Mitropa, Magdalenenkuchen, Mensa

Zur Abwechslung machte ich am Samstag mal wieder eine reine Spaßtour. Diesmal hieß das Ziel Zwickau, bekannt durch das Zwickauer Modell, das mit Eisenbahn auf Straßenbahngleisen sozusagen die Umkehrung des Karlsruher Modells darstellt. Als Bonus gab es noch die Fahrt über das Elster- (unter dem ich ja schon mal hergefahren war) und das Göltzschtalviadukt, die von oben aber weit weniger imposant wirken als von unten.

In Zwickau (Sachs) Hbf angekommen (es gab auch noch ein Zwickau in Böhmen, das heute Cvikov heißt), sicherte ich mir erst mal die hier abgestellten historischen Wagen für die Sammlung

In Zwickau Hbf abgestellter Mitropa-Speisewagen

und machte mich dann auf den Weg mit dem RegioShuttle der Vogtlandbahn ins Zentrum, an die Haltestelle, die auch genauso heißt.

Eisen- und Straßenbahn einträchtig nebeneinander in Zwickau Zentrum

Dort endet die Regionalbahn am selben Bahnsteig wie die Straßenbahn. Um dorthin zu kommen, nutzen beide Bahnen dieselben Gleise, wobei es sich wegen der unterschiedlichen Spurweiten um ein Dreischienengleis handelt. Beim anschließenden Stadtspaziergang entdeckte ich eine schöne Fotostelle am Georgenplatz. Eine Busfahrerin winkte mir sogar nett zu, leider machte ich das Foto doch nicht, weil jemand durchs Bild lief, dafür aber andere:

Aber auch die Stadt an sich ist recht sehenswert

und für den Rest der Zeit fand sich auch noch ein nettes Café, das den mir bis dahin unbekannten, sehr leckeren Magdalenenkuchen servierte.

Weiter ging es dann mit der S5X nach Leipzig. Das S deutet auf denselben Linienweg hin wie die S-Bahn, das X auf angenehm wenig Halte, so dass es eine geruhsame Fahrt durch Westsachsen und Ostthüringen wurde. In LL angekommen, versuchte ich trotz des Gedränges an der Straßenbahnhaltestelle, ein paar Fahrzeuge abzulichten, was mir so halbwegs gelang.

Weiter ging es mit einem ICE 4, der wegen Bauarbeiten auf der Thüringer Bahn über die VDE 8 umgeleitet wurde. Dadurch ergab sich eine Direktverbindung LL–NWH, was für mich sehr praktisch war, wollte ich doch auf dem Rückweg mal wieder zum dortigen Mensa-Stammtisch. Gerade noch vor dem Einbruch der Dunkelheit bekam ich die Fahrt über die Bamberger Verbindungskurve mit. Diese ist zwar sehr kurz, bot als Überraschung aber ein schlossartiges Gebäude direkt neben dem Gleis. Auf der weiteren Fahrt holte ich ein bisschen Schlaf nach, da es für mich ja schon um 6.51 Uhr losgegangen war, wurde aber rechtzeitig vor NWH wieder wach. Kurios: Da unsere Strecke regulär nicht von Fernzügen befahren wird, fuhren wir auf dem Infobildschirm scheinbar im Nichts.

Der Stammtisch gefiel mir diesmal besonders gut, da sich interessante Gesprächsthemen ergaben, von denen die Bahn eins war. Zurück ging es wieder mit dem 1620, der (wie alle anderen Züge auf meiner Tour) keine nennenswerte Verspätung hatte.

eisenbahn oder plauen?

Beides natürlich! – Um die nachtschlafende Zeit (es war tatsächlich noch dunkel) von 7.23 Uhr begann meine gestrige Spaßtour. Mit dem ICE, in dem mir das Schlafen leider nicht gelang, ging es nach NN, da wieder in die nette Lounge und weiter mit dem 612er nach Hof Hbf, wo ich schon mal war, aber noch nicht über die Strecke Marktredwitz – Oberkotzau, die damit neu für mich war. Der Aufenthalt war diesmal kürzer, so blieb ich am Bahnhof und enterte bald die „volkseigene Grinsekatze“ (siehe der verlinkte Beitrag). Die brachte mich dann ohne Halt nach Plauen, und zwar zum oberen Bahnhof, der inzwischen elektrifiziert ist und deutlich frequentierter ist als der Haltepunkt Mitte, der seit September 2015 den unteren Bahnhof an der Elstertalbahn ersetzt.

Zwischen den beiden Bahnhöfen bewegte ich mich zu Fuß. Wie der Name Oberer Bahnhof schon andeutet, ging es praktischerweise bergab. Unterwegs lichtete ich an der zentralen Haltestelle „Tunnel“ ein paar lokale Verkehrsmittel ab:
NGT6 der Plauener Straßenbahn

KT4D der Plauener Straßenbahn

Citaro II der Plauener Straßenbahn

Aber auch das Denkmal für den wohl berühmtesten Sohn der Stadt besuchte ich:

Vater und Sohn von e.o.plauen

Dann entschied ich mich wieder für die erste Option aus der Überschrift und machte ich mich auf den Weg zum Hp Mitte, der so mittig nun auch wieder nicht liegt. Ich erreichte ihn aber rechtzeitig vor Eintreffen des Regio-Shuttles der Vogtlandbahn, die mich nach Gera bringen sollte. Zwei Eisenbahnfans, die mit mir eingestiegen waren, drückten sich die Nase an der Tür zum Führerstand platt, ich sah zum Glück aus dem Seitenfenster auch noch genug. Einer der Höhepunkte (im wahrsten Sinne) war die Fahrt unter dem Göltzschtalviadukt, der größten Ziegelbrücke der Welt der Elstertalbrücke:

Elstertalviadukt von unten

Elstertalviadukt von unten

Weiter ging es, nun auf Thüringer Gebiet, eher gemütlich bis Gera mit der markanten Bahnsteighalle, die aber nicht alle Bahnsteige überdeckt:
Bahnhofshalle von Gera Hbf

Auch „meinen“ Regio-Shuttle …
Regio-Shuttle der Vogtlandbahn in Gera Hbf

… und eine lokale Straßenbahn bannte ich hier noch auf den Chip:
Geraer Straßenbahn am Hbf

Weiter ging es dann, wieder mit einem 612er, nach Erfurt Hbf und von dort nach kurzem Aufenthalt mit dem ICE nach Fulda. Kurz davor zog der sich durch Bauarbeiten etwa +15 zu, mein Anschlusszug nach NWH wartete aber. Dort hatte ich mit dem Anschluss weniger Glück: der ICE sollte +40 haben, so dass ich zum RE eilte und mit dem letztendlich nur zehn Minuten später in NAH ankam als geplant.

Von Nämberch nach Leepzsch

Nachtrag: Die sächsische Aussprache von Leipzig in der Überschrift ist wohl nicht ganz korrekt, allerdings war man sich im ICE-Treff nicht einig, ob es Leipzsch, Leibzsch, Leibtsch, Lääbsch oder Lööbsch heißen muss 🙂 . Aber jetzt zum eigentlichen Beitrag:

Die geplante und in Einzelabschnitten bereits in Bau befindliche Neubaustrecke Erfurt – Nürnberg wird es nicht geben. Das erklärte der Bundesverkehrsminister am 7. Juli. Lediglich der Abschnitt Erfurt – Arnstadt wird fertiggestellt werden und dann Anschluß an die bestehende Strecke nach Saalfeld erhalten.

So stand es im Bahn-Extra-Jahrbuch 2000 (Hervorhebungen im Original). Wie wohl nicht nur bahnaffine Menschen mitbekommen haben, kam es 18 Jahre später dann doch anders und nach der Eröffnung der Strecke erst mal zu einem betrieblichen Chaos. Nachdem sich alles einigermaßen beruhigt hatte, plante ich für den 20. Januar eine Befahrung der neuen Strecke, wovon mich auch die Einstellung des gesamten Fernverkehrs wegen des Sturms „Friederike“ zwei Tage vorher nicht abhalten konnte. Für die Fahrt setzte ich das im Dezember gekaufte Lidl-Ticket für 49,90 Euro für zwei Fahrten ein. Nachdem sich die Bahn zum Thema Zugbindung bei diesem Ticket eher nebulös geäußert hatte, war nach der Buchung in der Wegangabe erfreulicherweise kein Zug vorgegeben, die Tickets also bei Einhaltung von Tag und Strecke flexibel nutzbar.

Also machte ich mich am Samstag um 10.23 Uhr auf den Weg. Die Fahrt bis NN verlief unspektakulär. Dort hatte ich eine Stunde Aufenthalt eingeplant, da ich kurz vor deren endgültiger Abstellung mal ein vernünftiges Bild der x-Wagen machen wollte, die mir aus meiner Jugend so vertraut waren. Das gelang mir – nach einem kurzen Aufenthalt in der Lounge – auch:
x-Steuerwagen auf der Nürnberger S2

143 mit x-Wagen auf der Nürnberger S2

Nebenbei hatte ich das Glück, auch den RE mit den beiden Vectrons (Vectra?) abzulichten, der zwischen Bamberg und Coburg die neue SFS benutzt:
Vectron vor dem RE Nürnberg–Sonneberg

RE Nürnberg–Sonneberg mit Vectron

Punkt 13 Uhr ging es dann weiter. Mein Zug war der Sprinter München – Berlin, der unterwegs nur in NN, Erfurt und Halle hielt. Hinter Fürth waren Bauzustände für die parallelen S-Bahn-Gleise zwischen „fast fertig“ und „noch gar nicht angefangen“ zu sehen. Zufällig schrieb mir in dem Moment eine Freundin, dass sie gerade mit dem ICE in München losgefahren sei und bei der Durchfahrt durch NAH winken würde. Als ich schrieb, wo ich war, meinte sie, sie würden uns bestimmt noch einholen 😉 . Hinter Bamberg ging es dann auf die zunächst noch parallel zur Altstrecke verlaufende SFS, wo der Zug schon ordentlich aufdrehte. Schließlich bogen wir ab, und der Zug beschleunigte auf bis zu 270 km/h:
Geschwindigkeitsanzeige im Sprinter München–Berlin

Bald ging es in den tief verschneiten Thüringer Wald:
Verschneiter Thüringer Wald

Gegen die Pünktlichkeit des Zuges war nichts einzuwenden:
Fahrplananzeige mit –2 min

Letztendlich waren es sogar –3. Weniger angenehm war, dass man offensichtlich in München vergessen hatte, Wasser nachzufüllen, so dass im Bordrestaurant nichts mehr verkauft werden konnte und auch die Toiletten nach und nach den Geist aufgaben. Zum Glück hatte ich weder nach dem einen noch dem anderen Bedarf bzw. konnte es mir noch aufsparen. Nach kurzem Halt in Erfurt ging es über den schon 2015 eröffneten Teil der VDE 8, wo ich das Karsdorfer Zementwerk an der Unstrutbahn erkannte, der ich erst vor kurzem einen Besuch abgestattet hatte:
Blick auf das Karsdorfer Zementwerk im Unstruttal von der VDE 8

Hier drehte der Zug dann auch noch etwas mehr auf:
Geschwindigkeitsanzeige im Sprinter München–Berlin

Auch Halle erreichten wir wiederum pünktlich. Für ein Foto der örtlichen Straßenbahn war keine Zeit, wohl aber von der Bahnhofshalle des Bahnhofs Halle:
Eingangshalle von Halle (Saale) Hbf

Weiter ging es mit dem IC2 nach Leipzig. Im Gegensatz zum ersten Betriebstag dieser Züge (und der VDE 8.2) war auch dieser heute pünktlich und brachte mich ohne Probleme nach Leipzig Hbf.
IC2-Steuerwagen in Leipzig Hbf

Hier ließ ich erst mal das imposante Gebäude auf mich wirken:
Querbahnsteig von Leipzig Hbf

Querbahnsteig von Leipzig Hbf

Bahnsteighalle von Leipzig Hbf

Dann fiel mir auf, dass ich noch gar kein Foto eines MDV-S-Bahn-442ers hatte. Im Tunnelbahnhof erwies sich das als schwierig, so dass ich ein Kurzstreckenticket nach Leipzig Nord löste und da erfolgreich war – wenn auch nicht wie geplant am Bahnsteig, sondern auf den parallelen bahnsteiglosen Gleisen:
442 der mitteldeutschen S-Bahn in Leipzig Nord

Beim Warten gaben sich dort gleich auch noch ein 1er und zwei Ts die Ehre:
ICE 1 in Leipzig Nord

Doppeltraktion ICE-T in Leipzig Nord

Zurück am Hbf standen noch ein paar Bilder des städtischen ÖPNV an, was sich aber angesichts der Menschenmassen an der Haltestelle etwas schwierig gestaltete. Hier mal als Highlight der Solaris Tramino, der mir am besten gefiel (Bild angesichts der einsetzenden blauen Stunde etwas farbkorrigiert):
Leipziger Version des Solaris Tramino

Zum Abschluss gab es dann noch je eine Außen- und Innenansicht des Hbfs:
Fassade von Leipzig Hbf

Westhalle von Leipzig Hbf

Nach Essen in der Bahnhofshalle und Flüssigkeitsaustausch in der Lounge verließ ich dann eine Stunde später als geplant die heimliche Hauptstadt Sachsens wieder, was wegen des Flextickets kein Problem war. Wegen der Wegangabe und der Tatsache, dass das Ticket ohne Aufpreis nur im Fernverkehr galt, nahm ich aber nicht die schnellste Strecke (die hätte wieder über NN geführt), sondern fuhr in der Lounge eines ICE-T (die ich fast die ganze Zeit für mich allein hatte) nach FF. Da ich von Lounges noch nicht genug hatte, trank ich in der dortigen noch einen Cappuccino und machte mich dann mit dem nur samstags verkehrenden ICE 1625 auf den Weg nach NAH. Dort begegnete mir dann am nächsten Tag zufällig noch der zur gestrigen Tour passende ICE:
ICE-Triebzug mit Unterschriften zur VDE 8

… der Triebzug, auf dem die an der Eröffnung der VDE 8.1 beteiligten Mitarbeiter unterschrieben hatten.