Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 7/9)

Nach drei erlebnisreichen Tagen in Rovaniemi trete ich am Sonntagmittag den Rückweg an. Die erste Etappe führt mich nicht allzu weit nach Haparanda, das diesem Reisebericht den Namen gegeben hat. Daher muss ich auch erst mittags los und kann vorher noch einen kleinen Spaziergang durch Rovaniemi machen. Dabei komme ich natürlich auch am Busbahnhof vorbei, wo ich einen Fernbus der Firma OnniBus (onni=„Glück“) sehe.

OnniBus am Busbahnhof von Rovaniemi

Die zentrale Haltestelle für die Stadtbusse ist dagegen wieder etwas stadteinwärts. Trotz des eher spärlichen Verkehrs am Sonntagvormittag gelingen mir auch hier zwei Aufnahmen. Eine Zielangabe „Santa Claus Village – Napapiiri (=Polarkreis)“ hat auch nicht jede Stadt zu bieten :-).

Stadtbus in Rovaniemi mit Zielangabe „Polarkreis“
Stadtbus in Rovaniemi

Dann hole ich meinen Koffer aus dem Hotel. Da ein Stadtbus zum Bahnhof passend fährt, nehme ich den. Beim Aussteigen merke ich, dass meine Sonnenbrille noch am Platz liegt, kann sie aber noch holen. Dafür fällt mir wenig später im Zug ein, dass ich mein Saunatuch im Hotelzimmer vergessen habe – zum Zurücklaufen zu spät und zum Nachsenden zu teuer.

Sonntag,  6. Juli 2025
Rovaniemi ab 13.02 IC 34 Kemi an 14.20
Bahnhofsszene in Rovaniemi: rechts mein IC Richtung Helsinki

Den Zug nehme ich bis Kemi. Von dort bis Tornio an der schwedischen Grenze gibt es zwar eine Bahnstrecke, sie wird jedoch nur noch viermal pro Woche (im Winter täglich) vom Nachtzug nach Kolari befahren. Also steige ich in den Bus um, der direkt gegenüber vom Bahnhof am sehr verschlafenen Busbahnhof abfährt. Es handelt sich um einen Kleinbus, von dem ich leider kein Foto mache. Fünfzehn Jahre vorher bin ich noch mit dem legendären Volvo der inzwischen insolventen Gebrüder Salmela gefahren:

Volvo-Bus der Gebrüder Salmela im Jahr 2010 in Tornio
Kemi                        ab 15.00
TornioHaparanda Matkakeskus an 15.40

Der Bus fährt nicht über die Autobahn, sondern bedient die kleinen Dörfer unterwegs. Tornio und Haparanda sind Zwillingsstädte mit einer Staats- und Zeitzonengrenze dazwischen. 2010 hatten sie noch getrennte Busbahnhöfe, zwischen denen man unter Umständen laufen musste. Inzwischen gibt es einen gemeinsamen, direkt auf der schwedischen Seite der Grenze und neben dem nördlichsten Ikea der Welt. Tornio sehe ich daher nur aus dem Bus und mache mich direkt auf den Weg zu meiner Unterkunft in Haparanda. Deren Name „Svefi“ bezieht sich nicht, wie ich erst denke, auf die Lage an der Grenze zwischen den beiden Ländern, sondern auf die Gemeinschaft der Schwedenfinnen, an deren Kulturzentrum das Hostel angeschlossen ist. Auf dem Weg kommt mir eine ältere Frau entgegen, die mich fragt: „Kommer du från busstationen?“ Mein Schwedisch reicht gerade noch, um das zu bejahen, bei der nächsten Frage muss ich aber passen. Zum Glück können wir aber problemlos ins Englische wechseln.

Nach dem komplett kontaktlosen Einchecken (da die Rezeption bereits geschlossen hat) esse ich erst in einem asiatischen Buffetrestaurant im alten Busbahnhof und mache dann einen Rundgang durch Haparanda.

Wegweiser am zentralen Platz in Haparanda. Die Aufschriften sind gemischt schwedisch und finnisch, auf der anderen Seite genau umgekehrt: „Du bist hier“ – „Kirche“ – „Finnland“ – „Lebensqualität“ – „Stadthotel“ – „Mitternachtssonne“ – „Seskarö“ – „Strand“ – „Svefi“ – „Abenteuergolf“ – „Ausflugsboote“

Die Grenze zu Finnland liegt im Fluß Torneälv/Tornionjoki bzw. einem Seitenarm davon. Für Fußgänger gibt es diese hübsche Grenzbrücke:

Fußgänger-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio

Auch der Straßenverkehr hat eine schicke Markierung auf seiner Brücke:

Straßen-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio

Am Torneälv entlang laufe ich Richtung Süden und höre dabei in der Ferne Kommandos über Lautsprecher. Ich denke erst an eine Sportveranstaltung. Als ich näher komme, sehe ich aber etwas viel Interessanteres: Am Ufer stehen eine Menge Autos. In denen sitzen Leute mit Bingokarten, und die Zahlen werden auf Schwedisch und Finnisch über den Lautsprecher bekanntgegeben. Auch eine Art, sich die Zeit zu vertreiben.

Solche von Monty Python inspirierten Schilder stehen entlang des Uferwegs

Mir dagegen hat es besonders die Grenzbrücke der Eisenbahn angetan, die die letzte Brücke über den Torneälv vor dessen Mündung in die Ostsee ist. Sie ist die einzige Verbindung zwischen dem schwedischen Normalspur- und dem finnischen Breitspurnetz, wird aber seit 1992 nur noch im Güterverkehr befahren.

Eisenbahn-Grenzbrücke zwischen Haparanda und Tornio

Auf der Südseite der Brücke führt eine Treppe zu einem alten Bunker und an die Bahnstrecke heran. Die Strecke wird momentan ertüchtigt und elektrifiziert und ist daher ab hier gesperrt. Gut erkennbar ist auch das Vierschienengleis, das Fahrten für Züge beider Spurweiten möglich macht.

Sperrtafel und Vierschienengleis an der Grenzbrücke

Dann schaue ich mich noch ein wenig am Bahnhof um. Zumindest für die heutige Bedeutung ist das Bahnhofsgebäude arg überdimensioniert:

Bahnhofsgebäude von Haparanda

Vor dem Zugang zum Bahnhof stehen zwei Anzeigetafeln. Die eine zeigt die Züge Richtung Schweden, die andere ist anscheinend schon in der freudigen Erwartung aufgestellt, dass bald wieder Personenzüge nach Finnland fahren:

Anzeigetafeln am Bahnhof in Haparanda

Anschließend mache ich mich auf den Weg ins Zimmer, wo ich noch ein Telefonat erledige und mich bald auf den Weg ins Bett mache, denn am nächsten Morgen fährt mein Zug schon um 7:12 Uhr.

Fortsetzung folgt!

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 4–6/9)

Donnerstag,  3. Juli 2025
Rovaniemi an 11.03

Im zweiten Teil hatte ich mich im Nachtzug von Turku nach Rovaniemi schlafen gelegt. Mehr oder weniger ausgeschlafen wache ich am nächsten Morgen irgendwo bei Kemi auf, also bereits in Lappland. Draußen sieht es ungefähr so aus:

Blick aus dem Zugfenster hinter Kemi

Das Frühstück ist hier nicht inbegriffen, aber trotzdem gehe ich in den Restaurantwagen und kaufe mir dort einen Cappuccino und eine pulla, die finnische Bezeichnung für Gebäckteilchen. Bald ist Muurola erreicht, der letzte Halt vor der Endstation des Zuges …

Bahnhof Muurola

… und schließlich erreichen wir pünktlich die Endstation Rovaniemi. Weiter ginge es nur einmal täglich mit dem frühen Nachtzug nach Kemijärvi.

Ankunft in Rovaniemi im Juli 2025

Zum Vergleich ein Bild von meiner Ankunft im April 2016:

Ankunft in Rovaniemi im April 2016

Ich mache mich zu Fuß auf den Weg ins Hotel und checke ein. Mein Zimmer ist zum Glück schon fertig, also ruhe ich mich kurz aus und gehe dann in die Stadt, um unter anderem ein neues Netzteil für mein Handy zu kaufen.

Die Tage in Rovaniemi verbringe ich nicht allein, sondern bin mit ein paar Bekannten verabredet, die teilweise dort wohnen, teilweise auch zu Besuch sind. Mit ihnen gehe ich am ersten Abend etwas trinken. Eine Sauna gibt es dort auch, aber für Finnland ganz untypisch braucht man Badebekleidung, die ich nicht mithabe.

Bei den Temperaturen hätte sich die Sauna durchaus gelohnt … Nach meiner Abreise erfasste eine Hitzewelle den hohen Norden.

Am nächsten Tag wollen wir draußen etwas unternehmen, aber wegen Dauerregens verlegen wir uns auf Bowling. Abends gibt es dann wieder Essen im Restaurant. Die anderen gehen noch zum Santa-Rock-Musikfestival, das mich aber nicht so reizt.

Am Samstag ist dann volles Programm: Zuerst treffen wir uns im Kulturzentrum Korundi in einem alten Busdepot. Dort läuft gerade die Sápmi-Triennale, benannt nach dem Siedlungsgebiet der indigenen Sami.

Sami-Kunst im Korundi I
Sami-Kunst im Korundi II
Sami-Kunst im Korundi III (schwedischer Text: „Die Wirklichkeit in der nördlichen Kolonie – Wie ihr denkt, dass es ist“)

In der Dauerausstellung kann man seinen größten Wunsch auf einen Klebezettel schreiben und auf eine Wand kleben. Bei den meisten reicht mein spärliches Finnisch zum Verständnis aus – Kinder wünschen sich meistens ein Haustier (vom Häschen bis zum Rentier) und Erwachsene Frieden und Gesundheit.

Wünschewand im Korundi

Ein Bahnhofsrätsel gibt es auch (wobei beim Originalbild der Zugzielanzeiger ganz rechts in der Ecke besser erkennbar ist und einen Hinweis gibt).

Bahnhofsrätsel im Korundi
Das Korundi von außen: Der ursprüngliche Zweck des Gebäudes ist noch erkennbar

Nach einer kurzen Mittagspause geht es weiter ins nächste Museum, das Arktikum. Wie der Name schon sagt, gibt es hier diverse Ausstellungen über die Arktis: zum einen über die bedrohte Natur, zum anderen aber auch über die Geschichte Finnisch-Lapplands. Dazu gehört auch die Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht im Laufe des 2. Weltkriegs. Nicht zuletzt hat das Gebäude aber auch eine beeindruckende Architektur, die bei Sonnenschein wie heute besonders gut zur Geltung kommt:

Im Arktikum I
Im Arktikum II

Außerdem lerne ich, dass Finnisch viele Wörter für Schnee hat …

100 finnische Wörter für Schnee im Arktikum

… und kann Ausdrücke in verschiedenen Sprachen der Arktis vergleichen und dabei die Verwandtschaft von Finnisch und Samisch gut erkennen.

Sprachen der Arktis: hier beispielhaft ein Vergleich zwischen Finnisch, Nordsamisch, Inuktut und Nenzisch, rechts die Bedeutung der Ausdrücke auf Englisch.
Wenn es schon aus dem Zug nicht geklappt hat, wenigstens aus dem Arktikum ein Foto von einem Elch

Höhepunkt des Tages ist die große Mitternachtssonnen-Party bei einem Mitglied unserer Gruppe, das etwa eine halbe Stunde außerhalb der Stadt an einem See wohnt. Dort fahren wir mit einem Großraumtaxi hin, das natürlich vorher noch an einem Supermarkt hält, damit wir uns mit (niedrigprozentigen) alkoholischen Getränken eindecken können (die anderen gibt es nur in Spezialgeschäften). Der Ort für die Feier ist mehr als idyllisch:

Die Location für die Mitternachtssonnen-Party I
Die Location für die Mitternachtssonnen-Party II

Und es kann passieren, dass mal eben so ein Rentier im Garten vorbei schaut.

Rentier im (zugegebenermaßen eher waldartigen) Garten unseres Gastgebers

Vor der finnischen Grillwurst (die eher nicht so mein Fall ist) gibt es selbstverständlich einen Saunabesuch. Diesmal nach finnischer Sitte ohne Badeklamotten und mit Birkenzweigen, dafür aber geschlechtergetrennt. Zwischen den Saunagängen wird selbstverständlich im See gebadet (von mir allerdings nur sehr kurz …) und vor der Saunahütte der Durst gelöscht. Nachdem wir dabei nach ein paar Minuten völlig zerstochen sind, wechseln wir lieber nach drinnen.

Damit unser (nicht mehr ganz junger) Gastgeber noch aufräumen kann, ist das Taxi für die Rückfahrt schon für 23 Uhr bestellt. Zurück in Rovaniemi geht jeder seiner Wege, so dass ich noch mal alleine losziehe und nun aber wirklich die Mitternachtssonne bewundere, die ich in den letzten Tagen im Hotel einfach ausgesperrt habe.

Die Mitternachtssonne am Ounasjoki in Rovaniemi

Aufgrund von Sommer- und Zonenzeit ist der Tiefststand der Sonne sogar erst nach 1 Uhr nachts. Zwei aus meiner Gruppe wandern noch extra auf einen Berg, um ihn zu bewundern. Das fand ich dann doch zu anstrengend, so dass ich mich mit einem Beweisfoto auf dem zentralen Platz der Stadt begnüge und anschließend die Vorhänge im Hotelzimmer zuziehe.

0:26 Uhr und immer noch hell

Fortsetzung folgt!

Der schönste Weg führt über Haparanda (Tag 3/9)

Hier hattet ihr mich auf den Spuren des Films „Zugvögel“ von Bremen bis auf das Schiff nach Turku begleitet.

Mittwoch,  2. Juli 2025
Turku an 07.30

Die Zeitverschiebung zwischen Schweden und Finnland ist ja auch ein Thema im Film, wo ein Treffen zwischen Sirpa und Hannes daran scheitert. Bei mir führt sie dazu, dass sich mein Handy nachts umstellt und mich der Wecker daher eine Stunde zu früh weckt. Das war nicht völlig überraschend, aber wenn ich mich darauf verlassen hätte, hätte es wahrscheinlich nicht funktioniert. Und ich kann auch problemlos wieder einschlafen.

Draußen beginnt der neue Tag, wie der alte aufgehört hat, nämlich mit Schären. Überhaupt gibt es auf der Route von Stockholm nach Turku, bei der auch noch die Åland-Inseln dazwischen liegen (und für die zollfreie Einkaufsmöglichkeit sorgen), nur wenig offenes Meer.

Schären kurz vor Turku

In Turku angekommen, will ich mich nicht mit den anderen Passagieren in den Stadtbus quetschen und laufe daher zum Hafenbahnhof, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist und zu den Schiffszeiten passende Abfahrten hat. Am Bahnsteig stehen zwei Züge bereit: ein langer nach Tampere und ein kurzer. Der fährt normalerweise nach Helsinki, wegen Bauarbeiten heute aber nur bis Karjaa. Da er etwas eher fährt, aktiviere ich mein Interrail und steige ein. Die Interrail-App ist im Gegensatz zur VR-Website der Meinung, dass der Zug in Turku nur zum Einstieg hält, und schickt mich daher über Karjaa, was aber tariflich keinen Unterschied macht.

Der Zug nebenan nach Tampere hat vorne nur einen „nackten“ Wagenübergang, und ich frage mich, wie er so fahren will, da es am Hafenbahnhof auch keine Umsetzmöglichkeit gibt.

Intercity nach Tampere am Hafenbahnhof von Turku

Nachdem ich die kurze Strecke zum Stadtbahnhof gefahren bin, kommt der Zug nach Tampere kurz danach angefahren – immer noch mit dem Wagenübergang vorne.

Ich stelle mit Schrecken fest, dass es am Bahnhof keine Gepäckschließfächer gibt. Eine kurze Netzrecherche ergibt aber, dass es im Einkaufszentrum Hansakortteli am Marktplatz welche gibt und mache mich zu Fuß auf den Weg dorthin. Eigentlich ist es nicht weit, aber auf dem direkten Weg ist ein ordentlicher Hügel zu überwinden, den ich bestmöglich umgehe. Dann schließe ich meinen Koffer ein, setze mich erst mal in ein Café auf dem Marktplatz und frühstücke.

Dann mache ich mich auf den Weg, die älteste Stadt und ehemalige Hauptstadt Finnlands zu erkunden. Helsinki hat diesen Titel 1812 nur bekommen, weil Finnland damals zu Russland gehörte und Turku dem Zaren zu weit weg war. Der Plan, Helsinki dann auch gleich nach dem Herrscher in Alexandria umzubenennen, wurde allerdings nicht umgesetzt. Der Dom von Turku ist heute noch das geistliche Zentrum der finnischen evangelischen Landeskirche.

Der Dom von Turku

Von außen sieht er eher bescheiden aus, von innen nicht ganz so.

Innenansicht des Doms von Turku

Sonst gibt es nicht viel alte Bausubstanz, seit ein Feuer 1827 in der Stadt wütete (und die Vormachtstellung von Helsinki weiter zementierte). Die einzige erhaltene Straße ist heute ein Freilichtmuseum etwas außerhalb des Zentrums, zu dem ich mich aber nicht aufmache. Stattdessen statte ich der Markthalle einen Besuch ab.

In der Markthalle von Turku

Auch ohne Sprachkenntnisse ist recht deutlich, was dort verboten ist:

Verbotsschild in der Markthalle von Turku

In der Markthalle gibt es einen „blauen Zug“, einen langen Raum mit Sitzen, auf denen man sein Essen essen kann:

Sininen juna (Blauer Zug) in der Markthalle von Turku

Und so sieht die Markthalle von außen aus:

Die Turkuer Markthalle von außen

Einen Marktplatz gibt es wie gesagt auch. Wahrscheinlich ist der finnische Name der Stadt sogar mit dem Wort tori für (Markt-)Platz verwandt. Mich erinnert er sehr an den Marktplatz von Kuopio, wo ich 2013 war. Am Marktplatz esse ich auch in einem der für Finnland recht typischen günstigen Buffetrestaurants zu Mittag, und zwar einem sehr guten koreanischen.

Der Marktplatz von Turku

Als letzter Rest der 1972 stillgelegten Straßenbahn dient ein Wagen heute als Eiskiosk. Es gibt aber Pläne, wieder einen Betrieb einzurichten.

Alter Straßenbahnwagen als Eiskiosk auf dem Turkuer Marktplatz

Der öffentliche Nahverkehr wird momentan vollständig von Bussen übernommen, die unter dem Namen „Föli“ laufen. Das Wort kommt aus dem Turkuer Dialekt, in dem fölissä so viel wie „an Bord“ bedeutet. Im Standardfinnischen gibt es interessanterweise überhaupt kein f.

Föli-Bus am Turkuer Marktplatz

Mit einem Föli-Bus fahre ich noch mal zum Hafen, wo sich auch die Burg befindet, der ich einen kurzen Besuch abstatte.

Die Burg von Turku
Im Burghof von Turku

Sehr nett ist es in Turku auch am Fluss, der den schönen Namen Aurajoki trägt (joki heißt einfach „Fluss“).

Am Aurajoki in Turku
Am Aurajoki in Turku (Åbo ist der schwedische Name der Stadt)

Den Rest der Zeit verbringe ich zeitunglesend auf einer Parkbank in der Nähe des Flusses. Es ist trocken, meistens sonnig und noch ein paar Grad kühler als gestern in Stockholm – also bestes Wetter, um draußen Zeit totzuschlagen.

Zum Bahnhof mache ich mich dann aber doch sehr früh auf. Ich hole meinen Koffer aus dem Schließfach und fahre diesmal mit dem Bus. Den Bahnhof liegt noch in den letzten Zügen eines Umbaus, bei dem man leider auch das Bahnhofsgebäude eingespart hat. Als Warteraum dient jetzt eine Ecke in einem ehemaligen Betriebswerk, das sonst zum Kulturzentrum umfunktioniert wurde. Immerhin hat es dadurch auch Gastronomie, bei der man sich vor der Reise noch eindecken kann.

Warteraum am Bahnhof Turku
Der Bahnhof von Turku

Die Schlafwagen für meinen Nachtzug stehen noch in der Abstellung:

Schlafwagen für den Nachtzug nach Rovaniemi am Bahnhof in Turku

Die Sitzwagen kommen etwa eine halbe Stunde vor der Abfahrt als Intercity von Hafen an, dann werden die Schlafwagen angekuppelt. Autotransportwagen gibt es auch, sie laufen ganz an der Spitze mit.

Die Schlafwagen für den Nachtzug nach Rovaniemi werden angekuppelt
Autotransportwagen mit etwas hypnotisch guckendem Rentier
Den Schlafwagen ziert dagegen natürlich eine Eule …
… und ein Weihnachtsmann (finnischer Text etwa: „Offizielles Bahnunternehmen des Weihnachtsmanns“)

Das Innere meines Abteils sieht noch genauso aus wie 2016, als ich schon mal gen Norden gefahren bin. Daher zeige ich noch mal die Fotos von damals:

VR-Schlafabteil von innen
Badezimmer eines VR-Schlafabteils
Dusche eines VR-Schlafabteils

Turku        ab 21.08 PYO 933

Dann fährt der Zug los. Bald hinter Turku sehe ich zwei Elche vor dem Zug fliehen, natürlich zu schnell und plötzlich für ein Foto. Ebenfalls plötzlich klopft es an der Tür: Fahrkartenkontrolle. Ich habe schlauerweise mein Handy zum Laden an die Steckdose neben der Tür (und nicht an die am Bett) angeschlossen. Als ich jetzt die Tür aufmache, denke ich daran nicht mehr und schrotte prompt das Netzteil. Jetzt muss ich ein wenig mit dem Akku haushalten. Aber da es ja draußen hell ist, kann ich prima auf dem Klappsitz am Fenster sitzen und die Landschaft beobachten. Das mache ich bis Tampere, wo der Zug interessanterweise vier Stunden Aufenthalt hat. Wenn man will (so schlägt es auch die Interrail-App vor), kann man hier umsteigen und schon morgens um sieben in Rovaniemi sein. Als Langschläfer, der zudem keinen Termin hat, lehne ich das entschieden ab, bleibe im Zug und lege mich schlafen.

Fortsetzung folgt!

Zug und „Vogel“ – einmal nach Rovaniemi

Inspiriert vom Film „Zugvögel“ habe ich mich Anfang April auf den Weg nach Finnisch-Lappland gemacht. Anlass war ein Vereinstreffen, zu dem ich wegen der Flugzeiten ohnehin am Vortag anreisen musste. Also beschloss ich, nur bis Helsinki zu fliegen und von da den Nachtzug zu nehmen.
Das Abenteuer fing schon mit der Fahrt zum Frankfurter Flughafen an: Mein ICE war mit +20 angekündigt. Scharfes Rechnen ergab, dass ich dann den RE nach FF nehmen könnte (was man hat, das hat man) und wahrscheinlich sogar noch vor dem ICE dort wäre. Pustekuchen: Der ICE überholte uns bereits in Hanau, wodurch der RE natürlich auch Verspätung bekam. Der Zub kümmerte sich rührend um mich und machte sich wohl mehr Sorgen um das Erreichen meines Fluges als ich. In FF erreichte ich gerade noch den leicht verspäteten ICE Richtung Amsterdam, so dass ich immer noch ausreichend Zeit bis zum Abflug hatte. Zum Terminal 2 nahm ich übrigens die SkyLine, auch wenn die Wegweiser einen vom Bahnhof aus zum Shuttlebus schicken. Meiner Meinung nach geht es mit der SkyLine deutlich schneller, auch wenn man einen Tick weiter laufen muss.

Der Flug verlief ohne Besonderheiten und leider inzwischen auch ohne kostenlosen Snack, was bei meinem letzten Finnair-Flug 2013 noch anders war. Nur Kaffee, Tee, Wasser und Blaubeersaft gab es gratis. In HEL angekommen, schnappte ich meinen Koffer, der leider leicht beschädigt worden war, und machte mich auf den Weg zum erst 2015 eröffneten S-Bahnhof. Vor dem Automaten hatte sich eine Schlange gebildet, aber daneben gab es noch einen, der nur Karten akzeptierte und vor dem niemand wartete. Ich kaufte eine Fahrkarte und stieg in den Zug. Der Flughafen ist „Endpunkt“ einer Ringlinie vom Hbf aus, man kann also in jede Richtung fahren und kommt immer in die Stadt. Ich entschied mich für die Linie I, die gegen den Uhrzeigersinn fährt. Unterwegs kam ein Zub vorbei. Ich zeigte ihm meine Fahrkarte, er meinte, er wolle sie eigentlich gar nicht sehen (er war wohl nur für den Fahrkartenverkauf da), aber ich müsse sie noch entwerten, was ich dann auch gleich tat. Im Nachhinein hat mich das etwas gewundert, weil das Ende der Gültigkeit bereits aufgedruckt war:

Am Hbf angekommen, lichtete ich erst mal einen S-Bahn-FLIRT ab …

… sowie diverse Busse, von denen ich stellvertretend einen zeige:

Da ich für den Nachtzug mein eigentliches Ticket noch nicht hatte, sondern nur eine Auftragsbestätigung, versuchte ich die Fahrkarte am Automaten zu besorgen. Der fand auch den Auftrag, bot jedoch keine Möglichkeit, das Ticket auch zu drucken. Also ging ich in die imposante Schalterhalle, …

wo mir eine nette Angestellte das Ticket druckte:

Die Zeit bis zur Abfahrt des Nachtzugs vertrieb ich mir zum einen am Bahnhof, wo ich einige Bilder von Zügen machte:

Dabei konnte ich beobachten, dass es die „Salamitaktik“ bei Verspätungen offensichtlich auch in Finnland gibt: Die voraussichtliche Abfahrtszeit für einen Zug, der schon am Bahnsteig stand, wurde immer wieder um fünf Minuten nach hinten verschoben. Wie viele Minuten hinter Plan er den Bahnhof dann verlassen hat, habe ich nicht mitbekommen.

Pünktlich war dagegen der „Allegro“ aus St. Petersburg:

Außerdem kam mir im U-Bahnhof ein Zug der neuen Metro-Baureihe M300 vor die Linse:

Da von dieser Baureihe, die vor allem für die dieses Jahr in Betrieb gehende Westmetro dienen soll, noch nicht alle Wagen in Betrieb sind, wurde ich Zeuge einer Testfahrt: Ein leerer, innen unbeleuchteter Zug mit abgedeckten Sitzen hält kurz am Bahnsteig und öffnet auf der abgewandten Seite die Türen, während oberhalb der Türen irgendwelche Lichtschranken aktiviert werden.

Außerdem schlenderte ich ein bisschen durch die Innenstadt, wo ich 2010 schon mal gewesen war. Da das Wetter nicht so toll war, blieb ich im Rathaus hängen, wo unter anderem eine interessante Fotoausstellung lief.

Vor der Abfahrt des Nachtzuges aß ich noch bei einem indischen Schnellrestaurant in der Bahnhofspassage und deckte mich mit Süßigkeiten für die Fahrt ein. Dann bezog ich mein Einzelabteil mit Dusche:

Nach der Abfahrt klopfte der Schaffner und erzählte mir etwas auf Finnisch. Ich verstand immerhin so viel, dass es um die Öffnungszeiten des Restaurants ging und verzichtete daher auf eine englische Übersetzung. Dann traf ich mich noch kurz mit einem Vereinskollegen im Speisewagen, wo wir das Anhängen der Autotransportwagen in Pasila/Böle abwarteten. Dann machte ich mich auf den Weg ins Bett, denn den Schlaf konnte ich jetzt gut gebrauchen. Geschlafen habe ich zwar relativ gut, aber natürlich nicht so wie zu Hause. Als ich aufwachte, hielten wir gerade in Kemi. Der DB Navigator verriet mir über das Bord-WLAN, dass wir eine halbe Stunde Verspätung hatten. Kurz darauf klopfte ein Zub, der mir (diesmal allerdings auf Englisch) genau das mitteilte und fragte, ob ich noch eine Busverbindung erreichen müsse. Draußen sah es inzwischen so aus:

Da wir ja nun noch Zeit hatten, legte ich mich noch eine Weile hin, bevor ich dann die Dusche testete und mich anschließend auf dem Weg in den Speisewagen machte. Selbst beim Einzelabteil ist in Finnland interessanterweise kein Frühstück inbegriffen, also kaufte ich einen Muffin und einen großen Kaffee aus der typischen finnischen Glaskanne auf der Warmhalteplatte.

Statt im Einzelabteil hätte ich die 12 Stunden Fahrt auch im Sitzwagen zubringen können:

Dort befanden sich aber zu diesem Zeitpunkt nur noch zwei einsame Fahrgäste. Mit nur noch etwa +10 erreichten wir schließlich Rovaniemi, …

… wo ich mich wieder mit meinem Vereinskollegen zusammen tat und wir ein wenig die Stadt erkundeten, u.a. das offizielle Einkaufszentrum des Weihnachtsmanns …

… das sich aber bis auf einen riesigen roten Briefkasten in nichts von einem normalen EKZ unterscheidet. Da die beiden in Rovaniemi zusammenfließenden Flüsse noch größtenteils zugefroren waren, sahen wir auch einen Eisangler und eine Schneemauer:

Weitere Sehenswürdigkeiten besichtigten wir dann später im Rahmen des Treffens, u.a. das von Aalto entworfene Theater, …

… das Arktikum …

und den nach der Rockband benannten Lordi-Platz.

Zurück ging es dann vom Flughafen aus, der mit dem Linienbus direkt von meinem Hotel aus erreichbar ist. Sonntags fährt er nicht allzu oft, aber zu meinem Flug gab es eine passende Fahrt. Sowohl der Flug nach Helsinki als auch der nach Frankfurt waren bis auf den letzten Platz belegt. Für HEL-FRA hatte ich mir den letzten Fensterplatz gesichert und konnte so u.a. Tallinn, das ZDF-Gebäude und die Innenstadt von Mainz sehen.
Für die Rückfahrt hatte ich mir dann schon ausgerechnet, den ICE um 19.35 Uhr nach NAH zu nehmen. Das hätte auch prima geklappt, wären nicht auf der Spessartstrecke Bauarbeiten gewesen, die zu einer Umleitung der ICE über Schlüchtern führten. Also konnte ich mir zwar den Weg zum Fernbahnhof sparen, musste aber mit dem VLEXX und dem in geänderter Zeitlage fahrenden RE vorlieb nehmen. Und einen Bus nach Hause gab es auch nicht mehr und ein AST noch nicht, aber zum Glück ist das Taxi nicht sehr teuer.

Kiitos lukemasta! – Vielen Dank fürs Lesen!

Du gamla, du fria, …

Davon, dass der Norden – wie in der → schwedischen Nationalhymne besungen – wirklich alt, frei und felsig ist, konnte ich mich zwischen dem 25. Juli und dem 4. August ausführlich überzeugen. Nach dem Vorbild meiner Schweiz-Rundfahrt 2006 bin ich insgesamt zehn Tage lang durch Schweden, Finnland und Norwegen getourt. Alle Fotos und einen ausführlichen Reisebericht gibt es später, hier erst mal die Höhepunkte der Reise in Kurzform:

  • Los ging es mit dem Nachtzug nach Kopenhagen, wo ich prompt das einzige Mal auf der Reise den Anschluss verpasst habe: der Zug hatte 20 Minuten Verspätung, so dass der X2000 nach Stockholm gerade weg war. Auf Anraten des Schaffners bin ich weiter nach Malmö gefahren und habe dort umgebucht (der X2000 ist reservierungspflichtig). Einen freien Platz gab es erst wieder drei Stunden später, dafür aber ohne Aufpreis in der ersten Klasse.
    Kurz vor Stockholm dann die nächste Komplikation: Vor uns war die Strecke wegen eines Unfalls gesperrt, es ging nur mit Bussen weiter. Da ich den direkten Bus nach Stockholm nicht gefunden habe, fuhr ich zur nächsten S-Bahn-Station und von dort mit dem Pendeltåg weiter in die Hauptstadt.
  • Von Stockholm habe ich mit der MS Gabriella nach Helsinki abgelegt. Das hat mit Bussen und Bahnen zwar nichts zu tun, ist aber wegen der wunderschönen Schärenlandschaft trotzdem erwähnenswert.
  • Nach ausgiebigem Betrachten der finnischen Hauptstadt, unter anderem mit der Touristen-Straßenbahnlinie 3T, ging es dann weiter in Richtung Norden an der Küste des Bottnischen Meerbusens entlang – zunächst mit einem Intercity bis Oulu, dann mit einem Regionalzug bis nach Kemi. Von dort fuhr ein nicht mehr ganz taufrischer Bus nach Tornio an der Grenze zu Schweden, die ich dann zu Fuß überquert habe (die Busse fahren aber auch hier). Weiter zu meinem Etappenziel Luleå brachte mich dann wiederum ein Bus, in dem ich auf dem „Panoramaplatz“ oben ganz vorne sitzen konnte.
  • Eines der Kernstücke der Reise war am nächsten Tag die Fahrt auf der legendären Erzbahn. Leider war das Wetter an diesem Tag nicht sehr gut, so dass ich statt der beeindruckenden Landschaft vor allem tiefhängende Wolken sah. In Vassijaure kurz vor der norwegischen Grenze hatten wir aufgrund technischer Probleme einen einstündigen unfreiwilligen Aufenthalt, den ich aber immerhin dazu genutzt habe, den Zug zu fotografieren. Hinter der Grenze klarte es dann zum Glück auf, so dass ich kurz vor Narvik noch ein Bild der beeindruckenden Fjordlandschaft machen konnte. Auf der Brücke über den sonst abgeschotteten Erzbahnhof gelang es mir dann auch, einige Erzzüge abzulichten.
  • Auch bei der Weiterreise am nächsten Tag standen Fjorde im Mittelpunkt. Der Bus, den ich bis Fauske benutzt habe, überquerte einen davon sogar auf einer Fähre, und der Zug, in den ich dort umgestiegen bin, fuhr anfangs direkt an einem entlang – eine Fahrt durch die Berge im Landesinneren folgte. Bis zu meinem Tagesziel Trondheim zog sich die Strecke dann aber auch in den bequemen Sitzen des etwas nostalgischen Zuges etwas.
  • Von Trondheim führte mich meine Reise dann durch eine wieder mitteleuropäischer werdende Landschaft mit einem BM-73-Neigezug nach Oslo, das ich mir am folgenden Tag noch ein wenig anschaute, bevor ich dann – mit einer anderen Version des BM 73 – zu meiner letzten Etappe nach Göteborg aufbrach.
  • Nachdem ich auch die zweitgrößte Stadt Schwedens erkundet hatte, brach ich am späten Nachmittag zur Rückfahrt auf. Sie führte zunächst – wieder mit einem X2000 – nach Lund, wo zurzeit der Nachtzug nach Berlin beginnt. Dieser hat einige Besonderheiten: Zum einen ist er – unter Nutzung der Fähre Trelleborg–Sassnitz – der einzige direkte Zug von Deutschland nach Schweden und zurück, zum anderen ist er einer der wenigen Fernzüge, die in Deutschland unter der Regie eines privaten Bahnanbieters, in diesem Falle der Georg Verkehrsorganisation, laufen. Trotzdem wird der Zug interessanterweise von einem DB-Zub begleitet.
  • Nach der Ankunft in Berlin zur unchristlichen Zeit von 06:04 Uhr frühstückte ich mit dem netten schwedischen Pärchen, das ich im Zug kennen gelernt hatte (und dessen männliche Hälfte mich prompt in seinem → Blog verewigte) und setzte mich dann in den ICE nach Essen, von wo ich dann weiter nach Marl fuhr, wo ich noch einige Tage bei meinen Eltern verbrachte und in Erinnerungen an diese schöne Reise schwelgte.
  • Gefahren bin ich übrigens mit einem → InterRail-Ticket, das für fast alle Züge und einige Fernbusse außerhalb Deutschlands gilt. Extra bezahlen musste ich so nur die An- und Abreise in den Nachtzügen, die Reservierung für den X2000, die Busfahrt Narvik–Fauske, den städtischen ÖPNV sowie natürlich die Schiffsfahrt Stockholm–Helsinki. Übernachtet habe ich jeweils in Jugendherbergen, so dass sich die Kosten einigermaßen in Grenzen hielten. Trotzdem ergab sich für alle Fahrten und Übernachtungen (ohne Verpflegung) eine Summe von über 900 Euro, die auszugeben sich aber absolut gelohnt hat. Wenn ich euch jetzt zu einer eigenen Nordland-Tour inspiriert habe – schreibt mir, vielleicht kann ich euch noch ein paar Tipps geben!