Auskunft und Wirklichkeit
Wenn man gegen 17.30 Uhr von Aschaffenburg nach Recklinghausen fahren will, kann man um 17.36 losfahren und kommt um 21.08 Uhr an – so sagt es einem jedenfalls die Reiseauskunft der DB. Wenn man genau hinschaut, ist in der Verbindung ein 40-minütiger Aufenthalt in Essen enthalten: Ankunft um 20.08, weiter um 20.48 mit der RB 42. Man sollte allerdings nicht den ICE fluchtartig verlassen und die Wartezeit in der Essener Fußgängerzone verbringen (das Bahnhofsgebäude wird ja gerade umgebaut): Wenn man nämlich am Ankunftsbahnsteig stehen bleibt, kommt nur 7 Minuten nach der planmäßigen Ankunft des ICE der RE 2, der einen ebenfalls nach Recklinghausen bringt. Offensichtlich sind sieben Minuten für die Auskunft zu wenig, um einen offiziellen Anschluss herzustellen, obwohl der Zug nicht nur am selben Bahnsteig hält, sondern auch zwischen Duisburg und Essen dieselbe Strecke benutzt und im Regelfall daher gar nicht vor dem ICE abfahren kann. Am Freitag hat es jedenfalls geklappt: Ich war schon nach 2:59 Stunden in Recklinghausen, und damit eine halbe Stunde früher, als in meiner Reiseverbindung stand.
Am Montag habe ich mich dann auf den Weg nach Dortmund gemacht, um mir die neue U-Bahn anzugucken, die in Ost-West-Richtung durch die Innenstadt verläuft. Sie trägt zwar das U in den Liniennummern, wird aber im Gegensatz zu den anderen Dortmunder U-Bahn-Linien mit normalen Straßenbahnwagen befahren und ist außerhalb des Tunnels auch nicht kreuzungsfrei ausgebaut. Es handelt sich also – ähnlich wie in den Nachbarstädten – eher um eine unterirdische Straßenbahn. An der Kampstraße, wo die neue Strecke die älteste Stadtbahnstrecke kreuzt, ist die Fahrt mit der Rolltreppe in die untere Ebene ganz witzig, weil man vom Stil der frühen Achtzigerjahre (Ziegelsteinfarben und bunte Wandplatten) in den des aktuellen Jahrzehnts wechselt (kühl-schlichte Marmoroptik). An der Wittener Straße in Dorstfeld gibt es übrigens etwas, das es viel öfter geben müsste: Eine Anschlusssicherungsanlage, die anzeigt, in wie viel Minuten die nächste Stadtbahn kommt. Der Fahrer des Anschlussbusses kann dann entscheiden, ob es sich lohnt zu warten.
Für die Rückfahrt abends nach Aschaffenburg hatte die Auskunft wieder eine interessante Verbindung ausgegeben: Um 17.31 Uhr mit der S 2 nach Herne, von da weiter mit einer anderen S 2 nach Duisburg, dort in den ICE. Das ist völlig korrekt, weil man gegenüber dem direkten RE nach Duisburg zehn Minuten spart. Trotzdem war ich so früh am Bahnhof, dass ich ihn noch erreicht hätte – wenn er nicht mit +10 angekündigt gewesen wäre. Der Gegenzug Richtung Münster stand auch noch auf dem Gleis – Grund: Oberleitungsschaden bei Haltern. Mein messerscharfer Schluss, dass die S 2, die aus der Gegenrichtung kommt und in ERE wendet, dann pünktlich sein müsste, war zum Glück richtig. Die Fahrt mit den neuen 422ern – die übrigens wesentlich ruhiger laufen als ihre Cousins aus der 425er-Familie – verlief also ohne Probleme. In Herne gab es sogar eine Ansage für alle, die eigentlich mit dem verspäteten RE Richtung Essen fahren wollten. Ab EDG ging es pünktlich mit dem ICE aus Amsterdam bis FF, von dort sollte ich eine halbe Stunde später mit der RB ab FFS weiter. Was auch hier die Auskunft nicht wusste: Da wir mit -1 in FF ankamen, blieb noch genug Zeit, um den RE zu erreichen und damit eine Dreiviertelstunde zu sparen. In diesem Fall ist das Verhalten des Computers aber verständlich, denn in vier Minuten neun Gleise weiter zu kommen, klappt nur mit ein bisschen Glück und wenig Gepäck. Trotzdem habe ich selten das Gefühl, an einem Wochenende so viel Zeit gewonnen zu haben.
Stichwörter: Auskunft+Buchung, Dortmund, Fernverkehr, Stadtverkehr
pillenknick
15. März 2009, 01:31 Uhr
In Herne gab es eine Ansage? … Wow! Das Vergnügen hatte ich schon lange nicht mehr – und die Anzeigetafeln zeigen leider auch viel zu oft Bullshit an.
… insofern kann ich die Bahnauskunft verstehen, die dir die Verbindung nicht angezeigt hat.
Die sieben Minuten Umsteigezeit sind unter normalen Umständen ja auch nicht zu schaffen
Jan
15. März 2009, 23:10 Uhr
Och, das kann man schon schaffen, solange der ICE nicht so viel Verspätung hat, dass der RE vor ihm fährt. Und mit der Pünktlichkeit habe ich in letzter Zeit sogar eher gute Erfahrungen gemacht.