20% auf alles
Als mein ICE gestern pünktlich in FF einfuhr, war die Welt scheinbar noch in Ordnung. Das änderte sich schnell, denn wir fuhren einfach nicht weiter. Grund dafür war, laut Zugchef, „eine Störung auf dem Triebkopf“ (wobei ICE3 ja gar keine Triebköpfe haben …). Ich weiß gar nicht, worüber ich mich in solchen Situationen mehr ärgere: über die Verspätung oder über die Fahrgäste, die ihre gesammelten Vorurteile über die DB auspacken. Vor mir saß ein gutes Beispiel, das seine Angehörigen über Handy auf dem Laufenden hielt: „… armselige Entschuldigungen …“, „… die Bahn ist schon ein armseliges Unternehmen …“, „… wie sollen wir denn bei einem Oberleitungsschaden weiterfahren“ (Oberleitungsschaden? Es war doch von einem Schaden am Triebfahrzeug die Rede).
Mit 25 min Verspätung setzten wir dann endlich die Fahrt fort. Unterwegs wurde es allerdings noch viel mehr, denn der Zug hielt nicht nur außerplanmäßig in Limburg Süd und Montabaur (wo er jeweils noch überholt wurde), sondern vor allem konnte er wegen des Schadens auch nur 160 km/h fahren. In Köln Messe/Deutz fuhren wir also sage und schreibe 90 Minuten hinter dem Plan her. Die Fahrgäste in meiner Umgebung waren inzwischen von Wut zu Galgenhumor übergegangen: ich habe selten Leute, die sich nicht einmal kannten, so viel lachen hören. Die Zub machten sich fast nur durch Ansagen bemerkbar – natürlich wurden wie immer die wichtigen Informationen zur Verspätung nicht auf englisch angesagt, sondern nur die noch bestehenden Anschlüsse. Im Zug sah man das Personal eher selten, aber immerhin gab es Auskunft, wie man Entschädigungsgutscheine bekam (die Zub selber hatten natürlich keine mehr). Ab einer Verspätung von 60 Minuten steht einem nämlich eine Entschädigung von 20% des Fahrpreises zu, so dass sich die Fahrgäste regelrecht darüber freuten, als die Verspätung über eine Stunde wuchs …
Hinter Köln konnten wir doch wieder 200 km/h fahren – vielleicht war der kaputte Triebwagen der hintere, der planmäßig in KKDT abgekoppelt worden war? Zwischen Düsseldorf und Duisburg fuhren wir über die Ortsgleise, aber auf die paar Minuten kam es nun auch nicht mehr an. In Essen bin ich ausgestiegen – immer noch 90 min zu spät – und habe mir am Servicepoint (immerhin war der um 23.45 Uhr noch besetzt) einen Gutscheinantrag besorgt. Etwas zu essen gab es nur auf dem Bahnhofsvorplatz, weil alle Buden im Bahnhof wegen des bevorstehenden Umbaus geschlossen sind. Meine anschließende RB nach Recklinghausen musste zwei Minuten vorder Abfahrt erst noch bereitgestellt werden (statt wie sonst eine Bahnsteigwende zu machen), so dass der Anschlussbus nach Marl beinahe auch noch weg gewesen wäre. Der Busfahrer stand schon an der Ampel, aber machte die Tür für mich noch auf und ersparte mir so eine Stunde Wartezeit am nächtlichen Bahnhof. Schade, dass es hier keine Anschlusssicherungsanlage gibt.
Nach vielen guten Erfahrungen also leider mal eine schlechte. So etwas bleibt natürlich bei den Fahrgästen hängen und verbessert den Ruf der DB nicht gerade. Auch wenn mir so etwas zum Glück nicht ganz so oft passiert: Von Störungen im Zugverkehr hört man zu oft, als dass man es einfach als Ausnahmeerscheinung abtun kann.
Stichwörter: Betriebsstörungen, Fahrgäste, Hochgeschwindigkeitsverkehr
Thomas
31. August 2008, 18:26 Uhr
Hatte heute auf dem Rueckweg von Amsterdam auch so eine nette Ansage des Personals, als ich mit dem ICE kommend in Duesseldorf in den IC nach Bonn umsteigen wollte und wir so 10 Minuten Verspaetung hatten
“The IC to Stuttgart, via Cologne, Bonn, Mainz will be reached as this train is also late…”
Fuehrte auch zu allgemeinen lachen……
Was mich in der Bahn aber immer wieder nervt, ist dass es einige Fahrgaeste partout nicht hinbekommen in den richtigen Wagen einzusteigen und dann immer sehr penetrant auf ihr Recht beharren und dann erst ueber die Bahn laestern und dann doch feststellen, dass sie mit ihrer Reservierung im falschen Wagen gelandet sind….
Jan
1. September 2008, 19:42 Uhr
Kommt leidergottseidank nicht so selten vor, dass Anschlusszüge auch verspätet sind …
Ich habe es auch mal erlebt, dass ein älteres Ehepaar partout auf meinem Platz sitzen wollte und es eine ganze Weile gedauert hat, bis ich sie überzeugen konnte, dass sie im falschen Wagen waren. Wenigstens haben sie nicht gleich auf die DB geschimpft, aber du hast recht: das ist bei vielen der erste Reflex, der nicht unbedingt vernunftgesteuert ist.