Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 8–9/9)

Im letzten Teil war ich endlich im namensgebenden Städtchen (6.600 Einwohner) angekommen und stehe nun früh auf, um den ersten der drei täglichen Züge auf der neuen Haparandabahn zu erreichen. Noch im Hostel bekomme ich eine SMS (ich hatte die gesamte Verbindung bis Stockholm über sj.se gebucht), dass der Zug durch ein Taxi ersetzt wird. Aus der Befahrung der Bahn wird also nichts, trotzdem mache ich mich natürlich auf den Weg zum Bahnhof. Dort warten schon etwas mehr als zehn Leute auf die Taxis. Das erste taucht auf und fährt gefüllt Richtung Boden (der Endstation des Zuges), danach passiert erst mal nichts. Irgendwann kommt noch ein zweites Taxi, und das Spiel wiederholt sich. In diesem Fall soll ein Platz freibleiben, weil in Kalix noch jemand einsteigen soll. Dann passiert ganz lange gar nichts, bis ich mitbekomme, dass eine Finnin, die mit mir wartet (und genausowenig Schwedisch spricht wie ich) auf Englisch mit dem Zugbetreiber Norrtåg telefoniert. Man gibt ihr dort die Auskunft, dass Taxis nur für die Fahrgäste bestellt waren, die den (nicht reservierungspflichtigen) Zug gebucht hatten. Dazu gehörte ich zwar, aber da das niemand wusste, galt „Wer zuerst kommt, …“. Ich starte selber einen Versuch, bei Norrtåg anzurufen, werde aber in eine endlose Warteschleife verwiesen.

Also schmiede ich Plan B: In Stockholm werde ich heute nicht mehr ankommen, aber wenn ich den Mittagszug nehme, habe ich in Boden Anschluss zum Nachtzug in die Hauptstadt. Der kommt dort gerade rechtzeitig an, dass ich den gebuchten X2000 nach Malmö noch erreiche. Und wenn nicht, war es zumindest einen Versuch wert. Ein Einzelabteil wie auf der Hinfahrt ist leider jetzt unbezahlbar, aber dank Interrail bekomme ich ein Bett im Dreierabteil für knapp 40 Euro. Mein Hotelzimmer in Stockholm kann ich zum Glück auch stornieren, so dass ich finanziell bei dieser Sache sogar mit einem Plus herausgehe. Kurioserweise bekomme ich dann auch noch eine kommentarlose Mail von den SJ, die mir aufgrund meiner ursprünglichen Buchung jetzt auch noch einen Sitzplatz im Nachtzug reserviert haben.

Nun kann ich wieder etwas entspannen und laufe samt Koffer zurück zum zentralen Platz. Dort sowie direkt nebenan in einem Kiosk und in der Lobby des Svefi verbringe ich die Zeit bis zum nächsten Zug. Inzwischen habe ich die Nachricht bekommen, dass der auch durch einen Bus ersetzt wird, aber darauf kommt es nun auch nicht mehr an.

Montag,  7. Juli 2025

Haparanda ab 14.27 Bus
Boden C an 15.53 +ca. 30
Boden C ab 17.54 +ca. 20 D 91

Der Bus kommt rechtzeitig und hat auch genug Platz für alle. Die Fahrt über die Landstraße ist ereignislos. Wie der Zug nehmen wir den einzigen Zwischenhalt Kalix mit. Dort steige ich kurz aus, um die Toilette am Bahnhof zu nutzen, aber leider ist sie defekt. Also gehe ich dem Bedürfnis erst in Boden nach, das wir natürlich später als der Zug erreichen, aber immer noch rechtzeitig für meinen Anschluss. Der kommt aus dem nahegelegenen Luleå, wo ich auf meiner Reise 2010 Station gemacht habe. Auf der Strecke dorthin scheint es einen technischen Defekt zu geben, weswegen auch mein Zug Verspätung hat. Ob der Defekt auch der Grund für den Ausfall der Züge aus Haparanda war, weiß ich nicht. Als der Nachtzug schließlich kommt, muss er noch die Fahrtrichtung und damit die Stellung der Loks wechseln. Das nutze ich für einige Fotos.

Schlafwagen im Nachtzug Luleå–Stockholm
Liegewagen im Nachtzug Luleå–Stockholm
Und da kommen endlich die Loks

In meinem Abteil habe ich das Bett ganz oben. Noch bin ich alleine, so dass ich erst mal am Fenster sitze und die (allerdings nicht sehr abwechslungsreiche) Landschaft genieße. Die Schaffnerin teilt mir bei der Kontrolle aber mit, dass am übernächsten Halt in Jörn noch jemand einsteigt. Das tut er dann auch tatsächlich, so dass ich mich auf meine Liege verziehe. Später, als wir schon mehr oder weniger schlafen, wird auch das dritte Bett noch belegt.

Dienstag,  8. Juli 2025

Etwa eine Stunde vor der Ankunft in Stockholm stehe ich auf. Das dritte Bett ist schon wieder frei, und mein Abteilgenosse aus Jörn schläft noch. Ich mache mich auf den Weg in den Bistrowagen. Leider ist diesmal kein Frühstück im Preis inbegriffen, so kaufe ich einen Joghurt und natürlich einen Kaffee. Da der Zug wie die meisten Nachtzüge einen ordentlichen Fahrplanpuffer hat, haben wir die Verspätung wieder herausgefahren und mein Anschluss ist nicht gefährdet.

Stockholm C an  7.01
Stockholm C ab 7.19 X2 523
Malmö C an 11.52

In Stockholm angekommen, muss ich praktischerweise in dem etwas unübersichtlichen Bahnhof nur auf den Nachbarbahnsteig wechseln. Von dort gelingt mir noch ein Bild vom Nachtzug mit der schwarzen Lok, die seit Boden vorne ist.

Nachtzug aus Luleå nach der Ankunft in Stockholm

Mein X2000 kommt pünktlich und ist gut gebucht. Auf der Fahrt schlafe ich etwas, gemessen an den Strapazen der bisherigen Fahrt aber erstaunlich wenig. Sonst passiert nichts Besonderes. In Malmö mache ich ein Bild von meinem Zug:

X2000 nach der Ankunft in Malmö

Spannenderweise war übrigens die DB-Auskunft auch an meinem Reisetag noch der Meinung, es gäbe noch einen X2000 eine Stunde später, mit dem ich in Kopenhagen denselben EC erreichen könnte. Die SJ-Auskunft kannte ihn gar nicht, auf der Anzeigetafel in Stockholm war er als Ausfall gekennzeichnet – ein Rätsel.

So habe ich nun noch ein wenig Zeit in Malmö, die ich – ihr habt es erraten – für Fotos nutze. Besonders angetan haben es mir die Doppelgelenkbusse, die mangels einer Straßenbahn hier unterwegs sind.

Doppelgelenkbus vor dem Hbf in Malmö

Um aber nicht auf den letzten Drücker in Kopenhagen zu sein, mache ich mich mit dem nächsten Öresundzug vom Tunnelbahnhof auf den Weg dorthin. Der Sinn von Zeitpuffern zeigt sich auch sofort: Nachdem der Zug abfahrbereit ist, geht ein Mitarbeiter durch und erklärt auf Schwedisch, dass die Fahrt aufgrund eines technischen Problems nun hier enden und der Zug daher geräumt werden müsse. Denen, die der Sprache nicht mächtig sind, dolmetschen es andere Fahrgäste, und so geht die Räumung entsprechend flott. Der nächste Zug fährt zwar nur eine Viertelstunde später, ist aber jetzt entsprechend voll.

Malmö C     ab 12.20 RE 1067
København H an 12.57

In Kopenhagen habe ich noch genug Zeit, bei der dänischen Burgerkette in der Bahnhofshalle Mittag zu essen. Ein Hoch auf die Kreditkarte, mit der ich mal eben in dänischen Kronen bezahlen kann! Dann mache ich mich auf den Weg zum Bahnsteig, auf dem mein EC nach Hamburg abfahren soll.

København H ab 14.22 EC 397
Hamburg Hbf an 19.00

Mein automatisch zugewiesener Sitzplatz befindet sich in einem Abteil des alten IC-1-Wagens. Ich teile es mir mit einer dänischen Familie und lausche immer mal wieder, ob ich von dem Gespräch etwas verstehe, tue es aber praktisch nicht. Schon spannend, weil ich geschriebenes Dänisch relativ gut verstehe. Ansonsten vertreibe ich mir die Zeit mit Zeitunglesen und Aus-dem-Fenster-Gucken. Einiges kenne ich noch vom Flensburg-Urlaub im Mai, bei dem wir auch einen Ausflug nach Kolding gemacht haben. Höhepunkte im wahrsten Sinne des Wortes sind die Brücke über den Großen Belt und die Rendsburger Hochbrücke.

Hamburg erreichen wir, wenn ich mich recht erinnere, sogar einige Minuten vor Plan. Praktischerweise muss ich auch noch nicht einmal den Bahnsteig wechseln, um meinen Metronom nach Bremen zu erreichen. Sitzplätze gibt es dort auch noch massig, so dass ich die letzte Etappe der Reise entspannt angehen kann.

Hamburg Hbf ab 19.15 RE 82035
Bremen Hbf an 20.24

Auch Bremen erreichen wir pünktlich. Ich gehe noch schnell im Rewe gegenüber vom Bahnhof einkaufen, und meine Freundin geht mir entgegen, so dass wir ein Stück meines Heimwegs zusammen gehen können. Zu Hause angekommen, überkommt mich wenig überraschend bald die Müdigkeit.

Fazit

Die wichtigste Frage: Führt der schönste Weg nach Finnland jetzt wirklich über Haparanda? Ich finde, dass beide Wege ihren Reiz haben. Auf dem Hinweg fand ich vor allem die Schären bezaubernd, auf dem Rückweg die Grenzlage von Haparanda und die Bahnanlagen, die ein wenig wie ein „Lost Place“ wirkten (aber hoffentlich nicht mehr lange). Und von der nordischen Landschaft gibt es auf beiden Wegen genug zu sehen, um auch mal nicht aus dem Fenster zu gucken.

Da ich übrigens diesmal Interrail in der App genutzt habe (es gab eine Online-Rabattaktion, aber der Papierpass hätte extra gekostet), habe ich als Nebeneffekt eine schöne Karte als Erinnerung an meine Reise. Man sieht, dass ich den ganzen Bottnischen Meerbusen umrundet habe (und dass Interrail der irrigen Meinung ist, ich sei von Turku Hafen nach Turku über Karjaa gefahren).

Meine Finnland-Reise 2025 auf einen Blick

Meine Verspätung reiche ich im Nachgang bei Interrail ein. Allein den Wert von 624 Minuten in das Formular einzutragen, war es das Ganze schon wert, aber ich bekomme auch noch 24 Euro erstattet. So bleiben die (überwiegend guten) Erlebnisse nicht der einzige Gewinn der Reise.

Ende

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 7/9)

Nach drei erlebnisreichen Tagen in Rovaniemi trete ich am Sonntagmittag den Rückweg an. Die erste Etappe führt mich nicht allzu weit nach Haparanda, das diesem Reisebericht den Namen gegeben hat. Daher muss ich auch erst mittags los und kann vorher noch einen kleinen Spaziergang durch Rovaniemi machen. Dabei komme ich natürlich auch am Busbahnhof vorbei, wo ich einen Fernbus der Firma OnniBus (onni=„Glück“) sehe.

OnniBus am Busbahnhof von Rovaniemi

Die zentrale Haltestelle für die Stadtbusse ist dagegen wieder etwas stadteinwärts. Trotz des eher spärlichen Verkehrs am Sonntagvormittag gelingen mir auch hier zwei Aufnahmen. Eine Zielangabe „Santa Claus Village – Napapiiri (=Polarkreis)“ hat auch nicht jede Stadt zu bieten :-).

Stadtbus in Rovaniemi mit Zielangabe „Polarkreis“
Stadtbus in Rovaniemi

Dann hole ich meinen Koffer aus dem Hotel. Da ein Stadtbus zum Bahnhof passend fährt, nehme ich den. Beim Aussteigen merke ich, dass meine Sonnenbrille noch am Platz liegt, kann sie aber noch holen. Dafür fällt mir wenig später im Zug ein, dass ich mein Saunatuch im Hotelzimmer vergessen habe – zum Zurücklaufen zu spät und zum Nachsenden zu teuer.

Sonntag,  6. Juli 2025
Rovaniemi ab 13.02 IC 34 Kemi an 14.20
Bahnhofsszene in Rovaniemi: rechts mein IC Richtung Helsinki

Den Zug nehme ich bis Kemi. Von dort bis Tornio an der schwedischen Grenze gibt es zwar eine Bahnstrecke, sie wird jedoch nur noch viermal pro Woche (im Winter täglich) vom Nachtzug nach Kolari befahren. Also steige ich in den Bus um, der direkt gegenüber vom Bahnhof am sehr verschlafenen Busbahnhof abfährt. Es handelt sich um einen Kleinbus, von dem ich leider kein Foto mache. Fünfzehn Jahre vorher bin ich noch mit dem legendären Volvo der inzwischen insolventen Gebrüder Salmela gefahren:

Volvo-Bus der Gebrüder Salmela im Jahr 2010 in Tornio
Kemi                        ab 15.00
TornioHaparanda Matkakeskus an 15.40

Der Bus fährt nicht über die Autobahn, sondern bedient die kleinen Dörfer unterwegs. Tornio und Haparanda sind Zwillingsstädte mit einer Staats- und Zeitzonengrenze dazwischen. 2010 hatten sie noch getrennte Busbahnhöfe, zwischen denen man unter Umständen laufen musste. Inzwischen gibt es einen gemeinsamen, direkt auf der schwedischen Seite der Grenze und neben dem nördlichsten Ikea der Welt. Tornio sehe ich daher nur aus dem Bus und mache mich direkt auf den Weg zu meiner Unterkunft in Haparanda. Deren Name „Svefi“ bezieht sich nicht, wie ich erst denke, auf die Lage an der Grenze zwischen den beiden Ländern, sondern auf die Gemeinschaft der Schwedenfinnen, an deren Kulturzentrum das Hostel angeschlossen ist. Auf dem Weg kommt mir eine ältere Frau entgegen, die mich fragt: „Kommer du från busstationen?“ Mein Schwedisch reicht gerade noch, um das zu bejahen, bei der nächsten Frage muss ich aber passen. Zum Glück können wir aber problemlos ins Englische wechseln.

Nach dem komplett kontaktlosen Einchecken (da die Rezeption bereits geschlossen hat) esse ich erst in einem asiatischen Buffetrestaurant im alten Busbahnhof und mache dann einen Rundgang durch Haparanda.

Wegweiser am zentralen Platz in Haparanda. Die Aufschriften sind gemischt schwedisch und finnisch, auf der anderen Seite genau umgekehrt: „Du bist hier“ – „Kirche“ – „Finnland“ – „Lebensqualität“ – „Stadthotel“ – „Mitternachtssonne“ – „Seskarö“ – „Strand“ – „Svefi“ – „Abenteuergolf“ – „Ausflugsboote“

Die Grenze zu Finnland liegt im Fluß Torneälv/Tornionjoki bzw. einem Seitenarm davon. Für Fußgänger gibt es diese hübsche Grenzbrücke:

Fußgänger-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio

Auch der Straßenverkehr hat eine schicke Markierung auf seiner Brücke:

Straßen-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio

Am Torneälv entlang laufe ich Richtung Süden und höre dabei in der Ferne Kommandos über Lautsprecher. Ich denke erst an eine Sportveranstaltung. Als ich näher komme, sehe ich aber etwas viel Interessanteres: Am Ufer stehen eine Menge Autos. In denen sitzen Leute mit Bingokarten, und die Zahlen werden auf Schwedisch und Finnisch über den Lautsprecher bekanntgegeben. Auch eine Art, sich die Zeit zu vertreiben.

Solche von Monty Python inspirierten Schilder stehen entlang des Uferwegs

Mir dagegen hat es besonders die Grenzbrücke der Eisenbahn angetan, die die letzte Brücke über den Torneälv vor dessen Mündung in die Ostsee ist. Sie ist die einzige Verbindung zwischen dem schwedischen Normalspur- und dem finnischen Breitspurnetz, wird aber seit 1992 nur noch im Güterverkehr befahren.

Eisenbahn-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio

Auf der Südseite der Brücke führt eine Treppe zu einem alten Bunker und an die Bahnstrecke heran. Die Strecke wird momentan ertüchtigt und elektrifiziert und ist daher ab hier gesperrt. Gut erkennbar ist auch das Vierschienengleis, das Fahrten für Züge beider Spurweiten möglich macht.

Sperrtafel und Vierschienengleis an der Grenzbrücke

Dann schaue ich mich noch ein wenig am Bahnhof um. Zumindest für die heutige Bedeutung ist das Bahnhofsgebäude arg überdimensioniert:

Bahnhofsgebäude von Haparanda

Vor dem Zugang zum Bahnhof stehen zwei Anzeigetafeln. Die eine zeigt die Züge Richtung Schweden, die andere ist anscheinend schon in der freudigen Erwartung aufgestellt, dass bald wieder Personenzüge nach Finnland fahren:

Anzeigetafeln am Bahnhof in Haparanda

Anschließend mache ich mich auf den Weg ins Zimmer, wo ich noch ein Telefonat erledige und mich bald auf den Weg ins Bett mache, denn am nächsten Morgen fährt mein Zug schon um 7:12 Uhr.

Fortsetzung folgt!

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 4–6/9)

Donnerstag,  3. Juli 2025
Rovaniemi an 11.03

Im zweiten Teil hatte ich mich im Nachtzug von Turku nach Rovaniemi schlafen gelegt. Mehr oder weniger ausgeschlafen wache ich am nächsten Morgen irgendwo bei Kemi auf, also bereits in Lappland. Draußen sieht es ungefähr so aus:

Blick aus dem Zugfenster hinter Kemi

Das Frühstück ist hier nicht inbegriffen, aber trotzdem gehe ich in den Restaurantwagen und kaufe mir dort einen Cappuccino und eine pulla, die finnische Bezeichnung für Gebäckteilchen. Bald ist Muurola erreicht, der letzte Halt vor der Endstation des Zuges …

Bahnhof Muurola

… und schließlich erreichen wir pünktlich die Endstation Rovaniemi. Weiter ginge es nur einmal täglich mit dem frühen Nachtzug nach Kemijärvi.

Ankunft in Rovaniemi im Juli 2025

Zum Vergleich ein Bild von meiner Ankunft im April 2016:

Ankunft in Rovaniemi im April 2016

Ich mache mich zu Fuß auf den Weg ins Hotel und checke ein. Mein Zimmer ist zum Glück schon fertig, also ruhe ich mich kurz aus und gehe dann in die Stadt, um unter anderem ein neues Netzteil für mein Handy zu kaufen.

Die Tage in Rovaniemi verbringe ich nicht allein, sondern bin mit ein paar Bekannten verabredet, die teilweise dort wohnen, teilweise auch zu Besuch sind. Mit ihnen gehe ich am ersten Abend etwas trinken. Eine Sauna gibt es dort auch, aber für Finnland ganz untypisch braucht man Badebekleidung, die ich nicht mithabe.

Bei den Temperaturen hätte sich die Sauna durchaus gelohnt … Nach meiner Abreise erfasste eine Hitzewelle den hohen Norden.

Am nächsten Tag wollen wir draußen etwas unternehmen, aber wegen Dauerregens verlegen wir uns auf Bowling. Abends gibt es dann wieder Essen im Restaurant. Die anderen gehen noch zum Santa-Rock-Musikfestival, das mich aber nicht so reizt.

Am Samstag ist dann volles Programm: Zuerst treffen wir uns im Kulturzentrum Korundi in einem alten Busdepot. Dort läuft gerade die Sápmi-Triennale, benannt nach dem Siedlungsgebiet der indigenen Sami.

Sami-Kunst im Korundi I
Sami-Kunst im Korundi II
Sami-Kunst im Korundi III (schwedischer Text: „Die Wirklichkeit in der nördlichen Kolonie – Wie ihr denkt, dass es ist“)

In der Dauerausstellung kann man seinen größten Wunsch auf einen Klebezettel schreiben und auf eine Wand kleben. Bei den meisten reicht mein spärliches Finnisch zum Verständnis aus – Kinder wünschen sich meistens ein Haustier (vom Häschen bis zum Rentier) und Erwachsene Frieden und Gesundheit.

Wünschewand im Korundi

Ein Bahnhofsrätsel gibt es auch (wobei beim Originalbild der Zugzielanzeiger ganz rechts in der Ecke besser erkennbar ist und einen Hinweis gibt).

Bahnhofsrätsel im Korundi
Das Korundi von außen: Der ursprüngliche Zweck des Gebäudes ist noch erkennbar

Nach einer kurzen Mittagspause geht es weiter ins nächste Museum, das Arktikum. Wie der Name schon sagt, gibt es hier diverse Ausstellungen über die Arktis: zum einen über die bedrohte Natur, zum anderen aber auch über die Geschichte Finnisch-Lapplands. Dazu gehört auch die Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht im Laufe des 2. Weltkriegs. Nicht zuletzt hat das Gebäude aber auch eine beeindruckende Architektur, die bei Sonnenschein wie heute besonders gut zur Geltung kommt:

Im Arktikum I
Im Arktikum II

Außerdem lerne ich, dass Finnisch viele Wörter für Schnee hat …

100 finnische Wörter für Schnee im Arktikum

… und kann Ausdrücke in verschiedenen Sprachen der Arktis vergleichen und dabei die Verwandtschaft von Finnisch und Samisch gut erkennen.

Sprachen der Arktis: hier beispielhaft ein Vergleich zwischen Finnisch, Nordsamisch, Inuktut und Nenzisch, rechts die Bedeutung der Ausdrücke auf Englisch.
Wenn es schon aus dem Zug nicht geklappt hat, wenigstens aus dem Arktikum ein Foto von einem Elch

Höhepunkt des Tages ist die große Mitternachtssonnen-Party bei einem Mitglied unserer Gruppe, das etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt an einem See wohnt. Dort fahren wir mit einem Großraumtaxi hin, das natürlich vorher noch an einem Supermarkt hält, damit wir uns mit (niedrigprozentigen) alkoholischen Getränken eindecken können (die anderen gibt es nur in Spezialgeschäften). Der Ort für die Feier ist mehr als idyllisch:

Die Location für die Mitternachtssonnen-Party I
Die Location für die Mitternachtssonnen-Party II

Und es kann passieren, dass mal eben so ein Rentier im Garten vorbei schaut.

Rentier im (zugegebenermaßen eher waldartigen) Garten unseres Gastgebers

Vor der finnischen Grillwurst (die eher nicht so mein Fall ist) gibt es selbstverständlich einen Saunabesuch. Diesmal nach finnischer Sitte ohne Badeklamotten und mit Birkenzweigen, dafür aber geschlechtergetrennt. Zwischen den Saunagängen wird selbstverständlich im See gebadet (von mir allerdings nur sehr kurz …) und vor der Saunahütte der Durst gelöscht. Nachdem wir dabei nach ein paar Minuten völlig zerstochen sind, wechseln wir lieber nach drinnen.

Damit unser (nicht mehr ganz junger) Gastgeber noch aufräumen kann, ist das Taxi für die Rückfahrt schon für 23 Uhr bestellt. Zurück in Rovaniemi geht jeder seiner Wege, so dass ich noch mal alleine losziehe und nun aber wirklich die Mitternachtssonne bewundere, die ich in den letzten Tagen im Hotel einfach ausgesperrt habe.

Die Mitternachtssonne am Ounasjoki in Rovaniemi

Aufgrund von Sommer- und Zonenzeit ist der Tiefststand der Sonne sogar erst nach 1 Uhr nachts. Zwei aus meiner Gruppe wandern noch extra auf einen Berg, um ihn zu bewundern. Das fand ich dann doch zu anstrengend, so dass ich mich mit einem Beweisfoto auf dem zentralen Platz der Stadt begnüge und anschließend die Vorhänge im Hotelzimmer zuziehe.

0:26 Uhr und immer noch hell

Fortsetzung folgt!

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 3/9)

Hier hattet ihr mich auf den Spuren des Films „Zugvögel“ von Bremen bis auf das Schiff nach Turku begleitet.

Mittwoch,  2. Juli 2025
Turku an 07.30

Die Zeitverschiebung zwischen Schweden und Finnland ist ja auch ein Thema im Film, wo ein Treffen zwischen Sirpa und Hannes daran scheitert. Bei mir führt sie dazu, dass sich mein Handy nachts umstellt und mich der Wecker daher eine Stunde zu früh weckt. Das war nicht völlig überraschend, aber wenn ich mich darauf verlassen hätte, hätte es wahrscheinlich nicht funktioniert. Und ich kann auch problemlos wieder einschlafen.

Draußen beginnt der neue Tag, wie der alte aufgehört hat, nämlich mit Schären. Überhaupt gibt es auf der Route von Stockholm nach Turku, bei der auch noch die Åland-Inseln dazwischen liegen (und für die zollfreie Einkaufsmöglichkeit sorgen), nur wenig offenes Meer.

Schären kurz vor Turku

In Turku angekommen, will ich mich nicht mit den anderen Passagieren in den Stadtbus quetschen und laufe daher zum Hafenbahnhof, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist und zu den Schiffszeiten passende Abfahrten hat. Am Bahnsteig stehen zwei Züge bereit: ein langer nach Tampere und ein kurzer. Der fährt normalerweise nach Helsinki, wegen Bauarbeiten heute aber nur bis Karjaa. Da er etwas eher fährt, aktiviere ich mein Interrail und steige ein. Die Interrail-App ist im Gegensatz zur VR-Website der Meinung, dass der Zug in Turku nur zum Einstieg hält, und schickt mich daher über Karjaa, was aber tariflich keinen Unterschied macht.

Der Zug nebenan nach Tampere hat vorne nur einen „nackten“ Wagenübergang, und ich frage mich, wie er so fahren will, da es am Hafenbahnhof auch keine Umsetzmöglichkeit gibt.

Intercity nach Tampere am Hafenbahnhof von Turku

Nachdem ich die kurze Strecke zum Stadtbahnhof gefahren bin, kommt der Zug nach Tampere kurz danach angefahren – immer noch mit dem Wagenübergang vorne.

Ich stelle mit Schrecken fest, dass es am Bahnhof keine Gepäckschließfächer gibt. Eine kurze Netzrecherche ergibt aber, dass es im Einkaufszentrum Hansakortteli am Marktplatz welche gibt und mache mich zu Fuß auf den Weg dorthin. Eigentlich ist es nicht weit, aber auf dem direkten Weg ist ein ordentlicher Hügel zu überwinden, den ich bestmöglich umgehe. Dann schließe ich meinen Koffer ein, setze mich erst mal in ein Café auf dem Marktplatz und frühstücke.

Dann mache ich mich auf den Weg, die älteste Stadt und ehemalige Hauptstadt Finnlands zu erkunden. Helsinki hat diesen Titel 1812 nur bekommen, weil Finnland damals zu Russland gehörte und Turku dem Zaren zu weit weg war. Der Plan, Helsinki dann auch gleich nach dem Herrscher in Alexandria umzubenennen, wurde allerdings nicht umgesetzt. Der Dom von Turku ist heute noch das geistliche Zentrum der finnischen evangelischen Landeskirche.

Der Dom von Turku

Von außen sieht er eher bescheiden aus, von innen nicht ganz so.

Innenansicht des Doms von Turku

Sonst gibt es nicht viel alte Bausubstanz, seit ein Feuer 1827 in der Stadt wütete (und die Vormachtstellung von Helsinki weiter zementierte). Die einzige erhaltene Straße ist heute ein Freilichtmuseum etwas außerhalb des Zentrums, zu dem ich mich aber nicht aufmache. Stattdessen statte ich der Markthalle einen Besuch ab.

In der Markthalle von Turku

Auch ohne Sprachkenntnisse ist recht deutlich, was dort verboten ist:

Verbotsschild in der Markthalle von Turku

In der Markthalle gibt es einen „blauen Zug“, einen langen Raum mit Sitzen, auf denen man sein Essen essen kann:

Sininen juna (Blauer Zug) in der Markthalle von Turku

Und so sieht die Markthalle von außen aus:

Die Turkuer Markthalle von außen

Einen Marktplatz gibt es wie gesagt auch. Wahrscheinlich ist der finnische Name der Stadt sogar mit dem Wort tori für (Markt-)Platz verwandt. Mich erinnert er sehr an den Marktplatz von Kuopio, wo ich 2013 war. Am Marktplatz esse ich auch in einem der für Finnland recht typischen günstigen Buffetrestaurants zu Mittag, und zwar einem sehr guten koreanischen.

Der Marktplatz von Turku

Als letzter Rest der 1972 stillgelegten Straßenbahn dient ein Wagen heute als Eiskiosk. Es gibt aber Pläne, wieder einen Betrieb einzurichten.

Alter Straßenbahnwagen als Eiskiosk auf dem Turkuer Marktplatz

Der öffentliche Nahverkehr wird momentan vollständig von Bussen übernommen, die unter dem Namen „Föli“ laufen. Das Wort kommt aus dem Turkuer Dialekt, in dem fölissä so viel wie „an Bord“ bedeutet. Im Standardfinnischen gibt es interessanterweise überhaupt kein f.

Föli-Bus am Turkuer Marktplatz

Mit einem Föli-Bus fahre ich noch mal zum Hafen, wo sich auch die Burg befindet, der ich einen kurzen Besuch abstatte.

Die Burg von Turku
Im Burghof von Turku

Sehr nett ist es in Turku auch am Fluss, der den schönen Namen Aurajoki trägt (joki heißt einfach „Fluss“).

Am Aurajoki in Turku
Am Aurajoki in Turku (Åbo ist der schwedische Name der Stadt)

Den Rest der Zeit verbringe ich zeitunglesend auf einer Parkbank in der Nähe des Flusses. Es ist trocken, meistens sonnig und noch ein paar Grad kühler als gestern in Stockholm – also bestes Wetter, um draußen Zeit totzuschlagen.

Zum Bahnhof mache ich mich dann aber doch sehr früh auf. Ich hole meinen Koffer aus dem Schließfach und fahre diesmal mit dem Bus. Den Bahnhof liegt noch in den letzten Zügen eines Umbaus, bei dem man leider auch das Bahnhofsgebäude eingespart hat. Als Warteraum dient jetzt eine Ecke in einem ehemaligen Betriebswerk, das sonst zum Kulturzentrum umfunktioniert wurde. Immerhin hat es dadurch auch Gastronomie, bei der man sich vor der Reise noch eindecken kann.

Warteraum am Bahnhof Turku
Der Bahnhof von Turku

Die Schlafwagen für meinen Nachtzug stehen noch in der Abstellung:

Schlafwagen für den Nachtzug nach Rovaniemi am Bahnhof in Turku

Die Sitzwagen kommen etwa eine halbe Stunde vor der Abfahrt als Intercity von Hafen an, dann werden die Schlafwagen angekuppelt. Autotransportwagen gibt es auch, sie laufen ganz an der Spitze mit.

Die Schlafwagen für den Nachtzug nach Rovaniemi werden angekuppelt
Autotransportwagen mit etwas hypnotisch guckendem Rentier
Den Schlafwagen ziert dagegen natürlich eine Eule …
… und ein Weihnachtsmann (finnischer Text etwa: „Offizielles Bahnunternehmen des Weihnachtsmanns“)

Das Innere meines Abteils sieht noch genauso aus wie 2016, als ich schon mal gen Norden gefahren bin. Daher zeige ich noch mal die Fotos von damals:

VR-Schlafabteil von innen
Badezimmer eines VR-Schlafabteils
Dusche eines VR-Schlafabteils

Turku        ab 21.08 PYO 933

Dann fährt der Zug los. Bald hinter Turku sehe ich zwei Elche vor dem Zug fliehen, natürlich zu schnell und plötzlich für ein Foto. Ebenfalls plötzlich klopft es an der Tür: Fahrkartenkontrolle. Ich habe schlauerweise mein Handy zum Laden an die Steckdose neben der Tür (und nicht an die am Bett) angeschlossen. Als ich jetzt die Tür aufmache, denke ich daran nicht mehr und schrotte prompt das Netzteil. Jetzt muss ich ein wenig mit dem Akku haushalten. Aber da es ja draußen hell ist, kann ich prima auf dem Klappsitz am Fenster sitzen und die Landschaft beobachten. Das mache ich bis Tampere, wo der Zug interessanterweise vier Stunden Aufenthalt hat. Wenn man will (so schlägt es auch die Interrail-App vor), kann man hier umsteigen und schon morgens um sieben in Rovaniemi sein. Als Langschläfer, der zudem keinen Termin hat, lehne ich das entschieden ab, bleibe im Zug und lege mich schlafen.

Fortsetzung folgt!

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 1–2/9)

Anfang Juli war ich wieder auf den Spuren von Hannes Weber aus dem Film → „Zugvögel – einmal nach Inari“ (Link zum Wikipedia-Artikel) unterwegs. Ganz bis zu seinem damaligen Ziel sollte es nicht gehen, aber immerhin bis zur nächstgelegenen Bahnstation Rovaniemi. Und wie Hannes im Film wollte ich diesmal komplett ohne Flug unterwegs sein. Für den Hinweg entschied ich mich, die einzelnen Etappen über Nacht zu reisen: mit dem SJ-Nachtzug von Hamburg nach Stockholm, dann weiter mit dem Schiff nach Turku, wo ich im Gegensatz zu Helsinki noch nicht war, und dann mit dem Zug nach Rovaniemi. Den Rückweg wollte ich tagsüber in Angriff nehmen und dabei auch die wieder in Betrieb genommene Haparandabahn testen, denn wie heißt es im Film so schön: „Der schönste Weg nach Inari geht über Nordschweden, über Haparanda“.

Als Fahrkarte hatte ich einen Interrail-Vier-Tages-Pass gekauft. Preislich tat sich das gegenüber Einzeltickets nicht viel, aber so konnte ich so flexibel wie möglich bleiben und außerdem den Zug Stockholm–Malmö für die Rückfahrt schon buchen, was bei der DB eigenartigerweise noch nicht ging. Für die Hinfahrt wollte ich im SJ-Nachtzug eine Einzelkabine haben. Dafür wird Interrail nicht akzeptiert, so dass ich eine normale Fahrkarte buchte und sozusagen einen Tag Interrail „übrig“ hatte.

Am 30. Juni nach der Arbeit ging es dann endlich los. Für die Fahrt von Bremen nach Hamburg hatte ich noch einen Sparpreis Aktion geschossen, um nicht auf den Nahverkehr angewiesen zu sein und vor allem auf jeden Fall in die Lounge zu kommen. Die Rollbahn-ICE zeigen sich an diesem Abend mal wieder von der „besten“ Seite und sind alle so verspätet, dass ich mit meinem Sparpreis den Vorvorgänger meines Zuges nehmen kann.

Montag, 30. Juni 2025
Bremen Hbf ab 17.17 +103 ICE 610
Hamburg Hbf an 18.14 +100

In Hamburg angekommen, esse ich erst mal indisch beim Manju, meinem Lieblingsimbiss im Bahnhof, und verbringe dann die restliche Wartezeit in der Lounge. Am Gleis wartet dann neben mir der Tf, der den EN übernehmen soll, eilt dann aber zielstrebig zum Aufgang. Und tatsächlich, ein kurzfristiger Gleiswechsel ist angekündigt. Der Zug wird auf deutscher Seite von RDC bzw. deren Tochter BTE gefahren, die dafür ex-DB-101er nutzen:

BTE-101 vor dem SJ-EN in Hamburg Hbf

Hamburg Hbf  ab 22.03 EN 346

Ich beziehe meine Schlafkabine, die zum Glück klimatisiert ist. Wir fahren pünktlich los, müssen aber schon vor Pinneberg an einer eingleisigen Baustelle auf den Gegenzug warten, wo wir uns Verspätung zuziehen. Schon planmäßig sollen wir eine halbe Stunde später in Stockholm eintreffen als ursprünglich geplant, dafür hatten mir die SJ kurz vor der Reise noch eine Infomail und eine aktualisierte Fahrkarte geschickt.

Mein Abteil im SJ-EN in Nachtstellung

Dienstag, 1. Juli 2025
Stockholm C an 10.29

Für eine Nachtzugfahrt schlafe ich relativ gut. Den längeren Halt in Malmö bekomme ich kurz mit, wache aber endgültig erst auf, als wir schon deutlich weiter im Norden sind. In Malmö haben wir noch zusätzliche Wagen bekommen, die wahrscheinlich wegen des Lichtraumprofils gar nicht in Mitteleuropa laufen dürften. Einer davon ist der Bistrowagen, in dem es für mich ein kostenloses Frühstück gibt.

Frühstück im SJ-EN
Mein Schlafabteil in Tagstellung
In Malmö angekuppelter Sitzwagen
Blick aus dem Fenster irgendwo zwischen Norrköping und Stockholm

Vermutlich beim Halt in Malmö haben wir auch die Verspätung wieder abgebaut, so dass wir pünktlich in der schwedischen Hauptstadt einlaufen. Ich beziehe Position auf dem Nachbarbahnsteig, um Bilder von meinem Zug zu machen, den auf schwedischer Seite eine Lok der SJ-Güterschwester Green Cargo zieht.

Green-Cargo-Lok vor dem SJ-EN
Liegewagen des SJ-EN. Das unterschiedliche Lichtraumprofil der mitteleuropäischen (links) und skandinavischen Wagen ist recht gut zu erkennen.
Schlafwagen des SJ-EN. Wie am Symbol an der Tür zu erkennen, hat er auch einen kleinen Kiosk.
Bistrowagen des SJ-EN

Dann schließe ich meinen Koffer ein und mache mich auf den Weg, Stockholm zu erkunden. Ich war zwar schon mehrmals hier, die Stadt ist aber immer wieder eine Reise wert, zumal bei dem herrschenden Wetter mit gut 25 Grad und Sonnenschein.

Werbung für ein 'Museum der schwedischen Trinkkultur'
So ziemlich das erste, was ich in Stockholm gesehen habe

Also marschiere ich durch die Altstadt zum Verkehrsknotenpunkt Slussen, der gerade umgebaut und dadurch auch als Aufenthaltsort attraktiver wird. Schon vorher konnte man aber direkt oberhalb des Tunnelmunds super Fotos von U-Bahn-Zügen vor der Kulisse der Altstadt machen.

Altstadt-Impressionen
Ein U-Bahn-Zug der neuesten Generation nähert sich Slussen

Zu Mittag esse ich in einem Burgerladen im Kaufhaus Åhlens City, wieder in der Nähe des Hauptbahnhofs. Dann mache ich mich mit der Straßenbahn auf den Weg ins Naherholungsgebiet Djurgården und wieder zurück zum Nybroplan. Dort mache ich ein paar Bilder von den Fähren, die hier auch zum ÖPNV gehören, und von den historischen Straßenbahnen, die die Linie nach Djurgården verstärken.

Fähre „Vera“ am Nybroplan
Fähre „Katarina“ am Nybroplan
Historische Straßenbahnen auf der Djurgårdslinie
Foto eines Schildes mit der Schreibweise 'Kö'
Pragmatische schwedische Rechtschreibung

Dann wird es so langsam Zeit, sich auf den Weg zum Schiff zu machen. Ich hole mein Gepäck am Bahnhof und habe herausgefunden, dass von dort ein direkter Bus zum Anleger fährt. Da sich vor dem Bahnhof der Verkehr staut, erwische ich ihn gerade noch. Bezahlen kann ich, wie überall im ÖPNV auf meiner Reise, kontaktlos per Kreditkarte. Leider bekomme ich nur noch einen Stehplatz, und der Bus ist nicht klimatisiert, aber wo ich schon mal drin bin, fahre ich nun auch bis zum Anleger durch. Dort checke ich am Automaten ein und verbringe die Wartezeit bis zum Boarding im Aufenthaltsraum. Als wir aufs Schiff können, biege ich falsch ab und laufe an der Armada von Reinigungskräften vorbei. Schon beeindruckend, wie viele Menschen es alleine dafür braucht.

Die Viking Glory, mein Schiff nach Turku

Stockholm    ab 20.00

Auf dem Schiff beziehe ich erst mal meine Kabine. Die ist sehr minimalistisch, aber anders als auf meiner ersten Reise 2010 habe ich sie für mich alleine – geteilte Kabinen werden gar nicht mehr verkauft. Dafür bietet das Schiff umso mehr Möglichkeiten: natürlich den obligatorischen Duty-free-Shop, aber auch diverse Restaurants, die natürlich nicht billig sind. Ich beschränke mich daher auf ein Sandwich, ein Getränk aus der Flasche und eine Tüte Erdnüsse. Höhepunkt der Fahrt sind die Schären, die wir kurz hinter Stockholm passieren.

Blick auf Djurgården bei der Ausfahrt aus Stockholm
Schären in der Abendsonne
Meine Kabine auf der Viking Glory

Ein weiterer Höhepunkt findet auf dem Schiff statt: Auf dem Programm habe ich gesehen, dass Karaoke angeboten wird. Also mache ich mich auf den Weg in die Bar, in der es stattfindet, und komme dort (auf Englisch) mit einem Finnen ins Gespräch. Er fragt mich, ob es einen musikalischen Interpreten gäbe, der mich mein ganzes Leben begleitet habe, aber da muss ich passen. Ich erzähle ihm, dass ich im Chor gesungen habe und (unabhängig davon) auch ein paar finnische Lieder kenne. Er meint, er wolle in einer Viertelstunde ins Bett gehen, ich müsse mich also beeilen, wenn ich ihm noch etwas vorsingen wolle. Also trete ich mit → „Ei mittään“ (YouTube-Link) an, dem Lied, mit dem wir in meinem ersten Finnischkurs unter anderem die Namen der Wochentage und Monate gelernt haben. Er ist sichtlich beeindruckt, verabschiedet sich dann aber wie angekündigt. Angesichts der frühen Ankunft am nächsten Morgen gehe ich auch bald in meine Kabine.

Fortsetzung folgt!

Nicht mal Bonuspunkte in Flensburg

Unseren Urlaub Anfang Mai konnten wir mit einer reinen Nahverkehrsfahrt antreten: mit dem RE 4 nach AH, wo wir eine Stunde Aufenthalt hatten und dabei praktischerweise am selben, breiten und nicht stark frequentierten Bahnsteig bleiben konnten. Dann ging es weiter mit dem drei Nummern höheren RE, der in Neumünster geteilt wird: der hintere Teil nach Kiel, der vordere an unseren Zielbahnhof Flensburg. Von dort empfiehlt sich zumindest mit eingeschränkter Mobilität der Bus in die Innenstadt, wo sich nicht allzu weit von ZOB und Förde unsere Ferienwohnung befand.

Wie es sich gehört, machten wir die meisten Ausflüge während des Urlaubs auch mit dem ÖPNV, unter anderem in den Nachbarort Harrislee, wo sich nicht nur dänische Supermärkte befinden, sondern auch der vorletzte Bahnübergang vor dem Nachbarland:

Bahnübergang Industriestraße in Harrislee

Einen Ausflug über die Grenze machten wir selbstverständlich auch: Mit dem dänischen IC ging es nach Kolding, das ich bisher nur als HUB-Standort meines früheren Arbeitgebers kannte. Die Stadt selber ist aber auch sehenswert, zumindest für einen Tagesausflug. Interessant ist, dass die dänischen IC (bis auf einen EC von/nach Prag) die einzigen „Fern“züge sind, die Flensburg anfahren. Die EC Hamburg–Kopenhagen, die seit dem Umbau der Vogelfluglinie über Jütland fahren, biegen ohne Halt in Flensburg-Weiche ab und fahren so knapp am Bahnhof vorbei. Um die sehenswerte Eingangshalle des 1927 eröffneten Gebäudes zu betrachten, muss man also umsteigen:

Eingangshalle des Bahnhofs Flensburg

Am letzten Tag war ich alleine in die andere Richtung unterwegs, um ein paar Bilder von einem der imposantesten Bauwerke Norddeutschlands zu schießen: der Rendsburger Hochbrücke. Aufgrund der Tageszeit ergaben sich gute Bilder nur mit Baustofflager im Vordergrund, aber das hat ja auch seinen Reiz:

Rendsburger Hochbrücke vom Kanalufer aus
Rendsburger Hochbrücke mit Kopenhagen-EC
Rendsburger Hochbrücke über Wohnbebauung

Auch dieser Urlaub ging einmal zu Ende, und dafür hatten wir einen Weg gefunden, den meist recht vollen Hamburger Hauptbahnhof zu umgehen, der mir dann doch noch Bonuspunkte brachte: Wir fuhren mit dem RE 7 nur bis Neumünster und stiegen dort in den aus Kiel kommenden ICE um, wie üblich in einen der letzten Wagen. Was wir nicht bedacht hatten: AK ist Kopfbahnhof, und so war es dort natürlich deutlich voller als weiter vorne. Mit einem Wagenwechsel wurde es dann etwas entspannter, und Verspätung zogen wir uns bis zu unserem Heimatbahnhof auch keine mehr zu, so dass der Urlaub genauso angenehm zu Ende ging, wie er gewesen war.

Zäher Kundenservice? Dat kunnen wij ook

Wie geschildert, bin ich ja im März bei einem SEV-bedingten Umstieg in den Niederlanden nicht durch die Sperre gekommen und hatte mir daher kurzerhand ein Ticket zum nächsten Halt meines Zuges gekauft. Dieses hatte ich dann zur Erstattung eingereicht, wobei es mir weniger ums Geld ging als darum, auf dieses verbraucherunfreundliche System hinzuweisen.

Das Servicecenter Fahrgastrechte verwies den Fall natürlich an die NS, und denen musste ich mein Problem erst mal in einer langen Mailkorrespondenz (laut Unterschrift immerhin mit der Leiterin des Kundenservice) erklären: Nein, es geht nicht um eine Verspätung, ja, ich habe versucht, an die Infosäule zu gehen, nein, es geht mir weniger ums Geld als ums Prinzip.

Letztendlich habe ich die NS dazu bewogen, mir das Geld zurückzuerstatten. Für das nächste Mal haben sie mir empfohlen, einfach mit einer kontaktlosen Kreditkarte einzuchecken, durch die Sperre zu gehen und dann wieder auszuchecken, ohne herauszugehen. Dann sollen keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Somit ist das Problem zumindest für mich gelöst. Sollte der eine oder andere von euch in eine ähnliche Situation kommen, wisst ihr jetzt, was ihr tun könnt. In diesem Sinne: Goede reis!

Verspätungen? Dat kunnen wij ook

Am verlängerten Wochenende war ich mal wieder in den Niederlanden, genauer in Seeländisch-Flandern. Das ist durch die Westerschelde vom Rest der Niederlande getrennt und daher nicht mit dem Zug zu erreichen. Mein Ziel auf der Schiene hieß daher Vlissingen, wo die Fähre über die Westerschelde praktischerweise direkt neben dem Bahnhof abfährt. Aber davor hatten die Götter eine sechseinhalbstündige Bahnfahrt gesetzt, die sich dann noch um eine halbe Stunde verlängerte: Dass der Vierminutenanschluss in Deventer vom deutschen auf den niederländischen IC (der ein besserer Regionalexpress ist) nicht klappen würde, hätte ich mir wirklich denken können. Interessant fand ich allerdings die Begründung für die Verspätung:

„Stau/hohes Verkehrsaufkommen“ als Verspätungsbegründung

Sicher wird diese Begründung auch wieder für Gelächter sorgen, vielleicht können damit aber mehr Menschen etwas anfangen als mit „Verzögerungen im Betriebsablauf“. Jedenfalls war es verfrüht, nur auf die DB zu schimpfen, denn wie ich dem Navigator entnehmen konnte, endete mein verpasster Anschlusszug außerplanmäßig in Arnheim, so dass ich so oder so später gekommen wäre. Immerhin kam ich zu einer Uhrzeit in Vlissingen an, zu der auch jetzt in der Nebensaison die Fähre alle halbe Stunde fährt, so dass ich nicht noch mehr Zeit verlor. Für den Rest der Strecke zu meiner Unterkunft blieb dann allerdings nur eine Mitfahrgelegenheit, denn der ÖPNV in Zeeuws Vlaanderen ist leider sehr bescheiden.

Zurück am Sonntag lief zunächst das gleiche Spiel umgekehrt: Mit dem Auto nach Breskens, dann mit der Fähre nach Vlissingen und dann mit dem Zug weiter. Der endete an diesem Tag allerdings baubedingt in Bergen op Zoom. Von dort sollte es vor dem Bahnhof mit dem SEV weitergehen, der zur planmäßigen Zeit allerdings nicht auftauchte. Letztendlich kamen die beiden Reisebusse mit etwa +15, und da ich in Roosendaal, wo es wieder in den Zug gehen sollte, nur etwas mehr als 5 Minuten Übergangszeit hatte, war der Anschluss weg. Da ich ohnehin aber eine halbe Stunde Puffer in der Verbindung hatte, bedeutete das zum Glück aber keine spätere Ankunftszeit in Bremen. Der größere „Klopper“ war allerdings, dass mich die Sperre am Bahnhof Roosendaal, die ich ja nun passieren musste, nicht durchließ. Ein Mensch war weder vor Ort noch über die Infosäule zu erreichen, so dass ich mir notgedrungen ein Ticket bis zum nächsten Halt des Zuges kaufte und das selbstverständlich noch am selben Abend zur Erstattung einreichte. Nun lief die Fahrt aber wieder wie am Schnürchen, auch wenn ich durch die Ersatzverbindung noch einmal mehr umsteigen musste – drei Minuten in Deventer wären selbst für die Niederlande zu kurz, so dass mich der Navigator auf den kürzeren Weg über Zutphen und Hengelo schickte. In Osnabrück war noch genug Zeit zum Essen, erst recht, weil der EC 8 den Weg durchs Ruhrgebiet wenig überraschend nicht ohne Verspätung überstanden hatte. So erreichte ich dann meinen Heimatbahnhof mit +15, was bei einer insgesamt achtstündigen Fahrt mit mehreren knappen Umstiegen dann gar nicht so schlecht ist.

Generell scheinen diese in NL aber durchaus besser zu funktionieren, auch wenn nicht nur ich von Problemen dort berichten kann. Als Gründe für die höhere Stabilität vermute ich vor allem, dass der Verkehr gleichmäßiger läuft: Neben dem erwähnten IC gibt es meist nur den sogenannten Sprinter, der an allen Haltestellen hält und deutlich weniger Güterverkehr. Außerdem haben die langlaufenden Züge an den größeren Bahnhöfen immer wieder mehrere Minuten planmäßigen Aufenthalt, während denen sich häufig die Züge verschiedener Richtungen zu einem „Rendezvous“ treffen. Dank Weichenverbindungen in der Mitte der Bahnsteige können sie dabei einander umfahren, und die Fahrgäste haben gleichzeitig kurze Wege. Beispielsweise der Bahnhof in Hengelo kommt dadurch mit einem einzigen sehr breiten Bahnsteig aus. Obwohl also nicht alles gelaufen ist wie geplant, machen unsere westlichen Nachbarn in Sachen Bahn so einiges richtig.

Eis, Kaffee, Venezia – die zweite

Zum zweiten Mal war ich letzte Woche in Venedig, wie 2017 wieder im Januar, diesmal allerdings für fünf Tage und in Begleitung meiner Freundin. Für den Hinweg hatten wir den direkten ICE HB–MH und nach einer Zwischenübernachtung bei meiner Tante den Railjet nach Santa Lucia gebucht. Für den Rückweg wollten wir eigentlich den Nachtzug nehmen – wegen der Bauarbeiten im Tauerntunnel fährt dieser aber zurzeit nicht. Also buchten wir für die Rückfahrt denselben Weg, wobei es erst in Mestre losging und der Railjet nach der Buchung noch in einen EC zurückverwandelt wurde.

Am Reisetag teilt uns der Navigator mit, dass die Zugvereinigung in Hannover entfällt und wir daher dort umsteigen müssen. Immerhin passiert das bahnsteiggleich und pünktlich, und auch ohne Reservierung finden sich im Hamburger Zugteil zwei nebeneinanderliegende freie Sitzplätze. Die Bayernmetropole erreichen wir pünktlich, kaufen noch ein und machen uns dann auf den Weg zu meiner Tante.

Am Sonntag geht es dann mit dem Railjet der neuen Generation weiter, der sich wirklich sehen lässt, nicht nur in der 1. Klasse, für die wir einen ziemlich günstigen Sparpreis erworben haben, …

Blick in die 1. Klasse eines Railjets der zweiten Generation

… sondern auch in der zweiten.

Blick in die 2. Klasse eines Railjets der zweiten Generation

Trotz allen Komforts ist die Fahrt mit fast sieben Stunden ab München recht lang, und so sind wir froh, als wir pünktlich um 18:25 Uhr die Lagunenstadt erreichen. Der Zugsteward, der uns nett am Platz bedient hat, wünscht uns noch einen schönen Urlaub, und wir machen uns mit dem Vaporetto auf den Weg zum Hotel.

Der Wunsch geht in Erfüllung: wir haben vier schöne Tage in Venedig. Da ich alle Klischeebilder schon beim ersten Mal gepostet habe, beschränke ich mich auf eine Zufallsaufnahme eines Vaporetto unter der Ponte San Biasio und eine nächtliche Langzeitbelichtung mit Blick auf den Campanile des Markusdoms:

Am letzten Tag machen wir uns nach dem Auschecken auf den Weg nach Mestre, von wo ja unser Zug zurück fährt, und schauen uns dort noch in der durchaus sehenswerten Innenstadt um. Wie etwa auch in Frankreich wird in Italien das Abfahrtsgleis erst relativ kurzfristig bekanntgegeben, so dass wir mit Spannung den Moment erwarten, in dem unser Zug auf die Anzeigetafel nachrückt. Dann entern wir den Wagen, der trotz 1. Klasse lange nicht so komfortabel ist wie der Railjet.

1.-Klasse-Großraumwagen eines ÖBB-Eurocity

Einen Service am Platz gibt es nicht, und zumindest auf italienischer Seite auch nicht mal ein gastronomisches Angebot. Erst hinter dem Brenner wird bekanntgegeben, dass es einen Abteilverkauf gibt, in dem ich uns prompt zwei Tee hole. Immerhin ist der Zug wieder annähernd pünktlich, so dass die ohnehin späte Ankunftszeit von 22:28 Uhr sich nicht noch weiter verzögert. Eigentlich wollen wir schnell ins Bett, aber bei meiner Tante angekommen, plaudern wir dann doch noch bis Mitternacht nett über den Urlaub.

Am nächsten Tag fahren wir dann wie geplant mit einem ICE 2 durchgehend von MH nach HB. Die Flügelung in HH klappt problemlos, der Am-Platz-Service auch und wir erreichen unseren Zielbahnhof mit immerhin nur +5 – so macht Reisen Spaß!

Zwei Städte in acht Tagen

Ende September machte ich mal wieder Urlaub mit Freundin, zuerst in Erfurt. Dafür hatten wir direkt nach Buchungsstart einen Sparpreis gebucht, der eine Fahrt mit einem direkten ICE Hannover – Erfurt enthielt. Den hätte es so nur wegen Bauarbeiten gegeben, leider wurde einige Wochen vor der Reise auch der Baufahrplan noch mal umgeworfen und der Zug gestrichen. Wir fuhren also nun wie vorgesehen mit dem IC nach HH, blieben dort aber sitzen und fuhren weiter bis Halle, wo wir einen Fünfminutenanschluss an den ICE nach München hatten. Erstaunlicherweise klappte der sogar, so dass wir die thüringische Hauptstadt pünktlich bzw. 45 Minuten später als ursprünglich geplant erreichten.

Eines der Highlights von Erfurt war die Stadtrundfahrt mit einer Tatra-Straßenbahn.

Tatra-Straßenbahnzug für Stadtrundfahrten in Erfurt

Außerdem nutzte ich die Sonne für eine „Fotosession“ am Domplatz, bei der mir Bilder von fast allen derzeit eingesetzten Straßenbahntypen gelangen. Nur der Combino Classic kam mir nicht vor die Linse.

MGT6D der Straßenbahn Erfurt
Combino Advanced der Straßenbahn Erfurt
Combino der Straßenbahn Erfurt
Stadler Tramlink der Straßenbahn Erfurt

Ein Ausflug in diesem ersten Urlaubsteil führte uns nach Weimar, wohin man etwa alle 20 Minuten bei einer Fahrzeit von 15 Minuten mit dem Nahverkehr pendeln kann – mal wieder eine Gelegenheit, bei der sich das Deutschlandticket mehr als bezahlt gemacht hat.

Nach vier Tagen ging es weiter nach Süden, und zwar zunächst mit dem ICE Richtung München. Der blieb kurz hinter Bamberg eine Weile stehen. Nachdem es zunächst noch hieß, das sei baustellenbedingt und in den Fahrplan eingearbeitet, kam kurze Zeit später die Durchsage, dass die Strecke wegen eines Brückenanfahrschadens gesperrt sei und wir wieder zurück nach Bamberg und von dort eine Umleitung fahren müssten. Noch bevor wir selbiges erreicht hatten, kam jedoch die Erleichterung: Die direkte Strecke war doch wieder befahrbar, so dass es mit einem erneuten Richtungswechsel und einer Ankunft in München mit knapp +60 getan war. Unser geplanter Anschluss nach Salzburg war damit über alle Berge, den nächsten übersprangen wir auch, unter anderem um noch einkaufen zu können. Der nächste Railjet war dann annähernd pünktlich, und da wir ja schon Lebensmittel hatten, konnten wir direkt mit dem praktischen Obus zu unserer Unterkunft fahren.

Dieses in Westeuropa nicht allzu häufige Verkehrsmittel nutzten wir in den nächsten Tagen noch häufiger, und natürlich bannte ich auch hier die Fahrzeuge aufs Silizium:

Van-Hool-Obus in Salzburg
Hess-Obus in Salzburg
Solaris-Trollino-Metrostyle-Obus in Salzburg
Solaris-Trollino-Obus in Salzburg

Außerdem machten wir uns zweimal auf den Weg nach Bad Reichenhall, um dort einen Freund zu treffen. Mit der grenzüberschreitenden S-Bahn geht das einmal die Stunde ohne und einmal mit Umstieg in Freilassing.

Am Montag nutzten wir den Brückentag, um abseits des zu erwartenden Andrangs zu reisen. Das funktionierte auch einigermaßen, auch wenn die Reservierungen, die wir nachträglich noch gekauft hatten, die Sitzplatzsuche vereinfachten. Zunächst ging es wieder mit dem Railjet nach MH. Der traf in Salzburg schon mit +20 ein, was durch die leider immer noch durchgeführte Grenzkontrolle noch mehr wurde. Interessanterweise nahmen Letztere nicht nur uniformierte, sondern auch völlig unauffällige Zivilbeamte vor. Unsere Übergangszeit schrumpfte somit von knapp 60 auf um die 20 Minuten, so dass wir direkt zum Anschlusszug gingen und ich ihn nur kurz noch mal verließ, um etwas zu essen zu holen.

Für die Weiterfahrt hätte sich normalerweise der direkte ICE nach Bremen über Hannover angeboten. Da der wegen Bauarbeiten aber nicht fuhr und wir möglichst wenig umsteigen wollten, blieb nur der ICE über Köln mit stolzen 8 Stunden Fahrzeit. Wir trugen es mit Fassung und nutzen die Zeit unter anderem für einen Besuch im Bordrestaurant. Dort war ziemlich viel ausverkauft (in Köln hätte es wohl Nachschub gegeben), wir fanden beide aber noch ein Gericht, das uns zusagte. Leider wenig überraschend war, dass wir auch Verspätung einsammelten. Der Grund dafür schien hauptsächlich hohe Streckenauslastung zu sein, jedenfalls hielten wir mehrmals kurz auf freier Strecke. Kurios war allerdings die Umleitung (ohne Halt und Ankündigung) über Köln/Bonn Flughafen, die uns auch noch mal ein paar Minuten Verzögerung einbrachte. Letztendlich erreichten wir jedenfalls HB mit etwa +20 und waren froh, angekommen zu sein.