Hollandfahrt mit Hindernissen
Gestern war ich endlich mal wieder in meinen geliebten Niederlanden: Von Marl aus habe ich eine kleine Tour nach Winterswijk, den nächstgelegenen Ort hinter der Grenze, gemacht. Der kürzeste Weg dahin führt von Dorsten mit dem Zug nach Borken, von dort nach Südlohn-Oeding und dann weiter mit dem Bürgerbus – eine nette Einrichtung, die auch ländlichen Regionen eine regelmäßige Busanbindung bietet. Durch einen Kleinbus, der von ehrenamtlichen Fahrern im Auftrag des lokalen Verkehrsunternehmens gefahren wird, sind die Kosten niedriger als bei einer normalen Buslinie. In NRW ist das Konzept immerhin so beliebt, dass es das einzige Bundesland mit einem Bürgerbusgesetz ist.
Aber zurück zur Fahrt: An der Grenze stieg ein Ehepaar in den Bürgerbus, das gleich eine Fahrkarte für die Hin- und Rückfahrt kaufen wollte. Dabei erwähnte der Fahrer ganz beiläufig, dass es gar keine Rückfahrt mehr gebe. Die Fahrt um 14.28 ab Winterswijk, die in sämtlichen Fahrplänen (vom Internet bis zu den Aushängen an den Haltestellen) angegeben war, wird zur Zeit noch nicht gefahren, „weil noch nicht alle Fahrer eingewiesen sind“. Der Fahrer empfahl uns, ein Taxi zu nehmen und die Rechnung der RVM zu schicken. Das Ehepaar telefonierte allerdings mit seinem Sohn, der die beiden um 14.30 wieder abholen und mich auch mitnehmen wollte.
In Winterswijk angekommen, spazierte ich schnurstracks zum Bahnhof, um einige Fotos von Bussen und Zügen zu machen. Winterswijk mit seinen 29.000 Einwohnern hat Bahnverbindungen in Richtung Arnheim und Zutphen sowie eine Regionalbuslinie nach Enschede, natürlich alles im symmetrischen Halbstundentakt. Die Bahnstrecke geht zwar von Zutphen bis Arnheim durch, allerdings enden beide Züge am selben Gleis in Winterswijk und machen Kopf. Eine Kreuzung wäre aber technisch möglich, indem der eine Zug den anderen umfährt.
Nachdem ich auch noch ausführlich einen Supermarkt und einen Buchladen durchstöbert hatte, stand ich um 14.25 wieder an der Bushaltestelle, ohne dass allerdings das Ehepaar auftauchte. Zu dessen Ehrenrettung muss ich allerdings sagen, dass ich nicht mehr genau weiß, ob „halb drei“ oder „halb vier“ verabredet war. Zum Glück gab es aber auch noch eine Busverbindung: nämlich den R 71 der RVM um 14.46, den ich schon als „Plan B“ vorgesehen hatte. Nachdem ich noch eine Weile an der Haltestelle des Bürgerbusses auf das Ehepaar gewartet hatte, wies mich eine ältere Dame aus dem Haus gegenüber besorgt darauf hin, dass der Bus auf der anderen Straßenseite abfahren würde. Da mich anscheinend niemand mehr abholen würde, ging ich also dorthin.
Pünktlich um 14.46 Uhr kam wieder ein Kleinbus angefahren, der insgesamt drei Fahrgäste nach Vreden brachte, wo direkt Anschluss an den Doppeldecker-Schnellbus nach Münster bestand. Ich allerdings hatte eine halbe Stunde Aufenthalt in Vreden, bis ich dann mit Umstieg in Stadtlohn wieder nach Borken fahren konnte. Das münsterländische Busnetz ist übrigens im Hinblick auf Vertaktung und Anschlüsse vorbildlich für so manche ländliche Region.
In Borken hatte die NWB aus Essen leider 15 min Verspätung, die sie aufgrund der knappen Wendezeit mit in die Gegenrichtung nahm. Sicherheitshalber bin ich deswegen schon in Hervest-Dorsten ausgestiegen, um von dort mit dem 270er nach Marl zu fahren. Letztendlich hat die Fahrt 20,90 Euro für insgesamt fünf Fahrscheine gekostet: VRR-Übergangstarif Marl–Borken, VGM-Fahrschein Borken–Oeding, Bürgerbus-Fahrschein Oeding–Winterswijk, VGM-Fahrschein Winterswijk–Südlohn, NRW-Tarif Südlohn–Marl (der NRW-Tarif ist sowieso einen eigenen Beitrag wert …). Der ausgefallene Bürgerbus hat mich dabei eine Stunde Fahrzeit und 2 Euro gekostet, aber dafür habe ich immerhin einiges vom Westmünsterland gesehen. Auch sonst hat sich die Tour gelohnt, nicht zuletzt wegen Vla und indonesischer Gewürze.
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