Nicht blind für Probleme

Freitag, gegen 17.35 Uhr, NAH: Der RE aus Würzburg fährt mit ca. 50 Minuten Verspätung abweichend auf Gleis 3 ein. Ich steige ein, obwohl ich erst den nächsten Zug nehmen will, aber wer weiß, wann der kommt …
Während der Fahrt wird bekannt gegeben, dass der Zug wegen der großen Verspätung heute in Hanau endet. Ich sitze auf einem Notsitz im Treppenraum des Doppelstockwagens, als ein blinder Fahrgast mehrmals an mir vorbei läuft und etwas zu suchen scheint. Beim dritten Mal spreche ich ihn an. Er möchte mit Nahverkehrszügen nach Köln und macht sich natürlich Sorgen um seinen Anschluss. Ich verspreche ihm zu helfen, und wir steigen gemeinsam in Hanau aus, wo wir außerplanmäßig auf Gleis 104 ankommen. Wir gehen auf den Nachbarbahnsteig, wo ja gleich der planmäßige RE nach FF ankommen müsste – dieser wird aber leider kurz darauf mit +20 angekündigt. Ein Blick auf den Abfahrtsplan verrät mir, dass kurz darauf noch ein RE aus Fulda fährt, der sogar noch vor dem Würzburger Zug in FF sein soll. Also gehen wir auf Gleis 6, nur um dort zu erfahren, dass auch dieser Zug verspätet ist. Kurz darauf fährt ein ICE 1 durch, und wenig später taucht plötzlich ein ICE 3 auf, der anscheinend von Würzburg aus über die Fuldaer Strecke umgeleitet worden ist (und planmäßig eigentlich gar nicht in FH hält). Wir gehen zum Zub, der an einem 1.-Klasse-Wagen steht, und mein Mitreisender bekommt von ihm die Genehmigung einzusteigen. Ich gehe zu einem 2.-Klasse-Eingang und steige dort ein, obwohl ich laut Fahrkarte bis FF mit dem Nahverkehr fahren muss. Zum Glück kontrolliert mich aber die häufig vorbei laufende Zub’in nicht, so dass ich in FF meine Reise planmäßig und ohne weitere Komplikationen nach Konstanz fortsetzen kann, wo ich das Wochenende verbringe.

Auf der Rückfahrt läuft es übrigens genau umgekehrt: Der ICE von FF nach NAH ist mit +50 angekündigt, so dass ich – wiederum zugbindungswidrig – mit dem RE weiter fahre. Dessen Zub’in akzeptiert meine Fahrkarte aber ebenfalls ohne weitere Erklärungen meinerseits, so dass ich ohne Aufpreis und mit „nur“ 29 Minuten Verspätung im strömenden Regen zum Taxi laufen kann, das mich nach Hause bringt.

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