Den gestrigen Tag haben wieder viele genutzt, um mit möglichst lauten Autos herumzufahren. Ich habe mich stattdessen meinem Lieblingsverkehrsmittel gewidmet und relativ spontan beschlossen, mit dem GoVolta zu fahren, einem neuen privaten Fernzug, der Amsterdam und Hamburg bzw. Berlin verbindet. Derzeit fährt er beide Strecken nur je dreimal pro Woche, so dass man mit einer Zuggarnitur auskommt. In beiden deutschen Städten fährt man nicht bis zum jeweiligen Hauptbahnhof, sondern Endstation ist in Harburg bzw. Gesundbrunnen.
Nach einigem Überlegen buche ich die Route Hamburg-Harburg – Hengelo: Harburg, obwohl der Zug auch in Bremen hält, um dort ein gutes Foto machen zu können, und Hengelo, um die Kluskurve mitzunehmen, auf der er den Osnabrücker Hauptbahnhof umfährt. GoVolta scheint das Konzept von Billigfliegern übernommen zu haben, nachdem im günstigen Preis nur das Nötigste enthalten ist und alle weiteren Leistungen extra kosten. So ist in den 45 Euro für meine Fahrkarte zwar die verpflichtende Sitzplatzreservierung enthalten, ich zahle aber noch mal 12,50 Euro extra, um mir einen Platz (in dem Fall am Fenster) aussuchen zu können. Bei der Buchung erhalte ich nicht direkt die Fahrkarte, sondern eine Reservierungsbestätigung mit einem Link zum Check-in, den ich spätestens vier Stunden vor der Abfahrt durchführen muss. Erst danach erhalte ich einen QR-Code, den ich bei der Kontrolle im Zug vorzeigen muss.
Als ich am Karfreitag am Bahnhof ankomme, erwische ich noch die RB, die eigentlich eine Stunde vorher fahren sollte – das Stellwerk in Tostedt war gestört. Jetzt läuft der Betrieb aber wieder an, und so überholt uns der GoVolta unterwegs. In Harburg angekommen, gelingen mir tatsächlich recht gute Bilder vom Zug:
Die Wagen sind ehemalige belgische mit Vis-à-vis-Sitzanordnung, die man innen anscheinend nahezu unverändert gelassen hat. Die 1.-Klasse-Wagen heißen jetzt Comfort und die der 2. Klasse Economy. Die Economy ist auch tatsächlich recht gut besetzt. In meiner Vierergruppe sitzt aber praktischerweise sonst niemand.
Der eine Sitz mir gegenüber hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen, aber das scheint nicht repräsentativ zu sein.
So geht die Fahrt relativ gemächlich los. In Sottrum gehen diesmal wir in die Überholung, um sage und schreibe den RE, den ICE und den Flixtrain vorbeizulassen, und erreichen HB trotzdem pünktlich. Vor HO wird es dann spannend, denn hier biegen wir in den Vorbahnhof und dann auf die Kluskurve ab, die die beiden Ebenen des Turmbahnhofs direkt verbindet. Ein Halt im Bahnhof ist dadurch nicht möglich. Auch in Rheine halten wir nicht, und der nächste Halt in Bad Bentheim scheint nur dem Lokwechsel zu dienen, denn eine Fahrkarte dorthin buchen konnte man nicht. Hier kommen wir stolze 20 Minuten vor Plan an, so dass wir den ICE vorbeilassen müssen. Dadurch kann auch die Bentheimer Eisenbahn nur verspätet einfahren, die RB nach Bielefeld wartet aber den Anschluss ab.
Bad Bentheimer Bahnsteigbild: ICE und GoVolta
Mein Zug bekommt jetzt die Nase gebrochen, also eine niederländische Lok im „Nez-cassé“-Design vorgespannt.
Die kurze Weiterfahrt nach Hengelo nutze ich noch für ein Bild der Toilette, die unten offen ist und daher ein Hinweisschild hat, das ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Sonst ist sie aber einigermaßen sauber und funktionstüchtig.
Dann ist mein Zielbahnhof erreicht. Ich steige aus dem Zug, der hier nur zum Ausstieg hält, und nutze die Stunde Aufenthalt für einen Bummel durch die Stadt, bei der natürlich auch ein Besuch bei Albert Heijn nicht fehlen darf. Zuerst wirkt die Stadt recht ausgestorben, was aber nicht am Karfreitag liegt (der hier auch gar kein Feiertag ist), sondern an der Uhrzeit. Der Supermarkt hat auch noch offen, und am Rathaus ist die Gastronomie gut gefüllt. Ich nutze sie ebenfalls für eine Pokébowl.
Pannenhilfe alleine scheint nicht zu reichen
Der Rathausturm von Hengelo
Den Rückweg trete ich komplett mit dem Deutschlandticket an, da das nur unwesentlich länger dauert als mit dem Fernverkehr. In Diepholz überholt meinen RE 9 der verspätete ICE, der um diese Uhrzeit auch hier hält. Da ich aber maximal eine Viertelstunde sparen würde, verzichte ich auf den Umstieg und erreiche so gegen Viertel vor elf wieder meinen Heimatbahnhof.
Am Donnerstag war ich mal wieder zum internationalen Mensa-Event „Grensa“ unterwegs, das diesmal in Südlohn-Oeding an der niederländischen Grenze stattfand. Mein ursprünglicher Plan, dafür die X80 diesmal nicht nur zum Spaß zu benutzen, wurde durch deren Zweistundentakt vereitelt. Also fuhr ich mit dem ICE nach Münster, wo der recht knappe Anschluss zur RB 63 klappte, und weiter nach Coesfeld, wo sogar noch Zeit war, einen sich sonnenden Setra auf den Chip zu bringen. Meines Wissens ist es das erste Exemplar dieses recht schicken Modells in meiner Sammlung.
Setra von Boonk Reisen am Coesfelder Bahnhof
Es ist schon witzig, wie die genutzten Verkehrsmittel immer kleiner wurden: Erst ICE, dann zweimal RB, von Ahaus dann ein Regionalbus bis Südlohn, wo ich dann in den Bürgerbus umstieg. Der heißt so, weil er von Ehrenamtlichen gefahren wird und so die Verbindung zwischen den beiden Gemeindeteilen untereinander und mit dem niederländischen Winterswijk darstellt. Der Bürgerbus fährt werktags außer samstags im Stundentakt und ist in der Fahrplanauskunft zu finden. Das Deutschlandticket gilt nicht, die Fahrt kostete aber ganze 1 Euro.
So kam ich dann tatsächlich eine Stunde früher als mit dem X80 in Oeding an. Am nächsten Tag gelang mir dann auch ein Foto vom Bürgerbus, wenn auch ohne Sonne:
Der Südlohner Bürgerbus am Rathaus in Oeding
Der Rest des Wochenendes war mehr oder weniger ÖPNV-frei, sieht man einmal davon ab, dass wir am Sonntag ein Kuriosum besichtigten: Das niederländische Dinxperlo und das deutsche Suderwick sind im Grunde ein Ort in zwei Staaten. Da die Grenze entlang der Straße verläuft, auf der der Bocholter Stadtbus fährt, hat er logischerweise auch auf beiden Seiten unterschiedliche Haltestellenmasten:
Deutscher (links im Hintergrund) und niederländischer Haltestellenmast auf dem Hellweg in Suderwick bzw. dem Heelweg in Dinxperlo
Zurück ging es dann nicht mit dem Zug, sondern es ergab sich eine Mitfahrgelegenheit bis an den Stadtrand von Bremen, wo ich direkt den Schnellbus nach Hause erwischte und so noch bei meiner Freundin vorbei schauen konnte.
Am Sonntag ging es leider schon wieder auf den Heimweg aus Luxemburg. Als krönenden Abschluss hatte ich mir aber noch vorgenommen, die Nordstrecke bis Lüttich zu befahren. Am Bahnhof Luxemburg habe ich noch ausreichend Zeit, eine Doppelstockgarnitur von der Seite des Steuerwagens auf den Chip zu bringen.
Bis Kautenbach (bzw. theoretisch von meiner Reise 2006 bis Clervaux) kenne ich die Nordstrecke ja schon. Beim Halt in Kautenbach mache ich noch aus dem Zug ein Bild vom Bahnhof. Auf den neueren Bahnhofsschildern steht der französische Ortsname (den man in der Fahrplanauskunft und auf Landkarten findet) oben, darunter der luxemburgische. Auf den älteren Schildern steht nur der französische. Übrigens sind im luxemburgischen Menü der CFL-Fahrkartenautomaten auch die Ortsnamen in Frankreich in dieser Sprache angegeben. So musste ich am Vortag erst mal darauf kommen, dass ich eine Fahrkarte nach Diddenuewen brauche.
Die Fahrt geht weiter zum Grenzbahnhof Troisvierges, bei dem man auch nicht unbedingt darauf kommt, dass die Namen Ulflingen und Ëlwen denselben Ort bezeichnen. Hier haben wir einige Minuten Aufenthalt, und das Personal wechselt. Dann geht es weiter durch recht einsame, verschneite Landschaft über die Grenze. Bald wird es bergig, und wir folgen dem Lauf verschiedener Flüsse: OpenStreetMap meint, es sei erst der Glain, dann die Salm und dann die Amblève. In Rivage, wo wir auch auf die Strecke aus Marloie treffen, fließt die Amblève wiederum in die Ourthe.
Wildromantische Landschaft
Nach insgesamt knapp drei Stunden Fahrzeit erreichen wir Lüttich. Hier fließt wiederum die Ourthe in die Maas, die neben der Bahnstrecke von einer imposanten Straßenbrücke überquert wird.
Dann ist der Bahnhof Liège-Guillemins erreicht. Durchgefahren bin ich hier schon oft, aber jetzt habe ich endlich mal Zeit, die Architektur zu bewundern und für meine Sammlung zu verewigen.
Bahnhofshalle von Liège-Guillemins. In der Mitte der Desiro ML, mit dem ich aus Luxemburg gekommen bin.
Von hier wäre der schnellste Weg mit dem Eurostar (ex Thalys) nach Köln gewesen. Da alleine diese Strecke aber schon 60 Euro nicht stornierbar gekostet hätte, fahre ich lieber mit dem Nahverkehr weiter. Das ist zufällig der LIMAX, mit dem ich sowieso schon immer mal fahren wollte.
Der Zug ist recht voll, aber am Ende findet sich noch ein Platz für mich. Diesmal sitze ich auf der anderen Seite, wo es auch eine schöne Maasbrücke gibt:
Parallel zur Maas fahren wir dann auch über die niederländische Grenze, damit der Dreiländerzug seinem Namen auch gerecht wird. In Maastricht biegen wir auf die Strecke nach Heerlen ab, die durch die Gegend führt, in der die Niederlande ihrem Namen am wenigsten Ehre machen. Inzwischen ist der Zug so leer geworden, dass ich einen Vierer für mich habe. Kurz vor Herzogenrath passieren wir unbemerkt für mich die Systemwechselstelle zum deutschen Stromnetz und die Staatsgrenze. Gleich darauf muss ich auch schon umsteigen.
Mein nächster Zug ist der RE 4 nach Düsseldorf. Der ist erfreulicherweise pünktlich und auch recht leer. Und sogar die Sauberkeit, von der ich in Luxemburg so angetan war, ist auch hier zu bewundern. In Düsseldorf steige ich aus und esse erst mal beim Frittenwerk. Eigentlich ist der Plan, mit dem RE 2 nach Osnabrück zu fahren und je nach Verkehrslage auf dem letzten Stück vielleicht noch mit dem ICE abzukürzen. Nun ist die Verkehrslage aber so, dass der RE ausfällt. Also kaufe ich mir ein Ticket für den ICE, verbringe die restliche Zeit in der Lounge und fahre dann mit dem ICE nach Hause. Der ist erfreulicherweise bis kurz vor dem Ziel pünktlich und fährt (bzw. steht) sich erst in Bremen-Hemelingen etwa +10 ein. So geht die Tour auch auf dem deutschen Streckenabschnitt recht erfolgreich zu Ende.
Auch für die „Route Coverage“ bei Viaduct war die Tour erfolgreich: Ich habe jetzt 95 % des Streckennetzes befahren. Außer der Strecke nach Longwy fehlt jetzt nur noch die Museumseisenbahn → „Train 1900“, die von Pétange in Richtung der französischen Grenze führt.
Hier die Fortsetzung meiner Luxemburg-Rundreise vor einer Woche: Am Samstag stehe ich so auf, dass ich noch gemütlich im Hotel frühstücken kann. Danach nehme ich den Zug auf die Nordstrecke bis Kautenbach, wo die Strecke nach Wiltz abzweigt. Anders als bei → Eric und seiner Reise läuft bei mir alles entspannt: Mein Zug ist pünktlich, und so muss auch der Anschluss nach Wiltz nicht warten. Selbst wenn, hätte er dem Gegenzug keine Verspätung mitgegeben, denn am Wochenende wird die Strecke nur im Stundentakt befahren. So reicht ein Fahrzeug aus, das in Wiltz etwa zwanzig Minuten Aufenthalt hat. Die nutze ich dazu, ein Bild vom Zug und vom Bahnhof zu machen.
Coradia Max der CFL im Bahnhof WiltzBlick auf den Bahnhof Wiltz
Die Kästen für Fahrplanaushänge an den luxemburgischen Bahnhöfen sind inzwischen nur noch mit einem Hinweis bestückt, dass es keine Aushänge mehr gibt und wie man stattdessen an Fahrplaninformationen kommt. Auch die Straßenbahn in Luxemburg-Stadt setzt komplett auf digitale Anzeigen, die Stadt- und Regionalbusse haben aber noch Aushänge.
Dieses Gefährt fährt als Stadtbus in Wiltz:
Stadtbus Wiltz am Bahnhof
Vor der Rückfahrt des Zuges finde ich mich wieder am Bahnhof ein. Im Zug herrscht gähnende Leere. Auf den Hauptstrecken ist es etwas voller, ich habe aber überall noch freie Sitzplatzwahl.
Blick in das Oberdeck eines Coradia Max der CFL
Die Zwischenhalte Paradiso und Merkholtz werden, wie schon auf der Hinfahrt, theoretisch bei Bedarf bedient. Die Anzeige im Zug verschweigt sie aber komplett. Ob es nun daran liegt oder einfach kein Bedarf besteht, jedenfalls fahren wir jedes Mal durch. Viaduct ist interessanterweise hinterher der Meinung, ich sei mal eben zum Haltepunkt Paradiso im Tessin gefahren, was ich manuell korrigieren muss.
Die verschneite Landschaft unterwegs ist herzallerliebst:
Blick aus dem Zug zwischen Wiltz und KautenbachBlick aus dem Zug auf Kautenbach
In Kautenbach fahre ich wieder zurück Richtung Hauptstadt, aber nur bis Ettelbrück. Von dort fahre ich mit dem Bus nach Diekirch. Spontan entscheide ich mich dazu, erst eine Haltestelle hinter dem Bahnhof auszusteigen, ein bisschen durch den Ort zu laufen und mir beim Bäcker ein zweites Frühstück zu genehmigen.
Blick aus dem Fenster beim Bäcker in Diekirch
Zurück fahre ich natürlich mit dem Zug. Der ist wieder ein Coradia Max, der aber nicht nur die kurze Stichstrecke nach Ettelbrück befährt, sondern von dort als Regionalbahn weiter in die Hauptstadt. Unterwegs nehme ich eine Zugansage auf und finde es interessant, dass „aussteigen“ auf Luxemburgisch anscheinend „erausklammen“ heißt – bei einem meiner früheren Besuche war das Wort für „umsteigen“ noch „ëmsteigen“.
Während der Fahrt schmiede ich Pläne, wohin ich als nächstes will und entscheide mich spontan für den Zug nach Arlon, zu dem ich allerdings nur drei Minuten Übergangszeit habe. Da die Pünktlichkeit im Großherzogtum deutlich weniger ein Problem ist als in Deutschland, kann das klappen. Da ich das Land ja verlasse, brauche ich allerdings eine Fahrkarte. Die kaufe ich schnell online. Zwar ist zehn Minuten vor der Abfahrt schon die Verkaufsfrist für den Zug abgelaufen, aber bei einem Flexpreis ist das ja kein Problem. In Luxemburg-Stadt angekommen, muss ich den Bahnsteig wechseln, und zwar auf das etwas außerhalb gelegene Stumpfgleis 1, von dem die Züge nach Brüssel abfahren. Bis 2018 hatte dieses Gleis auch noch das belgische Stromsystem mit 3 kV Gleichstrom, inzwischen fahren die Züge bis weit nach Belgien hinein mit den luxemburgisch-französichen 25 kV Wechselstrom.
Der Umstieg klappt ohne Probleme, und der Zug, ein Desiro ML, fährt ohne Halt über die Grenze bis Arlon. Hier habe ich nun eine Stunde Aufenthalt. Zwar kann ich in dieser Zeit keine Strecken befahren, aber dafür bei herrlichem Winterwetter Fotos von Zügen und TEC-Bussen machen. Außerdem entscheide ich mich spontan für einen Besuch im nahegelegenen Supermarkt, um eine Flasche Sauce Andalouse zu kaufen.
Mein IC aus Luxemburg. Wie ich kurz darauf feststellte, war das Personal noch damit beschäftigt, die vordere Tür vom Schnee zu befreien.TEC-Bus auf dem Bahnhofsvorplatz in ArlonBlick auf Arlon mit eingerüstetem Kirchturm
Für den Rückweg entscheide ich mich spontan, über Athus zu fahren. Zwar kenne ich die Strecke von dort nach Luxemburg schon, die Strecke von Arlon dorthin aber noch nicht. Die Fahrkarte kaufe ich diesmal am Automaten – etwas, das ich auch schon längere Zeit nicht mehr getan habe.
Meine Fahrkarte Arlon–Luxemburg über Athus
Auf der Fahrt kann ich wieder den Blick aus dem ziemlich leeren Zug auf die ebensolche verschneite Landschaft genießen. In Athus steige ich in den Luxemburger Zug um, eine Doppelstockgarnitur der Bauart, die auch in Deutschland vielfach unterwegs ist.
Luxemburgischer Doppelstockzug im belgischen Athus
Der Zug fährt mitten durch den beeindruckenden „Trockenhafen“ (=Containerterminal) von Athus. Kurz danach überschreiten wir die Grenze nach Luxemburg. In Pétange steige ich in den Zug Richtung Esch-sur-Alzette um, der tatsächlich ein paar Minuten Verspätung hat. Mein Plan ist, dort ein paar Bilder von Bussen der TICE zu machen. Das ist sozusagen (abgesehen von einigen Ortsbussen) der Fünfte im Bunde der Luxemburger Verkehrsbetriebe neben der CFL, der AVL (Luxemburger Stadtbusse), Luxtram und dem RGTR, der Sammelbezeichnung für die Regionalbusse verschiedener privater Unternehmer. Im letzten Tageslicht und unterstützt von der Beleuchtung des Busbahnhofs gelingen mir auch tatsächlich einige Bilder.
Geparkter TICE-Bus am Bahnhof in Esch
Nun wird es zwar dunkel, aber wo ich schon mal da bin, will ich meine Streckenbereisungen fortsetzen. Jetzt soll es ins französische Thionville gehen, wohin ich in Bettembourg umsteige. Dort begegnet mir auf der Anzeigetafel auch der einzige ausfallende Zug meiner Reise, allerdings einer aus Frankreich. Mein Zug fällt nicht aus, und so geht es schon kurze Zeit später schon wieder über die Grenze. Am einzigen Zwischenhalt Hettange-Grande kann ich beobachten, wie einige Wagemutige den verschneiten Parkplatz nebenan für Fahrübungen mit dem Auto und einem Quad mit angehängtem Schlitten nutzen. In Thionville habe ich immerhin so lange Aufenthalt, dass ich die imposante Weihnachtsbeleuchtung auf dem Bahnhofsvorplatz bewundern kann.
Weihnachtsbeleuchtung vor dem Bahnhof in Thionville
Beim Warten im Bahnhof sehe ich, dass auch der RE nach Trier angekündigt ist. Er fährt über den Grenzübergang Apach–Perl, der im Personenverkehr derzeit nur von zwei täglichen Zugpaaren am Wochenende befahren wird. Der angekündigte Taktverkehr lässt noch auf sich warten. So oder so muss die Befahrung warten, denn ich fahre jetzt erst mal ins Großherzogtum zurück und befahre – wieder mit Umstieg in Bettembourg und Esch – als letztes noch die kurze Strecke nach Audun-le-Tiche, das wiederum in Frankreich liegt. Hier fahren die Züge nur montags bis freitags, und kurioserweise eben mit einigen Zugpaaren am Samstagmorgen und -abend. Dasselbe gilt für die Strecke ins ebenfalls französische Longwy. Nach einem Blick in mobiliteit.lu stelle ich aber fest, dass ich die heute nicht mehr schaffe, und mache mich daher auf den Weg zurück in die Hauptstadt. Dort schlendere ich noch ein wenig durchs Bahnhofsviertel und esse zum ersten Mal bei den Five Guys. Merke: Eine normale Portion Hamburger und Pommes ist kaum zu schaffen, zumal ich diesmal aufgrund eines Irrtums auch noch eine zweite Portion Pommes bekomme. Nächstes Mal werde ich es wohl mit kleinen Portionen versuchen.
Auf dem Weg zurück zum Hotel bewundere ich noch die nächtliche Ansicht des Bahnhofsgebäudes und vor allem der Straßenbahnzüge, bei denen man sich designmäßig so einiges hat einfallen lassen.
Zwischen Weihnachten und Neujahr ergab sich die Gelegenheit, schnell noch nach Hamburg zu fahren und einen Blick auf den neuen EC der dänischen Staatsbahn zu erhaschen, der nach und nach auf der Strecke nach Kopenhagen eingeführt wird. Es handelt sich um einen Zug der spanischen Marke Talgo und damit um das Pendant des neuen ICE L. Im letzten Sonnenlicht gelangen mir zwei Bilder auf der Alsterbrücke, leider ohne die Lok:
Danach erwies es sich als Vorteil, dass die Strecke Hamburg–Berlin gerade generalsaniert wird. Dadurch können die EC (bzw. in Deutschland ECE) nämlich ihre gesamte Wendezeit von fast zwei Stunden auf Gleis 5 verbringen, so dass ich den neuen Zug ausgiebig begutachten konnte.
Auf dem Bild ist das Talgo-Prinzip sehr gut zu erkennen, nach dem sich immer zwei Wagen, die etwa die halbe Länge von konventionellen haben, ein Drehgestell teilen.
Die Steuerwagen wurden später bestellt, daher muss derzeit die Lok an den Endbahnhöfen noch umsetzen. So sehen die Drehgestelle von nahem aus:
Die Zielanzeige ist in die Tür integriert:
Nachdem die Reinigung abgeschlossen war, habe ich noch einen Blick ins Innere riskiert. Das wirkte auch recht angenehm. Leider gibt es, wie in Dänemark üblich, statt eines Speisewagens nur Snackautomaten.
Leider verpasste ich danach die Gelegenheit, auch die Toilette des neuen Zuges zu nutzen, denn der Metronom, mit dem ich zurückfuhr, hatte keine funktionierende. Zum Glück hielt ich es aber bis zu Hause aus und bin gespannt auf meine erste Mitfahrt mit dem neuen Zug.
Hineingerutscht bin ich wieder mit Freunden, diesmal in Augsburg. Da sich quasi direkt ein Wochenende anschloss, bot es sich an, nicht auf dem direkten Weg zurückzufahren. Nach einigem Überlegen beschloss ich, mir Eric aus dem ICE-Treff als Vorbild zu nehmen, der vor einer Weile die Luxemburger Nordstrecke inklusive der Zweigstrecke nach Wiltz befahren hatte. Da ich seit einiger Zeit meine wichtigsten Bahnfahrten bei → viaduct.world mitlogge, würde ich so vielleicht auf 100 % „Netzabdeckung“ kommen.
Die Hinfahrt nach Augsburg hatte vor allem drei Besonderheiten: Zum ersten sind beide ICE, die ich an diesem Tag benutze, als ICE-T geplant, werden aber kurzfristig durch ICE 2 ersetzt. Zum zweiten komme ich problemlos durch die Baustelle zwischen Neustadt am Rübenberge und Wunstorf. Da die S-Bahn auf diesem Abschnitt gar nicht verkehren konnte, war ich davon ausgegangen, dass die Strecke komplett gesperrt ist. Sie ist aber eingleisig weiterhin befahrbar. Zum dritten fährt der ICE ab Hannover ohne Halt die gesamte SFS bis Würzburg durch. Für diesen Zuglauf ist das wohl planmäßig, aber selber erlebt habe ich das noch nie. MA erreiche ich nach einer recht entspannten Reise mit etwa +10.
Unfreiwillig entspannt ist es am 2. Januar, als ich mich auf den Weg nach Luxemburg machen will: Der ursprünglich geplante ICE fällt zwischen München und Stuttgart aus. So kann ich aber immerhin noch etwas länger mit meinen Freunden frühstücken und fahre dann eine knappe Stunde später zum Hauptbahnhof. Keine ganze Stunde deswegen, weil der Folgetakt zu meinem Zug ab Ulm nicht über die SFS fährt, sondern über die Geislinger Steige. Die ist zwar immer wieder nett zu fahren, aber so muss die Erstbefahrung der neuen Strecke noch warten. Noch bevor wir Mannheim erreichen, fängt mein Magen an zu knurren, und mir fällt ein, dass ich gar keinen Proviant eingepackt habe. Die Schlange im Bordbistro ist zu lang, aber die Umstiegszeit reicht gerade, um sich noch am Automaten einzudecken.
Weiter geht es mit dem RE 1, der von Mannheim über Trier nach Koblenz und damit sozusagen einen Dreiviertelkreis durch Rheinland-Pfalz und das Saarland fährt. Wie Eric habe ich vor, in Merzig auszusteigen und von da mit dem 407er Bus zum Luxemburger Kirchberg zu fahren. Der ist ein wenig ein Geheimtipp, da ihn nur die Luxemburger Auskunft → mobiliteit.lu kennt, nicht aber die deutsche. Dafür gilt dort bis zur Grenze das Deutschlandticket, im Großherzogtum ist der öffentliche Nahverkehr sowieso seit 2020 kostenlos benutzbar.
Der Zug kommt pünktlich an, ich habe direkt Anschluss an den Bus, den auch die örtliche Anzeige verschweigt. Außer mir nutzen ihn nur drei andere Passagiere, aber ich bin ja auch an einem Brückentag gegen die Lastrichtung unterwegs. Der Bus nutzt ein Stück die Autobahn Richtung Luxemburg, fährt aber vor der Grenze wieder ab und überquert selbige auf der Landstraße bei Remich. Endstation ist am Busbahnhof auf dem Kirchberg, dem Geschäftszentrum der Landeshauptstadt und Ziel vieler Pendler. Davon sind um diese Zeit auch einige unterwegs. Auch der Bus, den ich ab hier nehme, ist recht gut gefüllt. Er fährt ins französische Thionville, ich verlasse ihn aber schon nach einer Station am Bahnhof Howald wieder und starte noch in Begleitung meines Koffers die erste Streckenbereisung: Es geht nach Noertzange, von wo ich die Strecke nach Rumelange befahren will. Hier fahren die Züge nur montags bis freitags, und erst seit dem Fahrplanwechsel den ganzen Tag über. Bei meiner Fahrt wird das neue Angebot noch nicht gut angenommen, auf dem Rückweg bin ich anscheinend sogar der einzige Fahrgast. Trotz der Fahrscheinfreiheit sind alle Züge begleitet. Ob sich der Zub wundert, dass ich gleich wieder zurück fahre, sehe ich ihm aber nicht an. Von Noertzange fahre ich wieder nach Howald und nehme von da die Straßenbahn zu meinem Hotel, das genau auf halbem Weg zum Hauptbahnhof von Luxemburg-Stadt liegt.
Im letzten Teil war ich endlich im namensgebenden Städtchen (6.600 Einwohner) angekommen und stehe nun früh auf, um den ersten der drei täglichen Züge auf der neuen Haparandabahn zu erreichen. Noch im Hostel bekomme ich eine SMS (ich hatte die gesamte Verbindung bis Stockholm über sj.se gebucht), dass der Zug durch ein Taxi ersetzt wird. Aus der Befahrung der Bahn wird also nichts, trotzdem mache ich mich natürlich auf den Weg zum Bahnhof. Dort warten schon etwas mehr als zehn Leute auf die Taxis. Das erste taucht auf und fährt gefüllt Richtung Boden (der Endstation des Zuges), danach passiert erst mal nichts. Irgendwann kommt noch ein zweites Taxi, und das Spiel wiederholt sich. In diesem Fall soll ein Platz freibleiben, weil in Kalix noch jemand einsteigen soll. Dann passiert ganz lange gar nichts, bis ich mitbekomme, dass eine Finnin, die mit mir wartet (und genausowenig Schwedisch spricht wie ich) auf Englisch mit dem Zugbetreiber Norrtåg telefoniert. Man gibt ihr dort die Auskunft, dass Taxis nur für die Fahrgäste bestellt waren, die den (nicht reservierungspflichtigen) Zug gebucht hatten. Dazu gehörte ich zwar, aber da das niemand wusste, galt „Wer zuerst kommt, …“. Ich starte selber einen Versuch, bei Norrtåg anzurufen, werde aber in eine endlose Warteschleife verwiesen.
Also schmiede ich Plan B: In Stockholm werde ich heute nicht mehr ankommen, aber wenn ich den Mittagszug nehme, habe ich in Boden Anschluss zum Nachtzug in die Hauptstadt. Der kommt dort gerade rechtzeitig an, dass ich den gebuchten X2000 nach Malmö noch erreiche. Und wenn nicht, war es zumindest einen Versuch wert. Ein Einzelabteil wie auf der Hinfahrt ist leider jetzt unbezahlbar, aber dank Interrail bekomme ich ein Bett im Dreierabteil für knapp 40 Euro. Mein Hotelzimmer in Stockholm kann ich zum Glück auch stornieren, so dass ich finanziell bei dieser Sache sogar mit einem Plus herausgehe. Kurioserweise bekomme ich dann auch noch eine kommentarlose Mail von den SJ, die mir aufgrund meiner ursprünglichen Buchung jetzt auch noch einen Sitzplatz im Nachtzug reserviert haben.
Nun kann ich wieder etwas entspannen und laufe samt Koffer zurück zum zentralen Platz. Dort sowie direkt nebenan in einem Kiosk und in der Lobby des Svefi verbringe ich die Zeit bis zum nächsten Zug. Inzwischen habe ich die Nachricht bekommen, dass der auch durch einen Bus ersetzt wird, aber darauf kommt es nun auch nicht mehr an.
Montag, 7. Juli 2025
Haparanda ab 14.27 Bus Boden C an 15.53 +ca. 30 Boden C ab 17.54 +ca. 20 D 91
Der Bus kommt rechtzeitig und hat auch genug Platz für alle. Die Fahrt über die Landstraße ist ereignislos. Wie der Zug nehmen wir den einzigen Zwischenhalt Kalix mit. Dort steige ich kurz aus, um die Toilette am Bahnhof zu nutzen, aber leider ist sie defekt. Also gehe ich dem Bedürfnis erst in Boden nach, das wir natürlich später als der Zug erreichen, aber immer noch rechtzeitig für meinen Anschluss. Der kommt aus dem nahegelegenen Luleå, wo ich auf meiner Reise 2010 Station gemacht habe. Auf der Strecke dorthin scheint es einen technischen Defekt zu geben, weswegen auch mein Zug Verspätung hat. Ob der Defekt auch der Grund für den Ausfall der Züge aus Haparanda war, weiß ich nicht. Als der Nachtzug schließlich kommt, muss er noch die Fahrtrichtung und damit die Stellung der Loks wechseln. Das nutze ich für einige Fotos.
Schlafwagen im Nachtzug Luleå–StockholmLiegewagen im Nachtzug Luleå–StockholmUnd da kommen endlich die Loks
In meinem Abteil habe ich das Bett ganz oben. Noch bin ich alleine, so dass ich erst mal am Fenster sitze und die (allerdings nicht sehr abwechslungsreiche) Landschaft genieße. Die Schaffnerin teilt mir bei der Kontrolle aber mit, dass am übernächsten Halt in Jörn noch jemand einsteigt. Das tut er dann auch tatsächlich, so dass ich mich auf meine Liege verziehe. Später, als wir schon mehr oder weniger schlafen, wird auch das dritte Bett noch belegt.
Dienstag, 8. Juli 2025
Etwa eine Stunde vor der Ankunft in Stockholm stehe ich auf. Das dritte Bett ist schon wieder frei, und mein Abteilgenosse aus Jörn schläft noch. Ich mache mich auf den Weg in den Bistrowagen. Leider ist diesmal kein Frühstück im Preis inbegriffen, so kaufe ich einen Joghurt und natürlich einen Kaffee. Da der Zug wie die meisten Nachtzüge einen ordentlichen Fahrplanpuffer hat, haben wir die Verspätung wieder herausgefahren und mein Anschluss ist nicht gefährdet.
Stockholm C an 7.01 Stockholm C ab 7.19 X2 523 Malmö C an 11.52
In Stockholm angekommen, muss ich praktischerweise in dem etwas unübersichtlichen Bahnhof nur auf den Nachbarbahnsteig wechseln. Von dort gelingt mir noch ein Bild vom Nachtzug mit der schwarzen Lok, die seit Boden vorne ist.
Nachtzug aus Luleå nach der Ankunft in Stockholm
Mein X2000 kommt pünktlich und ist gut gebucht. Auf der Fahrt schlafe ich etwas, gemessen an den Strapazen der bisherigen Fahrt aber erstaunlich wenig. Sonst passiert nichts Besonderes. In Malmö mache ich ein Bild von meinem Zug:
X2000 nach der Ankunft in Malmö
Spannenderweise war übrigens die DB-Auskunft auch an meinem Reisetag noch der Meinung, es gäbe noch einen X2000 eine Stunde später, mit dem ich in Kopenhagen denselben EC erreichen könnte. Die SJ-Auskunft kannte ihn gar nicht, auf der Anzeigetafel in Stockholm war er als Ausfall gekennzeichnet – ein Rätsel.
So habe ich nun noch ein wenig Zeit in Malmö, die ich – ihr habt es erraten – für Fotos nutze. Besonders angetan haben es mir die Doppelgelenkbusse, die mangels einer Straßenbahn hier unterwegs sind.
Doppelgelenkbus vor dem Hbf in Malmö
Um aber nicht auf den letzten Drücker in Kopenhagen zu sein, mache ich mich mit dem nächsten Öresundzug vom Tunnelbahnhof auf den Weg dorthin. Der Sinn von Zeitpuffern zeigt sich auch sofort: Nachdem der Zug abfahrbereit ist, geht ein Mitarbeiter durch und erklärt auf Schwedisch, dass die Fahrt aufgrund eines technischen Problems nun hier enden und der Zug daher geräumt werden müsse. Denen, die der Sprache nicht mächtig sind, dolmetschen es andere Fahrgäste, und so geht die Räumung entsprechend flott. Der nächste Zug fährt zwar nur eine Viertelstunde später, ist aber jetzt entsprechend voll.
Malmö C ab 12.20 RE 1067 København H an 12.57
In Kopenhagen habe ich noch genug Zeit, bei der dänischen Burgerkette in der Bahnhofshalle Mittag zu essen. Ein Hoch auf die Kreditkarte, mit der ich mal eben in dänischen Kronen bezahlen kann! Dann mache ich mich auf den Weg zum Bahnsteig, auf dem mein EC nach Hamburg abfahren soll.
København H ab 14.22 EC 397 Hamburg Hbf an 19.00
Mein automatisch zugewiesener Sitzplatz befindet sich in einem Abteil des alten IC-1-Wagens. Ich teile es mir mit einer dänischen Familie und lausche immer mal wieder, ob ich von dem Gespräch etwas verstehe, tue es aber praktisch nicht. Schon spannend, weil ich geschriebenes Dänisch relativ gut verstehe. Ansonsten vertreibe ich mir die Zeit mit Zeitunglesen und Aus-dem-Fenster-Gucken. Einiges kenne ich noch vom Flensburg-Urlaub im Mai, bei dem wir auch einen Ausflug nach Kolding gemacht haben. Höhepunkte im wahrsten Sinne des Wortes sind die Brücke über den Großen Belt und die Rendsburger Hochbrücke.
Hamburg erreichen wir, wenn ich mich recht erinnere, sogar einige Minuten vor Plan. Praktischerweise muss ich auch noch nicht einmal den Bahnsteig wechseln, um meinen Metronom nach Bremen zu erreichen. Sitzplätze gibt es dort auch noch massig, so dass ich die letzte Etappe der Reise entspannt angehen kann.
Hamburg Hbf ab 19.15 RE 82035 Bremen Hbf an 20.24
Auch Bremen erreichen wir pünktlich. Ich gehe noch schnell im Rewe gegenüber vom Bahnhof einkaufen, und meine Freundin geht mir entgegen, so dass wir ein Stück meines Heimwegs zusammen gehen können. Zu Hause angekommen, überkommt mich wenig überraschend bald die Müdigkeit.
Fazit
Die wichtigste Frage: Führt der schönste Weg nach Finnland jetzt wirklich über Haparanda? Ich finde, dass beide Wege ihren Reiz haben. Auf dem Hinweg fand ich vor allem die Schären bezaubernd, auf dem Rückweg die Grenzlage von Haparanda und die Bahnanlagen, die ein wenig wie ein „Lost Place“ wirkten (aber hoffentlich nicht mehr lange). Und von der nordischen Landschaft gibt es auf beiden Wegen genug zu sehen, um auch mal nicht aus dem Fenster zu gucken.
Da ich übrigens diesmal Interrail in der App genutzt habe (es gab eine Online-Rabattaktion, aber der Papierpass hätte extra gekostet), habe ich als Nebeneffekt eine schöne Karte als Erinnerung an meine Reise. Man sieht, dass ich den ganzen Bottnischen Meerbusen umrundet habe (und dass Interrail der irrigen Meinung ist, ich sei von Turku Hafen nach Turku über Karjaa gefahren).
Meine Finnland-Reise 2025 auf einen Blick
Meine Verspätung reiche ich im Nachgang bei Interrail ein. Allein den Wert von 624 Minuten in das Formular einzutragen, war es das Ganze schon wert, aber ich bekomme auch noch 24 Euro erstattet. So bleiben die (überwiegend guten) Erlebnisse nicht der einzige Gewinn der Reise.
Nach drei erlebnisreichen Tagen in Rovaniemi trete ich am Sonntagmittag den Rückweg an. Die erste Etappe führt mich nicht allzu weit nach Haparanda, das diesem Reisebericht den Namen gegeben hat. Daher muss ich auch erst mittags los und kann vorher noch einen kleinen Spaziergang durch Rovaniemi machen. Dabei komme ich natürlich auch am Busbahnhof vorbei, wo ich einen Fernbus der Firma OnniBus (onni=„Glück“) sehe.
OnniBus am Busbahnhof von Rovaniemi
Die zentrale Haltestelle für die Stadtbusse ist dagegen wieder etwas stadteinwärts. Trotz des eher spärlichen Verkehrs am Sonntagvormittag gelingen mir auch hier zwei Aufnahmen. Eine Zielangabe „Santa Claus Village – Napapiiri (=Polarkreis)“ hat auch nicht jede Stadt zu bieten :-).
Stadtbus in Rovaniemi mit Zielangabe „Polarkreis“Stadtbus in Rovaniemi
Dann hole ich meinen Koffer aus dem Hotel. Da ein Stadtbus zum Bahnhof passend fährt, nehme ich den. Beim Aussteigen merke ich, dass meine Sonnenbrille noch am Platz liegt, kann sie aber noch holen. Dafür fällt mir wenig später im Zug ein, dass ich mein Saunatuch im Hotelzimmer vergessen habe – zum Zurücklaufen zu spät und zum Nachsenden zu teuer.
Sonntag, 6. Juli 2025
Rovaniemi ab 13.02 IC 34
Kemi an 14.20
Bahnhofsszene in Rovaniemi: rechts mein IC Richtung Helsinki
Den Zug nehme ich bis Kemi. Von dort bis Tornio an der schwedischen Grenze gibt es zwar eine Bahnstrecke, sie wird jedoch nur noch viermal pro Woche (im Winter täglich) vom Nachtzug nach Kolari befahren. Also steige ich in den Bus um, der direkt gegenüber vom Bahnhof am sehr verschlafenen Busbahnhof abfährt. Es handelt sich um einen Kleinbus, von dem ich leider kein Foto mache. Fünfzehn Jahre vorher bin ich noch mit dem legendären Volvo der inzwischen insolventen Gebrüder Salmela gefahren:
Volvo-Bus der Gebrüder Salmela im Jahr 2010 in Tornio
Kemi ab 15.00
TornioHaparanda Matkakeskus an 15.40
Der Bus fährt nicht über die Autobahn, sondern bedient die kleinen Dörfer unterwegs. Tornio und Haparanda sind Zwillingsstädte mit einer Staats- und Zeitzonengrenze dazwischen. 2010 hatten sie noch getrennte Busbahnhöfe, zwischen denen man unter Umständen laufen musste. Inzwischen gibt es einen gemeinsamen, direkt auf der schwedischen Seite der Grenze und neben dem nördlichsten Ikea der Welt. Tornio sehe ich daher nur aus dem Bus und mache mich direkt auf den Weg zu meiner Unterkunft in Haparanda. Deren Name „Svefi“ bezieht sich nicht, wie ich erst denke, auf die Lage an der Grenze zwischen den beiden Ländern, sondern auf die Gemeinschaft der Schwedenfinnen, an deren Kulturzentrum das Hostel angeschlossen ist. Auf dem Weg kommt mir eine ältere Frau entgegen, die mich fragt: „Kommer du från busstationen?“ Mein Schwedisch reicht gerade noch, um das zu bejahen, bei der nächsten Frage muss ich aber passen. Zum Glück können wir aber problemlos ins Englische wechseln.
Nach dem komplett kontaktlosen Einchecken (da die Rezeption bereits geschlossen hat) esse ich erst in einem asiatischen Buffetrestaurant im alten Busbahnhof und mache dann einen Rundgang durch Haparanda.
Wegweiser am zentralen Platz in Haparanda. Die Aufschriften sind gemischt schwedisch und finnisch, auf der anderen Seite genau umgekehrt: „Du bist hier“ – „Kirche“ – „Finnland“ – „Lebensqualität“ – „Stadthotel“ – „Mitternachtssonne“ – „Seskarö“ – „Strand“ – „Svefi“ – „Abenteuergolf“ – „Ausflugsboote“
Die Grenze zu Finnland liegt im Fluß Torneälv/Tornionjoki bzw. einem Seitenarm davon. Für Fußgänger gibt es diese hübsche Grenzbrücke:
Fußgänger-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio
Auch der Straßenverkehr hat eine schicke Markierung auf seiner Brücke:
Straßen-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio
Am Torneälv entlang laufe ich Richtung Süden und höre dabei in der Ferne Kommandos über Lautsprecher. Ich denke erst an eine Sportveranstaltung. Als ich näher komme, sehe ich aber etwas viel Interessanteres: Am Ufer stehen eine Menge Autos. In denen sitzen Leute mit Bingokarten, und die Zahlen werden auf Schwedisch und Finnisch über den Lautsprecher bekanntgegeben. Auch eine Art, sich die Zeit zu vertreiben.
Solche von Monty Python inspirierten Schilder stehen entlang des Uferwegs
Mir dagegen hat es besonders die Grenzbrücke der Eisenbahn angetan, die die letzte Brücke über den Torneälv vor dessen Mündung in die Ostsee ist. Sie ist die einzige Verbindung zwischen dem schwedischen Normalspur- und dem finnischen Breitspurnetz, wird aber seit 1992 nur noch im Güterverkehr befahren.
Eisenbahn-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio
Auf der Südseite der Brücke führt eine Treppe zu einem alten Bunker und an die Bahnstrecke heran. Die Strecke wird momentan ertüchtigt und elektrifiziert und ist daher ab hier gesperrt. Gut erkennbar ist auch das Vierschienengleis, das Fahrten für Züge beider Spurweiten möglich macht.
Sperrtafel und Vierschienengleis an der Grenzbrücke
Dann schaue ich mich noch ein wenig am Bahnhof um. Zumindest für die heutige Bedeutung ist das Bahnhofsgebäude arg überdimensioniert:
Bahnhofsgebäude von Haparanda
Vor dem Zugang zum Bahnhof stehen zwei Anzeigetafeln. Die eine zeigt die Züge Richtung Schweden, die andere ist anscheinend schon in der freudigen Erwartung aufgestellt, dass bald wieder Personenzüge nach Finnland fahren:
Anzeigetafeln am Bahnhof in Haparanda
Anschließend mache ich mich auf den Weg ins Zimmer, wo ich noch ein Telefonat erledige und mich bald auf den Weg ins Bett mache, denn am nächsten Morgen fährt mein Zug schon um 7:12 Uhr.
Im zweiten Teil hatte ich mich im Nachtzug von Turku nach Rovaniemi schlafen gelegt. Mehr oder weniger ausgeschlafen wache ich am nächsten Morgen irgendwo bei Kemi auf, also bereits in Lappland. Draußen sieht es ungefähr so aus:
Blick aus dem Zugfenster hinter Kemi
Das Frühstück ist hier nicht inbegriffen, aber trotzdem gehe ich in den Restaurantwagen und kaufe mir dort einen Cappuccino und eine pulla, die finnische Bezeichnung für Gebäckteilchen. Bald ist Muurola erreicht, der letzte Halt vor der Endstation des Zuges …
Bahnhof Muurola
… und schließlich erreichen wir pünktlich die Endstation Rovaniemi. Weiter ginge es nur einmal täglich mit dem frühen Nachtzug nach Kemijärvi.
Ankunft in Rovaniemi im Juli 2025
Zum Vergleich ein Bild von meiner Ankunft im April 2016:
Ankunft in Rovaniemi im April 2016
Ich mache mich zu Fuß auf den Weg ins Hotel und checke ein. Mein Zimmer ist zum Glück schon fertig, also ruhe ich mich kurz aus und gehe dann in die Stadt, um unter anderem ein neues Netzteil für mein Handy zu kaufen.
Die Tage in Rovaniemi verbringe ich nicht allein, sondern bin mit ein paar Bekannten verabredet, die teilweise dort wohnen, teilweise auch zu Besuch sind. Mit ihnen gehe ich am ersten Abend etwas trinken. Eine Sauna gibt es dort auch, aber für Finnland ganz untypisch braucht man Badebekleidung, die ich nicht mithabe.
Bei den Temperaturen hätte sich die Sauna durchaus gelohnt … Nach meiner Abreise erfasste eine Hitzewelle den hohen Norden.
Am nächsten Tag wollen wir draußen etwas unternehmen, aber wegen Dauerregens verlegen wir uns auf Bowling. Abends gibt es dann wieder Essen im Restaurant. Die anderen gehen noch zum Santa-Rock-Musikfestival, das mich aber nicht so reizt.
Am Samstag ist dann volles Programm: Zuerst treffen wir uns im Kulturzentrum Korundi in einem alten Busdepot. Dort läuft gerade die Sápmi-Triennale, benannt nach dem Siedlungsgebiet der indigenen Sami.
Sami-Kunst im Korundi I
Sami-Kunst im Korundi II
Sami-Kunst im Korundi III (schwedischer Text: „Die Wirklichkeit in der nördlichen Kolonie – Wie ihr denkt, dass es ist“)
In der Dauerausstellung kann man seinen größten Wunsch auf einen Klebezettel schreiben und auf eine Wand kleben. Bei den meisten reicht mein spärliches Finnisch zum Verständnis aus – Kinder wünschen sich meistens ein Haustier (vom Häschen bis zum Rentier) und Erwachsene Frieden und Gesundheit.
Wünschewand im Korundi
Ein Bahnhofsrätsel gibt es auch (wobei beim Originalbild der Zugzielanzeiger ganz rechts in der Ecke besser erkennbar ist und einen Hinweis gibt).
Bahnhofsrätsel im KorundiDas Korundi von außen: Der ursprüngliche Zweck des Gebäudes ist noch erkennbar
Nach einer kurzen Mittagspause geht es weiter ins nächste Museum, das Arktikum. Wie der Name schon sagt, gibt es hier diverse Ausstellungen über die Arktis: zum einen über die bedrohte Natur, zum anderen aber auch über die Geschichte Finnisch-Lapplands. Dazu gehört auch die Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht im Laufe des 2. Weltkriegs. Nicht zuletzt hat das Gebäude aber auch eine beeindruckende Architektur, die bei Sonnenschein wie heute besonders gut zur Geltung kommt:
Im Arktikum I
Im Arktikum II
Außerdem lerne ich, dass Finnisch viele Wörter für Schnee hat …
100 finnische Wörter für Schnee im Arktikum
… und kann Ausdrücke in verschiedenen Sprachen der Arktis vergleichen und dabei die Verwandtschaft von Finnisch und Samisch gut erkennen.
Sprachen der Arktis: hier beispielhaft ein Vergleich zwischen Finnisch, Nordsamisch, Inuktut und Nenzisch, rechts die Bedeutung der Ausdrücke auf Englisch.Wenn es schon aus dem Zug nicht geklappt hat, wenigstens aus dem Arktikum ein Foto von einem Elch
Höhepunkt des Tages ist die große Mitternachtssonnen-Party bei einem Mitglied unserer Gruppe, das etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt an einem See wohnt. Dort fahren wir mit einem Großraumtaxi hin, das natürlich vorher noch an einem Supermarkt hält, damit wir uns mit (niedrigprozentigen) alkoholischen Getränken eindecken können (die anderen gibt es nur in Spezialgeschäften). Der Ort für die Feier ist mehr als idyllisch:
Die Location für die Mitternachtssonnen-Party I
Die Location für die Mitternachtssonnen-Party II
Und es kann passieren, dass mal eben so ein Rentier im Garten vorbei schaut.
Rentier im (zugegebenermaßen eher waldartigen) Garten unseres Gastgebers
Vor der finnischen Grillwurst (die eher nicht so mein Fall ist) gibt es selbstverständlich einen Saunabesuch. Diesmal nach finnischer Sitte ohne Badeklamotten und mit Birkenzweigen, dafür aber geschlechtergetrennt. Zwischen den Saunagängen wird selbstverständlich im See gebadet (von mir allerdings nur sehr kurz …) und vor der Saunahütte der Durst gelöscht. Nachdem wir dabei nach ein paar Minuten völlig zerstochen sind, wechseln wir lieber nach drinnen.
Damit unser (nicht mehr ganz junger) Gastgeber noch aufräumen kann, ist das Taxi für die Rückfahrt schon für 23 Uhr bestellt. Zurück in Rovaniemi geht jeder seiner Wege, so dass ich noch mal alleine losziehe und nun aber wirklich die Mitternachtssonne bewundere, die ich in den letzten Tagen im Hotel einfach ausgesperrt habe.
Die Mitternachtssonne am Ounasjoki in Rovaniemi
Aufgrund von Sommer- und Zonenzeit ist der Tiefststand der Sonne sogar erst nach 1 Uhr nachts. Zwei aus meiner Gruppe wandern noch extra auf einen Berg, um ihn zu bewundern. Das fand ich dann doch zu anstrengend, so dass ich mich mit einem Beweisfoto auf dem zentralen Platz der Stadt begnüge und anschließend die Vorhänge im Hotelzimmer zuziehe.
Hier hattet ihr mich auf den Spuren des Films „Zugvögel“ von Bremen bis auf das Schiff nach Turku begleitet.
Mittwoch, 2. Juli 2025
Turku an 07.30
Die Zeitverschiebung zwischen Schweden und Finnland ist ja auch ein Thema im Film, wo ein Treffen zwischen Sirpa und Hannes daran scheitert. Bei mir führt sie dazu, dass sich mein Handy nachts umstellt und mich der Wecker daher eine Stunde zu früh weckt. Das war nicht völlig überraschend, aber wenn ich mich darauf verlassen hätte, hätte es wahrscheinlich nicht funktioniert. Und ich kann auch problemlos wieder einschlafen.
Draußen beginnt der neue Tag, wie der alte aufgehört hat, nämlich mit Schären. Überhaupt gibt es auf der Route von Stockholm nach Turku, bei der auch noch die Åland-Inseln dazwischen liegen (und für die zollfreie Einkaufsmöglichkeit sorgen), nur wenig offenes Meer.
Schären kurz vor Turku
In Turku angekommen, will ich mich nicht mit den anderen Passagieren in den Stadtbus quetschen und laufe daher zum Hafenbahnhof, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist und zu den Schiffszeiten passende Abfahrten hat. Am Bahnsteig stehen zwei Züge bereit: ein langer nach Tampere und ein kurzer. Der fährt normalerweise nach Helsinki, wegen Bauarbeiten heute aber nur bis Karjaa. Da er etwas eher fährt, aktiviere ich mein Interrail und steige ein. Die Interrail-App ist im Gegensatz zur VR-Website der Meinung, dass der Zug in Turku nur zum Einstieg hält, und schickt mich daher über Karjaa, was aber tariflich keinen Unterschied macht.
Der Zug nebenan nach Tampere hat vorne nur einen „nackten“ Wagenübergang, und ich frage mich, wie er so fahren will, da es am Hafenbahnhof auch keine Umsetzmöglichkeit gibt.
Intercity nach Tampere am Hafenbahnhof von Turku
Nachdem ich die kurze Strecke zum Stadtbahnhof gefahren bin, kommt der Zug nach Tampere kurz danach angefahren – immer noch mit dem Wagenübergang vorne.
Ich stelle mit Schrecken fest, dass es am Bahnhof keine Gepäckschließfächer gibt. Eine kurze Netzrecherche ergibt aber, dass es im Einkaufszentrum Hansakortteli am Marktplatz welche gibt und mache mich zu Fuß auf den Weg dorthin. Eigentlich ist es nicht weit, aber auf dem direkten Weg ist ein ordentlicher Hügel zu überwinden, den ich bestmöglich umgehe. Dann schließe ich meinen Koffer ein, setze mich erst mal in ein Café auf dem Marktplatz und frühstücke.
Dann mache ich mich auf den Weg, die älteste Stadt und ehemalige Hauptstadt Finnlands zu erkunden. Helsinki hat diesen Titel 1812 nur bekommen, weil Finnland damals zu Russland gehörte und Turku dem Zaren zu weit weg war. Der Plan, Helsinki dann auch gleich nach dem Herrscher in Alexandria umzubenennen, wurde allerdings nicht umgesetzt. Der Dom von Turku ist heute noch das geistliche Zentrum der finnischen evangelischen Landeskirche.
Der Dom von Turku
Von außen sieht er eher bescheiden aus, von innen nicht ganz so.
Innenansicht des Doms von Turku
Sonst gibt es nicht viel alte Bausubstanz, seit ein Feuer 1827 in der Stadt wütete (und die Vormachtstellung von Helsinki weiter zementierte). Die einzige erhaltene Straße ist heute ein Freilichtmuseum etwas außerhalb des Zentrums, zu dem ich mich aber nicht aufmache. Stattdessen statte ich der Markthalle einen Besuch ab.
In der Markthalle von Turku
Auch ohne Sprachkenntnisse ist recht deutlich, was dort verboten ist:
Verbotsschild in der Markthalle von Turku
In der Markthalle gibt es einen „blauen Zug“, einen langen Raum mit Sitzen, auf denen man sein Essen essen kann:
Sininen juna (Blauer Zug) in der Markthalle von Turku
Und so sieht die Markthalle von außen aus:
Die Turkuer Markthalle von außen
Einen Marktplatz gibt es wie gesagt auch. Wahrscheinlich ist der finnische Name der Stadt sogar mit dem Wort tori für (Markt-)Platz verwandt. Mich erinnert er sehr an den Marktplatz von Kuopio, wo ich 2013 war. Am Marktplatz esse ich auch in einem der für Finnland recht typischen günstigen Buffetrestaurants zu Mittag, und zwar einem sehr guten koreanischen.
Der Marktplatz von Turku
Als letzter Rest der 1972 stillgelegten Straßenbahn dient ein Wagen heute als Eiskiosk. Es gibt aber Pläne, wieder einen Betrieb einzurichten.
Alter Straßenbahnwagen als Eiskiosk auf dem Turkuer Marktplatz
Der öffentliche Nahverkehr wird momentan vollständig von Bussen übernommen, die unter dem Namen „Föli“ laufen. Das Wort kommt aus dem Turkuer Dialekt, in dem fölissä so viel wie „an Bord“ bedeutet. Im Standardfinnischen gibt es interessanterweise überhaupt kein f.
Föli-Bus am Turkuer Marktplatz
Mit einem Föli-Bus fahre ich noch mal zum Hafen, wo sich auch die Burg befindet, der ich einen kurzen Besuch abstatte.
Die Burg von TurkuIm Burghof von Turku
Sehr nett ist es in Turku auch am Fluss, der den schönen Namen Aurajoki trägt (joki heißt einfach „Fluss“).
Am Aurajoki in TurkuAm Aurajoki in Turku (Åbo ist der schwedische Name der Stadt)
Den Rest der Zeit verbringe ich zeitunglesend auf einer Parkbank in der Nähe des Flusses. Es ist trocken, meistens sonnig und noch ein paar Grad kühler als gestern in Stockholm – also bestes Wetter, um draußen Zeit totzuschlagen.
Zum Bahnhof mache ich mich dann aber doch sehr früh auf. Ich hole meinen Koffer aus dem Schließfach und fahre diesmal mit dem Bus. Den Bahnhof liegt noch in den letzten Zügen eines Umbaus, bei dem man leider auch das Bahnhofsgebäude eingespart hat. Als Warteraum dient jetzt eine Ecke in einem ehemaligen Betriebswerk, das sonst zum Kulturzentrum umfunktioniert wurde. Immerhin hat es dadurch auch Gastronomie, bei der man sich vor der Reise noch eindecken kann.
Warteraum am Bahnhof TurkuDer Bahnhof von Turku
Die Schlafwagen für meinen Nachtzug stehen noch in der Abstellung:
Schlafwagen für den Nachtzug nach Rovaniemi am Bahnhof in Turku
Die Sitzwagen kommen etwa eine halbe Stunde vor der Abfahrt als Intercity von Hafen an, dann werden die Schlafwagen angekuppelt. Autotransportwagen gibt es auch, sie laufen ganz an der Spitze mit.
Die Schlafwagen für den Nachtzug nach Rovaniemi werden angekuppelt
Autotransportwagen mit etwas hypnotisch guckendem RentierDen Schlafwagen ziert dagegen natürlich eine Eule …… und ein Weihnachtsmann (finnischer Text etwa: „Offizielles Bahnunternehmen des Weihnachtsmanns“)
Das Innere meines Abteils sieht noch genauso aus wie 2016, als ich schon mal gen Norden gefahren bin. Daher zeige ich noch mal die Fotos von damals:
VR-Schlafabteil von innen
Badezimmer eines VR-Schlafabteils
Dusche eines VR-Schlafabteils
Turku ab 21.08 PYO 933
Dann fährt der Zug los. Bald hinter Turku sehe ich zwei Elche vor dem Zug fliehen, natürlich zu schnell und plötzlich für ein Foto. Ebenfalls plötzlich klopft es an der Tür: Fahrkartenkontrolle. Ich habe schlauerweise mein Handy zum Laden an die Steckdose neben der Tür (und nicht an die am Bett) angeschlossen. Als ich jetzt die Tür aufmache, denke ich daran nicht mehr und schrotte prompt das Netzteil. Jetzt muss ich ein wenig mit dem Akku haushalten. Aber da es ja draußen hell ist, kann ich prima auf dem Klappsitz am Fenster sitzen und die Landschaft beobachten. Das mache ich bis Tampere, wo der Zug interessanterweise vier Stunden Aufenthalt hat. Wenn man will (so schlägt es auch die Interrail-App vor), kann man hier umsteigen und schon morgens um sieben in Rovaniemi sein. Als Langschläfer, der zudem keinen Termin hat, lehne ich das entschieden ab, bleibe im Zug und lege mich schlafen.