Glück im Unglück

Gestern Abend im ICE 622 München–Dortmund: Der Zug ist fast pünktlich in FFLF abgefahren, aus meinem MP3-Player kommt Musik und draußen sieht man den Verkehr auf der A 3 sowie gelegentliche Lichtblitze, die der Stromabnehmer in der kalten Luft erzeugt. Plötzlich wird der Zug langsamer und bleibt schließlich in Limburg Süd auf dem Bahnsteig der Gegenrichtung stehen. Nach ein paar Minuten kommt eine Ansage: Die Strecke nach Montabaur sei wegen eines Personenunfalls gesperrt, die Weiterfahrt verzögere sich auf unbestimmte Zeit. Ich richte mich auf einen längeren Aufenthalt ein, als der Zug nach etwa zehn Minuten weiter fährt. Es kommt wieder eine Ansage: „Meine Damen und Herren, die Strecke nach Montabaur ist wieder offen. Es handelte sich nur um einen Wildunfall.“ Ein bisschen muss ich trotz der makabren Situation doch grinsen. Bis FMT fahren wir auf dem Gegengleis; kurz vor dem Gegenzug, der am Bahnsteig wartet, wechseln wir wieder auf das rechte Gleis. Ich komme also mit „nur“ +15 in Essen an und kann mich so noch mit zwei Freundinnen treffen, die nur bis 21 Uhr Zeit haben.
Auf der Weiterfahrt nach ERE bleibt der RE in Gelsenkirchen-Rotthausen plötzlich stehen, als Grund wird eine „Zugkreuzung“ genannt. Auf einer zweigleisigen Strecke? Hinter EG klärt sich das Ganze auf: Wir werden wegen Bauarbeiten über die eingleisige Nebenstrecke 2231 geleitet, die am Busdepot der BOGESTRA vorbei führt. Die Züge der Gegenrichtung fahren über das eine Gleis, das normalerweise nur die Glückauf-Bahn (ehemalige Nokia-Bahn) benutzt. Dadurch ist das Stück zwischen Gelsenkirchen-Rotthausen und EG nur eingleisig befahrbar. Auch das bringt uns 15 min Verspätung ein. Meine Mutter, die mich abholt, erzählt, dass die Bahnsteiganzeige anstatt unserer Verspätung plötzlich einfach den nächsten Zug angezeigt hat. Seltsame Informationspolitik – ich bin jedenfalls froh, dass ich um diese Uhrzeit und bei der Kälte keinen Busanschluss mehr erreichen muss.

Nachtrag: Auf der Rückfahrt am Sonntag Abend sah es mit +25 wegen einer Bahnübergangsstörung bei Hanau auch nicht besser aus. Jetzt hoffe ich auf eine pannenfreie nächste Fahrt, damit die DB ihren guten Ruf bei mir wieder herstellen kann.

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