Hinnerm Odewald

Weil ich immer noch leicht erkältet bin (die Nachwirkungen der Brügge-Fahrt 😉 ), konnte ich heute mal wieder nicht schwimmen gehen. Die „Trostpflaster-Bahntour“ war aber mindestens genau so schön: Zuerst bin ich mit dem RE bis Miltenberg gefahren, wo ich Anschluss an die „Madonnenlandbahn“ hatte. Hier begann der wirklich schöne Teil der Reise: Nicht nur gab es landschaftlich eine Menge zu gucken, auch bahntechnisch gab es so lustige Sachen wie Vorsignaltafeln ohne Vorsignal, Trapeztafeln und jede Menge Langsamfahrstellen, davon zwei (!) mit 5 (!) km/h. Und einige der Haltepunkte waren so versteckt gelegen, dass sie eher an einen Vorgarten erinnerten.
Zwischendurch hatte der Zug 20 min Aufenthalt in Walldürn. Das heißt, eigentlich endete der Zug von Miltenberg dort und fuhr mit demselben Fahrzeug (628 der Westfrankenbahn), aber anderer Zugnummer weiter. Deswegen stand im Aushangfahrplan in Miltenberg als Zielbahnhof auch nur „Walldürn“, ohne irgendeinen Hinweis, dass der Zug weiterfährt. Beruhigt hat mich dann erst die Angabe „Seckach“ auf dem Zugzielanzeiger.
Den Aufenthalt in RWDN habe ich für einen kleinen Spaziergang durch den Ort genutzt, bevor der Zug weiter fuhr nach Seckach. Von da ging es elektrisch durch das ebenfalls sehr schöne Neckartal mit der S-Bahn bis Eberbach, wo ich Anschluss zur Odenwaldbahn hatte. Mit 30,8 km ist der Streckenabschnitt Eberbach–Erbach einer der längsten eingleisigen Deutschlands, und gleichzeitig auch einer der landschaftlich schönsten, auf dem auch das bekannte Himbächlviadukt liegt. Übrigens wird hier mit meistens 80-90 km/h deutlich schneller gefahren als auf der Madonnenlandbahn. Die meisten Haltepunkte werden nicht mehr bedient, eine Ausnahme ist der sehr idyllisch gelegene in Hesseneck-Hesselbach (ehemals Schöllenbach-Hesselbach). In Groß Umstadt-Wiebelsbach (ehemals Wiebelsbach-Heubach) bin ich dann wiederum umgestiegen, um auf dem Hanauer AST der Strecke weiter zu fahren. Hinter Groß Umstadt (bzw. dem Hp mit dem tollen Namen „Groß Umstadt-Klein Umstadt“) ging die Berglandschaft in die Ebene des Bachgaus über, die mir persönlich auch sehr gut gefällt. In Babenhausen schließlich bestieg ich dann den Zug über die gewohnte Strecke zurück nach Aschaffenburg.

Außer den Wundern der Ingenieursbaukunst und der Landschaft gab es noch ein weiteres Wunder auf der Fahrt, nämlich dass ich nirgendwo länger als 20 min auf den Anschluss warten musste. Bei dem vorherrschenden Zweistundentakt am Wochenende weiß man nie so genau, ob das Zufall oder Absicht ist, zumal nicht alle Fahrpläne symmetrisch und vertaktet sind. Was den Fahrpreis betrifft, so kann man bei einer Fahrt durch drei Bundesländer schlecht ein Länderticket benutzen, also kostete das Ganze: 5,80 € VAB-Fahrschein NAH–Schneeberg, 9,60 € DB-Fahrschein Schneeberg–Eberbach mit Bahncard, 7,30 € RMV-Fahrschein Eberbach–NAH. Jedenfalls theoretisch, denn der Automat in Eberbach wollte keine Geldscheine annehmen, so dass ich den RMV-Fahrschein erst in Wiebelsbach gekauft und entsprechend Geld gespart habe 😛 . So oder so war es auf jeden Fall günstiger als mit dem Wochenendticket.

Und die A-bis-Z-Liste hat jetzt einen neuen Eintrag:

Miltenberg–Seckach* RB

Bitte anschnallen

Und schon wieder eine Bahntour: Diesmal war ich unterwegs nach Schwäbisch Hall, gestern Vormittag hin, heute Nachmittag zurück. Also in den Main-Tauber-Express Aschaffenburg–Crailsheim aus einer Doppeltraktion 628er gesetzt – nicht nur preiswerter als, sondern auch genau so schnell wie der Fernverkehr.
Kurz vor Obernburg-Elsenfeld eine kuriose Ansage: „Meine Damen und Herren, wir befinden uns auf dem Weg nach Miltenberg. Leider kommt uns auf der eingleisigen Strecke ein Zug entgegen. Wir bitten Sie, sich anzuschnallen.“ – Humor muss man haben … Weniger amüsant war die Tatsache, dass je ein Fahrgast in Freudenberg und Dorfprozelten aussteigen wollten und nicht mitbekommen hatten, dass das Bedarfshalte sind. Tatsächlich habe ich die Ansage des Tf („Zum Aussteigen bitte melden.“) auch erst beim dritten Bedarfshalt gehört, sie hätte also ruhig etwas deutlicher sein können. Nach insgesamt drei Stunden Nebenbahnromantik gab es dann noch einen neuen Verfrühungsrekord: Die Endstation Crailsheim haben wir tatsächlich mit –6 erreicht, so dass das Umsteigen kein Problem darstellte, wie auch die Weiterfahrt nach Schwäbisch Hall.

Die Rückfahrt verlief leider nicht ganz so unproblematisch: Der Zug fuhr in TSHL mit etwa +7 ab, also genau die Übergangszeit zum Main-Tauber-Express. Unterwegs hatte noch der Motor des 628 einige Aussetzer, so dass wir Crailsheim einige Minuten nach der Abfahrtszeit des Zuges erreichten. Und obwohl ja anscheinend Luft im Fahrplan vorhanden ist und der Zug nur alle zwei Stunden fährt, war er tatsächlich schon über alle Berge. Ebenso wie der IC nach Nürnberg, den einige Reisende doch ganz gerne noch erwischt hätten – u.a. ein Soldat, der zurück zu seinem Standort musste.
Für mich war es nicht ganz so dramatisch, denn der Weg über Ansbach und Würzburg dauert trotz eines Umweges von 56 km und zwei Aufenthalten von über 15 min praktisch genau so lange wie der über Miltenberg – abgesehen davon, dass der Zug nach Ansbach natürlich erst in einer Stunde fuhr. Und auch der Servicemitarbeiter am Bf Crailsheim gab sich alle Mühe, die gestrandeten Fahrgäste zu beruhigen und über ihre Möglichkeiten (nächste Verbindung und Erstattungsanträge) zu informieren. Am Umgang mit der Betriebsstörung gibt es also eher wenig auszusetzen, nur habe ich mir mal wieder die Frage gestellt, ob solche Störungen nicht einfach viel zu oft vorkommen.
Zum Glück sind auf der Weiterreise keine weiteren Komplikationen passiert, so dass es bei der einen Stunde Verspätung blieb – da ich ein Nahverkehrsticket hatte, leider ohne irgendeinen Entschädigungsanspruch.

Und natürlich gibt es jetzt für die A-bis-Z-Liste einen neuen Eintrag:

Aschaffenburg–Crailsheim RE

Wenn einer eine Bahnreise tut, …

… dann kann er was erzählen. Das habe ich zumindest gedacht, denn bei den meisten Reisen erlebe ich doch irgendetwas Besonderes – seien es außergewöhnliche Fahrgäste, betriebliche Besonderheiten oder neue Strecken.
Bei der ersten Reise, von der ich hier nun berichten will, lief allerdings alles so reibungslos, dass es sich kaum lohnt, einen Beitrag zu schreiben, aber ich tue es trotzdem 🙂 :

Gestern bin ich von Aschaffenburg nach Kirchheim (Teck) und zurück gefahren, und alles hat wunderbar geklappt. Einziger Wermutstropfen war, dass es keinen Sparpreis 50 mehr gab und ich auf das Frühlings-Spezial zurückgreifen musste. Die Fahrt selber war dann ziemlich unaufregend: NAH–Hanau mit RE, dann mit dem ICE weiter nach Stuttgart, da Umsteigen in den RE Richtung Tübingen. In Esslingen die Ansage, dass wir bitte nach hinten gehen mögen, weil in Plochingen vorne Fußballfans einsteigen würden, die „schon negativ aufgefallen sind“. Natürlich laufen einige trotzdem durch unseren Waggon, fallen aber zum Glück nur durch ihre Lautstärke negativ auf.
Erst ab Plochingen ist übrigens auch die Strecke neu für mich, und aus unerfindlichen Gründen hatte ich gedacht, dass Kirchheim von Stuttgart mit der S-Bahn zu erreichen ist. Aber das befindet sich zur Zeit noch im Planungsstadium. Also geht es ab Wendlingen eingleisig mit Regio-Shuttles weiter bis Kirchheim, wo immer zur vollen Stunde gekreuzt wird – und das, wie ich mit einem Blick ins 1991er-Kursbuch feststelle, schon seit mindestens 16 Jahren.

Zurück ist noch weniger passiert, außer dass – wie schon auf der Hinfahrt – von den Fernzügen kaum einer wirklich pünktlich ist. Aber die Verspätung bewegt sich im Bereich +5, so dass kein Anschluss in Gefahr ist und ich „moi Aschebersch“ ohne Komplikationen erreiche. Die Verbindung ist auch im Wesentlichen die gleiche, nur dass ich schon in Frankfurt umsteigen und mit dem IC weiterfahren kann, weil dieser am Tagesrand auch in NAH hält.
Insofern: Wenn jede Fahrt so läuft wie diese, ist Bahnreisen angenehm – und Bloggen langweilig 🙂 .