Der etwas andere ICE

Am Freitag stand ich in FH und wartete auf ICE 1070, der mich die kurze Strecke nach Fulda bringen sollte. Diese Verbindung hatte ich gebucht, weil sie die einzig brauchbare war, die mich nach dem verfrühten Feierabend direkt zur Pfingstakademie bringen würde. Ein Blick auf den Wagenstandsanzeiger erfüllte mich mit Spannung: Der ICE wurde mit Steuerwagen und Lok angezeigt, sollte es etwa …? Es war – der Ex-Metropolitan nämlich, der bis 2004 als Premium-Fernverkehrszug zwischen Hamburg und Köln unterwegs war und jetzt auf wechselnden Strecken als Verstärker-ICE unterwegs ist:

Steuerwagen des MET-ICE

Innen sieht er noch ziemlich genau so aus wie auf meiner Fahrt kurz vor der Einstellung des MET:

Im MET-ICE

Der abgebildete Wagen ist deswegen so leer, weil er als 1. Klasse läuft. Da der MET ursprünglich einklassig war, sehen die meisten 2.-Klasse-Wagen aber genauso aus, sie waren nur entsprechend voller.

Kurios ist, dass einige der Wagentüren nur als Notausstieg dienen, so dass man unter Umständen zum nächsten regulären Ausgang recht weit laufen muss. Aufgrund der Verstärker-Fahrplantrasse kam der Zug nicht nur in FH, sondern auch in Fulda reichlich vor Plan an. Mehr Fotos gibt es leider nicht, da ich nur das Handy dabei hatte und die anderen Aufnahmen nichts geworden sind. Die restliche Reise verlief ebenfalls ohne Schwierigkeiten.

Auf der Rückfahrt am Pfingstmontag begegnete uns der Ex-MET dann noch einmal in Fulda. Für mich verlief die Reise komplett mit Regionalzügen – bis FH mit einer Hessenticket-Gruppe und danach zum RMV-Übergangstarif. Hätte ich rechtzeitig geschaltet, hätte ich allerdings für wenig mehr Geld eine Fahrkarte für den ICE nach Wien gekauft, der um diese Uhrzeit auch in NAH hält und an diesem Tag wegen Bauarbeiten in abweichender Fahrplanlage fuhr. Aber so war ich letztendlich auch nur etwa eine Viertelstunde später zu Hause, wobei ich zum ersten Mal den 12er Bus bis zur Sandkirche nutzte, da die Verbindungen zur Haltestelle vor meinem Haus sonn- und feiertags doch etwas eingeschränkt sind.

Der ganz normale Bausinn

Am Sonntag ging es mal wieder dienstlich nach Budapest. Nachdem ich in letzter Zeit so viel geflogen war, sollte es diesmal wieder der Nachtzug sein. Dabei ließ ich mich auch nicht davon abschrecken, dass dieser – wohl jeweils wegen Bauarbeiten – drei Stunden früher in München abfuhr und eine Stunde später in Budapest ankam. Da das Firmenreisebüro Probleme mit der Buchung hatte, kaufte ich den Fahrschein noch am Freitag vorher im Reisezentrum und bekam glücklicherweise noch Plätze im Single.
So konnte es am Sonntagnachmittag losgehen: Die Reservierung im ICE nach München erwies sich als nützlich, wenn auch schon ab NWH wieder Plätze frei gewesen wären. Den Baustellenzuschlag zwischen NWH und NN brauchten wir an diesem Tag nicht, so dass wir die ca. 15 Minuten im Gleisvorfeld und am Bahnsteig abbummelten. MH erreichten wir ohne Komplikationen. Die fast ganze Stunde bis zur Abfahrt des EN wollte ich in der Lounge verbringen, die aber schon um 20 Uhr schloss. Also noch kurz in die Bahnhofsbuchhandlung und dann das Abteil bezogen. Mittlerweile kenne ich ja alles schon recht gut und brauchte daher die Ausführungen des Zub nur in Kurzform. Die Fahrt selber verlief dann ohne Probleme, außer dass wir uns beim außerplanmäßigen Halt in Rosenheim leichte Verspätung zuzogen. Ab da schlief ich mehr oder weniger, bis ich dann beim Halt in Tatabánya aufwachte und feststellte, dass wir wieder (oder immer noch) leichte Verspätung hatten. So erreichte ich das Büro in Budapest zwar, als meine mit dem ersten Flug angereisten Kollegen schon da waren, aber trotzdem noch vor dem Beginn der Besprechung. Dass ich stolze 18 Stunden für die Fahrt gebraucht hatte, wurde mir erst jetzt so richtig bewusst.

Die Rückfahrt am Dienstagabend begann mit einem heftigen Gewitterschauer, in dessen Folge die Obusse, die mich direkt vom Büro zur Metro und dann weiter zum Bahnhof hätten bringen können, anscheinend ihren Betrieb eingestellt hatten. Also lief ich zur nächsten Haltestelle der Dieselbusse, die mich dann zum Keleti pu. brachten. Angesichts des nicht aufhörenden Regens verließ ich den so gut wie gar nicht mehr und nutzte die Zeit, um ein paar Fotos zu machen. Unsere östlichen Nachbarn sind ja noch durch ein relativ dichtes Nachtzugnetz verbunden, und so konnte ich Fotos von rumänischen,

2.-Klasse-Wagen der CFR

1.-Klasse-Wagen der CFR

Schlafwagen der CFR

tschechischen

Schlafwagen der ČD

Schlafwagen der ČD

und polnischen Wagen machen.

Liegewagen der PKP

Schlafwagen der PKP

Aber natürlich gab es auch ein paar MÁV-Baureihen, die ich zum ersten Mal oder in besserer Qualität auf den Chip bannte:

Ellok der MÁV

Steuerwagen der MÁV

Flirt der MÁV

Flirt der MÁV

Die Anzeigetafel unterstrich die Vielzahl der Zugziele:

Anzeigetafel in Budapest-Keleti

Das Abendessen nahm ich gegenüber dem Bahnhof beim KFC ein (die Konkurrenz, zu der ich eigentlich wollte, hatte wegen Umbau geschlossen). Danach bezog ich wiederum mein Abteil, wo ich natürlich erst mal nicht schlafen konnte. In einigen Exemplaren der ungarischen Schlafwagen kann man übrigens nicht den „Aufwärter“, sondern sogar den „Intendanten“ rufen:

Rufknopf in MÁV-Schlafabteil

In Győr lichtete ich noch einen „guten alten“ Fallblattanzeiger ab, der gleichzeitig festhielt, dass wir schon +10 hatten.

Anzeigetafel in Győr

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, waren daraus trotz des langen Rangieraufenthaltes in Salzburg etwa +30 geworden, so dass ich um meinen Anschluss in MH bangte. Letztendlich kamen wir aber noch rechtzeitig dort an. Wenn nicht, wäre es auch nicht schlimm gewesen, wie sich bald herausstellte: Der hintere Zugteil meines ICE hatte eine Türstörung und musste zurückbleiben, wobei wir uns wiederum +30 einfuhren. Gut, dass ich, als hätte ich es geahnt, meinen reservierten Platz im vorderen Zugteil eingenommen hatte … Schlafen konnte ich diesmal nicht mehr, aber dank des WLANs schon die ersten E-Mails bearbeiten. NAH erreichten wir mit +20, obwohl der Bauzuschlag größtenteils benötigt wurde, und ein Ersatz für den zweiten Zugteil sollte in FF angehängt werden, was angesichts des bevorstehenden langen Wochenendes wohl auch sinnvoll war. Mein Sitznachbar wollte nach FD und stieg ebenfalls in NAH um, auch wenn er nun fast eine Stunde dort warten musste. Aber gegenüber der vom Zub empfohlenen Route über FF kostete ihn das nur zwei Minuten. Ich dagegen erreichte mit auch etwa +20 mein Büro.

9.1.2

Den Abschnitt davor in den Beförderungsbedingungen habe ich schon oft angewendet, den 9.1.2 heute zum ersten Mal. Die Hinfahrt war problemlos verlaufen: ICE bis FF, weiter mit dem RE 99 bis Haiger, das ganze recht günstig zum kurz vorher gekauften Sparpreis. Zurück ging es dann ab Holzhausen (Kr Siegen) an der Hellertalbahn mit einem besonders vandalismusresistenten Abfahrtsplan, der einfach auf eine Blechtafel gedruckt war:

Abfahrtsplan in Holzhausen (Kr Siegen)

Auch sonst lebt die Station eher von ihrer Vergangenheit, wie die Reste des zweiten Gleises zeigen:

Hp Holzhausen (Kr Siegen)

Hp Holzhausen (Kr Siegen)

Als Fahrkarte hatte ich diesmal einen Nahverkehrs-Flexpreis, der mich eigentlich über Friedberg nach Hanau führen sollte. Das ging prompt schief: Der Aufenthalt in Gießen dauerte länger als geplant, weil der Zugteil aus Kassel Verspätung hatte. Die Zub-in meinte zwar, dass wir noch aufholen würden, aber bei der Ankunft in FFG war der Anschluss schon über alle Berge. Also wandte ich die titelgebende Beförderungsbedingung an: Bis FF weiter fahren, dort einen Produktübergang kaufen, mit dem ICE nach NAH fahren (an mit +8) und den Aufpreis (der auch nur 3,85 kostete) dann über das Fahrgastrechte-Formular einreichen. So kam ich letztendlich nicht mal eine Viertelstunde später als geplant an.

Kann von „bequemer“ die Redesign?

Dieser Tage sind ja die ersten „redesignten“ ICE 3 unterwegs. So einen erwischte ich am letzten Mittwoch auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen. So ziemlich das Erste, was ich bemerkte, waren Fahrgäste, die sich bei der Zub-in über das Redesign beschwerten. Worüber genau, weiß ich nicht mehr. Die Sitze haben jedenfalls den Ruf, recht unbequem zu sein, was ich spontan auch fand. Das änderte sich erst, als ich die Sitzfläche nach vorne zog, was der Ersatz für das frühere nicht immer sozialkompatible Zurückklappen der Rückenlehne ist. Nachdem sich die Lounge in FF komplett leerte, gelangen mir auch ein paar Fotos:

Anzeige der Anschlüsse im redesignten ICE 3
Die neuen Monitore zeigen sogar Busanschlüsse …

Anzeige der Fahrtstrecke im redesignten ICE 3
… und die bereits zurückgelegte Strecke an.

Nett übrigens, dass der in FF zugestiegene Tf die Scheibe extra durchsichtig schaltete.

Und hier für viele das Corpus delicti:
Sitze im redesignten ICE 3

Sitze im redesignten ICE 3
Gewöhnungsbedürftig ist sicher auch, dass die Reservierungsanzeigen jetzt in und nicht mehr über den Sitzen angebracht sind.

Meine nächste Fahrt fand dann von Berlin nach Regensburg mit zwei ICE-T und Umstieg in Nürnberg statt. Wie auch schon FFLF am Vortag erreichte ich Umsteige- wie Zielbahnhof pünktlich und auch sonst komplikationslos. Die Rückfahrt war es nicht so ganz, kam doch statt des ICE aus Wien ein IC, der zu allem Überfluss auch nur bis NN fuhr, wo wir in den eigentlichen Zug umsteigen sollten. Da der nicht in NAH hielt, sah die Zugbindung vor, dass ich in NWH noch mal umstieg, was ich nun bereits hier erledigte. Statt einer halben Stunde hatte ich dafür nur etwa zehn Minuten, weil der Zug an diesem Tag über Ansbach umgeleitet wurde und daher früher abfuhr. Die Frau, die jenseits des Ganges in meiner Reihe saß, hatte das nicht mitbekommen und daher den Zug beinahe verpasst. Sie klagte ihr Leid darüber dem jovialen Zub mit Ruhr-Zungenschlag, der ihr bald darauf einen Kaffee brachte. Da sie keinen Kaffee mochte, gab sie ihn mir weiter, so dass ich indirekt am meisten von den Bauarbeiten profitierte. Eine von mir selten befahrene Strecke gab es obendrein noch zu sehen. Auch dieser Zug war ein redesignter, wobei ich diesmal den Sitz deutlich bequemer fand. Kurz vor dem Aussteigen gelang mir noch ein Foto vom Großraum (Abteile gibt es jetzt nur noch in der 1. Klasse),

Großraumbereich im redesignten ICE 3

bevor ich dann – wiederum pünktlich – meinen Heimatbahnhof bei gutem Wetter erreichte, was in diesem eher nasskalten April nicht selbstverständlich war.

More or Less?

Zum vierten Mal habe ich am Wochenende einen Freund in Babelsberg besucht – das dürfte inzwischen als Tradition durchgehen. Die Hinfahrt verlief recht unspektakulär: RB nach FH, dann Wochenendverstärker-IC nach Berlin-Spandau. Der Zug kam pünktlich an, die etwa +5, mit denen er in Göttingen wegen einer Überholung abgefahren war, hatte er schon beim Aufenthalt in Hildesheim wieder abgebaut. So erreichte ich eine frühere S 5 und konnte – ab Olympiastadion zusammen mit jeder Menge Hertha-Fans – diesmal sogar bis Savignyplatz fahren und am gleichen Bahnsteig in die S 7 umsteigen.
Am Samstag fuhren wir dann – Premiere für mich – ab Wannsee mit der S 1 zum Botanischen Garten.
Der Höhepunkt war aber die Rückfahrt am Sonntag: Da hatte ich mich nämlich aufgrund der günstigen Fahrplanlage und ebensolchen Preise für den Locomore entschieden, einen neuen der wenigen privaten Fernzüge, der in den einschlägigen Foren prompt von einigen Nutzern „Locoless“ getauft worden war.
Da mein Gastgeber voraussichtlich demnächst umzieht, nutzte ich die Gelegenheit, um noch mal die S 1 zu nehmen, diesmal bis Friedrichstraße. Von dort nahm ich eine RB zum Hbf, um nicht noch mal den Bahnsteig wechseln zu müssen.
Kurze Zeit später wurde der Zug angesagt (interessanterweise nur als „Zug 1819“) und fuhr dann auch ein:

Der Locomore fährt in Berlin Hbf ein

Wie man sieht, bestand er aus einer buchstäblich bunten Vielfalt von Wagen, u.a. ex-NS-ex-DB-Bimze.

Lok des Locomore

Wagen des Locomore

Wagen des Locomore

Wagen des Locomore

Wagen des Locomore

Toilette des Locomore

Mein ursprünglich gebuchter Wagen stand nicht zur Verfügung, darüber hatte ich im Vorfeld schon eine Mail bekommen und war auch automatisch umgebucht worden. So landete ich denn in einem Abteil, in dem fünf der sechs Plätze besetzt waren. Überhaupt war der Zug gut gefüllt, so dass ich vom Großraumbereich keine Fotos gemacht habe. Zwei (fast) leere Abteile habe ich aber auf den Chip bannen können:

Abteil des Locomore

Abteil des Locomore

Einige Abteile haben ein Thema, das Gespräche unter den Mitfahrern anregen soll:

Themenvorschlag für ein Abteil des Locomore

Im „Eisenbahn“-Abteil hing sogar der Eisenbahn-Kurier aus. Ob die beiden anwesenden Herren sich aber tatsächlich über dieses Thema unterhalten haben, habe ich nicht überprüft. Gut genutzt wurden auch das bereitgehaltene Kinderspielzeug und die Fahrradmitnahme:

Fahrradbereich des Locomore

In den Locomore-Zügen gibt es auch ein gastronomisches Angebot, das gemäß dem Selbstverständnis als Start-up viel auf Bio setzt. An diesem Tag war das Angebot aber stark eingeschränkt, da die Kühlung ausgefallen war – sowas kommt anscheinend nicht nur bei der „großen“ Bahn vor. Daher gab es im Am-Platz-Service auch nur Kaffee, normalerweise ist das Angebot da wohl größer. Wenn man direkt zum Bordkiosk („Wenn offen, dann offen“) ging, konnte man aber auch heiße Würstchen bekommen. Kostenloses, gut funktionierendes WLAN gibt es in den meisten Wagen außerdem, so dass ich meinen Laptop auspackte.
Die Fahrt selber verlief pünktlich, bzw. erreichten wir die meisten Halte sogar etwas vor Plan. In Wolfsburg hatte ich daher Zeit, noch mal den Zug und einen „enno“ abzulichten:

Wagen des Locomore

enno-Coradia

In Hannover fragte ich mich, wie denn in drei Minuten der Richtungswechsel möglich sei, bekam aber mit, dass ein Zub erzählte, dass es keinen gebe, sondern wir über den Güterring fahren würden. Ein Blick auf den Fahrplan förderte denn auch eine Fahrzeit von fast einer Stunde nach Göttingen zutage. So machten wir also noch eine (für mich sehr interessante) kleine Stadtrundfahrt und verließen erst nach etwa 20 Minuten die Landeshauptstadt. Danach fuhr der Zug aber „ganz normal“ über die NBS und weiter von Fulda nach Hanau, das wir wiederum etwas vor Plan erreichten. Für die RB nach NAH brauchte ich jetzt noch einen separaten Fahrschein, aber insgesamt wäre die Fahrt an diesem Tag mit einem durchgehenden DB-Ticket deutlich teurer gewesen. Da es aber auch bei Locomore Sparpreise nach Verfügbarkeit gibt, hätte das schon wieder anders aussehen können, wenn ich an einem anderen Tag gebucht hätte oder gefahren wäre.

Fazit: Eine nette und unter Umständen günstigere Alternative zur DB. Die frisch renovierten Wagen und die Startup-Atmosphäre wirken modern und gleichzeitig heimelig, auch wenn die Du-Anrede aus dem Bordprospekt in den Ansagen nicht durchgehalten wird. Dass Locomore natürlich auch nur mit Wasser kocht, belegen der Ausfall des Wagens und der Kühlung (und dass sie noch Anlaufschwierigkeiten haben, die momentan häufigen Änderungen der Verkehrstage). Und wenn in einem Sechserabteil fünf Leute sitzen, wird es für langbeinige Leute nun mal schwierig.
Obwohl ich einen Koffer mithatte, hatte ich mein Rad am Bahnhof geparkt. Weil ich nach der Ankunft noch etwas aß, radelte ich ironischerweise genau vor dem letzten Bus her zu meiner Wohnung. Aber besser so als anders …

Inter-Kontinental

Mehr oder weniger mitten zwischen Europa und Nordamerika war ich letzte Woche, nämlich auf den zu Portugal gehörenden Azoren. Zwar gibt es dort keine Eisenbahn, aber da ich von Düsseldorf aus geflogen bin, stand am Anfang und am Ende der Reise eine Bahnfahrt.
Aufgrund der frühen Abflugzeit übernachtete ich vor der Reise bei einer Freundin in Köln. Dorthin fuhr ich mit dem ICE ab NAH, der fast pünktlich in KKDT ankam. Nun konnte ich endlich mal beobachten, was mit dem hinteren Zugteil passiert, der planmäßig dort endet (und in den noch mehrere Spätankömmlinge versuchten einzusteigen): Er fährt nach wenigen Minuten in die andere Richtung und dann vermutlich über die Südbrücke ins Kölner Werk. Ich dagegen machte mich mit der U-Bahn auf den Weg zu meiner Gastgeberin.
Diese musste am nächsten Morgen so früh aufstehen wie ich, so dass ich kein schlechtes Gewissen haben musste. Ich machte mich wieder auf den Weg zum Deutzer Bahnhof, wo es mit der Fahrkarte von gestern, die ja bis 10 Uhr galt, und dem RE 5 nach KDFF ging. Trotz der Bauarbeiten dort war dessen Fahrplan unverändert, und tatsächlich trafen wir trotz der Fahrt über die S-Bahn-Gleise ab KD auch nur wenige Minuten verspätet ein, so dass ich meinen Flug noch bequem erreichte.
Auf „den Azoren“ hielt ich mich genauer gesagt nur auf der Hauptinsel São Miguel auf, die von allen Inseln das dichteste Busnetz hat. Da das aber auch für touristische Zwecke nicht immer ausreicht, fuhr ich drei Tage mit einem Mietwagen herum und testete erst am letzten Tag den Bus. Die ganze Zeit über kamen mir aber Fahrzeuge der drei Busunternehmen der Insel vor die Linse, Auto Viação Micaelense für den Westen,

Bus von AVM

CRP für den Nordosten

Bus von CRP

und Varela für den Süden.

Bus von Varela

Letzteres war denn auch das einzige Unternehmen, bei dem ich mitfuhr, nämlich auf der unter der Woche tagsüber etwa im Stundentakt und damit für azoreanische Verhältnisse recht dicht befahrenen Strecke von der jetzigen Hauptstadt Ponta Delgada (was übrigens so viel wie „dünne Spitze“ bedeutet) in die frühere, Vila Franca del Campo („freie Stadt des Feldes“). Das klappte auch tatsächlich recht unproblematisch: Die Busse waren fast pünktlich, die Fahrt kostete etwas über 3 Euro pro Strecke, nur der Fahrstil der Fahrer war teilweise etwas forsch.
Nach fünf Tagen ging es dann wieder zurück nach DUS – leider schon am frühen Morgen, da der Flug einige Wochen vorher gegenüber der ursprünglichen mittäglichen Abflugzeit vorverlegt worden war. Zum Glück war noch ein passender Sparpreis zu haben, so dass ich auch früher zu Hause sein konnte. Vor der fast pünktlichen Landung sah ich noch, wie sich nahe Kettwig Stausee eine S 6 den Weg bahnte

Luftaufnahme einer S 6 bei Kettwig Stausee

und nach nicht allzu langem Warten auf den Koffer machte ich mich also auf den Weg nach KDF, wo gerade die verspätete S 11 bereitgestellt wurde. Die zog sich bis KD noch mehr Verspätung zu, wobei der rührige Tf an jedem haltzeigenden Signal per Durchsage um Verständnis und Geduld bat. In KD hatte ich etwas Puffer, den ich außer zum Essen auch für ein Foto eines NF6 nutzte:

NF6 der Rheinbahn

Mein ICE für die Weiterfahrt fuhr wegen der Bauarbeiten von Gleis 5 ab, wofür ich extra einen Verspätungsalarm über den Navigator bekam. Auf dem Zugzielanzeiger stand der Zug auch bereits, nicht jedoch auf dem Gleis, denn da befand sich noch der Abellio-RE nach Emmerich:

Flirt 3 von Abellio

Ich hoffe, dass niemand in den falschen Zug gestiegen ist. Mein ICE kam dann mit +5, die sich mit der Abfahrt zu +10 auswuchsen. Dabei blieb es dann aber auch, so dass ich für die Heimfahrt statt des Busses um 19.30 Uhr die Miltenberger RB um 19.39 Uhr nahm und die Reise tatsächlich drei Stunden früher als geplant beenden konnte.

Themar des Tages

Nein, das ist kein Schreibfehler, denn heute vor einer Woche war ich ein wenig mit dem Wochenendticket in Südthüringen und Oberfranken unterwegs: Zuerst mit dem RE nach Würzburg, wo ich eine halbe Stunde Aufenthalt hatte. Dabei kam mir zwar eine Straßenbahn vor die Linse, deren Bild in guter Qualität mir noch fehlt, aber irgendwie traute ich mich nicht, sie abzulichten, weil ich befürchtete, dass der Fahrer sich beschweren könnte. Also schlenderte ich einfach so ein bisschen am Hbf herum und fuhr dann weiter mit dem Erfurter RE nach Grimmenthal, das wir wegen der Kreuzung mit dem Gegenzug mit +5 erreichten. Um dem über einstündigen Aufenthalt dort zu entgehen, setzte ich mich in die STB Richtung Eisenach, deren Strecke ich bis Meiningen schon kannte. Ich fuhr noch vier Stationen weiter bis zum Kreuzungsbahnhof Wernshausen, wo ich auf den Nachbarbahnsteig eilte und mich sogleich in den Gegenzug setzte. Wieder an Grimmenthal vorbeigefahren, begann die Strecke, die ich eigentlich befahren wollte und die auch den titelgebenden Bahnhof umfasst, wo die leider nicht mehr regelmäßig befahrene Strecke nach Ilmenau abzweigt. Statt des Abstechers in die Gegenrichtung hätte ich mir auch Eisfeld angucken können, bis dorthin wäre nämlich der Zug gefahren, an den ich in Grimmenthal direkt Anschluss gehabt hätte. Die Fahrt verlief sehr geruhsam (es gab mindestens eine La mit 20 km/h) und auch nicht mit sonderlich vielen Fahrgästen – es steht zu befürchten, dass sich beides gegenseitig bedingt. Der Zweistundentakt östlich von Eisfeld dürfte sein Übriges tun, wobei der einzige verbliebene Kreuzungsbahnhof Rauenthal (wo wegen einer Spitzkehre Kopf gemacht wird) so liegt, dass ein Stundentakt mit der jetzigen Fahrplanlage nicht möglich wäre.
Auf der zweistündigen Fahrt unterquerten wir auch die NBS Ebensfeld – Erfurt, die neun Monate vor der geplanten Inbetriebnahme bereits in voller Pracht erstrahlt:

Grümpentalbrücke der NBS Ebensfeld - Erfurt

Um kurz vor 16 Uhr war schließlich pünktlich Sonneberg erreicht. Die STB fährt von hier zwar noch weiter, aber nicht mehr bis Probstzella an der Frankenwaldrampe, sondern nur noch bis Neuhaus am Rennweg, eine bahnmäßige Sackgasse. Die Strecke Eisfeld – Sonneberg – Neuhaus war gleichzeitig Ende der 90er-Jahre eines der ersten Beispiele für eine „Sperrung aus technischen Gründen“, von den Fahrgastverbänden auch „illegale Stilllegung“ genannt. Nachdem diese behoben wurde, hat die Thüringer Eisenbahn die Strecken rund um Sonneberg gepachtet. Also setzte ich mich in den Talent 2, der mich über die nahegelegene bayerische Grenze (ab der die Gleise auch wieder von DB Netz bewirtschaftet werden) nach Coburg brachte. Das guckte ich mir insgesamt eine Stunde lang an, wobei ich mich auch hier nicht traute, Busse abzulichten, aber dafür den Marktplatz:

Marktplatz von Coburg

Da der Bratwurststand gerade geschlossen hatte, gab es einen Döner, der auch sehr gut war. Weiter ging es nach Bamberg, wo der Nichtanschluss zum Freizeitexpress Frankenland auch tatsächlich keiner war. Also nahm ich den direkt danach fahrenden RE nach NWH, wieder ein Talent 2 und der vordere Teil eines Zuges, dessen hinterer Teil wiederum nach Sonneberg fuhr. Der Zug, mit dem ich gekommen war, war dagegen in Lichtenfels mit einem Zugteil aus Jena Saalbahnhof vereinigt worden – alles Teil des ausgeklügelten FTX-Systems. Der nach Würzburg war allerdings ziemlich voll, wobei es immerhin für alle Fahrgäste noch Sitzplätze gab. In den Stunden, in denen der FTX von NN nach NWH fährt, gibt es dafür keinen durchgehenden RE Bamberg – FF, so dass ich jetzt umsteigen musste und dabei noch einen Kaffee holen konnte. Besonderheit auf der restlichen Fahrt war eine Überholung durch den ICE kurz vor Partenstein, wofür wir auf das linke Gleis mussten. Vor Heigenbrücken blieben wir auch noch einmal stehen, weil der Gegenzug gerade dort hielt und der Zugang ebenerdig ist – ein Zustand, der sich mit der Inbetriebnahme der neuen Spessartrampe im Juni ändern wird. So erreichten wir schließlich NAH mit +5, was mir angesichts der Haltezeiten unterwegs richtig wenig vorkam.

Über Stockstadt, Rohrbach und Sulzbach …

… führte meine Bahn-Spaßfahrt letzten Samstag. Weit hätte ich dazu nicht fahren müssen, denn alle diese Orte gibt es auch in Unterfranken, inklusive Bahnhöfen (wobei Rohrbach ein reiner Betriebsbahnhof an der ICE-Strecke ist). Die Fahrt hat dann aber doch ein bisschen länger gedauert, denn es ging ohne Halt durch Stockstadt (Rhein) an der Riedbahn, dann über Karlsruhe durch Rohrbach (Pfalz) nach Landau, wo ich in den Zug nach Pirmasens umstieg. Diese Strecke, die malerisch durch den Pfälzerwald verläuft, war eins der Ziele der Reise, und ich wurde auch nicht enttäuscht. Die Stichbahn nach Pirmasens befuhr ich nicht, sondern stieg bereits im Knotenbahnhof Pirmasens Nord auf den am selben Bahnsteig bereitstehenden Zug nach Saarbrücken, der zu allem Überfluss dann auch noch Rohrbach (Saar) passierte. In der Landeshauptstadt angekommen, machte ich noch einen kleinen Abstecher mit der Saarbahn, die erst als Straßen- und dann als Eisenbahn verkehrt, nämlich nach Saargemünd (Sarreguemines) direkt hinter der französischen Grenze. Da hatte ich nur wenige Minuten Zeit, in denen mir aber ein Beweisfoto eines anwesenden SNCF-Triebwagens gelang:

Triebwagen in Sarreguemines

Und hier auch noch ein Foto der Saarbahn, das allerdings 2003 bei wesentlich besserem und wärmerem Wetter entstanden ist:

Saarbahnzug am Saarbrücker Hbf

Damals war ich mit dem Bus aus Luxemburg angekommen, den ich wiederum jetzt ablichtete:

Emile-Weber-Doppeldeckerbus in Saarbrücken

Zurück ging es dann über eine andere sehenswerte Strecke, nämlich die Nahetalbahn. Hier fährt ja seit einiger Zeit der Vlexx mit recht bequemen LINTen. Der bis FF durchgehende RE passiert kurz nach SSH – wiederum ohne Halt – den Bahnhof Sulzbach (Saar). Nach der störungsfreien Fahrt erreichten wir FF mit sagenhaften –5, während mein Anschluss-ICE leider +20 hatte. Aber so war noch ein Kaffee in der Lounge drin, bevor die Fahrt dann etwas später als geplant in NAH zu Ende ging.

… denn das Gute liegt JeNah

Nach Ostthüringen führte mich mein Bahnausflug am Samstag. Immerhin kannte ich nicht nur Jena noch nicht, sondern auch nicht die Strecke von Weimar dorthin. Also bastelte ich einen Rundkurs, bei dem ich die Stadt am Westbahnhof betreten und am Paradiesb…, äh -haltepunkt wieder verlassen würde. Auf dem Rückweg machte ich dann noch einen Abstecher zum Mensa-Stammtisch nach Würzburg.

Einzige kleine Komplikation war die Verspätung von +10 von NAH nach FF. Dort erreichte ich aber noch bequem den Anschluss-ICE und nutzte die Fahrt auf der mir sattsam bekannten Strecke nach Fulda erst mal zum Schlafen. Davon konnten mich auch die anwesenden, noch relativ gesitteten Hoffenheim-Fans auf dem Weg nach Leipzig nicht abhalten. Weiter ging es ab Erfurt in einem 612er. Die Fahrt über die für mich neue Strecke war dann relativ kurz und unspektakulär, wenn auch die Thüringer Landschaft unter ihrer Schneedecke noch mal idyllischer wirkte.

In Jena West angekommen, erkundete ich die Stadt zu Fuß, wobei ich natürlich auch dem Appetit auf Thüringer Bratwurst nachgab. Der Jentower sorgt für einen netten Kontrast zwischen Alt und Neu:

Rathaus mit Jentower

Natürlich kam auch der ÖPNV nicht zu kurz, dessen Betreiber den originellen Kurznamen JeNah trägt:

Jenaer Straßenbahn an der Haltestelle Universität

Jenaer Bus an der Haltestelle Holzmarkt

Insgesamt waren die zweieinhalb Stunden, die ich für die Innenstadt hatte, genau richtig, so dass ich pünktlich am Paradiesbahnhof eintrudelte, ebenso wie mein Zug. Die Saalbahn und die Frankenwaldrampe war ich zwar 2011 schon mal gefahren, aber sie waren eindeutig eine erneute Befahrung wert, nicht nur wegen der Winterlandschaft. Lichtenfels erreichten wir mit sensationellen –7, und ich fragte mich schon, was wir in der halben Stunde bis Bamberg anstellen würden. Die Antwort folgte: Nämlich auf einen entgegenkommenden Zug warten, da die Strecke wegen Bauarbeiten für die NBS Erfurt – Ebensfeld abschnittsweise eingleisig war, was die DB schlauerweise in den Fahrplan eingebaut hatte. NBA erreichten wir daher im (geänderten) Plan. Vorher gelang es mir noch, die Wintersonne einzufangen, auch wenn ich im Gegensatz zu einem Mitreisenden die Idee einen Tick zu spät hatte:

Wintersonne über Oberfranken

Ab hier geschah nichts Besonderes: Draußen war es dunkel, die Strecken kannte ich eh schon und die Züge waren weiterhin pünktlich. Der Stammtisch war auch nett, und aufgrund meiner suboptimalen Ortskenntnis erreichte ich den Zug zurück nach NAH nur mit etwas Eile. Dort trudelte ich dann wie geplant um 22.34 Uhr ein und radelte nach Hause.

Eis, Kaffee, Venezia

Mit dem 6. Januar 2017 fiel mal wieder ein Feiertag so, dass sich ohne Urlaubstag ein langes Wochenende ergab (das war es dann aber auch erst mal für die nächsten Jahre). Ich beschloss, selbiges für einen Kurztrip nach Venedig zu nutzen: hin mit dem Nachtzug, der just einen Monat vorher durch die ÖBB von der DB übernommen wurde, zurück mit einem Umweg über die Berninabahn. Den ganzen Beitrag lesen »