Hallo Wien

Da ich am 31. Oktober weder Lust auf gruselige Verkleidungen noch auf einen Reformationsgottesdienst hatte, eiste ich mich etwas früher von der Arbeit los und bestieg in NAH einen ICE. Dort hatte ich einen Platz reserviert, was gut war, denn es war doch recht voll – zumindest bis Passau, wo ich meine Sitznachbarin, die mit mir eingestiegen war, bat, Platz zu machen und mich auf einen freien Doppelsitz setzte. Passend zum Datum fuhr ich nämlich in die österreichische Hauptstadt, wo ich (nicht ohne im Zug verkleidete Menschen zu sehen) pünktlich um 23.09 Uhr ankam und mein Hotelzimmer direkt neben dem Hauptbahnhof bezog.

Am nächsten Tag stellte ich fest, dass Österreich an Feiertagen noch „toter“ ist als Deutschland. Beide Drogerien am Bahnhof hatten geschlossen, und der Supermarkt musste streng zwischen einem von innen und einem von außen erreichbaren Bereich trennen. Züge waren aber genug unterwegs, unter anderem ein tschechischer Railjet und ein sehr überschaubarer ÖBB-Dieseltriebwagen.

Exotischstes Fahrzeug an diesem Vormittag war aber wohl der ukrainische Schlafwagen, der mit dem ungarischen EC aus Záhony kam:

Die Westbahn, private Konkurrenz der ÖBB, fährt mit einigen Kursen durch den S-Bahn-Tunnel, wo sie mir trotz +10 vor die Linse kam.

Mein eigentliches Ziel war aber gar nicht Wien, sondern Bratislava, das von hier aus so nah ist, dass man mit dem Regionalzug hinfahren kann. Das tat ich denn auch, wobei dieser an dem Tag wegen Bauarbeiten für die Elektrifizierung ohne Halt über Gänserndorf umgeleitet wurde. In der slowakischen Hauptstadt angekommen, war mein erster Gang natürlich zum Nachbarbahnsteig für ein Foto vom Zug. Der ist durchaus etwas kurios, da aus ÖBB-Lok und Wagen beider Bahnen gebildet:

Zur Übernachtung hatte ich ein Hostel direkt am Bahnhof gebucht, was vor allem für die Rückfahrt sehr praktisch war. Jetzt erkundete ich aber erst mal die Stadt, solange die Sonne noch schien.

Das Michaelstor
Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes

Am nächsten Tag tat sie das nämlich leider nicht mehr, sondern der Himmel war novembertypisch grau. Also legte ich den Schwerpunkt erst mal auf Verkehrsmittelfotografie und bannte unter anderem den Regiojet, einen tschechischen privaten Fernzug, auf den Chip.

Aber auch innerslowakisch ist Regiojet aktiv, als erster Konkurrent der slowakischen Staatsbahn ZSSK sogar im bestellten Nahverkehr mit wohlbekannten Triebwagentypen.

Auch der lokale ÖPNV konnte meiner Kamera nicht entkommen.

Ein paar Bilder von der Stadt machte ich aber natürlich auch noch. Alle gibt es im Album, hier als Appetithäppchen noch eins von der nächtlichen Burg:

Von der hieß es am nächsten Morgen schon wieder Abschied nehmen, und zwar mit dem Regiojet, den ich von außen schon fotografisch dokumentiert hatte. Blieb nur noch ein Bild von meinem Abteil in der Business Class:

Nicht nur war der Sitz recht komfortabel, es gab auch zur Begrüßung je eine Flasche Wasser und Sekt oder Orangensaft und einen Cookie. Außerdem kam regelmäßig die Zub-in vorbei und fragte nach den Wünschen. Kaffee bis zum Abwinken war ebenfalls im Preis inbegriffen, weitere Getränke und Speisen konnte man kaufen. Zusammen mit der Musik aus meinen Smartphone verging die Zeit wie im Fluge (no pun intended), bis wir nach ziemlich genau vier Stunden Prag erreichten. Die eine Stunde Zeit dort nutzte ich für einen kleinen Abstecher mit der Metro, wobei die meisten Fotos nicht wirklich gut wurden.

Nicht wirklich gut wurde auch die Weiterfahrt, war der Anschlusszug zu meiner Überraschung doch so voll, dass mir nur noch ein Stehplatz im Türraum (und zeitweise Sitzplatz auf der Einstiegsstufe) blieb. Zu diesem Umstand trug wahrscheinlich auch die Cannabismesse in Prag bei, jedenfalls war es wohl kein Zufall, dass mein Stehnachbar ein T-Shirt trug, das zu dessen Legalisierung aufrief. Wenigstens war die Fahrt annähernd pünktlich, wobei ich aber trotzdem um meinen Dreiminutenanschluss in Schwandorf bangen musste.

Das war zum Glück unnötig, denn der RE in Gestalt eines 612 wartete. Und einen Sitzplatz hatte ich jetzt auch wieder, was allerdings wiederum nicht allen vergönnt war. Außer mir wollten nämlich noch einige nicht mit dem in Deutschland als ALEX laufenden Zug weiter nach München fahren, sondern lieber nach Nürnberg. Dort kamen wir letztendlich mit +10 an, was mich zum Glück weniger störte, da ich immer noch Zeit zum Essen hatte, bevor es dann mit dem ICE weiter ging. In dem erinnere ich mich nicht an stehende Fahrgäste und auch an keine Verspätung, so dass ich wie geplant meinen Heimatbahnhof erreichte und nach Hause radelte (auf so kurzen Reisen habe ich meist nur einen kleinen Rucksack mit).

Anmerkung 06.12.19: Peinlicherweise hatte ich, obwohl ich es eigentlich besser weiß, aus dem Regiojet einen Railjet gemacht. Das habe ich jetzt korrigiert. Danke an die Jungs aus dem ICE-Treff für den Hinweis!

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