dem wir dort vereinigt wurden. Draußen wurde es immer urbaner, bis wir schließlich den Bahnhof Queen Street in Glasgow erreichten, meinem nächsten Etappenziel. Auf dem Weg zur Jugendherberge, die in über dem Sommer freien Zimmern eines Studentenwohnheims untergebracht war, lernte ich schon die urige U-Bahn kennen:
U-Bahnhof Cowcaddens

Zug im U-Bahnhof Cowcaddens
Sie ist wirklich ein Kuriosum, da sie nicht nur eine inzwischen einzigartige Spurweite (1219 mm) und ein ziemlich enges Lichtraumprofil hat (ich habe mir beim Einsteigen mehrmals den Kopf gestoßen …), sondern auch nur eine einzige ringförmige Linie, die nie erweitert worden ist. Im Netz las ich, dass man sich unweigerlich als Tourist oute, wenn man sie als „Clockwork Orange“ bezeichne.
Am nächsten Morgen traf ich mich mit einer Vereinskollegin, die ich beim Treffen in Aberdeen kennen gelernt hatte. Sie gab mir eine kleine Stadtführung:
Haupteinkaufsstraße in Glasgow

Schottische Sitte: Statuen Verkehrshütchen aufzusetzen
Statue mit Verkehrshütchen

Als wir an einem U-Bahnhof vorbei gingen, meinte meine Begleiterin „We call it ‘Clockwork Orange’.“ Na denn … Nach der Führung erkundete ich noch alleine die Stadt und fuhr ins Riverside Museum, wo es u.a. alte Straßenbahnen,
Doppelstock-Straßenbahn der Corporation Tramway

aber auch andere Fahrzeuge zu sehen gab:
Reliant Robin im Riverside Museum

Auch ganz spezielle Gelüste konnten hier gestillt werden
Pringles-Automat im Riverside Museum

Das Museum hat einen Ausgang zum Fluss Clyde, wo ein großes Segelschiff liegt
Tall Ship am Riverside Museum

Weniger spannend war das Designmuseum The Lighthouse in der Innenstadt, von wo es aber immerhin einen schönen Blick gibt:
Blick vom Lighthouse über die Stadt

Alter und neuer U-Bahn-Eingang an der Station St Enoch:
U-Bahn-Eingänge in St Enoch

Zum 120-jährigen Jubiläum der U-Bahn im Jahr 2016 fährt ein Zug in Farbgebungen verschiedener Epochen. Die jetzige mit viel Orange mag ich schon alleine wegen des Charmes der Siebziger.
U-Bahn-Wagen in historischer Farbgebung

U-Bahn-Wagen in historischer Farbgebung

Jetzt hieß es Abschied nehmen von Glasgow, diesmal ab Central und mit dem Virgin Pendolino. Wie von meiner Bekannten vorhergesagt, hielt der an Gleis 1/2, dem einzigen Bahnsteig ohne Sperren.
Virgin Pendolino in Glasgow Central

Dank des Lichtraumprofils war auch dieser Zug ziemlich eng und wegen des Freitagnachmittags auch gut gefüllt. Zu allem Überfluss können auch die Briten gut Wandfensterplätze:
Wandfensterplatz in einem Virgin Pendolino

So bekam ich nicht allzu viel vom Grenzübertritt zurück nach England mit. Verspätung hatten wir auch, aber es gab die auch von der DB bekannte launische Ansage, dass der Anschlusszug noch erreicht werde, weil er sowieso hinter uns sei. Als wir in London Euston ankamen, war es schon dunkel, und ich hatte es zum Glück nicht weit zu meiner Unterkunft, dem International Student House.
Von da aus besuchte ich am nächsten Tag das Science Museum, wo sich seit meinem letzten Besuch 1999 eine Menge getan hatte, und Greenwich, wo ich überhaupt noch nie gewesen war.
Blick von Greenwich auf Canary Wharf

Auch hier ist alles geregelt. Der mobile Verkauf anderer Dinge ist aber anscheinend erlaubt:
Verbotsschild in Greenwich

Auch die roten Doppeldecker
Doppeldeckerbus

und die ebenso rote Docklands Light Railway durften natürlich nicht fehlen.
Zug der Dockland Light Railway

Canary Wharf: London, wie man es eher nicht kennt
Canary Wharf

Mit einem Abstecher zur Buchhandlung Foyle’s an der Charing Cross Road machte ich mich wieder auf den Weg zurück zum ISH und am nächsten Tag dann nach Hause (siehe die Einleitung).

Kurze Tour, lange Verspätung

Eine relativ kurze Tour stand gestern an: mit der RB sollte es nach FMZ gehen, von da mit dem IC nach Koblenz und dann weiter nach Linz am Rhein, von wo ich die Kasbachtalbahn erkunden wollte, die von der Eifelbahn-Verkehrsgesellschaft (EVG) im touristischen Betrieb befahren wird. Schon in FD musste ich allerdings nach dem Blick auf den Navigator meine Pläne ändern, denn der IC hatte +25. Also mit dem Air-Bus nach FFLF gefahren (die Fahrkarte inkl. Zuschlag wird mir niemand erstatten, aber das war es mir wert). Auf der A 5 die Bauarbeiten für die Oberleitung für E-Lkw gesehen:
Oberleitung auf der A 5

In FFLF angekommen, sah ich dann noch „meinen“ IC abfahren, aber aufgrund der Verspätung nahm ich lieber den nachfolgenden ICE. Der war so voll, dass auch in allen Gängen Fahrgäste standen, aber immerhin gab es keine Zwangsräumung. Von „fast pünktlich“ zog sich der Zug bis Köln/Bonn Flughafen durch verschiedene Standzeiten und die La am Unfallort des abgebrannten ICE etwa +15 zu. Mir konnte es egal sein, hatte ich doch bis zu meinem Anschluss-RE 8 ausreichend Zeit, in der ich mir auch noch einen Cappuccino holen konnte. Der RE hatte dann „nur“ +5. Trotzdem begrub ich meinen Plan, neben der Kasbachtal- auch noch die Drachenfelsbahn zu erkunden, und füllte dafür bei Rewe in Niederdollendorf meinen Vorrat an Aktions-Gutscheinen auf. Danach ging es dann weiter zur Kasbachtalbahn, die schon bald angetuckert kam:
798 der Kasbachtalbahn

Führerstand 798 der Kasbachtalbahn
Als ich den Führerstand fotografierte, sprach mich eine im Triebwagen sitzende ältere Dame an und bat, dass ich sie bitte nicht fotografieren möge. Hatte ich zwar auch nicht vor, aber gut … Nach kurzer Wendezeit ging es auf die Steilstrecke:
798 der Kasbachtalbahn bei der Einfahrt auf die Steilstrecke

Außer besagter Dame und mir saßen nur drei ältere Herren, anscheinend Eisenbahnfreunde, im Zug, denen die Dame versuchte ein Gespräch aufzudrängen. Unterwegs stiegen aber noch ein paar Leute ein, u.a. in Kasbach, wo dieses lustige Gefährt stand, das auch von der EVG betrieben wird und gemietet werden kann:
Schienentaxi der Kasbachtalbahn

Auf der Rückfahrt war es dann deutlich voller, wobei auch der Hp Brauerei Steffens recht gut frequentiert wurde. Landschaftlich ist die Strecke aber eher langweilig: von der Steigung sieht man nachher nicht mehr viel, und abgesehen davon verläuft sie parallel zum Kasbach durch den Wald.

Wieder unten in Linz angekommen, machte ich noch ein Bild vom Fahrgastraum, natürlich ohne erkennbare Passagiere.
Innenraum des 798 der Kasbachtalbahn

Zurück ging es dann wie geplant nach Koblenz. Dass dort der Anschluss-IC wieder Verspätung haben würde, hatte ich schon dem Navigator entnommen. Später stellte sich heraus, dass er ganz ausfiel. Der Navigator verwies mich auf einen IC außerhalb des Taktes, der kurze Zeit später fahren sollte, aber letztendlich auch +25 hatte. Also setzte ich mich in die Rheingau-Linie, die mich ohne weitere Komplikationen nach FF brachte. Dort hatten zwar die Wursthelden meine Lieblings-Chilibratwurst nicht mehr im Angebot, die normale Bratwurst mit scharfer Currysoße war aber auch sehr gut. Nach einem kurzen Abstecher in die Lounge fuhr ich dann mit dem RE nach NAH, das ich somit etwas mehr als eine Stunde später erreichte als geplant – mal wieder ein Fall für das Servicecenter Fahrgastrechte, auch wenn ich nicht viel herausbekommen werde (Nachtrag: Von wegen!).

Lieber e320 als A320 – und dann? (1)

Was macht man eigentlich, wenn man mit dem Eurostar in London angekommen ist? Man kann zum Beispiel wie ich einen Zug nach York buchen, der nebenan in King’s Cross abfährt. In meinem Fall fuhr der aus Sparpreisgründen und um einen Puffer zu haben, erst drei Stunden später, die ich u.a. im Burger King gegenüber totschlug. Dann wartete ich vor der großen Anzeigetafel mit vielen anderen Leuten darauf, dass endlich das Abfahrtsgleis für meinen Zug bekannt gegeben wurde:
Anzeigetafel im Bahnhof London King's Cross

Ein bisschen amüsant finde ich dieses auch aus Frankreich bekannte angestrengte Stieren auf die Tafel, gefolgt von der anschließenden Völkerwanderung, ja schon, aber andererseits gibt es so auch kein „Ätsch, heute von einem anderen Gleis“ in letzter Minute. Wie dem auch sei, schließlich ging es zu Gleis 1 (lustigerweise gibt es auch ein Gleis 0):
Grand-Central-Zug im Bahnhof London King's Cross

Befördert wurde ich von Grand Central, einem Open-Access-Anbieter (der also keine Ausschreibung gewonnen hat, sondern eigenwirtschaftlich fährt) und Tochter von Arriva und damit der DB. Die Fahrt im rappelvollen Zug bis York verlief ohne Berichtenswertes, und auch das Hostel fand ich ohne Probleme.
Von da ging es dann am nächsten Morgen ins National Railway Museum, das interessanterweise keinen Eintritt, sondern eine „empfohlene Spende“ kostet. Ich fand allerdings, dass ich die bereits mit der Gebühr fürs Schließfach geleistet hatte, das die 3 £ Pfandmünzen nämlich nicht zurückgibt. Im Museum geht es natürlich hauptsächlich um die Geschichte von British Rail (die, was ich nicht wusste, erst 1948 gegründet wurde) und ihrer Vorgänger.
Dampflok im National Railway Museum

Wagen im National Railway Museum

Diesellok im National Railway Museum

Wagen im National Railway Museum

Wageninterieur im National Railway Museum

Fahrscheinautomat im National Railway Museum

Die Drehscheibe wurde auch vorgeführt, natürlich mitsamt Lok:
Dampflok auf der Drehscheibe im National Railway Museum

Diesellok im National Railway Museum

Dampflok im National Railway Museum

Diesellok im National Railway Museum

Diesellok im National Railway Museum

Baulore aus dem Eurotunnel im National Railway Museum
Baulore aus dem Eurotunnel

Aber auch den einzigen Shinkansen außerhalb Japans gibt es zu sehen:
Shinkansen im National Railway Museum

Shinkansen im National Railway Museum

Interieur des Shinkansen im National Railway Museum

Da das Museum in einem alten Bw direkt an der Bahnstrecke liegt, gibt es auch einen Aussichtsbalkon dorthin mit Anzeige aller Züge.

Nachdem ich (mehr oder weniger) alles gesehen hatte, guckte ich mir noch das ebenfalls sehr sehenswerte York an:
Micklegate Bar in York
Micklegate Bar

York Minster
York Minster – den Eintritt von stolzen 11 £ habe ich mir dann doch geschenkt

Treasurer's House
Treasurer’s House

Blick von der Stadtmauer auf Minster und Stadt
Blick von der Stadtmauer auf Minster und Stadt

Und schon ging es weiter, ich hatte ja noch einiges vor: Gepäck aus dem Hostel geholt und auf zum Bahnhof, von wo es mit CrossCountry (ebenfalls einer Arriva-Tochter) weiter nach Edinburgh gehen sollte. Zunächst aber lernte ich, dass es das Phänomen der „Verzögerung im Betriebsablauf“, auch bekannt als „zu viele Züge auf zu wenigen Gleisen“, auch in GB gibt. Als der Zug endlich kam, kommentierte mein Sitznachbar folgerichtig „That’s how they make a 30-minute delay out of a 10-minute delay“. Dabei blieb es dann auch bis zum Zielbahnhof, vorher gab es allerdings noch Berwick-upon-Tweed an der Grenze zu Schottland zu sehen
Blick aus dem Zug auf Berwick-upon-Tweed

Die Grenze selbst ist auch markiert. Da ich das Schild schlecht bei voller Fahrt ablichten konnte, hier das Pendant im Museum in York:
Grenzmarkierung zwischen England und Schottland

An der East Coast Main Line gibt es übrigens noch mehr Markierungen, u.a. die halbe Strecke zwischen London und Edinburgh unweit von York.

Erfreulicherweise brachte mir die Verspätung bei der Ankunft eine Erstattung von 10,70 £ ein, denn bei CrossCountry gelten bereits ab 30 Minuten (die gerade so erreicht waren) Fahrgastrechte. Ebenso erfreulicherweise war der Weg zum Hostel bei Dunkelheit und Nieselregen nicht weit, allerdings steil, da der Bahnhof so ziemlich am niedrigsten Punkt der Stadt liegt. So konnte ich bald am Ende des zweiten Reisetags mein Haupt betten.

Fortsetzung folgt, allerdings nicht in epischer Breite, da diese Reise deutlich weniger Bahnanteil hatte als die vorherige.