Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin
Fünf Minuten Verspätung hatte ICE 572 am Freitag bei der Abfahrt in Hanau – übrigens ein Halt, der „eigentlich“ gar nicht vorgesehen ist, denn normalerweise halten die ICE der Linie Stuttgart–Hamburg zwischen Frankfurt Hbf und Kassel-Wilhelmshöhe nicht. Die Abfahrt „meines“ Zuges war daher außer aus der elektronischen Auskunft auch nur aus dem Aushang der „zusätzlichen Züge“ zu erfahren. Fünf Minuten später ging es also los – auf der NBS sollte der Zug die Verspätung locker wieder herausholen, so dass der 13-min-Anschluss in Hannover nicht gefährdet sein würde. Dachte ich, denn peu à peu, ohne großen Paukenschlag, fuhr der Zug immer mehr Verspätung ein, bis er dann in HH mit tatsächlich genau +13 eintrudelte. Den Anschlusszug interessierte das wenig, so dass er bei meiner Ankunft am Abfahrtsbahnsteig schon über alle Berge war. Blieb nichts anderes übrig, als meine Gastgeberin telefonisch zu informieren und mit der nächsten Verbindung, einem RE, nach Bielefeld zu fahren. Dank der dadurch um 67 Minuten verschobenen Ankunftszeit habe ich nun immerhin das Recht auf eine Rückerstattung von 25% des Fahrpreises.
Hauptzweck meiner Reise war mal wieder eine Bahn-Rundfahrt: mit einer befreundeten Familie, bei der Eltern wie Kinder meine Bahnbegeisterung teilen, ging es in einem Talent der NWB über die Sennebahn von Brackwede nach Paderborn. Aufgefallen ist uns dabei neben diversen 20-km/h-Langsamfahrstellen vor allem, dass die Schranken so spät schließen, dass der Lokführer es noch beobachten kann. Unter normalen Bedingungen mag das ausreichen, aber was, wenn zum Beispiel ein Autofahrer auf dem BÜ den Motor abwürgt? In EPD angekommen, machten wir die Stadt sowie einige Modellbahnläden unsicher, und ich verließ Paderborner Boden natürlich auch nicht, ohne einige Bilder der örtlichen Busse („PaderSprinter“) gemacht zu haben. Zurück am Bahnhof blieb uns noch etwas Zeit, um das bunte Miteinander von Eurobahn, NWB, DB und Güterzügen zu beobachten, bevor es dann mit der Westfalenbahn weiter ging. Unsere Reise führte uns über Altenbeken mit dem berühmten Viadukt, dem Rehbergtunnel mit dem anschließenden einsam gelegenen Trennungsbahnhof Langeland (eine der ganz wenigen Stellen in Deutschland, die feste Quertragwerke für die Oberleitung haben), auf die Strecke nach Herford. Unterwegs konnte man prima rechts und links herausschauen und sich dabei gegenseitig fragen, wie viele Gleise jeweils neben dem befahrenen Gleis liegen (und dabei die anderen Fahrgäste hoffentlich nicht zu sehr nerven). Meistens waren es in der Summe übrigens null Gleise, denn die Strecke Langeland–Herford ist bis auf die Kreuzungsbahnhöfe eingleisig. In EHFD hieß es dann bahnsteiggleich in einen anderen Westfalenbahn-Flirt umsteigen, der uns dann nach EBIL brachte. Von dort zurück nach EBWE brachte uns wieder ein Talent der NWB, der auf dem „Haller Willem“ nach Osnabrück unterwegs war.
Auch die Heimfahrt am Sonntag Nachmittag verlief für mich dann nicht ganz ohne Turbulenzen: Es fing damit an, dass sich Wagenstandsanzeiger, Fahrplan und Zugzielanzeiger nicht einig waren, mit wie vielen Wagen und mit welcher/n Zugnummer/n der ICE einfahren würde. Zum Glück handelte es sich dann um zwei Einheiten ICE 2, denn sonst hätte es Wagen 32, in dem ich reserviert hatte, nicht gegeben. Die Reservierung, die mir bei der Buchung dringend empfohlen wurde, wäre angesichts des Besetzungsgrades des Zuges allerdings gar nicht nötig gewesen. Mit zehn Minuten Verspätung in EBIL abgefahren, kamen wir trotzdem fast pünktlich in HH an. Was nicht ganz verwunderte, denn die planmäßige Fahrzeit ist zurzeit wegen Bauarbeiten um 10 min gestreckt. Während ich mich auf dem Bahnsteig noch über diese Erkenntnis freute, stellte ich fest, dass meine Reisetasche noch im Zug war. Schnell wieder rein – falscher Wagen. In den richtigen Wagen – Türschließsignal ertönt. In letzter Minute raus – leider ohne Tasche. Nun, die DB-Mitarbeiter im Bahnhof waren sehr hilfsbereit, haben gleich im Zug angerufen und veranlasst, dass die Tasche in Berlin dem Fundbüro übergeben wurde.
Beruhigt machte ich mich also auf den Weg zum Anschlusszug ICE 1191, einem Sonntagsverstärker Berlin–Hannover–Frankfurt–Stuttgart. Mein Platz im Ruhebereich hatte diesen Namen wirklich verdient: ganz alleine im Abteil mit einer friedlich lesenden Frau, unterbrochen nur durch eine etwas kuriose „Facebook-Umfrage“ einiger junger Damen. Ab FFU leistete uns dann noch ein Polizeibeamter Gesellschaft, der wie ich in FH ausstieg. Dort stellte ich fest, dass mein eigentlicher Anschlusszug IC 2027 +40 hatte, so dass ich nach 45 min Warten mit dem nächsten RE nach NAH fuhr. Dort ärgerte ich noch einen Busfahrer mit der Entscheidung, in letzter Minute in seinen Bus einzusteigen, aber wegen der Bauarbeiten vor meiner Haustür komme ich zurzeit mit dem 16er näher an meine Wohnung als mit dem 5er. So ging dann ein wirklich sehr ereignisreiches Wochenende zu Ende, vielen Dank insbesondere an Stefanie und Torsten für die Einladung und an die DB-Mitarbeiter in Hannover für die prompte Hilfe!
Stichwörter: Aushänge, Bauarbeiten, Fernverkehr, Nahverkehr, NRW
Jan kann Bahn fahrn » Blog Archiv » 13:37
14. Dezember 2011, 22:12 Uhr
[...] Wie geplant, bestieg ich am Samstag nach einem ausgiebigen Stadtbummel den Talent der NWB um 17.17 Uhr auf Gleis 17 (Numerologen vor). Wäre ich ein paar Minuten später gekommen, hätte ich Pech gehabt: nicht nur wäre der Zug dann abgefahren gewesen, sondern ich hätte schlicht und einfach auch nicht mehr hineingepasst. Einen so vollen Zug habe ich, glaube ich, noch nie erlebt, schon gar nicht an einem Samstagnachmittag auf einer Nebenbahn. Zum Glück handelte es sich nicht um Fußballfans, sondern anscheinend um Weihnachtsmarktbesucher, und ein guter Teil von ihnen stieg auch bereits nach gut 10 Minuten am ersten Halt Telgte wieder aus. Die Strecke entlang der B51/B64 weckte wieder nostalgische Gefühle in mir, hatte ich doch jahrelang die Gleise und die (sporadischen) Züge aus dem Auto auf dem Weg zu meiner Oma in Warendorf beobachtet. Hier wurde der Zug auch wieder etwas leerer, so dass ich mich immerhin auf einen Klappsitz setzen konnte. Die weitere Fahrt verlief ruhig, durch eine ICE-Überholung in Gütersloh zogen wir uns einige Minuten Verspätung zu. In EBWE stieg ich aus und musste erst einmal die Straßenbahnhaltestelle suchen. Der dort aushängende Fahrplan stimmte auch nicht so ganz mit der Realität überein, aber trotzdem erreichte ich kurz nach 19 Uhr mein nächstes Etappenziel, die Geburtstagsfeier von Anna und Stefanie. Mit ihr und ihrer Familie war ich ja schon im Mai auf ostwestfälischen Schienen unterwegs gewesen. [...]