Wie sich das für eine ordentliche Reihe gehört, gibt es natürlich einen zweiten Teil: Ende der 70er-Jahre musste die damalige Deutsche Bundesbahn die Innbrücke Jettenbach in Bayern für den Schienenverkehr sperren. Es wurden Behelfsbahnsteige an beiden Enden eingerichtet, und die Reisenden mussten die Brücke zu Fuß überqueren, bis auch das nicht mehr möglich war und die Brücke schließlich neu gebaut werden musste. Als ich viel später von diesem Kuriosum erfuhr, dachte ich, dass so etwas heutzutage nicht mehr möglich wäre.
Pustekuchen: Im Jahr 2021 passierte genau dasselbe mit der Lindaunisbrücke über die Schlei in Schleswig-Holstein an der Strecke Kiel–Flensburg. An den beiden Enden der Brücke wurden die Haltepunkte Boren-Lindaunis Schleibrücke Nord und Rieseby Schleibrücke Süd eingerichtet. Dazwischen liegt ein Fußweg über die Brücke von vielleicht 5–10 Minuten. Die Fahrpläne sind natürlich so gestaltet, dass die Zeit bequem ausreicht, man aber auch nicht lange warten muss. Das tun die Züge dann im Bahnhof Süderbrarup, um an beiden Enden in den Takt zu passen.
Heute wollte ich mir das Ganze mal angucken. Für die Anreise stieg ich aufgrund des recht vollen RE spontan in den ICE nach AH. Ursprünglich war der Plan, mit dem ECE nach Schleswig und von dort mit dem Bus nach Süderbrarup zu fahren, aber da ersterer ausfiel, der ICE aber recht zeitig eintraf, wurde es der RE nach Flensburg, so dass ich die komplette Strecke befahren konnte. Hier nun die Bilder von der Brücke:




Dann ging es wieder auf der Schiene weiter, interessanterweise mit einem 628er der neg. Innen informierte allerdings ein Aushang darüber, dass das nur während der Kieler Woche so sei. So konnte man nämlich zwischen Eckernförde und Kiel in Doppeltraktion und im Halbstundentakt fahren, was in erstgenanntem Bahnhof natürlich noch einen Umstieg erforderte. Das kam mir aber nicht ungelegen, hatte ich doch 1997 hier mit meiner Familie Urlaub gemacht und konnte so noch ein bisschen durch den Ort schlendern, erkannte aber nicht viel wieder. Dafür ergab sich aber spontan noch ein Bild eines Busses des Stadtverkehrs, was mir damals nicht so richtig gelungen war.


Dann trat ich die Rückfahrt an: mit der RB73 bis Kiel, dem RE7 bis Hamburg und weiter mit der RB41. Bis kurz vor Tostedt lief alles nach Plan, dann schlug das Pech in Form von spielenden Kindern auf der Strecke zu. Den Kindern ist zum Glück nichts passiert, wir standen aber geschlagene anderthalb Stunden auf freier Strecke, zum Glück im nicht allzu vollen klimatisierten Zug. Als es weiterging, war dann außerplanmäßiges Wenden in Rotenburg angesagt. Der nächste Zug nach Bremen war randvoll mit Rückreisenden vom Hurricane-Festival, der übernächste, der direkt danach kam, zum Glück nicht, so dass es insgesamt schlimmer hätte kommen können und ich etwas mit weniger als zwei Stunden Verspätung meine Hansestadt wieder erreichte.