12. Mai 2012
Meine Fernzugreisen haben ja die Tendenz, etwas ungewöhnliche Zugläufe zu benutzen, und wenn es nur Wochenendverstärker sind. Am letzten Wochenende war es wieder soweit: Ich benutzte wieder einmal den ICE 776, mit dem ich ja schon im Februar 2011 gefahren war. Die Fahrt verlief sehr gemütlich: ich hatte mir ausnahmsweise mal eine Reservierung für einen Sitzplatz geleistet. Dieser lag in einem Abteil im Ruhebereich, das nur zu zwei Dritteln besetzt war. Die zehn Minuten Verspätung, die wir bei der Abfahrt in Hanau noch hatten, baute der Zug sage und schreibe bis Kassel ab. So konnte ich ganz entspannt lesen und später am Laptop arbeiten und dabei Musik hören. Im Gegensatz zu meiner Fahrt letztes Jahr fuhr der Zug jetzt über Hannover hinaus bis Oldenburg, das aber diesmal noch gar nicht mein Zielbahnhof war: ich musste dort nämlich eine Viertelstunde warten und dann mit dem RE weiter bis Emden fahren. Trotz Schlafens gelang es mir zum Glück, nicht erst in Norddeich wieder aufzuwachen, so dass mein Empfangskomitee mich abholen und zu meinem eigentlichen Ziel am Großen Meer bringen konnte, das zu dieser späten Stunde nicht mehr mit dem ÖPNV zu erreichen war.
Für die Rückfahrt am Sonntag hatte ich mir wieder ein Schmankerl ausgesucht: diesmal ging es nicht über Hannover, sondern mit dem RE nach Münster, was ich zum Nachholen des fehlenden Schlafes nutzte. Von EMST aus stand eine Fahrt mit IC 2417 auf dem Programm, der sonntags mit historischem Wagenmaterial von Flensburg nach Köln fährt. Die Historizität hielt sich auf den ersten Blick in Grenzen: Zuglok war eine gewöhnliche 111, und der Wagen, in den ich einstieg, entpuppte sich als deklassierter 1.-Klasse-Interregio-Wagen. Weiter vorne befanden sich dann aber Original-Abteilwagen aus den 70er-Jahren für die erste und zweite Klasse, auch der Speisewagen passte optisch und vom Angebot dazu. Auch ohne Reservierung hatte ich ein Abteil für mich allein, und so konnte ich die Fahrt über die mir wohlbekannte Strecke Münster–Essen trotz Regenwetters genießen. Diese war vor allem durch eine Baustelle mit eingleisigem Betrieb zwischen Sythen und Haltern geprägt – letzteres durchfuhren wir auf einem Nebengleis ohne Bahnsteig, weil letzterer bereits durch wartende Gegenzüge belegt war. Die inzwischen aufgelaufene Verspätung schätze ich auf etwa +10 und war dann ganz überrascht, als in Gelsenkirchen +20 bei einer Abfahrtszeit von 17.53 Uhr angezeigt wurde. Nun, eine Abfahrt zu dieser Zeit hätte eine Fahrzeit ab Münster von 31 Minuten bedeutet – doch ein wenig sehr sportlich, weswegen die Abfahrtszeit in EG laut Hafas auch bei 18.12 liegt. EE erreichten wir also mit gerade mal +5. Laut Zugbindung hätte ich hier umsteigen müssen, fuhr frecherweise aber bis EDG weiter, um die scharfe Currywurst zu genießen, die ich auf der Rückfahrt aus Utrecht kennen gelernt hatte.
Wegen der Verspätung, die noch etwas zugenommen hatte, reichte die Zeit gerade, um pünktlich zur Abfahrt von ICE 821 auf Gleis 3 zu sein. Dieser Zug, den ich ja öfter zur Rückfahrt aus Marl benutze, war allerdings ganz gegen die Gewohnheit mit +10 angekündigt. Ebenfalls ganz gegen die Gewohnheit füllte er sich unterwegs zusehends, was gemeinsam mit einem überkorrekten und eher unfreundlichen Zub zu Unmut unter den Fahrgästen führte. Obwohl der Zug zwischen KKDT und FFLF an jedem Bahnhof hält, gelang es ihm, die Verspätung wieder herauszufahren, so dass wir FF und später sogar NAH – wieder ganz gegen die Gewohnheit – pünktlich erreichten. Mein aus dem Zug per Handy bestelltes AST hätte ich also noch bekommen, nur wusste ich nicht, welches der Taxis am Taxistand nun das Richtige war, also entschied ich mich für eine normale Taxifahrt, die auch nur 6 Euro kostete.
Stichwörter: Fernverkehr
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10. Mai 2012
Gestern habe ich mal wieder ein Lehrstück zum Thema „internationale Buchung“ erlebt: Ende Juli/Anfang August will ich in die Slowakei fahren. Der meinem Ziel nächstgelegene Bahnhof ist Kriváň in der Mittelslowakei, was man über Wien und Bratislava gerade noch an einem Tag von NAH aus erreichen kann. Die DB-Auskunft verweigert einem dafür allerdings die Online-Buchung, so dass ich mich gestern zum Schalter begeben habe. Nach einigem Probieren fand der Mitarbeiter dort Folgendes heraus: Bis Bratislava kann er mir ein Europa-Spezial verkaufen, das jetzt, fast drei Monate vorher, auch noch in der günstigsten Preisstufe vorhanden ist. Den innerslowakischen Fahrschein kann er mir ebenfalls verkaufen, wenn er (warum auch immer) in Zvolen stückelt. Preis: 34,20 pro Richtung. Auf meine Frage hin, ob es eventuell günstiger ist, den Fahrschein vor Ort zu kaufen, lautet die Antwort: „Wenn die auch den Euro haben, dann nicht“. Zu Hause schaue ich dann auf der Website der slowakischen Bahn nach, die mir nach einigem Gefummel verrät, dass eine Buchung (und Preisauskunft) erst zwei Monate im Voraus möglich ist. Eine Testanfrage für Ende Juni ergibt einen Preis von 10,13 – weniger als ein Drittel des DB-Preises. Also heißt es für die Gegenwart: Ab zum Reisezentrum und die Fahrkarte umtauschen, und für die Zukunft: Nie einen Binnenfahrschein eines anderen Landes bei der DB kaufen, selbst dann nicht, wenn in diesem Land der Euro gilt *seufz*.
Stichwörter: Auskunft+Buchung, Europa, Slowakei, Tarif
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22. April 2012
Gerade komme ich von der Reise nach Dresden zurück. Die Hinfahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse: Zuerst ICE nach FF. Im ICE von dort nach DH in der Lounge gesessen und bis Leipzig Streckenblick gehabt – Highlight: Überholung eines auf dem Gegengleis fahrenden Regionalzuges. Mit +5 abgefahren und mit -2 um 0.14 Uhr angekommen.
Etwas interessanter war die Rückfahrt, für die ich ja aus Gründen der Geldersparnis und „Streckenkunde“ den Weg mit IC 1948 „Kyffhäuser“ gewählt hatte, einem der wenigen Züge, die noch einen Namen haben. Das bedeutete, in LL aus dem ICE auszusteigen, der mich 2 Stunden schneller nach NAH gebracht hätte. Während der Übergangszeit schnell noch zwei Fotos vom örtlichen ÖPNV gemacht und dann in letzter Minute in den letzten Wagen des IC gehüpft, einen ehemaligen Interregio-Wagen. Dort hatte ich sehr viel Platz, da auf der gesamten Sitzgruppe außer mir nur eine Person saß. Im Rest des Wagens sah es kaum anders aus, wie mag es weiter weg vom Prellbock erst gewesen sein?
Schon auf dem Weg nach Halle fiel die langsame Fahrt über Nebenstrecken auf (37 min für 37 km), die ja den gesamten Laufweg des Zuges auszeichnet. Dort angekommen, zogen wir uns durch Warten auf einen Anschlusszug +5 zu. Weiter ging es in mäßigem Tempo durch recht interessante Landschaften, wo wir ab und zu an gemütlich aussehenden Bahnhöfen hielten. Erstaunlicherweise schafften wir es, die gesamte Verspätung zwischen Sangerhausen und Nordhausen abzubauen. Daran änderte sich zum Glück nichts, so dass ich FH pünktlich erreichte. Nur mein Anschluss-IC nach NAH hatte dann +15, was mir zwar mehr Zeit zum Essen bescherte, aber auf dieser Strecke nicht ungewöhnlich ist und daher eine Sache, an der die DB arbeiten sollte. Ebenso die Stadtwerke Aschaffenburg an ihrem Abendfahrplan, denn wie immer blieb mir für die Heimfahrt nur das Taxi. Fazit: Der „Kyffhäuser“ ist sehr empfehlenswert, wenn man viel Zeit, aber wenig Geld hat und dafür mal eine kaum bekannte, recht idyllische Strecke befahren möchte.
Stichwörter: Fernverkehr
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17. April 2012
Gestern bin ich durch Zufall auf ein interessantes Angebot für alle gestoßen, die in einer deutschen Jugendherberge übernachten und mit dem Zug anreisen: In diesem Fall gibt es den Fahrschein dafür nämlich zu einem günstigen Pauschalpreis (bis 400 km 76 Euro, darüber 117 Euro). Für Kinder, Gruppen und BahnCard-Inhaber gibt es Rabatt. Die Fahrscheine können online oder telefonisch bestellt werden. Weitere Informationen gibt es unter → http://www.anreise-jh.de. Ob ich meine Reise nach Bremerhaven im Oktober mit diesem Ticket wohl günstiger hätte machen können, ist nicht ganz klar, weil die Seite nicht verrät, ob man Via-Bahnhöfe eintragen lassen kann. Außerdem hätte ich wohl zwischen Bremen und Bremerhaven nicht die NordWestBahn benutzen können, sondern hätte auf den nächsten RE der DB warten müssen. Fazit: Eine gute Sache, wenn es auch mal wieder ein Sonderfall mehr im Tarifsystem ist.
Stichwörter: Auskunft+Buchung, Tarif
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9. April 2012
Ziemlich genau vier Jahre nach der Brügge-Fahrt war ich über Ostern mal wieder im Land der Pommes und Pralinen unterwegs. Angereist bin ich nicht mit dem Zug, sondern mit einem Bus der → Eurolines-Kooperation, weil das deutlich günstiger war. Von Brüssel aus habe ich dann das Land ein bisschen erkundet, unter anderem wollte ich schon immer mal mit der → Küstenstraßenbahn fahren. Aber auch den Altstädten von Antwerpen und Gent (in beiden Städten ist auch der Bahnhof sehr sehenswert!) und der Exklave → Baarle stattete ich einen Besuch ab. Für Wochenendfahrten im Land bieten die belgischen Eisenbahnen (NMBS/SNCB) ein besonders günstiges Angebot an: die Wochenendfahrkarte, die 50% Ermäßigung bietet und am Schalter, am Automaten oder als Online-Ticket erhältlich ist. Eine Fahrtunterbrechung ist damit allerdings nicht möglich: wegen des Zwischenstopps in Gent, den ich auf dem Rückweg von der Küste gemacht habe, musste ich separate Fahrkarten Brüssel–Gent und Gent–Küste kaufen. An der Küste ist es aber möglich, die Rückfahrt woanders zu beginnen, als die Hinfahrt geendet hat.
Für die Küstenstraßenbahn und meine anderen Fahrten innerhalb Flanderns habe ich dann einen „driedagenpas“ von De Lijn gekauft, der genau so viel kostet wie zwei Tageskarten. Achtung: Am Automaten oder Schalter ist er günstiger als beim Fahrer!
Enden sollte meine Tour dann noch mit einem Foto von der Brüsseler Metro. Das war mir aber leider nicht vergönnt, da die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe (MIVB/STIB) aufgrund des gewaltsamen Todes eines Kollegen die Arbeit niederlegt hatten, wofür ich natürlich vollstes Verständnis hatte. Alle anderen Verkehrsmittel fuhren wie gewohnt, wobei sich die Vertaktung als sehr praktisch erwies. Übrigens kennt die NMBS/SNCB-Auskunft auch die Fahrzeiten der kommunalen Busse und Bahnen, wenn man jeweils „Bahnhof/Haltestelle (alle)“ auswählt. Dass der Verkehrsbetrieb Walloniens, wohin es mich diesmal nicht zog, TEC heißt, sei noch der Vollständigkeit halber erwähnt. In diesem Sinne: Bis bald in Belgien/Tot ziens in België/A bientôt en Belgique!
Stichwörter: Belgien
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12. März 2012
Sucht man in der DB-Reiseauskunft für den 22. April eine Fahrt von Dresden nach Aschaffenburg, findet man u.a. folgende Verbindung:
Dresden Hbf So, 22.04.12 ab 13:53 3 ICE 1556
Leipzig Hbf So, 22.04.12 an 15:07 10
Leipzig Hbf So, 22.04.12 ab 15:26 18 IC 1948
Frankfurt(Main)Hbf So, 22.04.12 an 20:40 2
Frankfurt(Main)Hbf So, 22.04.12 ab 20:54 4 ICE 821
Aschaffenburg Hbf So, 22.04.12 an 21:22 6
Im Vergleich zu anderen Verbindungen fallen die längere Fahrtdauer bei gleichzeitig niedrigerem Sparpreis auf. Beides liegt daran, dass zwischen LL und FF der Sonntags-Verstärker-IC 1948 benutzt wird, der nicht über Erfurt, sondern über Nordhausen fährt. Allerdings hält dieser auch um 20.12 Uhr in Hanau, wo 20 Minuten später der Umstieg auf IC 2329 nach NAH möglich wäre – über eine halbe Stunde und 20 Euro gespart! Wartet man in Hanau eine Dreiviertelstunde auf den nächsten RE, ist man immer noch vor dem ICE da und zahlt sogar noch mal 10 Euro weniger. Leider werden diese Verbindungen nur angezeigt, wenn man als Unterwegsbahnhöfe Nordhausen und Hanau (letzteres mit 10 bzw. 20 min Aufenthalt) eingibt. Dass die DB so etwas absichtlich macht, um die Fahrgeldeinnahmen zu maximieren, möchte ich ihr nicht unterstellen. Bleibt nur die Möglichkeit, dass es sich hier um einen recht kuriosen Fehler im Suchalgorithmus handelt.
Stichwörter: Auskunft+Buchung
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15. Februar 2012
Vorletztes Wochenende hatte ich mal wieder die Ehre, gratis und in der ersten Klasse zu reisen – naja, 2500 Bonuspunkte hat es natürlich schon gekostet. Ziel der Reise war diesmal Lübeck, wo seit kurzem meine Schwester wohnt. Aufgrund des in meinen Augen nur unwesentlich größeren Komforts in der 1. Klasse hatte ich eigentlich vor, eine Freifahrt 2. Klasse zu nehmen, allerdings sind hier die Kontingente sehr knapp. Praktischerweise kann man diese inzwischen online selbst überprüfen, bevor man die Punkte ausgibt. Für die Hinfahrt riet mir auch in der ersten Klasse das Buchungssystem zur Reservierung, so dass ich auf immer noch recht sparsame Gesamtkosten von 4 Euro kam. Für den Rückweg reservierte ich nicht, entschied mich aber wegen der dort existierenden Lounge für eine Verbindung mit halbstündigem Aufenthalt in FF.
Am Reisetag begab ich mich von der Arbeit aus direkt nach NAH, wo der ICE Richtung München pünktlich einlief. Mein reservierter Platz lag in einem der wenigen Abteile, die es im ICE 3 noch gibt. Von seinen Pendants in der zweiten Klasse unterschied es sich durch durch besser gekleidete Insassen und noch teureres technisches Spielzeug, das diese dabei hatten, vor allem aber durch zwei Plätze weniger. Eng fand ich es irgendwie trotzdem, und mein Sitznachbar musste auch zweimal kurz hintereinander aufstehen: in NAH, damit ich meinen Fensterplatz erreichen konnte und in NWH beim Ausstieg.
Dort angekommen, verbrachte ich die Wartezeit in der Bahnhofsbuchhandlung und begab mich dann zum Gleis 7, wo der ICE-T aus Wien fast pünktlich einlief. Diesmal war mein Platz in der Lounge, allerdings am Ende des Zuges. Unterwegs genoss ich das Zeitunglesen und Schlafen, während draußen in der Dunkelheit die Landschaft vorüber zog. Irgendwo hinter Hannover blieben wir auf freier Strecke stehen, als Begründung wurde eine Signalstörung angegeben. Leider führte das zu einer Verspätung von etwa 20 Minuten, also eine Minute mehr als meine Umsteigezeit in AH. Die Zub-in versprach, sich um den Anschluss zu kümmern, gab dann aber kurz hinter Harburg bekannt, dass der Zug leider nicht warten könne. Nächste Reisemöglichkeit: 23.23 Uhr. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, steigerte sich dann aber schlagartig, als ich bei der Einfahrt in AH auf die Uhr schaute: es war 22.10 Uhr und damit 2 Minuten vor der Abfahrt des Anschlusses, der folgerichtig auch noch durchgesagt wurde. Also schnell zum Gleis und rein in den Zug, der dann nur unwesentlich später als geplant abfuhr. Auf der Weiterfahrt gab es noch zwei kurze Verzögerungen wegen BÜ-Störungen, so dass wir AL mit ca. +5 erreichten. Meine Schwester war allerdings auch etwas spät dran, so dass wir uns entgegen gingen.
An den folgenden zwei Tagen kam ich völlig ohne ÖPNV aus, lernte dafür aber die sehr schöne Altstadt von Lübeck kennen und erfuhr im Marzipan-Salon von Niederegger jede Menge über die Herstellung dieser Süßigkeit, die dort in allen Formen und Farben ausgestellt und teilweise auch käuflich zu erwerben ist. Erst am Montag Morgen ging es dann wieder auf den Heimweg. Das Thermometer einer Bank zeigte -15°C, als ich mich auf den Weg zum ZOB machte, um dort noch einige Busfotos zu machen. Im Hbf setzte ich mich dann wieder in die luxuriöse erste Klasse der auf dem RE nach AH eingesetzten Doppelstockwagen. Auf dem Nachbargleis lief gerade der ICE ein, der eigentlich schon eine Stunde vorher einige Lübecker nach München bringen sollte. Trotzdem fuhren wir vor ihm ab. Halte gab es wie auf der Hinfahrt nur zwei, nämlich in Reinfeld und Bad Oldesloe. Dort musste ich diesmal aussteigen, da ich noch meine Tante in Hamburg-Rahlstedt besuchen wollte. Schnell noch auf den Nachbarbahnsteig und den Zug der Nordbahn abgelichtet, dann in die RB Richtung AH aus baugleichen Doppelstockwagen. Die fuhr pünktlich los, musste aber in Bargteheide warten, da nun der verspätete ICE zu seinem Recht kam und auf dem Gegengleis überholte. So erreichten wir ARAL wieder mit leichter Verspätung. Angesichts von Kälte und Gepäck beschloss ich, 1,40 Euro in ein Kurzstreckenticket zu meiner Tante zu investieren, wo ich dann einen sehr netten Vormittag verbrachte.
Zurück ging es mit dem Bus nicht nach Rahlstedt, sondern zum Bahnhof Tonndorf, wo ich wiederum in eine RB nach AH einstieg. Auch diese war leicht verspätet, mein Anschluss an den ICE war aber nicht in Gefahr. Dieser lief pünktlich ein und bot ein reichhaltiges Platzangebot. Auch Zeitungen wurden gratis verteilt, erst einmal beschränkte ich mich aber darauf, aus dem Fenster zu schauen und die Winterlandschaft zu genießen. Erst als es hinter Hannover langsam dunkel wurde, widmete ich mich der „Süddeutschen“. Vor FKW gab es wieder eine kleine Komplikation: der Zug erhielt keine Einfahrt, was ihm bis FF insgesamt +10 einbrachte. Um eben diesen Zeitraum wurde mein Aufenthalt in der Lounge also kürzer. Dort angekommen, zeigte ich meine silberne Bahncard vor, zog mir eine heiße Schokolade und wollte gerade das WLAN nutzen, als ich den 1.-Klasse-Bereich erspähte. Also Fahrschein vorgezeigt und umgezogen. Zu trinken hatte ich ja schon etwas, und für die dort kostenlos angebotenen Snacks hatte ich gerade weder Zeit noch Lust. Viel hatte ich also von dem Luxusangebot an diesem Tag nicht. Die letzte Etappe der Reise bestand aus einer Fahrt in einem RE, der aus älteren Doppelstöckern bestand und erst mal wie eine RB die nordmainischen Haltepunkte abklapperte. Um darin die erste Klasse zu erreichen, musste ich vom Querbahnsteig aus durch den gesamten Zug laufen. Mit nur geringer Verspätung erreichte ich schließlich meinen Heimatbahnhof NAH gegen 20.20 Uhr, wo ein wahrhaft erstklassiges verlängertes Wochenende zu Ende ging.
Stichwörter: Betriebsstörungen, Fernverkehr
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9. Februar 2012
Nicht nur Übersetzen von Netzplänen führt zu kuriosen Ergebnissen: Der Künstler Benny Nero hat einen → Netzplan von Berlin mit Anagrammen der Stationsnamen erstellt. Wenn man dann in „Pfau hat Hohn/Fehlbar erbt Hohn“ (Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof) angekommen ist, kann man von dort aus zum Beispiel zur „Burg Rattenloch“ (Charlottenburg) fahren. Interessanterweise lassen sich aus fast allen Namen mehr oder weniger sinnvolle deutsche oder englische Wörter basteln, nur „Lue Bevel“ (Bellevue) ergibt nicht unbedingt einen Sinn. Meine Favoriten, ohne ein Urteil über die jeweiligen Orte fällen zu wollen: „Abwassers edler Rest“ (Eberswalder Str.), „Moped Rastplatz“ (Potsdamer Platz), „Smart rasiert“ (Samariterstr.) und „Schweineöde“ (Schöneweide). Den originalen Berliner Plan gibt es → hier zum Vergleich.
Stichwörter: Berlin, Stadtverkehr
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11. Januar 2012
Kaum habe ich eine Bahnreise hinter mir, plane ich schon die nächste. Ende März will ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Resturlaub abbauen und den neuen TGV Frankfurt–Lyon–Marseille ausprobieren. Dieser verkehrt ja ab dem 23.3. und ist voll in das Preissystem der DB integriert, so dass dort auch das Europa-Spezial Frankreich gilt. Während der ersten Buchungstage sah ich erfreut, dass noch Fahrscheine für 39 Euro pro Strecke zu haben waren (Bahncard-Rabatt gibt es erst ab 59 Euro). Als gestern aber klar war, dass ich tatsächlich buchen wollte, waren bei der DB weder für die Hin- noch für die Rückfahrt noch Sparangebote verfügbar. Eine Suche bei tgv-europe, der internationalen Verkaufsseite der SNCF, brachte ein interessantes Ergebnis: der Zug für die Hinfahrt wurde gar nicht erst angezeigt. Für die Rückfahrt dagegen war Marseille–Frankfurt tatsächlich noch für 39 Euro zu haben, was ich natürlich sofort buchte.
Für die Hinfahrt bastelte ich ein wenig auf der DB-Seite herum und stieß auf ein interessantes Phänomen: Wenn ich einen 15-minütigen Aufenthalt in Straßburg eingab und dadurch einen Umstieg dort erzwang, waren noch 39-Euro-Tickets zu haben. Und das, obwohl bei der so entstehenden Verbindung die Grenze gar nicht in einem Fernverkehrszug überquert wird, was eigentlich essenzielle Bedingung des Europa-Spezials ist. Nicht lange wundern, sondern buchen, sagte ich mir. Nach Eingabe sämtlicher Daten und Klick auf „Buchung durchführen“ folgte jedoch leider die Ernüchterung: „Im reservierungspflichtigen Zug konnte kein Sitzplatz reserviert werden“ oder so ähnlich. Offensichtlich traf das zu, was ich schon beim Besuch der SNCF-Seite vermutet hatte: Der Zug war ausgebucht.
Also hieß es eine Alternativverbindung suchen: die gab es drei Stunden früher mit gleicher Fahrzeit, aber Umstiegen in Hanau, Offenburg und Straßburg. Die letzteren beiden sind dabei mit 7 bzw. 10 Minuten äußerst knapp, und eine direkte Fahrkarte lässt sich sowieso nicht buchen (DB) bzw. wäre unnötig teuer (SNCF). Ich wollte nun nicht darüber philosophieren, ob man bei Verpassen eines der beiden Anschlüsse kostenlos umbuchen kann, zumal die nächste Verbindung ab Straßburg mit dem ausgebuchten TGV aus Frankfurt wäre. Also letztendlich der Kompromiss: Zwei Fahrkarten NAH–Offenburg und Offenburg–Lyon zum jeweiligen nationalen Spartarif gebucht mit einer Stunde Puffer dazwischen. Kostenpunkt zusammen: 42,05 Euro zzgl. 1 Euro für die Buchung des Ruhebereichs im TGV. Vom Preis her kann man da nicht meckern, nur eine integrierte internationale Buchung zum günstigstmöglichen Preis habe ich, wie schon mehrmals, schmerzlich vermisst.
Stichwörter: Auskunft+Buchung, Europa, Frankreich, Hochgeschwindigkeitsverkehr
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10. Januar 2012
Angesichts des Waldes aus diakritischen Zeichen habt ihr es vielleicht erraten: Ich war mal wieder in Prag. Da beim letzten Besuch nicht viel Zeit für Sightseeing war, habe ich diesmal das lange Wochenende um den 6. Januar genutzt, um mir die tschechische Hauptstadt und ihren ÖPNV ausführlich zu Gemüte zu führen. Gebucht hatte ich Mitte Dezember und damit relativ kurzfristig, gekostet hat die reine Hin- und Rückfahrt trotzdem nur 43,50 Euro. Seit dem Verlust der Ausschreibung für den RE Nürnberg–Prag setzt die DB auf der Strecke Reisebusse ein, die (für Eisenbahnfreunde gemeinerweise) nicht nur eine Stunde schneller, sondern bei rechtzeitiger Buchung auch günstiger sind als der Zug. Allerdings musste ich für die Rückfahrt ab Nürnberg mit dem Nahverkehr Vorlieb nehmen, sonst wäre es wieder teurer geworden.
Los ging es am Freitag um 10.24 Uhr ab NAH mit dem ICE. Der Empfehlung von Hafas folgend, hatte ich reserviert, obwohl ich der Meinung war, dass das an einem Freitagmorgen, selbst wenn er teilweise Feiertag war, nicht nötig sein würde. Das bestätigte sich, und so konnte ich mir einen schöneren Platz als meinen reservierten aussuchen und die 4 Euro Aufpreis in den Wind schreiben. Anderthalb Stunden später erreichte der Zug pünktlich NN, wo ich mich schnurstracks in die Lounge begab. Wozu hat man schließlich seit neuestem eine silberne Bahncard? Auch wenn es sich um einen eher schmucklosen Raum handelt, so war es doch angenehm, ein kostenloses Getränk genießen und dabei Zeitung lesen zu können.
Nach einer halben Stunde begab ich mich auf den Bahnhofsvorplatz, wo der Bus schon bereit stand. Meine Reisetasche wollte ich ganz forsch in den Gepäckraum stellen, aber der Fahrer bat mich, erst einzuchecken, was die Busbegleiterin erledigte. Die Tasche wurde dabei mit einem Aufkleber versehen, dessen Gegenstück ich behielt.
Mein Platz war im oberen Deck des Busses, kurz hinter einer etwas lauten, aber aushaltbaren Gruppe junger Leute, die sich schnell mit der ebenfalls jungen Busbegleiterin anfreundeten. Diese verkaufte nicht nur während der Fahrt Snacks und Getränke, sondern kontrollierte auch die Fahrkarten. Auf einem Monitor wurde nach der Abfahrt ein kurzer Einspielfilm mit Sicherheits- und Servicehinweisen gezeigt. Ein sonstiges Unterhaltungsprogramm gab es aber nicht.
Aus Nürnberg fuhr der Bus auf einer schnurgeraden Ausfallstraße zur Autobahn, die von dort direkt nach Prag führt. Kurz vor der Grenze winkte uns ein Polizeiauto auf einen Parkplatz, um eine Ausweiskontrolle durchführen zu können. Da es dabei offenbar keine Probleme gab, konnten wir die Fahrt sofort fortsetzen; weitere Halte gab es nicht.
Auch auf tschechischer Seite war die Busfahrt zwar schnell, aber langweilig. Ein Farbtupfer waren nur die Reklameschilder an fast jeder Autobahnbrücke, die unter anderem auch für die Busverbindung warben. Das Ende der Autobahn am Stadtrand von Prag war schnell erreicht, so dass wir bereits um 16 Uhr und damit 20 Minuten vor Plan an unserem Endpunkt vor dem Prager Hauptbahnhof ankamen.
Dort hieß es erst einmal Geld wechseln und ein Ticket für den Nahverkehr besorgen. Das erwies sich als schwieriger als gedacht: Schalter gibt es nicht mehr, und die Automaten nehmen nur Münzen. Letztendlich kaufte ich ein Tagesticket bei einer fliegenden Händlerin, deren Angebot ich eigentlich schon abgelehnt hatte. Das Ticket sah zwar auch auf den zweiten Blick noch echt aus, aber da ich nicht kontrolliert worden bin, bleibt ein letzter Zweifel.
In den nächsten zwei Tagen erkundete ich nicht nur die Stadt, sondern da ich erstmals alleine und mit Digitalkamera ausgestattet war, auch den ÖPNV ausgiebig. Ein Foto von der Metro zu machen, erwies sich wie üblich als sehr schwierig – die Bahnsteige sind kaum länger als die Züge, und ein einfahrender Zug führt zumindest bei meiner Kamera zu verwackelten Bildern. Hier das beste Ergebnis mehrerer Versuche, entstanden in der Endstation Depo Hostivař der Linie A, die wie die Linie B noch von modernisierten Wagen aus sowjetischer Produktion befahren wird. Auf der Linie C dagegen fahren modernere M1-Wagen. Das Fotografieren derselben schob ich so lange auf, bis keine Zeit mehr war, deshalb müsst ihr mit dem Analogbild von 2007 Vorlieb nehmen. Dafür gelangen mir einige Bilder von Bussen und Straßenbahnen, die ich demnächst online stelle.
Am Sonntag morgen hieß es dann schon wieder Abschied nehmen von der Goldenen Stadt, aber nicht ohne vorher im Hauptbahnhof noch einige Bilder von tschechischen Zügen gemacht zu haben. Das Innenleben des Bahnhofs hat übrigens sehr gewonnen und hat nichts mehr mit Ellis’ gruseliger Beschreibung von 2008 gemein. Nur die historische Eingangshalle, vor der der Bus hält, könnte eine Renovierung vertragen. A propos Bus: Der stand schon bereit, wieder in DB-Lackierung, aber diesmal vom Kooperationspartner Student Agency und daher mit tschechischem Personal. Fahrer und Begleiterin sprachen aber auch sehr gut Deutsch, umgekehrt war das nicht der Fall. Übrigens gab es diesmal sogar in jedem Sitz Monitore, das „Programm“ war aber das gleiche wie auf der Hinfahrt.
Auch sonst gab es auf der Rückfahrt keine Besonderheiten. Nach der Beschwerde eines weiblichen Fahrgasts zu urteilen, soll diesmal hinten eine recht laute Gruppe gewesen sein, von der ich jedoch vorne nichts mitbekommen habe. Zufällig sah ich unterwegs auch einige Busse in die Gegenrichtung, den ersten direkt bei der Ausfahrt aus Prag. Der Blick auf die Uhr (die Fahrpläne sind symmetrisch) deutete schon auf einige Verfrühung entweder unseres oder der anderen Busse hin, und tatsächlich erreichten wir NN auch wieder 20 min vor Plan.
Statt in die Lounge führte mich diesmal der Weg zu Burger King, und der Blick danach auf die Anzeigetafel führte bei mir zu großen Augen: Für 15.42 Uhr war kein Zug nach Würzburg angegeben! Des Rätsels Lösung: Ich sollte einen Zug nehmen, der über Bamberg nach Würzburg fuhr. Dieser war nur bis Schweinfurt auf der Anzeigetafel vermerkt, da es nach Würzburg einen viel schnelleren direkten RE gibt. Anscheinend wollte Hafas einen langen Aufenthalt in NN vermeiden. Darauf kam ich aber leider erst später, sonst wäre ich doch noch in die Lounge gegangen. Sei es, wie es ist, so habe ich mal wieder die Strecke Bamberg–Würzburg gesehen. Kurios: Der Zug lief als „Franken-Thüringen-Express“, das einzig Thüringische war aber offenbar der Akzent des Zub, der die entsprechenden Ansagen machte. Der Zug wie auch der Anschlusszug ab NWH waren Doppelstockzüge mit ausreichendem Sitzplatzangebot und ohne Verspätung – ergo: weiter nichts zu erzählen, NAH pünktlich zu einer Zeit erreicht, zu der noch Busse fuhren. Zur Nachahmung empfohlen!
Stichwörter: Busverkehr, Fernverkehr, Stadtverkehr, Tschechien
Kategorie Ausland, Bahnfahrn, ÖPNV | 0 Kommentare »