Chronik eines Chaos
Gestern, 18:40 Uhr, Aschaffenburg Hbf: Auf Gleis 8 steht noch der ICE nach Dortmund, der nachfolgende RE nach Frankfurt, mit dem ich fahren will, ist mit +5 angekündigt. An sich nichts Besonderes, allerdings hat der ICE keine Ausfahrt, und auch der RE kommt nicht.
18:55: Der ICE steht immer noch auf Gleis 8, der RE fährt auf Gleis 7 ein. Die Zugzielanzeige springt um auf „Würzburg“. Gleichzeitig kommt eine Ansage, die ich aber nicht verstehen kann, weil sie von der Klimaanlage des wartenden ICE übertönt wird.
19:00: Vom Zub des ICE erfahre ich, dass die Strecke Richtung Frankfurt gesperrt ist. Der Grund sei ein Oberleitungsschaden durch einen brennenden Güterzug. Der ICE soll in Kürze über Darmstadt umgeleitet werden, ich könne mit meinem Verbundfahrschein einsteigen. Vorerst bleibt das Signal allerdings auf Halt.
19:10: Der Neigetechnik-ICE Wien–Dortmund, der planmäßig gar nicht in NAH hält, fährt auf Gleis 6 ein.
19:17: Der RE auf Gleis 7 fährt statt nach Frankfurt auf die Minute pünktlich zurück nach Würzburg.
19:25: Eine Ansage teilt uns mit – wenn ich sie denn richtig verstanden habe –, dass in Kürze die auf Gleis 5 stehende RB nach Darmstadt abfährt. Also gehe ich auf den Nachbarbahnsteig. Auch da stehen allerdings alle Signale auf Halt.
19:35: Der Neige-ICE erhält Ausfahrt und fährt, nachdem er mich und einige weitere Fahrgäste eingesammelt hat, ab. Die Fahrt über die Darmstädter Strecke, die Verbindungskurve in Darmstadt Nord und weiter über die Main-Neckar-Bahn verläuft, ohne dass der Zug ein einziges Mal zum Stehen kommt. Die voraussichtliche Ankunftszeit in FF gibt der Zugchef großzügig mit 20:40 Uhr an.
20:20: Wir treffen im Frankfurter Hbf ein. Servicemitarbeiter verteilen kostenlos Getränke und haben einen mobilen Servicepoint auf dem Bahnsteig aufgestellt. Ich fahre mit der U-Bahn nach Bockenheim, wo ich verabredet bin.
22:30: Ich bin wieder am Hbf und gehe zum Gleis 5, um den RE um 22:36 nach Aschaffenburg zu nehmen. Seltsamerweise steht der Zug zwar da, die Wagen sind aber innen unbeleuchtet.
22:35: Es wird durchgesagt, dass der Zug „wegen eines Oberleitungsschadens“ leider ausfällt. Es gibt zwar eine Entschuldigung, aber keinerlei Hinweis auf alternative Fahrtmöglichkeiten. Zufällig habe ich mitbekommen, dass auf Gleis 12 noch die RB nach NAH steht (planmäßige Abfahrt 22:30).
22:38: Die RB fährt ab. In der Begrüßungsdurchsage wird zwar die Verspätung erwähnt, aber nicht der Oberleitungsschaden.
22:50: Bei der Fahrkartenkontrolle fragt mich der Zub: „Sie wissen, dass der Zug heute nur bis Kahl fährt? Von dort werden Busse eingesetzt.“
22:55: Es wird durchgesagt, dass Fahrgäste nach Rückersbacher Schlucht, Kleinostheim und Aschaffenburg in Kahl in den Bus umsteigen müssen. Fahrgäste nach Dettingen können im Zug sitzen bleiben.
23:24: Der Zug kommt pünktlich in Kahl an. Auf dem Bahnhofsvorplatz wartet schon der Bus. Nachdem alle Fahrgäste eingestiegen sind (und auch fast alle einen Sitzplatz haben), erklärt der Busfahrer mit holländischem Akzent genau, wo der Bus überall halten wird und fährt dann die Strecke ab.
Heute, 0:00: Der Bus kommt vor dem Aschaffenburger Hbf an. Eine Servicemitarbeiterin schickt alle Fahrgäste Richtung Miltenberg nach Gleis 2. Ich dagegen schwinge mich auf mein Rad und fahre nach Hause.
13:00: In einem → Artikel auf main-netz.de erfahre ich den Grund für die Streckensperrung: Ein für Venezuela bestimmter Obus, der auf einem Güterzug verladen war, hat mit seinem Stromabnehmer die Oberleitung beschädigt und dadurch auch den Brand verursacht. Die Strecke blieb noch bis Freitagmittag gesperrt und ist auch jetzt nur eingleisig befahrbar.
Stichwörter: Betriebsstörungen