Voll verspätet

Wer Vorurteile über die Deutsche Bahn hat, konnte die am Wochenende leider ausnahmsweise einmal bestätigt sehen: Am Samstag war der RE von NAH nach Hanau zwar noch pünktlich (und interessanterweise mit einer MRCE-Dispolok der BR 185 bespannt), aber dort angekommen, hatte der ICE 278 Interlaken Ost – Berlin Ostbf schon +15. Auf die Frage an den Zub, wie es denn mit meinem Anschluss in Fulda aussehe (immerhin hatte ich nur 4 min Zeit), lächelte er nur und sagte „Der ist hinter uns“. In der Tat wurden in Fulda innerhalb von zehn Minuten drei verspätete Züge durch Gleis 7 geschleust: ICE 278, eine ICE-2-Doppeltraktion nach Hamburg und Bremen und „mein“ Anschluss-ICE 1559 nach Erfurt, meinem Ziel für dieses Wochenende. Gleis 6 war übrigens mit einem leeren Nachtzug aus CNL- und SBB-Wagen belegt. Mein Zug wiederum war zwar mit zwei Zugteilen ICE-T unterwegs, aber trotzdem so überfüllt, dass ich mit einigen anderen Fahrgästen nur noch auf dem Boden einen Sitzplatz fand und dort bleiben musste, bis wir mit knapp +30 gegen 14 Uhr Erfurt erreichten.
Auf der Rückfahrt sah es nicht viel besser aus: Statt in Doppeltraktion war ICE 1558 zwar pünktlich, aber leider nur einfach unterwegs, was zu einem entsprechenden Besetzungsgrad führte. Also hieß es für mich wieder auf dem Boden sitzen, wobei ich feststellte, dass man auf der obersten Trittstufe an der Eingangstür recht bequem sitzen und sogar schlafen kann. Nachdem vormittags in Erfurt noch blauer Himmel dominierte, begrüßte uns in Fulda ein regelrechter Schneesturm, der bis Frankfurt nicht besser wurde. Dort angekommen, war die Anzeigetafel voll von stark verspäteten Zügen – darunter auch derjenige ICE, der eine Stunde vor meinem nach NAH hätte fahren sollen. Ob das am Wetter lag, war indessen nicht ganz klar, denn als Begründung waren Erklärungen wie Triebfahrzeugschäden und Störungen im Betriebsablauf zu hören. Mein eigentlicher Zug, für den ich einen Sparpreis 25 hatte, wurde bald ebenfalls mit +50 angekündigt, so dass ich beschloss, den vorherigen Zug zu nehmen – ohne mich zu fragen, ob ich das angesichts der Zugbindung überhaupt durfte. Da niemand zum Kontrollieren kam, habe ich die Antwort auch nicht erfahren, bin aber letztendlich etwa 30 min später als geplant (also in einem 90 min verspäteten Zug) in NAH angekommen und durch die verschneite Innenstadt nach Hause gelaufen.

Nachtrag: Der Dispolok-Zug ist übrigens ein Ersatz für noch nicht zugelassene Fahrzeuge der Baureihe 440 aus dem E-Netz Würzburg.

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