Unterwegs am Streiktag
Vorgestern bin ich zum ersten Mal an einem Tag mit Lokführerstreik unterwegs gewesen. Zum Glück hatte ich schon am Anfang der Woche erfahren, dass der Streik geplant war und die DB einen Notfahrplan aufstellen wollte. Den habe ich mir dann am Donnerstag Abend sofort angesehen und festgestellt, dass der IC, mit dem ich eigentlich von Würzburg nach Lüneburg fahren wollte, ausfiel. Also habe ich mir eine Ersatzverbindung gesucht – da der Notfahrplan erst am Freitag in die Auskunftssysteme eingearbeitet wurde und anscheinend vorwiegend ICs ausfielen, habe ich ich eine normale Auskunft „ohne IC“ angefordert und für diese Ersatzverbindung auch noch einen Platz reserviert.
Am Freitag lief dann alles fast reibungslos: Der ICE von NAH nach Würzburg war fast pünktlich und auch nicht übermäßig voll. In NWH hatte die DB in der Bahnhofshalle einen zusätzlichen Service-Point (inklusive Kaffeeausschank) aus zwei Tischen improvisiert. Zu meiner Überraschung war „mein“ IC 2082 auf der Anzeigetafel angekündigt. Die sehr freundlichen Mitarbeiter fanden aber schnell heraus, dass er tatsächlich nicht fuhr, woraufhin er auch sofort von der Tafel verschwand. Also zum Bahnsteig für Plan B: Um 14:31 mit ICE 788 bis Hannover.
Interessant fand ich den Hinweis am Büro der Bahnsteigaufsicht, dass GDL-Mitglieder dort keinen Zutritt hätten. Nach dem, was ich später in der Zeitung las, hing das wohl damit zusammen, dass einige der Streikenden die übrigen Mitarbeiter an der Arbeit hindern wollten.
Der Zug fuhr schließlich mit etwa +13 los und war völlig überfüllt, so dass ich sehr froh war, dass ich reserviert hatte. Allerdings wurden unterwegs die freien Plätze immer mehr, und auch die Verspätung reduzierte sich bis Hannover auf fast Null. Der Umstieg auf den Metronom (der natürlich nicht bestreikt wurde) klappte also hervorragend, so dass ich statt um 17:57 „schon“ um 18:24 in ALBG ankam. Mir fällt es schwer, zum Konflikt zwischen GDL und DB eine Meinung zu haben, aber aus purer Fahrgastsicht war ich mit dem Umgang der DB mit der Streikdrohung sehr zufrieden.
Auf der Rückreise zeigte sich dann das Bahnfahren von seiner allerschönsten Seite: Ich habe alle Anschlüsse problemlos erreicht (diesmal in Hamburg-Harburg und NWH), und bei goldenem Oktoberwetter konnte ich es richtig genießen, die Landschaft bei Tempo 250 am Fenster vorbei ziehen zu sehen. Zwischendurch lesen, schlafen oder eine Rolle Kekse aus der Minibar – was will man mehr?
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