Vom 16. bis 20. November war ich endlich mal wieder zu Besuch bei meiner Tante in Lyon, einer meiner Lieblingsstädte – nicht zuletzt wegen des vielseitigen ÖPNV dort. Immerhin hatte ich die Straßenbahn, die es dort seit 2000 gibt, bisher nur im Probebetrieb gesehen, und auch die neuen Cristalis-Obusse kannte ich nur von Fotos. Und bei der Gelegenheit wollte ich mir auch mal den architektonisch sehr interessanten TGV-Bahnhof am Lyoner Flughafen ansehen.
Hingefahren bin ich nicht mit dem Zug, sondern mit einem Lkw, der für meinen Arbeitgeber unterwegs war – eine sehr bequeme Reise, obwohl ich schon um 3 Uhr aufstehen musste.
Zurück wollte ich dann mit dem TGV nach Paris und von dort weiter über die LGV Est. Gebucht hatte ich schon einen Monat vorher: den Fahrschein Paris–NAH auf bahn.de, den Fahrschein Lyon–Paris auf SNCF.fr. Dadurch konnte ich den Spartarif der SNCF nutzen („Loisir“ mit kostenloser Umbuchungsmöglichkeit bis zum Abfahrtstag). Nicht nur diesen Tarif, sondern die gesamte Buchung fand ich etwas kundenfreundlicher als bei der DB: Es wurde nämlich für jeden Zug sofort angezeigt, welche Sparpreise noch verfügbar waren und was deren Konditionen sind. Insgesamt habe ich so 81+38=119 Euro bezahlt – 20 weniger als den Preis laut Schalterauskunft der DB.
Mein Zug war zum Glück einer der wenigen, die trotz des Streiks der SNCF fuhren, und so konnte ich eine sehr ruhige Fahrt mit Zwischenhalt am Bahnhof Le Creusot „mitten in der Pampa“ genießen. Auf dem Weg vom Gare de Lyon zum Gare de l’Est habe ich dann die automatische Metro der Linie 14 benutzt, die im Gegensatz zur Lyoner Linie D mit Bahnsteigtüren abgesichert (und daher sehr schwer zu fotografieren) ist. Weiter von Châtelet zum Ostbahnhof bekam ich zu spüren, dass auch der Pariser Nahverkehr streikte, weshalb die Metro „nur“ alle vier Minuten fuhr und entsprechend überfüllt war. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass sich normalerweise um 13:30 Uhr die Menschen nicht in den Einstiegsräumen drängeln.
Noch einige Spezialitäten der SNCF: Die Fahrscheine müssen vor Fahrtantritt entwertet werden, und die Abfahrtsgleise der Züge werden erst 20 Minuten vor der Abfahrt bekannt gegeben. Für die Fahrgäste mag beides zuerst kurios erscheinen, denn mit Sicherheit stehen die Abfahrtsgleise und Zugumläufe auch bei der SNCF vorher fest. Aus Bahnsicht ist das aber sicherlich nützlich: Man vermeidet Graufahrten („Der Schaffner ist nicht gekommen, also tausche ich die Fahrkarte um/benutze sie noch mal“) und ist flexibel für den Fall von Gleisänderungen. Übrigens darf man französische Bahnsteige auch nur mit einem gültigen und entwerteten Fahrschein betreten, aber da es keine Bahnsteigsperren gibt, konnte ich in Lyon und Paris ohne Probleme zum Fotografieren auf den Bahnsteig.
Die ICE-Fahrt ab Paris verlief dann wieder ohne Zwischenfälle: Der Zug war ähnlich leer wie der TGV, so dass ich trotz Reservierungspflicht freie Platzwahl hatte. Schon vor dem Beginn der NBS in Vaires hatte er ein ordentliches Tempo, auch dahinter blieb die Geschwindigkeit aber noch deutlich unter 300. Zu sehen gab es nichts außer Regen, der parallel laufenden Autobahn und vielen Feldern. Und auch die beiden „gares nouvelles“ Champagne-Ardennes und Lorraine rauschten in wenigen Sekunden vorbei. Bei Baudrecourt nahe Metz endet die NBS vorläufig. Der Hauptast Richtung Straßburg führt zweigleisig über eine Überwerfung, um die Strecke an das Rechtsverkehrsnetz von Elsass-Lothringen anzuschließen. Der Anschluss an die Strecke nach Saarbrücken ist dagegen eingleisig. Gleich hinter der Grenze in SSH endete der Zug dann, um noch am selben Tag nach Paris zurück fahren zu können. Für mich ging es mit dem IC weiter nach Darmstadt und dann – nach dem Quiz im → An Sibin – mit dem Nachtbus nach Aschaffenburg.
Die Fotos von der Reise gibt es – zusammen mit älteren Bildern – hier: SNCF-Fotos, Lyoner Nahverkehr.
Und auch die A-bis-Z-Liste hat jetzt zwei neue Einträge:
Lyon Part Dieu–Paris Gare de Lyon* TGV
Paris Est–Saarbrücken* ICE
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